Progetti
Ein verborgenes Universum
Die Zahlen beeindrucken: Zwei von drei bekannten Arten leben im Boden, in nur einem Gramm Erde tummeln sich 2000 bis 18 000 Arten, darunter mikroskopisch kleine Einzeller wie Bakterien oder Amöben, über etwas grössere wie Nematoden oder Tausendfüsser bis hin zu Tieren, welche die meisten von uns schon öfter gesehen haben wie Regenwürmer oder Schnecken. Kommen Sie mit auf eine Reise in eine ganz besondere Welt!
Bakterien und Archaeen — klein, aber oho
Die Anzahl an mikroskopisch kleinen Lebewesen im Boden ist riesig. Die grösste Gruppe bilden Bakterien und Archaeen.
In einem Gramm Erde können über 100 Millionen Bakterien leben. Sie spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf des Bodens. Sie zersetzen organisches Material und setzen dabei Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Schwefel frei, die für die Pflanzen unerlässlich sind.
Arachaeen ähneln Bakterien, weisen aber auch Merkmale höherer Organismen sowie ganz einzigartige Eigenschaften auf. So kommen sie in sehr extremen Lebensräumen vor – bis hin zu Geysiren. Sie sind unter anderem beteiligt an der Umwandlung von Ammonium in Nitrat.
-
Keystone
- Pyrococcus furiosus archaea
Amöben — eine Zelle, viele Formen
Einzeller sind die kleinsten Bodenlebewesen, die sich vor allem in der feuchten Humusschicht finden. Zum Beispiel Amöben. Sie sind 0,005 bis 0,5 Millimeter winzig, haben eine wandelbare Gestalt und erbeuten Bakterien, Pilze, Algen oder organisches Material. Sie nehmen eine wichtige Rolle im Lebensraum Boden ein, indem sie den in der Beute gebundenen Stickstoff freisetzen und so Pflanzen mit Dünger versorgen. Zudem regulieren sie die Menge an Organismen im Boden. Zugleich sind sie sowie ihre Ausscheidungen Nahrung für andere Bodenorganismen.
Schalenamöben bauen sich als Schutz vor Räubern und schädlichen äusseren Einflüssen eine individuelle Schale aus mineralischen Partikeln, Kieselsäure und weiteren Materialien wie den Überresten von Kieselalgen. Aus einer Öffnung treten die «Scheinfüsschen» aus, um Nahrung zu fangen.
Wir zeigen exemplarisch drei der über 100 Amöbenarten, die in Torfmooren vorkommen:
Die Milbe — die Laubzersetzerin
Milben gehören zu den Spinnentieren und haben acht Beine. Sie sind zwischen 0,1 und 0,7 Millimeter klein und haben unterschiedliche Formen. Je tiefer unten sie leben, desto kleiner und flacher sind sie.
Es gibt Raub- und Hornmilben. Die kleineren Hornmilben (Foto) ernähren sich von Laub, Aas, Pilzen oder Algen und spielen damit für die Umwandlung von organischem Material
in Humus eine wichtige Rolle. Durch ihre Ausscheidungen werden zudem Nährstoffe im Boden verteilt. Besonders wichtig sind Hornmilben im Wald, da sie besonders effiziente Laubzersetzerinnen sind.
Die gepanzerten Raubmilben fressen Fadenwürmer, Springschwänze und andere Milben. Raubmilben gibt es nur in Böden, in denen sie genügend Nahrung finden, somit sind sie ein guter Indikator für ein reiches Bodenleben – in verdichteten oder mit Pestiziden belasteten Böden treten sie deutlich seltener auf.
-
Hakan Soderholm
- Eine Hornmilbe
Fadenwürmer — kleine Beutegreifer unter der Erde
Fadenwürmer (Nematoden) sind weissliche Rundwürmer mit einem langgestreckten Körper von rund 50 Mikrometer Durchmesser und einer Länge von 1 bis 50 Millimeter. Sie kommen im Boden mit bis zu 1000 Tieren pro Gramm sehr häufig vor. Einige ernähren sich von Pflanzen und Algen, andere bevorzugen Bakterien und Pilze, manche jagen Einzeller oder andere Fadenwürmer. Vor allem bakterien- und pilzfressende Nematoden spielen eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf, da sie Stickstoff freisetzen.
Im Gartenbau und in der Landwirtschaft kommen gezüchtete Fadenwürmer, die ausschliesslich Insekten oder Schnecken parasitieren, gezielt im biologischen Pflanzenschutz zum Einsatz.
-
Andy Murray
Pilz und Baum — eine unterirdische Lebensgemeinschaft
Von Pilzen sehen wir in der Regel nur den oberirdischen Teil, den Fruchtkörper. Der grösste Teil der Pilze lebt meist unsichtbar unter der Erde, wo ihre Fäden ein riesiges Geflecht bilden. Manche Pilze vernetzen sich so mit Pflanzen. Diese «Mykorrhizapilze» leben in symbiotischer Gemeinschaft mit den Wurzeln von Bäumen. Das hilft beiden: Während der Baum dem Pilz Nahrung in Form von Zucker liefert, führen die Pilzfäden den Baumwurzeln Wasser und darin gelöste Nährstoffe zu.
Regenwürmer — umtriebige Tunnelbauer
Ohne Regenwürmer geht im Boden gar nichts. In einem durchschnittlich besiedelten Boden produzieren rund eine Million dieser Tiere bis zu 100 Tonnen Wurmkot pro Hektar und Jahr. Dieser Humus enthält bis zu fünfmal mehr Stickstoff, siebenmal mehr Phosphor und elfmal mehr Kalium als die umgebende Erde. Damit tragen Regenwürmer entscheidend zur Nährstoffversorgung von Pflanzen bei. Als umtriebige Tunnelbauer belüften sie zudem den Boden, erhöhen seine Wasseraufnahmefähigkeit und erleichtern das Wurzelwachstum.
Tausendfüsser — die Bodenbelüfter
Doppelfüsser und Hundertfüsser gehören zu den Tausendfüssern. Doppelfüsser (Diplopoda) verstecken sich unter Laub oder im Boden, wo sie eine wichtige Rolle spielen: Sie fressen Laub und wandeln es in ihrem Verdauungstrakt zu Humus um. Ihr Kot sorgt für eine bessere Bodenstruktur und nährt andere Bodenlebewesen.
Hundertfüsser (Chilopoda) sind Räuber, die es auf Springschwänze, Regenwürmer und andere kleine Tiere abgesehen haben. Die Art, wie sie sich in den Boden graben, ähnelt der von Regenwürmern, was sie zu guten Bodenbelüftern macht.
BETTINA EPPER, Co-Chefredaktorin Pro Natura Magazin
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Potrebbe anche interessarti
Unsere Arbeit für den Naturschutz
Natur pur? Das gibt es fast nur noch in der Werbung. In Wirklichkeit sind unsere natürlichen Lebensräume längst von Menschenhand gestaltet. Wir nutzen die Natur in vielfältiger Weise, verbauen sie und ziehen unseren Nutzen daraus. Dabei bedrohen wir zunehmend die natürlichen Kreisläufe.
Als Anwältin der Natur setzt sich Pro Natura dafür ein, dass aus der Nutzung keine Übernutzung wird. Wir wollen nicht, dass Naturgüter zum reinen Konsumgut werden. Bereits heute betreiben wir teilweise Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen.
In der Schweiz wie anderswo nimmt die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt ab, und ihre Lebensräume werden immer mehr beschnitten. Die Gesellschaft stellt wirtschaftliche Interessen oft über den Schutz der Natur. Auch unser Freizeitverhalten hat oft gravierende Folgen für wildlebende Tiere und Pflanzen.
Naturschutz in der Politik
In der Schweiz verfügen wir über demokratische und rechtsstaatliche Instrumente zum Schutz von Umwelt und Natur. Doch in der Arena politischer Interessen gerät die Natur allzu oft unter die Räder. Als ihr Sprachrohr gibt Pro Natura Gegensteuer, wo es nötig ist: In der Landwirtschaftspolitik, in der Raumplanung, bei der Jagdgesetzgebung oder in Energie- und Klimafragen. Im Dialog mit Parlament, Behörden und Interessengruppen suchen wir hartnäckig nach Lösungen, welche die Natur respektieren, schützen und fördern. Als Teil der Umweltallianz koordiniert Pro Natura im Verbund mit Greenpeace, WWF, VCS und weiteren Partnerorganisationen die bundespolitische Arbeit der Umweltverbände. Gemeinsam erreichen wir noch mehr für die Naturvielfalt in der Schweiz.
Naturschutz auf dem Rechtsweg
Wann immer nötig, vertreten wir die Natur auch als Anwältin vor Gericht. Die kantonalen Sektionen von Pro Natura haben ein wachsames Auge auf alles, was der Natur schaden könnte. Sie erheben Einsprache, wenn Projekte und Bauvorhaben die gültigen Natur- und Umweltschutzgesetze missachten. Mit dem Verbandsbeschwerderecht haben wir ein wirksames Mittel gegen grobe Umweltsünden. Dieses setzen wir sparsam, umsichtig und sehr erfolgreich ein. So sorgen wir dafür, dass Behörden und Private die Gesetze zum Schutz von Natur und Landschaft beachten.
Umweltbildung
Wir begeistern Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Natur, damit sie sich aktiv und lustvoll für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage engagieren. Unsere Umweltbildung fördert eine nachhaltige Lebensweise, den sorgsamen Umgang mit der Natur, die genügsame Nutzung der Ressourcen sowie die Bewahrung der Biodiversität.
Angebote für Kinder und Jugendliche
Unser breites Bildungsangebot fördert die Verbundenheit mit der Natur und leistet einen wesentlichen Beitrag für die Zufriedenheit und die Gesundheit unserer Gesellschaft. Wir unterstützen lebenslanges Naturlernen im Alltag, in der Freizeit, in Schule und Ausbildung sowie im beruflichen Umfeld. Kinder, Jugendliche und Erwachsene übernehmen die Verantwortung, die natürliche Vielfalt für sich und die kommenden Generationen zu bewahren.
Die Biodiversitätskrise wartet nicht. Gemeinsam schaffen wir wichtige Voraussetzungen zum Schutz der Natur als Lebensgrundlage für uns und kommende Generationen. Finden Sie die passende Mitmachmöglichkeit für Sie.
Damit bedrohte Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten nicht verschwinden, schützt und betreut Pro Natura über 1'000 Schutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt 742 Quadratkilometern.
Mit über 1'000 Schutzgebieten fördert Pro Natura mehr Natur
Die Naturschutzgebiete werden von uns allein oder mit weiteren Beteiligten betreut. Dabei wird für jede Fläche das optimale Schutzziel festgelegt. Bei manchen bedeutet dies, erst einmal gar nichts zu tun und der Natur ihren Raum zu lassen. In anderen Gebieten müssen mit Aufwertungsprojekten Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzengemeinschaft verbessert werden. Vielfach braucht es auch regelmässige Pflegeeinsätze, manchmal mit Hilfe von Maschinen, mit robusten Haustierrassen oder auch mit Unterstützung von Freiwilligen.
Gerne zeigen wir unsere kleinen Naturparadiese der Öffentlichkeit
Auf der nachfolgenden Schweizer Karte sehen Sie eine Auswahl unserer besonders schönen Naturschutzgebiete.
- Für die Gebiete mit einem grünen Pin haben wir Ihnen einen Wandervorschlag zusammengestellt. Bitte beachten Sie in den Naturschutzgebieten die geltenden Besucherregeln.
- Die grauen Pins verweisen auf weitere Pro Natura Naturschutzgebiete, die einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in der Schweiz leisten und die wir Ihnen deshalb auf unserer Seite vorstellen möchten.
Ulteriori informazioni
Info
Quellen:
Bundesamt für Landestopografie swisstopo, Pro Natura
Link correlati
Respektiere deine GrenzenPotrebbe anche interessarti
Moore lieben das Wasser. Ohne Wasser können sie nicht überleben. Man könnte sie vergleichen mit einer Art Schwamm aus Torfmoos, bedeckt von seltenen Pflanzen und Tieren. Wenn der Boden durchnässt ist und wenig Sauerstoff enthält, dann werden abgestorbene Blätter und Wurzeln nicht vollständig abgebaut. Sie häufen sich über die Jahre an und bilden ein Kissen aus Torf, das über die Jahrtausende mehrere Meter hoch werden kann. So werden Moore zu richtigen Kohlenstoffspeicher, die gut sind für die Klimaregulierung. Sie machen zwar nur 3% der Landmasse aus, speichern aber 1/3 des gebundenen Kohlenstoffs unseres Planeten – also mehr als alle Wälder!
Eine seltene und wertvolle Biodiversität
Moore sind faszinierende natürliche Lebensräume mit speziellen Wasser- und Wärmeeigenschaften. Es gibt einzigartige Pflanzen und Tiere, die an keinem anderen Ort überleben könnten. In der Schweiz findet etwa 1/4 der bedrohten Flora Zuflucht in den Mooren. Diese Feuchtgebiete sind auch unersetzliche Archive der regionalen Geschichte, deren Spuren im Torf erhalten bleiben. Zudem leisten sie einen Beitrag zum Hochwasserschutz und zur Abwasserreinigung.
Am Krankenbett der Überlebenden
Ulteriori informazioni
Link correlati
BAFU - MooreTrotz ihrer vielen Vorteile wurden die Moore lange als ungesunde oder unproduktive Gebiete betrachtet, die saniert werden sollten. Die Feuchtgebiete wurden mit Drainagen trockengelegt. Menschen nutzten den Torf als Brennstoff. So sind über 90% der Schweizer Moore verschwunden.
Die übriggebliebenen Moore weisen oft noch tiefe Spuren menschlicher Nutzung auf. Drainagen trocknen weiterhin ehemalige Moore aus. Der daraus entstehende Abbau der Torfgebiete setzt Tonnen von Treibhausgasen frei und lässt die Moorflora verschwinden.
Unsere Moore brauchen also neben dem gesetzlichen Schutz auch dringend Regenerationsmassnahmen. Die Wiederherstellung des Wasserhaushalts in den Mooren selbst und in ihrer Umgebung ist überlebenswichtig – für die Rettung dieser einmaligen Biotope und für ihre wasserliebenden Bewohner. Pro Natura engagiert sich für gesunde Moore und packt verschiedene Regenerationsprojekte in der ganzen Schweiz an. Wir arbeiten auch Hand in Hand mit vielen Landwirten, um eine angepasste Bewirtschaftung der Flachmoore zu gewährleisten.
Projekte für gesunde Moore
Commentaire sur l’entrée en matière de la Convention de Berne sur la plainte concernant la gestion du loup de Suisse
Le Bureau de la Convention de Berne a fait savoir le 17.4.2024 qu’il entre en matière sur la plainte contre la Suisse concernant sa gestion du loup. La Suisse a jusqu’à l’automne pour répondre à plusieurs questions sur les interventions massives contre sa population de loup et sur le respect de ce traité international sur la protection des espèces. La Convention décidera alors de la suite de la procédure.
Le retour du loup s’effectue avec succès. Le canidé est aujourd’hui présent dans de vastes parties de l’Europe. Les Alpes comprennent à elles seules près de 1900 loups qui y trouvent momentanément un habitat et jouent un rôle important dans l’écosystème. Ces animaux se déplacent librement d’un pays à l’autre, leur gestion est donc une tâche transfrontalière. La Convention de Berne et les bases légales des États de l’arc alpin garantissent la survie du loup sur le long terme.
Dans une première réaction, la Convention de Berne estime que la gestion du loup en Suisse est «très préoccupante». Elle qualifie d’«arbitraire» le seuil de 12 meutes inscrit dans l’ordonnance révisée sur la chasse et la protection des mammifères et oiseaux sauvages (OChP), et fait clairement savoir qu’il ne peut être question de réduire la population de loups à un effectif minimum. Elle demande à la Confédération de lui fournir des indications supplémentaires sur les modalités de protection des troupeaux et sur ce qui est considéré comme un «dégât important». Une régulation du loup n’est autorisée que lorsqu’un dommage sérieux ou important menace de se produire.
La Convention de Berne considère favorablement l’ouverture d’une consultation sur l’OChP. Pro Natura, BirdLife Suisse, le Groupe Loup Suisse et le WWF Suisse attendent de la révision qu’elle contribue à faire disparaître l’écart entre la loi sur la chasse et l’ordonnance, et qu’elle garantisse l’application de la Convention de Berne.
Plus d’informations:
Potrebbe anche interessarti
Unnötig und übertrieben: Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts
Die Umweltverbände wehren sich gegen diesen Angriff auf ein zentrales Instrument zur Einhaltung des Umweltrechts. Zumal er sich einreiht in offensichtlich zunehmende Bestrebungen, den Schutz von Natur, Landschaft und Baukultur politisch und rechtlich zu schwächen. Bisher ging es dabei vor allem um das Bauen ausserhalb der Bauzone, namentlich um den Zielkonflikt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Diesmal gilt der Angriff nun Beschwerden gegen Bauten innerhalb der Bauzone: Konkret soll dort für Wohnbauprojekte mit einer Geschossfläche von weniger als 400 Quadratmeter, das Verbandsbeschwerderecht (VBR) nicht mehr gelten.
Dieses ist ein wichtiges Instrument, um die Einhaltung des geltenden Rechts zu gewährleisten. Bei «kleineren Bauprojekten innerhalb der Bauzone» greift das VBR ohnehin nur in Ausnahmefällen. Angesichts dieser Ausgangslage ist die vorgeschlagene Einschränkung des VBR bei Wohnbauprojekten innerhalb der Bauzone nicht zu rechtfertigen. Die Umsetzung des vom Volk angenommenen Raumplanungs- und Zweitwohnungsrechts würde torpediert. Es würde eine rechtsstaatlich irritierende Auftrennung des Gültigkeitsbereiches des Raumplanungs-, Natur- und Heimatschutzrechts sowie des Zweitwohnungsrechts erfolgen in sogenannte kleinere und grössere Fälle. Der Gesetzgeber bringt damit faktisch zum Ausdruck, dass die korrekte Anwendung des Umwelt- und Raumplanungsrechts bei kleineren Wohnbauprojekten vernachlässigt werden kann.
Das Verbandsbeschwerderecht ist ein elementarer Bestandteil für den Vollzug des Umweltrechts. Gibt es dieses Recht nicht, hat die Natur keine Stimme. Dass nur in Übereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen gebaut wird, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die hohe Erfolgsquote der Beschwerden der Mitgliederverbände der Umweltallianz (WWF Schweiz, Pro Natura, Greenpeace, Birdlife Schweiz, VCS und SES) zeigt jedoch, dass dem leider nicht so ist. Wenn geltendes Umweltrecht verletzt wird oder es einer Klärung der Rechtslage bedarf, ist das VBR das letzte Mittel, mit dem sich die Naturschutzorganisationen für die Einhaltung der Rechte der Natur einsetzen können. Dabei sind ihre Beschwerden drei- bis viermal erfolgreicher als jene von Privaten.
Kontakt:
Potrebbe anche interessarti
Commentaire sur l’acceptation par le CN de l’iv. pa. Bregy sur le droit de recours des organisations
Une coalition de politiciennes et de politiciens bourgeois a décidé de limiter les droits de la nature. Dans le cas de projets de moins de 400 mètres carrés, les organisations de protection de la nature et du paysage ne pourront plus faire valoir le respect du droit environnemental en vigueur. Le fait que, dans la plupart des cas, elles obtiennent gain de cause devant les tribunaux montre pourtant qu’elles utilisent leur droit de recours en étant conscientes de leur responsabilité.
Les organisations de défense de l’environnement se défendent contre l’attaque visant un instrument central du respect du droit environnemental. D’autant qu’elle s’inscrit dans une offensive gagnant visiblement en intensité pour affaiblir la protection de la nature, du paysage et de la culture du bâti, tant sur le plan politique que juridique. Jusqu’à maintenant, ces attaques se concentraient surtout sur les recours contre les constructions hors zone à bâtir, et notamment sur le conflit d’intérêts lié au développement des énergies renouvelables.
Cette nouvelle attaque vise désormais les recours contre les constructions en zone à bâtir: concrètement, le droit de recours des organisations ne devrait pas s’appliquer aux projets de construction de logements situés dans une zone à bâtir d’une surface de plancher inférieure à 400 m2.
Le droit de recours des organisations est pourtant un instrument important pour garantir le respect du droit en vigueur. Pour les «projets de moindre importance en zone à bâtir», il n’intervient de toute manière que dans des cas exceptionnels. Compte tenu du contexte, la limitation proposée du droit de recours des organisations pour les projets de construction de logements en zone à bâtir n’est pas justifiée. En effet, elle reviendrait à torpiller l’application de la loi dans les domaines de l’aménagement du territoire et des résidences secondaires. Il en résulterait une séparation irritante, du point de vue de l’état de droit, du champ d’application du droit de l’aménagement du territoire, de la nature, du paysage et des résidences secondaires. En créant des cas de grande et de moindre importance, le législateur indique que l’application correcte du droit de l’environnement et de l’aménagement du territoire peut être négligée dans le cas des projets de construction de logements de moindre importance.
Le droit de recours des organisations est pourtant élémentaire pour l’application du droit environnemental. Sans lui, la nature est muette. Il devrait aller de soi que les activités de construction ne peuvent que s’inscrire dans le cadre légal en vigueur. Le taux de succès élevé des recours des organisations membres de l’Alliance-Environnement (WWF Suisse, Pro Natura, Greenpeace, BirdLife Suisse, ATE et SES) montre toutefois qu’il n’en est rien. En cas de violations du droit environnemental en vigueur ou lorsque des clarifications de la situation légale sont nécessaires, le droit de recours est le dernier atout que les organisations peuvent utiliser pour faire respecter les droits de la nature. Le taux de succès de ces dernières est trois à quatre fois plus élevé que celui des particuliers.
Contacts:
Potrebbe anche interessarti
Ihre Spende für Naturschutz mit Biss
Mit CHF 80 helfen Sie, auf 100 m2 den Artenreichtum mit einem Orchideeninventar zu überprüfen.
Mit CHF 200 ermöglichen Sie einen halben Einsatztag mit Freiwilligen inkl. Leitung, Material und Verpflegung.
Mit CHF 110 errichten Sie 10 m stabilen Zaun, der Luchs und Wolf fernhält.
Infos zum Spendenzweck: Die genannten Zwecke und Kosten sind Beispiele, die typische Arbeiten für das Projekt veranschaulichen. Alle Spenden kommen direkt dem Ziegenprojekt, aber nicht zwingend genau der gewählten Massnahme zugute.
Un don pour la protection de la nature qui a du mordant
Avec un don de 80 francs, vous nous permettez d’examiner l’état de la biodiversité sur une surface de 100 m2 au moyen d’un inventaire des orchidées.
Avec 200 francs, vous financez la demi-journée de travail de bénévoles, y compris la direction des travaux, le matériel et les repas.
Avec 110 francs, vous financez 10 m de clôture pour maintenir à distance les lynx et les loups.
Infos sur l'objectif du don: Les objectifs et coûts mentionnés sont des exemples illustrant les tâches typiques liées au projet. Tous les dons sont directement affectés au projet avec les chèvres, mais pas forcément à la mesure choisie.
«Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch »
Ein grandioser Sommertag ist in der Val Mingèr angebrochen. Letzte Nebelschwaden umhüllen die Gipfel des Unterengadins, während wir entlang von bizarren Felsformationen, mächtigen Bergföhren und riesigen Geröllhalden stetig bergwärts schreiten. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Alp Mingèr, das heutige Ziel von Sonja Wipf. Die Botanikerin erfasst hier, wie an weiteren Orten im Schweizerischen Nationalpark (SNP), systematisch die Flora und setzt damit eine über hundertjährige Forschungsarbeit fort. Der SNP gehört weltweit zu den Institutionen mit dem grössten Fachwissen und Datenreichtum zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die alpine Flora und Fauna.
Parallel dazu konnte Sonja Wipf als Leiterin einer viel beachteten europäischen Studie nachweisen, dass der Klimawandel starke Auswirkungen auf die alpine Biodiversität hat. Dazu haben Forscherinnen und Forscher auf über 300 europäischen Berggipfeln die Flora erfasst und mit früheren Daten aus rund 100 Jahren abgeglichen. Im SNP leitet die 50-Jährige den Bereich Forschung und Monitoring und ist Mitglied der Geschäftsleitung.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
-
Raphael Weber
- Sonja Wipf erfasst mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen.
Mittlerweile hat Sonja Wipf oberhalb der Alp Mingèr innerhalb einer sogenannten Naturbeobachtungsfläche einen Quadratmeter abgesteckt und erfasst dort mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen; deren 40 sind es schliesslich. Dies sei ein recht hoher Wert, in der vergangenen Woche habe sie bei Margunet sogar 57 unterschiedliche Pflanzen auf einem Quadratmeter gezählt, dies sei ein Spitzenwert.
Pro Natura Magazin: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Alpenflora aus?
Sonja Wipf: Er führt zu einer grossen Artenverschiebung. Auf den Berggipfeln finden wir heute rund 45 Prozent mehr Arten vor als noch vor ein paar Jahrzehnten. Als Faustregel gilt: Je stärker die Erwärmung, desto grösser die Artenzunahme. Immer mehr subalpine Arten besiedeln höhere Lagen.
Und werden dadurch die alpinen Spezialisten verdrängt?
Das wird sich zeigen. Alpine Arten sind sich keine Konkurrenz gewohnt; bisher haben sie Standorte besiedelt, die ihnen niemand streitig gemacht hat, und deshalb haben sie eine konservative Überlebensstrategie. Viele sind langlebig, blühen nicht jährlich und produzieren nur wenige und kleine Samen. Meistens haben sie eine kleine Statur und sind generell wenig flexibel. Die neuen Arten aber sind sich Konkurrenz gewohnt, mussten sich auf subalpinen Wiesen behaupten und sind deshalb viel anpassungsfähiger. Natürlich behalten alpine Arten ihren Standortvorteil und Allerweltsarten werden nun nicht gerade die harschesten Standorte wie alpine Geröllhalden besiedeln. Trotzdem, einige alpine Spezialisten bekunden grosse Mühe mit den neuen Bedingungen, und ihre Bestände sind rückläufig.
Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch, doch ich beobachte nun, dass die Besiedelung durch neue Arten in den letzten Jahren immer schneller vor sich geht.
Ausharren und sich behaupten ist eine Strategie, wandern andere bedrängte Arten ebenso in die Höhe?
Ja sicherlich. Doch viele Arten sind jetzt schon auf den Gipfeln und können deshalb nicht noch weiter nach oben wandern. Sie suchen nun passende Nischen, denn die neuen Arten besiedeln zuerst die warmen Stellen an den Süd- und Ostflanken der Berge. Dort scheint die Sonne am längsten oder sie sind vom Wind geschützt.
Die zunehmende Konkurrenz ist offensichtlich ein Stressfaktor, was kommt hinzu?
Eine zunehmende Trockenheit; etwas, das ich auf dieser Höhe früher kaum erlebt habe. Die Niederschläge werden seltener und kräftiger. Im Hochsommer kann es hier oben staubtrocken sein, und das ist nicht nur für die Flora eine grosse Belastung. Die Böden werden «hydrophob», können also kaum Wasser aufnehmen. Wenn dann ein heftiges Gewitter kommt, entfacht es eine mächtige Wirkung, es kommt zu Murgängen, erst recht in Landschaften wie hier, in diesem bröckeligen Dolomitgestein. Im Nationalpark, der ja «echt wild» ist, ist dies durchaus spannend. Denn je wilder und dynamischer die Landschaft, desto vielfältiger ist auch die Biodiversität!
Für die menschliche Zivilisation wird die Natur aber auch bedrohlicher.
Ja sicherlich, die Extremereignisse nehmen zu, die Stabilität nimmt ab, dies führt zu mehr Murgängen und Bergstürzen. Doch auch der Wasserhaushalt verändert sich stark. Die Gletscherreserven schwinden rasant, die Schneefelder sind stark rückläufig, Quellen versiegen. Unter anderem wird dies die Bewirtschaftung vieler Alpen erschweren.
Entstehen durch den Gletscherschwund und die zunehmenden Bergstürze hingegen auch neue Lebensräume, die alpine Pflanzen wiederum besiedeln können?
Durchaus, doch diese können die Bedrängnis der alpinen Pflanzen nur bedingt abfedern. Das zeigt sich nur schon an der Pyramidenförmigkeit unserer Berge. Der Druck von unten auf die kleinen Gipfelregionen bleibt gross.
Verschiebt sich auch die Baumgrenze nach oben?
Einzelne Bäume wandern nach oben, doch eine flächendeckende Bewegung findet hier im Nationalpark noch nicht statt. Dies ist vor allem auf die starke Beweidung durch unsere grossen Huftierpopulationen zurückzuführen. Es wird nun spannend, ob sich dies durch die Präsenz von grossen Beutegreifern ändern wird.
-
Jan Gürke
- Schweizer Nationalpark im Graubünden.
Wie sind diese im Nationalpark vertreten?
Mehrere Jahre war eine einzelne Wölfin ansässig. Seit dem letzten Winter ist nun ein Paar im Park unterwegs, doch wir haben noch keinen Nachweis eines Rudels. Wir wollen die Situation nutzen, um die Rolle von Beutegreifern im Ökosystem zu erfassen. Dazu sammeln wir schon seit Jahren wissenschaftliche Basisdaten.
Und wie?
Wir haben Hirsche und Gämsen besendert, sie sind die Hauptbeute von Wölfen. Wir wollen erkennen, ob und wie sich ihre Aktivitätsmuster ändern. Bereits jetzt stellen wir bei den regelmässigen Zählungen fest, dass die Hirsche in kleineren Gruppen unterwegs sind, vermutlich, um agiler gegenüber allfälligen Angriffen zu sein. Bei Füchsen führen wir auch Besenderungen, Nahrungsanalysen und Fotofallenmonitoring durch. Spannend wird es auch bei den Kleinsäugern: Vermehren sie sich, weil ihre Hauptfeinde, die Füchse, durch den Wolf dezimiert werden oder auch weil sich die Füchse vermehrt durch Aas ernähren, das die Wölfe hinterlassen? Auch gewissen Alpenpflanzen wird eine grössere Dynamik sicherlich entgegenkommen.
Eine möglichst grosse natürliche Dynamik macht die Flora und Fauna der Alpen also widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels?
Ja, in alpinen Lebensräumen, die nicht durch den Menschen geprägt sind, können sich die natürlichen Prozesse ungehindert entfalten. Natürliche Abläufe und Störungen sorgen auch hier auf der Alp Mingèr dafür, dass ein unglaublich vielfältiges Mosaik besteht.
Ohne Steinschläge, Murgänge, Stürme, Hitze, Trockenheit, Kälte und weitere Faktoren würden wohl wenige einzelne Spezies Überhand nehmen, und ich würde auf einem Quadratmeter kaum 40 verschiedene Pflanzenarten finden. Die grosse Diversität von Standorten und Arten schafft auch eine gewisse Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels.
-
Raphael Weber
Nach erledigter Arbeit schreiten wir wieder das Tal hinunter. Dabei durchqueren wir ein Bachbett, in dem neulich riesige Geröllmassen verschoben und ganze Baumstämme das Tal hinuntergespült worden sind, jetzt aber liegt es trocken. Später, während wir aufs Postauto warten, inspiziert Sonja Wipf aufmerksam die Strassenränder; sie hält Ausschau nach Neophyten. Die Ofenpassstrasse, die Hauptverkehrsader, die durch den Nationalpark führt, war vor zwölf Jahren noch praktisch frei von Neophyten. mittlerweile säumen sie die Strassenborde. «Zum Glück sind noch keine invasiven Arten dabei», sagt die Botanikerin.
Die Neophyten werden durch Fahrzeuge und menschliche Aktivitäten in den Park eingeschleppt, und der Klimawandel fördert ihre Ausbreitung in die Höhe. Diese Entwicklung stellt auch das Nationalparkteam vor ungelöste Fragen, denn hier wird die Natur sich selbst überlassen und menschliche Eingriffe sind nicht erlaubt. «Müssen wir uns nun selber büssen, falls wir invasive Pflanzen ausreissen?», fragt Sonja Wipf rhetorisch. Die Antwort bleibt vorerst dahingestellt, doch es ist klar, dass die Biodiversität im Alpenraum vor grossen Veränderungen steht.
RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin.
Potrebbe anche interessarti
«J’étais moins alarmiste il y a quelques années»
Une magnifique journée d’été s’annonce sur le Val Mingèr. La brume matinale enveloppe encore les sommets de la Basse-Engadine lorsque nous entamons notre ascension ponctuée de formations rocheuses étranges, de pins de montagne majestueux et de pierriers gigantesques. Après une heure de marche, nous arrivons sur l’alpage Mingèr, où Sonja Wipf a prévu de travailler aujourd’hui. Ici comme à d’autres endroits du Parc national suisse (PNS), la botaniste dresse un inventaire systématique de la flore, une entreprise scientifique initiée il y a plus d’un siècle. Le PNS compte parmi les institutions à la pointe de la recherche en ce qui concerne les effets du changement climatique. Il possède l’une des plus vastes bases de données sur la flore et la faune des Alpes.
Parallèlement à ses travaux pour le PNS, Sonja Wipf a dirigé une étude européenne remarquée où elle a démontré l’impact du changement climatique sur la biodiversité alpine. Les scientifiques ont inventorié la flore de plus de 300 sommets d’Europe et comparé leurs données avec les relevés effectués au cours des cent dernières années. Au PNS, la botaniste dirige le secteur de la recherche et du monitorage, elle est aussi membre de la direction.
Ulteriori informazioni
Info
Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
-
Raphael Weber
- Sonja Wipf recense d’un œil expert toutes les espèces présentes.
Entre-temps, au-dessus de l’alpage Mingèr, Sonja Wipf vient de délimiter un carré d’un mètre de côté sur une «surface d’observation» et y recense d’un œil expert toutes les espèces présentes. Elle en compte une quarantaine, ce qui est beaucoup. La semaine dernière, elle a dénombré jusqu’à cinquante-sept plantes différentes au mètre carré du côté de Margunet, un record.
Magazine Pro Natura : quels sont les effets du changement climatique sur la flore alpine?
Sonja Wipf: beaucoup d’espèces migrent vers les hauteurs. Sur les sommets, on trouve aujourd’hui environ 45% d’espèces en plus qu’il y a quelques décennies. La hausse des températures est corrélée à une multiplication des espèces. La flore subalpine prend possession des étages supérieurs.
Et elle fait pression sur les espèces spécialisées?
C’est ce qu’on va voir. Les espèces alpines n’ont pas l’habitude de la concurrence. Elles peuplaient jusqu’ici des lieux que les autres plantes ne cherchaient pas à leur disputer. Elles ont développé de ce fait une stratégie de survie plutôt conservatrice. La plupart possèdent une grande résistance, ne fleurissent pas chaque année et ne produisent que quelques graines minuscules. Elles poussent au ras du sol et s’adaptent moins facilement aux changements que les nouvelles venues, rompues à la compétition qui règne dans les prairies subalpines. Ces espèces spécialisées gardent bien sûr une longueur d’avance grâce aux atouts développés pour la vie en altitude et leurs rivales plus généralistes ne s’installeront pas dans les lieux les plus inhospitaliers, par exemple les pierriers. Certaines plantes alpines n’en connaissent pas moins de grandes difficultés, et leurs effectifs diminuent.
J’étais moins alarmiste il y a quelques années, mais j’observe que la colonisation par de nouvelles espèces s'est accélérée ces dernières années.
Résister et s’imposer est une stratégie, d’autres espèces menacées migrent-elles aussi plus haut?
Certainement, mais pour de nombreuses espèces acclimatées aux sommets, il n’y a plus que le ciel au-dessus. Elles se replient dans les niches qui leur conviennent, car les nouvelles espèces colonisent en priorité les emplacements chauds sur les flancs exposés au sud et à l’ouest, qui leur offrent ensoleillement maximal ou protection contre le vent.
Cette concurrence de plus en plus féroce est manifestement un facteur de stress, y en a-t-il d’autres ?
La sécheresse augmente, un problème que je ne rencontrais guère autrefois à ces altitudes. Les précipitations sont à la fois plus rares en même temps plus intenses. En plein été, ces hauteurs sont parfois totalement desséchées, et la flore n’est pas seule à en souffrir. Les sols deviennent «hydrophobes», ils ne peuvent plus absorber l’eau. Si un violent orage éclate, son impact est décuplé et peut entraîner la formation de laves torrentielles, à plus forte raison dans cette région constituée de roche dolomitique friable. Ces phénomènes sont particulièrement intéressants à observer dans un espace très sauvage comme le Parc national. Car un paysage dynamique favorise une biodiversité élevée.
Mais pour la civilisation humaine, la nature devient plus dangereuse.
C’est vrai, les événements météorologiques extrêmes sont plus fréquents, la montagne se fait plus instable, il y a davantage d’éboulements et de glissements de terrain. Le régime hydrique est lui aussi bouleversé. Les réserves glaciaires disparaissent à toute vitesse, les névés rétrécissent à vue d’œil, les sources se tarissent. Cela va notamment compliquer l’exploitation de nombreux alpages.
La fonte des glaciers et les glissements de terrain ne libèrent-ils pas de nouveaux habitats pour les plantes alpines?
Certes, mais cela ne compense que partiellement la concurrence accrue que subissent ces espèces. On le voit déjà rien qu’à la forme pyramidale de nos montagnes. La pression des étages inférieurs sur les étroites régions sommitales reste élevée.
La limite des arbres se décale-t-elle aussi vers le haut?
Des arbres isolés apparaissent sur les hauteurs du Parc national, mais on n’assiste pas encore à une migration généralisée, du fait de la forte population d’ongulés qui pâture à ces altitudes. Des changements intéressants pourraient advenir avec la présence de grands prédateurs.
-
Jan Gürke
Qu’en est-il de cette présence dans le Parc national?
Pendant plusieurs années, on n’y a observé qu’une seule louve. Nous savons depuis l’hiver dernier qu’un couple parcourt la région, mais nous n’avons à ce jour aucun indice de la formation d’une meute. Nous voulons profiter de la situation pour étudier le rôle des prédateurs dans l’écosystème. Nous récoltons depuis des années des données scientifiques à ce sujet.
Comment procédez-vous?
Des cerfs et des chamois ont été équipés de balises. Ce sont les proies principales du loup. Nous décryptons leurs schémas d’activités pour détecter des modifications. Les recensements périodiques ont déjà montré que les cerfs se déplacent en hardes moins nombreuses, probablement pour réagir plus rapidement à d’éventuelles attaques. Nous posons aussi des émetteurs sur les renards, analysons leur alimentation et installons des pièges photographiques. Les petits mammifères sont un autre terrain d’observation riche d’enseignements: se multiplient-ils parce que leur ennemi numéro un, le renard, est décimé par le loup, ou parce que le renard se nourrit davantage des charognes laissées par le loup? Dans l’ensemble, certaines espèces animales profiteront de cette dynamique, de même que certaines plantes alpines.
Une forte dynamique naturelle rend-elle la flore et la faune des Alpes plus résistantes face au bouleversement du climat?
Oui, dans les habitats alpins qui n’ont pas été façonnés par les activités humaines, les processus naturels peuvent se déployer sans entrave. Ces cycles et ces perturbations donnent vie à une incroyable mosaïque d’espèces, comme on la rencontre ici à l’alpage Mingèr.
Sans les chutes de pierre, les éboulements, les tempêtes, les canicules, la sécheresse, le froid et bien d’autres facteurs, certaines espèces n’auraient jamais la chance de s’imposer, et je n’en compterais pas quarante au mètre carré. La grande diversité des sites et des espèces leur confère une certaine résilience contre les effets du changement climatique.
-
Raphael Weber
Le travail est terminé, il est l’heure de redescendre dans la vallée. Nous traversons le lit d’un torrent qui récemment encore déplaçait d’énormes masses de pierres et charriait des troncs entiers. Il est actuellement à sec. Plus tard, en attendant le car postal, Sonja Wipf inspecte avec soin la végétation en bordure de la route et y détecte des néophytes. Il y a plus de dix ans, on n’en voyait presque aucun le long de la route de l’Ofenpass, l’axe principal qui traverse le Parc national. Ils y sont aujourd’hui bien implantés. «Heureusement qu’il n’y a pas encore de plantes invasives», rassure la botaniste.
Ces espèces arrivent dans le parc dans le sillage des véhicules et des activités humaines. Le changement climatique favorise leur dissémination en altitude. Une irruption qui place l’équipe du Parc national face à des questions sans réponse, car ici, la nature est reine et toute intervention humaine est interdite. «Devons-nous nous infliger nous-mêmes des amendes si nous arrachons des plantes invasives?», ironise Sonja Wipf. Ce dilemme n’est pas résolu, mais une chose est sûre: la biodiversité alpine se trouve à l’aube de grands bouleversements.
RAPHAEL WEBER, rédacteur en chef du Magazine Pro Natura.
Potrebbe anche interessarti
«Nun verschlucken sie alles … »
«Hier, am Eingang zum Misox, macht sich der Götterbaum breit, ein invasiver Neophyt. Fachleute sagten uns, dass er sich nur auf Lichtungen ausbreiten würde, doch nun besiedelt er auch alle schattigen Standorte und breitet sich auf Kosten der einheimischen Bäume aus.»
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Luca Plozza ist Forstingenieur beim Bünder Amt für Wald und Naturgefahren und Präsident der Schweizerischen Gebirgswaldpflegegruppe. Er war die treibende Kraft bei der Schaffung des riesigen Waldreservats Val Cama, Leggia und Grono sowie bei der Wiederherstellung und Aufwertung der eindrücklichen Kastanienselven in Soazza.
-
Raphael Weber
«Schau mal hier: Vor zehn Jahren hatte es noch keinen Götterbaum hier, nun verschlucken sie alles – auf Hektaren. Die Exoten aus China finden hier optimale Standortbedingungen; sie sind sich Hitze und Trockenheit gewohnt. Zudem hat der Götterbaum eine sogenannte allelopathische Wirkung und hemmt in seinem Umfeld die Keimung anderer Pflanzen – er ist eine richtige Kampfmaschine.»
Ein wichtiger Faktor sind aber auch die viel zu hohen Wildbestände: Die Jungbäume der einheimischen Arten werden vor allem durch Hirsche und Rehe verbissen; die fremden Götterbäume aber lassen sie in Ruhe, und so werden diese zur Plage. Eine stärkere Regulierung der Wildbestände ist deshalb stark zu begrüssen; durch den Menschen, den Wolf und den Luchs.
«An anderen Standorten bekämpfen wir die Ausbreitung der Götterbäume nun rigoros, doch hier ist es zu spät, ein Kampf gegen Windmühlen. Natürlich wird nun die Frage aufgeworfen, ob wir die Wälder nicht einfach den Götterbäumen überlassen sollen. Doch dann stelle ich die Gegenfrage, ob Roger Federer wohl auch sein ganzes Vermögen auf ein einziges Investment setzen würde. Siehst du, was ich meine? Falls sich auf einmal eine Epidemie unter den Götterbäumen ausbreiten sollte, hätten wir ein gigantisches Problem. Dazu kommt: Für die Biodiversität haben die Götterbäume einen geringen Wert. Sie bieten sehr wenigen Arten eine Lebensgrundlage.»
-
Raphael Weber
- Luca Plozza unterwegs im Misox.
Die Kastanien waren hier 2000 Jahre lang die dominanten Bäume und besiedelten die Hänge des unteren Misox. Nun sind 80 Prozent in diesen Lagen verschwunden, sie können zwar gut mit Hitze umgehen, nicht aber mit Trockenheit. Also wandern sie nach oben und hinterlassen viel Totholz. Dies erhöht die Gefahr und vor allem die Intensität von Waldbränden. Die Brände ziehen dann nicht einfach durch, sondern setzen sich richtig fest. Dadurch erhöht sich die Erosion, aber auch die Steinschlaggefahr.
«Dies ist problematisch, weil wir hier viele Schutzwälder haben. Im Misox mit seinen steilen Talflanken schützen sie unsere Dörfer und Strassen gegen Steinschläge, Lawinen und Erdrutsche. Doch die Schutzwälder geraten auch durch den Borkenkäfer unter starken Druck. Diese befallen die Bestände der Fichten – die dominanten Bäume in den hochmontanen und subalpinen Lagen – die durch die klimatischen Veränderungen stark geschwächt sind. In den tieferen Lagen wird ein Grossteil der Fichtenbestände verschwinden – Ciao! –, auch sie wandern in die Höhe.»
«Andere Bäume können ihren Platz einnehmen; verschiedene Eichensorten oder auch der Spitzahorn kommen mit den neuen Bedingungen viel besser zurecht. Doch solange die Fichten in den Schutzwäldern stark vertreten sind, können wir sie nicht grossflächig sterben lassen, sonst sind Siedlungen und Strassen rasch gefährdet.»
«Bei der Pflege von Schutzwäldern ist es wichtig, auf eine gute Artenvielfalt und eine reiche Struktur zu achten. Dazu pflanzen wir auch gezielt Bäume. Bei der Wahl stützen wir uns auf Klimamodelle und wissenschaftliche Klima-Apps. Natürlich braucht diese Arbeit Ressourcen, doch das ist immer noch viel günstiger, als Schutzbauten zu errichten.»
«Wo der Wald keine Schutzfunktion hat, können wir der Natur auch freien Lauf lassen. Darum haben wir ja zusammen mit Pro Natura ein riesiges Waldreservat geschaffen. Auch dort besteht eine unglaubliche Dynamik, bei einigen Arten nimmt die Konkurrenzkraft ab, neue Arten breiten sich aus, andere verschieben sich. Wie das morgen aussehen wird? Damit beschäftigen wir uns intensiv, aber genau können wir es nicht sagen.»
Möchten Sie bei einem Projekt mit anpacken? Informieren Sie sich über die nächsten Natureinsätze.
«Maintenant, ils supplantent tout…»
«Ici, à l’entrée du val Mesolcina (TI), l’ailante glanduleux, un néophyte invasif, a colonisé toute la zone. Les spécialistes nous assuraient qu’il ne s’installerait que dans les clairières, mais il commence à proliférer également dans tous les emplacements ombragés, au détriment des essences indigènes.»
Ulteriori informazioni
Info
Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
Luca Plozza est ingénieur forestier pour l’Office grison de la forêt et des risques naturels. Il préside le Groupe suisse de sylviculture de montagne. Il est à l’origine de la création de l’immense réserve forestière de Val Cama, Leggia et Grono, et a joué un rôle moteur dans le rétablissement et la valorisation des selves de châtaigniers à Soazza.
-
Raphael Weber
«Il y a dix ans, on ne voyait ici aucun ailante, et maintenant ils engloutissent des hectares entiers de forêt. Ces arbres exotiques originaires de Chine, habitués à la chaleur et à la sécheresse, ont trouvé dans notre région des conditions idéales pour prospérer. L’ailante possède un effet dit allélopathique, il inhibe la germination des autres plantes à proximité. Une véritable machine de guerre.
La faune d’ongulés trop abondante aggrave la situation. Les cerfs et les chevreuils dévorent les jeunes pousses des essences locales, mais dédaignent les ailantes «étrangers». Une meilleure régulation du gibier est plus que souhaitable, par l’être humain, le loup ou le lynx.
À certains endroits, nous combattons systématiquement la propagation de l’ailante glanduleux, mais ici, c’est déjà trop tard, et nous lutterions contre des moulins à vent. On peut bien sûr se demander pourquoi nous n’abandonnons pas tout simplement la forêt à l’ailante. Il suffirait alors que les ailantes soient victimes d’une épidémie et ce serait la catastrophe. Il faut dire aussi que cet arbre n’a pas une grande valeur pour la biodiversité, car il ne constitue une ressource vitale que pour un tout petit nombre d’espèces.»
-
Raphael Weber
«Le châtaignier est depuis 2000 ans l’essence dominante dans la partie inférieure du val Mesolcina. Près de 80% de sa population a aujourd'hui disparu. Les arbres migrent plus en hauteur et laissent derrière eux des quantités de bois mort. Cela accroît la probabilité et surtout l’intensité des incendies. Le feu ne fait pas que traverser la forêt, il la consume en profondeur, accentuant l'érosion et le risque de chutes de pierres.
C’est problématique, car nous avons ici de nombreuses forêts de protection. Sur les pentes abruptes du val Mesolcina, ces forêts forment un rempart contre les éboulements, les avalanches et les glissements de terrain pour les villages et les routes en contrebas. Mais elles subissent également les assauts des scolytes. L’insecte s’attaque aux épicéas, l’essence dominante des forêts alpines et subalpines, déjà très affaiblis par le changement climatique. Aux basses altitudes, il faudra dire adieu à la plupart des peuplements d’épicéas, eux aussi chercheront refuge sur les hauteurs.
D’autres arbres sont candidats pour prendre leur place: plusieurs variétés de chêne et d’érable plane s’en sortent beaucoup mieux avec les nouvelles conditions climatiques. Pourtant, tant que les épicéas sont majoritaires dans les forêts protectrices, nous ne pouvons pas nous permettre de les laisser mourir à grande échelle, sous peine de mettre en danger les habitations et les routes.»
«L’entretien des forêts protectrices passe par une attention à la diversité des espèces et à la richesse de la structure. Nous plantons intentionnellement des arbres à cet effet. Pour le choix des essences, nous nous appuyons sur des modèles climatiques et des applications scientifiques. Ce travail a évidemment un coût, mais reste beaucoup moins onéreux que l’érection d’ouvrages de protection.»
«Là où la forêt n’a pas de fonction protectrice, nous pouvons laisser libre cours à la nature. Raison pour laquelle nous avons créé une immense réserve forestière avec Pro Natura. Une dynamique incroyable s’y est développée, certaines espèces deviennent moins compétitives, de nouvelles s’installent, d’autres se déplacent. À quoi ressemblera la forêt demain? Nous nous posons tous les jours cette question, mais impossible de prédire avec exactitude ce qui se passera.»
Souhaitez-vous agir concrètement pour la nature? Informez-vous au sujet des prochaines missions nature. Vous en trouverez peut-être une faite pour vous.
Potrebbe anche interessarti
Das Zusammenspiel unzähliger Pflanzen- und Tierarten prägt die artenreichen Blumenwiesen. Sie sind farbig, in ihnen summt, schwirrt und krabbelt es! Mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten in der Schweiz leben in diesem Lebensraum. Sie sind die Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten. In den letzten Jahrzehnten sind 90 Prozent dieser einzigartigen Blumenwiesen verschwunden. Daher sind Schutz, Aufwertung und Neuanlage von artenreiche Wiesen sehr wichtig für die Biodiversität in der Schweiz.
Pro Natura kämpft für den Schutz der Blumenwiesen
In der politischen Arbeit fordern wir Schutz und Aufwertung von artenreichen Wiesen. Das betrifft vor allem jene Flächen, die nicht bereits gesetzlich geschützt sind. Konkret geht es um landwirtschaftlich genutzte Flächen, öffentliche Grünflächen im Siedlungsraum wie Pärke, Bahn- und Strassenböschungen oder auch private Gärten.
Besonders wertvolle artenreiche Blumenwiesen sind im Inventar der Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Sie sind gesetzlich geschützt. Pro Natura verlangt einen konsequenten Vollzug der 2010 vom Bund erlassenen Verordnung.
Pro Natura packt auch selber an: Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen prächtige, artenreiche Blumenwiesen. Praktische Projekte wie Regio Flora und ProBiotop, angestossen von Pro Natura, erhalten und fördern den Artenreichtum auf gefährdeten Wiesenflächen. In Umweltbildungsangeboten und Informationsprojekten zeigt Pro Natura, was jede und jeder für farbenfrohe Blumenwiesen tun kann.
-
Benoît Renevey
- Blühende Blumenwiese bei Zeneggen VS.
Artenvielfalt durch Menschenhand
Auf einem Fünftel unserer Landesfläche wachsen heute Wiesen und Weiden. Sie prägen das Bild der Schweiz. Entstanden sind sie durch den rodenden Menschen, der für sich und sein Vieh Wiesen, Weiden und Äcker schuf. Zwischen Boden, Pflanzen und Tieren hat sich über Jahrhunderte ein einzigartiges Beziehungsnetz entwickelt. Kein anderer Lebensraum birgt so viel Artenvielfalt pro Quadratmeter. Ohne landwirtschaftliche Nutzung würden Wiesen und Weiden wieder zu Wald werden. Bei zu intensiver Nutzung hingegen entwickeln sie sich zu artenarmen, eintönigen Grasteppichen.
Wiese ist nicht gleich Wiese
Es gibt viele verschiedene Wiesentypen. Farbenfrohe Fromentalwiesen, Trocken- und Feuchtwiesen und Säume. Fachleute unterscheiden mindestens 30 Ausprägungen mit zahlreichen spezialisierten Tierarten.
Ob eine Wiese farbenfroh und artenreich ist oder grün und eintönig, hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab: Dem Standort (Boden und Klima) und der Bewirtschaftung. Klima und Boden geben die mögliche Artenvielfalt vor. Ob dieses Potential realisiert wird, hängt von der Funktion und der damit verbundenen Art der Bewirtschaftung der Wiese ab. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten kommen die artenreichen Wiesen immer stärker unter Druck und verschwinden fast gänzlich.
Inventar zum Schutz der Trockenwiesen und -weiden
In 10-jähriger Arbeit wurden in allen Kantonen die besonders wertvollen Trockenwiesen und -weiden kartiert. Die knapp 3000 inventarisierten Objekte von nationaler Bedeutung umfassen ungefähr 0,5 % der Landesfläche. Das TWW-Inventar ist neben den bestehenden Biotopinventaren über die Hoch- und Übergangsmoore, Flachmoore, Amphibienlaichgebiete und Auengebiete vorläufig das letzte Inventar dieser Art.
2009 haben wir zusammen mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz mit der Petition zum Schutz der letzten Trockenwiesen und -weiden über 38'000 Unterschriften gesammelt. Diese forderte, die bereitliegenden Instrumente endlich umzusetzen. Das TWW-Inventar sowie die Inkraftsetzung der Verordnung ist ein erster Schritt dazu. Unter anderem müssen bis 2020 alle TWW von nationaler Bedeutung vertraglich geschützt sein.
Ulteriori informazioni
Die Intensivierung der Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang der artenreichen Wiesen. Der vermehrte Einsatz von Dünger bewirkt ein verstärktes Wachstum konkurrenzstarker Gräser und erlaubt eine frühere und häufigere Nutzung. Rasch wachsende Arten, die an nährstoffreiche Böden und einen häufigen Schnitt angepasst sind, dominieren die meist konkurrenzschwächeren Pflanzenarten der artenreichen Blumenwiesen, die auf Vermehrung durch das Versamen angewiesen wären. Als Folge gleichen die Flächen zunehmend einem einheitlich grünen Teppich. Auch die Wahl der Erntemaschinen hat einen grossen Einfluss auf die Artenvielfalt, vor allem auf die Kleintiere. Mit den heute häufig eingesetzten Maschinen zur Mahd werden beispielsweise mehr als 80 % der Heuschrecken getötet. Aber auch die schnell fortschreitende Ausdehnung des Siedlungsgebiets und damit verbundener Infrastruktur sowie die Aufgabe der Bewirtschaftung im Berggebiet tragen massgeblich zum Verschwinden bunter Blumenwiesen bei.
Seit der Einführung der ökologischen Ausgleichszahlungen in der Landwirtschaft 1995 versucht der Bund dem Sinkflug der Blumenwiesen entgegenzuwirken. Unter anderem werden in diesem Rahmen auch die extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden gefördert. Besonders wertvolle Flächen sind im Inventar von Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Der Bundesrat hat im Jahr 2010 eine Verordnung zum Schutz dieser Flächen verabschiedet. Beides sind sehr wichtige Instrumente zum Schutz der artenreichen Wiesen. Leider zeigen sie aber eine zu schwache Wirkung. Noch immer verschwinden jährlich zig Hektaren wertvoller Wiesenflächen. Nicht nur die Landwirtschaft hat Verbesserungspotenzial: Öffentliche Grünflächen, private Gärten, Strassen- und Bahnböschungen können viel zum Erhalt der vielfältigen Lebensräume beitragen, wenn sie entsprechend geplant, angelegt und gepflegt werden. Deshalb engagiert sich Pro Natura auf allen Ebenen für den Erhalt und die Förderung der artenreichen Wiesen.
Blumenwiesen gestern und heute
Auf dem Bild links eine üppig blühende Fromentalwiese im Frühjahr mit Roter Waldnelke und Scharfem Hahnenfuss – beide Zeiger einer bereits begonnenen Intensivierung (© Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek / Willy Burkhardt). Rechts ist dieselbe Fläche nach dem zweiten Schnitt zu sehen – eine reine Fettwiese mit Weiss-Klee, Raygräsern und Wiesen-Bärenklau (© Pro Natura / Nathalie Reveney).
Projekte für Wiesen und Weiden
Commentaire sur l’entrée en matière de la Convention de Berne sur la plainte concernant la gestion du loup de Suisse
Le Bureau de la Convention de Berne a fait savoir le 17.4.2024 qu’il entre en matière sur la plainte contre la Suisse concernant sa gestion du loup. La Suisse a jusqu’à l’automne pour répondre à plusieurs questions sur les interventions massives contre sa population de loup et sur le respect de ce traité international sur la protection des espèces. La Convention décidera alors de la suite de la procédure.
Le retour du loup s’effectue avec succès. Le canidé est aujourd’hui présent dans de vastes parties de l’Europe. Les Alpes comprennent à elles seules près de 1900 loups qui y trouvent momentanément un habitat et jouent un rôle important dans l’écosystème. Ces animaux se déplacent librement d’un pays à l’autre, leur gestion est donc une tâche transfrontalière. La Convention de Berne et les bases légales des États de l’arc alpin garantissent la survie du loup sur le long terme.
Dans une première réaction, la Convention de Berne estime que la gestion du loup en Suisse est «très préoccupante». Elle qualifie d’«arbitraire» le seuil de 12 meutes inscrit dans l’ordonnance révisée sur la chasse et la protection des mammifères et oiseaux sauvages (OChP), et fait clairement savoir qu’il ne peut être question de réduire la population de loups à un effectif minimum. Elle demande à la Confédération de lui fournir des indications supplémentaires sur les modalités de protection des troupeaux et sur ce qui est considéré comme un «dégât important». Une régulation du loup n’est autorisée que lorsqu’un dommage sérieux ou important menace de se produire.
La Convention de Berne considère favorablement l’ouverture d’une consultation sur l’OChP. Pro Natura, BirdLife Suisse, le Groupe Loup Suisse et le WWF Suisse attendent de la révision qu’elle contribue à faire disparaître l’écart entre la loi sur la chasse et l’ordonnance, et qu’elle garantisse l’application de la Convention de Berne.
Plus d’informations:
Potrebbe anche interessarti
Unnötig und übertrieben: Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts
Die Umweltverbände wehren sich gegen diesen Angriff auf ein zentrales Instrument zur Einhaltung des Umweltrechts. Zumal er sich einreiht in offensichtlich zunehmende Bestrebungen, den Schutz von Natur, Landschaft und Baukultur politisch und rechtlich zu schwächen. Bisher ging es dabei vor allem um das Bauen ausserhalb der Bauzone, namentlich um den Zielkonflikt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Diesmal gilt der Angriff nun Beschwerden gegen Bauten innerhalb der Bauzone: Konkret soll dort für Wohnbauprojekte mit einer Geschossfläche von weniger als 400 Quadratmeter, das Verbandsbeschwerderecht (VBR) nicht mehr gelten.
Dieses ist ein wichtiges Instrument, um die Einhaltung des geltenden Rechts zu gewährleisten. Bei «kleineren Bauprojekten innerhalb der Bauzone» greift das VBR ohnehin nur in Ausnahmefällen. Angesichts dieser Ausgangslage ist die vorgeschlagene Einschränkung des VBR bei Wohnbauprojekten innerhalb der Bauzone nicht zu rechtfertigen. Die Umsetzung des vom Volk angenommenen Raumplanungs- und Zweitwohnungsrechts würde torpediert. Es würde eine rechtsstaatlich irritierende Auftrennung des Gültigkeitsbereiches des Raumplanungs-, Natur- und Heimatschutzrechts sowie des Zweitwohnungsrechts erfolgen in sogenannte kleinere und grössere Fälle. Der Gesetzgeber bringt damit faktisch zum Ausdruck, dass die korrekte Anwendung des Umwelt- und Raumplanungsrechts bei kleineren Wohnbauprojekten vernachlässigt werden kann.
Das Verbandsbeschwerderecht ist ein elementarer Bestandteil für den Vollzug des Umweltrechts. Gibt es dieses Recht nicht, hat die Natur keine Stimme. Dass nur in Übereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen gebaut wird, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die hohe Erfolgsquote der Beschwerden der Mitgliederverbände der Umweltallianz (WWF Schweiz, Pro Natura, Greenpeace, Birdlife Schweiz, VCS und SES) zeigt jedoch, dass dem leider nicht so ist. Wenn geltendes Umweltrecht verletzt wird oder es einer Klärung der Rechtslage bedarf, ist das VBR das letzte Mittel, mit dem sich die Naturschutzorganisationen für die Einhaltung der Rechte der Natur einsetzen können. Dabei sind ihre Beschwerden drei- bis viermal erfolgreicher als jene von Privaten.
Kontakt:
Potrebbe anche interessarti
Commentaire sur l’acceptation par le CN de l’iv. pa. Bregy sur le droit de recours des organisations
Une coalition de politiciennes et de politiciens bourgeois a décidé de limiter les droits de la nature. Dans le cas de projets de moins de 400 mètres carrés, les organisations de protection de la nature et du paysage ne pourront plus faire valoir le respect du droit environnemental en vigueur. Le fait que, dans la plupart des cas, elles obtiennent gain de cause devant les tribunaux montre pourtant qu’elles utilisent leur droit de recours en étant conscientes de leur responsabilité.
Les organisations de défense de l’environnement se défendent contre l’attaque visant un instrument central du respect du droit environnemental. D’autant qu’elle s’inscrit dans une offensive gagnant visiblement en intensité pour affaiblir la protection de la nature, du paysage et de la culture du bâti, tant sur le plan politique que juridique. Jusqu’à maintenant, ces attaques se concentraient surtout sur les recours contre les constructions hors zone à bâtir, et notamment sur le conflit d’intérêts lié au développement des énergies renouvelables.
Cette nouvelle attaque vise désormais les recours contre les constructions en zone à bâtir: concrètement, le droit de recours des organisations ne devrait pas s’appliquer aux projets de construction de logements situés dans une zone à bâtir d’une surface de plancher inférieure à 400 m2.
Le droit de recours des organisations est pourtant un instrument important pour garantir le respect du droit en vigueur. Pour les «projets de moindre importance en zone à bâtir», il n’intervient de toute manière que dans des cas exceptionnels. Compte tenu du contexte, la limitation proposée du droit de recours des organisations pour les projets de construction de logements en zone à bâtir n’est pas justifiée. En effet, elle reviendrait à torpiller l’application de la loi dans les domaines de l’aménagement du territoire et des résidences secondaires. Il en résulterait une séparation irritante, du point de vue de l’état de droit, du champ d’application du droit de l’aménagement du territoire, de la nature, du paysage et des résidences secondaires. En créant des cas de grande et de moindre importance, le législateur indique que l’application correcte du droit de l’environnement et de l’aménagement du territoire peut être négligée dans le cas des projets de construction de logements de moindre importance.
Le droit de recours des organisations est pourtant élémentaire pour l’application du droit environnemental. Sans lui, la nature est muette. Il devrait aller de soi que les activités de construction ne peuvent que s’inscrire dans le cadre légal en vigueur. Le taux de succès élevé des recours des organisations membres de l’Alliance-Environnement (WWF Suisse, Pro Natura, Greenpeace, BirdLife Suisse, ATE et SES) montre toutefois qu’il n’en est rien. En cas de violations du droit environnemental en vigueur ou lorsque des clarifications de la situation légale sont nécessaires, le droit de recours est le dernier atout que les organisations peuvent utiliser pour faire respecter les droits de la nature. Le taux de succès de ces dernières est trois à quatre fois plus élevé que celui des particuliers.
Contacts:
Potrebbe anche interessarti
Ihre Spende für Naturschutz mit Biss
Mit CHF 80 helfen Sie, auf 100 m2 den Artenreichtum mit einem Orchideeninventar zu überprüfen.
Mit CHF 200 ermöglichen Sie einen halben Einsatztag mit Freiwilligen inkl. Leitung, Material und Verpflegung.
Mit CHF 110 errichten Sie 10 m stabilen Zaun, der Luchs und Wolf fernhält.
Infos zum Spendenzweck: Die genannten Zwecke und Kosten sind Beispiele, die typische Arbeiten für das Projekt veranschaulichen. Alle Spenden kommen direkt dem Ziegenprojekt, aber nicht zwingend genau der gewählten Massnahme zugute.
Un don pour la protection de la nature qui a du mordant
Avec un don de 80 francs, vous nous permettez d’examiner l’état de la biodiversité sur une surface de 100 m2 au moyen d’un inventaire des orchidées.
Avec 200 francs, vous financez la demi-journée de travail de bénévoles, y compris la direction des travaux, le matériel et les repas.
Avec 110 francs, vous financez 10 m de clôture pour maintenir à distance les lynx et les loups.
Infos sur l'objectif du don: Les objectifs et coûts mentionnés sont des exemples illustrant les tâches typiques liées au projet. Tous les dons sont directement affectés au projet avec les chèvres, mais pas forcément à la mesure choisie.
«Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch »
Ein grandioser Sommertag ist in der Val Mingèr angebrochen. Letzte Nebelschwaden umhüllen die Gipfel des Unterengadins, während wir entlang von bizarren Felsformationen, mächtigen Bergföhren und riesigen Geröllhalden stetig bergwärts schreiten. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Alp Mingèr, das heutige Ziel von Sonja Wipf. Die Botanikerin erfasst hier, wie an weiteren Orten im Schweizerischen Nationalpark (SNP), systematisch die Flora und setzt damit eine über hundertjährige Forschungsarbeit fort. Der SNP gehört weltweit zu den Institutionen mit dem grössten Fachwissen und Datenreichtum zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die alpine Flora und Fauna.
Parallel dazu konnte Sonja Wipf als Leiterin einer viel beachteten europäischen Studie nachweisen, dass der Klimawandel starke Auswirkungen auf die alpine Biodiversität hat. Dazu haben Forscherinnen und Forscher auf über 300 europäischen Berggipfeln die Flora erfasst und mit früheren Daten aus rund 100 Jahren abgeglichen. Im SNP leitet die 50-Jährige den Bereich Forschung und Monitoring und ist Mitglied der Geschäftsleitung.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
-
Raphael Weber
- Sonja Wipf erfasst mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen.
Mittlerweile hat Sonja Wipf oberhalb der Alp Mingèr innerhalb einer sogenannten Naturbeobachtungsfläche einen Quadratmeter abgesteckt und erfasst dort mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen; deren 40 sind es schliesslich. Dies sei ein recht hoher Wert, in der vergangenen Woche habe sie bei Margunet sogar 57 unterschiedliche Pflanzen auf einem Quadratmeter gezählt, dies sei ein Spitzenwert.
Pro Natura Magazin: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Alpenflora aus?
Sonja Wipf: Er führt zu einer grossen Artenverschiebung. Auf den Berggipfeln finden wir heute rund 45 Prozent mehr Arten vor als noch vor ein paar Jahrzehnten. Als Faustregel gilt: Je stärker die Erwärmung, desto grösser die Artenzunahme. Immer mehr subalpine Arten besiedeln höhere Lagen.
Und werden dadurch die alpinen Spezialisten verdrängt?
Das wird sich zeigen. Alpine Arten sind sich keine Konkurrenz gewohnt; bisher haben sie Standorte besiedelt, die ihnen niemand streitig gemacht hat, und deshalb haben sie eine konservative Überlebensstrategie. Viele sind langlebig, blühen nicht jährlich und produzieren nur wenige und kleine Samen. Meistens haben sie eine kleine Statur und sind generell wenig flexibel. Die neuen Arten aber sind sich Konkurrenz gewohnt, mussten sich auf subalpinen Wiesen behaupten und sind deshalb viel anpassungsfähiger. Natürlich behalten alpine Arten ihren Standortvorteil und Allerweltsarten werden nun nicht gerade die harschesten Standorte wie alpine Geröllhalden besiedeln. Trotzdem, einige alpine Spezialisten bekunden grosse Mühe mit den neuen Bedingungen, und ihre Bestände sind rückläufig.
Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch, doch ich beobachte nun, dass die Besiedelung durch neue Arten in den letzten Jahren immer schneller vor sich geht.
Ausharren und sich behaupten ist eine Strategie, wandern andere bedrängte Arten ebenso in die Höhe?
Ja sicherlich. Doch viele Arten sind jetzt schon auf den Gipfeln und können deshalb nicht noch weiter nach oben wandern. Sie suchen nun passende Nischen, denn die neuen Arten besiedeln zuerst die warmen Stellen an den Süd- und Ostflanken der Berge. Dort scheint die Sonne am längsten oder sie sind vom Wind geschützt.
Die zunehmende Konkurrenz ist offensichtlich ein Stressfaktor, was kommt hinzu?
Eine zunehmende Trockenheit; etwas, das ich auf dieser Höhe früher kaum erlebt habe. Die Niederschläge werden seltener und kräftiger. Im Hochsommer kann es hier oben staubtrocken sein, und das ist nicht nur für die Flora eine grosse Belastung. Die Böden werden «hydrophob», können also kaum Wasser aufnehmen. Wenn dann ein heftiges Gewitter kommt, entfacht es eine mächtige Wirkung, es kommt zu Murgängen, erst recht in Landschaften wie hier, in diesem bröckeligen Dolomitgestein. Im Nationalpark, der ja «echt wild» ist, ist dies durchaus spannend. Denn je wilder und dynamischer die Landschaft, desto vielfältiger ist auch die Biodiversität!
Für die menschliche Zivilisation wird die Natur aber auch bedrohlicher.
Ja sicherlich, die Extremereignisse nehmen zu, die Stabilität nimmt ab, dies führt zu mehr Murgängen und Bergstürzen. Doch auch der Wasserhaushalt verändert sich stark. Die Gletscherreserven schwinden rasant, die Schneefelder sind stark rückläufig, Quellen versiegen. Unter anderem wird dies die Bewirtschaftung vieler Alpen erschweren.
Entstehen durch den Gletscherschwund und die zunehmenden Bergstürze hingegen auch neue Lebensräume, die alpine Pflanzen wiederum besiedeln können?
Durchaus, doch diese können die Bedrängnis der alpinen Pflanzen nur bedingt abfedern. Das zeigt sich nur schon an der Pyramidenförmigkeit unserer Berge. Der Druck von unten auf die kleinen Gipfelregionen bleibt gross.
Verschiebt sich auch die Baumgrenze nach oben?
Einzelne Bäume wandern nach oben, doch eine flächendeckende Bewegung findet hier im Nationalpark noch nicht statt. Dies ist vor allem auf die starke Beweidung durch unsere grossen Huftierpopulationen zurückzuführen. Es wird nun spannend, ob sich dies durch die Präsenz von grossen Beutegreifern ändern wird.
-
Jan Gürke
- Schweizer Nationalpark im Graubünden.
Wie sind diese im Nationalpark vertreten?
Mehrere Jahre war eine einzelne Wölfin ansässig. Seit dem letzten Winter ist nun ein Paar im Park unterwegs, doch wir haben noch keinen Nachweis eines Rudels. Wir wollen die Situation nutzen, um die Rolle von Beutegreifern im Ökosystem zu erfassen. Dazu sammeln wir schon seit Jahren wissenschaftliche Basisdaten.
Und wie?
Wir haben Hirsche und Gämsen besendert, sie sind die Hauptbeute von Wölfen. Wir wollen erkennen, ob und wie sich ihre Aktivitätsmuster ändern. Bereits jetzt stellen wir bei den regelmässigen Zählungen fest, dass die Hirsche in kleineren Gruppen unterwegs sind, vermutlich, um agiler gegenüber allfälligen Angriffen zu sein. Bei Füchsen führen wir auch Besenderungen, Nahrungsanalysen und Fotofallenmonitoring durch. Spannend wird es auch bei den Kleinsäugern: Vermehren sie sich, weil ihre Hauptfeinde, die Füchse, durch den Wolf dezimiert werden oder auch weil sich die Füchse vermehrt durch Aas ernähren, das die Wölfe hinterlassen? Auch gewissen Alpenpflanzen wird eine grössere Dynamik sicherlich entgegenkommen.
Eine möglichst grosse natürliche Dynamik macht die Flora und Fauna der Alpen also widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels?
Ja, in alpinen Lebensräumen, die nicht durch den Menschen geprägt sind, können sich die natürlichen Prozesse ungehindert entfalten. Natürliche Abläufe und Störungen sorgen auch hier auf der Alp Mingèr dafür, dass ein unglaublich vielfältiges Mosaik besteht.
Ohne Steinschläge, Murgänge, Stürme, Hitze, Trockenheit, Kälte und weitere Faktoren würden wohl wenige einzelne Spezies Überhand nehmen, und ich würde auf einem Quadratmeter kaum 40 verschiedene Pflanzenarten finden. Die grosse Diversität von Standorten und Arten schafft auch eine gewisse Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels.
-
Raphael Weber
Nach erledigter Arbeit schreiten wir wieder das Tal hinunter. Dabei durchqueren wir ein Bachbett, in dem neulich riesige Geröllmassen verschoben und ganze Baumstämme das Tal hinuntergespült worden sind, jetzt aber liegt es trocken. Später, während wir aufs Postauto warten, inspiziert Sonja Wipf aufmerksam die Strassenränder; sie hält Ausschau nach Neophyten. Die Ofenpassstrasse, die Hauptverkehrsader, die durch den Nationalpark führt, war vor zwölf Jahren noch praktisch frei von Neophyten. mittlerweile säumen sie die Strassenborde. «Zum Glück sind noch keine invasiven Arten dabei», sagt die Botanikerin.
Die Neophyten werden durch Fahrzeuge und menschliche Aktivitäten in den Park eingeschleppt, und der Klimawandel fördert ihre Ausbreitung in die Höhe. Diese Entwicklung stellt auch das Nationalparkteam vor ungelöste Fragen, denn hier wird die Natur sich selbst überlassen und menschliche Eingriffe sind nicht erlaubt. «Müssen wir uns nun selber büssen, falls wir invasive Pflanzen ausreissen?», fragt Sonja Wipf rhetorisch. Die Antwort bleibt vorerst dahingestellt, doch es ist klar, dass die Biodiversität im Alpenraum vor grossen Veränderungen steht.
RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin.
Potrebbe anche interessarti
«J’étais moins alarmiste il y a quelques années»
Une magnifique journée d’été s’annonce sur le Val Mingèr. La brume matinale enveloppe encore les sommets de la Basse-Engadine lorsque nous entamons notre ascension ponctuée de formations rocheuses étranges, de pins de montagne majestueux et de pierriers gigantesques. Après une heure de marche, nous arrivons sur l’alpage Mingèr, où Sonja Wipf a prévu de travailler aujourd’hui. Ici comme à d’autres endroits du Parc national suisse (PNS), la botaniste dresse un inventaire systématique de la flore, une entreprise scientifique initiée il y a plus d’un siècle. Le PNS compte parmi les institutions à la pointe de la recherche en ce qui concerne les effets du changement climatique. Il possède l’une des plus vastes bases de données sur la flore et la faune des Alpes.
Parallèlement à ses travaux pour le PNS, Sonja Wipf a dirigé une étude européenne remarquée où elle a démontré l’impact du changement climatique sur la biodiversité alpine. Les scientifiques ont inventorié la flore de plus de 300 sommets d’Europe et comparé leurs données avec les relevés effectués au cours des cent dernières années. Au PNS, la botaniste dirige le secteur de la recherche et du monitorage, elle est aussi membre de la direction.
Ulteriori informazioni
Info
Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
-
Raphael Weber
- Sonja Wipf recense d’un œil expert toutes les espèces présentes.
Entre-temps, au-dessus de l’alpage Mingèr, Sonja Wipf vient de délimiter un carré d’un mètre de côté sur une «surface d’observation» et y recense d’un œil expert toutes les espèces présentes. Elle en compte une quarantaine, ce qui est beaucoup. La semaine dernière, elle a dénombré jusqu’à cinquante-sept plantes différentes au mètre carré du côté de Margunet, un record.
Magazine Pro Natura : quels sont les effets du changement climatique sur la flore alpine?
Sonja Wipf: beaucoup d’espèces migrent vers les hauteurs. Sur les sommets, on trouve aujourd’hui environ 45% d’espèces en plus qu’il y a quelques décennies. La hausse des températures est corrélée à une multiplication des espèces. La flore subalpine prend possession des étages supérieurs.
Et elle fait pression sur les espèces spécialisées?
C’est ce qu’on va voir. Les espèces alpines n’ont pas l’habitude de la concurrence. Elles peuplaient jusqu’ici des lieux que les autres plantes ne cherchaient pas à leur disputer. Elles ont développé de ce fait une stratégie de survie plutôt conservatrice. La plupart possèdent une grande résistance, ne fleurissent pas chaque année et ne produisent que quelques graines minuscules. Elles poussent au ras du sol et s’adaptent moins facilement aux changements que les nouvelles venues, rompues à la compétition qui règne dans les prairies subalpines. Ces espèces spécialisées gardent bien sûr une longueur d’avance grâce aux atouts développés pour la vie en altitude et leurs rivales plus généralistes ne s’installeront pas dans les lieux les plus inhospitaliers, par exemple les pierriers. Certaines plantes alpines n’en connaissent pas moins de grandes difficultés, et leurs effectifs diminuent.
J’étais moins alarmiste il y a quelques années, mais j’observe que la colonisation par de nouvelles espèces s'est accélérée ces dernières années.
Résister et s’imposer est une stratégie, d’autres espèces menacées migrent-elles aussi plus haut?
Certainement, mais pour de nombreuses espèces acclimatées aux sommets, il n’y a plus que le ciel au-dessus. Elles se replient dans les niches qui leur conviennent, car les nouvelles espèces colonisent en priorité les emplacements chauds sur les flancs exposés au sud et à l’ouest, qui leur offrent ensoleillement maximal ou protection contre le vent.
Cette concurrence de plus en plus féroce est manifestement un facteur de stress, y en a-t-il d’autres ?
La sécheresse augmente, un problème que je ne rencontrais guère autrefois à ces altitudes. Les précipitations sont à la fois plus rares en même temps plus intenses. En plein été, ces hauteurs sont parfois totalement desséchées, et la flore n’est pas seule à en souffrir. Les sols deviennent «hydrophobes», ils ne peuvent plus absorber l’eau. Si un violent orage éclate, son impact est décuplé et peut entraîner la formation de laves torrentielles, à plus forte raison dans cette région constituée de roche dolomitique friable. Ces phénomènes sont particulièrement intéressants à observer dans un espace très sauvage comme le Parc national. Car un paysage dynamique favorise une biodiversité élevée.
Mais pour la civilisation humaine, la nature devient plus dangereuse.
C’est vrai, les événements météorologiques extrêmes sont plus fréquents, la montagne se fait plus instable, il y a davantage d’éboulements et de glissements de terrain. Le régime hydrique est lui aussi bouleversé. Les réserves glaciaires disparaissent à toute vitesse, les névés rétrécissent à vue d’œil, les sources se tarissent. Cela va notamment compliquer l’exploitation de nombreux alpages.
La fonte des glaciers et les glissements de terrain ne libèrent-ils pas de nouveaux habitats pour les plantes alpines?
Certes, mais cela ne compense que partiellement la concurrence accrue que subissent ces espèces. On le voit déjà rien qu’à la forme pyramidale de nos montagnes. La pression des étages inférieurs sur les étroites régions sommitales reste élevée.
La limite des arbres se décale-t-elle aussi vers le haut?
Des arbres isolés apparaissent sur les hauteurs du Parc national, mais on n’assiste pas encore à une migration généralisée, du fait de la forte population d’ongulés qui pâture à ces altitudes. Des changements intéressants pourraient advenir avec la présence de grands prédateurs.
-
Jan Gürke
Qu’en est-il de cette présence dans le Parc national?
Pendant plusieurs années, on n’y a observé qu’une seule louve. Nous savons depuis l’hiver dernier qu’un couple parcourt la région, mais nous n’avons à ce jour aucun indice de la formation d’une meute. Nous voulons profiter de la situation pour étudier le rôle des prédateurs dans l’écosystème. Nous récoltons depuis des années des données scientifiques à ce sujet.
Comment procédez-vous?
Des cerfs et des chamois ont été équipés de balises. Ce sont les proies principales du loup. Nous décryptons leurs schémas d’activités pour détecter des modifications. Les recensements périodiques ont déjà montré que les cerfs se déplacent en hardes moins nombreuses, probablement pour réagir plus rapidement à d’éventuelles attaques. Nous posons aussi des émetteurs sur les renards, analysons leur alimentation et installons des pièges photographiques. Les petits mammifères sont un autre terrain d’observation riche d’enseignements: se multiplient-ils parce que leur ennemi numéro un, le renard, est décimé par le loup, ou parce que le renard se nourrit davantage des charognes laissées par le loup? Dans l’ensemble, certaines espèces animales profiteront de cette dynamique, de même que certaines plantes alpines.
Une forte dynamique naturelle rend-elle la flore et la faune des Alpes plus résistantes face au bouleversement du climat?
Oui, dans les habitats alpins qui n’ont pas été façonnés par les activités humaines, les processus naturels peuvent se déployer sans entrave. Ces cycles et ces perturbations donnent vie à une incroyable mosaïque d’espèces, comme on la rencontre ici à l’alpage Mingèr.
Sans les chutes de pierre, les éboulements, les tempêtes, les canicules, la sécheresse, le froid et bien d’autres facteurs, certaines espèces n’auraient jamais la chance de s’imposer, et je n’en compterais pas quarante au mètre carré. La grande diversité des sites et des espèces leur confère une certaine résilience contre les effets du changement climatique.
-
Raphael Weber
Le travail est terminé, il est l’heure de redescendre dans la vallée. Nous traversons le lit d’un torrent qui récemment encore déplaçait d’énormes masses de pierres et charriait des troncs entiers. Il est actuellement à sec. Plus tard, en attendant le car postal, Sonja Wipf inspecte avec soin la végétation en bordure de la route et y détecte des néophytes. Il y a plus de dix ans, on n’en voyait presque aucun le long de la route de l’Ofenpass, l’axe principal qui traverse le Parc national. Ils y sont aujourd’hui bien implantés. «Heureusement qu’il n’y a pas encore de plantes invasives», rassure la botaniste.
Ces espèces arrivent dans le parc dans le sillage des véhicules et des activités humaines. Le changement climatique favorise leur dissémination en altitude. Une irruption qui place l’équipe du Parc national face à des questions sans réponse, car ici, la nature est reine et toute intervention humaine est interdite. «Devons-nous nous infliger nous-mêmes des amendes si nous arrachons des plantes invasives?», ironise Sonja Wipf. Ce dilemme n’est pas résolu, mais une chose est sûre: la biodiversité alpine se trouve à l’aube de grands bouleversements.
RAPHAEL WEBER, rédacteur en chef du Magazine Pro Natura.
Potrebbe anche interessarti
«Nun verschlucken sie alles … »
«Hier, am Eingang zum Misox, macht sich der Götterbaum breit, ein invasiver Neophyt. Fachleute sagten uns, dass er sich nur auf Lichtungen ausbreiten würde, doch nun besiedelt er auch alle schattigen Standorte und breitet sich auf Kosten der einheimischen Bäume aus.»
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Luca Plozza ist Forstingenieur beim Bünder Amt für Wald und Naturgefahren und Präsident der Schweizerischen Gebirgswaldpflegegruppe. Er war die treibende Kraft bei der Schaffung des riesigen Waldreservats Val Cama, Leggia und Grono sowie bei der Wiederherstellung und Aufwertung der eindrücklichen Kastanienselven in Soazza.
-
Raphael Weber
«Schau mal hier: Vor zehn Jahren hatte es noch keinen Götterbaum hier, nun verschlucken sie alles – auf Hektaren. Die Exoten aus China finden hier optimale Standortbedingungen; sie sind sich Hitze und Trockenheit gewohnt. Zudem hat der Götterbaum eine sogenannte allelopathische Wirkung und hemmt in seinem Umfeld die Keimung anderer Pflanzen – er ist eine richtige Kampfmaschine.»
Ein wichtiger Faktor sind aber auch die viel zu hohen Wildbestände: Die Jungbäume der einheimischen Arten werden vor allem durch Hirsche und Rehe verbissen; die fremden Götterbäume aber lassen sie in Ruhe, und so werden diese zur Plage. Eine stärkere Regulierung der Wildbestände ist deshalb stark zu begrüssen; durch den Menschen, den Wolf und den Luchs.
«An anderen Standorten bekämpfen wir die Ausbreitung der Götterbäume nun rigoros, doch hier ist es zu spät, ein Kampf gegen Windmühlen. Natürlich wird nun die Frage aufgeworfen, ob wir die Wälder nicht einfach den Götterbäumen überlassen sollen. Doch dann stelle ich die Gegenfrage, ob Roger Federer wohl auch sein ganzes Vermögen auf ein einziges Investment setzen würde. Siehst du, was ich meine? Falls sich auf einmal eine Epidemie unter den Götterbäumen ausbreiten sollte, hätten wir ein gigantisches Problem. Dazu kommt: Für die Biodiversität haben die Götterbäume einen geringen Wert. Sie bieten sehr wenigen Arten eine Lebensgrundlage.»
-
Raphael Weber
- Luca Plozza unterwegs im Misox.
Die Kastanien waren hier 2000 Jahre lang die dominanten Bäume und besiedelten die Hänge des unteren Misox. Nun sind 80 Prozent in diesen Lagen verschwunden, sie können zwar gut mit Hitze umgehen, nicht aber mit Trockenheit. Also wandern sie nach oben und hinterlassen viel Totholz. Dies erhöht die Gefahr und vor allem die Intensität von Waldbränden. Die Brände ziehen dann nicht einfach durch, sondern setzen sich richtig fest. Dadurch erhöht sich die Erosion, aber auch die Steinschlaggefahr.
«Dies ist problematisch, weil wir hier viele Schutzwälder haben. Im Misox mit seinen steilen Talflanken schützen sie unsere Dörfer und Strassen gegen Steinschläge, Lawinen und Erdrutsche. Doch die Schutzwälder geraten auch durch den Borkenkäfer unter starken Druck. Diese befallen die Bestände der Fichten – die dominanten Bäume in den hochmontanen und subalpinen Lagen – die durch die klimatischen Veränderungen stark geschwächt sind. In den tieferen Lagen wird ein Grossteil der Fichtenbestände verschwinden – Ciao! –, auch sie wandern in die Höhe.»
«Andere Bäume können ihren Platz einnehmen; verschiedene Eichensorten oder auch der Spitzahorn kommen mit den neuen Bedingungen viel besser zurecht. Doch solange die Fichten in den Schutzwäldern stark vertreten sind, können wir sie nicht grossflächig sterben lassen, sonst sind Siedlungen und Strassen rasch gefährdet.»
«Bei der Pflege von Schutzwäldern ist es wichtig, auf eine gute Artenvielfalt und eine reiche Struktur zu achten. Dazu pflanzen wir auch gezielt Bäume. Bei der Wahl stützen wir uns auf Klimamodelle und wissenschaftliche Klima-Apps. Natürlich braucht diese Arbeit Ressourcen, doch das ist immer noch viel günstiger, als Schutzbauten zu errichten.»
«Wo der Wald keine Schutzfunktion hat, können wir der Natur auch freien Lauf lassen. Darum haben wir ja zusammen mit Pro Natura ein riesiges Waldreservat geschaffen. Auch dort besteht eine unglaubliche Dynamik, bei einigen Arten nimmt die Konkurrenzkraft ab, neue Arten breiten sich aus, andere verschieben sich. Wie das morgen aussehen wird? Damit beschäftigen wir uns intensiv, aber genau können wir es nicht sagen.»
Möchten Sie bei einem Projekt mit anpacken? Informieren Sie sich über die nächsten Natureinsätze.
«Maintenant, ils supplantent tout…»
«Ici, à l’entrée du val Mesolcina (TI), l’ailante glanduleux, un néophyte invasif, a colonisé toute la zone. Les spécialistes nous assuraient qu’il ne s’installerait que dans les clairières, mais il commence à proliférer également dans tous les emplacements ombragés, au détriment des essences indigènes.»
Ulteriori informazioni
Info
Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
Luca Plozza est ingénieur forestier pour l’Office grison de la forêt et des risques naturels. Il préside le Groupe suisse de sylviculture de montagne. Il est à l’origine de la création de l’immense réserve forestière de Val Cama, Leggia et Grono, et a joué un rôle moteur dans le rétablissement et la valorisation des selves de châtaigniers à Soazza.
-
Raphael Weber
«Il y a dix ans, on ne voyait ici aucun ailante, et maintenant ils engloutissent des hectares entiers de forêt. Ces arbres exotiques originaires de Chine, habitués à la chaleur et à la sécheresse, ont trouvé dans notre région des conditions idéales pour prospérer. L’ailante possède un effet dit allélopathique, il inhibe la germination des autres plantes à proximité. Une véritable machine de guerre.
La faune d’ongulés trop abondante aggrave la situation. Les cerfs et les chevreuils dévorent les jeunes pousses des essences locales, mais dédaignent les ailantes «étrangers». Une meilleure régulation du gibier est plus que souhaitable, par l’être humain, le loup ou le lynx.
À certains endroits, nous combattons systématiquement la propagation de l’ailante glanduleux, mais ici, c’est déjà trop tard, et nous lutterions contre des moulins à vent. On peut bien sûr se demander pourquoi nous n’abandonnons pas tout simplement la forêt à l’ailante. Il suffirait alors que les ailantes soient victimes d’une épidémie et ce serait la catastrophe. Il faut dire aussi que cet arbre n’a pas une grande valeur pour la biodiversité, car il ne constitue une ressource vitale que pour un tout petit nombre d’espèces.»
-
Raphael Weber
«Le châtaignier est depuis 2000 ans l’essence dominante dans la partie inférieure du val Mesolcina. Près de 80% de sa population a aujourd'hui disparu. Les arbres migrent plus en hauteur et laissent derrière eux des quantités de bois mort. Cela accroît la probabilité et surtout l’intensité des incendies. Le feu ne fait pas que traverser la forêt, il la consume en profondeur, accentuant l'érosion et le risque de chutes de pierres.
C’est problématique, car nous avons ici de nombreuses forêts de protection. Sur les pentes abruptes du val Mesolcina, ces forêts forment un rempart contre les éboulements, les avalanches et les glissements de terrain pour les villages et les routes en contrebas. Mais elles subissent également les assauts des scolytes. L’insecte s’attaque aux épicéas, l’essence dominante des forêts alpines et subalpines, déjà très affaiblis par le changement climatique. Aux basses altitudes, il faudra dire adieu à la plupart des peuplements d’épicéas, eux aussi chercheront refuge sur les hauteurs.
D’autres arbres sont candidats pour prendre leur place: plusieurs variétés de chêne et d’érable plane s’en sortent beaucoup mieux avec les nouvelles conditions climatiques. Pourtant, tant que les épicéas sont majoritaires dans les forêts protectrices, nous ne pouvons pas nous permettre de les laisser mourir à grande échelle, sous peine de mettre en danger les habitations et les routes.»
«L’entretien des forêts protectrices passe par une attention à la diversité des espèces et à la richesse de la structure. Nous plantons intentionnellement des arbres à cet effet. Pour le choix des essences, nous nous appuyons sur des modèles climatiques et des applications scientifiques. Ce travail a évidemment un coût, mais reste beaucoup moins onéreux que l’érection d’ouvrages de protection.»
«Là où la forêt n’a pas de fonction protectrice, nous pouvons laisser libre cours à la nature. Raison pour laquelle nous avons créé une immense réserve forestière avec Pro Natura. Une dynamique incroyable s’y est développée, certaines espèces deviennent moins compétitives, de nouvelles s’installent, d’autres se déplacent. À quoi ressemblera la forêt demain? Nous nous posons tous les jours cette question, mais impossible de prédire avec exactitude ce qui se passera.»
Souhaitez-vous agir concrètement pour la nature? Informez-vous au sujet des prochaines missions nature. Vous en trouverez peut-être une faite pour vous.
Potrebbe anche interessarti
Die Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen schwindet leise. 255 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in der Schweiz bereits ausgestorben. Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet. Es ist höchste Zeit zu handeln.
Für immer ausgestorben?
Den Bodensee-Steinbrech werden Sie nie blühen sehen. Dies einst am Ufer des Bodensees heimische Pflanze ist weltweit ausgestorben. Für sie kommt jede Hilfe zu spät. Das gilt auch für über 800 andere weltweit ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten; zum Beispiel den Beutelwolf oder die Pinta-Riesenschildkröte. Glücklicherweise überleben viele Arten, die bei uns ausgestorben sind oder ausgerottet wurden, ausserhalb der Schweiz. Für sie besteht die Chance, in ihrer alten Heimat wieder Fuss zu fassen. So wie einst der Steinbock. Pro Natura setzt sich ein, dass einst verdrängte Tiere und Pflanzen wieder heimisch werden können; zum Beispiel der Wolf, der Bär oder der Fischotter.
Selbst der König steht auf der Roten Liste
Überlebt der «Roi du Doubs» (König des Doubs)? Noch leben einige wenige Exemplare dieser vom Aussterben bedrohten Fischart im Jurafluss. Damit sie überleben, brauchen sie Hilfe. Der Roi du Doubs ist kein Einzelfall. 36% der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten der Schweiz sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Der Zustand der Schweizer Artenvielfalt ist kritisch. Nur bei wenigen Arten spielt heute die direkte Bedrohung durch Fang, Wilderei oder Ausgraben eine Rolle. Den meisten der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten fehlen schlicht geeignete Lebensräume.
Was tut Pro Natura für bedrohte Arten?
- Wir setzen uns für naturnahe Land- und Waldwirtschaft und einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ein.
- Pro Natura engagiert sich für ein gut funktionierendes Netz von Schutzgebieten. Dazu gehören auch der Schweizerische Nationalpark und neue Nationalpärke.
- Pro Natura sichert und betreut Naturschutzgebiete. Sie entwickelt ihr Netz an Naturschutzgebieten laufend weiter.
- Wir werten mit unserer Aktion Biber & Co. und zahlreichen weiteren Projekten Lebensräume auf.
- Wir fördern mit Projekten prioritäre, bedrohte Arten.
Sie können bedrohten Arten helfen!
- Durch einen naturnahen Garten
- Durch bewusstes Einkaufen
- Durch Rücksicht auf die Natur bei Freizeitaktivitäten
- Durch aktive Mithilfe bei Naturschutzprojekten - zum Beispiel bei Freiwilligeneinsätzen von Pro Natura
Ulteriori informazioni
Potrebbe anche interessarti
«Handeln ist ein gutes Mittel gegen Zukunftsangst»
Pro Natura Magazin: Die Grundstimmung in der Gesellschaft ist heute nicht gerade optimistisch. Hat das Auswirkungen auf die Haltungen und die Perspektiven der Menschen?
Chantal Peyer: Ja, natürlich. Unsere Moral und unsere Motivation werden dadurch beeinflusst. Das ist völlig normal. Aber wir dürfen uns von diesen Gefühlen nicht beherrschen lassen: Wir leben in einer Zeit, die verlangt, dass wir eine gewisse Form von Mut entwickeln. Mut zeigt sich nicht nur in grossen Taten, sondern auch im Willen, die Welt so zu betrachten, dass der Blick über die negativen Entwicklungen der Gegenwart hinausgeht. Das bedeutet, weiterhin an den Menschen zu glauben, an unsere Fähigkeit, gemeinsam Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls, der Solidarität und der Umwelt zu treffen. Und es bedeutet, unsere Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wir aufbauen wollen, statt auf das, was zerstört wird.
Sind junge Menschen stärker betroffen? Sind sie in der Lage, sich eine Zukunft auszumalen?
Junge Menschen können von Natur aus besser gegen den Status quo rebellieren und Missstände aufdecken als wir Erwachsene. Sie halten uns quasi einen Spiegel vor und zeigen uns die Welt, die wir geschaffen haben – mit all ihren Fehlern und Schwierigkeiten. Dieser nüchterne Blick auf unsere Welt kann selbstverständlich auch Ängste wecken. Gemäss internationalen Umfragen geben 59 Prozent der jungen Menschen an, dass sie Angst vor der Zukunft haben. Es ist an uns Erwachsenen, ihnen zuzuhören, Gesprächsräume zu öffnen und sie darin zu unterstützen, aus diesen Ohnmachtsgefühlen herauszufinden. Wir können ihnen nahebringen, dass alle grossen gesellschaftlichen Veränderungen zunächst einmal Utopien waren und dass es gesund und auch legitim ist, die Welt verändern zu wollen. Und schliesslich sollten wir ihnen auch helfen, konkrete Massnahmen in diese Richtung zu entwickeln. Handeln ist ein gutes Mittel gegen Zukunftsangst.
Wie lässt sich die Lust auf eine bessere Zukunft wecken? Eher durch Erzählungen oder durch Taten? Oder gehen die Erzählungen den Taten voraus?
Der Mensch ist ein erzählendes Wesen. Geschichten ermöglichen es uns, der Welt einen Sinn zu geben und zusammenzuarbeiten. Autoren und Autorinnen wie Yuval Harari, Nancy Huston oder Alain Damasio haben das gut beschrieben. Bevor Neil Armstrong seinen Fuss auf den Mond setzte, gab es zahlreiche Bücher und Filme, die von einer Reise zum Mond erzählten – von Jules Verne über Georges Méliès bis zu «Tim und Struppi». Diese Reise wurde für das Land, dem sie zum ersten Mal gelang, zu einem Symbol für Erfolg, Macht und Erfindungsgabe. Heute geht es nicht mehr darum, zum Mond zu fliegen, sondern die Zukunft auf unserem Planeten zu sichern. Wir sollten uns fragen: Welche Geschichten lassen eine Gesellschaft, die sich an die planetaren Grenzen hält, erstrebenswert erscheinen? Welche Geschichten machen den Richtungswechsel wünschbar?
Sind Utopien angesichts der alltäglichen Realitäten nicht ein Stück weit naiv?
Meiner Meinung nach muss man die Argumentation umkehren: Heute sind diejenigen unrealistisch und unpragmatisch, die glauben, wir könnten so weitermachen wie bisher, also natürliche Ressourcen unbegrenzt ausbeuten, Ökosysteme zerstören und die Reichtumsschere in der Gesellschaft weiter öffnen. Dabei deuten alle wissenschaftlichen Fakten auf das Gleiche hin – dieses Modell führt zu einer globalen Erwärmung, die die Lebensgrundlagen auf der Erde zerstört. Hat man das einmal festgestellt, bringen einen der gesunde Menschenverstand und die Vernunft unweigerlich dazu, sich etwas anderes vorzustellen, also utopisch zu sein!
Sie möchten «nüchternen Optimismus» fördern. Was bedeutet das bezüglich Naturschutz, Klimawandel und Biodiversität?
In meinem Podcast «2040 j’y vais !» treffe ich Menschen in der Romandie, die bereits Wege zu einer nachhaltigen Schweiz aufzeigen. Im Lebensmittelbereich zum Beispiel gibt es bereits konkrete Projekte, um die CO2-Emissionen zu senken. Die technische Hochschule EPFL in Lausanne hat ihren Fleischkonsum um
50 Prozent reduziert und setzt ganz auf lokales und saisonales Gemüse. Oder die Auberge «Ben Ouais» in Corcelles-le-Jorat im Kanton Waadt – sie kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, indem sie unverkaufte Menüs mit einem Rabatt in einem angegliederten Laden verkauft. Heute geht es darum, genau solche Projekte in einem grösseren Massstab zu realisieren. Das bedeutet, dass wir sie systemisch unterstützen müssen. Nehmen wir das Beispiel Energie. Zwischen 1956 und 1964 investierten unsere Grosseltern drei bis vier Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz in den Bau von Staudämmen, die uns heute mit Strom versorgen. Würden wir in den nächsten fünf Jahren auf die gleiche Art drei bis vier Prozent des BIP in die Finanzierung der Energiewende investieren, könnten wir einen gewaltigen Sprung nach vorn machen.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Stand – Kommen Sie vorbei!
BONJOUR NATURE an der Giardina
Mit dem Projekt BONJOUR NATURE fördern wir die naturnahe Gestaltung von Privatgärten, indem wir mit kostenlosen Beratungen und Zertifizierungen Gartenbesitzer:innen inspirieren, sich aktiv für die Biodiversität einzusetzen. Kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf Sie.
Standort: Halle 01/D04
Tickets: https://www.giardina.ch/de
Dettagli dell'evento
Data
Luogo
Zürich Oerlikon
Dettagli
Costo
siehe Veranstaltungswebseite
Bitte melden: Tier- und Pflanzen-Beobachtungen gesucht
Eine Meldung ist rasch gemacht: Haben Sie ein Tier beobachtet und sind Sie sich sicher, um welche Art es sich handelt, besuchen Sie bitte die jeweilige Webseite. Zusätzlich zur Meldung können Sie auch ein Foto des Tieres mitschicken. Sie müssen sich kurz registrieren, damit die Meldestelle in bestimmten Fällen eine Rückfrage stellen kann. Bei einigen Organisationen erhalten Sie auch die Möglichkeit, Ihre Beobachtung via App zu melden.
Datenbank für Meldungen von allen Tieren ausser Fledermäusen und Vögeln:
App:
Meldungen von Fledermausquartieren:
Datenbank für Vogelbeobachtungen:
Datenbank für Meldungen von Blüten- und Farnpflanzen:
- Info Flora - Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora
- Link zum Online-Feldbuch
- Link zu weiteren Erfassungsmöglichkeiten
App: