Alles rund um den Naturgarten
Gärten unterscheiden sich so sehr wie ihre Besitzerinnen und Besitzer. Manche wünschen sich einen geschützten Sitzplatz, andere verbringen ihre Zeit gerne zwischen Stauden oder gestalten einen kindgerechten Bereich mit Sandkasten und Naschhecke. Eines haben alle Gärten gemeinsam: In jedem von ihnen, egal wie gross oder klein und wie intensiv genutzt, gibt es Platz für die Natur.
Wie sieht ein Naturgarten aus?
Die Natur ist darin nicht nur präsent, sondern spürbar lebendig. Statt eines perfekt geschnittenen Rasens breiten sich Wildblumen über eine farbenfrohe Wiese aus, während einheimische Sträucher dem Garten Struktur geben. Steinmauern, Asthaufen oder Sandflächen schaffen zusätzliche Lebensräume und bieten Gartenbesuchern wie Igeln oder Wildbienen einen Unterschlupf. Im Naturgarten sind die Jahreszeiten besonders erlebbar: Mal ist er saftig grün und leuchtend bunt, mal dezenter in warmen Brauntönen. Dank der natürlichen Dynamik und der Entwicklung der verschiedenen Naturgarten-Elemente verändert sich der Garten auch von Jahr zu Jahr. Diese Wandelbarkeit spiegelt den Lauf der Natur wider und hebt den Naturgarten deutlich vom konventionellen Garten ab.
Achten Sie in Ihrem Naturgarten im Wesentlichen auf die folgenden drei Prinzipien:
Augen auf bei der Pflanzenwahl: Setzen Sie auf einheimische, standortgerechte Wildpflanzen und verwenden Sie regionales Saatgut. Diese bieten einheimischen Tieren Nahrung und sind robust gegenüber Umwelteinflüssen. Meiden Sie invasive Neophyten.
Natürlich und gestaltet: Ein Garten ist immer gestaltet. Lassen Sie ganz bewusst der Natur und der Dynamik etwas Raum. Auch Naturelemente können ästhetisch ansprechend sein.
Tierfreundliche Pflege: Eine zurückhaltende Pflege ist im Naturgarten wichtig. Vermeiden Sie den Einsatz von Pestiziden und Torf. Nutzen Sie tierschonende Geräte und reduzieren Sie Lichtverschmutzung. Entschärfen Sie Fallen für Kleintiere und vermeiden Sie Barrieren.
Die Vielfalt macht’s aus: Die Vielfalt an Tieren basiert auf einer Abwechslung unterschiedlicher Bereiche im Garten: nass bis trocken, sandig bis steinig, schattig bis sonnig, nährstoffreich und -arm. An all diesen Standorten gedeihen unterschiedliche Pflanzen. Ergänzt mit Ast- und Laubhaufen oder Trockenmauern finden hier Käfer, Raupen, Igel und Co. ein Zuhause.
Als Neophyten bezeichnet man jene Pflanzen, die Menschen ab dem 16. Jahrhundert in fremde Gebiete einführten. Denn nachdem 1492 die europäischen Seefahrer zum amerikanischen Kontinent gelangten, begann eine Zeit, in der sich die Menschen immer häufiger von einem Kontinent auf einen anderen bewegten. Diese neuen Lebensräume wären von den Pflanzen auf natürliche Art und Weise nicht besiedelt worden.
Auf den ersten Blick wirken viele fremde Pflanzen schön und harmlos. Manche haben bunte Blüten, wachsen schnell und brauchen kaum Pflege. In einigen Fällen kann sich dies negativ auf die heimische Natur auswirken. Von den rund 750 Neophyten in der Schweiz verhaltet sich ein kleiner Teil invasiv. Diese Pflanzen wachsen schnell, brauchen viel Platz und nehmen den heimischen Pflanzen Licht, Wasser und Boden weg. Viele Tiere wie zum Beispiel Wildbienen, Käfer oder Schmetterlingsraupen brauchen jedoch einheimischen Pflanzen zum Leben, sie können ihren Speiseplan nicht einfach umstellen. Wenn einheimische Pflanzen von invasiven Neophyten verdrängt werden, verschwinden mit ihnen auch viele heimische Tiere.
Ob sich eine Pflanze invasiv verhält, zeigt sich meist erst nach vielen Jahren. Deshalb ist grundsätzlich Vorsicht mit allen Neophyten angebracht.
Mehr Informationen zum Umgang mit invasiven Neophyten im Garten finden Sie hier. (https://www.pronatura.ch/de/stopp-den-invasiven-gebietsfremden-pflanzen-im-garten)
Wie komme ich zu einem Naturgarten?
Ein Naturgarten verbindet Ästhetik mit ökologischer Vielfalt. Seine Gestaltung orientiert sich an natürlichen Lebensräumen. Verschiedene Elemente wie Bäume, Wiesen oder Kleinstrukturen tragen dazu bei, die Biodiversität zu fördern und schaffen Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig entsteht ein Ort der Ruhe und Erholung für uns Menschen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie sich Naturgarten-Elemente vielfältig umsetzen lassen.
Einfach starten: Diese Elemente lassen sich unkompliziert umsetzen und bringen schnell einen Mehrwert für die Natur. Oft reichen kleine Veränderungen, um wertvolle Lebensräume zu schaffen.
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Kleinstrukturen
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Claudio Büttler
- Drei von vier einheimischen Wildbienen-Arten nisten in selbstgegrabenen Gängen im Boden. Sandböden an besonnter Lage sind dementsprechend beliebt.
Ast-, Laub-, Gras- und Steinhaufen, Sandbeete oder stehendes Totholz sind wertvolle Kleinstrukturen, die Tieren Unterschlupf, Nistmöglichkeiten und Nahrung bieten. Sie werten naturnahe Lebensräume auf und lassen sich einfach sowie kostengünstig anlegen – oft mit Material die bei Gartenarbeiten anfallen wie Heckenschnitt oder alten Gartenplatten.
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Nisthilfen
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Daniel Rihs
Ein Naturgarten bietet viele natürliche Nistmöglichkeiten: Verblühte Pflanzen, die über den Winter hinaus stehen bleiben, Kleinstrukturen, vegetationsfreie und besonnte Stellen sowie Nischen in Steinmauern werden von vielen Tieren gerne als Brut- und Niststandort genutzt. Auch Vogelhäuser, Fledermauskästen oder Insektennisthilfen sind Möglichkeiten, bestimmten Tierarten ein Zuhause zu bieten. Damit die Nisthilfen genutzt werden, ist jedoch auch eine naturnahe Umgebung mit Nahrungsquellen und Unterschlüpfen wichtig. Profitieren Sie von Nisthilfen und nutzen Sie diese für spannende Tierbeobachtungen!
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Bäume
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Daniel Rihs
Bäume sind wahre Hotspots der Biodiversität. Sie bieten zahlreichen Organismen Lebensraum: Vögel, Insekten, Flechten, Pilze und Moose. Besonders alte, einheimische, grosse Bäume sowie Obstbäume sind von hoher Bedeutung für die Biodiversität. Bäume sind auch für unser Wohlbefinden wichtig. Sie strukturieren einen Garten, kühlen die Umgebung und filtern Staub aus der Luft. Lassen Sie alte Bäume so lange wie möglich stehen. Wenn Sie einen neuen Baum pflanzen, wählen Sie am besten einen einheimischen Laubbaum. Achten Sie dabei auf die spätere Grösse und die geltenden Grenzabstände. Auch für kleinere Gärten gibt es passende Arten wie eine Kornelkirsche oder eine Vogelbeere. Die meisten Bäume, auch Wildobst, benötigen kaum Pflege. Eine Ausnahme bilden Obstbäume und Kopfweide, welche pro Jahr einen Schnitt benötigen.
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Krautsaum
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Andrea Haslinger
Krautsäume sind hohe, krautige Vegetationsstrukturen entlang von Strassen, Mauern, Zäunen oder Hecken. Sie dienen als wichtige ökologische Vernetzungskorridore. Die Vegetation ist arten- und blütenreich und dient als Nahrungsquelle sowie Rückzugsort für viele Tiere. Lassen Sie die Vegetation entlang von Hecke, Garagenmauer oder Zaun mindestens 50cm breit wachsen, besser noch zwei Meter. Den Saum schneiden Sie nur alle zwei bis drei Jahre. Wenn Sie einen artenreichen Saum anlegen möchten, sollten Sie die Fläche neu anlegen und mit einer passenden Saatmischung einsäen.
Mit etwas mehr Zeit: Haben Sie mehr Zeit zur Verfügung und möchten neue Lebensräume in Ihrem Garten schaffen, die rasch erstellt sind und wenig Pflege brauchen, bieten sich folgende Möglichkeiten an:
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Ruderalfläche
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Andrea Haslinger
Ruderalflächen sind Flächen mit den Anfangsstadien der Vegetationsentwicklung – vom offenen Boden bis hin zu den ersten Gehölzen. Diese dynamischen Lebensräume sind für viele Insekten wichtig. Im Garten eigenen sich sonnige Standorte dafür. Bestehende Schotterbeete oder alte Sandkästen können Sie zu Ruderalflächen aufwerten, indem Sie kiesiges Material mit feinen Anteilen und grösseren Steinen einbringen und allfällige Folien entfernen oder zumindest durchlöchern. Für die Neuanlage von Ruderalflächen müssen Sie die bestehende Vegetation und die Humusschicht abtragen. Möchten Sie diese kiesige Fläche nicht der Spontanbegrünung überlassen, können Sie sie mit einer passenden Samenmischung für magere, trockene Standorte einsäen. In jedem Fall sollten Sie die Fläche beobachten und aufkommende invasive Neophyten vor dem Absamen ausreissen und fachgerecht entsorgen. Schneiden Sie die Vegetation der Ruderalfläche jährlich im Frühjahr vor dem Austrieb ab und entfernen Sie auch das Herbstlaub. Über die Jahre wächst die Fläche langsam zu.
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Unversiegelte Wege und Plätze
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Andrea Haslinger
Wege und Plätze mit einer versickerungsfähigen Deckschicht aus Kies oder Mergel sind Lebensraum für Spezialisten. Hier gedeihen trittverträgliche Pflanzen. Wildbienen und andere Insekten finden hier attraktive Nistmöglichkeiten. Unversiegelte Wege tragen zudem zur Vernetzung von Lebensräumen bei. Ein willkommener Nebeneffekt: Unversiegelte Plätze heizen sich im Sommer weniger auf, da Feuchtigkeit verdunsten kann.
Am einfachsten ist es, von Anfang an auf versiegelte Wege zu verzichten. Bereits versiegelte Flächen können Sie aufwerten, indem Sie sie zumindest am Rand entsiegeln. Lassen Sie nur die wirklich notwendigen Bereiche und Wege versiegelt. Entfernen Sie Verbundsteine von zu grossen Sitzplätzen oder breiten Gartenwegen und füllen Sie die entstandenen Lücken mit Kies. Wege und Flächen, die wenig genutzt werden, wachsen mit der Zeit ein. Im Herbst sollten Sie das Laub auf diesen Bereichen entfernen.
Mehr über die Aufwertung von versiegelten Flächen und die Anlage von Ruderalflächen erfahren
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Wildhecke
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Andrea Haslinger
Wildhecken sind arten- und strukturreiche lineare Gehölzstrukturen. Sie sind eng mit anderen Lebensräumen verzahnt und bieten von Frühling bis Herbst vielen verschiedenen Tierarten Unterschlupf, Nahrung und Nistmöglichkeit. Im Garten können wir Wildhecken als Sichtschutz und zur Strukturierung des Raums nutzen. Ersetzen Sie exotische Sträucher durch einheimische Arten und ergänzen Sie bestehende Hecken mit verschiedenen beerentragenden Wildpflanzen wie zum Beispiel Wildrosen. Lassen Sie Schnitthecken, wenn möglich, frei wachsen.
Wenn Sie eine Wildhecke neu anlegen, achten Sie darauf, dass genug Platz vorhanden ist (idealerweise zwei bis drei Meter). Wählen Sie verschiedene Gehölzarten, die gut zum Standort passen, Früchte tragen und bei Bedarf Sichtschutz bieten. Sobald sich die Wildhecke nach einigen Jahren etabliert hat, pflegen Sie sie jedes Jahr in kleinen Abschnitten, indem Sie stark wachsende Arten zurückschneiden. Aus dem Schnittmaterial können Sie Asthaufen für Tiere anlege.
Für Geduldige: Wer bereit ist, etwas mehr Aufwand zu betreiben und Geduld mitbringt, wird mit einer lebendigen und artenreichen Umgebung belohnt. Je nach Situation kann es sinnvoll sein, Fachpersonen in die Planung oder Umsetzung einzubeziehen.
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Wiese
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Matthias Sorg
- Wiese
Wiesen haben viele Gesichter. Ob feucht oder trocken, schattig oder sonnig – Wiesen gedeihen unter verschiedenen Bedingungen. Besonders artenreiche Wiesen gedeihen auf nährstoffarmen, gut besonnten Standorten, die nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten, die wiederum Nahrung für viele andere Tiere sind. Wir können uns im Sommer am vielfältigen Zirpen und Summen in einer Wiese erfreuen.
Mit der Zeit kann aus einem Rasen eine Wiese werden. Das klappt besonders gut bei älteren Rasenflächen, in denen bereits viele Kräuter wachsen und die an einem sonnigen Ort liegen. Lassen Sie die Pflanzen wachsen und mähen Sie nur noch ein- bis dreimal pro Jahr. Wenn Sie die Wiese vor dem Schnitt teilweise nutzen möchten, können Sie einzelne Wege hineinmähen. Das Schnittgut sollten Sie immer entfernen. Es eignet sich als Tierfutter oder als Material, um kleinen Wildtieren einen Unterschlupf zu bieten.
Besteht der Rasen nur aus wenigen Grasarten und Weissklee, lohnt es sich, die Fläche aufzuwerten oder neu anzulegen. Dazu können Sie Wildpflanzen einsetzen oder einzelne Streifen neu einsäen. Am schnellsten entsteht eine artenreiche Blumenwiese durch eine komplette Neuanlage: Entfernen Sie dafür die bestehende Vegetation und säen Sie den offenen Boden neu ein. Die Entwicklung zur Wiese dauert etwa drei Jahre. Danach reicht es, sie höchstens dreimal pro Jahr zu mähen – idealerweise in Abschnitten. Achten Sie bei der Neuanlage unbedingt auf die Qualität des Saatgutes.
Informationen finden Sie im Merkblatt Pro Natura Praxis Nr. 21: Zu bestellen im Pro Natura Shop
Oder bei SRF online die Tipps vom Gartenexperten: Der Weg zur biodiversen Wildblumenwiese
Sieben goldene Regeln für das Anlegen einer Wildblumenwiese: Naturschutz.ch
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Gewässer
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Daniel Rihs
Wasser ist die Quelle des Lebens, auch im Garten. Es muss nicht immer ein grosser Weiher sein, auch kleine Tümpel sind wichtige Lebensräume für Amphibien und Insekten. Sie werden von Vögeln und Kleinsäugern als Wassertränken genutzt. Am Wasser lassen sich unzählige spannende Naturbeobachtungen machen.
Einen Miniteich können Sie errichten, indem Sie ein dichtes Gefäss (zum Beispiel eine Mörtelwanne oder ein altes Spülbecken) ebenerdig einbauen, mit etwas Kies befüllen und eine Ausstiegshilfe aus grossen Steinen oder Holz anbringen. Dieser Tümpel trocknet im Sommer oft aus, befüllen Sie ihn daher bei Bedarf mit Wasser. Wenn Sie viel Platz im Garten haben und keine Kleinkinder in der Nähe sind, können Sie prüfen, ob ein grösserer Teich sinnvoll ist. Die Anlage eines grösseren Gewässers erfordert einiges an Planung und Erfahrung: Denn dieses sollte dicht sein und verschiedene Wassertiefen enthalten, damit sich der Pflegeaufwand in Grenzen hält. Informieren Sie sich am besten bei einer Fachperson. Achten Sie darauf, dass jedes Gewässer genügend Flachwasserbereiche oder zumindest eine Ausstiegshilfe hat. Verzichten Sie auf das Einbringen von Tieren, sei es Amphibienlaich oder Fische.
Worauf kann ich sonst achten, damit mein Garten zum Naturparadies wird?
Nachtaktive Insekten wie Falter werden von Licht magisch angezogen. Ihr Tanz um das Licht endet oft mit dem Erschöpfungstod. Aus Angst vor Feinden meiden zudem viele Tiere wie etwa Fledermäuse die beleuchteten Flächen. Andere wie das Glühwürmchen werden durch zu viel Licht für ihre Artgenossen unsichtbar.
Tipps, wie Sie mit einfachen Methoden auf unnötige Beleuchtung verzichten können, finden Sie auf den Internetseiten von Dark-Sky Switzerland oder Nachhaltig beleuchten. Wussten Sie, dass Sie mit smarter Beleuchtung die Umwelt schonen und gleichzeitig Geld sparen können? Erfahren Sie im Pro Natura Magazinartikel «Dunkler ist mehr und kostet weniger» mehr dazu.
Wildtiere müssen sich für den Nahrungserwerb, die Fortpflanzung oder das Aufsuchen von Verstecken möglichst gefahrlos bewegen können. Im Garten und rund ums Haus gibt es aber viele Barrieren und Fallen für Kleintiere.
Wie Sie Barrieren vermeiden und Fallen entschärfen, erfahren Sie hier Barrieren und Fallen für Kleintiere vermeiden | Pro Natura
Weitere Infos
Das Praxishandbuch «Stadtnatur – Biodiversität fördern in Schweizer Siedlungsraum» dient als handfeste Grundlage für alle, die selbst einen naturnahen Lebensraum im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse schaffen möchten.
Artenlisten: Hier finden Sie eine Liste der einheimischen, regionalen Baumarten, Wildsträucher sowie eine Auswahl an einheimischen, regionalen, attraktiven Wildpflanzen.