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Tier des Jahres
Das Hermelin ist Tier des Jahres 2018
Das Hermelin ist eine von zwei einheimischen Wieselarten (siehe Box) und lebt in Landschaften, die möglichst vielfältig sind. Dort braucht der flinke Gesell Wanderrouten, die ihm genügend Deckung bieten. Denn ihm stellen Füchse, Greifvögel, Störche oder Graureiher nach. Hermelin-Heimat ist deshalb nur dort, wo Hecken, Bachläufe, Ast- und Steinhaufen dem kleinen Beutegreifer Deckung bieten. Pro Natura warnt mit der Wahl des Hermelins zum Tier des Jahres 2018 vor dem übereifrigen Aufräumen der Landschaften und wirbt für ungestörte Wildtierkorridore, auf die auch kleine Wildtiere wie das Hermelin angewiesen sind. Für zahlreiche Tierarten wie das Hermelin sind die kleinen «Dinge» in der Landschaft zum Schutz sowie als Futter- und Brutplätze unerlässlich.
Schmal und wieselflink
Gertenschlank, rund 300 Gramm schwer und etwa so lang wie ein Schullineal: Diese Körpereigenschaften machen es dem Hermelin leicht, durch Mausgänge, Asthaufen oder Gestrüpp zu stöbern. Doch die sprichwörtliche wieselflinke Beweglichkeit hat ihren Preis. Das Hermelin braucht viel Energie, um sich warm und fit zu halten. Rund die Hälfte seines Körpergewichtes muss es täglich erbeuten.
Willkommener Bauerngehilfe
Hermeline sind in der Schweiz auf Schermäuse spezialisiert. Die pummeligen Wühlmäuse leben unterirdisch in Wiesen und werfen dort die bekannten und bei Landwirten unbeliebten Haufen auf. In der Landwirtschaft ist das Hermelin daher als Mäusejäger sehr willkommen. Es frisst durchschnittlich eine Maus pro Tag. Wenn die Leibspeise einmal rar ist, weicht das Tier des Jahres 2018 auf andere Mausarten, Vögel und Insekten aus oder kostet gar einen vegetarischen Snack.
Wichtige Wild-Wanderwege
Nicht nur für seine Jagdstreifzüge ist das Hermelin auf deckungsreiche Wanderkorridore angewiesen. Seine Bestände schwanken je nach Mäuseangebot stark. Hat es sehr wenige Mäuse, können Hermeline lokal ganz aussterben. Nur mit intakten «Wild-Wanderwegen» – entlang von Hecken, Steinmauern, Bächlein oder Krautsäumen – können Hermeline aus grösseren überlebenden Beständen wieder in ihre alten Reviere zurückwandern.
Verwandt mit Mardern
Das Hermelin ist neben dem Mauswiesel eine der zwei einheimischen Wieselarten. Beide sind nahe Verwandte der Marder. Hermeline zählen mit einer Körperlänge von 20 bis 30 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 10 bis 13 Zentimetern zu den weltweit kleinsten Beutegreifern. Auf die Waage bringen männliche Hermeline nicht mehr als 350 Gramm, Weibchen maximal 235 Gramm.
In der Schweiz kommt das Tier des Jahres 2018 ausserhalb von Wald und Siedlungen fast überall bis auf eine Höhe von 3000 Metern über Meer vor. Hermeline leben einzelgängerisch, nur Mutterfamilien leben länger zusammen. Reviere können in der Schweiz bis 40 Hektaren umfassen. Dieses wird gegen gleichgeschlechtliche Eindringlinge hartnäckig verteidigt.
Hermeline haben im Sommer ein braunes Fell mit weissem Bauch, weissen Vorderpfoten und schwarzer Schwanzspitze. Im Herbst setzt der Fellwechsel ein: von braun-weiss zu rein weiss – nur die Schwanzspitze bleibt schwarz. Die schwarze Schwanzspitze ist denn auch das sicherste Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Hermelin und dem Mauswiesel, dessen ganzer Schwanz braun ist.
In der Schweiz gelten Hermeline als nicht gefährdet. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass seine Bestände vor allem in den Talgebieten stark geschwunden sind. Ihr typischer Lebensraum – das offene Kulturland – wurde über die vergangenen Jahrzehnte immer eintöniger und aufgeräumter. Wanderhindernisse wie Strassen, Bahnlinien und Siedlungen haben dagegen zugenommen. Dies kann lokal zum Verschwinden der putzigen Mäusefänger führen.
Weitere Informationen zum Tier des Jahres 2018:
https://www.pronatura.ch/de/tier-des-jahres-2018-hermelin
Auskünfte:
Roland Schuler, Pro Natura Medienverantwortlicher, Tel. 079 826 69 47, @email
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Info
Seit 20 Jahren gibt es das Tier des Jahres in der Schweiz. Begonnen hat es 1998 mit dem Biber. Auf ihrer soeben fertig gestellten Website versammelt Pro Natura spannende Hintergründe und Geschichten zu den bisherigen Tieren des Jahres. Wir laden Sie ein zu einer kleinen Tour d’horizon zu 20 Jahren Tier des Jahres in der Schweiz. Sie finden auf pronatura.ch natürlich weitere News, Rechercheideen zu Naturschutzprojekten, Natur- und Ausflugstipps sowie die politischen Positionen von Pro Natura.
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Tour d’horizon zu 20 Jahren Tier des JahresPotrebbe anche interessarti
Tausende von Wildtierarten teilen mit uns Menschen den Lebensraum. Manche sind spektakulär und unübersehbar. Andere leben verborgen und heimlich. Aber alle haben ihre besonderen Lebensbedürfnisse.
Das «Tier des Jahres» steht im Rampenlicht. Es soll die Situation der jeweiligen Art einer breiten Öffentlichkeit aufzeigen. So vermittelt Pro Natura aktuelle Naturschutzprobleme und -erfolge konkret, anschaulich und packend.
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Tier des Jahres: ArchivTier des Jahres 2017: Der Rothirsch
Der Rothirsch ist ein typischer Fernwanderer. Sein Lebensraum ist im Sommer zuweilen Dutzende von Kilometern vom Wintereinstand entfernt. Männliche Tiere – Stiere – unternehmen auch während der Brunft weite Wanderungen. Ebenso Junghirsche, die es in die Ferne zieht. Wandernde Tiere haben es nicht leicht in unserer Landschaft. Allenthalben stossen sie auf Siedlungen und Verkehrsachsen, die nur schwer zu überwinden sind. Nicht selten endet die Reise am Zaun einer Autobahn.
Warum wählt Pro Natura den Rothirsch zum Tier des Jahres?
Mit der Wahl des Rothirschs setzt Pro Natura ein Zeichen für die Vernetzung unserer zersplitterten Landschaft. Pro Natura engagiert sich für die Überbrückung von Hindernissen durch Wildtierüberführungen.
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- Rothirsche wandern gerne und viel. Oft versperren aber Bauten den Weg
Rothirsche in der Schweiz – Von 0 auf 35’000
Vor 150 Jahren war der Rothirsch in der Schweiz ausgerottet. Die rigorose Bejagung und der Raubbau am Wald wurden ihm zum Verhängnis. Ab 1870 wanderten aus Österreich wieder erste Hirsche in den Kanton Graubünden ein. Hier hatten sich die Zeiten für sie mittlerweile gebessert: Das 1875 verabschiedete eidgenössische Jagdgesetz beschränkte die Jagdzeiten und schützte die weiblichen Tiere. Der geplünderte Wald erholte sich langsam und breitete sich wieder aus. Sukzessive nahm der Hirsch einen Grossteil der Schweizer Alpen und Voralpen in Beschlag. Seit den 1990er-Jahren besiedelt er von Frankreich aus auch Teile des Juras. Derzeit leben rund 35’000 Rothirsche in der Schweiz. Doch das Comeback ist noch nicht abgeschlossen. Grössere Gebiete mit durchaus günstigen Bedingungen sind noch weitgehend hirschfrei, z.B. das Mittelland, der zentrale und östliche Jura sowie westliche Teile der Alpen.Die durch Autobahnen versperrte Wildtierkorridore hindern den Rothirsch häufig an der Ausbreitung.
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- Vor 150 Jahren verschwunden – heute sind Rothirsche wieder verbreitet
Ein rotes Fell sieht man nur im Sommer
Ein ausgewachsener männlicher Hirsch – ein Stier – wiegt 170 bis 220 Kilogramm. Er ist damit etwa doppelt so schwer wie ein Steinbock und acht Mal schwerer als ein Reh. Ein weibliches Tier – eine Kuh – ist deutlich kleiner, bringt aber auch 90 bis 130 Kilogramm auf die Waage. Dem deutschen Namen «Rothirsch» werden die Tiere nur im Sommer gerecht. Jetzt ist ihr Fell rotbraun. Im Herbst wechseln sie das Haarkleid und sind dann grau bis graubraun gefärbt. Das winterliche Fell ist dichter und struppiger als das sommerliche. Im Spätfrühling fallen die Winterhaare in grossen Flocken ab. Die Nase ist von allen Sinnesorganen am besten entwickelt. Auf ihren Riecher können sich die Tiere verlassen. Wenn immer möglich, ziehen sie gegen den Wind. Ruheplätze wählen sie so, dass der Wind aus der Richtung möglicher Feindannäherungen weht. Rothirsche können ihre Ohren unabhängig voneinander bewegen. Dies hilft ihnen, Geräuschquellen präzise zu orten. Die Augen nehmen vor allem wahr, was sich bewegt. Die ovalen Pupillen können sich stark erweitern. Der Hirsch sieht deshalb auch in der Dämmerung recht gut.
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- Rothirsche hören sehr gut – und orten jedes Geräusch sofort
Slow Food und wenig wählerisch
Der Rothirsch ist ein Pflanzenfresser mit wenig Anspruch. Er nimmt, was auf den Tisch kommt. Studien zeigen, dass die Tiere mehr als 90 Prozent der Pflanzen im Untersuchungsgebiet als Nahrung nutzten. Hirsche bevorzugen Gräser und Kräuter. Doch auch Blätter und Triebe von Gehölzen, Rinden von Laubbäumen, Flechten, Moose, Baumfrüchte wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern machen sie satt. Der Speisezettel passt sich dem saisonalen Angebot an. Das Menu ist Slow Food. 7 bis 10 Stunden äsen die Tiere täglich. Zusätzlich sind sie während 5 bis 6 Stunden mit Wiederkäuen beschäftigt. Mit Genuss vertilgen Rothirsche übrigens auch Fliegenpilze. Man nimmt an, dass sie dies wegen der berauschenden Wirkung tun. Für Menschen ist der Fliegenpilz stark giftig.
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- Früh übt sich, wer satt werden will
Stiere und Kühe – Leben in getrennten Rudeln
Der Hirsch ist gesellig. Ausser zur Brunftzeit leben die Tiere in Rudeln, getrennt nach Geschlechtern. Weibliche Rudel sind Zusammenschlüsse mehrerer Mutterfamilien. Eine Familie besteht aus einer Kuh, ihrem Kalb und dem letztjährigen Jungtier. Chefin des Rudels ist eine erfahrene Hirschkuh, mit wichtigen Funktionen:
- Sie kennt die sicheren Rückzugs-Gebiete und Wildwechsel
- Sie spürt, wann es Zeit wird, den Einstand zu wechseln
- Sie weiss, wie mit störenden Menschen umgegangen wird
Die Erfahrungen einer Chefin werden in der Mutterfamilie weitergegeben. So entstehen Traditionen, die sich über Generationen halten. Männliche Jungtiere verlassen die Mutterfamilie im Alter von 2 bis 3 Jahren und schliessen sich zu einem Rudel von Hirsch-Stieren zusammen. Ausserhalb der Brunft sind Hirsche sehr scheu und auf Sicherheit bedacht. Man bekommt sie deshalb selten zu Gesicht.
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- Fast eine Mutterfamilie – nur das letztjährige Jungtier fehlt noch
Jedes Jahr aufs Neue – Die Last der Krone
Um die 8 Kilogramm wiegt das Geweih eines grossen Stiers. Es wird jedes Jahr innert weniger Monate neu gebildet, als physiologischer Kraftakt. Bis zu 150 Gramm Knochenmasse produziert ein Hirsch täglich. Jedes Jahr verzweigt sich das Geweih weiter. Ein einjähriger Hirsch trägt nur zwei schmale Spiesse, im zweiten Jahr bilden sich schon vier oder sechs Enden. Die maximale Grösse wird zwischen dem siebten und zehnten Lebensjahr erreicht. Dann kann das Geweih 20 Enden tragen. Rechtzeitig zu Beginn der Brunft ist die Stirnwaffe für das Drohen und Kämpfen einsatzbereit. Danach ist sie nur noch eine Bürde. Ende Winter wirft der König des Waldes seine Krone ab.
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- Die Bildung des Geweihs ist ein Kraftakt – bis zu 150g Knochenmasse produziert ein Rothirsch pro Tag
Aufreibende Brunft – Doch die Anstrengung lohnt sich
Im Herbst trennen sich die Stiere von ihrem Rudel. Die zuvor still und heimlich lebenden Tiere setzen sich jetzt laut röhrend in Szene. Bis zu 500-mal pro Stunde brüllt sich ein erregter Stier seine Seele aus dem Leib. Er schliesst sich nun einem Rudel Hirschkühen an, folgt ihnen auf Schritt und Tritt und hält sie am Brunftplatz beisammen. Erscheint ein Rivale, verteidigt er seine Position als Platzhirsch. Die Kontrahenten röhren um die Wette, schreiten steifbeinig mit gesenktem Geweih aneinander vorbei. Gibt keiner klein bei, prallen die Streiter frontal mit den Geweihen aufeinander und schieben sich über den Brunftplatz. Der Kampf endet, wenn einer der Gegner seine Unterlegenheit spürt und flieht. Während der Brunft nimmt ein Stier praktisch keine Nahrung zu sich. Er verliert deshalb bis zu einem Fünftel seines Gewichts. Doch für den siegenden Platzhirsch lohnt sich die Strapaze. Er wird allein alle anwesenden Kühe decken.
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- Bei der Brunft wird es laut – die scheuen Tiere röhren um die Wette
Energie sparen – Mit temporärem Winterschlaf
Im Winter ist die Nahrung knapp. Zugleich brauchen die Tiere mehr Energie für die Körperheizung. Rigoroses Sparen ermöglicht es ihnen, den Bedarf auf ein Minimum zu reduzieren.
Rothirsche vermeiden im Winter jede unnötige Aktivität. Das Volumen des Pansens wird verringert. Die Herzschlagfrequenz sinkt gegenüber dem sommerlichen Maximum um 60 Prozent. Zeitweise schlägt das Herz nur noch 30-mal pro Minute. Gehen die Fettreserven im Spätwinter zur Neige, reduzieren die Tiere den Energieverbrauch in kalten Nächten zusätzlich. Sie drosseln die Durchblutung der Beine und der äusseren Teile des Rumpfes. Dadurch sinkt die Körpertemperatur an diesen Stellen bis auf 15 Grad Celsius. Normalerweise liegt sie bei 37 Grad Celsius. Rothirsche zeigen damit ähnliche Reaktionen wie echte Winterschläfer. Allerdings dauert die Kältestarre bei ihnen jeweils höchstens 9 Stunden.
Die Winterruhe ist nur möglich, wenn sich die Tiere absolut sicher fühlen. Bei jeder Flucht muss der Stoffwechsel vom Sparmodus auf Vollbetrieb hochgefahren werden. Umso dringender brauchen Rothirsche absolut ungestörte Wintereinstände.
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- Bitte nicht stören – der Rothirsch kennt einen temporären Winterschlaf
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura fordert, dass Bewegungsachsen und dazugehörige Wildtierkorridore wieder durchgängig werden. Bei der Planung sowie beim Bau von Infrastrukturen muss der Mensch die Mobilitätsbedürfnisse von Wildtieren berücksichtigen. Wildtiere wie der Rothirsch brauchen unterschiedliche Lebensräume. Sie bewegen sich zwischen Schlaf- und Futterplatz, zwischen Rückzugsort und Fortpflanzungsplatz etc. Unsere zerschnittenen Landschaften erschweren oder verunmöglichen diese wichtigen Bewegungen.
- Pro Natura fordert von Politik und Behörden auf nationaler Ebene klare Verbesserungen von ökologischer Infrastruktur und vernetzten Naturräumen. Wildtierkorridore sind häufig überregional – rein kantonale Regelungen reichen nicht aus.
- Als Anwältin der Natur beobachtet Pro Natura die laufenden Entwicklungen in der Politik. Pro Natura nimmt Einfluss auf den gesetzlichen Schutz der Wildtierkorridore und dessen Umsetzung.
- Pro Natura sensibilisiert die Bevölkerung für das Thema. Warum brauchen Wildtiere vernetzte Lebensräume? Wie kann jede und jeder die Kleintierfallen beseitigen und Durchlässe für Kleintiere ermöglichen?
- Pro Natura betreut über 700 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz, mit wertvollen Lebensräumen für viele Tiere und Pflanzen. Dabei ist die Vernetzung zentral. So fördert Pro Natura beispielsweise sogenannte «Trittsteinbiotope», damit sich Wildtiere freier bewegen können.
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Tier des Jahres 2016: Die Wasserspitzmaus
Die Wasserspitzmaus hat sich auf besondere Jagdgründe spezialisiert: Am Grund von Bächen und Teichen taucht der Winzling nach Kleinkrebsen, Insektenlarven und anderen Wasserlebewesen. Mit dieser verblüffenden Lebensweise wirbt das Tier des Jahres 2016 für unverbaute Gewässer mit guter Wasserqualität.
Nimmermüder Vielfrass
Die Wasserspitzmaus erbeutet einen Grossteil ihrer Nahrung im Wasser. Ein ums andere Mal stürzt sie sich kopfvoran ins Nass, sucht mit ihrer spitzen Schnauze den Gewässergrund ab, dreht Steine um, bis sie einen Leckerbissen gefunden hat. Auf ihrem Speisezettel stehen Wasserasseln, Kleinkrebse, Insektenlarven, Schnecken sowie gelegentlich auch grössere Tiere wie Frösche, Molche und kleine Fische. An Land erbeutete Regenwürmer, Schnecken und Insekten ergänzen die Kost. Ihre Beute lähmt sie mit einem für Menschen harmlosen Nervengift, das in ihrem Speichel enthalten ist.
Das kleine Tierchen ist überaus gefrässig: Es verspeist täglich sein Eigengewicht an Nahrung. Wie alle kleinen Säuger hat auch die Wasserspitzmaus im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen eine grosse Körperoberfläche, über die sie viel Wärme an die Umgebung verliert. Um diesen stetigen Energieverlust auszugleichen, hat sie keine andere Wahl, als tagsüber wie nachts, sommers wie winters regelmässig tüchtig zu futtern.
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Martin Fischer - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trichopteralarve1.jpg#/media/File:Trichopteralarve1.jpg
- Köcherfliegenlarven sind ein Leckerbissen für die Wasserspitzmaus
Formidable Tauchausrüstung
Für die Raubzüge unter Wasser ist das Tier des Jahres bestens ausgerüstet: Borstensäume an den Füssen funktionieren wie Schwimmhäute, während ein Borstenkiel am Schwanz hilft, den Kurs zu halten. Die Deckhaare des dichten Fells haben einen H-förmigen Querschnitt und sind so angeordnet, dass beim Tauchen Luftbläschen im Fell hängen bleiben. So können Nässe und Kälte nicht bis auf die Haut vordringen. Der schützende Luftfilm hat einen Nachteil: Er erzeugt einen starken Auftrieb, gegen den die Spitzmaus mit allen Vieren heftig anpaddeln muss.
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Prisma / Zwerver
- Ein Mantel aus Luftbläschen schützt die Wasserspitzmaus vor Kälte und Nässe
Eine Maus, die keine ist
Die Wasserspitzmaus ist die grösste von elf Spitzmausarten in der Schweiz. Sie misst ohne Schwanz 6 bis 10 Zentimeter und wiegt 10 bis 20 Gramm. Ihr Pelz ist zweifarbig mit hellem Bauch und schiefergrauem bis schwarzem Rücken. Zur Orientierung verlässt sie sich vor allem auf ihren guten Riecher und die Tasthaare an ihrem beweglichen Rüssel.
Die Wasserspitzmaus ist rein äusserlich nur schwierig von der vermutlich noch selteneren Sumpfspitzmaus zu unterscheiden. Diese lebt ebenfalls in Gewässernähe, ist aber etwas weniger stark an das Leben im Wasser angepasst.
Mit den «echten» Mäusen ist die Wasserspitzmaus trotz ihres Namens nicht näher verwandt – jedenfalls nicht mehr als etwa ein Hirsch mit einem Fuchs. Denn während die eigentlichen Mäuse zur zoologischen Ordnung der Nagetiere gehören und sich vorwiegend pflanzlich ernähren, zählen die Spitzmäuse zur Ordnung der Insektenfresser. Ihre nächsten Verwandten sind Maulwürfe und Igel.
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Shutterstock / Erni
- Borstensäume an den Füssen funktionieren wie Schwimmhäute
Ein Gramm schwere Babys
Wasserspitzmäuse sind Einzelgänger, die sich nur zur Fortpflanzung näher kommen. Nach rund 20 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen bis zu dreimal pro Jahr vier bis acht Junge zur Welt. Die nackten, blinden Spitzmausbabys wiegen gerade einmal ein Gramm. In einer mit Moos und Gras ausgepolsterten Nesthöhle säugt und umsorgt die Mutter die Kleinen fürsorglich, verlässt dazwischen aber immer wieder das Nest, um selbst zu jagen und zu fressen. Wagt sich ein vorwitziges Jungtier allzu früh auf Entdeckungstour, wird es von der Mutter am Rüssel gepackt und wieder ins Nest zurückgeschleift. Nach etwa fünf Wochen werden die Jungen jedoch flügge und der Familienverband löst sich allmählich auf. Das Leben von Wasserspitzmäusen ist kurz: In freier Natur werden Wasserspitzmäuse kaum älter als 18 Monate.
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Dieter Köhler
- Sechs Tage alte Wasserspitzmausjunge im Nest
Wohnen an sauberen Gewässern
Die Wasserspitzmaus lebt an kleinen bis mittleren Wasserläufen und stehenden Gewässern in der ganzen Schweiz. Sie ist auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen, in dem sie ein reich gedecktes Unterwasserbuffet vorfindet. Unverbaute Ufer mit dichtem Bewuchs, unterspülten Bereichen, Baumwurzeln oder Steinblöcken bieten dem heimlichen Tier Deckung. Ihren Bau gräbt sich die Wasserspitzmaus entweder selbst, oder sie richtet sich in verlassenen Bauten anderer Kleinsäuger ein.
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Benoit Renevey
- Die Wasserspitzmaus lebt an Gewässern mit unverbauten Ufern und sauberem Wasser
Feinde und Gefährdung
Zu den natürlichen Feinden der Wasserspitzmaus gehören Schleiereulen, Reiher, Ringelnattern, aber auch Hechte und Forellen. Säugetiere wie Wiesel, Füchse und Katzen erbeuten ebenfalls Wasserspitzmäuse, fressen sie aber selten, weil ihnen der moschusartige Geruch der Spitzmäuse offenbar nicht behagt.
Der grösste Widersacher der Wasserspitzmaus ist allerdings der Mensch. Durch Bachverbauungen, Begradigungen von Flüssen und mangelndes Restwasser unterhalb von Wasserfassungen zerstört er ihren Lebensraum. Uferbereiche werden oft bis an den Gewässerrand bewirtschaftet, Krautsäume komplett abgemäht. Schadstoffe wie Pestizide und Schwermetalle belasten die Gewässer, beeinträchtigen das Nahrungsangebot und reichern sich über die verzehrten Beutetiere in der Wasserspitzmaus an.
Die Wasserspitzmaus ist auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz als «gefährdet» eingestuft und gehört zu den geschützten Tierarten.
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Imagepoint / Dieter Möbus
- Schleiereulen ernähren sich unter anderem von Wasserspitzmäusen
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura setzt sich ein für saubere Gewässer ohne Pestizide und Rückstände von Düngemitteln. Sie fordert eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft und einen konsequenten Schutz der Gewässerräume.
- Pro Natura kämpft für einen griffigen Aktionsplan zur Reduktion des Pestizideinsatzes in der Schweiz.
- Pro Natura engagiert sich für mehr naturnahe Bäche und Flüsse. Sie initiiert, begleitet und führt Revitalisierungsprojekte durch und setzt sich ein für eine naturverträgliche Nutzung der Wasserkraft.
- Pro Natura betreut über 650 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz. In und entlang von kleinen, grösseren, fliessenden und stehenden Gewässern finden hier viele Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum.
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Matthias Sorg
- Pro Natura setzt sich ein für naturnahe, saubere Gewässer
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Tier des Jahres 2015: Die Ringelnatter
Eine schlängelnde Bewegung im Röhricht, ein langgestreckter Körper, der ins Wasser gleitet – und weg ist sie. Begegnungen mit der Ringelnatter währen meist nicht lange. Denn die anmutigen Tiere sind äusserst scheu: Werden sie aufgeschreckt, flüchten sie blitzschnell in ein Versteck oder tauchen ins Wasser ab.
Die ungiftige Ringelnatter ist für Menschen völlig harmlos. Die exzellente Schwimmerin hält sich gern in der Nähe von Gewässern auf und stellt dort Fröschen und Kröten nach. Mit ihrer Leibspeise teilt sie ein gemeinsames Schicksal: Ihre Lebensräume werden immer weniger. Mit der Wahl der einheimischen Schlangenart ruft Pro Natura dazu auf, Feuchtgebiete zu erhalten, zu vernetzen und neu zu schaffen.
Ringel im Nacken
Die Ringelnatter ist eine von acht einheimischen Schlangenarten. Sie besiedelt die ganze Schweiz mit Ausnahme der Hochalpen und Teilen des Juras. Zwei Unterarten kommen in der Schweiz vor: Die sogenannte Nominatform (Natrix natrix natrix) besiedelt nur den Nordosten des Landes, während die Barrenringelnatter (Natrix natrix helvetica) die übrigen Gebiete bewohnt. Das Markenzeichen der Ringelnatter sind die beiden hellen, halbmondförmigen Flecken im Nacken. Sie sind jedoch vor allem bei älteren Tieren oft nur schwach ausgeprägt oder können auch ganz fehlen. Wer genau hinsieht, erkennt ein weiteres Merkmal: Die Schuppen zwischen Auge und Mundspalte sind an ihrem hinteren Rand deutlich schwarz gefärbt. Vor allem die Barrenringelnatter zeigt auf ihren Flanken schwarze, senkrecht stehende Balken – oder eben Barren.
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Pro Natura/Gerhard Sturm
- Markenzeichen der Ringelnatter sind die beiden hellen, halbmondförmigen Flecken im Nacken
Brutkasten im Komposthaufen
Die Ringelnatter ist ein ausgesprochen friedfertiges Reptil. Das zeigt sich sogar bei der Paarung im März oder April: Selbst wenn ganze Knäuel liebestoller Galane um ein einzelnes Weibchen buhlen, bleiben Keilereien aus. Die trächtigen Weibchen legen oft Strecken von über einem Kilometer zurück, um einen passenden Ort für die Eiablage zu finden. Geeignet sind etwa vermodernde Baumstümpfe, Kompost-, Schnittgut-, Sägemehl- oder Misthaufen, in denen durch die Verrottung organischen Materials Wärme freigesetzt wird. In diesen natürlichen Brutkasten legt das Ringelnatterweibchen 10 bis 40 weichschalige Eier ab – und hält damit den Mengenrekord unter den einheimischen Reptilien. Nach sieben bis neun Wochen schlüpfen die bleistiftgrossen Schlangenbabys.
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Stefan Dummermuth
- Schlüpfende Jungschlange
Wenn die Haut zu eng wird
Wie alle Schlangen wachsen Ringelnattern ihr Leben lang. Da ihre Oberhaut nicht mitwächst, müssen sich die Tiere regelmässig häuten. Ein solcher Garderobenwechsel kündigt sich mit einer Trübung der Augen an, die bei Schlangen durch eine durchsichtige Schuppe geschützt sind. Zwischen der alten und der neuen Hautschicht bildet sich ein Flüssigkeitsfilm, der die Ablösung einleitet. Schliesslich platzt die alte Haut an der Schnauzenspitze auf. Dann streift die Ringelnatter die alte Haut vom Kopf her wie einen engen Strumpf ab und lässt sie mit der Innenseite nach aussen als sogenanntes Natternhemd zurück.
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Sonja Haase
- Das Auge der Ringelnatter trübt vor der Häutung ein
Gut geblufft, ist halb entronnen
Ringelnattern leben gefährlich. Zu ihren Feinden gehören Greifvögel, Reiher, Katzen, Füchse, Marder und andere mehr. Die ungiftige Schlange ist wenig wehrhaft und räumt bei Gefahr wenn immer möglich das Feld. Bleibt ihr die Flucht verwehrt, greift sie in die Trickkiste: Sie flacht den Vorderkörper kobraartig ab, zischt und stösst den Kopf in Richtung des Gegners – ohne jedoch tatsächlich zu beissen. Wird sie gepackt, verspritzt sie ein stinkendes Kloakensekret. Als letztes Mittel stellt sich so manches Exemplar tot: Die Schlange verdreht den Körper, erschlafft und lässt die Zunge aus dem geöffneten Maul hängen. Manchmal treten gar ein paar Bluttropfen aus der Mundspalte aus. Kaum lässt die Aufmerksamkeit des Angreifers nach, erwacht die Schlange zu neuem Leben und macht sich davon.
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Andreas Meyer
- Eine Ringelnatter stellt sich tot
Riechen mit gespaltener der Zunge
Die Ringelnatter ist wie alle Schlangen beinahe taub. Ihr Sehsinn ist jedoch gut ausgeprägt und hilft ihr sowohl bei der Jagd wie auch beim Erkennen von Gefahren. Das typische Züngeln dient der geruchlichen Wahrnehmung. Durch eine kleine Aussparung an der Schnauzenspitze kann die Ringelnatter ihre Zunge auch bei geschlossenem Mund hervorstrecken. In der Luft schwebende Duftpartikel bleiben an der Zunge kleben und werden beim Zurückziehen in eine mit Sinneszellen besetzte Grube im Gaumen geführt, das sogenannte Jacobson’sche Organ. Die tief gespaltene Form der Zunge hilft der Schlange, ein dreidimensionales «Duftbild» der Umgebung zu erhalten.
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Stefan Dummermuth
- Züngeln dient der geruchlichen Wahrnehmung
Flinke Froschjägerin
Ringelnattern fressen vor allem Frösche und Kröten, aber auch Molche, Salamander, Amphibienlarven und gelegentlich Fische. Die flinke Jägerin geht nicht eben zimperlich vor und verschlingt ihre Beute bei lebendigem Leib. Dabei schiebt die Schlange ihre frei beweglichen Unterkieferhälften abwechselnd vor und transportiert so die Beute Stück für Stück immer weiter in den Schlund. So mancher Frosch ergibt sich jedoch nicht so einfach in sein Schicksal, sondern pumpt sich in Notwehr mit Luft voll. Die Ringelnatter kommt dem bei, indem sie Frösche und Kröten meist von hinten her verschlingt und die Luft so durch das Froschmaul wieder herausgepresst.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern ernähren sich hauptsächlich von Amphibien
Was braucht die Ringelnatter?
Wegen ihres Speisezettels leben Ringelnattern vor allem in der Nähe von amphibienreichen Gewässern. Sie folgen Frosch und Co. aber auch in deren Landlebensräume und sind deshalb auch weit entfernt von jeglichem Ufer anzutreffen. Nebst genügend Beute braucht die Ringelnatter Sonn- und Versteckmöglichkeiten wie etwa Trockenmauern, Ast- oder Steinhaufen sowie geeignete Eiablagestellen. Den Winter verbringen Ringelnattern in frostfreien Schlupfwinkeln, zum Beispiel in Erd- oder Baumhöhlen, unter Steinen, in Mauerspalten, Kompost- oder Sägemehlhaufen.
Im Laufe der letzten 100 Jahren hat der Mensch einen grossen Teil der einst ausgedehnten Lebensräume der Ringelnatter in der Schweiz zerstört: Feuchtgebiete wurden entwässert, Fliessgewässer reguliert, Naturräume überbaut oder durch Strassen zerschnitten. Zudem fehlt es der Ringelnatter im intensiv genutzten, aufgeräumten Landwirtschaftsland an Strukturen wie Hecken, Gräben, Trockenmauern, Steinhaufen oder Altgrasstreifen. So haben die Bestände der Ringelnatter starke Einbussen erlitten. Heute steht die Ringelnatter wie alle Schlangenarten der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist geschützt.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern schätzen die Nähe von Gewässern und reichlich Versteckmöglichkeiten
Was tut Pro Natura?
- Ringelnattern fühlen sich dann wohl, wenn es auch den Amphibien gut geht. Um dem Tier des Jahres zu helfen, müssen deshalb die noch vorhandenen Feuchtgebiete geschützt und neue feuchte Lebensräume geschaffen werden. Dies tut Pro Natura im Rahmen ihrer Kampagne «Mehr Weiher für Frosch [&] Co.»: Sie erstellt selbst neue Fortpflanzungsgewässer für Amphibien und fordert Gemeinden auf, es ihr gleichzutun.
- Pro Natura betreut über 650 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz. In diesen Gebieten pflegt sie feuchte Lebensräume gezielt und sorgt dafür, dass Gewässer nicht zuwachsen oder verlanden.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, in deren Auen sich Reptilien und Amphibien wohlfühlen.
- Pro Natura macht sich stark für eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel naturverträglich produziert. So wirkt sie etwa darauf hin, dass die Direktzahlungen des Bundes gezielter für ökologische Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte entrichtet werden.
- Pro Natura ist Mitgründerin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und arbeitet projektbezogen mit deren Fachleuten zusammen.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern sind auf amphibienreiche Feuchtgebiete angewiesen
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Tier des Jahres 2014: Die Feldgrille
Die Feldgrille ist bekannt für ihre musikalische Ader: Ihr unermüdliches Zirpen dominiert von den ersten warmen Frühlingstagen bis in den August hinein so manches Wiesenkonzert. Die Künstlerinnen selbst bleiben dem Publikum jedoch meist verborgen. Oder besser gesagt: die Künstler. Denn es sind die Grillenmännchen, die mit lautem «Zri, zri, zri» versuchen, Weibchen anzulocken und Nebenbuhler abzuschrecken.
Pro Natura macht 2014 die Bühne frei für die scheuen Meistergeiger und wirbt so für mehr artenreiche Blumenwiesen in der Schweiz.
Befrackte Dickköpfe
Die Feldgrille ist eine von über 100 Heuschreckenarten in der Schweiz. Wer nun an einen filigranen grünen Hüpfer denkt, liegt falsch: Die 18 bis 27 mm grosse Feldgrille ist vielmehr schwarz und bullig, mit kugeligem Kopf und bräunlichen, schwarz geäderten Flügeln.
Die Flügelbasis ist besonders bei den Männchen dunkelgelb gefärbt. Die Unterseite der Hinterschenkel leuchtet rot. Die Weibchen sind an ihrer langen, schlanken Legeröhre zu erkennen.
Trotz ihrer Flügel können Feldgrillen nicht fliegen. Die Tiere sind aber flinke Läufer. Auf ihrem Speiseplan stehen Gräser und Kräuter, dazu kleinere Insekten und deren Kadaver. Feldgrillen ihrerseits sind willkommene Happen für grössere Vögel, Reptilien und Säugetiere wie Füchse, Spitzmäuse oder Hauskatzen.
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Albert Krebs/ETH
- Feldgrillenweibchen mit Legeröhre
Erste Geige im Wiesenkonzert
Das Musizieren ist bei den Feldgrillen Männersache. Mit lautem «Zri, zri, zri» markieren Grillenmännchen ihr Revier und weisen gleichzeitig paarungsbereiten Weibchen den Weg. Das Instrument der Violinisten sind ihre Vorderflügel. Auf deren Unterseite sitzen in einer Reihe rund 140 feine Zähnchen. Diese Schrillleiste streicht wie ein Kamm über eine glatte Schrillkante am Hinterrand des anderen Flügels. Eine Membran an der Flügelbasis verstärkt den Klang wie ein Lautsprecher. Die angehobenen Flügel und der Eingang zur eigenen Wohnröhre dienen als Schalltrichter. So ist der Gesang in offenem Gelände fast 100 Meter weit zu hören. Die Grillenweibchen, selbst stumm, nehmen den Lockruf mit ihren winzigen, schlitzförmigen Hörorganen in den Vorderbeinen wahr. Überzeugt die Darbietung, krabbeln sie dem Partner entgegen. Sobald sich ein Weibchen nähert, wechselt das Männchen schlagartig das Thema und umwirbt die Angebetete mit leisem Liebesgeflüster.
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Florin Rutschmann
- Zirpendes Männchen
Bunker mit Terrasse
Eine zirpende Feldgrille zwischen den Grashalmen aufzuspüren, ist nicht ganz einfach. Die schreckhaften Insekten verstummen, sobald man sich ihnen nähert, und verschwinden blitzartig in ihren selbst gegrabenen Wohnröhren. Diese reichen unverzweigt bis 40 Zentimeter tief in die Erde.
Vor der Höhle legen die Tiere einen kleinen Vorplatz an, den sie laufend von Gräsern und Steinen befreien. Dieser dient den Männchen sowohl als Bühne für die musikalischen Darbietungen als auch als Arena für Rivalenkämpfe. Sobald sich ein fremdes Männchen auf den Platz wagt, stimmt der «Hausherr» einen schrillen Rivalengesang an. Reicht die akustische Drohung nicht aus, folgt die Peitsche: Die Kontrahenten schlagen sich ihre langen Antennen um die Köpfe, sie schubsen und beissen, bis einer der beiden das Feld räumt.
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Ingo Stiegemeyer
- Feldgrillenmännchen vor Wohnröhre
Jugend ohne festen Wohnsitz
Feldgrillen paaren sich häufig vor dem Höhleneingang eines Männchens. Die Weibchen legen danach ihre Eier in die Erde ab, wo sie sich selbst überlassen bleiben. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die kleinen Larven, die ihren Eltern bereits ähnlich sehen, aber noch keine Flügel tragen. Die Feldgrillenlarven vagabundieren den Sommer über umher, fressen und häuten sich bis zu zehnmal. Erst im Herbst werden die Jungen sesshaft: Sie graben sich eine Wohnröhre oder renovieren den verwaisten Gang eines Artgenossen. In diesem Quartier verbringen die Larven den Winter. Im nächsten Frühling wechseln sie noch ein- oder zweimal die Haut und sind etwa Anfang Mai erwachsen.
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Florin Rutschmann
- Feldgrillenlarven haben noch keine Flügel
Leben in der Blumenwiese
Die Feldgrille ist in der Schweiz vor allem in milden Tallagen, an warmen und trockenen Standorten aber auch bis auf gut 1800 Meter ü. M. anzutreffen. Sie ist eine typische Bewohnerin sonniger, extensiv bewirtschafteter Wiesen, Weiden und Böschungen. Diese blütenreichen Lebensräume sind nicht nur ein Eldorado für Heuschrecken wie die Feldgrille, sondern auch für unzählige andere Tier- und Pflanzenarten.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts nehmen die Fläche und die Qualität artenreicher Blumenwiesen in unserer Landschaft jedoch stetig ab. Gründe dafür sind zum einen die Intensivierung der Landwirtschaft, zum andern das Verbuschen nicht mehr bewirtschafteter Steilhänge. So manche sonnige Lage wird zudem überbaut. Vielerorts ist das Zirpen der Feldgrille deshalb verstummt. Die Tiere sind innerhalb einer trocken-warmen Wiese zwar recht mobil, stossen ausserhalb aber schnell an Grenzen. So leben heute viele Populationen quasi auf Inseln, was die an sich häufige Art verletzlich macht.
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Fabian Biasio
- Feldgrillen mögen sonnige, extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura sichert ein Netz von über 650 Naturschutzgebieten in der ganzen Schweiz. Die Wiesen und Weiden in den Pro Natura Schutzgebieten werden extensiv bewirtschaftet – zur Freude der Feldgrille, die in zahlreichen dieser Gebiete vorkommt.
- Mit ihrer Kampagne «Flower Power – für farbenfrohe Blumenwiesen» setzt sich Pro Natura ab 2014 dafür ein, dass die bunten, artenreichen Wiesen und Weiden in der Schweiz wieder zunehmen.
- Pro Natura erhält und fördert Trockenwiesen und -weiden. So untersucht etwa das Projekt «Allegra Geissenpeter», wie ehemals landwirtschaftlich genutzte Hänge wieder nutzbar gemacht und vor dem Verbuschen bewahrt werden können.
- Auch in ihren Sektionen macht sich Pro Natura für artenreiche Wiesen und Böschungen stark, zum Beispiel mit dem Projekt «Blühende Borde fürs Baselbiet».
- In der Agrarpolitik vertritt Pro Natura eine klare Position für artenreiche Wiesen und Weiden im Kulturland.
- Pro Natura macht sich stark für einen haushälterischen Umgang mit dem Boden.
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Benoît Renevey
- Blumenwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten
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Tier des Jahres 2013: Die Geburtshelferkröte
Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien. Während Wochen trägt der Krötenvater die Eier huckepack. Sind die Kaulquappen schlupfbereit, liefert er sie prompt und zuverlässig am Gewässer ab.
Mit der Wahl des fürsorglichen «Glögglifroschs» zum Tier des Jahres 2013 macht Pro Natura auf den dramatischen Rückgang der einheimischen Amphibien aufmerksam und fordert mehr Feuchtgebiete für Frösche und Kröten, Molche und Salamander.
Nächtliche Futtersuche
Die Geburtshelferkröte ist ein zierlicher Froschlurch von gerade einmal 3.5 bis 5 Zentimetern Grösse. Ihre Oberseite ist gräulich, der Bauch weisslich. Eine Reihe vergrösserter, oft rötlich gefärbter Warzen zieht sich über ihre Flanken. Faszinierend sind die grossen, goldenen Augen mit senkrechter Pupille. Tagsüber versteckt sich die Geburtshelferkröte in Erdhöhlen und Mauslöchern, unter Steinen, in Mauerfugen, Sandhaufen oder Gartenbeeten. Ist es warm und feucht genug, verlässt sie abends ihren Schlupfwinkel und geht auf Nahrungssuche. Was das Menu betrifft, ist sie nicht heikel: Sie schnappt sich ziemlich alles, was ihr vors Maul kriecht und kleiner ist als sie selbst, wie Insekten, Spinnen, Asseln, Schnecken und Würmer.
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Axel Birgin
- Geburtshelferkröten sind keine besonderen Feinschmecker
Konzert der Kavaliere
«Glögglifrosch» nennt der Volksmund die Geburtshelferkröte. Der Name kommt nicht von ungefähr: Geburtshelferkröten zeigen sich dem Menschen selten. Meist bemerkt man sie überhaupt nur wegen ihres eigentümlichen Rufes. Von Ende März bis August buhlen die Männchen abends mit hellen, kurzen Lauten um die Gunst paarungsbereiter Weibchen. Was im Solo an einen Funkton erinnert, klingt im Chor wie ein mehrstimmiges Glockenspiel. Hat einer der singenden Kavaliere ein Weibchen für sich gewonnen, umklammert es dieses mit den Vorderbeinen. Ein langes und kompliziertes Paarungsritual beginnt.
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Kurt Grossenbacher
- Geburtshelferkröten bei der Paarung
Brutpflege ist Männersache
Anders als alle anderen Froschlurche paaren sich Geburtshelferkröten an Land und legen ihre Eier nicht in ein Gewässer ab. Vielmehr formt das Krötenpaar mit allen vier Hinterbeinen sorgsam ein Körbchen. In dieses entlässt das Weibchen zwei Laichschnüre, die vom Männchen sofort besamt werden. Schliesslich reckt und streckt das Männchen seine Hinterbeine mehrmals durch das Gewirr der Laichschnüre, sodass sich diese um seine Fersengelenke wickeln.
Das Weibchen ist nun aus der Pflicht entlassen. Das Männchen übernimmt manchmal noch ein oder zwei weitere Gelege von anderen Weibchen. Die kostbare Fracht gut vertäut an den Beinen, sucht sich der Krötenvater ein feuchtwarmes, für die Eireifung günstiges Versteck. Nach 3 bis 6 Wochen Hütedienst bringt er die reifen Eier zum Gewässer. Innert Minuten beginnen die Larven zu schlüpfen. Die Kaulquappen verwandeln sich entweder noch im selben Herbst in landlebende Tiere oder überwintern als Larven im Gewässer. Dann werden sie stattliche 9 Zentimeter lang – grösser als alle anderen einheimischen Kaulquappen.
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Jan Ryser
- Männchen mit Eigelege
Ufernahe Wohnquartiere
In der Schweiz kommt die Geburtshelferkröte vor allem im Hügelland und in den Voralpen vor. Südlich der Alpen fehlt sie. Für die Entwicklung der Larven braucht sie zwingend Wasser. Die Art des Gewässers scheint dabei zweitrangig zu sein: Die Tiere setzen ihre Kaulquappen sowohl in Tümpel, Weiher und Teiche als auch in langsam fliessende Abschnitte von Bächen oder Flüssen.
Einmal dem Wasser entstiegen, verbringen Geburtshelferkröten den Rest ihres Lebens an Land. Sie siedeln sich deshalb nur dort an, wo sie nahe am Gewässer auch den passenden Landlebensraum finden. Dabei bevorzugen sie gut besonnte Böschungen mit lockerem, grabbarem Boden. Diese Nähe von Wasser- und Landlebensraum findet die Geburtshelferkröte vor allem in Auengebieten, Rutschhängen, Kiesgruben und Steinbrüchen, aber auch an günstig gelegenen, meist fischfreien Weihern und Teichen.
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Andreas Meyer
- Lebensraum der Geburtshelferkröte
Glögglifrosch in Not
Die Geburtshelferkröte gilt in der Schweiz als stark gefährdet. In den letzten 25 Jahren ist rund die Hälfte ihrer Vorkommen erloschen. Doch nicht nur der Glögglifrosch ist in Bedrängnis. Von den 20 einheimischen Amphibienarten stehen 14 auf der Roten Liste. Eine davon gilt in der Schweiz bereits als ausgestorben. Damit gehören die Amphibien zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen unseres Landes.
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Pro Natura
- Die Wechselkröte gilt in der Schweiz als ausgestorben
Amphibien fehlt das Wasser
Amphibien brauchen Gewässer als Lebensraum. Doch das viel gepriesene «Wasserschloss Schweiz» ist heute zu trocken. Flüsse wurden kanalisiert, Bäche eingedolt, Weiher und Tümpel trockengelegt, feuchte Wiesen drainiert. Insgesamt wurden neun von zehn Feuchtgebieten trockengelegt. Besonders rar sind jene Gewässer geworden, die ab und zu austrocknen. Dabei sind gerade diese für seltene Amphibienarten ein Paradies, weil in ihnen kaum Fressfeinde wie Fische oder Libellenlarven leben.
Weitere Faktoren machen den Amphibien zusätzlich zu schaffen: In unserer intensiv genutzten Landschaft fehlt es den Tieren an Schlupfwinkeln, viele Laichgebiete sind isoliert, in fischfreie Gewässer werden Fische eingesetzt, Amphibien werden überfahren, durch Pestizide oder Mineraldünger geschädigt oder von einer neuen Pilzkrankheit befallen.
Das Hauptproblem für die Not der Amphibien bleibt jedoch unsere entwässerte Landschaft. Pro Natura setzt sich deshalb dafür ein, dass bestehende Amphibiengewässer erhalten sowie neue Amphibienlebensräume geschaffen werden.
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- Ein Problem sind kanalisierte Bäche
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura fördert die Geburtshelferkröte und andere gefährdete Amphibienarten gezielt mit Artenschutzprojekten.
- Pro Natura sichert ein Netz von über 650 Naturschutzgebieten im ganzen Land mit rund 100 Amphibienlaichgebieten von nationaler Bedeutung.
- Pro Natura macht sich stark für eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel naturverträglich produziert. So wirkt sie etwa darauf hin, dass auch für Kleinstrukturen wie Amphibiengewässer Direktzahlungen entrichtet werden.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, in deren Auen sich Geburtshelferkröten und andere Amphibien wohl fühlen. Sie unterstützt die Rückkehr des Bibers, der mit seinen Staudämmen attraktive Amphibienlebensräume schafft.
- Pro Natura pocht auf den gesetzlich vorgeschriebenen Schutz unserer Moore und Moorlandschaften, die nebst vielen anderen Tier- und Pflanzenarten auch Amphibien Lebensraum bieten.
- Pro Natura ist Mitgründerin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und arbeitet projektbezogen mit deren Fachleuten zusammen.
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- Amphibienförderung konkret
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Tier des Jahres 2012: Das Braune Langohr
Als «Vögel der Nacht» leisten Fledermäuse einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht in der Natur. Im Gegenzug sind sie auf vielfältige Lebensräume angewiesen. Fledermäuse sind die heimlichen Nachbarn: Tagsüber verstecken sie sich in Baumhöhlen, Ritzen und Spalten, manche wohnen unbemerkt in unseren Häusern. Wer sind diese sonderbaren Wesen, nicht Vogel und nicht Maus?
Fliegen mit den Händen
Fledermäuse gehören zur Ordnung der Chiroptera – Handflügler. Diese können als einzige Säugetiere aktiv fliegen. Mit Mittelhand- und Fingerknochen spannen sie ihre elastischen Flughäute auf.
Weltweit sind über 1100 Fledertierarten bekannt, die in 60 Millionen Jahren eine erstaunliche Vielfalt an ökologischen Nischen eroberten. In den Tropen gibt es neben den Insektenjägern auch Fleisch-, Fisch-, Früchte-, Blatt- und Pollenfresser. Fledermäuse in der Schweiz ernähren sich ausschliesslich von Insekten und anderen Gliederfüsslern wie Spinnen und Weberknechten. Bis heute wurden in der Schweiz 30 Fledermausarten nachgewiesen.
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Dietmar Nill
- Aktiv fliegen
Sehen mit den Ohren
Pfeilschnell jagen Fledermäuse durch die Dunkelheit und schnappen zielsicher nach Insekten. Möglich macht dies ein raffiniertes Ultraschallsystem: Durch Mund oder Nase stösst die nächtliche Jägerin kurze, für Menschen nicht hörbare Rufe aus. Diese Ultraschallsignale werden von Hindernissen wie Bäumen, Zweigen und Mauern, aber auch von Beutetieren reflektiert und von den Ohren der Fledermaus wieder aufgefangen. So entsteht ein präzises Hörbild der Umgebung. Langohren beherrschen einen zusätzlichen Trick: Sie orten ihre Beute anhand von Krabbelgeräuschen. Ihren riesigen Ohren entgeht auch nicht das leiseste Rascheln.
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Dietmar Nill
- Auf der Jagd
Falterfresser und Flugakrobat
Das Braune Langohr (Plecotus auritus), Tier des Jahres 2012, misst von Kopf bis Rumpf etwa fünf Zentimeter. Seine riesigen Ohren, die es einzeln bewegen kann, sind beinahe so lang wie sein Körper. Es bringt lediglich 5 bis 12 Gramm auf die Waage, bei einer Flügelspannweite von rund 24 Zentimetern. Bei der Jagd erbeuten die wendigen Flugakrobaten hauptsächlich Nachtfalter. Darunter auch Waldschädlinge wie Eichenwickler und Schwammspinner. Weiche Käfer, Schnaken, Raupen und Spinnen stehen ebenfalls auf ihrer Menükarte. Wie ein Turmfalke kann das Braune Langohr im Rüttelflug an Ort verharren und seine Beute direkt von Blättern, Gräsern und Baumrinde absammeln. Die breiten Flügel erlauben gar Pirouetten und Loopings. Erbeutet das Langohr grosse Falter, verzehrt es diese im Hängen an einem Frassplatz. Unverdauliche Teile wie Flügel, Beine und Fühler lässt es zu Boden fallen.
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Dietmar Nill
- Falterfresser
Schöner Wohnen im Wald
Das Braune Langohr gilt als typische Waldfledermaus. Wie sieht der ideale Fledermauswald aus? Er bietet ein Mosaik aus geschlossenen und lichten Waldabschnitten, Laub- und Mischwald, jungen und alten Bäumen sowie Totholzinseln mit vielen Höhlen und Rissen in den Stämmen, die Fledermäusen tagsüber als Verstecke dienen. In strukturreichen Wäldern leben auch unzählige verschiedene Beuteinsekten.
Braune Langohren jagen nachts, mit Vorliebe im Wald. Wichtige Jagdgebiete sind zudem Hochstammobstgärten, Hecken und naturnahe Wiesen, wenige 100 Meter vom Tagesschlafplatz entfernt. Dieser befindet sich in einer Baumhöhle oder im Dachstock von Kirchen, Fabriken, Schul- und Wohnhäusern. Hier ziehen die Weibchen während des Sommers ihre Jungen auf, in so genannten Wochenstuben. Da Fledermäuse in der Regel nur ein Jungtier pro Jahr zur Welt bringen, sind ihre Populationen besonders verletzlich. Es dauert Jahrzehnte, bis sich eine geschwächte Art erholt.
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Klaus Bogon
- Baumhöhle
Abhängen in der Kälte
Zum Schlafen biegen Langohrfledermäuse ihre Ohren nach hinten und klemmen sie zwischen Unterarme und Körper. So erkennt man nur den vorstehenden Ohrdeckel, Tragus genannt.
In der kalten Jahreszeit ziehen sich Fledermäuse in frostsichere Quartiere zurück. Der Körper wird abgekühlt und die Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert. So können zwischen zwei Atemzügen bis zu 90 Minuten verstreichen. Auch die Herzfrequenz wird stark gesenkt. Damit die Tiere während des Winterschlafs nicht austrocknen, muss das Quartier genügend Luftfeuchtigkeit aufweisen. Bekannte Winterquartiere sind Höhlen, Felsspalten, Tunnels und Keller mit Naturböden.
Im Winter sind Fledermäuse nicht völlig reglos. Manchmal verändern sie ihre Schlafposition oder sie wechseln, wenn es zu warm oder zu kalt ist, das Quartier. Jedes Aufwachen zehrt jedoch an ihren knappen Fettreserven. So entspricht eine Stunde Wachsein dem Energieverbrauch von rund elf Tagen im Winterschlaf. Bis zum Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird und das Nahrungsangebot steigt, sollten schlafende Fledermäuse nicht gestört werden.
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Dietmar Nill
- Im Schlaf
Fledermäuse brauchen Vielfalt
In der Schweiz ist das Braune Langohr vom Flachland bis in die Bergregionen verbreitet. Dennoch gilt es als gefährdet, wie fast alle der rund 30 einheimischen Fledermausarten. Durch intensive Nutzung der Landschaft verschwinden immer mehr Obstgärten, Hecken und Feldgehölze, die Fledermäusen als Jagdgebiete und wichtige Orientierungspunkte beim Fliegen dienen. Baumhöhlen sind in unseren stark genutzten Wäldern Mangelware; Alt- und Totholz werden ausgeräumt. Intensive Landwirtschaft schmälert den Insektenreichtum.
Mit der Wahl des Braunen Langohrs zum Tier des Jahres 2012 ruft Pro Natura dazu auf, die Vielfalt der Lebensräume zu bewahren und zu verbessern.
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Klaus Bogon
- Obstgarten
Was macht Pro Natura?
- Pro Natura setzt sich für vielfältige Wälderein – mit Waldschutzprojekten und auf politischer Ebene. Fledermäuse brauchen strukturreiche Wälder, in denen Alt- und Totholz vermehrt stehen und liegen bleiben.
- Pro Natura fördert mit dem Label «Hochstamm Suisse» den Erhalt von Hochstamm-Obstbäumen in der Schweiz. Für Fledermäuse sind Hochstamm-Obstgärtendoppelt wichtig: als Jagdgebiete und als Leitstrukturen beim nächtlichen Fliegen.
- Pro Natura kämpft für eine naturverträglichere Landwirtschaftspolitik. Mehr ökologische Ausgleichsflächen und weniger Pestizide verbessern den Insektenreichtum und damit das Nahrungsangebot für Fledermäuse.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, die Fledermäusen ein reichhaltiges Insektenangebot liefern.
- Pro Natura ist an über 650 Naturschutzgebietenin der ganzen Schweiz beteiligt. Unser Ziel: Mehr Natur – überall!
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Christoph Oeschger
- Für vielfältige Lebensräume
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Tier des Jahres 2011: Der Regenwurm
Regenwürmer sind die Baumeister fruchtbarer Böden. Unermüdlich graben sie sich durch das Erdreich, arbeiten totes Pflanzenmaterial in den Boden ein, produzieren wertvollen Humus und sorgen für eine optimale Bodenstruktur. So pflegen die fleissigen Gesellen eine unserer kostbarsten Ressourcen: den Boden. Dieser ist Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen und muss deshalb sorgfältig genutzt und geschützt werden.
In der Schweiz leben rund 40 verschiedene Regenwurmarten. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der Tauwurm Lumbricus terrestris. Dieser 12 bis 30 Zentimeter grosse Regenwurm ist vorne rot-braun und hinten blass gefärbt. Er ist weit verbreitet und bewohnt Wiesen, Äcker, Gärten und Wälder. Dort gräbt er nahezu senkrechte Wohnröhren bis zu 3 Meter tief in den Unterboden hinab. Dadurch durchmischt er den Boden intensiv. Auf seinem Speisezettel stehen Laub und Ernterückstände, die er in seine Wohnröhre zieht und von Pilzen und Bakterien vorverdauen lässt. Nur dank dieser Kompostiertechnik kann der zahnlose Regenwurm das Pflanzenmaterial überhaupt aufnehmen.
Regenwürmer sind wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbstständig regulieren können. Am aktivsten sind sie im Frühling und im Herbst. Bei Trockenheit im Sommer und Frost im Winter ziehen sich die meisten Arten zunächst tiefer in den Boden zurück. Sind die Bedingungen zu extrem, ringeln sie sich in einer mit Kot austapezierten Höhlung ein und verfallen in einen Starrezustand. Sind die Verhältnisse wieder günstiger, werden die Tiere wieder aktiv.
Die drei Lebensformen einheimischer Regenwürmer
Die verschiedenen Regenwurmarten lassen sich anhand ihres Lebensraumes in drei ökologische Gruppen einteilen:
Die kleinen und agilen Streubewohner leben zuoberst in der Humusauflage und in der Streuschicht. Sie fressen totes Pflanzenmaterial auf der Bodenoberfläche. Zum Schutz vor UV-Strahlung sind sie am ganzen Körper rötlich-braun gefärbt. Ein typischer Vertreter ist der Kompostwurm Eisenia fetida.
Die Mineralbodenformen besiedeln den Wurzelbereich von Pflanzen. Sie ernähren sich zum Beispiel von abgestorbenen Wurzelteilen im Boden, ohne jedoch die lebenden Pflanzenteile zu schädigen. Diese durchscheinend bleichen Arten graben vorwiegend horizontale, instabilen Gänge und kommen fast nie an die Oberfläche. Ein Beispiel ist der Grauwurm Nicodrilus caliginosus.
Die grossen, tiefgrabenden Arten pendeln zwischen Unterboden und Bodenoberfläche. Sie legen nahezu senkrechte, bis mehrere Meter tiefe, stabile Wohnröhren an, deren Wände sie mit Kot tapezieren. Diese kräftigen Arten ziehen totes Pflanzenmaterial von der Bodenoberfläche in ihre Wohnröhren ein. Sie sind nur im vorderen Körperbereich dunkel gefärbt. Zu dieser Gruppe gehört der Tauwurm Lumbricus terrestris.
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H. & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Lumbricus terrestris in einer Wohnröhre
Blind, stumm, taub
Regenwürmer bestehen aus bis zu 200 Körpersegmenten, von denen jedes mit kurzen Borsten versehen ist. Unter der Haut befinden sich Ring- und Längsmuskeln des Regenwurms. Zieht er die Ringmuskeln zusammen, erschlaffen gleichzeitig die Längsmuskeln, und die betreffende Stelle wird lang und dünn. Durch abwechselndes Strecken und Zusammenziehen einzelner Körperabschnitte kriecht der Wurm vorwärts. Um sich durch die Erde zu graben, bohrt er das dünne Vorderteil in feine Spalten. Dann verkürzt sich die Längsmuskulatur, das Vorderteil wird dicker und schiebt die Erde auseinander. Regenwürmer können so bis zum 60-fachen ihres Körpergewichts stemmen. Damit gehören sie im Verhältnis zu ihrer Grösse zu den stärksten Tieren der Welt.
Wie der Mensch hat der Regenwurm rotes Blut. Angetrieben von 5 Paar «Herzen» zirkuliert es durch ein ausgeklügeltes Blutgefässsystem. Den nötigen Sauerstoff nehmen Regenwürmer nicht über Lungen oder Kiemen, sondern durch die Körperoberfläche auf. Ihr Blut strömt in feinen Gefässen unter der Haut hindurch und nimmt dabei Sauerstoff auf.
Regenwürmer besitzen weder Ohren, noch Nase, noch richtige Augen. Dank Licht-Sinneszellen am Vorder- und Hinterende können sie jedoch Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Ein Tast- und Gravitationssinn hilft ihnen, sich in ihren Röhrensystemen zurechtzufinden. Mit Hilfe eines Drucksinns können Regenwürmer zudem Erschütterungen wahrnehmen und so vor herannahenden Fressfeinden rechtzeitig flüchten.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Tauwurm mit Geschlechtsgürtel und pigmentiertem Vorderteil
Das Liebesleben der Zwitter
Regenwürmer paaren sich vor allem im Frühling und im Herbst. Sie sind Zwitter, d.h. sie besitzen sowohl Hoden wie Eierstöcke. Geschlechtsreife Tiere erkennt man an einer Verdickung im vorderen Drittel des Körpers, dem so genannten Gürtel. Zur Fortpflanzung legen sich zwei Regenwürmer in entgegengesetzter Richtung eng aneinander und tauschen ihren Samen aus. Dann bilden sie einen Schleimring um ihre Gürtelregion, aus dem sie sich langsam herauswinden. Dabei geben sie Eier und Samen in den Schleimring ab. Die abgestreifte Schleimmanschette formt sich zu einem zündholzkopfgrossen Kokon. Nach wenigen Wochen bis mehreren Monaten – je nach Art – schlüpft aus diesem «Regenwurmei» das Jungtier. Der Tauwurm Lumbricus terrestris paart sich einmal pro Jahr und bildet dabei 5-10 Kokons mit je einem Ei. Der Kompostwurm Eisenia fetida paart sich hingegen häufiger und legt pro Jahr rund 140 Kokons ab, aus denen Mehrlinge schlüpfen.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Zitronenförmiger Kokon in der Grösse eines Zündholzkopfes
Baumeister fruchtbarer Böden
Regenwürmer sind Bodenbildner. In einem durchschnittlich besiedelten Boden produzieren rund 1 Million Regenwürmer bis zu 100 Tonnen Wurmkot pro Hektar und Jahr. Dieser hochwertige Humus enthält bis zu 5-mal mehr Stickstoff, 7-mal mehr Phosphor und 11-mal mehr Kalium als die umgebende Erde. Mit diesem vorzüglichen Dünger tragen Regenwürmer entscheidend zur Nährstoffversorgung der Pflanzen bei.
Zusammen mit dem toten Pflanzenmaterial verleibt sich der Regenwurm auch grössere Mengen Mineralerde mit ein. Im Regenwurmkot finden sich deshalb so genannte Ton-Humus-Komplexe, die für eine stabile, krümelige Bodenstruktur sorgen.
Als umtriebige Tunnelbauer belüften Regenwürmer den Boden, erhöhen seine Wasseraufnahmefähigkeit und erleichtern das Wurzelwachstum. Im Obstbau erweisen sich Regenwürmer zudem als willkommene biologische Schädlingsbekämpfer: Indem sie das Falllaub der Bäume in den Boden ziehen und verspeisen, vertilgen sie auch Schadorganismen wie die Sporen des Apfelschorfs oder blattminierende Insekten.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Bis zu 100t Regenwurmlosung pro Hektare und Jahr wird im und über dem Boden abgelegt
Boden – mehr als nur Dreck
Der Regenwurm pflegt eine unserer kostbarsten Ressourcen: Der Boden ist Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Er bietet Lebensraum und Nahrung, sorgt für einen natürlichen Wasserkreislauf, liefert mineralische Rohstoffe und Erdwärme, ist das Substrat für vielfältige Landschaften.
Doch der Boden ist bedroht. Überdüngung, Pestizide, Schadstoffe, Verdichtung und Erosion machen ihm zu schaffen. Vor allem aber wird immer mehr lebendiger Boden überbaut. Die Siedlungsfläche in der Schweiz wächst jede Sekunde um fast einen Quadratmeter. Boden wird zunehmend versiegelt und Landschaft zerstört.
Mit der Wahl des Regenwurms zum Tier des Jahres macht Pro Natura auf den verschwenderischen Umgang mit Boden und Landschaft aufmerksam und ruft zu deren Schutz auf.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Auf einer Wiese leben zwischen 200-400 Regenwürmer pro m2
Gefahren für den Regenwurm
Regenwürmer sind für viele Tierarten ein Leckerbissen. Zu seinen natürlichen Feinden gehören zahlreiche Vogelarten, Maulwürfe, Marder, Igel, Spitzmäuse, Erdkröten, Frösche, Feuersalamander, Hundertfüssler, Ameisen, Laufkäfer, Füchse und Dachse.
Weitere Gefahren drohen dem Regenwurm durch den Menschen: Die unsachgemässe Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie intensives Pflügen oder Fräsen dezimieren den Wurmbestand drastisch. Schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichten den Boden und machen den Dauerwühlern das Leben schwer.
Der krasseste Eingriff ist die zunehmende Überbauung von Kulturland. Unter völlig versiegelten Flächen, unter Gebäuden, Parkplätzen und Strassen, existieren praktisch keine Bodenlebewesen mehr.
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Matthias Sorg
- Wohnen im Grünen
Was braucht der Regenwurm?
Wer den Regenwurm fördert, verhilft dem Boden zu mehr Gesundheit, Leben und Fruchtbarkeit. Wichtig ist eine schonende Bearbeitung des Bodens sowohl im Feld wie auch im Garten: Pflug und Spaten sollten nur sparsam eingesetzt werden, die Bodenfräse einzig wenn unbedingt nötig. Weiter sind Regenwürmer auf genügend Nahrung in Form von organischem Material angewiesen. Abwechslungsreiche Fruchtfolgen, vielfältige Ernteresten, eine konsequente Bodenbedeckung (Mulchen) und massvoll eingesetzter organischer Dünger (Mist, Kompost, Gülle) sorgen für ein üppiges Nahrungsangebot. Hohe Mineraldüngergaben und regenwurmschädigende Pflanzenschutzmittel sind zu meiden. Biologischer Anbau schont die Regenwürmer.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch
- Der Regenwurm Lumbricus terrestris