Progetti
Bundesrat zaudert: Klima- und Biodiversitätsprobleme in der Landwirtschaft bleiben ungelöst
Weniger Futtermittel, mehr Nahrungsmittel direkt für den Menschen, mehr Innovationen, gesündere Ernährungsgewohnheiten und widerstandsfähige Märkte - der Bundesrat malt ein verlockendes Bild davon, wie die Ernährungs- und Landwirtschaft im Jahr 2050 aussehen sollte. Dieses Zukunftsbild unterstützen die Umweltorganisationen. Denn nur mit dem langfristigen Erhalt der Produktionsgrundlagen (Bodenfruchtbarkeit, Wasser, Bestäuber etc.), mit mehr pflanzlichen Kulturen für die direkte Ernährung und weniger Foodwaste ist die Ernährungssicherheit auch für zukünftige Generationen gewährleistet.
Acht Jahre ohne neue Agrarpolitik?
Leider bleibt aber die gesamte Strategie sehr schwammig und unscharf. Anstatt sofort die ersten Weichen zu stellen, um eine schrittweise Umsetzung dieser Vision zu gewährleisten, schlägt der Bundesrat vor, wichtige Teile seiner eigenen Agrarpolitik AP22+ zu streichen und danach acht Jahre lang auf die Umsetzung einer neuen Agrar- und Ernährungspolitik zu warten.
Ein Wandel ist jedoch dringend nötig: Keines der 13 Umweltziele für die Landwirtschaft wird erreicht, viele staatliche Anreize schaden der Artenvielfalt und die Böden werden sehr intensiv bewirtschaftet, was die Versorgungssicherheit gefährdet. Die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt bedrohen unsere Ernährungssicherheit. Und die Bäuerinnen und Bauern müssen in der notwendigen Transformation von der Politik aktiv unterstützt werden. Acht Jahre warten, bevor neue Massnahmen in diesem Bereich umgesetzt werden, ist nicht zielführend und steht im Widerspruch zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der Nachhaltigkeitsstrategie 2030.
Dynamik beibehalten
Jetzt muss das Parlament den Kurs korrigieren und die AP22+ umfassend behandeln. Die gemachten Versprechungen müssen eingehalten und Massnahmen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität umgesetzt werden. Diese Massnahmen können nicht bis 2030 warten. Darüber hinaus ist es unerlässlich, die Politik bereits heute auf diese Vision 2050 auszurichten. Ohne eine umfassende Strategie wird der Bericht zu Makulatur.
Kontakt
- Pro Natura: Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, @email, 061 317 92 40
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsberater, @email, 079 241 60 57
- BirdLife Schweiz: Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, @email, 079 810 04 80
- Greenpeace Schweiz: Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima, @email, 078 821 76 13
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Mitteilung von Pro Natura, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz & WWF Schweiz
Titelbild © Matthias Sorg
Potrebbe anche interessarti
Energie und Klima in der Herbstsession aus Umweltsicht: Wichtige Fortschritte beim Klimaschutz, unverantwortliche Angriffe auf den Naturschutz
- Die Bilanz zum Mantelerlass zum Energie- und Stromversorgungsgesetz fällt zwiespältig aus. Einerseits setzt das Parlament wichtige Ziele für den Ausbau der neuen erneuerbaren Energien und für die Eingrenzung des Energieverbrauchs. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen insbesondere für den Ausbau der Photovoltaik wurden massgeblich verbessert. Klar abzulehnen sind hingegen die drastischen Angriffe auf den Natur- und Biodiversitätsschutz. Zwar wurde von der Unterstellung sämtlicher Umwelt- und Naturschutzgesetze unter die Ziele des Energieausbaus abgesehen, doch wurde beschlossen, dass sogar in den Biotopen von nationaler Bedeutung künftig Energieproduktionsanlagen gebaut werden können. Der Angriff auf die wertvollsten Schutzgebiete der Schweiz wie z.B. die Greina-Hochebene oder das Val Roseg ist inakzeptabel. Die Biotope von nationaler Bedeutung beherbergen auf gerade mal 2 Prozent unserer Landesfläche ein Drittel aller bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Der irreparable Schaden an der Natur steht in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Strom. In der Vorlage kaum zur Debatte stand leider die schnellere Nutzung des riesigen Potenzials in Sachen Stromverschwendung und Effizienzgewinnen. Die naturverträglichste Kilowattstunde Strom ist jene, die wir einsparen. Die Bundesverwaltung beziffert allein das Potenzial von Effizienzmassnahmen auf bis zu einem Drittel des gesamten Stromverbrauchs. Enttäuschend ist daher der Entscheid des Ständerats beim Mantelerlass gegen Stromeffizienz bei Gebäuden und gegen mehr Solarenergie auf Hausdächern. Der Nationalrat ist jetzt gefordert, in das Gesetz in den genannten Bereichen zu korrigieren.
- Erfreulich sind die Fortschritte, die beim indirekten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative im Klimaschutz erzielt wurden. Mit den Klimazielen und den Massnahmen zur Innovationsförderung gibt der indirekte Gegenvorschlag ein klares Signal an Bevölkerung und Wirtschaft, den Wandel zu einer unabhängigen und krisenresistenten Energieversorgung voranzutreiben. Dank dem Förderprogramm zum Ersatz von klimaschädlichen Öl- und Gasheizungen und den stromfressenden Elektrowiderstandsheizungen wird ein erster Schritt zur Lösung in Angriff genommen. Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass wir alles daransetzen sollten, um ein Kippen des Klimasystems mit gefährlichen Extremen zu vermeiden.
- Das „Bundesgesetz über dringliche Massnahmen zur kurzfristigen Bereitstellung einer sicheren Stromversorgung im Winter“ bringt uns einen Schritt vorwärts bei der Produktion von erneuerbarem Winterstrom. Das Gesetz ist aber bezüglich Naturschutz und Raumplanung sehr problematisch. Der Verzicht auf die bewährte Planungspflicht und die Änderung der Interessenabwägung sind rechtsstaatlich fragwürdig und dürfen sich nicht wiederholen. Zudem wurde eine wichtige Chance verpasst, beim Ausbau auf Dächern wirklich vorwärtszumachen: 70% der Neubauten sind davon ausgenommen. Gleichzeitig soll der Ausbau auf der freien Fläche im alpinen Raum mit potenziell hohen Schäden an Natur und Landschaft massiv vorangetrieben werden.
Weitere Informationen:
Wie die naturverträgliche Energiewende gelingt: energiewende2035.umweltallianz.ch
Kontakt:
- Pro Natura: Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, 079 509 35 49, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, @email
- Schweizerische Energiestiftung: Léonore Hälg, Co-Leiterin Klima und Erneuerbare Energien, 044 275 21 24, @email
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, 076 308 66 84, @email
- Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Kampagnenleiter, @email
- VCS Verkehrs-Club der Schweiz: Anders Gautschi, Geschäftsführer, 079 960 11 71, @email
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz
Link correlati
umweltallianz.ch«Ich weigere mich, diesen Leuten meine Resignation zu schenken»
Im Rahmen der Transition Town Bewegung starten Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten seit über 15 Jahren Nachhaltigkeits-Initiativen und -Projekte in verschiedensten Gemeinden und Städten rund um die Welt. Sie treiben damit den Übergang zu einer postfossilen, re-lokalisierten Wirtschaft voran. Das Transition Netzwerk bietet uns allen, die aktiv sind oder es werden wollen, Hilfestellungen, wie wir vorgehen können, um auch unsere Stadt in eine Transition Town zu verwandeln. Heute ist die selbstorganisierte Bewegung mit über 1000 Gruppen weltweit vernetzt.
Die Transition Town Bewegung widerspiegelt Rob Hopkins gut. Er erzählt optimistisch, zielorientiert und vor allem begeisternd ansteckend. Lesen Sie selbst:
Ulteriori informazioni
Kurzfristig aber können wir die Klimakrise als Chance sehen, ganz viele Dinge anzupacken, die in unserer Gesellschaft so offensichtlich kaputt und falsch sind. Dazu zähle ich auch die Idee, dass wir unser Wirtschaftssystem wieder viel mehr lokalisieren müssen. Der Nahrungsgürtel in Lüttich ist ein wunderbares Beispiel dafür. Natürlich werden wir in den nächsten Jahren noch keine sich selbstversorgenden Städte haben, aber jeder Schritt in diese Richtung schafft neue Möglichkeiten, neue Jobs und sichert den Lebensunterhalt von lokalen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Lüttich schnallt sich einen Gürtel um
2012 kam im Rahmen des Transition-Netzwerks Lüttich (Belgien) die Idee zustande, einen Nahrungsgürtel rund um die Stadt zu bewirtschaften. Das Projekt wird nun von der Stadt gefördert und wurde bereits auf sechs weitere belgische Städte übertragen. Das Beispiel Lüttich war ein klassisches «Was wäre, wenn…?»-Projekt. «Was wäre, wenn sich die nächste Generation in Lüttich mehrheitlich lokal ernähren würde und den Grossteil der Lebensmittel aus Lüttich selber stammt?» Es war diese Frage, die so viele Leute inspiriert und begeistert und schliesslich das Projekt ins Rollen gebracht hat. «Kürzlich habe ich den Bürgermeister von Marseille getroffen. Auch er möchte rund um Marseille Land kaufen und ein neues Ernährungssystem aufbauen», erzählt Rob Hopkins.
«Systemwandel – nicht Klimawandel» ist ein beliebter Slogan bei Klimaaktivistinnen und -aktivisten. Das Transition Netzwerk ermöglicht Veränderungen auf lokalem Niveau aber um die Klimakrise zu stoppen, braucht es globale Systemänderungen. Wie können wir die lokalen Initiativen in nationale und globale Strategien umwandeln?
Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, wie mächtig Geschichten und Beispiele sind. Alles, was wir verändern müssen, existiert bereits irgendwo. Wenn wir uns überlegen, was sich bei einer Stadt verändern soll, so bräuchten wir zum Beispiel:
- das Fahrradnetzwerk von Rotterdam
- die lokale Demokratie von Barcelona
- das neue Ernährungssystem von Lüttich
- die autofreie Nachbarschaft von Freiburg
- die 15-Minuten Quartiere von Paris
All das existiert bereits, wir müssen nun nur alles zusammenbringen und in allen Städten umsetzen.
Was ich den lokalen Transition-Gruppen immer sage, ist: «Ihr könnt euch heute nicht vorstellen, wer alles euer Projekt sehen wird. Wer davon betroffen sein wird. Was die Leute damit anfangen werden und wen ihr inspiriert.» So viele Gruppen waren nur wenige Jahre nach Umsetzungsstart erstaunt, was sie alles mit ihren anfänglich kleinen Projekten erreicht haben.
Natürlich muss der Staat stärker werden und weniger unter der Kontrolle von Öl- und Gaskonzernen, von Finanzinstitutionen und Lobbyisten, von der Pharma- und der Agrochemieindustrie agieren. Natürlich müssen Unternehmen viel innovativer und proaktiver werden und die Wirtschaft mitumkrempeln anstatt sich verkrampft an die festgefahrenen Mustern zu klammern. Aber ich bin der Überzeugung, dass kleine Gemeinschaften mit ihren Projekten und ihrem Tatendrang einen sehr wichtigen Teil des Puzzles sind.
Wie bleibst du optimistisch, wenn doch alle Prognosen zur Klimakrise immer schlimmer werden?
Wir wissen, wer und welche 100 Konzerne für den Grossteil unserer CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die Klimakrise ist ein Kampf zwischen den Reichen und den Armen, dem globalen Norden und dem globalen Süden, den Kolonialisten und ihren ehemaligen Kolonien. Ich weigere mich, diesen Leuten meine Resignation und Mutlosigkeit zu schenken.
Peter Kalmus, ein bekannter Klimawissenschaftler sagte einst: «Was mir Hoffnung gibt, ist der Fakt, dass wir es noch fast gar nicht probiert haben.» Das finde ich stark. Wir haben noch gar nicht angefangen, unsere Lösungen im grossen Stil anzuwenden. Aber wir wissen genau, was alles nicht funktioniert. Wir stoppen nur nicht, weil Kapitalinteressen daran hängen. Niemand kann sagen: Unsere Lösungen funktionieren nicht, denn wir haben sie noch gar nicht probiert.
Ich habe ja den Ruf, optimistisch zu sein. Aber wenn wir immer nur optimistisch wären, wäre es bedenklich. Wie Paul Hawken einst sagte: «Wenn du Klimawissenschaften studiert hast und nicht ein Pessimist bist, hast du die Bücher nicht richtig gelesen. Aber wenn du Zeit in den aktivistischen Bewegungen, die rund um die Welt gegen die Klimakrise kämpfen, verbracht hast und dann keinen Optimismus verspürst, dann hast du kein Herz». Das sehe ich auch so.
Wenn du von all den Neuigkeiten pessimistisch bist, kannst du dich schnell gelähmt fühlen, und das ist ein schreckliches Gefühl. Aber es gibt auch so viele positive Projekte und Beispiele. Es passiert so viel, über das nie berichtet wird. Und deshalb ist es wichtig, dass wir unseren Medienkonsum bewusster steuern. Prüfe, wie du deinen Social Media Feed eingestellt hast. Füge Kanäle hinzu, die positive Geschichten teilen und verbreiten. Diese positiven Neuigkeiten sind äusserst wichtig für unsere mentale Gesundheit.
Positive Neuigkeiten finden Sie zum Beispiel hier:
Transition Netzwerk auf Facebook
Pro Natura auf Instagram und Facebook
Dokumentarfilm «Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen»
Positive News Magazine auf Instagram (in Englisch)
Das Interview führte Bertrand Sansonnens, Koordinator für internationale Kooperationen bei Pro Natura.
Transition STREETS – Das Beispiel, das uns inspiriert, weniger zu wollen
Vor 10 Jahren hat eine kleine Gruppe mit Rob Hopkins die Idee der Transition STREETS entwickelt. Die Frage war, wie können Haushalte dabei unterstützt werden, weniger Energie und weniger Wasser zu verwenden, nachhaltiger zu leben und zu reisen?
Die Idee von Transition STREETS ist, dass sich lokale Gruppen innerhalb einer Strasse bilden: 6-10 Nachbarn treffen sich sieben Mal, jeweils bei jemand anderem zuhause. Für diese Treffen wurde ein Arbeitsbuch erstellt, das sich die Gruppe Thema für Thema anschauen kann. In der ersten Woche schauen Sie zum Beispiel das Thema «Energie» an und helfen sich gegenseitig bei Alltagsfragen: Wo befindet sich der Stromzähler? Wie liest man ihn? Wie können sie Energiesparen? Weil alle in der gleichen Strasse wohnen, haben sie möglicherweise ähnliche Häuser, ähnliche Probleme und aber auch ähnliche Lösungen. Beim nächsten Treffen kann sich die Gruppe das Thema «Wasser» anschauen, danach «Ernährung», «Verkehr», etc.
Im Pilotprojekt 2013 haben in Totnes, einer Kleinstadt im Süden von England mit 9000 Einwohnern 550 Haushalte teilgenommen und ihren CO2-Fussabdruck durchschnittlich um 1.3 Tonnen reduziert und damit ca. 700 Euro pro Jahr gespart. Das Konzept wurde für weitere Länder, wie die USA, Australien und Belgien adaptiert. Doch das eigentliche Highlight für Rob Hopkins waren die Resultate, die bei einer Umfrage durch eine Partnerschaft mit einer Universität herauskamen: «Auf die Frage, was das Projekt den Leuten gebracht hat, hat niemand gesagt, dass sie damit CO2 oder Geld gespart haben. Alle freuten sich darüber, dass sie ihre Nachbarn besser kennen und dass sie sich mehr als Teil der Gemeinschaft fühlen würden. Die Gruppen haben ihren Ressourcenverbrauch reduziert, ohne es gross zu merken und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Und das, das ist wirklich sehr wertvoll für mich.»
-
iStock / melitas
«Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren!»
Pro Natura Magazin: Am 22. Juni 2022 haben Sie mit rund 15 Mitgliedern des Vereins Umverkehr und des Anwohnervereins Survap auf insgesamt fünf Parkplätzen in der Rue des Pâquis den Asphalt aufgerissen. Warum?
Romain Borcard: Wir wollten symbolisch und praktisch an die Dringlichkeit erinnern, mit der wir unsere Städte dem Klimawandel anpassen müssen. Wir wollten Anwohnerinnen und Passanten die Möglichkeit geben, ein von Beton dominiertes Quartier zu begrünen und zu entsiegeln.
Und warum so?
Weil wir keine Zeit mehr verlieren dürfen. Trotz einer ehrgeizigen Klimastrategie, die jedes Jahr 10 000 Quadratmeter öffentliche Fläche entsiegeln und ein Drittel der Parkplätze in Wohnquartieren aufheben will, haben weder die Stadt noch der Kanton Genf einen konkreten Plan. Wir wollten zeigen, dass sich Dinge schnell ändern können, wenn man sich gemeinsam organisiert. Bäume pflanzen, Gärten anlegen…
Uns war selbstverständlich bewusst, dass das Ergebnis nicht von Dauer sein würde. Und trotzdem erzeugen solche Pop-up-Aktionen Sichtbarkeit – man kann sich einen gemeinschaftlichen und sattgrünen Stadtraum zumindest vorstellen. Und es hat funktioniert! Die Stadt strebt nun ein schnelleres Vorgehen an.
Was ist Ihre persönliche Motivation für solche Aktionen?
Als Geograf sehe ich mich täglich der Komplexität des Klimawandels gegenüber. Ich kann aber nicht einfach zusehen, ich muss etwas tun. Gewaltfreie Aktionen sind dabei zentral: Sie senden ein starkes Signal an den Staat mit dem Ziel, auf lokaler Ebene etwas in Bewegung zu bringen und einen Systemwechsel zu bewirken.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in ihren Briefkasten.
Link correlati
UmverkehRDas heisst?
Mit dem Kampf gegen den motorisierten Verkehr etwa rücken wir das soziale Gefälle ins Rampenlicht. In Les Pâquis brauchte es 15 Jahre erbitterter Kämpfe von Anwohnern und Vereinen, bis die Place de la Navigation umgestaltet wurde, es dauerte Jahrzehnte, um die Fussgängerzone entlang der Schulen durchzusetzen, und eine zehn Jahre alte Forderung, die einen Baum versprach, ist noch immer nicht erfüllt. Dieses Quartier ist eines der am stärksten vernachlässigten im ganzen Kanton mit nur 5 Prozent Baumkronenfläche, unablässigem Verkehr und einer ständigen Zunahme von Lärm- und Geräuschpegel. Ganz anders im Quartier Chapel, wo 30 Prozent der Fläche von Baumkronen bedeckt sind.
Und wie geht es nun weiter?
Es laufen mehrere Projekte mit anderen Bewegungen und Organisationen für eine bessere Begehbarkeit unserer Städte, namentlich die «Städte-Initiative», die auch in vielen anderen Schweizer Städten lanciert wurde, und die Mobilisierung gegen den Ausbau von Autobahnen. Und die zahlreichen ökologischen Vorstösse wirken: Die Klage gegen unsere Aktion vom 22. Juni wurde zurückgezogen – ein Zeichen, dass die Stadtregierung den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sucht und deren Lösung ernst nimmt, damit wir uns an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen können. mr
Fristverlängerung für Biodiversitätsinitiative in der UREK-S
«In Anbetracht der Tragweite der Biodiversitätskrise erwarten die Trägerorganisationen der Biodiversitätsinitiative, dass die Umweltkommission sich die Sachlage genau anschaut, auf die Revision des Natur- und Heimatschutzgesetztes eintritt und die interessante Fassung des Nationalrates weiter verbessert», sagt Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande von Pro Natura.
Dass ein grosser Handlungsbedarf bei der Bewältigung der Biodiversitätskrise besteht, haben sowohl der Bundesrat als auch der Nationalrat anerkannt. Erst Anfang Jahr hatte die ständerätliche Geschäftsprüfungskommission einen Bericht zum Stand des Biodiversitätsschutzes in der Schweiz vorgelegt und darin Bund und Kantonen keine guten Noten erteilt. Der Bundesrat hatte bereits im Jahr zuvor einen Entwurf für die Gesetzesrevision in Form eines indirekten Gegenvorschlags vorgelegt. Der Nationalrat bestätigte diesen Handlungsbedarf im Herbst und schlug ergänzend ein neues Instrument der Biodiversitätsgebiete vor. Aus Sicht der Initiant:innen ein prüfenswerter Kompromiss.
«Die Wissenschaft hat aufgrund des rasanten Artenverlustes schon längst Alarm geschlagen. In Wirtschaftskreisen werden die warnenden Stimmen immer lauter, darunter die von SwissRe, McKinsey, PWC und dem WEF. Ohne einen besseren Schutz unserer Biodiversität und damit unserer Ökosysteme werden unsere Ernährungssicherheit und unser Wohlstand gefährdet», sagt Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz.
Auch die aktuelle Klimakonferenz COP 27 in Sharm-El-Sheikh zeigt, dass wir auf Biodiversitätsschutz im Kampf gegen den Klimawandel nicht verzichten können. Die Biodiversität erbringt für uns überlebenswichtige Ökosystemleistungen wie den Schutz vor Hitze und Trockenheit, aber auch vor Erosion und Extremwettereignissen. Intakte Ökosysteme speichern CO2 und Wasser, und sie sind daher die besten Verbündeten im Kampf gegen sowie der Anpassung an den Klimawandel.
«Nachdem der Nationalrat die Förderung der Baukultur aus der NHG-Revision gestrichen hat, erwarten die Trägerorganisationen von der ständerätlichen Umweltkommission, dass sie die Motion ihrer Schwesterkommission (22.3892) unterstützt und die Baukultur im Rahmen der Kulturbotschaft (2024) im NHG gesetzlich verankert», betont Stefan Kunz, Geschäftsführer Schweizer Heimatschutz.
Kontakt
- Pro Natura: Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande, @email, 079 688 72 24
- Biodiversitätsinitiative: Natalie Favre, Medienstelle, @email, 076 491 25 26
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
- Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsführer, @email, 079 631 34 67
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Medienmitteilung des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative
Link correlati
BiodiversitätsinitiativeWas zählt, ist die Koexistenz von Mensch und Wolf
Der Wolf gehört zur heimischen Tierwelt und die Schweiz ist zu seinem Schutz verpflichtet. Eine Koexistenz von Mensch und Wolf ist auf der Basis des revidierten Gesetzes möglich, sofern die im Parlament genannten sichernden Bedingungen eingehalten werden. So sollen wolfsfreie Zonen nicht zulässig sein, und die Entfernung ganzer Rudel ist nur in Ausnahmefällen möglich. Auch Wolfsabschüsse in Jagdbanngebieten wird es weiterhin nicht geben. Die Hürden für den Abschuss von Einzelwölfen werden gegenüber Stand heute nur unwesentlich gesenkt und liegen immer noch wesentlich höher, als dies in der vom Volk 2020 abgelehnten Vorlage der Fall gewesen wäre. Die Regulierungszeit für Wölfe wird im Winter gegenüber dem Ist-Zustand sogar um zwei Monate verkürzt. Unter diesen Rahmenbedingungen ist eine erneute Gefährdung des Wolfsbestandes nicht möglich. Der Wolf wird sich deshalb auch mit dem neuen Jagdgesetz entwickeln können und ein integraler Bestandteil der heimischen Tierwelt bleiben. Deshalb verzichten die Verbände Pro Natura, WWF Schweiz, BirdLife Schweiz und die Gruppe Wolf Schweiz auf das Ergreifen eines Referendums. Sie hatten bereits vor über fünf Jahren zugestimmt, dass beim Wolf – und nur beim Wolf – eine stärkere, gezielte und schadensorientierte Regulierung möglich sein könne.
Gesetzeskonforme Umsetzung
Die Umweltverbände werden sich aber weiterhin dafür einsetzen, dass das künftige Wolfsmanagement unter Wahrung der Regeln der Berner Konvention erfolgt und dass die Ausführungsverordnung vollständig mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den sichernden Bedingungen aus dem erläuternden Bericht und der Parlamentsdebatte übereinstimmt. Zudem werden sie darauf hinwirken, dass der zumutbare Herdenschutz konsequent umgesetzt wird und dass die positiven Effekte des Wolfes auf den Wald berücksichtigt werden, bevor es zu Abschüssen kommt.
Die Verbände werden sich ferner dafür engagieren, dass die zuletzt vermehrt festgestellten Fehlabschüsse durch die Kantone sanktioniert werden - die Jagdgesetzrevision entbindet die Kantone nicht davon, die verfügten Abschüsse korrekt umzusetzen. Sie werden sich zudem dafür einsetzen, dass die Kantone auch ihrer neuen Verpflichtung gerecht werden, über das Zusammenleben mit Grossraubtieren zu informieren. Sie müssen etwa den in gewissen Kreisen formulierten Ausrottungsfantasien künftig entschieden entgegentreten.
Die aktuelle Revision verzichtet auf viele Bestimmungen aus der vom Volk im September 2020 abgelehnten Version, welche die Wildtiere gefährdet hätten. Eine Abschussliste mit Biber, Luchs und Co. ist vom Tisch. Die Bundesbewilligung für Regulierungen bleibt bestehen. Vorgängige Schutzmassnahmen vor Regulierungen sind weiterhin erforderlich. Und den geschützten Tieren darf in Schutzgebieten wie bisher nicht nachgestellt werden. Das ist sinnvoll.
Kontakt
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Medienmitteilung von Pro Natura, WWF Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz, BirdLife Schweiz
Wölfe im Schnee © Blickwinkel / R. Linke