Progetti
Unsere Volksinitiativen: für die Biodiversität, gegen die Verbauung
In der Schweiz sind viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Von den Agglomerationen her verbreitet sich ein monotoner Siedlungsteppich mit Wohnsilos, Lager- und Treibhäusern in der Landschaft. Gleichzeitig durchlöchern Behörden und Politik die langjährig bewährte Naturschutzpolitik.
Bauboom ausserhalb der Bauzone
Die vielfältigen Landschaften der Schweiz verändern sich massiv. Immer mehr Boden wird zubetoniert – ganz besonders dort, wo Bauen eigentlich gar nicht vorgesehen wäre. In der Schweiz stehen 20 Prozent aller Gebäude in der Nichtbauzone. Und es wird weiter gebaut. Allein im letzten Jahr entstanden mehr als 2000 neue Bauten – ausserhalb der Bauzone!
Zwar sollte das Raumplanungsgesetz den baulichen Wildwuchs ausserhalb der Siedlungen regeln. Doch die Behörden bewilligen heute trotzdem viele Projekte. Das aktuelle Parlament will die bestehenden Auflagen noch mehr lockern. Politik und Verwaltung stellen die Interessen von Bauherren und Investoren stark in den Vordergrund. Dies geht auf Kosten der breiten Öffentlichkeit, der zukünftigen Generationen und der Natur.
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Biodiversität am Sterben
Vieles, was die Schweiz lebenswert und schön macht, ist in Gefahr! Die Biodiversität, also die Vielfalt unserer Natur, nimmt dramatisch ab. Mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz sind gefährdet. In den letzten 150 Jahren sind bei uns 255 Tierarten ausgestorben. Und das stille Artensterben geht weiter. Weitere 554 Arten sind vom Aussterben bedroht. Gründe sind neben dem Klimawandel vor allem der Verlust von Lebensräumen.
Politisch Gegensteuer geben
Wir wollen diesen Verlust von Natur und Landschaft nicht hinnehmen! Deshalb werden wir politisch aktiv. Dazu hat Pro Natura zusammen mit Birdlife Schweiz, dem Schweizer Heimatschutz und der Stiftung für Landschaftsschutz den Trägerverein «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» gegründet. Gemeinsam haben wir zwei Volksinitiativen erfolgreich mit je weit über 100'000 Unterschriften eingereicht:
- Die Landschaftsinitiative fordert strengere Regeln beim Bauen ausserhalb der Bauzone.
- Die Biodiversitätsinitiative fordert mehr Fläche mit einer Bewirtschaftung im Einklang mit der Biodiversität, mehr Schutzgebiete und mehr Gelder für die breitflächige Förderung von Biodiversität.
Mehr Informationen finden Sie auf den Webseiten der beiden Initiativen:
Der Handlungsbedarf für die Biodiversität in der Schweiz und besonders im Kulturland ist gross
An der Medienkonferenz des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) wurde ein Thesenpapier eines einzelnen Biologen vorgestellt. Dieses enthält Thesen und Schlussfolgerungen, die einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht Stand halten:
Tatsache ist, dass Wissenschaft, Bundesrat und Verwaltung für die Sicherung der Biodiversität in der Schweiz einen grossen Handlungsbedarf nachweisen und dass dieser Handlungsbedarf im Kulturland besonders gross ist:
Bundesrat, Dezember 2022: «Umwelt Schweiz 2022»
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/publikationen-zum-umweltzustand/umwelt-schweiz-2022.html
Seite 84:
«Die Biodiversität steht in der Schweiz unter Druck. Fördermassnahmen zeigen zwar lokal Wirkung, doch die Biodiversität ist weiterhin in einem schlechten Zustand und nimmt weiter ab. Ein Drittel aller Arten und die Hälfte der Lebensraumtypen der Schweiz sind gefährdet. Die punktuellen Erfolge können die Verluste, welche vorwiegend auf mangelnde Fläche, Bodenversiegelung, Zerschneidung, intensive Nutzung sowie Stickstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge zurückzuführen sind, nicht kompensieren. ... Um die Leistungen der Biodiversität zu sichern, ist entschlossenes Handeln dringend notwendig.»
Seite 85/86
«Auf Landwirtschaftsflächen ist die Biodiversität dagegen in einem sehr schlechten Zustand, insbesondere wegen übermässiger Stickstoffeinträge, des Einsatzes von Pestiziden und des Eliminierens von Gebüschen, Steinhaufen oder anderen Klein- und Randstrukturen.»
«Auch das Sömmerungsgebiet wird in gut erschlossenen Gebieten teilweise intensiver genutzt – zum Nachteil der Biodiversität.»
BAFU, 22.5.2023: Gefährdete Arten und Lebensräume in der Schweiz
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/gefaehrdete-arten-schweiz.html
«Insgesamt ergibt sich für 47 % der untersuchten Arten in der Schweiz ein Handlungsbedarf für Artenschutz- und Artenförderungsmassnahmen.» (Ausgestorbene und gefährdete Arten 35% plus potenziell gefährdete Arten 12%)
«Die Hauptgründe für die Gefährdung sind die Zerstörung von Lebensräumen, die abnehmende Lebensraumqualität sowie die kleinen Verbreitungsgebiete.»
«Der Anteil gefährdeter Arten ist im intensiv genutzten Mittelland am höchsten und in den östlichen Zentralalpen am niedrigsten.»
Der Schweizer Bauernverband SBV hat im letzten Jahr gegen den indirekten Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative lobbyiert. In der Sommersession 2024 hat sich der SBV gegen die Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Ackerbaugebiet eingesetzt, obwohl eine Studie von Agroscope belegt, dass die BFF wichtig wären für die schwer unter Druck geratene Biodiversität im Ackerbau.
Agroscope, 19.4.2021: Zustand der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft
https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/aktuell/newsroom/2021/04-19_all-ema.html
«In tieferen Zonen (Tal- und Hügelzone) zeigten – mit Ausnahme der Artenvielfalt der Brutvögel – alle Hauptindikatoren den tiefsten Wert für den Zustand der Arten- und Lebensraumvielfalt. Etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahmen die grossen Biodiversitätsverluste in der Agrarlandschaft mit der Intensivierung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ihren Anfang und sind besonders in den tieferen Zonen weit fortgeschritten.»
Der Bauernverband spricht von einem Miteinander statt Gegeneinander. Das tun die Naturschutzorganisationen bereits, indem sie mit Bauernfamilien in einigen sehr erfolgreichen Projekten zusammenarbeiten und zusammen viel für die Biodiversität erreichen. Die Biodiversitätsinitiative zielt darauf ab, diese positiven Beispiele von Schutz und Nutzen in der ganzen Schweiz zu fördern. Dies gilt für alle Sektoren.
Das JA zur Biodiversitätsinitiative sichert die Qualität auf bestehenden Flächen und den erforderlichen Schutz unserer Lebensgrundlagen auch für die künftigen Generationen.
Kontakt
- Pro Natura: Stefan Kunz, Abteilungsleiter Politik & Internationales, @email, 079 631 34 67
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, [email protected], 076 304 43 58
- Biodiversitätsinitiative: Manuel Herrmann, Medienstelle, [email protected], 078 765 61 16
Biodiversitätsinitiative
Die Schweiz unternimmt zu wenig für den Erhalt unserer Natur und damit unserer Lebensgrundlagen. Darum unterstützt ein breites Bündnis von Organisationen des Natur- und Umweltschutzes, der Landwirtschaft, der Fischerei, der Schweizer Pärke und des Landschaftsschutzes die Biodiversitätsinitiative.
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Website der BiodiversitätsinitiativeWillkommen im Naturgarten
Stellen Sie sich vor, Sie legen sich in den Schatten einer Baumkrone. Ihre Finger gleiten durch weiche Gräser, ein sanfter Windstoss raschelt durch die Blätter, Sonnenstrahlen kitzeln Ihre Nase und eine Vogelstimme zwitschert im Grün. Solche Momente verbinden uns mit der Natur und wirken sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Insbesondere im stressigen Alltag sind solche Naturerlebnisse wichtig. Doch ein Blick in unsere Städte zeigt: Die Natur im Siedlungsraum gerät zunehmend unter Druck. Und damit verlieren wir nicht nur eine Quelle des Wohlbefindens, sondern wertvollen Lebensraum für heimische Tier- und Pflanzenarten.
Jeder Quadratmeter zählt
Seit 2017 schrumpfen die Grünflächen in städtischen Gebieten jährlich um rund ein Prozent, wie das Monitoringprogramm «Landschaftsbeobachtung Schweiz» (LABES) des Bundes zeigt. Hauptverantwortlich dafür ist die Bautätigkeit, die Lebensräume zerschneidet, Böden versiegelt und die Biodiversität belastet. Verdichtet wird heute vorwiegend in die Breite statt in die Höhe, wodurch bestehende Grünräume stark unter Druck kommen. Verbleibende Grünflächen werden nicht nur kleiner, sondern auch stärker voneinander isoliert. Zusätzlich nimmt die Qualität vieler Freiräume ab: Wichtige Strukturen wie alte Bäume und Nischen in alten Gebäuden gehen verloren, während neue Flächen oft eintönig und mit nicht heimischen Arten gestaltet werden.
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Nathalie Rutz
Doch das Potenzial, diesem Trend entgegenzuwirken, ist enorm. Zusammengenommen entsprechen die Gärten der Schweiz einer Fläche von 97 300 Tennisplätzen. Jeder naturnahe Garten trägt zu einem lebendigen Mosaik für die Natur bei. Je besser diese Naturinseln vernetzt sind, desto wertvoller wird der Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Vom Garten zum Naturgarten
So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die Ansprüche an ihre Gärten: Manche geniessen einen Rückzugsort im Grünen, andere verbringen viel Zeit mit der Pflege ihrer Staudenbeete. Auch die Gestaltung ist geprägt von den jeweiligen Vorlieben und reicht von geometrischen Formen bis zu wilden Hecken. All diese Überlegungen können auch in die Gestaltung eines Naturgartens einfliessen. Entscheidend ist, ihn so zu planen, dass Tiere und Pflanzen einen passenden Lebensraum finden.
Um eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen in den Garten einzuladen, ist eine breite Palette an Standortbedingungen eine wichtige Grundlage, denn nicht alle gedeihen unter denselben Voraussetzungen oder fühlen sich in derselben Umgebung wohl. Manche mögen es mager, andere nass, sandig oder schattig. Je mehr solch unterschiedliche Bedingungen in einem Garten vorhanden sind, desto besser ist die Basis für eine grosse Vielfalt an Wildpflanzen. Standortgerechte Wildpflanzen sind besonders wertvoll, da sie die passende Nahrung für einheimische Tiere liefern. Unterschiedliche Versteckmöglichkeiten wie Ast- und Laubhaufen, Trockenmauern oder Tümpel bieten Käfern, Raupen, Libellen und Co. ausserdem ein Zuhause, dienen ihnen als Versteckmöglichkeiten, Sonnenplatz, Kinderstube und Jagdrevier. Zum Schutz der Tiere sollten Sie die Lichtverschmutzung so gut wie möglich reduzieren, andere Fallen wie offene Kellerschächte zudecken und tierschonende Gartengeräte verwenden. Pestizide und Torf haben im Naturgarten nichts verloren. Unter diesen Bedingungen kann jeder Garten zur Wohlfühloase für Mensch und Natur werden.
Haben Sie Lust bekommen, direkt loszulegen? Unser Naturgarten-Newsletter liefert Ihnen regelmässig Tipps, mit denen Sie Ihren Garten in eine blühende Oase für Mensch und Natur verwandeln können.
Die Testphase beginnt
Wir helfen Ihnen dabei, Ihren Garten in eine Naturoase zu verwandeln. Im April 2025 begann die Testphase von BONJOUR NATURE. In ausgewählten Kantonen (Liste siehe unten in der Hinweisbox) finden Beratungen, Zertifizierungen und Veranstaltungen rund um das Thema Naturgarten statt. Unsere fachkundigen Beraterinnen und Berater beantworten Ihre Fragen zur Naturförderung in Gärten – bei Bedarf kommen sie auch zu Ihnen in den Garten. Wer gar nicht so recht weiss, was ein Naturgarten eigentlich ist, kann in den «Offenen Schmetterlingsgärten» inspirierende Beispiele entdecken. Diese Schaugärten laden nicht nur zum Staunen ein, sondern bieten auch Raum für Austausch und neue Ideen. Nach einer sorgfältigen Zertifizierung belohnen wir naturnahes Gärtnern mit der Pro Natura Schmetterlings-Plakette. Sie macht das Engagement für mehr Natur im Siedlungsraum sichtbar – ein Zeichen für gelebten Naturschutz direkt vor der Haustür.
Wichtiger Hinweis: Die Testphase findet in den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg, Genf, Neuenburg, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Thurgau und Zürich statt. Wenn Sie in einem dieser Kantone wohnen, können Sie die Naturgarten-Angebote bereits in diesem Jahr nutzen. Alle Details finden Sie auf der Website der Pro Natura Sektion Ihres Kantons. Ab 2026 soll das Angebot schweizweit realisiert werden.
NATHALIE LEUTENEGGER ist bei Pro Natura verantwortlich für die Kommunikation des Projekts BONJOUR NATURE.
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Kooperation: Museum der Kulturen und Ballenberg
Pro Natura Mitglieder profitieren
Museum der Kulturen Basel
Das Museum der Kulturen Basel zeigt in der Ausstellung «Alles lebt – mehr als menschliche Welten», wie die Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Mitwelt neu gedacht und geknüpft werden können. In Kooperation mit Pro Natura dreht sich am Familientag am 24. August 2025 alles um das Leben der Bäume. Geheimnisse werden gelüftet, Lieder gesungen und im Baumatelier bäumig gebastelt.
Der Eintritt für Familien ist gratis. Pro Natura ist mit einem Stand vertreten, an dem Informationen zu Naturschutz und Biodiversität in der Schweiz vermittelt werden.
Vergünstigung: Profitieren Sie bis Ende 2026 als Pro Natura Mitglied von vergünstigten Eintrittspreisen: Zwei Personen bezahlen zusammen nur einen Eintritt, wobei nur eine der beiden Personen einen Pro Natura Mitgliederausweis benötigt.
Erfahren Sie mehr über den Familientag – Das Leben der Bäume am 24. August 2025.
Freilichtmuseum Ballenberg
Wer noch mehr Museumsluft schnuppern will und dabei doch draussen sein möchte, dem sei das Freilichtmuseum Ballenberg empfohlen, das sich dieses und nächstes Jahr schwerpunktmässig mit dem Thema Biodiversität befasst.
Vergünstigung: Alle Pro Natura Mitglieder erhalten bis Ende 2026 25 % Rabatt auf den regulären Eintrittspreis: Mitgliederausweis an der Kasse vorweisen oder beim Kauf der Billette im Ballenberg-Shop den Code «ProNatura2526» angeben
Erfahren Sie mehr über die Jahresausstellung zum Thema Biodiversität
Wenn die Natur die Stadt zurückerobert
«Sind Flächen zur Förderung der Biodiversität in der Stadt gut verteilt und zahlreich vorhanden, können sie sehr positiv wirken, selbst wenn sie klein sind», sagt Stéphanie Chouleur, Geschäftsführerin von Pro Natura Freiburg und Leiterin des Projekts «Aufwertung der Freiflächen im Siedlungsraum».
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Pro Natura Freiburg
- Im Quartier Pérolles wurde im Rahmen des Projektes eine Blumenwiese ausgesät.
In Städten sind viele Biotope und mit ihnen Arten verloren gegangen. Qualitativ hochwertige Grünflächen geben Flora und Fauna nun ihren Lebensraum zurück und leisten gleichzeitig unschätzbare Dienste: Die Naturflächen in der Stadt nehmen beispielsweise Regenwasser auf, filtern es und speichern es im Untergrund. Sie reinigen die Luft, binden Kohlendioxid und regulieren die Temperatur. Im Freiburger Stadtteil Pérolles hat Pro Natura Freiburg die Grün- und Freiflächen qualitativ untersucht und Verbesserungsmassnahmen zur Erhöhung der Biodiversität vorgeschlagen. «Die Wahl fiel auf ein jüngeres Quartier, das über viele Flächen mit Aufwertungspotenzial verfügt. Dieses Projekt sollte als Beispiel für andere Stadtteile dienen», sagt Stéphanie Chouleur.
Ein Mitmachprojekt …
Dank der Zusammenarbeit zwischen der Stadt Freiburg, den beiden Vereinen Habiter Pérolles und Fribourg pour le Climat, der Botzet-Schule und Pro Natura Freiburg konnten im Rahmen des Projektes «Biodiversität im Siedlungsraum» ab 2019 erste Massnahmen umgesetzt werden. Unter anderem säten die Beteiligten eine Wildblumenwiese an, pflanzten Sträucher und werteten eine Terrasse im Domino-Park mit Baumstämmen auf. Das partizipative Projekt ermöglichte der Quartierbevölkerung, einen aktiven Beitrag zur Verbesserung ihres Lebensraums zu leisten. Ihre Rückmeldungen sind sehr positiv.
Von 2021 bis Ende 2023 verbreitete Pro Natura Freiburg in der Agglomeration von Freiburg einen Aufruf an private und öffentliche Grundeigentümerinnen und -eigentümer, ihr Land zugunsten der Biodiversität aufzuwerten. Daraufhin konnte die Sektion 35 Privatgrundstücke respektive Einzeleigentümer beraten, ebenso zwei Gemeinden (Givisiez und Corminboeuf), fünf Stockwerkeigentümergemeinschaften und eine Verwaltung. «Zudem haben wir 22 Aufwertungskonzepte für interessierte Eigentümer erarbeitet, die Grundstücke mit grossem Potenzial besitzen», so Chouleur. Sechs Projekte wurden bereits ausgeführt und bei den anderen laufen derzeit Gespräche über eine baldige Realisierung.
… auf Erfolgskurs
Aufgrund des Erfolgs und des Interesses der privaten Eigentümerinnen und Eigentümer hat die Sektion jetzt beschlossen, das Projekt bis ins Jahr 2028 weiterzuführen. Die 13 noch in Diskussion befindlichen Aufwertungskonzepte sollen im Jahr 2025 weiter betreut und möglichst bald konkretisiert werden.
Die Zusammenarbeit mit Privaten hat den Vorteil, dass sich die Massnahmen flexibel und rasch umsetzen lassen. «Und die Vielfalt an Möglichkeiten, die sich aus der grossen Anzahl an Privatgrundstücken ergibt, macht es einfacher, die aufgewerteten Flächen miteinander zu vernetzen», sagt Stéphanie Chouleur. Die privaten Grundeigentümer und -eigentümerinnen erhalten im Gegenzug finanzielle Unterstützung im Umfang von bis zu 50 Prozent der Realisierungskosten. Die Massnahmen zur Förderung der Biodiversität reichen vom Anlegen einer Wildblumenwiese über das Einrichten von Sandlinsen für Wildbienen, die Pflanzung von Hecken aus einheimischen Arten bis hin zur Schaffung von Kleingewässern (Feuchtzonen).
Ab 2026 sollen die Massnahmen in Zusammenarbeit mit Landschaftsgärtnerinnen und -gärtnern umgesetzt werden. Das Projekt wird ausgeschrieben und interessierte Berufsleute können sich bewerben, um «Landschaftsgärtner von Pro Natura Freiburg» zu werden. Die Bewerbung muss ein Umsetzungskonzept für eine oder mehrere der vorgeschlagenen Massnahmen enthalten. Ein mit der Projektbegleitung beauftragter Biologe wird die eingereichten Konzepte beurteilen, um sicherzustellen, dass die Vorhaben den definierten Kriterien der Sektion und den Bedürfnissen der vorkommenden Arten entsprechen. «Die Weiterbildung von Landschaftsgärtnerinnen und -gärtnern im Bereich Biodiversitätsfördermassnahmen ist ein wichtiger Teil unseres Projekts und wir freuen uns, weitere Schritte in diese Richtung zu machen», sagt Stéphanie Chouleur.
Von FLORENCE KUPFERSCHMID-ENDERLIN, redaktionelle Leiterin der französischsprachigen Ausgabe des Pro Natura Magazins
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
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«Es braucht dringend einen Kurswechsel»
Pro Natura Magazin: Welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten zwei Jahren von Albert Rösti im Bundesrat?
Urs Leugger-Eggimann: In den Umweltdossiers war sein Einfluss deutlich zu spüren. Natürlich gibt es auch Bereiche, in denen er die Arbeit seiner Vorgängerin Simonetta Sommaruga weitergeführt hat, besonders was die Förderung der erneuerbaren Energien betrifft. Hier können wir seine Position bis zu einem gewissen Grad unterstützen. Viel problematischer sind aber die Projekte, die er nach seinem Einzug in den Bundesrat selbst angestossen hat.
An was denken Sie dabei?
Zum Beispiel an seine Öffnungsbemühungen gegenüber der Atomenergie, die völlig kontraproduktiv sind, weil sie zu Unsicherheiten im Bereich der Förderung erneuerbarer Energien führen. Und natürlich denke ich auch an den tiefen Stellenwert, den er der Erhaltung und der Förderung von Natur und Biodiversität beimisst.
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Liegt hier das grösste Problem?
Ja, denn er erkennt nicht, dass die Klimaveränderung und der Artenschwund miteinander verbunden sind und nur gemeinsam gelöst werden können. Die Förderung erneuerbarer Energien geschieht allzu oft auf Kosten der Biodiversität, die als vernachlässigbare Grösse betrachtet wird. Ein weiteres Problem ist, dass Bundesrat Rösti im Rahmen der Kampagne zur Biodiversitätsinitiative immer betont hat, die geltenden gesetzlichen Grundlagen und die zur Verfügung gestellten Finanzmittel würden ausreichen, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Aber das ist falsch, was übrigens auch von vielen Wissenschaftlern und Expertinnen der Bundesverwaltung bestätigt wird. Der im November 2024 vom Bundesrat verabschiedete Aktionsplan, der in der Kampagne immer wieder erwähnt wurde, erweist sich eher als Untätigkeitsplan.
Albert Rösti ist auch für sein Wolfsmanagement heftig kritisiert worden ...
Er hat zu stark und zu schnell reagiert. Die neue Verordnung, die seit Februar 2025 in Kraft ist, bringt zwar ein paar Verbesserungen, aber sie sind minimal. Bundesrat Rösti betrachtet die Wölfe als Bedrohung und sieht nur die Probleme, die sie verursachen können. Er sollte sich mehr für den Nutzen und die Stellung der Wölfe im Ökosystem interessieren – im Wissen, dass ihre Rückkehr auch grosse Herausforderungen mit sich bringt.
Blicken Sie mit Sorge auf seine nächsten Jahre in der Regierung?
Wenn er die Linie seiner ersten beiden Amtsjahre beibehält, dann ist das problematisch. Es braucht dringend einen Kurswechsel, eine klare Ausrichtung zugunsten von Natur, Biodiversität und Umwelt. Wir hoffen, dass wir ihm aufzeigen können, wie notwendig das ist. Unsere Kinder und Enkelkinder sind auf eine intakte und vielfältige Natur und Umwelt als Lebensgrundlage angewiesen. Und selbst führende Wirtschaftsunternehmen nennen unterdessen Klimawandel, Umweltzerstörung und Biodiversitätsverlust unter den zehn grössten Risiken für eine prosperierende Wirtschaft und Gesellschaft. Solche Erkenntnisse erhoffen wir uns zukünftig als Leitlinien für das Wirken unseres Umweltministers.
Von Tania ARAMAN, Redaktorin der französischsprachigen Ausgabe des Pro Natura Magazins
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Der Umweltminister, der nicht immer für die Umwelt einsteht
Der ehemalige Präsident von Swissoil und Auto Schweiz an der Spitze des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek)? Der Aufstieg von SVP-Politiker Albert Rösti zum Vorsteher des Uvek Anfang 2023 weckte in Natur- und Klimaschutzkreisen grosse Befürchtungen. Aus Angst, dass die Öl- und Autolobby dadurch einen direkten Draht in die Landesregierung erhält, haben die Grünen Schweiz sogar die Onlineplattform «Detec Watch» ins Leben gerufen, um die Arbeit des neuen Bundesrats zu überwachen.
Welche Bilanz lässt sich nach mehr als zwei Jahren unter dem Regime von Albert Rösti ziehen? Ende 2024 zeigte eine Sotomo-Umfrage, dass die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Berner für den einflussreichsten und sympathischsten Kopf im Siebnergremium halten: «Es stimmt, dass er sehr präsent und zugänglich ist und auch ein Talent für persönliche Kontakte hat», meint Christina Bachmann-Roth, Präsidentin der Mitte- Frauen Schweiz. Sie hat sich für die Biodiversitätsinitiative engagiert und ist der Ansicht, dass man Bundesrat Rösti noch etwas Zeit lassen sollte, bevor man über ihn urteilt.
Allerdings kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich Albert Rösti seit seinem Amtsantritt als Bundesrat kaum für die verschiedenen Umweltbelange eingesetzt hat. Das bringen auch die für diesen Artikel befragten Gesprächspartnerinnen und - partner zum Ausdruck, wobei einige kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um die Beurteilung der Arbeit dieses Bundesrats geht.
«Er verkauft lieber Träume»
Ende 2023 erliess Albert Rösti eine neue Jagdverordnung, die es erlaubt, einzelne Wölfe und ganze Rudel präventiv abzuschiessen, bevor sie einen Schaden an den Herden angerichtet haben. Obwohl die Umweltorganisationen den Prozess bremsen konnten, indem sie von ihrem Beschwerderecht und dessen aufschiebender Wirkung Gebrauch machten, wurden zwischen Dezember 2023 und Januar 2024 etwa 50 Wölfe getötet und mindestens zwei ganze Rudel ausgelöscht.
«Das Traurigste an der Geschichte ist, dass diese Lösung allein nicht hilft, den Druck auf die Herden zu verringern», sagt Isabelle Germanier, die Westschweizer Geschäftsführerin der Gruppe Wolf Schweiz. «Albert Rösti wüsste das, wenn er nur eine einzige Studie zu diesem Thema gelesen hätte. Aber er hört nicht auf die Wissenschaft, sondern verkauft den Nutztierhaltern lieber Träume und erzählt ihnen, was sie hören wollen. Auf Initiative von Bundesrat Rösti wurden Dutzende von Wölfen erlegt. Er setzt sich sogar über die Entscheidungen seines eigenen Departements hinweg: Wenn die Biologen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten eine Abschussgenehmigung verweigern, interveniert er persönlich, um die Sache umzukehren.» Tatsächlich kam es laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» von Oktober 2024 zwischen Albert Rösti, dem Walliser Staatsrat Frédéric Favre und der Bafu-Direktorin Katrin Schneeberger zu einem informellen Treffen, in dessen Folge das Amt die Zahl der im Kanton Wallis zum Abschuss freigegebenen Wolfsrudel nach oben korrigierte.
Isabelle Germanier kritisiert dieses Vorgehen und ruft in Erinnerung, dass Albert Rösti den Tierhalterinnen und -haltern zwar eine Freude macht, wenn er die proaktive Regulierung des Wolfs erlaubt. Gleichzeitig «sägt er aber am Ast, auf dem sie sitzen, wenn er aus dem nationalen Programm für Herdenschutzhunde aussteigt – ein Programm, das bei vielen anderen Ländern auf Bewunderung stösst. Wenn es einen Bereich gibt, in dem man proaktiv sein sollte, dann ist es der Herdenschutz!»
Isabelle Germanier wirft dem Bundesrat auch vor, gegen den Willen des Volkes zu handeln. «Mit der Ablehnung des revidierten Jagdgesetzes im Jahr 2020 hat sich das Schweizer Volk gegen die präventive Regulierung ausgesprochen. Und drei, vier Jahre später kommt die Frage durch die Hintertür wieder auf den Tisch.»
Christina Bachmann-Roth, Präsidentin der Mitte-Frauen, erinnert daran, dass die Wolfspopulation seit der Ablehnung des Bundesgesetzes über die Jagd zugenommen hat: «Wenn der Wolf bleiben soll, ist es trotzdem notwendig, seine Bestände zu regulieren. Herr Rösti hatte gute Gründe zu handeln, aber die Umsetzung muss anschliessend auf kantonaler Ebene gut verhandelt werden.»
«Er setzt sich über Erkenntnisse hinweg»
Im letzten September erlitten die Umweltorganisationen mit dem Scheitern der Abstimmung über die Biodiversitätsinitiative einen herben Rückschlag. «Die Desinformationskampagne von Albert Rösti hat zur Ablehnung der Vorlage beigetragen», sagt Raphaël Arlettaz, Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Bern. «Ähnlich wie die populistischen Bewegungen, die auf der ganzen Welt am Erstarken sind, setzt sich Herr Rösti über wissenschaftliche Erkenntnisse hinweg, besonders wenn sie seinen politischen Interessen entgegenstehen.»
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Dazu ein Beispiel: Albert Rösti erklärte einmal nach seiner Rückkehr aus dem Berner Oberland, er habe keine negative Entwicklung bei den Schmetterlingsbeständen festgestellt. «Wenn ein Minister auf höchster Ebene ein kleines persönliches Erlebnis heranzieht, um seine These zu belegen, trägt er zur Zerstörung eines ganzen, sorgfältig aufgebauten Wissenssystems bei.»
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Biodiversitätsinitiative
Der Biologe verweist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Brandolini-Gesetz, wonach es viel mehr Zeit und Energie kostet, einen Blödsinn zu widerlegen, als ihn zu verkünden. «Man sollte von Herrn Rösti als Umweltminister erwarten können, dass er uns die objektiven Fakten präsentiert und klarmacht, dass es sich bei der Biodiversitätskrise um eine ernste Angelegenheit handelt, in der Schweiz und auch anderswo. Tatsächlich hat er das Problem aber immer wieder heruntergespielt, so wie er zuvor schon die Klimakrise verharmlost hat – und immer noch verharmlost.»
Raphaël Arlettaz weist zudem auf die Unzufriedenheit hin, die er seit Albert Röstis Wahl zum Bundesrat innerhalb des Bafu wahrnehme. «Nahezu alles, was in den letzten Jahrzehnten unermüdlich aufgebaut wurde, um unsere Umwelt zu erhalten, wird nun abgebaut, insbesondere im Bereich Artenschutz.» Arlettaz bedauert, dass die Schweiz, die in Sachen Umweltschutz lange als Vorreiterin galt, nun aber international ins Hintertreffen gerät, insbesondere im Bereich Biodiversität.
«Natürlich ist Herr Rösti nicht allein dafür verantwortlich: Es liegt auch an der Politik des Parlaments, das in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolgt. Fakt ist, dass wir uns im Rückwärtsgang befinden.»
Und daran dürfte auch der im November 2024 vom Bundesrat verabschiedete neue Aktionsplan Biodiversität nichts ändern. «Er geht nicht weit genug», meint Christina Bachmann-Roth. «Während der Kampagne zur Biodiversitätsinitiative wies Albert Rösti wiederholt auf den zukünftigen Aktionsplan hin, um das Nein zu rechtfertigen. Doch für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen braucht es eindeutig mehr Massnahmen. Vielleicht muss man Herrn Rösti aber noch etwas Zeit zum Handeln lassen.»
«… konnte die Mehrheit nicht überzeugen»
Das von Albert Rösti unterstützte Projekt zum Ausbau der Autobahnen: abgelehnt! Für Nationalrätin Brenda Tuosto (SP/VD) ist das Abstimmungsergebnis vom 24. November 2024 bezeichnend: «Es offenbart eine deutliche Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und der vom Bundesrat vertretenen Lösung. Vor dem Hintergrund der Budgetkürzungen spielte zwar auch das finanzielle Argument eine Rolle – immerhin verlangte man vom Volk die Freigabe von fünf Milliarden Franken –, doch die Pendlerinnen und Pendler haben erkannt, dass der Vorschlag von Herrn Rösti ihren Alltag nicht verbessert.» Auch Christina Bachmann-Roth meint, dass der Bundesrat die Frauen zu wenig in seine Kommunikation während der Kampagne und bei der Ausarbeitung des Entwurfs einbezogen habe und «eine Lösung vorgeschlagen hat, die die Mehrheit nicht überzeugen konnte».
Brenda Tuosto, im Gemeinderat von Yverdon-les-Bains unter anderem für Mobilität zuständig, befürwortet den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, namentlich der Bahninfrastruktur. Doch im September 2024 kündigte der Bundesrat im Rahmen seines Entlastungspakets für den Bundeshaushalt überraschend an, die Finanzierung der Nachtzüge einzufrieren. «Diese Subventionierung ist aber im neuen CO2-Gesetz, das im Juni 2023 angenommen wurde, festgeschrieben», empört sich die Nationalrätin aus Yverdon. Sie hat deshalb bei den Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments eine Beschwerde gegen den Beschluss mit eingereicht. «Wir dürfen nicht vergessen, dass die Nachtzüge eine umweltfreundliche Alternative zum Flugverkehr sind.» Inzwischen tragen eine Petition der Grünen und ein offener Brief der Organisation Umverkehr zumindest teilweise Früchte: Der Bundesrat hat die Sperrung von zehn Millionen Franken für die Förderung der geplanten Nachtzuglinien nach Rom und Barcelona aufgehoben. Allerdings bildet die Subventionierung dieses Transportmodells noch immer Teil des Sparpakets, weshalb die Finanzierung ab 2027 ungewiss ist.
Brenda Tuosto räumt ein, dass Albert Rösti offenbar ein Bewusstsein dafür hat, wie wichtig es ist, den Schienenverkehr auszubauen, insbesondere in der Westschweiz, dem Stiefkind des neuen SBB-Fahrplans. «Aber dieses Bewusstsein muss auch in konkrete Massnahmen münden.»
«Es gibt eine Art Blindheit»
«Albert Rösti kümmert sich weit weniger um die Beschleunigung der Energiewende als um die Wolfsfrage», ärgert sich Nationalrat Christophe Clivaz (Grüne/VS). Als Beispiel nennt er das Fehlen eines Fahrplans in Sachen Energiesparmassnahmen, obwohl hier laut Behördenberichten beträchtliches Potenzial besteht. Ein weiteres Beispiel ist die Verzögerung in der Umsetzung des Klimagesetzes. «In den Budgetdebatten konnte man beobachten, wie sich andere Bundesräte für ihr eigenes Departement ins Zeug legten, während Herr Rösti offenbar kein Problem damit hatte, dass man einen Teil der vorgesehenen Gelder für die Umsetzung des Klimagesetzes schon vor dessen Inkrafttreten kürzte, insbesondere was den Ersatz fossiler Heizungen betrifft.» Christophe Clivaz findet es falsch, dass Bundesrat Rösti stattdessen lieber in den Bau von Reserve-Gaskraftwerken investiert, die dem Klima schaden würden, sollten sie tatsächlich in Betrieb gehen.
Ist es also zumindest teilweise Albert Rösti zuzuschreiben, dass die Schweiz im Klima-Ranking 2025 zwölf Plätze zurückgefallen ist? «Herr Rösti legt sicher kein schnelles Tempo vor, um die nötigen Massnahmen umzusetzen. Aber da ist er nicht der Einzige, auch das Parlament tritt bei diesem Thema auf die Bremse.» Christophe Clivaz wundert sich darüber, wie Albert Rösti und der restliche Bundesrat sowie einige Ständeräte reagiert haben, als die Schweiz vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen ihrer Untätigkeit im Klimaschutz verurteilt wurde. «Es gibt eine Art Blindheit oder ein Nicht-wahrhaben-Wollen in Bezug auf die schlichte Tatsache, dass unser Land keine ausreichenden Massnahmen ergreift, um die Ziele zu erreichen, die es sich selbst gesetzt hat.»
«… lieber zuerst nachfragen …»
Aber der grösste Paradigmenwechsel, der uns von Albert Rösti aufgezwungen wird, ist natürlich die Rückkehr zur Atomenergie. Zur Erinnerung: 2017 hat das Volk einem schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie zugestimmt. Mit seinem Gegenvorschlag zur Volksinitiative ‹Blackout stoppen› des Energie-Clubs Schweiz will Bundesrat Rösti das Bauverbot für neue Atomkraftwerke kippen. In diesem Bereich macht sich sein Einfluss deutlich bemerkbar.»
Eine Meinung, die auch Christina Bachmann-Roth teilt: «Bei Herrn Rösti beobachtet man einen Ankündigungseffekt. Bevor er sich äussert, sollte er lieber im Volk und bei den Unternehmen nachfragen, ob sie wirklich in die Atomenergie investieren wollen.»
TANIA ARAMAN, Redaktorin der französischsprachigen Ausgabe des Pro Natura Magazins
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Vergleichsstudie: Schweiz bei Bekämpfung der Biodiversitätskrise auf dem letzten Platz
Vom 25. bis 27. Februar findet in Rom die Fortsetzung der UNO-Biodiversitätskonferenz (COP16) statt. Zum Start der Konferenz hat WWF International eine Vergleichsstudie veröffentlicht, welche 22 der 46 bereits eingereichten nationalen Aktionspläne zur Bekämpfung des Artensterbens anhand verschiedener Kriterien beurteilt.
Fehlende Ambitionen, Massnahmen und Indikatoren
Der Schweizer Plan der Untätigkeit rangiert auf dem peinlichen letzten Platz – weit hinter Ländern mit viel weniger finanziellen Mitteln wie Surinam und Kolumbien, welche die vordersten Plätze belegen. Von den fünf bewerteten Bereichen liegt der Schweizer Plan überall unter dem Durchschnitt. Gerade in den Bereichen «Bestreben, den Biodiversitätsverlust zu stoppen», «Mittel zur Umsetzung» und «Fortschrittsüberprüfung» schneidet er mit 25 %, 17 % und 10 % äusserst schlecht ab. Gerügt wird vor allem, dass der Plan anstatt konkreter Massnahmen für die Arten und Lebensräume nur Studien und Berichte vorsieht sowie zu vielen der globalen Ziele keine Massnahmen und keine Indikatoren enthält. Zudem sind die Ziele nicht klar und messbar formuliert und die Finanzierung reicht bei weitem nicht. Das Resultat bestätigt, was die Schweizer Naturschutzorganisationen bereits bei der Verabschiedung des Plans letzten November kritisiert hatten: Mit diesem Aktionsplan wird unser Land weder die globalen noch die nationalen Ziele für die Biodiversität erreichen können. Er ist völlig ungenügend, um die stark bedrohte Artenvielfalt und damit die natürlichen Lebensgrundlagen der Schweiz für künftige Generationen zu erhalten.
Zitate:
Friedrich Wulf, Projektleiter internationale Biodiversitätspolitik Pro Natura: «Mit keinem Wort erwähnt der Schweizer Plan das übergeordnete Ziel, den Biodiversitätsverlust zu stoppen. Er ist in seinen Massnahmen sträflich ambitionslos.»
Thomas Wirth, Biodiversitätsexperte WWF Schweiz: «Ein Drittel aller Arten in der Schweiz sind bedroht. Die im Schweizer Aktionsplan vorgesehenen Studien und Analysen und die minimen finanziellen Mittel, werden keine einzige Art retten.»
Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz: «Fehlende Indikatoren beim letzten Schweizer Aktionsplan erlaubten es der Bundesverwaltung, die harsche Kritik der externen Wirkungsanalyse schönzufärben. Es ist absolut unverständlich, dass die Resultate der Wirkungsanalyse weder zu einem besseren neuen Aktionsplan noch zu klareren Indikatoren geführt haben.»
Weitere Informationen:
- Vergleichsstudie der nationalen Aktionsplänen Biodiversität von WWF International (NBSAP Tracker)
- Evaluationen der einzelnen Länder
- Beurteilung des Aktionsplans durch die Schweizer Naturschutzorganisationen
Kontakt:
- Pro Natura: Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, @email (nimmt an Konferenzfortsetzung in Rom teil)
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, Tel. 076 308 66 84, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Communication Advisor Coorporate Communications, Tel. 079 241 60 57, @email
- WWF International: Lin Li, Senior Director of Global Policy & Advocacy, @email
UNO-Biodiversitätskonferenz
Die Schweiz gehört zu den 196 Unterzeichnerstaaten der UNO-Biodiversitätskonvention, die sich zum Ziel gesetzt haben, das weltweite Artensterben bis 2030 zu stoppen. Dafür sollten die Staaten bis zur letzten UNO-Biodiversitätskonferenz (COP16), die im Dezember 2024 in Cali stattfand, nationale Aktionspläne einreichen. Da die Konferenz nicht alle Beschlussziele erreichte, werden vom 25. - 27. Februar in Rom wichtige Entscheidungen zur Finanzierung und zum Umsetzungsmechanismus der Aktionspläne nachgeholt.
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Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz/International, BirdLife Schweiz und Pro Natura
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Ein verborgenes Universum
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BETTINA EPPER, Co-Chefredaktorin Pro Natura Magazin
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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