Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
Vengono visualizzate le voci 28-36 di 36

Energie

Windenergie: Schweizer Strom aus luftiger Höhe

Éolienne
Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, wie Erdöl, Gas und Kohle und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind zwingend notwendig, um den dramatischen Verlauf der Klimakrise zu bremsen. Auch die Windenergie verfügt in der Schweiz über ein naturverträglich nutzbares Potenzial, das wir beanspruchen können. Für erfolgreiche Windenergie-Projekte braucht es eine sorgfältige Planung und Rücksicht auf die Biodiversität.

Die Energie des Windes lässt sich bereits mit kleinen Anlagen nutzen. Analog zu PV-Anlagen können Kleinstanlagen im Privatbereich auf Hausdächern oder an Gebäuden installiert werden. Hierzulade gelten sogar Anlagen bis 30 Meter Höhe als Kleinwindkraftanlagen, alle darüber als Grosswindkraftanlagen.  

Éolienne
Rotorendurchmesser

Die Grosswindkraftanlagen an Land können eine Nabenhöhe von bis zu 140 Metern haben. Dies ist höher als der Prime Tower in Zürich, das zweithöchste Gebäude der Schweiz.

Mit ebenfalls 140 Metern Rotordurchmesser, also über 200 Metern Gesamthöhe, erbringen solche Anlagen eine Leistung von bis zu 6 Megawatt und können, je nach Standort, jährlich bis zu 10 Gigawattstunden Strom produzieren. Das entspricht dem Stromverbrauch von ca. 3500 Haushalten (bei einem Verbrauch von 3000 kWh, dem durchschnittlichen Verbrauch von zwei Personen in einem Mehrfamilienhaus).  

Auf dem Meer dürften die Windräder in absehbarer Zeit sogar Rotordurchmesser von über 200 Metern und über 10 Megawatt Leistung erreichen. 

Gefahren für die Natur beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen 

Für den Bau der Windkraftanlage braucht es breite Strassen und Schwertransporte. Werden Windkraftanlage in bisher unverbaute Gebiete gebaut, sind die Eingriffe in die Natur allein schon durch den Bau und den Zugang für die Wartung der Anlage gross. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Windkraftanlagen nur an Standorten gebaut werden, wo es keine Neuerschliessungen braucht. 

Der Betrieb an Land ist vor allem für Vögel und Fledermäuse problematisch. Einerseits besteht Kollisionsgefahr, andererseits gibt es Arten, die empfindlich auf Störungen reagieren. Die betroffenen Tiere meiden die Windparks und werden damit aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt.

Auch im Meer können durch den Bau und den Betrieb sehr viele Störgeräusche entstehen, die Fische und Meeressäuger aus ihrem Lebensraum verdrängen. 

Rückbau und Entsorgung von Windkraftanlagen

Die Windenergie wird vielfach auch damit beworben, dass die Anlage nach der Betriebszeit zurückgebaut werden kann. Das stimmt heute nur bedingt:  

  • Die Stahltürme können relativ einfach zurückgebaut und recycelt werden.
  • Die verbaute Technik im Kopf der Anlage (Gondel) stellt höhere Anforderungen: Es muss verhindert werden, dass umweltschädliche Stoffe austreten können.
  • Die massiven Betonfundamente bleiben nach dem Rückbau vielerorts im Boden. Das ist nur dann vertretbar, wenn die Anlage einem Repowering unterzogen wird und eine neue Anlage auf denselben Standort gebaut wird. Ansonsten sollte auch das Fundament abgebaut und der Stahlbeton recycelt werden.
  • Die Rotorblätter sind heute noch mehrheitlich aus Faserverbundstoffen, die in dieser Form nicht wiederverwendbar sind. Verschiedene Unternehmen und Institutionen arbeiten daran, chemische oder thermische Verfahren zu entwickeln, um die Stoffe zu trennen und so wiederverwendbar zu machen. Auch an der Herstellung von recycelbaren Rotorblätter wird bereits gearbeitet. 

Was ist die Haltung von Pro Natura zur Windkraft? 

Éolienne et oiseaux Sjo
Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Natur kann nicht allein an toten Tieren gemessen werden. Windräder können Tiere aus ihren Lebensräumen oder Durchgangsrouten verdrängen und so auch zur Zerstückelung von Lebensräumen beitragen.

2022 produzierten 41 Windräder 0.15 TWh Strom. Der Bund schätzt das maximale Potenzial auf rund 700 Anlagen. Ein solcher Zubau würde sich aber negativ auf die Biodiversität auswirken. Insbesondere da Standorte mit hohem Windpotenzial häufig Gebiete betreffen, die für die Biodiversität wichtig sind.  

Gemeinsam mit den Verbänden der Umweltallianz haben wir geprüft, wie viele Windkraftanalgen sich in der Schweiz naturverträglich aufbauen liessen. Basierend auf diesen Arbeiten, erachten wir einen Ausbau auf 3.1 TWh bis 2035 als möglich. Dies entspricht ca. 300 zusätzlichen Windräder. 

Mehr dazu 

Wichtig für den Zubau sind sorgfältig erarbeitete Planungsgrundlagen, die aufzeigen wo sich jene Gebiete befinden, die einerseits über genügend Wind verfügen, andererseits aber auch die Anforderungen des Biodiversitätsschutzes erfüllen. Werden diese Planungsgrundlagen nicht sorgfältig erarbeitet, fordert Pro Natura die Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Natur ein. Zum Beispiel, wenn grosse industrielle Anlagen ausserhalb der Bauzone errichtet werden sollen.  

Wie ist ein naturverträglicher Ausbau der Windenergie möglich?

Installation éolienne et centrale hydroélectrique au col du Nufenen thamerpic
Auf dem Nufenenpass wurde die vorhandene Infrastruktur genutzt um das bestehende Wasserkraftwerk mit einer Windkraftanlage zu erweitern.

Windkraftanlagen beeinflussen immer die lokale Natur. Deshalb ist es wichtig, dass ihr Ausbau frühzeitig geplant und koordiniert wird. Unter Berücksichtigung von folgenden Punkten ist ein naturverträglicher Ausbau noch möglich: 

  • Der Bau ist nur ausserhalb von Schutzgebieten zulässig.
  • Auch ausserhalb von Schutzgebieten muss der Einfluss auf die Flora und Fauna, insbesondere der Einfluss auf die lokale und ziehende Vogelwelt und der Fledermäuse, umfassend geklärt werden.
  • Für Bau und Betrieb der Anlagen sollen keine festen Neuerschliessungen wie Strassen oder oberirdische Stromleitungen erforderlich sein. Dies ist vor allem in unbelasteten Landschaften wichtig. Zufahrtswege sollen unversiegelt angelegt werden.
  • Die Anlagen müssen sich an geeigneten Standorten konzentrieren, sodass die Natur nicht durch Einzelanlagen unnötig beeinträchtigt und zerstückelt wird.
  • Bau und Betrieb der Anlage dürfen die Schutzziele von kantonalen und kommunalen Schutzgebieten nicht beeinträchtigen.  

Wir fordern deshalb, dass mindestens auf kantonaler Ebene, besser auf nationaler Ebene, der vorgesehene Ausbau und die geeigneten Standorte umfassend, koordiniert und transparent geplant werden. 

Welche Gebiete sind für Windkraftprojekte geeignet?

Éolienne Matthias Sorg
Mit einer koordinierten, umfassenden Planung ist ein naturverträglicher Ausbau der schweizer Windkraft auf 3.1 TWh möglich.

Windpotenziale haben wir in der Schweiz im Jurabogen in einigen Alpentälern aber auch in der Ostschweiz. Eine Übersicht über die Windgeschwindigkeiten und die Windpotenzialgebiete der Schweiz finden Sie im Windatlas vom Bundesamt für Energie. 
Zum Windatlas 

Übersicht über aktuell geplante Windenergieprojekte in der Schweiz

Die frühzeitige Erhebung der Naturwerte an vorgesehenen Standorten ist zentral bei der Planung von Windkraftanlagen. Nur so können Konfliktpotenziale mit Biodiversität und Landschaft vermieden werden. Bei den Windenergieparks, welche unter die Beschleunigungsvorlage der UREK-N fallen, hat eine gewisse Abklärung dieser Naturwerte auf Ebene Nutzungsplanung bereits stattgefunden. Deshalb ist ein abgekürztes Bewilligungsverfahren für diese Anlagen akzeptabel. Dies muss jedoch eine Ausnahmeregelung bleiben und darf nicht richtungsweisend für weitere Bewilligungsverfahren sein.

Bis 01. Januar 2023 wurden in der Schweiz 43 Windkraftanlagen über das Einspeisevergütungssystem gefördert. Weitere 457 haben eine Zusicherung für die Förderung und 356 stehen noch auf der Warteliste. Nicht alle Projekte, die bereits über Förderzusagen verfügen, sind auch an geeigneten Standorten geplant. Pro Natura beurteilt jedes Projekt individuell und sucht den sinnvollen Mittelweg zwischen Ausbau und Naturschutz. Es braucht Transparenz über die Projekte und einen geografischen Überblick. Unsere interaktive Karte hilft Ihnen dabei. 

Blaue Windräder = Anlage in Planung 
Grüne Windräder = Anlage in Betrieb 
Blaue Flächen = geplanter Windpark 
Blaue Umrisse = Windenergieprüfraum 

 

Potrebbe anche interessarti

Lobsigensee
21.04.2021 Gewässer

Pro Natura sagt Ja am 13. Juni

Am 13. Juni sagen wir bestimmt 3 × Ja: Ja zur Initiative für sauberes Trinkwasser, Ja für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide und Ja zum CO2-Gesetz.

In der Schweiz werden pro Jahr rund 2000 Tonnen Pestizide ausgebracht. Insektenvertilgungsmittel, aber auch Herbizide gegen unerwünschte Pflanzen und Fungizide gegen Pilze. Diese Umweltgifte, die gerne als sogenannte «Pflanzenschutzmittel» bezeichnet werden, verwenden konventionell produzierende Bäuerinnen und Bauern zum Beispiel beim Anbau von Gemüse, Kartoffeln und Wein. Pestizide verschmutzen Böden und Wasser, gelangen in die Nahrungskette – auch der Mensch nimmt sie auf.

Ja zur Trinkwasser- und zur Pestizidinitiative

Zwei Volksinitiativen, die unabhängig voneinander lanciert wurden, möchten dies grundlegend ändern – und damit die Schweizer Landwirtschaft zum naturnahen Anbau verpflichten: Die Pestizidinitiative will den Einsatz von synthetischen Pestiziden gänzlich verbieten. Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass nur noch Bauern Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen und zudem weder Kraftfutter importieren noch vorsorglich Antibiotika an Nutztiere verabreichen 

Die Gifte setzen Kleinstlebewesen zu

Pro Natura empfiehlt ein doppeltes Ja einzulegen. «Es braucht ein Umdenken in der Schweizer Landwirtschaft, mehr Ökologie tut dringend not», begründet Marcel Liner, Verantwortlicher für Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura. Der exzessive Einsatz von Pestiziden sei einer der wichtigsten Gründe für den dramatischen Rückgang der Biodiversität in der Schweiz. So setzen die Gifte etwa den Kleinstlebewesen im Wasser zu: Der Bachflohkrebs, der auf sauberes Wasser angewiesen ist und den Pro Natura zum Tier des Jahres 2021 gewählt hat, ist ein Beispiel. Aber auch Vögel, Amphibien und Käfer leiden unter dem starken Gifteinsatz. 

Pro Natura ist deshalb überhaupt nicht zufrieden mit der aktuellen Landwirtschaftspolitik. «Die Agrarlobby ist im Parlament sehr stark und bremst positive Ansätze konsequent aus», kritisiert Liner. Das aktuellste Beispiel ist die Agrarpolitik 22+, mit welcher der Bundesrat bescheidene ökologische Fortschritte anstrebte, die aber von der bürgerlichen Bauernlobby im Parlament versenkt worden ist.

Unverbindlicher Gegenentwurf 

Die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative geniessen Sympathie bis ins bürgerliche Lager. Einen echten Gegenvorschlag hat das Parlament dennoch nicht zustande gebracht, bloss einen informellen Gegenentwurf. 

So wird beim Einsatz von Pestiziden ein langfristiger Absenkpfad von 50 Prozent angestrebt. «Das Parlament hat dem ursprünglichen Vorschlag aber viele Zähne gezogen, und für die Umsetzung fehlen griffige Massnahmen», sagt Liner. Er ist der Meinung, in der Bevölkerung sei in den letzten Jahren die Sensibilität für das Thema Pestizide ähnlich wie für den Klimawandel «stark gestiegen». Deshalb hofft Pro Natura auf ein Ja zu den Initiativen, damit die hochgiftigen Pestizide nicht weiter unsere Lebensgrundlage zerstören.

Ja zur Initiative für sauberes Trinkwasser
Laut der Trinkwasserinitiative sollen bloss noch Bäuerinnen und Bauern Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen. Ebenfalls ausgeschlossen von Subventionen sind Landwirte, die in der Tierhaltung importiertes Kraftfutter verwenden oder prophylaktisch Antibiotika an Nutztiere verabreichen.
Mit diesen Massnahmen möchte man innerhalb einer Übergangsfrist von acht Jahren den jährlichen Bestand der rund 72 Millionen Nutztiere in der Schweiz senken — und damit auch die Überdüngung von Böden und Gewässern, die unter anderem stark mit Nitraten belastet sind. Treibende Kraft hinter der Initiative ist die Bernerin Franziska Herren, die sich zuvor gegen das AKW Mühleberg engagiert hatte. Initiative für sauberes Trinkwasser

Ja für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide
Die Pestizidinitiative möchte den Einsatz von synthetischen Pestiziden in der Schweiz verbieten — nicht nur für Landwirte, sondern auch für das Gewerbe und Private. Die Initiative verlangt zudem, dass innert einer Übergangsfrist von zehn Jahren auch importierte Gemüse und Früchte nicht mehr mit Pestiziden belastet sein dürfen, und schafft so gleiche lange Spiesse für in- und ausländische Produzenten. Lanciert wurde die Initiative von der Gruppe «Future3», die vor allem in der Romandie verankert ist. Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide


 

Ja zum CO2-Gesetz

Ein Ja zum CO2-Gesetz am 13. Juni ist von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz, weil wirksame Massnahmen sonst weitere Jahre auf sich warten lassen. Der austarierte Massnahmenmix im revidierten CO2-Gesetz nimmt alle Sektoren (Gebäude, Industrie, Mobilität, Finanzplatz) solidarisch in die Verantwortung. Webseite klimaschutz-ja
 

Ausläufer Aletschgletscher von der Belalp-Seite Claudio Büttler
Unsere Gletscher schmelzen. Die Auswirkungen der Klimazerstörung machen sich bereits heute in der Schweiz bemerkbar und werden weiter zunehmen.
Aletschgletscher
17.05.2021 Klimakrise

Interview mit Simonetta Sommaruga: «Dieses Jahrzehnt wird entscheidend sein»

Beim Klimaschutz sei es essenziell, jetzt die Weichen richtig zu stellen, sagt Umweltministerin Simonetta Sommaruga. Deshalb plädiert sie im Namen des Gesamtbundesrats für ein Ja zum CO2-Gesetz.

Pro Natura Magazin: Im schwierigen Coronajahr wurde von den jungen Generationen viel Solidarität gegenüber der ältesten Generation abverlangt. Darf bei der Klimapolitik, und damit auch beim CO2-Gesetz, nun eine Solidarität in die umgekehrte Richtung erwartet werden?

Bundesrätin Simonetta Sommaruga: Ein intaktes Klima ist für alle Menschen wichtig – für die jungen und die alten. Klimaschutz funktioniert nicht, wenn wir die Generationen gegeneinander ausspielen. Dies gilt erst recht in der gegenwärtigen Pandemie, die uns in der Tat sehr fordert. Ohnehin bringt das revidierte CO2-Gesetz aber der ganzen Bevölkerung etwas: Es hilft mit, dass in klimafreundlichen Branchen Arbeitsplätze entstehen, und es belohnt jene, die beim Heizen und bei der Mobilität wenig CO2 verursachen. So erheben wir neu eine Flugticketabgabe, von welcher profitiert, wer nicht oder wenig fliegt. Zudem dient sie dazu, die umweltfreundlichen Nachtzüge zu unterstützen; diese sind ja attraktiv für Reisende jeden Alters. Kurz: Dieses Gesetz ist gut für alle Menschen – und gut für die Natur.

Einzelne Vertreterinnen der Klimajugend stehen dem CO2-Gesetz kritisch gegenüber, weil es ihrer Meinung nach zu wenig weit geht, um den Klimawandel entschieden zu bremsen. Was entgegnen Sie ihnen?

Ich will auch, dass es beim Klimaschutz vorwärts geht. Wer jetzt Nein sagt, hilft aber nicht jenen, die das Klima rascher und konsequenter schützen wollen, sondern es gewinnen jene, die weiterhin möglichst viel Öl verkaufen wollen. Das wäre ein grosser Rückschritt im Klimaschutz. Deshalb müssen wir die Weichen jetzt richtig stellen – und die Treibhausgase weiter deutlich senken. Das tut das Gesetz. Dieses Jahrzehnt wird entscheidend sein. Und nach 2030 werden die Anstrengungen weitergehen. Wir sind beim Klimaschutz noch lange nicht am Ziel. Aber ich bin zuversichtlich: Klima- und Naturschutz werden für die Bevölkerung immer wichtiger. Das ist auch dem Engagement der Umweltschutzorganisationen zu verdanken.

Und was entgegnen Sie der Erdöllobby, die Klimaschutzmassnahmen grossmehrheitlich als überflüssig bezeichnet?

Das Zeitalter von Erdöl, Gas und Kohle neigt sich dem Ende zu. Elektrofahrzeuge sind auf dem Vormarsch, Wärmepumpen und Solarpanels ersetzen Öl- und Gasheizungen; Schweizer Firmen sind längst dabei, von der fossilen Energie wegzukommen. Das weiss auch die Ölindustrie, und dagegen wehrt sie sich. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren 80 Milliarden Franken für Öl und Gas ins Ausland geschickt.
Mit dem Gesetz sorgen wir dafür, dass dieses Geld in der Schweiz für eine fossilfreie Zukunft investiert wird – zum Beispiel für die Anschaffung von Elektrobussen im öV oder für Ladestationen für Elektroautos.

Ist auch Solidarität gegenüber anderen Weltregionen gefragt, die wenig zum Klimawandel beigetragen haben, dessen Auswirkungen aber deutlich spüren?

Ja, die Schweiz steht hier in der Verantwortung, denn sie hat zusammen mit anderen Industrienationen in den letzten rund 150 Jahren zum Klimawandel beigetragen. Dieser trifft arme Regionen besonders hart. Ich war vor meiner Zeit als Bundesrätin Präsidentin der Entwicklungshilfeorganisation Swissaid und habe in Afrika gesehen, dass der Klimawandel zuerst zu Dürren, dann zu Ernteausfällen und als Folge davon zu verschärften Konflikten und zu Hungersnöten führt. Die Schweiz gibt Gegensteuer und unterstützt jährlich mit 450 bis 600 Millionen US-Dollar Massnahmen für den Klimaschutz in Entwicklungsländern.

Wie merken Sie persönlich, dass sich das Klima erwärmt und dass dringend Gegenmassnahmen ergriffen werden müssen?

Mir machen die Hitze und das schwüle Wetter wie vielen anderen auch zu schaffen. Ich geniesse im Sommer entsprechend die Berge. Aber dort ist unübersehbar: Das Klima ist aus den Fugen geraten. Die Gletscher schmelzen, der Permafrost taut auf, Hänge geraten ins Rutschen. In der Schweiz steigen die Temperaturen doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt. Dauert dies an, leiden auch die Tiere: Eine Studie im Auftrag des Bundes hat kürzlich ergeben, dass sich in Zukunft Bäche und Flüsse im Sommer womöglich so stark erwärmen, dass Fische nicht mehr darin leben können, denn sie brauchen kühles Wasser. Und kleinere Gewässer drohen ganz auszutrocknen. Noch haben wir es in der Hand, diese Entwicklung zu bremsen und die Biodiversität zu schützen. Mit einem Ja zum revidierten CO2-Gesetz machen wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Raphael Weber, Chefredaktor Pro Natura Magazin

Simonetta Sommaruga Beat Mumenthaler
Frau Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Gletschervorfelder
28.07.2021 Gewässer

Gletscher weg, Stausee her?

Weil unsere Gletscher wegschmelzen, entstehen in den Alpen umfangreiche Gletschervorfelder. Die Energiewirtschaft möchte diese vielerorts für den Bau neuer Stauseen nützen. Doch diese Lebensräume haben auch für die Biodiversität einen hohen Wert.

Es wird Zeit, sich von den Gletschern zu verabschieden. Der ewige weisse Firn auf unseren Postkartenalpen wird die vom Menschen befeuerte Klimaerwärmung nicht überleben. Zwischen 1850 und 2016 sind bereits 60 Prozent des Eisvolumens der Alpen weggeschmolzen. Und seither hat sich der Trend noch beschleunigt: Zählte man 1973 noch insgesamt über 2100 einzelne Gletscher in der Schweiz, sind es heute noch rund 1400.

Im besten Fall, so schätzen Glazio­loginnen und Glaziologen, finden sich Ende des Jahrhunderts vielleicht noch kleinste Gletscherrelikte im hochalpinen Raum. Diese berichten dann als stumme, gequälte Zeitzeugen davon, wie wir als Gesellschaft vielleicht doch noch die Notbremse ziehen konnten und die Klima­katastrophe nicht vollends aus dem Ruder gelaufen ist. Die Ablehnung des CO2-Gesetzes am 13. Juni hat diesbezüglich aber kein ermutigendes Zeichen gesetzt.

Neue Lebensräume entstehen

Mit den Gletschern und dem Permafrost verschwindet auch deren stabilisierende Wirkung auf die Berglandschaften. Die Gefahr von Bergstürzen nimmt im Alpenraum markant zu. Die freiwerdenden Flächen bieten, bei aller Tragik, aber auch Perspektiven. Aus Sicht des Naturschutzes entstehen in den sich ausdehnenden Gletschervorfeldern, je nach Lage, auch wertvolle Biodiversitätsflächen. Aus Sicht der Energiewirtschaft bilden die entstehenden Seen nutzbare Potenziale für die Wasserkraft.

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Documenti scaricabili

Studie «alpine Auen»

Die Energiewirtschaft ist längst aus den Startlöchern und damit beschäftigt, ihre Forderungen abzustecken. Wo einst Gletscher das Landschaftsbild prägten, sollen zukünftig Stauseen eine Energielandschaft gestalten. Angetrieben wird diese Entwicklung durch die relativ einseitige Zuweisung von Fördermitteln zugunsten der Wasserkraft. Der effektive Nutzen dieses Zubaus ist umstritten, zumal die Potenziale im Effizienzbereich sowie von anderen, weniger invasiven Technologien, insbesondere der Solar­energie, massiv grösser sind und ebenso zur viel zitierten Versorgungssicherheit beitragen.

Grosses Biodiversitätspotenzial

Während die Nutzungsansprüche, bemessen am Energiepotenzial dieser Standorte, verhältnismässig gut dargestellt werden können, sind die notwendigen Unter­suchungen zur Bedeutung dieser Gebiete für die Biodiversität erst am Anfang. Pro Natura hat deshalb nun in einer Studie die Biodiversitätspotenziale dieser Lebens­räume einschätzen lassen. Die Resultate zeigen wenig überraschend, dass einige dieser Flächen von grossem Wert für die Biodiversität sein werden – insbesondere als neue Lebensräume, allenfalls auch als Rückzugsgebiete für Arten, die aufgrund des Klimawandels in höher gelegene Gebiete «abwandern» müssen. 

Gletschervorfelder Raphael Weber
Eines von 13 prioritären Objekten mit dem höchsten Biodiversitätspotenzial: das Vorfeld des Unteraargletschers, bei dem die Pläne zur Flutung schon weit fortgeschritten sind.

Noch sind aber viele Fragen offen. Erörtert werden sie unter anderem an einem «Runden Tisch zur Wasserkraft», den das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) im Vorjahr zum ersten Mal einberufen hat. Dort sollen die Ansprüche von Schutz und Nutzung auf Augenhöhe diskutiert werden. Unter Einbezug der verschiedenen Akteure soll die Entwicklung der Wasserkraft mitgestaltet werden. Pro Natura setzt sich in diesem Rahmen dafür ein, dass jene Gebiete, die von besonderem Wert für die Biodiversität sind, möglichst für diese erhalten bleiben. 

Gletschervorfelder
Studie «alpine Auen: Entwicklung 2000 - 2100»
Knapp 500 Gletschervorfelder sind im Auftrag von Pro Natura einer ersten Analyse unterzogen worden.

Viele wertvolle Objekte

Knapp 500 Gletschervorfelder sind im Auftrag von Pro Natura einer ersten Analyse unterzogen worden. Das geowissenschaftliche Büro geo7 hat dabei einerseits die Dynamikbereiche der Standorte und deren Entwicklung betrachtet, andererseits flossen auch die bestehenden Nutzungen in die Analyse mit ein.

Die Resultate zeigen, dass vielen Objekten aus Sicht des Biodiversitätsschutzes hohe Priorität zukommt. Sei es als neue alpine Schwemmebene, sei es als Gletschervorfeld. Viele dieser Objekte befinden sich ausserhalb bestehender Schutzgebiete. Darunter sind auch einzelne, deren Nutzung bereits diskutiert oder geplant ist. 

Aus Sicht von Pro Natura ist der Bund in der Pflicht, den ökologischen Wert dieser Gebiete für die Biodiversität genauer zu prüfen, bevor weiter über deren Nutzungsmöglichkeiten diskutiert wird. In jenen Fällen, in denen die Kriterien für die Aufnahme in ein nationales Schutzinventar gegeben sind, sollen die Inventare entsprechend erweitert und die Flächen dem Biodiversitätsschutz statt der Nutzung zugeschlagen werden.

Michael Casanova betreut bei Pro Natura die Dossiers Energiepolitik und Gewässerschutz.

Wintersportinfrastruktur
07.01.2022 Alpen

Schneefallgrenze selbstgemacht

Künstlich produzierter Schnee verbraucht viel Energie und Wasser. Ausserdem verändert er die Pflanzenwelt, stört Tiere, und die Produktionsanlagen verschandeln die Landschaft. Und es werden laufend mehr, denn Wintersportgebiete können ohne künstliche Beschneiung gar nicht mehr überleben.

Die Wintersportnation Schweiz hat ein Problem: Der Schnee wird rar – und rarer. Seit 1970 ist die Anzahl Schneetage in Orten unter 800 Meter um satte 50 Prozent gesunken, und selbst auf 2000 Metern waren es immer noch minus 20 Prozent. Das zeigt ein aktueller Bericht des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zum Klimawandel in der Schweiz. Und das Schneesterben geht weiter. Die Nullgradgrenze wird «pro 1 °C Erwärmung um rund 150 bis 200 m» ansteigen, schreibt das Bafu. Und ohne Schnee fährt es sich schlecht Ski. 

Wer braucht schon Naturschnee?

Die Skigebiete haben die Lösung aber längst gefunden: Sie machen ihren Schnee einfach selbst. Zumindest die grossen, die es sich leisten können – oder die von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt werden. Dank künstlich produziertem Schnee (umgangssprachlich Kunstschnee, in Fachkreisen technischer Schnee genannt), kann die Saison sehr früh starten und spät enden, mehr Skifahrerinnen und Skifahrer flitzen die Pisten hinab, das bringt Einnahmen. Für die Ski­gebiete ist Beschneiung also eine gute Lösung. Kein Wunder, werden immer mehr Anlagen gebaut.

Der Klimawandel verschärft die Situation jetzt zusehends. Alleiniger Auslöser für diese Entwicklung war er allerdings nicht, wie Klimatologe Christoph Marty vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos sagt: «Ursprünglich war das Ziel der Beschneiungsanlagen, dass die Skigebiete an Weihnachten offen haben konnten. Dazu fingen sie schon im November an, Schnee zu produzieren. Aber wenn die Pisten schon präpariert sind, warum sollte man dann noch warten bis Weihnachten? Also öffneten sie schon Mitte, Ende November.» Und die Gäste kommen, denn Skifahrerinnen und Skifahrer sind gegenüber Kunstschnee durchaus positiv eingestellt, wie Befragungen zeigen. Demnach ist Schneesicherheit bei der Wahl einer Feriendestination ein wichtiger Faktor. 

Auswirkungen auf die Natur

Was für die Kasse gut ist, ist es für die Natur nicht, ökologisch betrachtet hat Kunstschnee gar keine weisse Weste, wie Geograf Dominik Siegrist, Professor im Studiengang Landschaftsarchitektur an der OST Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil (SG), sagt: «Künstliche Beschneiung beeinträchtigt Fauna, Flora und Landschaft stark. Direkt auf jenen Pisten­flächen, auf denen beschneit wird und indirekt durch Wasserentnahme aus Gewässern sowie Lärm- und Lichtimmissionen auch auf die Umgebung. Besonders problematisch ist das etwa in Karstgebieten, in denen es wenig Wasser gibt und natürlich in Mooren, in denen man eigentlich gar nicht beschneien dürfte.» 

Das Problem beginnt ausserdem schon, bevor überhaupt künstlicher Schnee vom Himmel rieseln kann. Zuerst müssen die dafür nötigen Anlagen in den Bergen erstellt werden. Mit schweren Baumaschinen werden Wasser- und Stromleitungen in tiefen, frostfreien Gräben verlegt und die Maschinen zur Schneeherstellung montiert. Weil Gebirgsökosysteme ausgesprochen empfindlich sind, kann es Jahrzehnte dauern, bis sich Boden und Vegetation von solchen Eingriffen erholen. 

BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.
 

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Schneeschuh Mont Soleil
Mitglied werden
Weitere spannende Artikel zum Thema Kunstschnee finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins für Mitglieder.
Bürgerversammlung für das Klima
04.01.2022 Umweltbildung

Mit Bürgerversammlungen gegen die Klimakrise

Die Schweiz soll einen Klimarat einberufen, der griffige Massnahmen für mehr Klimaschutz vorschlägt. Dies fordern die Grünen. Im zürcherischen Uster hat man mit einem solchen Gremium erste positive Erfahrungen gemacht.

Der Klimaschutz in der Schweiz kommt nur schleppend voran. Darum fordern die Grünen einen Klimarat: Sie möchten, dass die Schweiz eine Bürgerversammlung aus 200 per Los ausgewählten Personen einberuft, die «mehrheitsfähige Lösungen für den Klimaschutz und für mehr Klimagerechtigkeit» vorschlägt. Im Gremium wären alle Bevölkerungsgruppen angemessen vertreten. Die Grüne Fraktion hat im Herbst 2020 – also noch vor dem Volksnein zum CO2-Gesetz – eine entsprechende parlamentarische Initiative eingereicht. Die Schaffung von Klimaräten ist auch eine zentrale Forderung der Klimabewegung. 

Eine solche Bürgerversammlung, so die Überlegung, wäre keinen Parteien verpflichtet und stünde nicht im medialen Scheinwerferlicht. Sie wäre daher eher bereit, die nötigen einschneidenden Massnahmen vorzuschlagen, die zur Bewältigung der Krise nötig sind. Nationalrat Balthasar Glättli, Präsident der Grünen: «Ich war überrascht, welch weitreichende Massnahmen etwa die Klimaräte in Frankreich und in Irland vorschlugen.» Der Klimarat in der Schweiz soll Gesetzes­änderungen vorschlagen, die dann beschleunigt durch Parlament und Bundesrat behandelt werden müssten. Und er soll mit Zweidrittelmehrheit sogar Verfassungsänderungen einreichen können. 

Uster zeigt, wie es geht

Auf lokaler Ebene Erfahrung mit einem Klimarat gemacht hat schon die Stadt Uster. Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des Kantons Zürich. Im letzten Herbst versammelten sich in Uster 20 per Los ausgewählte Interessierte, um Massnahmen zum Klimaschutz zu diskutieren. Joelle Warthmann, eine Maturandin, die zurzeit ein Zwischenjahr absolviert, war mit von der Partie. «Wir haben sehr offen und auf Augenhöhe miteinander diskutiert. Politik wird so gut fassbar», sagt sie. Sie war schon vorher am Thema interessiert, bezeichnet sich aber nicht als Klimaaktivistin. 

Nach insgesamt viertägigen Beratungen inklusive Eingangsreferat eines Klimaexperten schlug das «Bürgerpanel Uster für mehr Klimaschutz» 44 Massnahmen vor: Sie reichen von Besuchen von Umweltfachpersonen in Schulen bis zur Empfehlung, dass die Stadt einen Abfallsack für Haushaltplastik einführen solle. Anfang November präsentierten die Mitglieder des Bürgerpanels die Massnahmen der Bevölkerung. Es kamen gut 100 Personen. Joelle Warthmann fand die Erfahrung mit dem Klimarat jedenfalls «sehr positiv» und wünscht sich mehr solcher Initiativen.  

Es liegt nun in Uster an der Politik, zu prüfen, welche Forderungen umgesetzt werden. «Vieles haben wir schon zuvor angepackt», sagt die für das Dossier zuständige Stadträtin Karin Fehr (Grüne). Das Bürgerpanel fasste auch heisse Eisen an und empfahl mit 13 zu 7 Stimmen die flächendeckende Ein­führung von Tempo 30 in den Quartierstrassen. Diese Massnahme stösst im Stadtrat (Exekutive) laut Karin Fehr auf positives Echo. Das Votum des Klimarats «gibt uns Rückenwind und motiviert uns, weiter an diesem Thema dranzubleiben», sagt sie. Im Stadtrat von Uster gibt es seit 2018 eine rot-grüne Mehrheit.

Schweiz tut sich schwer

Auf nationaler Ebene hat es die Forderung nach einem Klimarat jedoch schwer, auch weil er mehr Kompetenzen hätte als der Rat in Uster. Die vorberatende Kommission des Nationalrats lehnte die parlamentarische Initiative der Grünen deutlich mit 19 zu 5 Stimmen ab, nicht einmal die SP-Vertreter stimmten geschlossen dafür. Die Mehrheit der Kommission war der Auffassung, dass ein Klimarat «die Stellung des Parlaments schwächen würde», weil eine Konkurrenzbehörde geschaffen würde. Ausserdem könnten Bürgerinnen und Bürger ja schon mit Volksinitiativen und Referenden direkt in die Politik eingreifen, lautete ein weiteres Argument. Der Nationalrat lehnte das Geschäft Mitte Dezember mit 136 zu 33 Stimmen ab, es ist damit vom Tisch. 

Glättli will aber nicht aufgeben und «die Idee weiterverfolgen, unter Berücksichtigung der Kritik». Und auf lokaler Ebene plant der Kanton Zürich weitere Klimaräte, dieses Jahr einen in Winterthur (der sechstgrössten Stadt der Schweiz) und einen weiteren in Thalwil.

STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Gewässer im Winter
Mitglied werden
Weitere spannende Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins für Mitglieder.

«Ich hatte von Klima keine Ahnung»

Mit der «Bürgerversammlung für das Klima» führte Frankreich von Oktober 2019 bis Juni 2020 ein Experiment in direkter Demokratie durch. Eine repräsentative Auswahl von Bürgerinnen und Bürgern sollte Massnahmen definieren, um die Treibhausgasemissionen Frankreichs sozial gerecht bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Mit dabei war auch der heute pensionierte Informatiker Guy Kulitza.

Pro Natura Magazin: Wie entstand die «Bürgerversammlung für das Klima»? 

Guy Kulitza: Die Bürgerversammlung ist Teil der Massnahmen von Emmanuel Macron (Frankreichs Präsident, Anm. der Redaktion) als Reaktion auf die Proteste der Gelbwesten. Marcron versprach damals eine breite Diskussion auf nationaler Ebene. Ab 2019 generierte ein unabhängiges Institut Telefonnummern nach dem Zufallsprinzip, um eine repräsentative Auswahl an Bürgerinnen und Bürgern nach Kriterien wie Alter, Geschlecht, Wohnregion, Ausbildungsniveau oder beruflicher Stellung zusammenzustellen. 

Es konnte sich also niemand freiwillig melden, etwa als Mitglied einer Partei oder eines Interessenverbands?

Nein, wir wurden alle quasi ausgelost. Als ich angerufen wurde, dachte ich erst, es gehe um Werbung. Danach habe ich das Ganze mit meiner Familie besprochen, bevor ich mich auf das Abenteuer einliess. Ich hatte so viel zu lernen! Ich hatte von Klima keine Ahnung und hatte mich zuvor kaum je mit Ökologie befasst. 

Wie lief die Bürgerversammlung ab?

Mit der Organisation wurde der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat betraut. Ein unabhängiger Lenkungsausschuss hatte die Aufgabe, die Bürgerversammlung zu leiten, ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass ihr Wille respektiert wird. Die 150 Mitglieder wurden wiederum nach dem Zufallsprinzip in fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich mit den Themen Wohnen, Transport, Konsum, Arbeit/Produktion und Ernährung befassten. Unterstützend standen den Gruppen Experten aus den jeweiligen Fachbereichen zur Verfügung. Sie überprüften während der Gespräche Fakten und Zahlen, räumten wissenschaftliche Unklarheiten aus oder beantworteten Fragen zur Gesetzgebung. Geleitet wurden die Arbeitsgruppen von Moderatoren und Moderatorinnen, die dafür sorgten, dass sich alle zu Wort melden konnten.

Wie liefen die acht Sitzungen ab?

Referentinnen und Referenten aller politischen Richtungen und Ideologien haben aus Sicht ihres jeweiligen Fachgebiets eine Analyse und den aktuellen Kenntnisstand zum Klima dargelegt. Ich war in der Arbeitsgruppe Ernährung, obwohl mir Transport lieber gewesen wäre. Dort hätte ich wohl mehr beitragen können. Rückblickend aber finde ich den Ansatz sinnvoll: So hörte ich ohne Vorbehalte und Vorurteile zu, was Vertreter der Agroindustrie, Saatguthersteller, Direktverkäufer und diverse NGOs zu sagen hatten.

Das Ganze war also ein Erfolg? 

Definitiv, auch wenn Präsident Macron sein Wort nicht gehalten hat: Er hatte versprochen, dem Parlament die am weitesten fortgeschrittenen Ergebnisse «ungefiltert» zu übermitteln. Von unseren 149 Vorschlägen sind nun aber gerade mal 15 von der Regierung aufgenommen worden. Das ist zwar enttäuschend, aber ich denke, wir haben trotzdem etwas bewirkt. Das Experiment hat gezeigt, dass mit guten Informationen von verschiedener Seite jede Bürgerin und jeder Bürger Verantwortung übernehmen und ehr­geizige Vorschläge machen kann, die eine klare Mehrheit finden können.

Was haben Sie persönlich gelernt? 

Wenn Politik «von unten» kommt, ist sie friedfertiger. Unsere Gespräche verliefen stets in gegenseitigem Respekt und mit gesundem Menschenverstand – keiner unserer Vorschläge lief dem allgemeinen Interesse zuwider. Alle haben sich dadurch als Mensch weiterentwickelt.

MURIEL RAEMY arbeitet als freischaffende Journalistin.
www.conventioncitoyennepourleclimat.fr

Stadtfuchs Scheitlinsbüchel

Grünes Gal­lustal

Maisfeld mit trockener Erde
25.03.2022 Aktiv werden

«Die Erde hat Fieber»

Biodiversitätsverlust und Klimakrise machen unseren Planeten krank – und damit uns Menschen.

Der Erde geht es gar nicht gut. Christian Abshagen, Leiter CAS Gesundheit und Umwelt an der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) erklärt im Interview, mit welcher Therapie wir ihr und damit auch uns Menschen helfen können, gesund zu werden respektive zu bleiben.

 

Pro Natura Magazin: Käme die Erde zu Ihnen als Patientin, welche Diagnose würden Sie ihr stellen?

Christian Abshagen: Die Erde hat Fieber, Organfehlfunktionen wie schmelzende Polkappen und zerstörte Regenwälder. Zudem zeigt sie Anzeichen chronischer Vergiftung, etwa durch Feinstaub oder Plastikmüll.

Die Erde ist also krank. Werden deswegen auch die Menschen krank?

Natürlich gäbe es leider auch kranke Menschen, wenn die Erde gesund wäre. Aber es gibt sehr viel mehr unnötig und unverschuldet kranke Menschen, wenn auch die Erde krank ist. Jährlich sterben zum Beispiel bis zu acht Millionen Menschen an den Belastungen durch Feinstaub.

Macht eine intakte Natur gesund?

Ja, ganz direkt. Etwa durch einen Waldspaziergang, der Stress mindert. Aber auch indirekt, indem sie zu mehr Bewegung ­animiert und auch hilft, sich gesünder zu ernähren.

Wie schaden Klimawandel und Biodiversitätsverlust der ­Gesundheit ganz konkret?

Beim Klimawandel ist es zunächst ganz direkt die Hitze. Allein im «Jahrhundertsommer» 2003 starben in Europa 30 000 bis 70 000 Menschen mehr als üblicherweise. Studien zeigen zudem, dass von 1991 bis 2015 ein Drittel aller Hitzetoten auf den Klima­wandel zurückzuführen sind. Andere direkte Folgen des Klimawandels sind Todesfälle und Verletzte durch Naturkatastrophen. Aber auch indirekt machen Klimawandel und Biodiversitätsverlust der Gesundheit zu schaffen, so nehmen etwa Allergien zu. Eine längere Pollenflugsaison und mehr invasive Pflanzen begünstigen Heuschnupfen und als Folge davon leiden mehr Menschen an Asthma. Auch die Ernährungssicherheit ist ein grosses Thema. Klimawandel und ausbleibende Bestäubung wegen fehlender Insekten führen zu mehr Ernteausfällen. Aber auch Infektionskrankheiten verbreiten sich anders und mehr als früher.

Infektionen haben mit Umweltveränderungen zu tun?

Ja.

Inwiefern?

Unsere moderne Gesellschaft schädigt durch ihren Lebens­wandel Ökosysteme und Biodiversität und das leistet Zoonosen, also Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, Vorschub. Wir kennen das nicht erst seit Covid-19, sondern schon von HIV oder Ebola. Umweltveränderungen führen dazu, dass gewisse Spezies aussterben, andere passen sich gut an und verbreiten sich überproportional. Zum Beispiel Fledermäuse oder Nagetiere. Also oft Tiere, die in der Nähe des Menschen leben. Sind die Tiere mit Krankheitserregern infiziert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese auf den Menschen überspringen. Ein anderer Mechanismus ist, dass sich infolge des Klimawandels Stechmücken und Zecken weiter ausbreiten und mit ­ihnen Krankheiten wie Dengue-Fieber, Malaria oder Borreliosen.

 

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Christian Abshagen ist promovierter Arzt und hält ein Diplom in Tropenmedizin sowie ein MBA. Am Universitätsspital Basel leitet er die Fachstelle Nachhaltigkeit. Zudem ist er als Studiengangleiter und Dozent für den CAS Gesundheit und Umwelt an der Fachhochschule Nordwestschweiz tätig. Christian Abshagen lebt mit seiner Partnerin und zwei Söhnen in Basel.

Christian Abshagen zVg
Christian Abshagen

Wäre die Erde Ihre Patientin, welche Therapie würden Sie ihr verordnen?

Eine gute Therapie sollte immer ursächlich sein und nicht rein symptomatisch. Wir können natürlich Diamantpartikel in die Stratosphäre schiessen, um die Sonneneinstrahlung abzumildern. Aber damit sind die zugrunde liegenden Probleme nicht gelöst.

Wie lösen wir es?

Wir müssen die Treibhausgasemissionen, Nitratbelastung und Plastikkonsum senken, wir müssen weg von intensiver Landwirtschaft, wir müssen die Kreislaufwirtschaft stärken. Wir müssen die Ökosysteme, die wir noch haben, unbedingt schützen. Wir müssen uns fragen: Wie bauen wir Städte? Wie gestalten wir die Mobilität? Wie die Ernährung? Kurz: Es bedarf grosser Transformationen.

Biodiversitätsschutz, der Kampf gegen den Klimawandel und der Gesundheitsschutz sollten heutzutage also eigentlich in alle wichtigen Entscheidprozesse mit einbezogen werden?

Im 21. Jahrhundert lautet die Formel: Klimaschutz gleich ­Biodiversitätsschutz gleich Umweltschutz gleich Gesund­heitsschutz. Es gibt von der Weltgesundheitsorganisation die Forderung nach «Health in all policies», sprich: «Gesundheit in allen Politikbereichen». Wir müssen die Gesundheit also überall mitberücksichtigen, in der Wirtschaft, in der Raumplanung und so weiter. Und weil Gesundheit und globale Umweltverände­rungen so untrennbar miteinander verbunden sind, würde ich das Wort «Planetary» hinzufügen, also «Planetary Health in all policies».

Kann die Erde überhaupt noch gesund werden?

Was Klimawandel und Biodiversitätsverlust so gefährlich ­machen, sind die sogenannten Kipppunkte. Hier funktioniert die Erde genau so wie der menschliche Organismus. Der Körper kann ein chronisches ­Leiden wie eine kranke Leber sehr lange kompensieren – doch plötzlich kippt es und es kommt zu Organversagen und im schlimmsten Fall zum Tod. Wann das passieren wird, ist im ­Voraus sehr schwer abzuschätzen. Bei der Erde ist es genauso. Sie kann lange kompensieren, aber irgendwann kippt es.

Aber es ist noch nicht zu spät?

Wir haben das enorme Privileg – oder die grosse Bürde – die ­erste Generation zu sein, die die Diagnose kennt. Und wir sind eine der letzten Generationen, die noch Handlungsspielraum hat, um etwas zu verändern. Wir haben es noch in der Hand und hier müssen wir den Menschen unbedingt Mut machen. Alle, die die Notlage erkannt haben und etwas tun: Lasst nicht nach, wir können etwas erreichen!

 

BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.

 

Ausgetrockneter Ria de Val Cama
Mitglied werden
Weitere spannende Artikel zum Thema «Biodiversität ist für den Menschen überlebenswichtig» finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins für Mitglieder.
Solaranlage Gundeli Basel Matthias Sorg
27.06.2022 Biodiversitätskrise

So gelingt uns die Energiewende

Die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind die grössten menschgemachten Bedrohungen für unsere Lebensgrundlage. Die beiden Krisen verstärken sich gegenseitig und der Mensch befindet sich mittendrin. Gehen wir beide Krisen gemeinsam an, führen wir eine Win-Win-Situation herbei. Wir, das sind die Schweizer Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik. Eine sichere Schweizer Energieversorgung bis 2035 ist machbar.
  • Die Geschäftsleitenden von BirdLife, Greenpeace, Pro Natura, der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), VCS Verkehrs-Club der Schweiz und des WWF Schweiz  präsentierten heute vor den Medien, wie wir die sichere, effiziente und erneuerbare Energiewende bis 2035 schaffen.
  • Eine Energiewende, die das Klima und die Biodiversität schützt, ist machbar. Indem wir die Energieverschwendung stoppen, die Solarkraft rasch ausbauen sowie Schutz- und Nutzungskriterien gleichwertig in die übergeordnete Planung von Energieprojekten einfliessen lassen.
  • Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der schnellen, sicheren und sauberen Wende überwiegen die Kosten deutlich. Wir schützen damit unsere Lebensgrundlagen, sichern die Versorgung langfristig, schaffen neue Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Inland.
  • Die Politik hat es in der Hand: Es braucht jetzt rasch konkrete Massnahmen wie einen verbindlichen Termin für den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, neue Gebote und Anreize für einen sparsamen Umgang mit Energie und einen Fotovoltaik-Standard für Gebäude.

Täglich sterben weltweit bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Tödliche Hitzewellen und Brände häufen sich. «Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise sind die grössten menschgemachten Bedrohungen für unsere Lebensgrundlage. Sie zu schützen, bedeutet auch, uns selbst zu schützen», sagte Thomas Vellacott, Geschäftsleiter des WWF, an der heutigen Medienkonferenz.
Dafür braucht die Schweiz eine weitsichtige Schweizer Energieversorgung, welche bis 2035 netto keine CO2-Emissionen mehr in die Atmosphäre ausstösst. Und einen achtsamen Umgang mit den Lebensräumen von tausenden Tier- und Pflanzenarten. «Gut geplant ist es ein Gewinn für Klima und Biodiversität», sagte Vellacott. Die Lösungen liegen auf der Hand.

Energie einsparen und effizient nutzen

Nutzen wir die Energie effizienter und gehen wir sparsamer damit um, reduzieren wir unseren Gesamtenergieverbrauch bis 2035 um 41 Prozente. Das ist billig, produziert kein CO2 und belastet die Umwelt in keiner Weise. «Es ist Zeit, mit Energieverschwendung Schluss zu machen», sagte Anders Gautschi, Geschäftsführer VCS. «Mit Mobility haben wir ein Paradebeispiel dafür, wie der Umstieg auf E-Autos kombiniert mit einem Car-Sharing System den Energieverbrauch stark reduzieren kann.»

Sonnenpower macht es möglich

Ein rascher Ausbau der Fotovoltaik auf bestehender Infrastruktur sorgt dafür, den steigenden Strombedarf zu decken. «Lieber Strom vom Dach als ein trockener Bach», sagte Iris Menn, Geschäftsleiterin von Greenpeace. Wie das geht, zeigt eine Anlage auf der Lärmschutzwand der Forchautobahn bei Zumikon. Im Wallis und im Knonauer Amt sind noch viel grössere Anlagen in Planung. Zum Schutz der Biodiversität ist es besser, Solaranlagen auf bestehenden Bauten, Anlagen und versiegelten Flächen zu realisieren. «Die gesetzlichen Regelungen müssen diesen Flächenkategorien klaren Vorrang einräumen, sodass sie mittelfristig zwischen 80 und 90 Prozente des Zubauvolumens tragen», so Menn.

Versorgungssicherheit dank Inlandausbau

Heute sind wir zu drei Vierteln von Energieimporten abhängig. Das gefährdet die Versorgungssicherheit der Schweiz. Gemäss Berechnungen der Umweltallianz soll die erneuerbare Stromproduktion bis 2035 um zusätzliche 38 TWh ausgebaut werden. Damit wird der Nettoimport deutlich unter der von der Elcom festgelegten kritischen Grenze von 5-10 TWh gehalten. «Hier hat Inland Vorrang. Die Lösungen heissen: Ausbau der Fotovoltaik, Reduktion des Energieverbrauchs und ein bedarfsorientierter Einsatz der Speicherwasserkraft», sagte Nils Epprecht, Geschäftsleiter der SES. 

Rasche Energiewende gut geplant

«Eine Energiewende mit der Brechstange ist nicht nur gefährlich, sondern auch unnötig», sagte Urs Leugger, Zentralsekretär von Pro Natura. Denn: Die Klimakrise und die Biodiversitätskrise sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Sie sind nur gemeinsam zu lösen. Die intakte Natur dient zum Beispiel mit den Mooren als CO2-Senke und speichert grosse Mengen an Treibhausgasen. «Wenn Zielkonflikte früh angegangen, Interessen sorgfältig abgewogen und die Standorte und Projekte weitsichtig geplant werden, ist es ein Win-Win für die Natur und die Energieversorgung», sagte Leugger. Eine solche übergeordnete Planung ist beispielsweise beim Schutz und Nutzungskonzept für Erneuerbare Energien (SNEE) im Kanton Uri gelungen. 

Jetzt Klimainvestitionen tätigen

Heute werden rund 50 Mia. Franken pro Jahr in den Um- und Ausbau der energetischen Infrastrukturen investiert, zum Beispiel in die Installation von Wärmepumpen, Ladestationen für E-Autos oder Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Um das Netto-null-Ziel bis 2035 zu erreichen, müssten rund drei bis vier Milliarden Franken pro Jahr zusätzlich investiert werden. «Das ist machbar und schafft neue Arbeitsplätze. Davon profitieren alle», sagte Vellacott. 

Die Lösungen sind da, die Politik macht deren Umsetzung machbar

Die Umweltallianz hat vier prioritäre Bereiche für die Politik definiert. Erstens braucht es einen verbindlichen Termin für den Ausstieg aus den fossilen Energien. «Der Kanton Glarus hat uns gezeigt, dass wir uns sehr gut von Öl und Gas verabschieden können», sagte Raffael Ayé von BirdLife. Zweitens braucht es Gebote und Anreizen wie Lenkungsabgaben, die der Gesellschaft helfen, weniger Energie zu verschwenden. «Eine Mehrheit der Bevölkerung ist für eine Flugticketabgabe», so Ayé. Drittens soll ein Solar-Standard für Gebäude eingeführt werden. Dieser soll für Gebäude eine maximale Belegung geeigneter Dächer mit Fotovoltaik vorschreiben. «Schliesslich ist es wichtig, dass die Politik die Klima- und die Biodiversitätskrise als zwei gleichwertige, sich gegenseitig verstärkende Krisen anerkennt – nur so kommen wir rasch voran». 

Weitere Informationen:  

Auf dieser Website können alle Faktenblätter und das Flyer heruntergeladen werden: www.energiewende2035.umweltallianz.ch 

Kontakt:

  • Pro Natura: Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 061 317 92 24, @email
  • WWF Schweiz: Marie Seidel, Kommunikationsverantwortliche Klima und Energie, 044 297 22 29, @email
  • SES: Nils Epprecht, Geschäftsführer, 077 455 99 79, @email
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, ‭076 308 66 84‬, @email‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬
  • VCS: Anders Gautschi, Geschäftsführer, 079 960 11 71, @email
  • Greenpeace Schweiz: Iris Menn, Geschäftsleiterin, 079 886 75 92, @email

Ulteriori informazioni

Info

Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz

Titelbild © Matthias Sorg

Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

Jetzt spenden