Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Titelbild Landwirtschaftstagung
Landwirtschaft

Fruchtbar: Landwirtschaftstagung vom 29. Oktober 2024

AP 2030+: Welche Zukunft für das Schweizer Ernährungssystem?

Der Bundesrat plant eine grundlegende Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssektors. Das Schweizer Ernährungssystem des Jahres 2050 soll mit einem reduzierten ökologischen Fussabdruck und vereinfachten agrarpolitischen Rahmenbedingungen unsere Ernährungssicherheit gewährleisten und dabei klare soziale und ökonomische Perspektiven für die Bäuerinnen und Bauern schaffen.

Vor dem Hintergrund von Artensterben, Klimakrise, Bodenverlust und -verdichtung und angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen ist die Umsetzung dieser Vision von zentraler Bedeutung. Doch wie sieht der Weg zum Ziel aus? Welche Anpassungen der aktuellen Agrar- und Ernährungspolitik sind notwendig? Wie steht es um die politische Machbarkeit?

Die von Pro Natura am 29. Oktober 2024 organisierte Tagung nahm sich dieser Fragen an. Sie leistete einen Diskussionsbeitrag für eine nachhaltige Ausgestaltung der Agrarpolitik AP 2030+. Expertinnen und Experten aus Produktion, Handel, Forschung und Verwaltung beleuchteten die aktuelle Ausgangslage, den Handlungsbedarf und die möglichen Wege in die Zukunft. Die Tagungsgäste tauschten sich über ihre eigenen Visionen eines zukunftsfähigen Ernährungssystems aus.

Erfahren Sie, wie die Agrarpolitik zu einer Ernährungspolitik werden kann und wie ökologische Anliegen mit sozialen und ökonomischen Zielen vom Feld bis auf den Teller zusammengeführt werden können.

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Contatto

Marcel Liner, @email, 061 317 92 40
Leonie Wolff, @email, 061 317 91 59

Eindrücke von der Tagung

Titelbild Landwirtschaftstagung
29.10.2024 Landwirtschaft

«Welche Zukunft für das Schweizer Ernährungssystem?»

Gemäss Bundesrat soll das Schweizer Ernährungssystem seine Bevölkerung bis 2050 nachhaltiger ernähren. Dazu braucht es einfachere Rahmenbedingungen und klare wirtschaftliche Perspektiven für Bäuerinnen und Bauern. An der heutigen Pro Natura Landwirtschaftstagung haben diverse Fachpersonen der Lebensmittelwertschöpfungskette die Herausforderungen dieses Wandels diskutiert und Lösungsansätze präsentiert.

Angesichts der Biodiversitäts- und Klimakrise steht die Landwirtschaft global wie national vor einem grossen Wandel. Die Ernährung verursacht rund 25 Prozent der Emissionen der gesamten Wirtschaft und ist vor Wohnen und Mobilität der Wirtschaftsbereich mit den grössten Auswirkungen auf die Natur. Bis 2050 will der Bundesrat das ändern und plant eine grundlegende Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssektors. Wie das gelingen soll – dazu haben sich an der heutigen Pro Natura Landwirtschaftstagung sowohl der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), als auch der Preisüberwacher sowie Bäuerinnen und Bauern geäussert. 

Die gesamte Wertschöpfungskette ist in der Pflicht 

Damit war die Pro Natura Landwirtschaftstagung ein wichtiges Diskussionsgefäss für die laufende Ausgestaltung der Agrarpolitik AP 2030+. Christian Hofer, Direktor des BLW setze denn auch gleich zu Beginn den politischen Rahmen für die Diskussion: «Um das ganze Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten, müssen auch Zulieferer, Detailhandel, und Konsumenten einen Beitrag leisten.» Damit ist klar, dass in Zukunft nicht nur die Bäuerinnen und Bauern sondern alle Akteure der Wertschöpfungskette in die Pflicht genommen werden.  

Widerstände mit Zukunftsaussichten überwinden 

Der politische Widerstand gegen entsprechende Reformen ist allerdings gross. Denn entsprechende Massnahmen wirken sich auf Betriebsstrukturen, finanzielle Erträge und Zuliefererbetriebe für die Landwirtschaft aus. «Wer die Landwirtschaft verändern will, muss die Ernährung verändern», fordert deshalb Bäuerin Gertrud Häseli in ihrem Referat zu den nötigen Produktionsbedingungen. Fleisch, Milchprodukte und Eier müssten weniger und Gemüse, Früchte, Hülsenfrüchte und Bio-Produkte dafür mehr gefördert werden. Dabei betonte sie die Wichtigkeit von fairen Produzentenpreisen. 

Essen ist politisch 

Um mehrheitsfähig zu sein, müssen politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft auch die wirtschaftlichen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen, ist Pro Natura Präsidentin Ursula Schneider Schüttel überzeugt: «Ernährung ist und war immer politisch». Der Staat greift seit viele Jahrzehnten direkt und indirekt in die Landwirtschaft ein und bestimmt somit auch das Angebot. Die Politik könne sich also nicht aus der Verantwortung nehmen. Kostenwahrheit würde helfen, richtige Anreize zu setzen. 

Welche der Tagungsbeiträge ihren Weg in die künftige Ernährungspolitik finden werden, bleibt offen. Sicher ist, dass es nur gemeinsame gelingen wird unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und die Bevölkerung gesund zu ernähren.  

Weitere Informationen: 

Kontakt: 

  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, 078 603 87 25, @email 
  • Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik, 061 317 92 40, @email 
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email 
Foto der Aue Reussegg von oben
08.10.2025 Landwirtschaft

Revision gefährdet bewährte Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz

Mit der Botschaft zur Revision des bäuerlichen Bodenrechts will der Bundesrat den Erwerb von Landwirtschaftsland für den Naturschutz stark einschränken. Damit würde eine seit Jahrzehnten bewährte Praxis untergraben und tragfähige Lösungen mit der Landwirtschaft würden verhindert.

Mit den geplanten Änderungen in Art. 64 des Bundesgesetzes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) soll zukünftig der Erwerb von Landwirtschaftsland für Bund, Kantone und Gemeinden nur noch möglich sein, wenn ein Grundstück bereits in einer Schutzzone nach Raumplanungsgesetz liegt oder ein Objekt von nationaler Bedeutung nach Natur- und Heimatschutzgesetz ist. Damit würden Käufe ausserhalb von bestehenden Schutzgebieten ausgeschlossen – obwohl sich auch solche Flächen als sehr wertvoll für die Natur und die ökologische Vernetzung erweisen können. Zudem müsste künftig nachgewiesen werden, dass ein Erwerb die Schutzinteressen «langfristig besser sichert». Ein solcher Nachweis ist in der Praxis kaum zu erbringen und schafft zusätzliche Rechtsunsicherheit.

Bewährte und restriktive Praxis wird untergraben

Bund, Kantone, Gemeinden und Schutzorganisationen können heute in Ausnahmefällen und unter strengen Bedingungen Landwirtschaftsland erwerben, wenn wichtige öffentliche Interessen dies erfordern. Voraussetzung ist stets die Zustimmung der bisherigen Eigentümerinnen und Eigentümer. Diese Praxis ist restriktiv und ausgewogen: Nur rund fünf Prozent aller bewilligten Handänderungen betreffen den Natur- und Landschaftsschutz. Auch die Kantone bestätigen, dass solche Käufe zurückhaltend erfolgen. Im Kanton Zürich machten entsprechende Käufe im Jahr 2023 lediglich sechs Prozent der bewilligten Gesuche aus.

Die Kantone warnen in ihrer Stellungnahme, dass die Revision ihre Aufgaben im Natur- und Landschaftsschutz erheblich behindern und sie häufiger zu Enteignungen zwingen würde. Enteignungen sind für alle Beteiligten unbefriedigend, treiben die Kosten in die Höhe und belasten das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und öffentlicher Hand.

Naturschutz und Landwirtschaft profitieren heute gemeinsam

Die heutige Regelung ermöglicht Lösungen, die beiden Seiten dienen. Oft bleibt die landwirtschaftliche Nutzung bestehen, sie kann sogar rechtlich gesichert werden. Pflege- und Unterhaltsarbeiten übernehmen weiterhin Landwirtinnen und Landwirte. Für sie ist die Pacht solcher Flächen oft günstiger als ein Kauf.

Ein Beispiel liegt in der Gemeinde Mellingen im Kanton AG. Hier konnte der Kanton angrenzend an ein Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung im Sommer 2025 eine Parzelle (7700 m2) erwerben, um den Lebensraum für Amphibien zu vergrössern. Ein Projekt, welches pragmatisch zur Umsetzung des Gegenvorschlages zur kantonalen Gewässerinitiative beiträgt. Die Bewirtschaftung der Flächen erfolgt aktuell und bis zur Projektumsetzung durch einen lokalen Landwirt und soll auch nach der Realisierung des Projekts nach Möglichkeit durch die ansässige Landwirtschaft vorgenommen werden. Ein weiteres Beispiel aus der Westschweiz zeigt, dass die heute geltenden Ausnahmeregelungen für den Erwerb von Landwirtschaft zugunsten der Natur wichtig sind. In der Gemeinde Grimisuat im Kanton Wallis konnte dank dem Kauf von landwirtschaftlichen Flächen durch die Schweizerische Vogelwarte die Zwergohreule, eine stark gefährdete Vogelart, besser geschützt werden.

Die geplante Revision schwächt den Natur- und Landschaftsschutz, verteuert Projekte und gefährdet die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Pro Natura fordert das Parlament auf, die Einschränkungen abzulehnen und die bewährten Bestimmungen beizubehalten.

Kontakt:

  • Stefan Kunz, Leiter Politik & Internationales, 079 631 34 67, @email
Alp Ergeten
San Gallo

Naturschutzgebiet Alp Ergeten (SG)

20’000 Jahre auf der einsamen Insel

In der letzten Eiszeit ragten die Kuppen der Alp Ergeten und des Hörnli wie Inseln aus einem Eismeer. Dieses Eismeer bedeckte praktisch die gesamte Ostschweiz. Werden Sie Zeuge der letzten lebendigen Nachfahren dieser Zeit.

Befinden Sie sich bereits auf 1'000 Meter über Meer? Denn erst ab dieser Höhe war das Tössbergland nicht mehr unter dem Gletscher begraben. Auf die wenigen aus dem Eis ragenden Kuppen haben sich die Alpenpflanzen während der Eiszeit zurückgezogen. Aus ihrer ursprünglichen Heimat war nämlich eine einzige Schnee- und Eiswüste geworden. Trotz der späteren Erwärmung des Klimas - und der intensiven Bewirtschaftung der Weiden des Tössberglandes im letzten Jahrhundert - konnten einige dieser Alpenpflanzen bis heute auf Hörnli, Regelsberg oder Marchsteinbüel ausharren.

Den hungrigen Mäulern mit Ideenreichtum begegnen 

Heute behaupten sich auf den beweideten Kuppen vor allem Pflanzen mit Eigenschaften, die das Weidevieh vom Fressen abhalten: Die verschiedenen Wildrosenarten, die Silberdistel oder der Weissdorn wehren sich erfolgreich mit ihren Dornen. Die Zypressenblättrige Wolfsmilch oder die Herbstzeitlose sind stark giftig. Andere, wie der Dost und der Feld-Thymian, produzieren ätherische Öle, welche Weidetiere nicht mögen. In der intensiven Landwirtschaft finden diese Arten immer weniger Platz, denn sie mindern den Weideertrag. All diese Pflanzenarten werden auf den Weiden der Alp Ergeten bewusst stehen gelassen, denn sie stellen für Vögel, Insekten und Spinnen wichtige Strukturelemente und Nahrungsquellen dar. Den Formen- und Farbenreichtum einer solchen Weide bewundern Sie am besten im Silberbüel.

Ulteriori informazioni

Info

Die Alp Ergeten ist Beispiel dafür, dass Naturschutz auf eine extensive Form von Landwirtschaft angewiesen ist, damit die Naturwerte erhalten bleiben. Die Weide im Silberbüel gehört zum Inventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung.

Hunde sind an der Leine zu führen.

Mittlere Hügel- bis Bergwanderung mit teilweise recht steilen Passagen.

Dettagli sulla riserva naturale

Accesso

Mit den SBB via Winterthur oder Rapperswil bis Steg (im Tösstal). Rückfahrt ab Hulftegg oder Mühlrüti Post (letztere ist durch den ÖV besser erschlossen).

Servizi sul luogo

Ausstellung im Wohnhaus der Alp zum Tätigkeitsbereich von Pro Natura St. Gallen-Appenzell (während Alpsaison).

21
Mar
2026
Wildschwein

Exkursion

Wildschweine – eine Spurensuche

Luogo
Bushaltestelle Ruetschbergstrasse, Pfäffikon ZH
Costo
Da CHF 10.00
Giorno
Sabato
Data
21.03.2026
Data e ora
14:00 - 17:00
Iscrizione entro
Selten bekommt man die scheuen Wildschweine zu Gesicht. Der Wildtierbiologe Matthias Wüst, Projektleiter bei Pro Natura Zürich, kennt ihre Spuren und führt uns in deren Lebensraum.

Eine spannende Exkursion für die ganze Familie.

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Dettagli dell'evento

Data

Sabato, 21.03.2026
Data e ora
14:00 - 17:00

Luogo

Bushaltestelle Ruetschbergstrasse, Pfäffikon ZH

Dettagli

Tipo di evento
Stagione
Grado di difficoltà

Costo

Erwachsene CHF 20, Kinder CHF 10

Alpe del Lago TI
17.10.2025 Landwirtschaft

Ein offenes Ohr für die Bergbauern

Die Tessinerin Silvia Gandolla ist beim WWF für Grossraubtiere zuständig und soll in ihrem Kanton dafür sorgen, dass Wolf und Viehzüchter besser nebeneinander existieren können – eine heikle Aufgabe, denn sie erfordert zuallererst einen offenen und konstruktiven Austausch.

«Die Diskussion muss unbedingt entpolarisiert werden», sagt Silvia Gandolla und bezeichnet den Dialog als wichtigste Voraussetzung im Umgang mit dem Wolf. Seit drei Jahren ist die Biologin südlich der Alpen um ein reibungsloseres Zusammenleben zwischen dem Wolf und den Bergbauern bemüht. Das ist alles andere als einfach: Die Polemik wächst, ebenso wie das Unverständnis zwischen Stadtbewohnern und Viehzüchterinnen, zwischen Wolfsbefürwortern und Wolfsgegnern, zwischen Verfechterinnen strenger Regulierung und Naturschützern. 

Die Erfahrungen der Grossmutter 

Doch Silvia Gandolla hat einen Vorteil: Zwar freut sie sich über die Rückkehr des Beutegreifers in die Schweiz, ist aber aufgrund ihrer Familiengeschichte für die Argumente der Viehzüchter besonders empfänglich. «Meine Grossmutter wuchs in Cerentino auf, einem kleinen Bergdorf, das von der Selbstversorgung lebte. Sie selbst hatte Kühe und Ziegen. Bekanntschaft mit einem Wolf hat sie zwar nie gemacht, ihre Grosseltern aber hatten ihr von schrecklichen Angriffen erzählt. Für sie war die Ausrottung des Wolfes eine grosse Errungenschaft. » Während ihres Studiums fühlte sich Silvia Gandolla zwischen den Erfahrungen ihrer Vorfahren und ihren eigenen Überzeugungen hin- und hergerissen: «Damals hatte ich sehr radikale Vorstellungen vom Naturschutz. Aber mein Engagement für den Wolf war gewissermassen auch ein Verrat an meiner Grossmutter.»

Schafe Matthias Sorg

Zwei Herzen in der Brust 

Dass sie zwei Herzen in der Brust trägt, hilft ihr heute bei Gesprächen mit Bauern. Zumal Gandolla selbst Hühner und Esel besitzt und nach eigenem Bekunden nicht weiss, wie sie reagieren würde, wenn ein Wolf ihre Tiere angreifen würde. «Wenn die Bauern merken, dass ich die Beziehung zu ihren Tieren verstehe, hören sie gerne zu – mehr, als wenn ich aus der Stadt käme, um sie zu belehren.» Gandolla hilft zudem jeden Sommer auf einer Alp mit. «Während einiger Tage lebe ich im dortigen Rhythmus, das wirkt gesprächsfördernd, vor allem beim Abendessen nach dem Arbeitstag.» 

Präsenz des Wolfs akzeptieren 

Als der WWF die Leitung des Dossiers «Wolf» im Tessin Silvia Gandolla anvertraute, liess er ihr freie Hand. Es war an ihr, Wege zu finden, damit Wolf und Viehzüchter besser miteinander klarkommen. Sie lernte schnell, dass ihre Rolle nicht darin bestand, den Wolf zu schützen: «In diesem Bereich arbeiten schon genug Leute», sagt sie. Ihre Aufgabe bestand vielmehr darin, den Bauern zu helfen, die Anwesenheit des Wolfes zu akzeptieren. 

Dieser Prozess dauert lange – doch bereits an ihrem ersten Arbeitstag erhielt Gandolla den Anruf einer Bäuerin, die für den Schutz ihrer Herde finanzielle Hilfe erbat. Es wurde ein Termin für den nächsten Tag vereinbart. «Einen ganzen Nachmittag lang haben wir uns unterhalten», erinnert sich Silvia Gandolla. «Die Bäuerin schätzte sehr, dass ihr zugehört wurde. Wir sprachen beide offen und mit viel gegenseitigem Respekt. Auch wenn sie weiterhin gegen den Wolf ist, ist ihr klar, dass es kein Zurück mehr gibt – der Wolf ist jetzt einfach da – und man muss sich an die neuen Gegebenheiten anpassen.»

Wolf im bayrischen Wald iStock

Zuhören – das ist das Zauberwort auf Gandollas Mission. Selbst wenn es bedeutet, dass sie gelegentlich den Zorn ihrer Gesprächspartner zu spüren bekommt, wie im Fall eines wütenden Landwirts, dessen Herde gerade einen heftigen Wolfsangriff erlitten hatte. «Ich habe ihn eine Stunde lang zetern lassen. Am Ende sagte er mir, es sei dies das erste Mal, dass ihn der WWF um seine Meinung gebeten habe, und dass er das Vorgehen begrüsse. Für mich ist es sehr wichtig, dass mein Gegenüber das Gefühl hat, gehört zu werden. Sonst führt das Ganze nur zu noch mehr Frustration: Die Betroffenen fühlen sich genötigt, eine neue, für sie unangenehme Realität zu akzeptieren – bloss mitreden dürfen sie nicht. Das kann zu heftigen Reaktionen führen, was die Polemik anheizt. Wir geraten so in einen Teufelskreis.» 

Darum wurde ein System mit Runden Tischen eingerichtet mit dem Ziel, vor allem auch die Bauern zu Wort kommen zu lassen. «Wir haben unter anderem einen gemeinsamen Abend organisiert, um Erfahrungsberichte zusammenzutragen. Dort konnten die Bauern ungefiltert von den Angriffen erzählen, die sie erlebt hatten, über den Schmerz, den sie empfanden, und über die Depression, in die einige von ihnen gerutscht waren. In der Runde anwesend war auch ein Psychologe, der die Gefühle der Betroffenen validieren konnte.» 

Patentlösung gibt es nicht 

So konnte eine Beziehung des Vertrauens und des Respekts aufgebaut werden. In der Folge fanden weitere Treffen statt, in die auch Biologen sowie Vertreter des Kantons und der betroffenen Gemeinden einbezogen wurden. «Wir müssen alle gemeinsam pragmatisch über einen neuen Ansatz nachdenken. Eine Patentlösung gibt es nicht, und die Realität ist von Tal zu Tal verschieden. In einigen Fällen funktioniert der Schutz nicht, dann muss man regulativ eingreifen. Und es kann nicht einfach nur darum gehen, die Viehzüchter davon zu überzeugen, ihre Herden besser zu schützen. Auch die Bevölkerung muss akzeptieren, dass in den Bergen Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Hier ist es die Aufgabe der Tourismusverantwortlichen, Wanderer und Velofahrerinnen aufzuklären, die teilweise auf Empörung machen, wenn sie mal absteigen müssen, um eine Weide zu queren.» 

Was Silvia Gandolla besonders sauer aufstösst, sind radikale Positionen jeglicher Art. «Wir müssen aufhören, immer gleich mit dem Finger auf die Bauern zu zeigen. Auch in den sozialen Medien werden Bauern teilweise aufs Schärfste angegriffen. Militante Wolfsfreunde richten aber genauso viel Schaden an wie militante Wolfsgegner.» 

Tania Araman, Redaktorin Pro Natura Magazin

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Landwirtschaft

Mit ökologischer Landwirtschaft in eine Ernährung mit Zukunft

Pro Natura engagiert sich

Mischkulturen
Dünger & Pestizide, schwere Maschinen & neue Transportwege sowie unser Hunger nach Fleisch, Milch, Ei & Co. verursachen massive Umweltprobleme. Ein umweltverträgliches Ernährungssystem ist entscheidend, um die Klima- und die Biodiversitätskrise abzuwenden. Der Sektor Landwirtschaft spielt dabei eine tragende Rolle. Pro Natura setzt sich auf politischer und praktischer Ebene für eine ökologische Landwirtschaft und ein zukunftsfähiges Ernährungssystem ein.

Was ist ein Ernährungssystem?

Das Ernährungssystem umfasst alles, was mit der Lebensmittelproduktion zusammenhängt: vom Saatgut über Futtermittelproduktion, über den Anbau, der Ernte und Transport der Produkte bis hin zu den Essensresten auf unseren Tellern. Ein nachhaltiges Ernährungssystem funktioniert ressourcenschonend, ist krisenfest und gerecht.

Nahrungsmittelverarbeitung Jeff Bergen

Schlüsselfaktor Landwirtschaft

Ohne dass wir unser Ernährungssystem umstellen, können wir die globale Umweltbelastung nicht reduzieren:

  • Unser Hunger nach tierischen Eiweissen (Milch, Fleisch, Eier) führt zu einer überdimensionierten Nutztierhaltung und damit zu erhöhten Nährstoffeinträgen und Nährstoffüberschüssen. So entsteht unter anderem das umweltschädliche Ammoniakgas.
  • Im Kampf gegen nicht erwünschte Pflanzen und Tiere werden Pestizide gespritzt, welche die Bodenlebewesen, unsere Gewässer und Böden belasten.
  • Viel zu schwere Traktoren verdichten unsere Böden und machen sie für künftige Generationen schwer nutzbar. Das Wasser versickert weniger. Dies führt bei starkem Regen schneller zu Überschwemmungen und/oder Abschwemmungen des Bodens.
  • Die intensive Bewirtschaftung zerstört die Biodiversität und treibt das Artensterben voran.
  • Vermeidbare Lebensmittelabfälle und Lebensmittelverschwendung (Food-Waste) verursachen laut Bundesrat 25% der Umweltbelastung der Schweizer Ernährung.
  • Dünger, Pestizide, Dieselruss und Mikroplastik werden durch Regen und Wind in Wälder und Moore transportiert. Die Schadstoffe sickern in unser Grundwasser und landen schlussendlich auch im Trinkwasser und auf unseren Tellern.
Ackerrandstreifen in Barbereche
«Die Biodiversität ist der Grundstein für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft»
– Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura

Um den dringend notwendigen Wandel zu einem nachhaltigen Ernährungssystem voranzutreiben, sieht Pro Natura in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf:

  • Oft verhindern wirtschaftliche Interessen konkrete ökologische Verbesserungen. Denn mit dem Verkauf von noch mehr Dünger, Pestizide, Maschinen wird viel Geld verdient.
  • Ein weiteres Problem ist die einseitige, staatlich mitfinanzierte Werbung von Lobbygruppen aus Fleisch- und Milchbranche.
  • Auch Subventionen, die der Biodiversität schaden, stehen dem Prinzip einer ökologisch nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft entgegen.
    Mehr zu den biodiversitätsschädigenden Subventionen finden Sie in diesem Grundlagenbericht der WSL

Die Lösungen sind da

Wir wissen, dass die Biodiversität der Grundstein für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ist. Nur mit Biodiversitätsförderung auf den Feldern, weniger Dünger und Pestizide und angepassten Maschinen bleiben unsere Böden fruchtbar. Studien zeigen zudem, dass vielfältige Landwirtschaftsformen wie Agroforst langfristig produktiver sind.

Pro Natura unterstützt die Lösungsvorschläge des wissenschaftlichen Gremiums Ernährungszukunft Schweiz. Über vierzig Forscherinnen und Forscher haben gemeinsam einen praxistauglichen, sozialverträglichen und biodiversitätsfreundlichen Handlungspfad für die Transformation des Ernährungssystem entwickelt.

Das macht Pro Natura

Pro Natura engagiert sich auf verschiedenen Ebenen für einen Wandel zu einer ökologischen Landwirtschaft. Mit unserer Studie «Generationenwechsel» zeigen wir, wie die Transformation der Landwirtschaft ohne negative soziale Folgen für die Bäuerinnen und Bauern sowie für die angegliederte Industrie umgesetzt werden kann.

Zum Projekt «Generationenwechsel» 

Wir setzen aber auch Projekte im praktischen Naturschutz um. Zum Beispiel:

Wir beteiligen uns in verschiedenen Organisationen für einen Wandel in der Landwirtschaft:

  • Pro Natura ist Mitglied bei der Agrarallianz
  • Pro Natura ist Mitglied in der Plattform Biodiversität in der Landwirtschaft, koordiniert vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW und Bundesamt für Umwelt BAFU. 
  • Pro Natura ist Trägerorganisation der Schweizer Allianz Gentechfrei
  • Pro Natura ist Mitglied und Mitbegründerin des Labels “Hochstamm Suisse”
Vision 3-Seen-Land
Vision 3-Seen-Land 2050
Mit der «Vision 3-Seen-Land 2050» zeichnen wir zusammen mit vier weiteren Umweltorganisationen ein hoffnungsvolles Bild der landschaftlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung in der Region am Jurasüdfuss. Wir skizzieren den Weg zu einer standortangepassten Bewirtschaftung, welche die Ansprüche der Landwirtschaft mit der Entwicklung neuer Naturräume, dem Schutz der Biodiversität und einer sinnvollen touristischen Nutzung verbindet.

Unsere Haltung und unser Engagement im Bereich Landwirtschaft und Ernährung

Politik: Die Agrarlobby verhindert den Fortschritt

Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte. Sie richtet sich gegen die Agrarlobby, welche seit 20 Jahren den Wandel zu einer ökologischen Landwirtschaft behindert. Zuletzt zum Beispiel in der Agrarpolitik 2022+ (AP 22+): Die Agrarpolitik wurde 2021 zuerst auf Druck der Agrarlobby sistiert. Anschliessend wurde mit ihrer politischen Beratung jeder Fortschritt von einer Mehrheit im Parlament abgelehnt. So verzögert sich nun die Gesetzgebung für einen dringend notwendigen ökologischen Fortschritt noch weiter.

Jegliche Reduktion von Tierbeständen, Kraftfutter oder Pestiziden gefährdet das Geschäftsmodell der Agrarindustrie und deren Lobbyorganisationen. Sie setzen deshalb alles daran, die von den Bundesämtern vorgeschlagenen Absenkpfade für Nährstoffe und Pestizide abzuschwächen. Pro Natura ist Mitglied der Agrarallianz und engagiert sich zusammen mit weiteren Verbänden für eine ökologische Landwirtschaft.

Zur Webseite der Agrarallianz

Biodiversitätsförderflächen: Auf die Qualität kommt es an

Landwirtinnen und Landwirte pflegen sogenannte Biodiversitätsförderflächen (BFF). Auf und mit diesen Flächen soll die pflanzliche und tierische Vielfalt gefördert werden. Dies ist wichtig, da heute mindestens 40 % der in der Schweiz vorkommenden Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind und die gefährdesten Arten in mageren Wiesen und Weiden sowie in Auen und Mooren leben. Diese Flächen könnten bei richtiger Pflege und Lage zu einem vielfältigen Ökosystem beitragen. Ihre wichtigsten Funktionen sind: 

  • Artenvielfalt erhöhen und Lebensräume der Natur vernetzen
  • Trinkwasser reinigen
  • Bodenfruchtbarkeit erhalten
  • Bestäubung sicherstellen und Schädlingspopulationen regulieren

19 % der gesamten Landwirtschaftsfläche sind Biodiversitätsförderflächen. Dies scheint auf den ersten Blick viel zu sein. Aber: auf rund 90 % dieser Flächen findet nebst der Arten- und Lebensraumförderung nach wie vor eine landwirtschaftliche Produktion statt. Dies verringert die Qualität der Flächen. Zudem befindet sich ein Grossteil dieser Flächen im Berggebiet und nicht im viel intensiver genutzten Tal- und Hügelgebiet, wo der Raum für Biodiversität knapp ist.

Manche Biodiversitätsförderflächen sind explizit auf eine Nutzung, wie eine Beweidung oder Mahd, angewiesen. Andere Flächen hingegen sollen nach ihrer Anlage ungestört der Naturentwicklung dienen. Und dieser Anteil ist heute zu klein.

Ernährungssicherheit: Nahrungsmittel anstatt Futter produzieren

Reduzieren Massnahmen zur Biodiversitätsförderung unseren Selbstversorgungsgrad? Nein. Wir wissen, dass die Biodiversität der Grundstein für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ist. Nur mit Biodiversitätsförderung bleiben unsere Böden fruchtbar.  Heutzutage ist auch klar, dass vielfältige Agrarökosysteme längerfristig produktiver sind.

Es gibt ökologische Wege den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen:

  • Essen für direkte Ernährung statt Tierfutter anpflanzen: Nur 39 % des Ackerlandes wird zur Nahrungsmittelproduktion verwendet. Die restliche Fläche dient der Futterproduktion. Futtergetreide und Mais gelangen nur über die Verfütterung an Tiere zu uns. Dies ist ein sehr ineffizienter Umweg.
  • Lebensmittelverschwendung vermeiden: Nach wie vor schaffen 30% der Lebensmittel nicht den Weg in unsere Bäuche.
    • Die Bestimmungen für den Verkauf in Bezug auf Form, Grösse, Farbe müssen gelockert werden.
    • Die Bevölkerung muss weiter auf das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert werden.
    • Die Vorgaben für den Handel müssen angepasst werden

Es muss eine Transformation des gesamten Ernährungssystems stattfinden. Konsumierende müssen abgeholt und auf eine ausgewogene pflanzliche Ernährung sensibilisiert werden. Die subventionierte Fleischproduktion steht dem entgegen und muss abgeschafft werden.

Gentechnik: Für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik

Seit Jahrtausenden züchten Bäuerinnen und Bauern standortgerechte Sorten. Dabei setzt die Natur Grenzen. Mit der Gentechnologie kann der Mensch diese Grenzen überwinden, tief in das Genom eingreifen und Eigenschaften einer Art auf andere Arten übertragen. Für Pro Natura ist klar, die Gentechnologie bietet keine tauglichen Antworten auf die aktuellen Krisen. Im Gegenteil – sie ist eine weitere Gefahr für die Biodiversität und fördert die hoch-industrielle Landwirtschaft. Gentechnik fördert zwei Problematiken:

  • Sie führt zu einer weiteren Monopolisierung im Saatgutmarkt. Landwirtinnen und Landwirte werden noch mehr von grossen Agrarkonzernen abhängig.
  • Sie führt zu noch mehr Dünger- und Pestizideinsätzen und setzen somit der Biodiversitätskrise zu.

Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden. Pro Natura fordert eine Regulierung dieser neuen gentechnischen Verfahren im Rahmen des Gentechnikgesetzes.  

Pro Natura ist Trägerorganisation der Schweizer Allianz Gentechfrei.
Zur Website der Schweizer Allianz Gentechfrei SAG.

Unsere Projekte in der Landwirtschaft

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Ackerwittwenblume

Sum­mende Bauern­höfe Uri

Moorlandschaft Glaubenberg

Ranger­di­enst Glaubenberg

Greina-Hochebene
23.02.2023 Umweltpolitik

Strommangellage ist nicht eingetreten, jetzt Abbau beim Naturschutz stoppen

Der Frühling steht vor der Tür, die anfangs Winter angekündigte Strommangellage ist nicht eingetreten. Trotzdem hat die Politik zugunsten der Energiegewinnung bereits diverse Abstriche beim Natur- und Landschaftsschutz gemacht und stellt weitere in Aussicht. Wird das Parlament in der Frühjahrsession zum dringend nötigen Augenmass zurückfinden? Pro Natura sagt, was sich bei der Bewältigung der Energieknappheit ändern muss, damit nicht gleichzeitig die akute Biodiversitätskrise verschlimmert wird.

Bürgerliche Kreise haben die drohende Strommangellage Anfang Winter schamlos dazu benutzt, um einen Frontalangriff auf den Natur- und Landschaftsschutz zu lancieren. Rechtsstaatliche Prinzipien, vom Volk verabschiedete Gesetze und bewährte Mechanismen im Planungs- und Umweltrecht wurden dabei über Bord geworfen. 

Dass die Mangellage nun doch nicht eingetreten ist, kann den bereits angerichteten Schaden kaum mehr rückgängig machen: So sind die Anbauschlacht und der Run auf Subventionen für grossflächige Photovoltaikanlagen in noch unberührten, alpinen Wildnisgebieten in vollem Gang und Restwassermengen wurden trotz drohendem Artensterben temporär für gewisse Wasserkraftwerke gesenkt. Weitere Attacken auf Natur und Landschaft sind mit einer Initiative der Kleinwasserkraftlobby geplant. Dass vor allem jene Kilowattstunde am meisten zählt, welche eingespart wird, ist derweil in der Politik kaum ein Thema. 

Was in der Frühjahrssession auf dem Spiel steht 

In der kommenden Frühjahrssession steht mit der Diskussion zum Energie- und zum Stromversorgungsgesetz (so genannter Mantelerlass) erneut das Verhältnis von Schutz und energetischem Nutzen unserer Natur und Landschaft auf dem Spiel: Noch ist nicht gesichert, dass Biotope von nationaler Bedeutung von der Energienutzung ausgeschlossen bleiben sollen – als wären diese 2,17% der Schweizer Landesfläche für die Energiewende ausschlaggebend; die Pflicht zu Schutz-, Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen, wenn ein Inventarobjekt betroffen ist, wird infrage gestellt, obwohl deren Notwendigkeit vom «Runden Tisch Wasserkraft» noch vor kurzem bekräftigt worden war; die Planungspflicht für die Projekte vom «Runden Tisch Wasserkraft» soll deutlich reduziert werden und ein grundsätzlicher Interessenvorrang für erneuerbare Energien steht zur Debatte. Per Ausnahmegesetz soll nach der alpinen Photovoltaik auch der Ausbau der Windenergie beschleunigt werden, was die sorgfältige Prüfung von Naturwerten infrage stellt.   

Pro Natura appelliert an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, zu einem nachhaltigen Verhältnis zwischen Schutz und Nutzen zurückzufinden und  

  • im Auge zu behalten, wie eng Biodiversitäts- und Klimakrise zusammenhängen; 
  • zu berücksichtigen, dass ein Drittel unserer einheimischen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, ganz besonders die Gewässerlebewesen; 
  • den Naturwert von neu entstehenden Gletschervorfeldern zu berücksichtigen, statt sie voreilig der Nutzung zuzuschlagen 
  • unsere letzten unberührten Landschaften nicht einem Energieausbau zu opfern, welcher grösstenteils konfliktfrei auf bereits bebauten Gebieten stattfinden kann; 
  • politische Rahmenbedingungen anzugehen, um die Energieverschwendung zu stoppen und unseren Energiekonsum auf ein planetenverträgliches Mass zu reduzieren. 

Energiewende, Biodiversitätskrise und Klimakrise müssen gemeinsam gelöst werden!  

Weitere Informationen: 

Kontakt: 

  • Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, 061 317 92 29, @email
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email
Haut plateau de la Greina
23.02.2023 Politique environnementale

Ne détruisons pas la nature au prétexte d’une pénurie inexistante

Nous voici à la veille du printemps et la pénurie d’électricité n’a pas eu lieu. Les politiques n’ont pourtant pas attendu pour modifier la législation au profit de la production d’énergie, en supprimant plusieurs dispositions protégeant la nature et le paysage. Et d’autres coupes devraient suivre. Le Parlement retrouvera-t-il le sens de la mesure, plus que jamais nécessaire, lors de la session de printemps? Voici ce qui doit changer dans la gestion de notre production d'énergie selon Pro Natura, si l’on ne veut pas aggraver une autre crise déjà en phase aiguë: celle de la biodiversité.

Au début de l’hiver, le camp bourgeois n’a eu aucun scrupule à utiliser le spectre d’une pénurie d’énergie pour s’en prendre frontalement à la protection de la nature et du paysage, envoyant promener des principes de l’État de droit, des lois approuvées par le peuple et des mécanismes juridiques ayant fait leurs preuves pour l’aménagement du territoire et la protection de l’environnement.

La pénurie redoutée ne s’est finalement pas produite, mais le mal est fait: dans les dernières régions sauvages des Alpes, la bataille pour la construction de grandes centrales photovoltaïques a commencé, et la course aux subventions bat son plein; les débits résiduels ont été temporairement abaissés pour certaines centrales hydrauliques, alors que plusieurs espèces sont au bord de l’extinction. Une initiative du lobby de la petite hydraulique fait craindre d’autres attaques contre la nature et le paysage. Le monde politique semble avoir oublié que ce qui compte le plus, ce n’est pas de produire davantage de kilowattheures, mais d’en consommer moins. 

L’enjeu de la session de printemps

Lors de l’examen de la loi relative à un approvisionnement en électricité sûr reposant sur des énergies renouvelables (acte modificateur unique), au programme de la prochaine session, il s’agira à nouveau de défendre un juste équilibre entre la protection de la nature et du paysage et leur exploitation pour la production d’énergie. Il n’est pas certain que les biotopes d’importance nationale resteront en dehors de l’équation – comme si ces 2,17 % du territoire suisse pouvaient faire une quelconque différence! L'obligation de prendre des mesures de protection, de restauration et de remplacement lorsqu'un objet de l'inventaire est touché est remise en question – bien que sa nécessité ait été réaffirmée récemment encore par la Table ronde sur l'énergie hydraulique. L’obligation de planifier les nouvelles centrales hydroélectriques doit être considérablement réduite et un intérêt prioritaire fondamental pour les énergies renouvelables est en discussion. Après le photovoltaïque alpin, le développement de l'énergie éolienne devrait être accéléré par une loi d'exception, ce qui remet en question l'examen minutieux des valeurs naturelles.

Pro Natura appelle les parlementaires à rétablir un équilibre durable entre la protection et l’exploitation et à

  • garder à l’esprit les liens étroits entre crise de la biodiversité et la crise du climat;
  • tenir compte du danger d’extinction qui menace un tiers des espèces d’animaux et de plantes indigènes, en particulier dans les milieux aquatiques;
  • prendre la pleine mesure de la valeur écologique des terrains libérés par la fonte des glaciers, plutôt que de s’empresser de la faire disparaître.
  • ne pas sacrifier nos derniers paysages intacts à l’extension des infrastructures énergétiques, dont la plupart peuvent être implantées dans les zones déjà bâties sans générer d’opposition;
  • élaborer des conditions-cadres permettant de stopper le gaspillage d’énergie et de réduire notre consommation à un niveau supportable pour la planète.

Les crises de la biodiversité, du climat et le tournant énergétique ne peuvent pas être résolus séparément! 

Informations complémentaires: 

Contact: 

  • Stella Jegher, Cheffe de la division politique et internationales, 079 411 35 49, @email
  • Nicolas Wüthrich, responsable de l'information, 079 212 52 54, @email
Im Einsatz für die Natur
13.03.2023 Alpen

«Wir haben zusammen viel bewirkt»

Die 26-jährige Tonia Estermann hat 13 Wochen für die Pro Natura Naturschutzgruppe «Pro Biotop» gearbeitet. Diese bietet frisch ausgebildeten Forst-, Landwirtschafts- und Gartenbauberufen die Möglichkeit, Erfahrungen im praktischen Naturschutz zu sammeln.

Pro Natura Magazin: Was hat Ihnen Ihr Einsatz bei «Pro Biotop» gebracht?

Tonia Estermann: Ich habe sehr viel profitiert, auch an Menschenkraft und an Motivation.

Menschenkraft?

Wir waren sechs Berufsleute sowie zwei Praktikantinnen, haben uns nicht gekannt und lebten und arbeiteten dann plötzlich 13 Wochen lang zusammen. Dabei haben wir erlebt, wie viel wir in kurzer Zeit bewirken können. Wir alle zusammen. Das gibt ein sehr gutes Gefühl, auch für später.

Manche Dinge kann man nur schaffen, wenn alle am selben Strang ziehen?

Ja. Auch oder gerade weil wir nicht alle denselben Hintergrund hatten. Neben mir hat noch jemand eine landwirtschaftliche Ausbildung, zwei sind Forstwarte und zwei Landschaftsgärtner. Alles ähnliche Berufe, aber alle mit jeweils eigenen Schwerpunkten.

Wie haben Sie das bei Ihren Einsätzen gemerkt?

Spannend war, dass alle dieselbe Aufgabe etwas anders angegangen sind. Den Forstwarten war beispielsweise ein abgestufter Waldrand wichtig. Ich finde das auch schön, habe mich aber gefragt, ob das für den Landwirt, der die Wiese später bearbeiten muss, nicht zu kompliziert ist. So haben alle ihren Blickwinkel eingebracht und zusammen haben wir die Arbeit dann umgesetzt.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Alle haben alles gemacht?

Im Prinzip schon. Aber klar, wenn es ­darum ging, grosse Bäume zu fällen, ­haben das eher die Forstwarte über­nommen, bei den Trockenmauern hatten die Landschaftsgärtner mehr Erfahrung und beim Mähen wir Landwirtinnen.

Sie sprechen es an: Die Einsatzgruppen von «Pro Biotop» werten nationale Trockenstandorte und Flachmoore im Berggebiet auf. Sie entbuschen und mähen steile Hänge, verlegen Wanderwege oder sanieren Trockenmauern. Was haben Sie während Ihres Einsatzes alles getan?

Ganz vieles davon. Wir haben vor allem Trockenwiesen entbuscht und gemäht. Kürzere Einsätze hatten wir auch
in Flachmooren, und wir haben Trockenmauern gebaut.

Was war Ihr Highlight?

Oh. (Überlegt lange.) Das ist schwierig.
Es war insgesamt megatoll. Ich war an vielen Orten, wo ich wohl sonst nie ­hingekommen wäre. Wir waren fast jede Woche woanders. Dann hatten wir am Wochenende frei und am Sonntag reisten wir an einen neuen Ort. Wir wussten zwar im Voraus, wohin wir gehen werden, trotzdem war das sehr spannend. Herrlich war auch, jeden Tag Bergluft zu riechen. Ich würde einen solchen Einsatz allen empfehlen nach der Lehre. Es lüftet so richtig den Kopf und macht Platz für neue Ideen.

Auf welche Ideen sind Sie gekommen?

Ich werde den nächsten Sommer auf einer Alp verbringen. Das war schon lange ein Traum, den ich nun erleben darf.

Und danach?

Konkrete Pläne habe ich noch nicht, aber ich würde sehr gerne auf einem Hof arbeiten.

Tonia Estermann
Pro Biotop
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En action pour la protection de la nature - le groupe Pro Biotope s'engage corps et âme
13.03.2023 Alpes

«Ensemble, nous avons pu être très efficaces»

Tonia Estermann, 26 ans, a travaillé pour « Pro Biotope », le groupe professionnel d’intervention en faveur de la nature de Pro Natura. Ce groupe permet aux jeunes forestiers·ères, agriculteurs·trices et paysagistes d’acquérir de l’expérience pratique dans la protection de la nature.

Magazine Pro Natura: que vous a apporté votre engagement à «Pro Biotope»?

Tonia Estermann: j’en ai beaucoup profité, aussi sur le plan humain et sur celui de la motivation.

Sur le plan humain, de quelle façon?

Nous étions six professionnel·les et deux stagiaires. Nous ne nous connaissions pas et nous avons vécu et travaillé ensemble durant treize semaines. Cette expérience nous a permis de réaliser tout ce que nous pouvions faire en si peu de temps en agissant ensemble. Cela donne confiance, aussi pour l’avenir.

On ne peut réaliser certaines choses qu’en unissant nos efforts?

Oui, et surtout parce que nous n’avions pas toutes et tous le même parcours. Nous étions deux de formation agricole, deux autres étaient forestiers-bûcherons et deux paysagistes. Ces métiers sont proches, mais chacun a ses spécificités.

Comment l’avez-vous constaté lors de vos interventions?

Nous abordions la même tâche un peu différemment. Pour les forestiers, il était par exemple important qu’une lisière soit étagée. Je trouve ça beau, bien sûr, mais je me suis demandé si ce n’était pas trop compliqué pour l’agriculteur qui doit ensuite exploiter le pré. Chacun·e est venu·e avec sa perspective et nous avons réalisé le travail ensemble.

Qu’avez-vous fait précisément durant votre engagement?

Nous avons surtout débroussaillé et fauché des prairies sèches. Nous sommes aussi brièvement intervenus dans des bas-marais et avons construit des murs de pierres sèches.

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.

Tout le monde a tout fait?

En principe oui, mais bien sûr, quand il fallait abattre des grands arbres, ce sont les forestiers-bûcherons qui s’en sont occupé. Les jardiniers-paysagistes avaient plus d’expérience pour les murs de pierres sèches et nous, les agricultrices, en matière de fauchage.

Un moment fort?

Difficile à dire… Cela m’a fait découvrir des endroits où je ne serais jamais allée autrement. Nous étions presque chaque semaine ailleurs. Nous avions congé le week-end et le dimanche, nous allions découvrir de nouveaux endroits. C’était aussi magnifique de sentir chaque jour l’air de la montagne. Je recommanderais à tout le monde de faire cette expérience après un apprentissage. Cela permet à de nouvelles idées d’émerger.

Quelles idées avez-vous eues?

Je vais passer l’été prochain sur un alpage. C’est un vieux rêve qui va se réaliser.

Et ensuite?

Je n’ai pas encore de projets concrets, mais j’aimerais beaucoup travailler dans une ferme.

Tonia Estermann
Pro Biotop
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6
Apr
2026
Tagesexkursion Frühlingsblumen am Berghang ob Bilten GL

Tagesexkursion per pedes

Frühlingsblumen am Berghang ob Bilten GL

Pro Natura aktiv

Luogo
Bilten GL
Costo
Da CHF 40.00
Giorno
Lunedì
Data
06.04.2026
Data e ora
09:00 - 16:30
Wenn der Frühling vielleicht bereits weit fortgeschritten ist, das Laubdach schon dichter, steigen wir etwas höher hinauf, um interessante Blüten zu finden.

Wir wandern aus der Linthebene hinauf in die bewaldeten Berghänge am Biltnerbach, wohin sich sonst nur wenige verirren. Dieser strukturreiche Waldbestand, mit schönen Buchenwäldern durchsetzt, hütet etliche botanische Raritäten zwischen den vielen Frühlingsblumen. Wir versuchen auch, in dieser Vielfalt die Kitaibels Zahnwurz mit ihren eher unscheinbaren blassgelben Blüten zu entdecken.

Aber auch andere Blumenarten des Frühlings gilt es am Waldboden aufzuspüren und zu bestimmen, so lange das Laubdach noch lichtdurchlässig ist. Und immer wieder unbekannte Bergwälder rund um uns, aussichtsreiche Grate und stille Weiden an einer Bergflanke, an der man vielleicht schon dutzendmal vorbeigefahren ist – aber die man noch nie durchwandert hat.

Weitere Informationen und Buchung

 

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Pro Natura bietet über das Jahr verschiedene interessante Tagesexkursionen an.
Das Programm wird laufend ergänzt.

Die Exkursion erfolgt in Zusammenarbeit mit Per Pedes Bergferien.

Bild: Per Pedes Bergferien

Dettagli dell'evento

Data

Lunedì, 6.04.2026
Data e ora
09:00 - 16:30

Luogo

Bilten GL

Dettagli

Tipo di evento
Stagione

Preparazione

Indirizzo
Bahnhof Ziegelbrücke (Südseite)

Costo

Pro Natura Mitglieder CHF 40.—, Nichtmitglieder CHF 80.—. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre erhalten jeweils CHF 15.— Ermässigung.

Geflügelhalle auf Landwirtschaftsfläche im Kanton Fribourg. Zonenkonform oder nicht?
07.03.2023 Raumplanung

Der Landfrass in vier Zahlen

37 Prozent, 600 000 Gebäude, 70 Quadratmeter, 2000 Gebäude. Vier Zahlen der Bundesämter für Raumentwicklung und Statistik, die den Landfrass ausserhalb der Bauzone in der Schweiz stellvertretend für viele andere deutlich veranschaulichen. Doch dazu gleich mehr. Denn eigentlich könnten wir uns die ganze Zahlenwälzerei sparen, da im Grunde alles ganz einfach ist.

In der Schweiz darf nur in ganz bestimmten Zonen asphaltiert, betoniert und gemauert werden: im Baugebiet. So steht es im Bundesgesetz über die Raumplanung RPG, Art. 1: «Bund, Kantone und Gemeinden sorgen dafür, dass der Boden haushälterisch genutzt und das Baugebiet vom Nichtbaugebiet getrennt wird.»

Leben ausserhalb der Bauzonen

Den Boden haushälterisch nutzen, das ist in der Schweiz besonders wichtig, denn er ist rar und entsprechend wertvoll. Mehr als die Hälfte unseres Landes ist von Gewässern oder Gletschern bedeckt respektive zu felsig oder zu bewaldet, um darauf zu wohnen, zu geschäften oder Landwirtschaft zu betreiben. Die andere knappe Hälfte ist in zwei Bereiche geteilt: Der weitaus grösste Teil wird dazu genutzt, Äcker anzulegen, Schweine zu züchten oder Poulets zu mästen – sprich, es ist Kulturland, das nur unter ganz bestimmten Bedingungen und unter strengen Auflagen bebaut werden darf. Eigentlich.

Auf dem restlichen Gebiet stehen Häuser, Büros, Industriebauten, Schwimmbäder, Strassen, Brücken, Spielplätze und so weiter und bilden damit das, was gemeinhin Siedlungsgebiet genannt wird. Doch aufgepasst. Siedlungsgebiet ist nicht, wie man nach der Lektüre des Raumplanungsgesetzes annehmen könnte, deckungsgleich mit Baugebiet.

Denn – und hier kommt unsere erste Zahl ins Spiel – 37 Prozent der Siedlungsfläche in der Schweiz liegt ausserhalb der Bauzone. Das meiste sind Strassen und Wege. Doch es stehen auch – und hier kommt schon die zweite Zahl – rund 600 000 Gebäude in Nichtbaugebieten. 200 000 dienen als Wohnraum, wie viele davon in Zusammenhang mit der Landwirtschaft stehen, wird nicht erhoben.

Zwar sind die meisten dieser Gebäude vor 1972 erstellt worden, als die Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet in Kraft trat, trotzdem kommen jedes Jahr neue hinzu. Das liegt auch am Strukturwandel in der Landwirtschaft, der dazu führt, dass immer mehr Gebäude, die einmal der Agrarwirtschaft dienten, nicht mehr gebraucht werden. So werden Jahr um Jahr gegen 1500 Bauernhöfe mit all ihren Wohngebäuden, Ställen, Scheunen und Schuppen überflüssig. Überflüssig für die Landwirtschaft, doch attraktiv, um sie zu bewohnen, sei es permanent oder als Feriendomizil.

Die Kulturlandfresser

Ein Blick auf die Entwicklung bei den Siedlungsflächen zeichnet ein klares Bild: Sie sind zwischen 1985 und 2018 um einen Drittel gewachsen. Im gleichen Zeitraum haben die landwirt­ schaftlich genutzten Flächen um etwas mehr als einen Drittel ab­ genommen. Oder, um es mit unserer dritten Zahl anschaulicher zu sagen: In der Schweiz gehen pro Minute 70 Quadratmeter Kulturland verloren. In den höheren Lagen an den Wald, in den tieferen an die Siedlungen und auch die Landwirtschaft selbst knabbert mit.

Während sich die Zunahme der Wohnareale ausserhalb der Bauzonen in den letzten Jahren leicht abgeschwächt hat, hat jene der landwirt­schaftlichen Gebäude stark zugenommen. In den letzten 35 Jah­ren gab es gar einen veritablen Bauboom ausserhalb der Bauzone. Jährlich werden dort fast 2000 Gebäude neu erstellt – auf Kosten des Kulturlandes. Werden gleichzeitig nicht mehr genutzte alte Ställe zu Ferienhäusern umgebaut statt abgerissen, ist der Schaden gleich doppelt angerichtet. Zumal diese Gebäu­de auch erschlossen werden müssen, was wiederum zu mehr Strassen führt, die die Landschaft weiter zerschneiden.

Darunter leiden Wildtiere besonders stark, die überregionalen Wildtier­korridore sind in sehr schlechtem Zustand, nur ein Drittel dieser wichtigen Wanderachsen ist intakt, 16 Prozent hingegen ganz unterbrochen. Hier setzt die Landschaftsinitiative an: Die bebauten Flächen ausserhalb der Bau­zonen sollen insgesamt nicht mehr wachsen dürfen – denn unser Kulturland ist zu wertvoll, um es zuzubauen.

Noch ein paar Zahlen mehr

  • 8 Prozent der Schweiz sind Siedlungsfläche
  • 36 Prozent sind Landwirtschaftsfläche
  • 30 Prozent des Landes ist bestockt (davon 90 Prozent Wald)
  • 25 Prozent sind unproduktive Flächen (45 Prozent vegetationsloser Fels/Geröll; 28 Prozent unproduktive Vegetation; 17 Prozent Gewässer; 10 Prozent Gletscher/Firn)

Heute liegen 119 000 Hektaren oder 37 Prozent der Siedlungsfläche ausserhalb der Bauzone, davon sind:

  • 64 000 Hektaren Verkehrsflächen; Tendenz: mässig wachsend
  • 38 000 Hektaren Gebäude inkl. Umschwung; Tendenz: wachsend
  • 9000 Hektaren besondere Siedlungsflächen wie Deponien; Tendenz: leicht abnehmend
  • 8000 Hektaren Erholungs-/Grünanlagen; Tendenz: mässig wachsend

Der Anteil versiegelter Flächen stieg zwischen 1985 und 2018 um 40 Prozent , unter anderem wegen der Zunahme der Wohnfläche, der Fläche für Verkehrswege und des Strukturwandels in der Landwirtschaft.

BETTINA EPPER, Redaktionsleiterin Pro Natura Magazin.

Blick von den Aiguilles de Baulmes Richtung Moudon Matthias Sorg
Blick von den Aiguilles de Baulmes VD Richtung Moudon

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Hangar à volailles sur une surface agricole dans le canton de Fribourg. Conforme ou non à la zone?
08.03.2023 Aménagement du territoire

La disparition des terres en quatre chiffres

Pourquoi les surfaces agricoles diminuent à vue d’œil.

37%, 600’000 bâtiments, 70 mètres carrés, 2000 constructions. Quatre chiffres des Offices fédéraux du développement territorial et de la statistique qui résument la disparition des terres arables à l’extérieur de la zone à bâtir en Suisse. Nous allons y revenir. Mais disons-le d’emblée, nous ne devrions pas avoir à en passer par cette salade de chiffres. Car les choses sont au fond très simples.

En Suisse, il n’est possible d’asphalter, de bétonner et de construire que dans certaines zones bien précises, les zones constructibles. Le premier article de la loi fédérale sur l’aménagement du territoire (LAT) l’énonce clairement: «La Confédération, les cantons et les communes veillent à une utilisation mesurée du sol et à la séparation entre les parties constructibles et non constructibles du territoire.»

Vivre à l’extérieur des zones à bâtir

Cette utilisation mesurée du sol est particulièrement importante en Suisse, où le sol constitue une ressource rare, donc précieuse. Sur plus de la moitié de sa superficie, notre territoire est soit recouvert d’eau ou de glaciers, soit trop rocheux ou trop boisé pour se prêter à l’habitat, à l’agriculture ou aux activités économiques en général. L’autre moitié – pas tout à fait 50% – comprend à son tour deux parties. Dans la plus vaste, on pratique l’agriculture: on cultive les champs, on élève des porcs et des volailles entre autres. Les constructions n’y sont autorisées qu’à des conditions bien précises et doivent remplir des exigences très strictes. C’est du moins ce que dit la loi.

Les surfaces restantes accueillent les maisons, les bureaux, les industries, les piscines, les routes, les ponts, les places de jeu, etc. – autrement dit le milieu bâti. Mais attention. Contrairement à ce que laisserait penser la loi sur l’aménagement du territoire, le milieu bâti et les zones à bâtir ne sont pas identiques. Car, et c’est ici qu’intervient notre premier chiffre, 37 % des surfaces d’habitat et d’infrastructures de Suisse se situent en dehors de la zone à bâtir. Il s’agit le plus souvent de routes et de chemins. Mais, deuxième chiffre, on recense aussi hors zone à bâtir 600’000 bâtiments, dont 200√000 servent au logement. Le nombre de ceux qui servent à l’agriculture n’est pas recensé. Si la plupart de ces constructions datent d’avant 1972, avant que la séparation entre zone à bâtir et zone agricole entre en vigueur, il en apparaît constamment de nouvelles. Cette évolution tient aussi à la mutation structurelle de l’agriculture, qui conduit à la désaffectation d’un nombre croissant de bâtiments agricoles.

Bon an mal an, près de 1500 fermes perdent leur fonction, avec leurs logements, leurs étables, leurs granges et leurs hangars. Plus nécessaires pour l’agriculture, mais attrayants comme résidence principale ou secondaire.

Les «dévoreurs» de terres agricoles

Du côté des surfaces d’habitat et d’infrastructures, l’évolution est parlante: entre 1985 et 2018, elles ont augmenté d’un tiers. Dans le même temps, les surfaces utilisées à des fins agricoles ont diminué de plus d’un tiers. Ce qu’illustre notre troisième chiffre: la Suisse perd 70 mètres carrés de terre agricole par minute. En altitude, ces terrains retournent à la forêt, en plaine, ils sont sacrifiés à l’urbanisation, mais l’agriculture elle-même en grignote aussi sa part: alors que l’augmentation des surfaces d’habitation en dehors de la zone à bâtir s’est légèrement ralentie ces dernières années, celle des bâtiments agricoles s’est intensifiée.

On a assisté ces trente-cinq dernières années à une véritable flambée des constructions hors de la zone à bâtir. Quelque 2000 nouvelles constructions y voient le jour chaque année – au détriment des terres agricoles. Si, en plus, des étables désaffectées sont transformées en maisons de vacances au lieu d’être démolies, le préjudice est double, car il faut relier ces bâtiments aux infrastructures. D’où davantage de routes, et un paysage toujours plus morcelé.

La faune en souffre tout particulièrement, avec la dégradation des corridors écologiques suprarégionaux. À l’heure actuelle, seul un tiers des grands axes de migration sont encore intacts, 16% sont même complètement interrompus. C’est sur cette situation que veut agir l’Initiative paysage: les surfaces construites hors zones à bâtir doivent à tout prix cesser d’augmenter, car les terres agricoles sont trop précieuses pour disparaître sous le béton.

Encore quelques chiffres

  • 8% de la Suisse est constitué de surfaces urbanisées.
  • 36% sont des terres agricoles.
  • 30% est constitué de surfaces cultivées (dont 90 % de forêt).
  • 25% sont des surfaces improductives (45% de roches / éboulis sans végétation, 28% de végétation improductive, 17% d’eaux, 10% de glaciers/névés)

Aujourd’hui, 119’000 hectares ou 37% de la surface urbanisée se trouvent hors de la zone à bâtir, dont:

  • 64’000 hectares pour les transports. Tendance: en légère hausse.
  • 38’000 hectares pour les bâtiments, y compris terrains attenants. Tendance: en hausse.
  • 9000 hectares de surfaces spéciales liées à l’habitat et aux infrastructures (décharges, etc.). Tendance: en légère baisse.
  • 8000 hectares de surfaces dédiées aux loisirs et aux espaces verts. Tendance: en légère hausse.

Les surfaces imperméabilisées ont augmenté de 40% entre 1985 et 2018, en raison de l’augmentation des surfaces pour l’habitat et les voies de communication, et aussi de la mutation structurelle de l’agriculture.

BETTINA EPPER, rédactrice pour le Magazine Pro Natura

Blick von den Aiguilles de Baulmes Richtung Moudon Matthias Sorg
Vue depuis les Aiguilles de Baulmes en direction de Moudon

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

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Weitere Informationen für Sie

Sind Sie an dem Thema interessiert? Gerne empfehlen wir folgende Podcasts für weiterführende Informationen:

Umweltpolitik

Agrarpolitik in der Schweiz

Ackerbegleitflora in Getreidefeld
Ab 2022 wäre die neue Agrarpolitik für die Jahre 2022-25 (AP 22-25) vorgesehen gewesen. Doch der Ständerat hat die Beratung sistiert. Pro Natura setzt sich im weiteren Prozess aktiv für eine klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft ein. Zum Wohl von Mensch und Natur, brauchen wir mehr Natur bim Buur!

Wenn unsere Lebensmittel so produziert werden, dass die Biodiversität gefördert sowie Boden, Wasser und Luft geschützt werden, sichert dies die naturnahe Produktionsweise über Generationen. Mit den heutigen Regelungen werden weder die Produktionsgrundlagen einer Region, noch die Umweltauswirkungen der Betriebe berücksichtigt. Dies muss sich ändern.

Agrarpolitik 2014-17 und 2018-21

Seit 2014 gilt die Agrarpolitik für die Jahre 2014-17 (AP 14-17). Seither werden die eingesetzten Steuergelder den Bauernbetrieben zielgerichteter und leistungsorientierter ausbezahlt. Die veralteten, schädlichen Tierbeiträge wurden gestrichen. Ein wichtiger Fehlanreiz der Schweizer Agrarpolitik ist damit weggefallen. Doch auch die AP 14-17 sowie die AP 18-21 werden die ökologischen Probleme nicht lösen. Zu viele Fehlanreize, zu viele Tiere und zu viele Pestizide führen weiterhin zu überdüngten Seen, belasteten Gewässern und einem Rückgang der Biodiversität. 

Unsere Vision einer Schweizer Landwirtschaft 2030

  • Die fruchtbaren Schweizer Böden sind als Weltnaturerbe geschützt. Sie werden standortgerecht bewirtschaftet. Erosion, Verdichtung und Verschmutzung gehören der Vergangenheit an.
  • Die Schweizer Tierbestände sind auf ein naturverträgliches Niveau reduziert. Damit hat auch die Ammoniakbelastung massiv abgenommen.
  • Die Biodiversität und die Produktion sind eng verknüpft und verzahnt.
  • Das Grünland Schweiz nutzt das Standortpotenzial optimal, ohne importiertes Kraftfutter und hat keine Probleme mit den Auswirkungen durch die Klimakrise.
  • Ungedeckte Allgemeinkosten aus der Landwirtschaft werden von dieser getragen.
  • Die Bäuerinnen und Bauern sind stolz auf ihre Leistungen. Sie verdienen anständig. QuereinsteigerInnen werden aktiv durch den Bund gefördert.

Fehlanreize korrigieren

Wir setzen uns dafür ein, dass in den kommenden Jahren die bestehenden Fehlanreize korrigiert werden. Nur eine klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft kann die vielen Milliarden Franken Steuergelder rechtfertigen und am Markt erfolgreich sein. Wir stehen ein, für eine Landwirtschaft welche Lebensmittel im Einklang mit der Natur produziert. Dies ist unser Ziel!

Blick auf den Bodensee
07.01.2026 Landwirtschaft

Die Besorgnis über Ewigkeitschemikalien wächst

Immer mehr zeigt sich, dass PFAS verbreitet in der Umwelt sind. Wie genau sich diese Chemikalien auf die Gesundheit auswirken, ist noch wenig erforscht. Doch die potenziellen Risiken sind gross.

Noch in den 1990er-Jahren wurde er den Landwirtinnen und Landwirten als wahres Wundermittel angepriesen: Klärschlamm – genauso wirksam wie Gülle oder Mineraldünger, und erst noch gratis bei den Abwasserreinigungsanlagen zu beziehen. Doch dann stellte sich heraus, dass das Ausbringen dieses Düngers auf die Felder alles andere als harmlos war. Klärschlamm enthält nicht nur Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, sondern oft auch giftige Schwermetalle und schwer abbaubare organische Verbindungen, darunter PFAS. Klärschlamm ist deshalb als Dünger seit 2006 in der Schweiz verboten, er gilt mittlerweile als Abfall und muss bei Temperaturen von gegen 1000 Grad Celsius verbrannt werden.

Bloss hat sich damit die Sache nicht einfach erledigt. Auch zwanzig Jahre nach dem Verbot belastet der Dünger aus Abwasser die Umwelt und gefährdet unsere Gesundheit: Wo Klärschlamm ausgebracht wurde, ist der Boden mit PFAS belastet. Die problematischen Chemikalien werden ausgewaschen und gelangen unter anderem ins Grund- und damit ins Trinkwasser.

Allgegenwärtig und giftig

PFAS – also Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind künstlich hergestellte chemische Verbindungen, von denen es mehrere tausend unterschiedliche Varianten gibt. Da sie sowohl wasser- wie fettabweisend sowie temperaturbeständig sind, werden sie in der industriellen Produktion geschätzt. PFAS finden sich beispielsweise in Feuerlöschschäumen und werden unter anderem auch bei der Herstellung von Bratpfannen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Outdoor-Bekleidung eingesetzt. Und sie sind Bestandteil mancher Pestizide. Das Problem: PFAS bauen sich in der Umwelt nicht ab – aus diesem Grund werden sie Ewigkeitschemikalien genannt. Und sie sind in unterschiedlichem Ausmass toxisch.

Problem war schon früh bekannt

Noch wurden die gesundheitlichen Auswirkungen für die wenigsten PFAS wissenschaftlich genauer untersucht. Doch in den untersuchten Fällen hat sich gezeigt: Sie verfügten fast immer über eine chronische Giftigkeit. Das heisst: Sie wirken nicht akut giftig, reichern sich aber in unserem Körper an. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, andere schädigen Organe wie die Leber oder die Nieren, oder sie schmälern die Wirkung von Impfungen. Zudem mehren sich die Hinweise, dass sie möglicherweise die Fruchtbarkeit verringern.

«PFAS zählen zu den gravierendsten chemiebezogenen Belastungen für die Umwelt und die Gesundheit», sagt Umweltchemiker Martin Scheringer von der der ETH Zürich. Eingesetzt werden sie bereits seit den 1950er-Jahren. Spätestens seit den 1970er-Jahren, sagt PFAS- Spezialist Scheringer, seien die gesundheitlichen Risiken dieser Chemikalien den Fachleuten in der Industrie bewusst gewesen. «Diese Befunde wurden dann aber gezielt zurückgehalten.»

PFAS werden weiterhin eingesetzt

Trotz der gewachsenen Sorgen wird die Umwelt weiterhin mit den Ewigkeitschemikalien belastet. Sie gelangen direkt bei ihrer Herstellung und Verarbeitung über Abgase in die Luft oder aber über Abwasser in Gewässer. Indirekt gelangen sie durch den Gebrauch von PFAS-haltigen Produkten in die Umwelt. Etwa durch das Waschen von behandelten Textilien. Die Ewigkeitschemikalien werden also weiterhin breit eingesetzt, auch wenn es für viele Verwendungszwecke durchaus Alternativen gäbe.

Es existieren Tausende von unterschiedlichen PFAS-Verbindungen. Für die wenigsten davon sind die Risiken bekannt, und auch verbindliche Grenzwerte gibt es nur vereinzelt – obwohl die Stoffe immer häufiger in der Umwelt nachgewiesen werden. So machte in den vergangenen Monaten eine TFA (Trifluoressigsäure) genannte Ewigkeitschemikalie Schlagzeilen. Routinemessungen zeigten, dass sie in der Schweiz flächendeckend im Grund- und Trinkwasser auftritt. Und kürzlich wurde sie auch in Lebensmitteln wie Brot und Wein nachgewiesen. Doch woher stammt die im Boden und im Grundwasser festgestellte TFA überhaupt? Dieser Frage ging in einer kürzlich erschienene Studie die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, Agroscope, nach.

Die Forschenden richteten ihr Augenmerk in ihrer Untersuchung vor allem auf Pestizide, denn auch diese enthalten teilweise Wirkstoffe, die zu den Ewigkeitschemikalien zählen. Als Hauptquelle für Trifluoressigsäure in der Umwelt haben die Wissenschaftler fluorhaltige Kältemittel aus Klimaanlagen und Kühlgeräten identifiziert, die in der Atmosphäre zu TFA abgebaut werden. Via Regen gelangen sie anschliessend in den Wasserkreislauf. Die zweitwichtigste TFA-Quelle sind Abbauprozesse von Pestiziden.

Die Politik verdrängt das Problem

Auch wenn über die Folgen von PFAS in der Umwelt heute noch sehr vieles unklar ist, wächst in der Öffentlichkeit die Besorgnis über die weite Verbreitung der Ewigkeitschemikalien zusehends. So befasste sich an einer Sondersession im vergangenen September auch der Nationalrat mit den PFAS – mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Alle Vorlagen, die dafür gesorgt hätten, dass die Chemikalien nicht weiter in die Umwelt gelangen, wurden abgelehnt. Angenommen hingegen wurde die Unterstützung der Landwirtschaft im Umgang mit PFAS. Denn – Ironie des Schicksals – mittlerweile werden die Bauern und Bäuerinnen selbst Opfer des Klärschlamms, mit dem sie einst ihre Felder düngten.

Im August 2024 stellten die Behörden im Kanton St.Gallen fest, dass Boden und Quellwasser einiger Landwirtschaftsbetriebe mit den Ewigkeitschemikalien belastet waren, und auch im Fleisch von einigen Kühen, Rindern und Kälbern wurden besorgniserregende Werte festgestellt. Es folgte ein Verkaufsverbot. Nun hat der Nationalrat beschlossen, Bauernbetriebe, deren Produkte zu hohe Werte der Ewigkeitschemikalien aufweisen, finanziell zu unterstützen.

KASPAR MEULI, freischaffender Journalist

 

PFAS in Lebensmitteln: Teilentwarnung mit regionalen Hotspots
Der Verband der Kantonschemikerinnen und Kantonschemiker der Schweiz hat im letzten Jahr rund 900 Lebensmittel tierischen Ursprungs auf dem Schweizer Markt auf PFAS untersucht – davon 30 Prozent Importware. Dabei zeigte sich, dass PFAS weitverbreitet und in allen Kategorien (Fleisch, Eier, Fisch) in geringen Konzentrationen nachweisbar sind. Bei den allermeisten Proben wurden die gesetzlichen Höchstwerte eingehalten. Sieben Proben überschritten den Grenzwert teils massiv. Dies deutet auf regionale Hotspots hin.
Parallel zu diesen Untersuchungen hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 276 Milchprodukte untersucht. In allen Produkten waren verschiedene PFAS­Verbindungen nachweisbar. Drei Produkte überschritten den Richtwert der EU (für Milchprodukte gibt es in der Schweiz noch keine gesetzlichen Grenzwerte). Als Hauptquelle gilt belasteter Klärschlamm, der jahrzehntelang auf Feldern ausgebracht wurde.
Eine separat vom Kanton Zug durchgeführte Untersuchung (2025) zeigte, dass Eglis und Hechte aus dem Zugersee stark mit PFAS belastet sind. Bei Raubfischen sammelt sich PFAS über die belasteten Beutefische an. Im Zugersee gefangene Hechte und Eglis dürfen seit November nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden. Der Kanton sieht Löschübungsplätze der Feuerwehr und frühere Fabrikareale in Seenähe als mögliche Ursache für die hohen PFAS­Belastungen.
Nicolas Gattlen

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