Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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9
Set
2026
Igel

Kurs

Kurs Igelfreundliche Gärten in Binningen

Luogo
Binningen
Costo
Gratuito
Giorno
Mercoledì
Data
09.09.2026
Data e ora
14:00 - 17:00
Iscrizione entro
Ein Asthaufen bietet dem Igel Unterschlupf, liegen gelassenes Laub dient ihm als Polstermaterial für sein Nest und in einer Wildhecke kann der Insektenfresser Nahrung finden. Mit wenig Aufwand lässt sich in jedem Garten etwas für unseren stachligen Nachbarn tun.

Der Igel ist in der Schweiz in den letzten Jahren auf dem Rückzug und wird inzwischen als potentiell gefährdet eingestuft. In den Gärten und in der Landschaft gehen Versteck- und Nistmöglichkeiten verloren, der Igel findet weniger Nahrung und die Gefahren nehmen zu. Schaffen wir gemeinsam mehr Lebensraum für den Igel.

In unserem Kurs...

...lernen Sie Wissenswertes zur Biologie und Ökologie des Igels.

...erfahren Sie was einen igelfreundlichen Garten ausmacht.

...holen Sie sich theoretisches und praktisches Wissen zur Förderung von Igeln im Garten ab.

...bauen wir zusammen eine Kleinstruktur (bspw. Asthaufen oder Wildhecke).

Der Kurs ist Teil des Projekts "Igelfreundliche Gärten".

Der Kurs findet in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Binningen statt.

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Dettagli dell'evento

Data

Mercoledì, 9.09.2026
Data e ora
14:00 - 17:00

Luogo

Binningen

Dettagli

Tipo di evento
Stagione
Grado di difficoltà

Preparazione

Indirizzo
Wird nach Anmeldung bekannt gegeben
Osservazioni
Der Kurs findet bei jeder Witterung statt.
Da prendere con sé
Gartenhandschuhe

Costo

kostenlos

Homme grimpant dans une paroi rocheuse
11.03.2025 Artenschutz

Rücksichtsvolles Klettern

Klettern in der Natur, ohne dass sensible Felsenbrüter wie Wanderfalke oder Kolkrabe gestört werden — ein Projekt von Pro Natura Neuchâtel und weiteren Partnern zeigt auf, wie das funktioniert.

Die Felswände der Neuenburger Berge sind bei Mensch und Tier gleichermassen beliebt: Bei Kletterern für spannende Touren, bei Wanderfalken und Kolkraben als Brutplätze. Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts haben die Naturschutzverbände Pro Natura und WWF sowie regionale SAC-Sektionen und der Kletterhalleverein von Neuchâtel ASEN im Jahr 2024 Kletterinnen für Hinweise auf die Anwesenheit von Wanderfalken und Kolkraben sensibilisiert. In einer ersten Phase sind sie die Zielarten des Projekts, das von Biologe Arnaud Vallat geleitet wird – selbst sowohl passionierter Ornithologe als auch leidenschaftlicher Kletterer.

Temporäre Sperrungen

Ab Februar werden die Felswände von Kletterern regelmässig mit Ferngläsern abgesucht. Anhand von Steckbriefen wird dokumentiert, falls irgendwo ein Nest gebaut wird. «Die Beobachtungszeit umfasst mindestens 90 Minuten, denn der Wanderfalke ist extrem scheu und zeigt sich nur sehr selten», erklärt Arnaud Vallat. Nach jeder Inspektion werden auf einer Karte die ­ exakten Inspektionsrouten und Hinweise auf Nestbau vermerkt. Während dieser Zeit werden sämtliche Geländeabschnitte gesperrt, in denen in der Vergangenheit bereits Brutplätze nachgewiesen wurden.

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Wird in dieser ersten Phase ein Nistplatz beobachtet, warnt beim Zustieg zur Felswand eine Informationstafel, die erwähnten Arten durch das Einhalten eines Sicherheitsabstands möglichst nicht zu stören. Auch unten an jeder Kletterroute werden entsprechende optische Hinweise angebracht. Von den Sportbegeisterten wird dann erwartet, dass sie sich von den Geländeabschnitten mit Brutplätzen fernhalten, damit die Tiere in Ruhe ihre Brutpflege betreiben können. Derjenige Teil der Felswand, der genügend weit vom Brutplatz entfernt ist, wird anschliessend wieder fürs Klettern freigegeben.

Warnschild - Schliessung Kletterroute Arnaud Vallat
Wanderfalken haben im Vorjahr erfolgreich gebrütet. Schilder warnen davor, einen Brutfelsen zu besteigen.

Alle Informationen sind zudem auf der Website des SAC Neuchâtel verfügbar, damit möglichst viele Kletterbegeisterte erreicht werden können.

Zwischen März und Juni wird der Nistplatz weiter regelmässig beobachtet und dokumentiert. Die Beobachterinnen liefern auch wichtige Informationen zur Anzahl der Jungtiere oder zu möglichen Störfaktoren, die zu einem Scheitern der Brut führen könnten oder eine Umsiedlung des Brutplatzes nötig machen würden. Ende Juni wird bei den letzten Beobachtungen erhoben, wie viele Jungtiere flügge geworden sind. Für den Zeitraum von Februar bis Juni werden die Felswände so sechs bis zwölf Mal von Freiwilligen abgesucht. Wenn die Jungtiere ausgeflogen sind, werden die angebrachten Hinweise entfernt und sämtliche Kletterrouten wieder freigegeben.

Dieses Projekt fördert das Nebeneinander von wilden Tieren und menschlichen Tätigkeiten an Orten, die nicht von kantonalen Zonenplänen geregelt werden. «Die Abschnitte, in denen keine Brut nachgewiesen wird, werden für den Sport auf eine konfliktfreie Art geöffnet. Und dank einer klaren Information weiss auch jeder und jede, aus welchen Gründen bestimmte Abschnitte nicht begangen werden dürfen», freut sich Arnaud Vallat.

Bruterfolg im Vorjahr

Im vergangenen Jahr, der ersten Saison mit aktiver Betreuung, wurden Nester eines Wanderfalken und eines Kolkraben entdeckt. Die Klettergemeinschaft hat sich dann vorbildlich an die Wegsperrungen gehalten – und zur grossen Freude aller Beteiligten konnten die Wanderfalken ein Jungtier und die Kolkraben gleich deren drei grossziehen.

Die Zusammenarbeit geht auf einen gegenseitigen Austausch im Jahr 2024 zurück. Durch den gemeinsamen Ansatz konnten zahlreiche Kletterfans erreicht werden – eine Herangehensweise, die auch von den Ornithologen geschätzt wurde, die den Projektleiter tatkräftig unterstützt haben. Tiere in freier Wildbahn werden oft weniger aus Fahrlässigkeit gestört als vielmehr aus mangelndem Wissen darüber, wie wichtig ihr Schutz ist. Eine Aufklärungskampagne ist deshalb genau die richtige Methode, um die involvierten Personen ins Boot zu holen.

Die aktive Überwachung 2024 hat auch mitgeholfen, weitere Störquellen für die Felsenbrüter zu erkennen, beispielsweise Wanderer, die zu nahe an den Rand der Felswände gehen, Fotografinnen, die sich den Tieren zu sehr nähern, oder unzulässige Drohnen in der Nähe der Nester. Aktuell finden Gespräche darüber statt, wie diese Sensibilisierungskampagne in Zukunft auch auf andere Freizeitaktivitäten ausgeweitet werden kann.

GAËLLE VADI, ist Geschäftsleiterin von Pro Natura Neuchâtel; ARNAUD VALLAT leitet dieses Projekt.

Le Canada: Das Naturwaldreservat am Neuenburgersee ist das tausendste geschützte Gebiet von Pro Natura
05.06.2025 Artenschutz

Pro Natura feiert «1000 Geschenke für die Natur»

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte betreut Pro Natura 2025 über 1000 Schutzobjekte: über 800 Naturschutzgebiete, rund 100 Einzelobjekte und 100 weitere Gebietstypen. Auf diesen Flächen schenkt die älteste Schweizer Naturschutzorganisation der Natur dringend nötigen Erholungsraum. Angesichts des akuten Artensterbens ist das wichtiger denn je.

1909 zur Gründung des Schweizerischen Nationalparks ins Leben gerufen, ist der Schutz wertvoller Naturflächen seit jeher die Kernaufgabe von Pro Natura. 2025 betreut die älteste Schweizer Naturschutzorganisation erstmals über 1000 wertvolle Naturflächen und -objekte.

Naturschutz ist eine Frage des Überlebens

Herzstück der Naturschutzarbeit von Pro Natura sind die über 800 Naturschutzgebiete. «Hier herrscht auf grösseren Flächen eine hohe Naturvielfalt. Der Natur wird freier Lauf gelassen. Andernorts ahmen wir natürliche Prozesse nach oder fördern die Vielfalt der Kulturlandschaft», erklärt René Amstutz, Abteilungsleiter «Biotope und Arten» bei Pro Natura. Hinzu kommen knapp 100 Gebiete, wo entweder Pflanzenschutz oder Landschaftsschutz Vorrang haben, sowie über 100 Einzelobjekte wie Hecken, Tümpel oder Findlinge. 

Und wozu das Ganze? «Viele Menschen in der Schweiz haben das Gefühl, in einer intakten Natur zu leben. Fruchtbare Böden, saubere Luft und einwandfreies Trinkwasser scheinen selbstverständlich», weiss Amstutz. Doch der Schein trügt, denn eine gesunde Natur braucht Vielfalt. Diese ist in der Schweiz stark bedroht: Ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten und die Hälfte der natürlichen Lebensräume sind vom Aussterben bedroht. «Naturschutz ist kein Luxusproblem, sondern eine Frage des Überlebens», betont Amstutz. «70 Prozent unserer Nahrungspflanzen sind von Bestäubung durch Insekten abhängig. Gleichzeitig sind 60 Prozent der bekannten Insektenarten in der Schweiz gefährdet.»

Ein Netz von Erholungsräumen für Natur und Mensch

Mit der Unterstützung von über 170'000 Mitgliedern und Tausenden von Freiwilligen verteidigt Pro Natura den Naturschutz und schafft laufend neue Schutzgebiete. 2024 knackte Pro Natura mit dem Kauf des 5.5 Hektaren grossen Feuchtwaldes «Le Canada» am Neuenburgersee symbolisch die Marke von 1'000 geschützten Objekten. Die geschützten Wälder, Wiesen, Moore, Auen und Gewässer bilden ein schweizweites Netz von Erholungsräumen für die Natur – 1000 Geschenke für die Natur. Gleichzeitig sind es 1000 Geschenke für die Bevölkerung, die so die Vorzüge einer reichen und vielfältigen Natur erleben, sich im Kontakt mit der Natur erholen und die 1000 Facetten der Biodiversität kennenlernen kann.

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • René Amstutz, Abteilungsleiter Biotope und Arten, Tel. 061 317 91 36, @email
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, Tel. 079 826 69 47, @email
Statement zum Tag der Umwelt
Mit einfachen Massnahmen wie solchen Zwischenstufen werden dem Igel Lebensräume zugänglich gemacht.

Freie Bahn für Igel & Co. im Kan­ton Thurgau 

Citizen-Science-Projekt Thur

Hilf mit die Arten­vielfalt der Thur zu entdecken!

Naturschutzgebiet

Entdecken Sie unsere vielfältigen Naturschutzgebiete

Damit bedrohte Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten nicht verschwinden

Hinteres Lauterbrunnental Matthias Sorg
Ein Specht hackt ein Loch in einen toten Baumstamm, Frösche quaken in einem Teich, fleischfressende Pflanzen warten in einem Moor auf ihre nächste Beute. Damit sich die Natur auch in Zukunft entwickeln kann und nicht weiter zurückgedrängt wird, betreut Pro Natura über 1'000 Schutzgebiete in der ganzen Schweiz.

Damit bedrohte Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten nicht verschwinden, schützt und betreut Pro Natura über 1'000 Schutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt 742 Quadratkilometern. 

Mit über 1'000 Schutzgebieten fördert Pro Natura mehr Natur 

Die Naturschutzgebiete werden von uns allein oder mit weiteren Beteiligten betreut. Dabei wird für jede Fläche das optimale Schutzziel festgelegt. Bei manchen bedeutet dies, erst einmal gar nichts zu tun und der Natur ihren Raum zu lassen. In anderen Gebieten müssen mit Aufwertungsprojekten Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzengemeinschaft verbessert werden. Vielfach braucht es auch regelmässige Pflegeeinsätze, manchmal mit Hilfe von Maschinen, mit robusten Haustierrassen oder auch mit Unterstützung von Freiwilligen. 

Gerne zeigen wir unsere kleinen Naturparadiese der Öffentlichkeit

Auf der nachfolgenden Schweizer Karte sehen Sie eine Auswahl unserer besonders schönen Naturschutzgebiete.

  • Für die Gebiete mit einem grünen Pin haben wir Ihnen einen Wandervorschlag zusammengestellt. Bitte beachten Sie in den Naturschutzgebieten die geltenden Besucherregeln.
  • Die grauen Pins verweisen auf weitere Pro Natura Naturschutzgebiete, die einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in der Schweiz leisten und die wir Ihnen deshalb auf unserer Seite vorstellen möchten.

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Info

Quellen:
Bundesamt für Landestopografie swisstopo, Pro Natura

Wald

Der Wald bringt uns Erholung - was bringen wir ihm?

Über den vielfältigen Lebensraum, der so viel bietet

Burstel TG
Der vielfältige Wald bietet allen Lebewesen einen Platz. Gleichzeitig erfüllen Waldgebiete vielfältige Ansprüche der Gesellschaft: von Holzproduktion über Erholungsraum bis zu Luftfilterung und CO2-Bindung. Pro Natura setzt sich dafür ein, dass dabei die Ansprüche der waldbewohnenden Tiere und Pflanzen nicht vergessen gehen.

Im Wald und am Waldrand leben fast die Hälfte aller in der Schweiz bekannten Pflanzen, Tiere und Pilze. Viele dieser waldbewohnenden Arten sind aber trotz der relativ naturnahen Wälder in der Schweiz gefährdet. Diese Arten brauchen zum Beispiel mehr Totholz, mehr Licht oder eine bessere Verbindung mit dem offenen Kulturland. Pro Natura setzt sich in ihren Schutzgebieten und mit Förderprojekten für die Ansprüche dieser Arten ein:

  • Wir sichern rund 40 Naturwaldreservate, in welchen viel Totholz steht und natürliche Prozesse ungestört ablaufen können, zum Beispiel im Justistal BE. 
  • Wir betreuen zahlreiche eigene Schutzgebiete, wo Platz für licht- und wärmeliebende Arten entsteht. Lichte Wälder bieten neue Lebensräume, z.B. für den Schmetterling «Waldteufel», die Orchidee «Frauenschuh» und die seltene Pflanze «Färber-Ginster» im Schutzgebiet Immenberg TG.
  • Wir realisieren Projekte, in welchen auch ausserhalb von Schutzgebieten seltene Waldarten gefördert werden. Dank Pro Natura findet der Gelbringfalter im Naturpark Thal wieder mehr lichte Wälder.

Der Lebensraum Wald muss natürlich bleiben

Die Gesellschaft hat viele Ansprüche an den Wald. Er soll vor Naturgefahren schützen und zugleich Luft und Wasser filtern. Der Mensch nutzt Holz, erholt sich, treibt Sport, jagt im Wald. Dies alles bleibt langfristig nur möglich, wenn die Nutzungen naturschonend sind. Naturschonend heisst für uns:

  • Wir unterstützen einen strengen Schutz der Waldfläche und sehen es nicht als Problem, dass die Waldfläche zunimmt. Mehr Wald in den Bergen darf nicht zu Lockerungen beim Waldschutz im Flachland führen.
  • Wir befürworten die Holzgewinnung im Rahmen eines naturnahen Waldbaus. Dieser verwendet einheimische, standortgerechte Baumarten und fördert natürliche Strukturen und Prozesse im Wald. Eine grosse Vielfalt an heimischen Baumarten ist auch die einzig richtige Antwort auf ein sich änderndes Klima. Wir unterstützen das FSC-Label als Zeichen für eine umwelt- und sozialverträgliche Waldnutzung.
  • Die Länge der Waldstrassen soll nicht mehr zunehmen. Neue Strassen müssen durch Rückbau andernorts kompensiert werden.
  • 10% des Schweizer Waldes sollen ganz der Natur überlassen werden. Auf weiteren 8% möchten wir die Vielfalt an Tieren und Pflanzen gezielt unterstützen.

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Contatto

Weitere Auskünfte:
Lesly Helbling
Tel. 061 317 91 48
@email

Waldreservatstypen im Detail
Waldreservate sind Naturschutzgebiete im Wald. In der Schweiz werden zwei grundlegend verschiedene Typen unterschieden. Beide haben ihre Berechtigung und sind für die Förderung der Waldbiodiversität nötig.
In Naturwaldreservaten wird vollständig auf die Holznutzung verzichtet. Die Bäume dürfen ihr natürliches Lebensalter erreichen und bleiben auch nach dem Zerfallen im Wald. Dieses Alt- und Totholz wird von unzähligen Pilzen, Flechten und spezialisierten Käfern bewohnt. Erste Waldreservate wurden in der Schweiz ab Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt: Scatlè (1910), Schweizerischer Nationalpark (1914), Aletschwald (1933).
In Sonderwaldreservaten wird der Wald bewirtschaftet und zwar ganz gezielt zugunsten von bestimmten Waldtypen oder seltenen Arten. So gibt es Waldgebiete, die stark aufgelichtet werden, damit die vorhandenen Orchideen gedeihen oder solche, in denen der Wald so gestaltet wird, dass er als Lebensraum für Auerhühner attraktiv ist.
Übersicht über die Waldreservate in der Schweiz

Wald im Klimawandel

Wir befinden uns in einer Klimakrise. Es wird wärmer und trockener. Stürme und andere Extremsituationen nehmen zu. Mit dem Klima ändern sich auch unsere Wälder. Welche Bäume kommen mit diesen Bedingungen am Besten zurecht?  Aus unserer Sicht sind folgende Grundgedanken wichtig:

  • In der Schweiz gibt es  fast 50 heimische Baumarten. Einige Arten sind an trockene und warme Lagen angepasst (zum Beispiel die Trauben-Eiche oder der Schneeballblättrige Ahorn). Im benachbarten Mittelmeerraum wachsen in wärmeren Klimazonen weitere Baumarten. In dieser Vielfalt finden wir genügend Arten für das Klima von morgen.
  • Ein zukunftsfähiger Wald braucht vor allem eine Vielfalt an Baumarten, die dem Standort entspricht. Verschwindet eine Baumart z.B.  durch längere Trockenheit, dann ist nicht der ganze Wald gefährdet. Gepflanzte Wälder mit mehrheitlich der gleichen Art sind keine gute Ausgangslage. Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Solche Probleme wie mit der Fichte in den tiefen Lagen dürfen sich nicht wiederholen.
  • Das Pflanzen von Bäumen aus Übersee birgt Risiken. Das zeigen die negativen Auswirkungen von Götterbaum und Robinie: Sie vermehren sich sehr erfolgreich und verdrängen die heimischen Pflanzen. Es braucht keine neuen Experimente. Pro Natura steht deshalb der Pflanzung und Förderung weiterer Gastbaumarten aus Übersee kritisch gegenüber, zum Beispiel der Douglasie.
  • Der Wald ist dynamisch. Nach Grossereignissen kann er sich oft aus eigener Kraft selbst erneuern. Ohne menschliche Eingriffe entfaltet dieser Lebensraum seine natürliche Regenerationskraft - auch im Zusammenhang mit der Klimakrise.

Pro Natura setzt auf natürliche Biodiversität – also auf die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Erbgut. Dies ist die beste Antwort auf die Ungewissheit, die mit der Klimakrise über unseren Wäldern schwebt.

Projekte für vielfältige Wälder

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Dominos pour la biodiversité Pro Natura
Crise de la biodiversité

Photos pour les médias «Des dominos pour la biodiversité»

Ces images peuvent être utilisées librement aux conditions suivantes :
  • dans le cadre d'un reportage sur Pro Natura
  • avec mention correcte du copyright © Pro Natura
Domino per la biodiversità Pro Natura
Crisi della biodiversità

Foto per i media «domino per la biodiversità»

Queste immagini possono essere utilizzate liberamente alle seguenti condizioni:
  • in relazione a reportage su Pro Natura
  • con la corretta indicazione del copyright © Pro Natura
Biodiversität in der Schweiz – Wenn wir nichts tun, sehen wir Laubfrosch und Wiedehopf nie wieder. Pro Natura
22.05.2023 Biodiversitätskrise

Die Krise der Biodiversität: ein gigantischer Dominoeffekt

Knapp ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des historischen Biodiversitätsabkommens von Montreal-Kunming hat sich in der Schweiz kaum etwas getan für die Natur. Im Gegenteil: Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wissen nicht einmal, wie schlecht es der Natur in ihrem Land geht. Am 22. Mai, dem internationalen Tag der Biodiversität, zeigt Pro Natura vor dem Bundeshaus mit einem riesigen Dominoeffekt, dass ein Zusammenbruch der biologischen Vielfalt die Grundlagen der menschlichen Existenz bedroht.

Drei von fünf Personen sind laut einer gfs-Umfrage der Meinung, dass es der Biodiversität in der Schweiz ziemlich gut geht. Dabei sind mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und die Hälfte aller Lebensräume hierzulande bedroht. «Diese Diskrepanz ist hoch problematisch», kritisiert Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura. «Solange sich die Bevölkerung der Biodiversitätskrise und ihrer Folgen nicht bewusst ist, wird die Schweiz ihre im Dezember 2022 in Montreal eingegangenen Verpflichtungen zum Schutz der Natur kaum umsetzen und setzt damit unsere Lebensgrundalge aufs Spiel», warnt sie.

Ein Sinnbild des Artensterbens auf dem Bundesplatz

Die Situation erfordert einen Weckruf! Zum Internationalen Tag der Biodiversität am 22. Mai stellt Pro Natura deshalb riesige Dominosteine mit Bildern einheimischer Tier- und Pflanzenarten auf den Bundesplatz. Im Beisein diverser Naturbotschafter:innen fallen um fünf vor zwölf die Steine und zeigen den gigantischen Dominoeffekt, der durch das Massenaussterben der Arten ausgelöst wird. Mit jeder Art, die fällt, werden die natürlichen Kreisläufe weiter geschwächt, bis die Art kippt, die den Effekt angestossen hat: der Mensch.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird die Biodiversitätskrise direkte Auswirkungen auf die Schweizer Bevölkerung haben. Sie bedroht natürliche Leistungen wie die Reinigung von Wasser und Luft, die Schutzwirkung der Wälder vor Lawinen und Erdrutschen, aber auch die Landwirtschaft, die von bestäubenden Insekten abhängig ist und unser psychisches Wohlergehen, das von intakter Natur profitiert.

Die Biodiversität muss zum zentralen Wahlthema werden

«Unter den OECD-Ländern ist die Schweiz das Schlusslicht in Sachen Naturschutz», bedauert Friedrich Wulf, Experte für internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura und Sekretär des Schweizer Komitees der IUCN (International Union for Conservation of Nature). «Wir haben die höchste Anzahl bedrohter Arten und mit nur 6,6 % den geringsten Anteil streng geschützter Landesfläche.»

«Damit sich das ändert, muss die Biodiversität zu einem zentralen Thema der nationalen Wahlen diesen Herbst werden», fordert Pro Natura Präsidentin Schneider Schüttel. «Alle Kandidierenden sollten systematisch nach ihren Vorschlägen zur Bewältigung der Biodiversitätskrise gefragt werden. Nur so können die Schweizerinnen und Schweizer bei den nationalen Wahlen im Herbst auch der Natur eine Stimme geben.»

Kontakte:

  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, @email, 078 603 87 25
  • Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 061 317 91 44
  • Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, @email,
    079 216 02 06
  • Medienstelle: Sarah Huwiler, Stv. Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47

Pressebilder:

Gleich im Anschluss an die Aktion stellen wir unter folgendem Link Bildmaterial der Aktion zu Verfügung: www.pronatura.ch/de/pressebilder-biodiversitaetsdomino

Die Biodiversitätskrise in der Politik

Trotz anerkanntem Handlungsbedarf verweigert die Kommission des Ständerates die Diskussion über die Biodiversitätskrise. Wer den verheerenden Dominoeffekt des Artensterbens verstanden hat, kann den Ständerat hier zum Umdenken auffordern: appell-biodiversität.ch

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Dominoeffekt der Biodiversitätskrise © Pro Natura

Biodiversité en Suisse: si nous ne faisons rien, nous ne reverrons plus jamais la rainette et la huppe fasciée. Pro Natura
22.05.2023 Crise de la biodiversité

La crise de la biodiversité, un gigantesque effet domino dont les Suissesses et les Suisses n’ont pas conscience

Cinq mois après la signature de la Conférence de Montréal sur la biodiversité, rien ou presque n'a été fait pour la nature en Suisse. Au contraire. Et la majorité des Suissesses et des Suisses ne réalisent pas que la biodiversité de leur pays est au plus mal. A l'occasion de la Journée internationale de la biodiversité, Pro Natura renverse des dominos géants devant le Palais fédéral, pour rappeler que quand la biodiversité s’effondre, les bases de l’existence humaine sont menacées.

Selon un sondage GFS de 2022, trois personnes sur cinq estiment qu’en Suisse, la biodiversité se porte plutôt bien. Pourtant, elle est en crise. Plus d’un tiers des espèces animales et végétales est menacé, 40 % des oiseaux nicheurs sont en danger, 60 % des insectes déclinent gravement. Les habitats des espèces indigènes s’amenuisent, tandis que leur qualité et leur interconnectivité se dégradent. Depuis 1900, la superficie des marais a diminué de 82 %, et 95 % des prairies et pâturages secs ont disparu. «Il existe un profond décalage, très problématique, entre l’image positive qu’a la population de la biodiversité suisse et son état réel», déplore Ursula Schneider Schüttel, Présidente de Pro Natura. «Tant que sa population n’aura pas connaissance de la crise de la biodiversité et de ses conséquences, il y a peu d’espoir de voir la Suisse mettre en œuvre les engagements pris à Montréal en décembre 2022 et se doter d’une infrastructure écologique fonctionnelle», alerte Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande de Pro Natura et Présidente du Comité suisse de l’UICN.

Une action sur la Place fédérale pour symboliser la disparition des espèces

Pour remédier à cette situation, Pro Natura lance un cri d’alarme sur la Place fédérale avec un jeu de dominos de grande taille, sur lesquels sont imprimées des images d’espèces animales et végétales présentes en Suisse et, pour certaines, menacées. En ce 22 mai, journée internationale de la biodiversité, la cascade des dominos symbolise le phénomène d’entrainement généré par la disparition des espèces, qui se termine par la bascule de la pièce qui représente l’être humain.

Sans réaction, la crise de la biodiversité aura des impacts directs sur la population suisse. La menace plane sur les capacités naturelles d’épuration de l’eau et de l’air, sur le caractère protecteur des forêts contre les avalanches et les glissements de terrain, ainsi que sur l’agriculture qui dépend des insectes pollinisateurs. En outre, le bien-être généré par les loisirs en plein air et les vertus du ressourcement dans la nature seront impactés par l’uniformisation des paysages et leur caractère stérile.

A l’occasion des élections fédérales, la biodiversité doit devenir un thème central

Comparée aux autres pays de l’OCDE, la Suisse compte le plus grand nombre d’espèces menacées. Par ailleurs, seuls 6,6 % de la surface du pays sont strictement protégés au niveau national. Dans ces domaines, nous sommes lanterne rouge. Pourtant, la biodiversité est la source de notre existence et de notre qualité de vie. Il est donc essentiel qu’elle devienne un thème central de la campagne des élections fédérales et dans les médias. «Il serait très intéressant que les médias demandent systématiquement à tous les candidats et candidates leurs propositions pour faire face à la crise de la biodiversité», propose Ursula Schneider Schüttel. Les Suissesses et les Suisses pourront ainsi voter en connaissance de cause.

Contacts:

  • Ursula Schneider Schüttel, présidente, @email, 078 603 87 25
  • Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande, @email, 024 423 35 66
  • Service média: Leo Richard, chargé de communication, @email, 079 378 37 11

Photos de presse:

Aussitôt après l’événement, nous vous fournirons des photos et des vidéos de l’action, accessibles via ce lien: www.pronatura.ch/fr/photos-dominosbiodiversite

 

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Effet domino de la crise de la biodiversité © Pro Natura

La biodiversità in Svizzera: se non ci diamo da fare, presto non vedremo mai più raganelle e upupe. Pro Natura
22.05.2023 Crisi della biodiversità

La crisi della biodiversità: un gigantesco effetto domino di cui le svizzere e gli svizzeri non sono consapevoli

Cinque mesi dopo la firma della Conferenza di Montreal sulla biodiversità, in Svizzera si è fatto poco o nulla per la natura. Inoltre la maggior parte delle svizzere e degli svizzeri non si rende conto che la biodiversità nel loro paese è in grave difficoltà. In occasione della Giornata mondiale della biodiversità, Pro Natura rovescia delle tessere di domino giganti davanti al Palazzo federale, per ricordare che il declino della biodiversità minaccia le basi dell’esistenza umana.

Secondo un sondaggio della GFS svolto nel 2022, tre persone su cinque ritengono che la salute della biodiversità in Svizzera sia piuttosto buona. Ma la realtà è diversa: oltre un terzo delle specie animali e vegetali è minacciata, il 40% degli uccelli nidificanti è in pericolo, il 60% degli insetti è in grave declino. Gli habitat delle specie autoctone diminuiscono, e la loro qualità e interconnessione si stanno deteriorando. Dal 1900 a oggi, la superficie occupata da paludi è diminuita dell’82%, e il 95% dei prati e pascoli secchi è scomparso. «Esiste un divario profondo e molto problematico tra l’immagine positiva che la popolazione ha della biodiversità in Svizzera e il suo stato reale» afferma Ursula Schneider Schüttel, Presidente di Pro Natura. «Fino a quando la popolazione non si renderà conto della crisi della biodiversità in atto e delle sue conseguenze, ci sono poche speranza che la Svizzera attui gli impegni presi a Montreal nel dicembre 2022 e si doti di un’infrastruttura ecologica funzionale», avverte Sarah Pearson Perret, responsabile del segretariato romando di Pro Natura e presidente del Comitato svizzero dell’IUCN.

Un’azione in Piazza federale per simboleggiare la scomparsa delle specie

Per porre rimedio a questa situazione, Pro Natura lancia l’allarme dalla Piazza federale con una serie di grandi tessere del domino sulle quali sono stampate le immagini di specie animali e vegetali che vivono in Svizzera, tra cui alcune minacciate di estinzione. Il crollo delle tessere simboleggia la reazione a catena innescata dalla scomparsa della biodiversità, che termina con l’oscillazione della tessera che rappresenta l’essere umano.

Se non reagiamo, la crisi della biodiversità avrà delle conseguenze dirette sulla popolazione svizzera. La minaccia incombe sulla capacità naturale di depurazione delle acque e dell’aria, sulla funzione protettiva del bosco contro valanghe e frane, così come sull’agricoltura, che dipende dagli insetti impollinatori. Inoltre, anche il benessere ottenuto durante le attività all’aria aperta diminuirà a causa del paesaggio sempre più uniforme e sterile.

La biodiversità deve diventare un tema centrale in occasione delle elezioni federali

Tra i paesi dell’OCSE, la Svizzera ha il numero più alto di specie minacciate. Inoltre, solo il 6,6% della superficie del paese è rigorosamente protetto a livello nazionale. Siamo agli ultimi posti della classifica, sebbene la biodiversità sia fondamentale per la nostra esistenza e qualità di vita. È quindi essenziale che essa divenga un tema centrale sia durante la campagna per le elezioni federali che per i media. «Sarebbe molto interessante se i media chiedessero sistematicamente a tutte le candidate e a tutti i candidati cosa intendono fare per affrontare la crisi della biodiversità», propone Ursula Schneider Schüttel. Le svizzere e gli svizzeri potranno così votare con cognizione di causa.

Contatti:

  • Serena Britos-Wiederkehr, Direttrice Pro Natura Ticino, @email, 091 835 57 67

Foto stampa:

Subito dopo l’evento metteremo a disposizione il relativo materiale fotografico al seguente link: www.pronatura.ch/it/fotos-dominosbiodiversita

 

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Effetto domino della crisi della biodiversità © Pro Natura

Weizen
19.05.2023 Landwirtschaft

«Schneckenpostpolitik» gefährdet unsere Ernährungsgrundlage

Die Agrarpolitik in der Schweiz geht die drängenden Herausforderungen im Klima- und Umweltbereich in Anbetracht des wissenschaftlichen Konsenses für rasches Handeln immer noch viel zu zögerlich an. Immerhin zeigen sich erste Anzeichen für ein Umdenken.

Für Alarmismus sind Wissenschaft und Bundesbehörden nicht bekannt. Im ­Gegenteil. Sie halten sich eher zurück, wägen ab und versuchen, nicht anzuecken. Bislang. Denn die Tonalität ändert sich gerade. Insbesondere Forschungs­resultate im Zusammenhang mit der ­Biodiversitäts- und der Klimakrise ­machen inzwischen glasklar, wie rasch wir handeln sollten und wie dringlich die Probleme sind. Ein Beispiel gefällig? Am 20. März 2023 schreibt Meteo Schweiz in ihrem Blog zum neuen Synthesebericht des Weltklimarats Klartext: «Die Entscheidungen, die wir in der laufenden Dekade treffen, werden Auswirkungen für Tausende von Jahren haben.» Und der Bericht des «Scientific Expert Panels», in dem sich über 40 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammengeschlossen ­haben, stellt für die Landwirtschaft klare Reduktionsziele. Umzusetzen nicht bis ­irgendeinmal, sondern bis im Jahr 2030!

Die Zukunft der Ernährung 

2015 hat sich die Schweiz verpflichtet, ihren Beitrag zum Erreichen der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung («Sustainable Development Goals», SDG) bis 2030 zu leisten. Will sie das erreichen, muss sie ihr Ernährungssystem grundsätzlich verändern. Die «Ernährung» kommt bei der Umweltbelastung nämlich noch vor «Wohnen» und «Mobilität». Deshalb braucht es über die ganze Wertschöpfungskette neue Rezepte – von der Produktion bis zum Konsum. Weil unsere Ernährung viel mit Traditionen und Gewohnheiten zu tun hat, braucht es neben politischen Massnahmen auch einen gesellschaftlichen Dialog über unser individuelles Verhalten. 

Einen guten Weg, um das grosse Potenzial der Schweiz in diesem Bereich auszuschöpfen, zeigt das «wissenschaftliche Gremium Ernährungszukunft Schweiz» auf. Das breit abgestützte Panel vereint über 40 Stimmen der Wissenschaft und hat mit einem wissenschaftlichen Gesamtblick auf die Zusammenhänge im Ernährungssystem Lösungswege für ein nachhaltigeres Ernährungssystem der Schweiz ausgearbeitet.

Düngen mit Schleppschlauch Matthias Sorg
Die Schweizer Agrarpolitik blendet die drängenden Herausforderungen im Klima- und Umweltbereich aus, statt in gebotener Schnelligkeit Lösungen zu finden. (www.ernaehrungs-zukunft.ch)

Politische Mühlen mahlen langsam

Die klaren Aussagen der Wissenschaft und der Bundesverwaltung zu notwen­digen drängenden Veränderungen an ­unserer ­Lebensweise stehen im krassen Kontrast zur Langsamkeit der Politik. Hier mahlen die Mühlen weiterhin ihr gemächliches Tempo. Zum Beispiel bei der Beratung der Agrarpolitik 2022 (AP 22+). Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat in der Frühlingssession 2023 ein Mini-Paket zur zukünftigen Weiterentwicklung der Agrarpolitik gutgeheissen. Nicht angegangen werden damit die drängenden Heraus­forderungen im Klima- und Umwelt­bereich. Somit wurde das Zeitfenster als Chance verpasst, die Ausrichtung der Schweizer Land- und Ernährungs­wirtschaft ökologisch wie auch gegenüber dem Markt zu stärken. Von einer Mehrheit im Parlament werden die Biodiversitäts- und Klimakrise weiterhin negiert, als ob sie nicht stattfinden würden.

Alle Umweltanträge abgelehnt

Der Nationalrat hat, wie auch der Ständerat, alle Anträge für eine Verbesserung der Vorlage AP 22+ im Umweltbereich bachab geschickt. Immerhin hat er das Parteistellungsrecht der beschwerde­berechtigten Organisationen nicht eingeschränkt, wie es ein Antrag gegen den Willen des Bundesrates forderte. Somit haben die Natur und die öffentliche ­Gesundheit neu auch eine im Land­wirtschaftsgesetz verankerte Stimme im ­Zulassungsprozess von potenziell ­gefährlichen Pestiziden. Der Nationalrat lehnte es aber ab, die Tragfähigkeit der Ökosysteme in den ökologischen ­Leistungsnachweis für die Direktzahlungen als Vorgabe aufzunehmen. Und ­Klimaziele für die Land- und Ernährungswirtschaft wollte er auch nicht im Gesetz verankern. Dies, ­obschon die Wissenschaft klar aufzeigt, dass wir durch die Klimakrise unsere ­Ernährungsgrundlage gefährden. Die ­Umwelthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ­Centre for Development and Environment (CDE) der Uni Bern Bettina Scharrer sagt es in einem Interview des CDE so:

Kartoffelanbau
«Die Probleme, die wir uns im Zusammenhang mit der Klima- und Biodiversitäts­krise sowie den natürlichen Ressourcen einhandeln, nähern sich einer Grenze, wo wir mit negativen Kipppunkten rechnen müssen. Das heisst: Danach verschlechtert sich die Situation massiv und wird teils irreversibel, sodass die Ernährungssicherheit in der Schweiz und global nicht mehr gewährleistet sein wird.» - Bettina Scharrer, Mitarbeiterin beim ­Centre for Development and Environment (CDE) der Uni Bern

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Ernährungs- statt Agrarpolitik

Mit dieser «Schneckenpostpolitik» kommt die Schweizer Landwirtschaft in Verzug, sich den Herausforderungen unserer Zeit anzupassen und ein resilientes ­Ernährungssystem aufzubauen. Ihre Positionierung am Markt wird geschwächt. Leidtragende dieser Politik werden zuerst die Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz sein. Wie es schon heute keine Rolle für die Grossverteiler spielt, ob die Biokartoffel Anfang April aus Schweizer­ernte vom Vorjahr oder aus neuer Ernte des laufenden Jahres kommt, aber aus Ägypten importiert. Der Konsument merkt nicht viel, die Bäuerin aus der Schweiz aber irgendeinmal schon, wenn die ­Ausnahme zur Regel wird. 

Immerhin findet gerade ein Um­denken statt. Einig sind sich die Politik und die meisten Interessenvertreter, dass es in Zukunft eine Land- und Ernährungspolitik braucht. Lösungen müssen nicht nur im Kulturland sichtbar werden, sondern auch im Ladenregal. Der Schweizer Bauernverband weist seit Jahren mantramässig darauf hin, dass Massnahmen in der Landwirtschaft dem Klima nicht das Geringste nützen, wenn sich der Konsum nicht verändere. Wie sich jedoch der ­Konsum verändern soll, darüber schweigt sich der Interessenverband aus. Nun steht die erste Nagelprobe an. Bio-Suisse möchte mindestens 15 000 Hektaren zusätzliche Flächen unter ihr Label nehmen. Heute wird immer noch viel Biobrotgetreide importiert, in Zukunft möchte Coop ihren Anteil zu 100 Prozent aus Schweizer Produktion decken. Es liegt hier nicht nur an der Politik, Weichen zu stellen, sondern an der konkreten Ausrichtung der Pro­duzentinnen und Produzenten hin zu den Bedürfnissen des Marktes und der Kon­sumentinnen und Konsumenten. 

MARCEL LINER, Leiter Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura.

Blé
19.05.2023 Agriculture

La «politique de l’escargot» met en péril nos bases alimentaires

Face à l’urgence, la politique agricole suisse aborde toujours les défis dans le domaine du climat et de l’environnement de manière beaucoup trop frileuse. Néanmoins, les premiers signaux d’un changement de mentalité apparaissent.

La science et les autorités fédérales ne sont pas connues pour faire preuve d’alarmisme. Au contraire. Elles se tiennent plutôt en retrait, pèsent le pour et le contre et s’efforcent de ne pas faire de vagues. Du moins jusqu’ici. Le contexte est en train de changer. Les résultats des recherches sur la crise de la biodiversité et du climat indiquent avec une absolue clarté qu’il faut agir dans les plus brefs délais et soulignent l’urgence des problèmes. Un exemple? Le 20 mars 2023, Météo Suisse écrit sans ambages dans son blog sur le nouveau rapport de synthèse du Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat: «Les décisions que nous prendrons au cours de la décennie actuelle auront des conséquences pour des milliers d’années.» Et le rapport du Scientific Expert Panel, qui réunit plus de 40 spécialistes, fixe des objectifs de réduction clairs pour l’agriculture. A mettre en œuvre non pas un jour ou l’autre mais d’ici 2030!

L’avenir de l’alimentation en Suisse

En 2015, la Suisse s’est engagée à contribuer à la réalisation des objectifs de développement durable de l’ONU (« Sustainable Development Goals, SDG ») d’ici 2030. Si la Suisse veut y parvenir, elle doit modifier son système alimentaire en profondeur. En effet, l’alimentation vient avant le logement et la mobilité en termes d’impact environnemental. C’est pourquoi il faut de nouvelles recettes – de la production à la consommation – tout au long de la chaîne de création de valeur. Comme notre alimentation est fortement liée aux traditions et aux habitudes, il faut non seulement des mesures au niveau politique, mais aussi un dialogue social sur notre comportement individuel. Le Comité scientifique « Avenir alimentaire suisse » fournit une orientation claire pour exploiter l’important potentiel de la Suisse dans ce domaine. Ce panel largement représentatif réunit les voix de plus de 40 scientifiques. Il a élaboré des solutions pour un système alimentaire plus durable en Suisse grâce à un regard scientifique global sur les interactions dans le système alimentaire.

Düngen mit Schleppschlauch Matthias Sorg
La politique agricole suisse occulte les défis urgents dans les domaines du climat et de l’environnement au lieu de trouver des solutions avec la rapidité qui s’impose.

Les rouages politiques sont lents

Les messages clairs des scientifiques et de l’administration fédérale sur les changements urgents à apporter à notre mode de vie contrastent fortement avec la lenteur de la politique. Ainsi, l’examen de la politique agricole 2022 (PA 22+) montre à quel point les moulins de la politique continuent de tourner au ralenti. Après le Conseil des États, le Conseil national a lui aussi approuvé, lors de la session de printemps 2023, un mini paquet sur le futur développement de la politique agricole. Les défis urgents dans le domaine du climat et de l’environnement ne sont pas abordés. On a laissé passer l’occasion de renforcer l’orientation écologique de l’agriculture et de l’industrie alimentaire suisses et de consolider leur place sur le marché. La majorité du Parlement continue de nier l’existence d’une crise de la biodiversité et d’une crise climatique, comme si elles n’étaient pas avérées.

Propositions écologiques rejetées 

Le Conseil national, tout comme le Conseil des Etats, a rejeté toutes les propositions visant à améliorer le projet PA 22+ dans le domaine de l’environnement. Au moins n’a-t-il pas limité le droit de recours des organisations, comme le demandait une motion, contre la volonté du Conseil fédéral. Ainsi, la nature et la santé publique ont désormais, au travers des organisations environnementales, une voix ancrée dans la loi sur l’agriculture dans le cadre des processus d’autorisation de pesticides potentiellement dangereux.

Le Conseil national a toutefois refusé d’intégrer la capacité de charge des écosystèmes dans les prestations écologiques requises pour les paiements directs. Il n’a pas non plus voulu ancrer dans la loi des objectifs climatiques pour l’agriculture et l’industrie alimentaire. Et ce, bien que la science montre clairement que la crise climatique met en péril les bases de notre alimentation. L’historienne de l’environnement et collaboratrice scientifique du Centre for Development and Environment (CDE) de l’Université de Berne, Bettina Scharrer, l’explique ainsi dans une interview du CDE :

Kartoffelanbau
«Les problèmes que nous rencontrons avec la crise du climat et de la biodiversité ainsi qu’avec les ressources naturelles se rapprochent d’un seuil où l’on doit s’attendre à des points de bascule négatifs. Cela signifie que la situation se dégradera alors considérablement et deviendrait en partie irréversible, de sorte que la sécurité alimentaire ne sera plus garantie en Suisse et dans le monde.» - Bettina Scharrer, L’historienne de l’environnement et collaboratrice scientifique du Centre for Development and Environment (CDE) de l’Université de Berne

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S’adapter aux défis futurs

Avec cette «politique de l’escargot», l’agriculture suisse prend du retard pour s’adapter aux défis de notre époque et pour mettre en place un système alimentaire résilient. Son positionnement sur le marché est affaibli. Les premières victimes de cette politique seront les paysannes et les paysans de notre pays. Il importe déjà peu aux grands distributeurs que la pomme de terre bio de début avril provienne de la récolte suisse de l’année précédente ou de la nouvelle récolte de l’année en cours, ou encore qu’elle soit importée d’Égypte. Les consommatrices et consommateurs ne s’en rendent guère compte, mais le monde paysan suisse le remarquera tôt ou tard si l’exception devient la règle.

Un changement de mentalité est tout de même en train de s’opérer. Les politiques et la plupart des représentants d’intérêts s’accordent à dire qu’une politique agricole et alimentaire sera nécessaire à l’avenir. Les solutions ne doivent pas seulement être visibles sur les terres cultivées, mais aussi dans les rayons des magasins. Depuis des années, l’Union suisse des paysans répète à l’envi que les mesures prises dans l’agriculture ne sont d’aucune utilité pour le climat si la consommation ne change pas. Mais elle ne dit pas comment la consommation devrait changer. La première épreuve de vérité est devant nous. Bio Suisse souhaite prendre sous son label au moins 15 000 hectares supplémentaires. Aujourd’hui, une grande partie des céréales panifiables bio sont encore importées, mais Coop souhaite dorénavant que leur part soit couverte à 100 % par la production suisse. Il appartient non seulement à la politique de poser les bons jalons, mais il faut aussi orienter les producteurs vers les besoins du marché et des consommateurs.

MARCEL LINER est responsable de la politique agricole chez Pro Natura.

Gletschervorfeld Graubünden
19.05.2023 Biodiversitätskrise

Ja zum Klimaschutzgesetz

Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist die Schweizer Klimapolitik kaum vom Fleck gekommen. Damit es im Klimaschutz nun endlich vorangeht: Sagen Sie am 18. Juni Ja zum Klimaschutzgesetz.

«Schützen, was uns wichtig ist», lautet der Slogan für ein Ja zum Klimaschutzgesetz. Es geht um unsere Gletscher, den letzten Rest unserer Natur, das – vermeintliche – Wasserschloss Schweiz und um kommende Generationen. Letztlich geht es beim Klimaschutz aber noch um wesentlich Grundsätzlicheres. Ein wenig pointiert müsste die Abstimmung darum unter dem Zeichen «Retten, was zu retten ist» stehen, denn es geht schliesslich darum zu schützen, was uns (über)leben lässt. Bedroht ist nämlich nicht nur das Klima, sondern jene natürlichen Prozesse, die Biodiversität und die Lebensräume, ­welche für die Bodenfruchtbarkeit oder den Wasserhaushalt von Bedeutung sind. 

Nur: Statt rasch und entschlossen zu handeln, haben wir es jahrelang sträflich verpasst, die Weichen rechtzeitig zu ­stellen. Noch 2021 ist das CO2-Gesetz an der Urne knapp gescheitert, obschon die Schweiz als Land der Hyperkonsumenten und der riesigen Investitionsvolumen ­besonders in der Verantwortung steht, ihren Teil zur Lösung dieses globalen ­Problems beizutragen. Jetzt bietet sich am 18. Juni die Chance, diesem verant­wortungslosen Treiben mindestens ­ansatzweise Einhalt zu gebieten und ­unseren Zusagen an die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens auch endlich ernsthaft anzugehen. 

Das Klimaschutzgesetz bietet die ­dringend notwendige Grundlage dafür, denn es:

• setzt klare Ziele (Netto-Null bis 2050). 

• definiert einen entsprechenden Absenkpfad.

• arbeitet nicht mit Verboten oder Steuererhöhungen, sondern mit Zielen, Investitionen und Innovationsförderung. 

• sieht Massnahmen vor, um die durch den Klimawandel bedingten nachteiligen Auswirkungen anzugehen.

• strebt an, die massiven Finanzmittelflüsse aus der Schweiz nachhaltiger auszugestalten.

Ein Ja zum Klimaschutzgesetz schafft das Fundament für besseren Klimaschutz, ­effizientere Energienutzung, weniger ­Abhängigkeit von ausländischen Öl- und Gasimporten. Die Schweiz kann in ­Sachen Innovationen und neue Technologien ­verlorenes Terrain aufholen und parallel zu der daraus erzeugten Wertschöpfung die eigene Energiesicherheit stärken. Alles anderes als ein Ja am 18. Juni wäre darum kurzsichtig, gefährlich und ein Schlag ins Gesicht kommender Generationen.  

MICHAEL CASANOVA ist bei Pro Natura zuständig für die Klima-, Energie- und Gewässerschutzpolitik.

Klimaschutzgesetz Urs Flüeler
Ja zum Klimaschutzgesetz
Ja zum Klimaschutzgesetz
Mit dem JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni setzen wir Ziele für den Klimaschutz. Wir schützen, was uns wichtig ist. Und wir übernehmen Verantwortung für die kommenden Generationen.

 «Nicht nur die Städte, auch die Landschaft erhitzt sich stark»

Treffen wir keine Massnahmen für den Klimaschutz, droht auch dem Mittelland Ungemach: mehr Trockenheiten und Überschwemmungen. Der emeritierte Uniprofessor Rolf Weingartner erläutert, weshalb er sich für ein Ja zum Klimaschutzgesetz stark macht.

Pro Natura Magazin: Der Sommer 2022 war in der Schweiz generell sehr trocken, der Sommer im Jahr ­zuvor brachte Hochwasser und Überschwemmungen. Sind dies Auswirkungen des globalen Klimawandels? 
Rolf Weingartner: Ja, solche Ereignisse häufen sich durch den globalen Tempe­raturanstieg ganz klar. Entscheidende ­Prozesse des Wasserkreislaufs werden durch die Temperatur gesteuert. Steigt die globale Temperatur, so schmelzen die Gletscher, es fällt weniger Schnee und die Nullgradgrenze steigt. Diese Prozesse werden sich durch das Voranschreiten der Klimaerwärmung noch verstärken. 

Warum führt der globale Temperaturanstieg auch zu mehr Überschwemmungen? 
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit ­aufnehmen, pro Grad Temperaturanstieg rund 7 Prozent mehr. Deshalb gibt
es auch stärkere Regenfälle. Fallen diese auf ausgetrocknete Böden, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. Dies ­geschah zum Beispiel im Juli 2022 im ­Kemmeriboden im Emmental, wo es zu einem extremen Hochwasser kam. 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Überschwemmungen beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad

Steigen die Temperaturen, kommt es auch zu mehr Überschwemmungen. Denn wenn viel Regen auf ausgetrocknete Böden fällt, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. So geschehen im Juli 2022 beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad.

Dass die Alpengletscher durch den Klimawandel sehr stark abschmelzen, ist allmählich im Bewusstsein der ­Bevölkerung angekommen. Welche Auswirkungen hat der globale Temperaturanstieg generell aufs Mittelland? 
Der Temperaturanstieg führt zu einer ­Erhöhung der Verdunstung. Zudem gibt es im Sommer weniger Niederschläge. Dies führt auch im Mittelland zu einer grösseren Trockenheit im Sommer. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. Im Sommer, wenn die Landwirtschaft viel Wasser ­benötigt, bringen die grossen ­Alpenflüsse heute durch das Abschmelzen der Gletscher noch viel Wasser mit sich. Mit dem starken Rückgang der ­Gletscher werden die sommerlichen ­Abflüsse aus dem ­Alpenraum stark ­abnehmen, besonders ausgeprägt ab ­Mitte dieses Jahrhunderts. 

Wer leidet besonders unter dieser ­Trockenheit im Mittelland – die Landwirtschaft oder die Natur? 
Zunächst vor allem die Natur – die ­aquatischen Ökosysteme: Steigen die Temperaturen in Flüssen stark an, führt dies unter anderem auch zu einem ­Fischsterben. Die Landwirtschaft belastet die Gewässer durch Nährstoffe und ­Pestizide. Ist weniger Wasser vorhanden, verdünnen sich diese weniger stark. ­Zudem wurden im Mittelland in der ­Vergangenheit viele ­Bäche eingedolt; es gibt massiv weniger Feuchtgebiete und in landwirtschaftlich genutzten Flächen auch weniger Bäume. Diese verschiedenen Faktoren führen zu einer starken ­Erhitzung der Landschaft. Dies verursacht auch für die Landwirtschaft Probleme, da sie weniger Wasser zur Verfügung hat. 

Der Temperaturanstieg ist also nicht nur in den Städten, sondern generell im ganzen Mittelland ein Problem? 
Ja, das ist so. Der Erhitzung der Landschaft wird heute zu wenig Beachtung ­geschenkt. 

 

Sie unterstützen das Klimaschutz­gesetz, welches am 18. Juni zur ­Abstimmung kommt. Weshalb? 
Weil das Gesetz die entscheidenden ­Aspekte des Klimawandels im Fokus hat: Die Reduktion der Treibhausgase in der Schweiz, Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel und Technologieförderung. Von grosser Bedeutung ist auch das im Gesetz formulierte Ziel, dass Massnahmen zur Verminderung der Klimawirkung von Finanzflüssen getroffen werden sollen. Deren Hebelwirkung ist riesig. So gibt es Berechnungen, dass die vom Schweizer Finanzplatz gesteuerten Aktivitäten ein Zwanzigfaches der einheimischen Treib­hausgas-Emissionen verursachen.

Val Frisal Raphael Weber

Wie sieht die Schweiz in 70 Jahren aus, wenn wir jetzt nichts tun und weltweit keine Massnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden? Gibt es ein Worst-Case-Szenario? 
Wir haben in der Schweiz schon bisher ­einen Temperaturanstieg von 2 Grad. ­Werden keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen, könnte die Temperatur in der Schweiz bis 2100 nochmals um 3 bis 5 Grad steigen. Dies würde riesige Probleme verursachen. Die Nullgradgrenze würde um bis zu 1000 Meter steigen. ­Unterhalb 2500 Meter gäbe es nur noch sehr wenig Schnee. Und die Gletscher würden fast komplett abschmelzen. Die sommerliche Austrocknung des Mittel­landes würde sich massiv ver­stärken. ­Hinzu kommt, dass gewisse Auswir­kungen nicht vorhersehbar sind, weil das ganze Klimasystem durch­einandergerät und Kipppunkte erreicht werden ­könnten. Die Ozeane haben ­bisher zum Beispiel eine dämpfende ­Wirkung auf die Temperaturen. Wenn diese wegfällt, ­steigen die Temperaturen noch weiter an. 

Die SVP nennt das Klimaschutzgesetz ein «Stromfressergesetz» und argumentiert, die kleine Schweiz könne nichts zum globalen Klimaschutz ­beitragen. Was sagen Sie dazu? 
Der Klimawandel ist ein globales Problem, nationales Denken bringt uns nicht weiter. Jede Person auf der Erde muss einen ­Beitrag zum Klimaschutz leisten, wobei zu erwähnen ist, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung etwa 80 Prozent des Pro­blems verursachen. Die Bevölkerung hochentwickelter Länder ist besonders ­gefordert. 

STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.

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Glacier
19.05.2023 Crise de la biodiversité

Oui à la loi sur le climat

Depuis la signature de l’Accord de Paris sur le climat, la politique climatique suisse n’a guère évolué. Si vous voulez faire bouger les lignes, votez OUI à la loi sur le climat et l’innovation le 18 juin.

«Protégeons ce qui compte», tel est le slogan des partisans du OUI à la loi fédérale sur les objectifs en matière de protection du climat, sur l’innovation et sur le renforcement de la sécurité énergétique – la loi climat. Il en va certes de nos glaciers, derniers vestiges du (soi-disant) château d’eau qu’est la Suisse, et des générations futures. Mais en fin de compte, il en va de quelque chose de plus fondamental encore. Si l’on voulait être plus précis, il faudrait reformuler le slogan ainsi: «Sauvons ce qui peut encore l’être». Car pour le dire simplement, il s’agit de protéger ce qui nous permet non seulement de vivre, mais aussi de survivre. Le climat n’est pas le seul à être en péril. Tous les processus naturels, la biodiversité et les biotopes qui contribuent à la fertilité et au régime hydrique des sols, sont menacés. 

Le 18 juin, une chance à saisir

Seulement voilà: au lieu d’agir avec rapidité et détermination, nous avons négligé des années durant de poser les jalons nécessaires. En 2021, le peuple a rejeté de peu la loi sur le CO2, alors même que la Suisse – royaume de l’hyperconsommation et des flux financiers colossaux – est investie d’une responsabilité particulière et se doit de participer à la résolution de ce problème mondial. Le 18 juin prochain, nous avons une chance de mettre un terme à ces agissements irresponsables et de tenir enfin les engagements que nous avons pris en signant l’Accord de Paris. La loi climat jette des bases solides, en:

• fixant des objectifs clairs (zéro émission nette d’ici 2050),

• définissant une trajectoire de réduction des émissions,

• ne prévoyant pas d’interdictions ni de hausses d’impôts, mais en ­reposant sur des objectifs clairs, sur des investissements et sur l’encouragement de l’innovation,

• prévoyant des mesures de protection face aux effets des changements climatiques, 

• rendant tous les flux financiers nationaux compatibles avec les objectifs climatiques.

Dire OUI à la loi climat, c’est permettre de mieux protéger le climat, d’améliorer la consommation énergétique et de réduire notre dépendance aux importations de mazout, de pétrole, de diesel et de gaz. La Suisse pourra rattraper son retard en matière d’innovation et de nouvelles technologies et ainsi renforcer sa sécurité énergétique – sans oublier la création de valeur qui en résultera. Un échec dans les urnes ne serait rien d’autre qu’une vision à très court terme, dangereuse et égoïste à l’égard des futures générations.

MICHAEL CASANOVA est responsable de la politique climatique et énergétique chez Pro Natura.

 

Klimaschutzgesetz Urs Flüeler

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.

Les inondations à Kemmeriboden dans l’Emmental

Si les températures augmentent, les inondations se multiplient également.

«La nature, comme les villes, souffre du réchauffement»

Si aucune mesure de protection du climat n’est prise, le Plateau suisse sera lui aussi confronté à l’intensification des vagues de sécheresse et à la multiplication des inondations. Dans ce contexte, un OUI à la loi climat le 18 juin prochain est indispensable.

Magazine Pro Natura: l’été 2022 a été globalement très sec en Suisse alors que le précédent nous avait apporté crues et inondations. S’agit-il de manifestations du dérèglement climatique? 
Rolf Weingartner: oui, la multiplication de ces phénomènes météorologiques est sans équivoque. La température joue un rôle central dans de nombreux processus clés du cycle de l’eau. Si la température mondiale augmente, les glaciers fondent, il neige moins et l’isotherme zéro degré s’élève. Le réchauffement climatique, s’il n’est pas stoppé, accentuera encore plus ces phénomènes. 

Comment expliquer que la hausse de la température moyenne mondiale conduit à davantage d’inondations? 
L’air chaud absorbe plus d’humidité, environ 7% de plus par degré. Cela explique aussi l’intensification des épisodes de pluie. Si le sol est sec, il n’absorbe qu’une partie de ces précipitations. C’est exactement ce qui s’est passé en juillet dernier à Kemmeriboden, dans l’Emmental, qui a été submergé par une crue torrentielle.

Il semble que la population a progressivement pris conscience du rôle du dérèglement climatique dans la fonte rapide des glaciers alpins. Quelles répercussions la hausse de la température moyenne mondiale a-t-elle sur le Plateau suisse? 
Tout d’abord, le réchauffement entraîne une augmentation de l’évaporation. Ensuite, les précipitations sont moins importantes en été. Le Plateau connaît donc lui aussi une sécheresse plus marquée. Dans le même temps, les besoins en eau croissent à cette saison, notamment dans le secteur agricole. À l’heure actuelle, les grands fleuves alpins fournissent d’importants volumes d’eau, car ils sont alimentés par la fonte des glaciers. Avec le recul de ces derniers, le débit des fleuves en été diminuera fortement dans toute la région alpine, surtout à partir de 2050. 

Qui souffre le plus de cette sécheresse sur le Plateau suisse: la nature ou l’agriculture? 
La nature, et en premier lieu les écosystèmes aquatiques: si la température des rivières augmente fortement, cela entraîne entre autres la mort des poissons. De plus, les eaux sont polluées par les pesticides et les nutriments utilisés dans l’agriculture. Or si les volumes d’eau diminuent, les produits se diluent moins bien. En outre, de nombreux petits ruisseaux du Plateau ont été enterrés par le passé. Les milieux humides sont donc bien moins nombreux et l’on trouve peu d’arbres dans les zones agricoles. Autant d’éléments qui con­duisent à un réchauffement important de la nature. Et l’agriculture est impactée, car elle voit ses ressources réduites.

Avec les villes, l’ensemble du Plateau est ­aussi touché par la hausse des températures, juste? 
Oui, tout à fait. Le réchauffement de la nature est un phénomène hélas sous-estimé. 

Vous soutenez la loi climat qui sera soumise au vote du peuple le 18 juin prochain. Pourquoi? 
Cette loi met l’accent sur des éléments décisifs du dérèglement climatique: réduction des émissions de gaz à effet de serre en Suisse, adaptation aux effets du réchauffement et encouragement des technologies. L’un des objectifs qu’elle poursuit – et non des moindres – est de prendre des mesures visant à réduire l’effet climatique des flux financiers. Or leur effet de levier est énorme. Selon certains calculs, les activités de la place financière suisse génèrent vingt fois plus d’émissions de gaz à effet de serre que les émissions nationales.

Val Frisal Raphael Weber

À quoi ressemblera la Suisse dans 70 ans si nous ne faisons rien et qu’aucune mesure de protection du climat n’est prise à l’échelle mondiale? Quel serait le scénario le plus pessimiste? 
La température moyenne en Suisse a déjà augmenté de 2°C. Si aucune mesure n’est prise, les températures pourraient augmenter de 3°C à 5°C additionnels d’ici 2100. Les problèmes qui en découleraient seraient énormes. L’isotherme zéro degré remonterait à 1000 mètres d’altitude, ce qui veut dire qu’il n’y aurait presque plus de neige en dessous de 2500 mètres et que les glaciers auraient quasiment fondu. La sécheresse estivale du Plateau s’accentuerait massivement. Sans compter que si l’ensemble du système climatique est perturbé et que nous atteignons des points de bascule, certaines conséquences seront imprévisibles. Sans le rôle de régulateur de la météo de l’océan par exemple, l’augmentation de la température s’accélérera. 

Pour l’UDC, cette loi est trop énergivore et la Suisse trop petite pour contribuer à la protection du climat à l’échelle mondiale.
Le dérèglement climatique est un problème global. Adopter une approche nationale ne nous mènera nulle part. Chaque personne sur Terre doit apporter sa pierre à l’édifice. Cela étant, il semble bon de rappeler que 20% de la population mondiale est à l’origine de 80% du problème. Les habitantes et habitants des pays les plus développés ont une plus grande responsabilité et doivent donc agir en conséquence, à leur niveau.

STEFAN BOSS est journaliste indépendant.

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Wiesen & Weiden

Wo sind unsere artenreichen Wiesen geblieben?

90 % der Blumenwiesen sind verschwunden

Artenreiche Blumenwiesen sind selten geworden
Monotone Graswiesen verdrängen den vielfältigen Lebensraum. Und gefährden damit einen grossen Teil unserer hiesigen Pflanzen.

Das Zusammenspiel unzähliger Pflanzen- und Tierarten prägt die artenreichen Blumenwiesen. Sie sind farbig, in ihnen summt, schwirrt und krabbelt es! Mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten in der Schweiz leben in diesem Lebensraum. Sie sind die Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten. In den letzten Jahrzehnten sind 90 Prozent dieser einzigartigen Blumenwiesen verschwunden. Daher sind Schutz, Aufwertung und Neuanlage von artenreiche Wiesen sehr wichtig für die Biodiversität in der Schweiz.

Pro Natura kämpft für den Schutz der Blumenwiesen

In der politischen Arbeit fordern wir Schutz und Aufwertung von artenreichen Wiesen. Das betrifft vor allem jene Flächen, die nicht bereits gesetzlich geschützt sind. Konkret geht es um landwirtschaftlich genutzte Flächen, öffentliche Grünflächen im Siedlungsraum wie Pärke, Bahn- und Strassenböschungen oder auch private Gärten.

Besonders wertvolle artenreiche Blumenwiesen sind im Inventar der Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Sie sind gesetzlich geschützt. Pro Natura verlangt einen konsequenten Vollzug der 2010 vom Bund erlassenen Verordnung.

Pro Natura packt auch selber an: Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen prächtige, artenreiche Blumenwiesen. Praktische Projekte wie Regio Flora und ProBiotop, angestossen von Pro Natura, erhalten und fördern den Artenreichtum auf gefährdeten Wiesenflächen. In Umweltbildungsangeboten und Informationsprojekten zeigt Pro Natura, was jede und jeder für farbenfrohe Blumenwiesen tun kann.

Blumwiesen in der Blüte Zeneggen VS Benoît Renevey
Blühende Blumenwiese bei Zeneggen VS.

Artenvielfalt durch Menschenhand

Auf einem Fünftel unserer Landesfläche wachsen heute Wiesen und Weiden. Sie prägen das Bild der Schweiz. Entstanden sind sie durch den rodenden Menschen, der für sich und sein Vieh Wiesen, Weiden und Äcker schuf. Zwischen Boden, Pflanzen und Tieren hat sich über Jahrhunderte ein einzigartiges Beziehungsnetz entwickelt. Kein anderer Lebensraum birgt so viel Artenvielfalt pro Quadratmeter. Ohne landwirtschaftliche Nutzung würden Wiesen und Weiden wieder zu Wald werden. Bei zu intensiver Nutzung hingegen entwickeln sie sich zu artenarmen, eintönigen Grasteppichen.

Wiese ist nicht gleich Wiese

Es gibt viele verschiedene Wiesentypen. Farbenfrohe Fromentalwiesen, Trocken- und Feuchtwiesen und Säume. Fachleute unterscheiden mindestens 30 Ausprägungen mit zahlreichen spezialisierten Tierarten.

Ob eine Wiese farbenfroh und artenreich ist oder grün und eintönig, hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab: Dem Standort (Boden und Klima) und der Bewirtschaftung. Klima und Boden geben die mögliche Artenvielfalt vor. Ob dieses Potential realisiert wird, hängt von der Funktion und der damit verbundenen Art der Bewirtschaftung der Wiese ab. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten kommen die artenreichen Wiesen immer stärker unter Druck und verschwinden fast gänzlich.

Inventar zum Schutz der Trockenwiesen und -weiden

In 10-jähriger Arbeit wurden in allen Kantonen die besonders wertvollen Trockenwiesen und -weiden kartiert. Die knapp 3000 inventarisierten Objekte von nationaler Bedeutung umfassen ungefähr 0,5 % der Landesfläche. Das TWW-Inventar ist neben den bestehenden Biotopinventaren über die Hoch- und Übergangsmoore, Flachmoore, Amphibienlaichgebiete und Auengebiete vorläufig das letzte Inventar dieser Art.

2009 haben wir zusammen mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz mit der Petition zum Schutz der letzten Trockenwiesen und -weiden über 38'000 Unterschriften gesammelt. Diese forderte, die bereitliegenden Instrumente endlich umzusetzen. Das TWW-Inventar sowie die Inkraftsetzung der Verordnung ist ein erster Schritt dazu. Unter anderem müssen bis 2020 alle TWW von nationaler Bedeutung vertraglich geschützt sein.

Artenreiche Wiesen im Sinkflug

Die Intensivierung der Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang der artenreichen Wiesen. Der vermehrte Einsatz von Dünger bewirkt ein verstärktes Wachstum konkurrenzstarker Gräser und erlaubt eine frühere und häufigere Nutzung. Rasch wachsende Arten, die an nährstoffreiche Böden und einen häufigen Schnitt angepasst sind, dominieren die meist konkurrenzschwächeren Pflanzenarten der artenreichen Blumenwiesen, die auf Vermehrung durch das Versamen angewiesen wären. Als Folge gleichen die Flächen zunehmend einem einheitlich grünen Teppich. Auch die Wahl der Erntemaschinen hat einen grossen Einfluss auf die Artenvielfalt, vor allem auf die Kleintiere. Mit den heute häufig eingesetzten Maschinen zur Mahd werden beispielsweise mehr als 80 % der Heuschrecken getötet. Aber auch die schnell fortschreitende Ausdehnung des Siedlungsgebiets und damit verbundener Infrastruktur sowie die Aufgabe der Bewirtschaftung im Berggebiet tragen massgeblich zum Verschwinden bunter Blumenwiesen bei.

Erste Hilfe für artenreiche Blumenwiesen

Seit der Einführung der ökologischen Ausgleichszahlungen in der Landwirtschaft 1995 versucht der Bund dem Sinkflug der Blumenwiesen entgegenzuwirken. Unter anderem werden in diesem Rahmen auch die extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden gefördert. Besonders wertvolle Flächen sind im Inventar von Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Der Bundesrat hat im Jahr 2010 eine Verordnung zum Schutz dieser Flächen verabschiedet. Beides sind sehr wichtige Instrumente zum Schutz der artenreichen Wiesen. Leider zeigen sie aber eine zu schwache Wirkung. Noch immer verschwinden jährlich zig Hektaren wertvoller Wiesenflächen. Nicht nur die Landwirtschaft hat Verbesserungspotenzial: Öffentliche Grünflächen, private Gärten,  Strassen- und Bahnböschungen können viel zum Erhalt der vielfältigen Lebensräume beitragen, wenn sie entsprechend geplant, angelegt und gepflegt werden. Deshalb engagiert sich Pro Natura auf allen Ebenen für den Erhalt und die Förderung der artenreichen Wiesen.

Blumenwiesen gestern und heute

Beckenried 2010
Beckenried ca. 1987
Beckenried ca. 1987 (linkes Bild) und im Jahr 2010 (rechtes Bild)

Auf dem Bild links eine üppig blühende Fromentalwiese im Frühjahr mit Roter Waldnelke und Scharfem Hahnenfuss – beide Zeiger einer bereits begonnenen Intensivierung (© Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek / Willy Burkhardt). Rechts ist dieselbe Fläche nach dem zweiten Schnitt zu sehen – eine reine Fettwiese mit Weiss-Klee, Raygräsern und Wiesen-Bärenklau (© Pro Natura / Nathalie Reveney).

Projekte für Wiesen und Weiden

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Dominos pour la biodiversité Pro Natura
Crise de la biodiversité

Photos pour les médias «Des dominos pour la biodiversité»

Ces images peuvent être utilisées librement aux conditions suivantes :
  • dans le cadre d'un reportage sur Pro Natura
  • avec mention correcte du copyright © Pro Natura
Domino per la biodiversità Pro Natura
Crisi della biodiversità

Foto per i media «domino per la biodiversità»

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  • con la corretta indicazione del copyright © Pro Natura
Biodiversität in der Schweiz – Wenn wir nichts tun, sehen wir Laubfrosch und Wiedehopf nie wieder. Pro Natura
22.05.2023 Biodiversitätskrise

Die Krise der Biodiversität: ein gigantischer Dominoeffekt

Knapp ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des historischen Biodiversitätsabkommens von Montreal-Kunming hat sich in der Schweiz kaum etwas getan für die Natur. Im Gegenteil: Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wissen nicht einmal, wie schlecht es der Natur in ihrem Land geht. Am 22. Mai, dem internationalen Tag der Biodiversität, zeigt Pro Natura vor dem Bundeshaus mit einem riesigen Dominoeffekt, dass ein Zusammenbruch der biologischen Vielfalt die Grundlagen der menschlichen Existenz bedroht.

Drei von fünf Personen sind laut einer gfs-Umfrage der Meinung, dass es der Biodiversität in der Schweiz ziemlich gut geht. Dabei sind mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und die Hälfte aller Lebensräume hierzulande bedroht. «Diese Diskrepanz ist hoch problematisch», kritisiert Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura. «Solange sich die Bevölkerung der Biodiversitätskrise und ihrer Folgen nicht bewusst ist, wird die Schweiz ihre im Dezember 2022 in Montreal eingegangenen Verpflichtungen zum Schutz der Natur kaum umsetzen und setzt damit unsere Lebensgrundalge aufs Spiel», warnt sie.

Ein Sinnbild des Artensterbens auf dem Bundesplatz

Die Situation erfordert einen Weckruf! Zum Internationalen Tag der Biodiversität am 22. Mai stellt Pro Natura deshalb riesige Dominosteine mit Bildern einheimischer Tier- und Pflanzenarten auf den Bundesplatz. Im Beisein diverser Naturbotschafter:innen fallen um fünf vor zwölf die Steine und zeigen den gigantischen Dominoeffekt, der durch das Massenaussterben der Arten ausgelöst wird. Mit jeder Art, die fällt, werden die natürlichen Kreisläufe weiter geschwächt, bis die Art kippt, die den Effekt angestossen hat: der Mensch.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird die Biodiversitätskrise direkte Auswirkungen auf die Schweizer Bevölkerung haben. Sie bedroht natürliche Leistungen wie die Reinigung von Wasser und Luft, die Schutzwirkung der Wälder vor Lawinen und Erdrutschen, aber auch die Landwirtschaft, die von bestäubenden Insekten abhängig ist und unser psychisches Wohlergehen, das von intakter Natur profitiert.

Die Biodiversität muss zum zentralen Wahlthema werden

«Unter den OECD-Ländern ist die Schweiz das Schlusslicht in Sachen Naturschutz», bedauert Friedrich Wulf, Experte für internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura und Sekretär des Schweizer Komitees der IUCN (International Union for Conservation of Nature). «Wir haben die höchste Anzahl bedrohter Arten und mit nur 6,6 % den geringsten Anteil streng geschützter Landesfläche.»

«Damit sich das ändert, muss die Biodiversität zu einem zentralen Thema der nationalen Wahlen diesen Herbst werden», fordert Pro Natura Präsidentin Schneider Schüttel. «Alle Kandidierenden sollten systematisch nach ihren Vorschlägen zur Bewältigung der Biodiversitätskrise gefragt werden. Nur so können die Schweizerinnen und Schweizer bei den nationalen Wahlen im Herbst auch der Natur eine Stimme geben.»

Kontakte:

  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, @email, 078 603 87 25
  • Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 061 317 91 44
  • Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, @email,
    079 216 02 06
  • Medienstelle: Sarah Huwiler, Stv. Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47

Pressebilder:

Gleich im Anschluss an die Aktion stellen wir unter folgendem Link Bildmaterial der Aktion zu Verfügung: www.pronatura.ch/de/pressebilder-biodiversitaetsdomino

Die Biodiversitätskrise in der Politik

Trotz anerkanntem Handlungsbedarf verweigert die Kommission des Ständerates die Diskussion über die Biodiversitätskrise. Wer den verheerenden Dominoeffekt des Artensterbens verstanden hat, kann den Ständerat hier zum Umdenken auffordern: appell-biodiversität.ch

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Dominoeffekt der Biodiversitätskrise © Pro Natura

Biodiversité en Suisse: si nous ne faisons rien, nous ne reverrons plus jamais la rainette et la huppe fasciée. Pro Natura
22.05.2023 Crise de la biodiversité

La crise de la biodiversité, un gigantesque effet domino dont les Suissesses et les Suisses n’ont pas conscience

Cinq mois après la signature de la Conférence de Montréal sur la biodiversité, rien ou presque n'a été fait pour la nature en Suisse. Au contraire. Et la majorité des Suissesses et des Suisses ne réalisent pas que la biodiversité de leur pays est au plus mal. A l'occasion de la Journée internationale de la biodiversité, Pro Natura renverse des dominos géants devant le Palais fédéral, pour rappeler que quand la biodiversité s’effondre, les bases de l’existence humaine sont menacées.

Selon un sondage GFS de 2022, trois personnes sur cinq estiment qu’en Suisse, la biodiversité se porte plutôt bien. Pourtant, elle est en crise. Plus d’un tiers des espèces animales et végétales est menacé, 40 % des oiseaux nicheurs sont en danger, 60 % des insectes déclinent gravement. Les habitats des espèces indigènes s’amenuisent, tandis que leur qualité et leur interconnectivité se dégradent. Depuis 1900, la superficie des marais a diminué de 82 %, et 95 % des prairies et pâturages secs ont disparu. «Il existe un profond décalage, très problématique, entre l’image positive qu’a la population de la biodiversité suisse et son état réel», déplore Ursula Schneider Schüttel, Présidente de Pro Natura. «Tant que sa population n’aura pas connaissance de la crise de la biodiversité et de ses conséquences, il y a peu d’espoir de voir la Suisse mettre en œuvre les engagements pris à Montréal en décembre 2022 et se doter d’une infrastructure écologique fonctionnelle», alerte Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande de Pro Natura et Présidente du Comité suisse de l’UICN.

Une action sur la Place fédérale pour symboliser la disparition des espèces

Pour remédier à cette situation, Pro Natura lance un cri d’alarme sur la Place fédérale avec un jeu de dominos de grande taille, sur lesquels sont imprimées des images d’espèces animales et végétales présentes en Suisse et, pour certaines, menacées. En ce 22 mai, journée internationale de la biodiversité, la cascade des dominos symbolise le phénomène d’entrainement généré par la disparition des espèces, qui se termine par la bascule de la pièce qui représente l’être humain.

Sans réaction, la crise de la biodiversité aura des impacts directs sur la population suisse. La menace plane sur les capacités naturelles d’épuration de l’eau et de l’air, sur le caractère protecteur des forêts contre les avalanches et les glissements de terrain, ainsi que sur l’agriculture qui dépend des insectes pollinisateurs. En outre, le bien-être généré par les loisirs en plein air et les vertus du ressourcement dans la nature seront impactés par l’uniformisation des paysages et leur caractère stérile.

A l’occasion des élections fédérales, la biodiversité doit devenir un thème central

Comparée aux autres pays de l’OCDE, la Suisse compte le plus grand nombre d’espèces menacées. Par ailleurs, seuls 6,6 % de la surface du pays sont strictement protégés au niveau national. Dans ces domaines, nous sommes lanterne rouge. Pourtant, la biodiversité est la source de notre existence et de notre qualité de vie. Il est donc essentiel qu’elle devienne un thème central de la campagne des élections fédérales et dans les médias. «Il serait très intéressant que les médias demandent systématiquement à tous les candidats et candidates leurs propositions pour faire face à la crise de la biodiversité», propose Ursula Schneider Schüttel. Les Suissesses et les Suisses pourront ainsi voter en connaissance de cause.

Contacts:

  • Ursula Schneider Schüttel, présidente, @email, 078 603 87 25
  • Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande, @email, 024 423 35 66
  • Service média: Leo Richard, chargé de communication, @email, 079 378 37 11

Photos de presse:

Aussitôt après l’événement, nous vous fournirons des photos et des vidéos de l’action, accessibles via ce lien: www.pronatura.ch/fr/photos-dominosbiodiversite

 

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Effet domino de la crise de la biodiversité © Pro Natura

La biodiversità in Svizzera: se non ci diamo da fare, presto non vedremo mai più raganelle e upupe. Pro Natura
22.05.2023 Crisi della biodiversità

La crisi della biodiversità: un gigantesco effetto domino di cui le svizzere e gli svizzeri non sono consapevoli

Cinque mesi dopo la firma della Conferenza di Montreal sulla biodiversità, in Svizzera si è fatto poco o nulla per la natura. Inoltre la maggior parte delle svizzere e degli svizzeri non si rende conto che la biodiversità nel loro paese è in grave difficoltà. In occasione della Giornata mondiale della biodiversità, Pro Natura rovescia delle tessere di domino giganti davanti al Palazzo federale, per ricordare che il declino della biodiversità minaccia le basi dell’esistenza umana.

Secondo un sondaggio della GFS svolto nel 2022, tre persone su cinque ritengono che la salute della biodiversità in Svizzera sia piuttosto buona. Ma la realtà è diversa: oltre un terzo delle specie animali e vegetali è minacciata, il 40% degli uccelli nidificanti è in pericolo, il 60% degli insetti è in grave declino. Gli habitat delle specie autoctone diminuiscono, e la loro qualità e interconnessione si stanno deteriorando. Dal 1900 a oggi, la superficie occupata da paludi è diminuita dell’82%, e il 95% dei prati e pascoli secchi è scomparso. «Esiste un divario profondo e molto problematico tra l’immagine positiva che la popolazione ha della biodiversità in Svizzera e il suo stato reale» afferma Ursula Schneider Schüttel, Presidente di Pro Natura. «Fino a quando la popolazione non si renderà conto della crisi della biodiversità in atto e delle sue conseguenze, ci sono poche speranza che la Svizzera attui gli impegni presi a Montreal nel dicembre 2022 e si doti di un’infrastruttura ecologica funzionale», avverte Sarah Pearson Perret, responsabile del segretariato romando di Pro Natura e presidente del Comitato svizzero dell’IUCN.

Un’azione in Piazza federale per simboleggiare la scomparsa delle specie

Per porre rimedio a questa situazione, Pro Natura lancia l’allarme dalla Piazza federale con una serie di grandi tessere del domino sulle quali sono stampate le immagini di specie animali e vegetali che vivono in Svizzera, tra cui alcune minacciate di estinzione. Il crollo delle tessere simboleggia la reazione a catena innescata dalla scomparsa della biodiversità, che termina con l’oscillazione della tessera che rappresenta l’essere umano.

Se non reagiamo, la crisi della biodiversità avrà delle conseguenze dirette sulla popolazione svizzera. La minaccia incombe sulla capacità naturale di depurazione delle acque e dell’aria, sulla funzione protettiva del bosco contro valanghe e frane, così come sull’agricoltura, che dipende dagli insetti impollinatori. Inoltre, anche il benessere ottenuto durante le attività all’aria aperta diminuirà a causa del paesaggio sempre più uniforme e sterile.

La biodiversità deve diventare un tema centrale in occasione delle elezioni federali

Tra i paesi dell’OCSE, la Svizzera ha il numero più alto di specie minacciate. Inoltre, solo il 6,6% della superficie del paese è rigorosamente protetto a livello nazionale. Siamo agli ultimi posti della classifica, sebbene la biodiversità sia fondamentale per la nostra esistenza e qualità di vita. È quindi essenziale che essa divenga un tema centrale sia durante la campagna per le elezioni federali che per i media. «Sarebbe molto interessante se i media chiedessero sistematicamente a tutte le candidate e a tutti i candidati cosa intendono fare per affrontare la crisi della biodiversità», propone Ursula Schneider Schüttel. Le svizzere e gli svizzeri potranno così votare con cognizione di causa.

Contatti:

  • Serena Britos-Wiederkehr, Direttrice Pro Natura Ticino, @email, 091 835 57 67

Foto stampa:

Subito dopo l’evento metteremo a disposizione il relativo materiale fotografico al seguente link: www.pronatura.ch/it/fotos-dominosbiodiversita

 

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Effetto domino della crisi della biodiversità © Pro Natura

Weizen
19.05.2023 Landwirtschaft

«Schneckenpostpolitik» gefährdet unsere Ernährungsgrundlage

Die Agrarpolitik in der Schweiz geht die drängenden Herausforderungen im Klima- und Umweltbereich in Anbetracht des wissenschaftlichen Konsenses für rasches Handeln immer noch viel zu zögerlich an. Immerhin zeigen sich erste Anzeichen für ein Umdenken.

Für Alarmismus sind Wissenschaft und Bundesbehörden nicht bekannt. Im ­Gegenteil. Sie halten sich eher zurück, wägen ab und versuchen, nicht anzuecken. Bislang. Denn die Tonalität ändert sich gerade. Insbesondere Forschungs­resultate im Zusammenhang mit der ­Biodiversitäts- und der Klimakrise ­machen inzwischen glasklar, wie rasch wir handeln sollten und wie dringlich die Probleme sind. Ein Beispiel gefällig? Am 20. März 2023 schreibt Meteo Schweiz in ihrem Blog zum neuen Synthesebericht des Weltklimarats Klartext: «Die Entscheidungen, die wir in der laufenden Dekade treffen, werden Auswirkungen für Tausende von Jahren haben.» Und der Bericht des «Scientific Expert Panels», in dem sich über 40 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammengeschlossen ­haben, stellt für die Landwirtschaft klare Reduktionsziele. Umzusetzen nicht bis ­irgendeinmal, sondern bis im Jahr 2030!

Die Zukunft der Ernährung 

2015 hat sich die Schweiz verpflichtet, ihren Beitrag zum Erreichen der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung («Sustainable Development Goals», SDG) bis 2030 zu leisten. Will sie das erreichen, muss sie ihr Ernährungssystem grundsätzlich verändern. Die «Ernährung» kommt bei der Umweltbelastung nämlich noch vor «Wohnen» und «Mobilität». Deshalb braucht es über die ganze Wertschöpfungskette neue Rezepte – von der Produktion bis zum Konsum. Weil unsere Ernährung viel mit Traditionen und Gewohnheiten zu tun hat, braucht es neben politischen Massnahmen auch einen gesellschaftlichen Dialog über unser individuelles Verhalten. 

Einen guten Weg, um das grosse Potenzial der Schweiz in diesem Bereich auszuschöpfen, zeigt das «wissenschaftliche Gremium Ernährungszukunft Schweiz» auf. Das breit abgestützte Panel vereint über 40 Stimmen der Wissenschaft und hat mit einem wissenschaftlichen Gesamtblick auf die Zusammenhänge im Ernährungssystem Lösungswege für ein nachhaltigeres Ernährungssystem der Schweiz ausgearbeitet.

Düngen mit Schleppschlauch Matthias Sorg
Die Schweizer Agrarpolitik blendet die drängenden Herausforderungen im Klima- und Umweltbereich aus, statt in gebotener Schnelligkeit Lösungen zu finden. (www.ernaehrungs-zukunft.ch)

Politische Mühlen mahlen langsam

Die klaren Aussagen der Wissenschaft und der Bundesverwaltung zu notwen­digen drängenden Veränderungen an ­unserer ­Lebensweise stehen im krassen Kontrast zur Langsamkeit der Politik. Hier mahlen die Mühlen weiterhin ihr gemächliches Tempo. Zum Beispiel bei der Beratung der Agrarpolitik 2022 (AP 22+). Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat in der Frühlingssession 2023 ein Mini-Paket zur zukünftigen Weiterentwicklung der Agrarpolitik gutgeheissen. Nicht angegangen werden damit die drängenden Heraus­forderungen im Klima- und Umwelt­bereich. Somit wurde das Zeitfenster als Chance verpasst, die Ausrichtung der Schweizer Land- und Ernährungs­wirtschaft ökologisch wie auch gegenüber dem Markt zu stärken. Von einer Mehrheit im Parlament werden die Biodiversitäts- und Klimakrise weiterhin negiert, als ob sie nicht stattfinden würden.

Alle Umweltanträge abgelehnt

Der Nationalrat hat, wie auch der Ständerat, alle Anträge für eine Verbesserung der Vorlage AP 22+ im Umweltbereich bachab geschickt. Immerhin hat er das Parteistellungsrecht der beschwerde­berechtigten Organisationen nicht eingeschränkt, wie es ein Antrag gegen den Willen des Bundesrates forderte. Somit haben die Natur und die öffentliche ­Gesundheit neu auch eine im Land­wirtschaftsgesetz verankerte Stimme im ­Zulassungsprozess von potenziell ­gefährlichen Pestiziden. Der Nationalrat lehnte es aber ab, die Tragfähigkeit der Ökosysteme in den ökologischen ­Leistungsnachweis für die Direktzahlungen als Vorgabe aufzunehmen. Und ­Klimaziele für die Land- und Ernährungswirtschaft wollte er auch nicht im Gesetz verankern. Dies, ­obschon die Wissenschaft klar aufzeigt, dass wir durch die Klimakrise unsere ­Ernährungsgrundlage gefährden. Die ­Umwelthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ­Centre for Development and Environment (CDE) der Uni Bern Bettina Scharrer sagt es in einem Interview des CDE so:

Kartoffelanbau
«Die Probleme, die wir uns im Zusammenhang mit der Klima- und Biodiversitäts­krise sowie den natürlichen Ressourcen einhandeln, nähern sich einer Grenze, wo wir mit negativen Kipppunkten rechnen müssen. Das heisst: Danach verschlechtert sich die Situation massiv und wird teils irreversibel, sodass die Ernährungssicherheit in der Schweiz und global nicht mehr gewährleistet sein wird.» - Bettina Scharrer, Mitarbeiterin beim ­Centre for Development and Environment (CDE) der Uni Bern

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Ernährungs- statt Agrarpolitik

Mit dieser «Schneckenpostpolitik» kommt die Schweizer Landwirtschaft in Verzug, sich den Herausforderungen unserer Zeit anzupassen und ein resilientes ­Ernährungssystem aufzubauen. Ihre Positionierung am Markt wird geschwächt. Leidtragende dieser Politik werden zuerst die Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz sein. Wie es schon heute keine Rolle für die Grossverteiler spielt, ob die Biokartoffel Anfang April aus Schweizer­ernte vom Vorjahr oder aus neuer Ernte des laufenden Jahres kommt, aber aus Ägypten importiert. Der Konsument merkt nicht viel, die Bäuerin aus der Schweiz aber irgendeinmal schon, wenn die ­Ausnahme zur Regel wird. 

Immerhin findet gerade ein Um­denken statt. Einig sind sich die Politik und die meisten Interessenvertreter, dass es in Zukunft eine Land- und Ernährungspolitik braucht. Lösungen müssen nicht nur im Kulturland sichtbar werden, sondern auch im Ladenregal. Der Schweizer Bauernverband weist seit Jahren mantramässig darauf hin, dass Massnahmen in der Landwirtschaft dem Klima nicht das Geringste nützen, wenn sich der Konsum nicht verändere. Wie sich jedoch der ­Konsum verändern soll, darüber schweigt sich der Interessenverband aus. Nun steht die erste Nagelprobe an. Bio-Suisse möchte mindestens 15 000 Hektaren zusätzliche Flächen unter ihr Label nehmen. Heute wird immer noch viel Biobrotgetreide importiert, in Zukunft möchte Coop ihren Anteil zu 100 Prozent aus Schweizer Produktion decken. Es liegt hier nicht nur an der Politik, Weichen zu stellen, sondern an der konkreten Ausrichtung der Pro­duzentinnen und Produzenten hin zu den Bedürfnissen des Marktes und der Kon­sumentinnen und Konsumenten. 

MARCEL LINER, Leiter Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura.

Blé
19.05.2023 Agriculture

La «politique de l’escargot» met en péril nos bases alimentaires

Face à l’urgence, la politique agricole suisse aborde toujours les défis dans le domaine du climat et de l’environnement de manière beaucoup trop frileuse. Néanmoins, les premiers signaux d’un changement de mentalité apparaissent.

La science et les autorités fédérales ne sont pas connues pour faire preuve d’alarmisme. Au contraire. Elles se tiennent plutôt en retrait, pèsent le pour et le contre et s’efforcent de ne pas faire de vagues. Du moins jusqu’ici. Le contexte est en train de changer. Les résultats des recherches sur la crise de la biodiversité et du climat indiquent avec une absolue clarté qu’il faut agir dans les plus brefs délais et soulignent l’urgence des problèmes. Un exemple? Le 20 mars 2023, Météo Suisse écrit sans ambages dans son blog sur le nouveau rapport de synthèse du Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat: «Les décisions que nous prendrons au cours de la décennie actuelle auront des conséquences pour des milliers d’années.» Et le rapport du Scientific Expert Panel, qui réunit plus de 40 spécialistes, fixe des objectifs de réduction clairs pour l’agriculture. A mettre en œuvre non pas un jour ou l’autre mais d’ici 2030!

L’avenir de l’alimentation en Suisse

En 2015, la Suisse s’est engagée à contribuer à la réalisation des objectifs de développement durable de l’ONU (« Sustainable Development Goals, SDG ») d’ici 2030. Si la Suisse veut y parvenir, elle doit modifier son système alimentaire en profondeur. En effet, l’alimentation vient avant le logement et la mobilité en termes d’impact environnemental. C’est pourquoi il faut de nouvelles recettes – de la production à la consommation – tout au long de la chaîne de création de valeur. Comme notre alimentation est fortement liée aux traditions et aux habitudes, il faut non seulement des mesures au niveau politique, mais aussi un dialogue social sur notre comportement individuel. Le Comité scientifique « Avenir alimentaire suisse » fournit une orientation claire pour exploiter l’important potentiel de la Suisse dans ce domaine. Ce panel largement représentatif réunit les voix de plus de 40 scientifiques. Il a élaboré des solutions pour un système alimentaire plus durable en Suisse grâce à un regard scientifique global sur les interactions dans le système alimentaire.

Düngen mit Schleppschlauch Matthias Sorg
La politique agricole suisse occulte les défis urgents dans les domaines du climat et de l’environnement au lieu de trouver des solutions avec la rapidité qui s’impose.

Les rouages politiques sont lents

Les messages clairs des scientifiques et de l’administration fédérale sur les changements urgents à apporter à notre mode de vie contrastent fortement avec la lenteur de la politique. Ainsi, l’examen de la politique agricole 2022 (PA 22+) montre à quel point les moulins de la politique continuent de tourner au ralenti. Après le Conseil des États, le Conseil national a lui aussi approuvé, lors de la session de printemps 2023, un mini paquet sur le futur développement de la politique agricole. Les défis urgents dans le domaine du climat et de l’environnement ne sont pas abordés. On a laissé passer l’occasion de renforcer l’orientation écologique de l’agriculture et de l’industrie alimentaire suisses et de consolider leur place sur le marché. La majorité du Parlement continue de nier l’existence d’une crise de la biodiversité et d’une crise climatique, comme si elles n’étaient pas avérées.

Propositions écologiques rejetées 

Le Conseil national, tout comme le Conseil des Etats, a rejeté toutes les propositions visant à améliorer le projet PA 22+ dans le domaine de l’environnement. Au moins n’a-t-il pas limité le droit de recours des organisations, comme le demandait une motion, contre la volonté du Conseil fédéral. Ainsi, la nature et la santé publique ont désormais, au travers des organisations environnementales, une voix ancrée dans la loi sur l’agriculture dans le cadre des processus d’autorisation de pesticides potentiellement dangereux.

Le Conseil national a toutefois refusé d’intégrer la capacité de charge des écosystèmes dans les prestations écologiques requises pour les paiements directs. Il n’a pas non plus voulu ancrer dans la loi des objectifs climatiques pour l’agriculture et l’industrie alimentaire. Et ce, bien que la science montre clairement que la crise climatique met en péril les bases de notre alimentation. L’historienne de l’environnement et collaboratrice scientifique du Centre for Development and Environment (CDE) de l’Université de Berne, Bettina Scharrer, l’explique ainsi dans une interview du CDE :

Kartoffelanbau
«Les problèmes que nous rencontrons avec la crise du climat et de la biodiversité ainsi qu’avec les ressources naturelles se rapprochent d’un seuil où l’on doit s’attendre à des points de bascule négatifs. Cela signifie que la situation se dégradera alors considérablement et deviendrait en partie irréversible, de sorte que la sécurité alimentaire ne sera plus garantie en Suisse et dans le monde.» - Bettina Scharrer, L’historienne de l’environnement et collaboratrice scientifique du Centre for Development and Environment (CDE) de l’Université de Berne

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Info

Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.

S’adapter aux défis futurs

Avec cette «politique de l’escargot», l’agriculture suisse prend du retard pour s’adapter aux défis de notre époque et pour mettre en place un système alimentaire résilient. Son positionnement sur le marché est affaibli. Les premières victimes de cette politique seront les paysannes et les paysans de notre pays. Il importe déjà peu aux grands distributeurs que la pomme de terre bio de début avril provienne de la récolte suisse de l’année précédente ou de la nouvelle récolte de l’année en cours, ou encore qu’elle soit importée d’Égypte. Les consommatrices et consommateurs ne s’en rendent guère compte, mais le monde paysan suisse le remarquera tôt ou tard si l’exception devient la règle.

Un changement de mentalité est tout de même en train de s’opérer. Les politiques et la plupart des représentants d’intérêts s’accordent à dire qu’une politique agricole et alimentaire sera nécessaire à l’avenir. Les solutions ne doivent pas seulement être visibles sur les terres cultivées, mais aussi dans les rayons des magasins. Depuis des années, l’Union suisse des paysans répète à l’envi que les mesures prises dans l’agriculture ne sont d’aucune utilité pour le climat si la consommation ne change pas. Mais elle ne dit pas comment la consommation devrait changer. La première épreuve de vérité est devant nous. Bio Suisse souhaite prendre sous son label au moins 15 000 hectares supplémentaires. Aujourd’hui, une grande partie des céréales panifiables bio sont encore importées, mais Coop souhaite dorénavant que leur part soit couverte à 100 % par la production suisse. Il appartient non seulement à la politique de poser les bons jalons, mais il faut aussi orienter les producteurs vers les besoins du marché et des consommateurs.

MARCEL LINER est responsable de la politique agricole chez Pro Natura.

Gletschervorfeld Graubünden
19.05.2023 Biodiversitätskrise

Ja zum Klimaschutzgesetz

Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist die Schweizer Klimapolitik kaum vom Fleck gekommen. Damit es im Klimaschutz nun endlich vorangeht: Sagen Sie am 18. Juni Ja zum Klimaschutzgesetz.

«Schützen, was uns wichtig ist», lautet der Slogan für ein Ja zum Klimaschutzgesetz. Es geht um unsere Gletscher, den letzten Rest unserer Natur, das – vermeintliche – Wasserschloss Schweiz und um kommende Generationen. Letztlich geht es beim Klimaschutz aber noch um wesentlich Grundsätzlicheres. Ein wenig pointiert müsste die Abstimmung darum unter dem Zeichen «Retten, was zu retten ist» stehen, denn es geht schliesslich darum zu schützen, was uns (über)leben lässt. Bedroht ist nämlich nicht nur das Klima, sondern jene natürlichen Prozesse, die Biodiversität und die Lebensräume, ­welche für die Bodenfruchtbarkeit oder den Wasserhaushalt von Bedeutung sind. 

Nur: Statt rasch und entschlossen zu handeln, haben wir es jahrelang sträflich verpasst, die Weichen rechtzeitig zu ­stellen. Noch 2021 ist das CO2-Gesetz an der Urne knapp gescheitert, obschon die Schweiz als Land der Hyperkonsumenten und der riesigen Investitionsvolumen ­besonders in der Verantwortung steht, ihren Teil zur Lösung dieses globalen ­Problems beizutragen. Jetzt bietet sich am 18. Juni die Chance, diesem verant­wortungslosen Treiben mindestens ­ansatzweise Einhalt zu gebieten und ­unseren Zusagen an die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens auch endlich ernsthaft anzugehen. 

Das Klimaschutzgesetz bietet die ­dringend notwendige Grundlage dafür, denn es:

• setzt klare Ziele (Netto-Null bis 2050). 

• definiert einen entsprechenden Absenkpfad.

• arbeitet nicht mit Verboten oder Steuererhöhungen, sondern mit Zielen, Investitionen und Innovationsförderung. 

• sieht Massnahmen vor, um die durch den Klimawandel bedingten nachteiligen Auswirkungen anzugehen.

• strebt an, die massiven Finanzmittelflüsse aus der Schweiz nachhaltiger auszugestalten.

Ein Ja zum Klimaschutzgesetz schafft das Fundament für besseren Klimaschutz, ­effizientere Energienutzung, weniger ­Abhängigkeit von ausländischen Öl- und Gasimporten. Die Schweiz kann in ­Sachen Innovationen und neue Technologien ­verlorenes Terrain aufholen und parallel zu der daraus erzeugten Wertschöpfung die eigene Energiesicherheit stärken. Alles anderes als ein Ja am 18. Juni wäre darum kurzsichtig, gefährlich und ein Schlag ins Gesicht kommender Generationen.  

MICHAEL CASANOVA ist bei Pro Natura zuständig für die Klima-, Energie- und Gewässerschutzpolitik.

Klimaschutzgesetz Urs Flüeler
Ja zum Klimaschutzgesetz
Ja zum Klimaschutzgesetz
Mit dem JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni setzen wir Ziele für den Klimaschutz. Wir schützen, was uns wichtig ist. Und wir übernehmen Verantwortung für die kommenden Generationen.

 «Nicht nur die Städte, auch die Landschaft erhitzt sich stark»

Treffen wir keine Massnahmen für den Klimaschutz, droht auch dem Mittelland Ungemach: mehr Trockenheiten und Überschwemmungen. Der emeritierte Uniprofessor Rolf Weingartner erläutert, weshalb er sich für ein Ja zum Klimaschutzgesetz stark macht.

Pro Natura Magazin: Der Sommer 2022 war in der Schweiz generell sehr trocken, der Sommer im Jahr ­zuvor brachte Hochwasser und Überschwemmungen. Sind dies Auswirkungen des globalen Klimawandels? 
Rolf Weingartner: Ja, solche Ereignisse häufen sich durch den globalen Tempe­raturanstieg ganz klar. Entscheidende ­Prozesse des Wasserkreislaufs werden durch die Temperatur gesteuert. Steigt die globale Temperatur, so schmelzen die Gletscher, es fällt weniger Schnee und die Nullgradgrenze steigt. Diese Prozesse werden sich durch das Voranschreiten der Klimaerwärmung noch verstärken. 

Warum führt der globale Temperaturanstieg auch zu mehr Überschwemmungen? 
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit ­aufnehmen, pro Grad Temperaturanstieg rund 7 Prozent mehr. Deshalb gibt
es auch stärkere Regenfälle. Fallen diese auf ausgetrocknete Böden, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. Dies ­geschah zum Beispiel im Juli 2022 im ­Kemmeriboden im Emmental, wo es zu einem extremen Hochwasser kam. 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Überschwemmungen beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad

Steigen die Temperaturen, kommt es auch zu mehr Überschwemmungen. Denn wenn viel Regen auf ausgetrocknete Böden fällt, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. So geschehen im Juli 2022 beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad.

Dass die Alpengletscher durch den Klimawandel sehr stark abschmelzen, ist allmählich im Bewusstsein der ­Bevölkerung angekommen. Welche Auswirkungen hat der globale Temperaturanstieg generell aufs Mittelland? 
Der Temperaturanstieg führt zu einer ­Erhöhung der Verdunstung. Zudem gibt es im Sommer weniger Niederschläge. Dies führt auch im Mittelland zu einer grösseren Trockenheit im Sommer. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. Im Sommer, wenn die Landwirtschaft viel Wasser ­benötigt, bringen die grossen ­Alpenflüsse heute durch das Abschmelzen der Gletscher noch viel Wasser mit sich. Mit dem starken Rückgang der ­Gletscher werden die sommerlichen ­Abflüsse aus dem ­Alpenraum stark ­abnehmen, besonders ausgeprägt ab ­Mitte dieses Jahrhunderts. 

Wer leidet besonders unter dieser ­Trockenheit im Mittelland – die Landwirtschaft oder die Natur? 
Zunächst vor allem die Natur – die ­aquatischen Ökosysteme: Steigen die Temperaturen in Flüssen stark an, führt dies unter anderem auch zu einem ­Fischsterben. Die Landwirtschaft belastet die Gewässer durch Nährstoffe und ­Pestizide. Ist weniger Wasser vorhanden, verdünnen sich diese weniger stark. ­Zudem wurden im Mittelland in der ­Vergangenheit viele ­Bäche eingedolt; es gibt massiv weniger Feuchtgebiete und in landwirtschaftlich genutzten Flächen auch weniger Bäume. Diese verschiedenen Faktoren führen zu einer starken ­Erhitzung der Landschaft. Dies verursacht auch für die Landwirtschaft Probleme, da sie weniger Wasser zur Verfügung hat. 

Der Temperaturanstieg ist also nicht nur in den Städten, sondern generell im ganzen Mittelland ein Problem? 
Ja, das ist so. Der Erhitzung der Landschaft wird heute zu wenig Beachtung ­geschenkt. 

 

Sie unterstützen das Klimaschutz­gesetz, welches am 18. Juni zur ­Abstimmung kommt. Weshalb? 
Weil das Gesetz die entscheidenden ­Aspekte des Klimawandels im Fokus hat: Die Reduktion der Treibhausgase in der Schweiz, Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel und Technologieförderung. Von grosser Bedeutung ist auch das im Gesetz formulierte Ziel, dass Massnahmen zur Verminderung der Klimawirkung von Finanzflüssen getroffen werden sollen. Deren Hebelwirkung ist riesig. So gibt es Berechnungen, dass die vom Schweizer Finanzplatz gesteuerten Aktivitäten ein Zwanzigfaches der einheimischen Treib­hausgas-Emissionen verursachen.

Val Frisal Raphael Weber

Wie sieht die Schweiz in 70 Jahren aus, wenn wir jetzt nichts tun und weltweit keine Massnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden? Gibt es ein Worst-Case-Szenario? 
Wir haben in der Schweiz schon bisher ­einen Temperaturanstieg von 2 Grad. ­Werden keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen, könnte die Temperatur in der Schweiz bis 2100 nochmals um 3 bis 5 Grad steigen. Dies würde riesige Probleme verursachen. Die Nullgradgrenze würde um bis zu 1000 Meter steigen. ­Unterhalb 2500 Meter gäbe es nur noch sehr wenig Schnee. Und die Gletscher würden fast komplett abschmelzen. Die sommerliche Austrocknung des Mittel­landes würde sich massiv ver­stärken. ­Hinzu kommt, dass gewisse Auswir­kungen nicht vorhersehbar sind, weil das ganze Klimasystem durch­einandergerät und Kipppunkte erreicht werden ­könnten. Die Ozeane haben ­bisher zum Beispiel eine dämpfende ­Wirkung auf die Temperaturen. Wenn diese wegfällt, ­steigen die Temperaturen noch weiter an. 

Die SVP nennt das Klimaschutzgesetz ein «Stromfressergesetz» und argumentiert, die kleine Schweiz könne nichts zum globalen Klimaschutz ­beitragen. Was sagen Sie dazu? 
Der Klimawandel ist ein globales Problem, nationales Denken bringt uns nicht weiter. Jede Person auf der Erde muss einen ­Beitrag zum Klimaschutz leisten, wobei zu erwähnen ist, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung etwa 80 Prozent des Pro­blems verursachen. Die Bevölkerung hochentwickelter Länder ist besonders ­gefordert. 

STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.

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19.05.2023 Crise de la biodiversité

Oui à la loi sur le climat

Depuis la signature de l’Accord de Paris sur le climat, la politique climatique suisse n’a guère évolué. Si vous voulez faire bouger les lignes, votez OUI à la loi sur le climat et l’innovation le 18 juin.

«Protégeons ce qui compte», tel est le slogan des partisans du OUI à la loi fédérale sur les objectifs en matière de protection du climat, sur l’innovation et sur le renforcement de la sécurité énergétique – la loi climat. Il en va certes de nos glaciers, derniers vestiges du (soi-disant) château d’eau qu’est la Suisse, et des générations futures. Mais en fin de compte, il en va de quelque chose de plus fondamental encore. Si l’on voulait être plus précis, il faudrait reformuler le slogan ainsi: «Sauvons ce qui peut encore l’être». Car pour le dire simplement, il s’agit de protéger ce qui nous permet non seulement de vivre, mais aussi de survivre. Le climat n’est pas le seul à être en péril. Tous les processus naturels, la biodiversité et les biotopes qui contribuent à la fertilité et au régime hydrique des sols, sont menacés. 

Le 18 juin, une chance à saisir

Seulement voilà: au lieu d’agir avec rapidité et détermination, nous avons négligé des années durant de poser les jalons nécessaires. En 2021, le peuple a rejeté de peu la loi sur le CO2, alors même que la Suisse – royaume de l’hyperconsommation et des flux financiers colossaux – est investie d’une responsabilité particulière et se doit de participer à la résolution de ce problème mondial. Le 18 juin prochain, nous avons une chance de mettre un terme à ces agissements irresponsables et de tenir enfin les engagements que nous avons pris en signant l’Accord de Paris. La loi climat jette des bases solides, en:

• fixant des objectifs clairs (zéro émission nette d’ici 2050),

• définissant une trajectoire de réduction des émissions,

• ne prévoyant pas d’interdictions ni de hausses d’impôts, mais en ­reposant sur des objectifs clairs, sur des investissements et sur l’encouragement de l’innovation,

• prévoyant des mesures de protection face aux effets des changements climatiques, 

• rendant tous les flux financiers nationaux compatibles avec les objectifs climatiques.

Dire OUI à la loi climat, c’est permettre de mieux protéger le climat, d’améliorer la consommation énergétique et de réduire notre dépendance aux importations de mazout, de pétrole, de diesel et de gaz. La Suisse pourra rattraper son retard en matière d’innovation et de nouvelles technologies et ainsi renforcer sa sécurité énergétique – sans oublier la création de valeur qui en résultera. Un échec dans les urnes ne serait rien d’autre qu’une vision à très court terme, dangereuse et égoïste à l’égard des futures générations.

MICHAEL CASANOVA est responsable de la politique climatique et énergétique chez Pro Natura.

 

Klimaschutzgesetz Urs Flüeler

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.

Les inondations à Kemmeriboden dans l’Emmental

Si les températures augmentent, les inondations se multiplient également.

«La nature, comme les villes, souffre du réchauffement»

Si aucune mesure de protection du climat n’est prise, le Plateau suisse sera lui aussi confronté à l’intensification des vagues de sécheresse et à la multiplication des inondations. Dans ce contexte, un OUI à la loi climat le 18 juin prochain est indispensable.

Magazine Pro Natura: l’été 2022 a été globalement très sec en Suisse alors que le précédent nous avait apporté crues et inondations. S’agit-il de manifestations du dérèglement climatique? 
Rolf Weingartner: oui, la multiplication de ces phénomènes météorologiques est sans équivoque. La température joue un rôle central dans de nombreux processus clés du cycle de l’eau. Si la température mondiale augmente, les glaciers fondent, il neige moins et l’isotherme zéro degré s’élève. Le réchauffement climatique, s’il n’est pas stoppé, accentuera encore plus ces phénomènes. 

Comment expliquer que la hausse de la température moyenne mondiale conduit à davantage d’inondations? 
L’air chaud absorbe plus d’humidité, environ 7% de plus par degré. Cela explique aussi l’intensification des épisodes de pluie. Si le sol est sec, il n’absorbe qu’une partie de ces précipitations. C’est exactement ce qui s’est passé en juillet dernier à Kemmeriboden, dans l’Emmental, qui a été submergé par une crue torrentielle.

Il semble que la population a progressivement pris conscience du rôle du dérèglement climatique dans la fonte rapide des glaciers alpins. Quelles répercussions la hausse de la température moyenne mondiale a-t-elle sur le Plateau suisse? 
Tout d’abord, le réchauffement entraîne une augmentation de l’évaporation. Ensuite, les précipitations sont moins importantes en été. Le Plateau connaît donc lui aussi une sécheresse plus marquée. Dans le même temps, les besoins en eau croissent à cette saison, notamment dans le secteur agricole. À l’heure actuelle, les grands fleuves alpins fournissent d’importants volumes d’eau, car ils sont alimentés par la fonte des glaciers. Avec le recul de ces derniers, le débit des fleuves en été diminuera fortement dans toute la région alpine, surtout à partir de 2050. 

Qui souffre le plus de cette sécheresse sur le Plateau suisse: la nature ou l’agriculture? 
La nature, et en premier lieu les écosystèmes aquatiques: si la température des rivières augmente fortement, cela entraîne entre autres la mort des poissons. De plus, les eaux sont polluées par les pesticides et les nutriments utilisés dans l’agriculture. Or si les volumes d’eau diminuent, les produits se diluent moins bien. En outre, de nombreux petits ruisseaux du Plateau ont été enterrés par le passé. Les milieux humides sont donc bien moins nombreux et l’on trouve peu d’arbres dans les zones agricoles. Autant d’éléments qui con­duisent à un réchauffement important de la nature. Et l’agriculture est impactée, car elle voit ses ressources réduites.

Avec les villes, l’ensemble du Plateau est ­aussi touché par la hausse des températures, juste? 
Oui, tout à fait. Le réchauffement de la nature est un phénomène hélas sous-estimé. 

Vous soutenez la loi climat qui sera soumise au vote du peuple le 18 juin prochain. Pourquoi? 
Cette loi met l’accent sur des éléments décisifs du dérèglement climatique: réduction des émissions de gaz à effet de serre en Suisse, adaptation aux effets du réchauffement et encouragement des technologies. L’un des objectifs qu’elle poursuit – et non des moindres – est de prendre des mesures visant à réduire l’effet climatique des flux financiers. Or leur effet de levier est énorme. Selon certains calculs, les activités de la place financière suisse génèrent vingt fois plus d’émissions de gaz à effet de serre que les émissions nationales.

Val Frisal Raphael Weber

À quoi ressemblera la Suisse dans 70 ans si nous ne faisons rien et qu’aucune mesure de protection du climat n’est prise à l’échelle mondiale? Quel serait le scénario le plus pessimiste? 
La température moyenne en Suisse a déjà augmenté de 2°C. Si aucune mesure n’est prise, les températures pourraient augmenter de 3°C à 5°C additionnels d’ici 2100. Les problèmes qui en découleraient seraient énormes. L’isotherme zéro degré remonterait à 1000 mètres d’altitude, ce qui veut dire qu’il n’y aurait presque plus de neige en dessous de 2500 mètres et que les glaciers auraient quasiment fondu. La sécheresse estivale du Plateau s’accentuerait massivement. Sans compter que si l’ensemble du système climatique est perturbé et que nous atteignons des points de bascule, certaines conséquences seront imprévisibles. Sans le rôle de régulateur de la météo de l’océan par exemple, l’augmentation de la température s’accélérera. 

Pour l’UDC, cette loi est trop énergivore et la Suisse trop petite pour contribuer à la protection du climat à l’échelle mondiale.
Le dérèglement climatique est un problème global. Adopter une approche nationale ne nous mènera nulle part. Chaque personne sur Terre doit apporter sa pierre à l’édifice. Cela étant, il semble bon de rappeler que 20% de la population mondiale est à l’origine de 80% du problème. Les habitantes et habitants des pays les plus développés ont une plus grande responsabilité et doivent donc agir en conséquence, à leur niveau.

STEFAN BOSS est journaliste indépendant.

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Artenschutz

9 Wege, wie wir Tiere und Pflanzen unterstützen können

Denn die Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen schwindet

Steinbock Claudio Büttler
Wo sind die Wiesen mit blühenden Blumen, in denen es summt, hüpft und flattert? Und wo sind die Weiher, aus denen zu Tausenden kleine Frösche hüpfen?

Die Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen schwindet leise. 255 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in der Schweiz bereits ausgestorben. Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet. Es ist höchste Zeit zu handeln.

Für immer ausgestorben?

Den Bodensee-Steinbrech werden Sie nie blühen sehen. Dies einst am Ufer des Bodensees heimische Pflanze ist weltweit ausgestorben. Für sie kommt jede Hilfe zu spät. Das gilt auch für über 800 andere weltweit ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten; zum Beispiel den Beutelwolf oder die Pinta-Riesenschildkröte. Glücklicherweise überleben viele Arten, die bei uns ausgestorben sind oder ausgerottet wurden, ausserhalb der Schweiz. Für sie besteht die Chance, in ihrer alten Heimat wieder Fuss zu fassen. So wie einst der Steinbock. Pro Natura setzt sich ein, dass einst verdrängte Tiere und Pflanzen wieder heimisch werden können; zum Beispiel der Wolf, der Bär oder der Fischotter.

Selbst der König steht auf der Roten Liste

Überlebt der «Roi du Doubs» (König des Doubs)? Noch leben einige wenige Exemplare dieser vom Aussterben bedrohten Fischart im Jurafluss. Damit sie überleben, brauchen sie Hilfe. Der Roi du Doubs ist kein Einzelfall. 36% der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten der Schweiz sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Der Zustand der Schweizer Artenvielfalt ist kritisch. Nur bei wenigen Arten spielt heute die direkte Bedrohung durch Fang, Wilderei oder Ausgraben eine Rolle. Den meisten der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten fehlen schlicht geeignete Lebensräume.

Was tut Pro Natura für bedrohte Arten?

  • Wir setzen uns für naturnahe Land- und Waldwirtschaft und einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ein.
  • Pro Natura engagiert sich für ein gut funktionierendes Netz von Schutzgebieten. Dazu gehören auch der Schweizerische Nationalpark und neue Nationalpärke.
  • Pro Natura sichert und betreut Naturschutzgebiete. Sie entwickelt ihr Netz an Naturschutzgebieten laufend weiter.
  • Wir werten mit unserer Aktion Biber & Co. und zahlreichen weiteren Projekten Lebensräume auf.
  • Wir fördern mit Projekten prioritäre, bedrohte Arten.

Sie können bedrohten Arten helfen!

  • Durch einen naturnahen Garten
  • Durch bewusstes Einkaufen
  • Durch Rücksicht auf die Natur bei Freizeitaktivitäten
  • Durch aktive Mithilfe bei Naturschutzprojekten - zum Beispiel bei Freiwilligeneinsätzen von Pro Natura
Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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