Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Länzertobel Naturwald

Aktion Spechte & Co.

Lichter Wald in Dättlikon

Aktion Spechte & Co. ZH/SH

Artenreiche Wiesen sind wichtig für die Biodiversität in der Schweiz. Egal ob in Siedlungen oder auf dem Land.
30.04.2021 Biodiversitätskrise

Auf dem Weg zu neuen internationalen Biodiversitätszielen

Die Pariser Klimaziele sind heute in aller Munde. Nicht minder wichtig sind die globalen Ziele, die sich die Staatengemeinschaft für die Überwindung der Biodiversitätskrise gesetzt hat. Im kommenden Herbst sollen diese an der 15. Welt-Biodiversitätskonferenz mit dem Zeithorizont 2030 neu festgelegt werden. Ab dem 3. Mai findet mit den Online-Verhandlungen des wissenschaftlich-technisch-technologischen Beirats (SBSTTA) eine wichtige Zwischenetappe statt. Pro Natura ist dabei.

Die Bilanz der hoffnungsvoll ausgerufenen «Uno-Biodiversitätsdekade» (2011 bis 2020) fiel Ende letzten Jahres ernüchternd aus: Keines der bisherigen internationalen Biodiversitätsziele (so genannten «Aichi-Ziele») ist erreicht worden. Derweil hat die Biodiversitätskrise ein derart bedrohliches Ausmass angenommen, dass der dringende Handlungsbedarf von niemandem mehr geleugnet werden kann. 

Die Weltgemeinschaft nimmt einen neuen Anlauf

Im Oktober 2021 treffen sich – mit einem Jahr coronabedingter Verspätung – die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention (CBD), darunter auch die Schweiz, im chinesischen Kunming. Vorausgesetzt, die Pandemie lässt dies zu. Dort sollen neue globale Biodiversitätsziele beschlossen werden, umzusetzen bis 2030. Vom 3. Mai bis 13. Juni laufen die bisherigen Vorbereitungsarbeiten für das neue «Globale Biodiversitätsrahmenwerk» in einer wichtigen Zwischenetappe zusammen: der Konferenz des wissenschaftlich-technisch-technologischen Beirats (SBSTTA) und des Umsetzungsbeirats (SBI). Pro Natura ist zusammen mit ihrem Netzwerk Friends of the Earth International an den Verhandlungen dabei und engagiert sich für ein wirksames, ambitioniertes und faires Abkommen, das den Verlust der Biodiversität bis 2030 stoppt. Dabei sind einige Verhandlungsthemen von besonderer Bedeutung, auch und gerade für die Biodiversitätspolitik der Schweiz.

Umsetzung zur Aufgabe für alle machen

Dass die Aichi-Ziele nicht erreicht wurden, liegt allem voran an grossen Mängeln in der Umsetzung. In Zukunft soll diese nicht mehr jedem Land vollkommen selbst überlassen sein, sondern nach einheitlichen Vorgaben geplant werden, mit normierten Formaten für die Berichterstattung und einem verbindlichen Überprüfungsmechanismus. Zudem soll die Verantwortung für die Umsetzung von Biodiversitätszielen nicht mehr nur bei den Umweltressorts liegen, sondern als Querschnittaufgabe aller Politikbereiche verstanden werden («whole government approach»). Das ist auch für die Schweiz und ihre Biodiversitätsstrategie eine wichtige Botschaft: Der neue Aktionsplan, der ab 2023 in Kraft treten soll, muss weit mehr als bisher alle Politikbereiche gleichermassen verpflichten und für alle Ressorts verbindliche Vorgaben machen. Das bedeutet auch darauf zu achten, dass der Nutzungsdruck – etwa in der Landwirtschaft oder im Energiebereich – den Druck auf die Artenvielfalt nicht noch mehr erhöht. In diesem Punkt besteht auch im gegenwärtigen Entwurf des neuen globalen Rahmenabkommens Verbesserungsbedarf.

Flächen und Finanzen: es braucht mehr!

Flächenziele sind ein zentrales Thema, in der internationalen Diskussion genauso wie auf nationaler Ebene. Unter dem Motto «30by30» hat sich eine Gruppe von über 57 Ländern («High Ambition Coalition») dafür ausgesprochen, dass auf 30% der Land- und Meeresfläche die Bewahrung der Natur Vorrang haben soll. Die Schweiz gehört dieser Gruppe an – zu Recht, denn dieses Ziel ist auch für die Schweiz aus wissenschaftlicher Sicht nötig. Dabei geht es nicht nur um quantitative Ziele, sondern auch um qualitative Verbesserungen und um die Partizipation der betroffenen Bevölkerung. National wie auch international sind eine repräsentative Auswahl der Gebiete, ein fairer und umfassender Einbezug der GrundeigentümerInnen und aller Stakeholder nötig sowie ein abgestimmtes, wirksames und zielführendes Schutzgebietsmanagement.

Zur Diskussion stehen auch die Finanzen. Hierbei wird neben einer deutlichen Erhöhung der finanziellen Unterstützung an die Länder im globalen Süden (erneut) eine Umlenkung biodiversitätsschädigender Subventionen gefordert. Auch hier ergeben sich reichlich Ansatzpunkte für die Schweiz: sie reichen von der Erhöhung der finanziellen Mittel für die Biodiversität auf allen Stufen bis zur Abschaffung biodiversitätsschädigender Subventionen, deren Wert bekanntlich auf mindestens 40 Mrd. Franken jährlich geschätzt wird.

Wirtschaft und Konsum: Planetare Grenzen respektieren

Wer Biodiversitätsziele erreichen will, kommt nicht umhin, auch die Wirtschaft, den Handel und den Konsum in die Pflicht zu nehmen. Die Nachfrage in den Industrieländern und die Aktivitäten der dort angesiedelten Konzerne üben einen immensen Druck auf die Biodiversität in den Entwicklungsländern aus. Es braucht rechtlich verbindliche Spielregeln, dass ihre wirtschaftlichen Aktivitäten nicht zulasten von Umwelt und Menschenrechten gehen. Aktuell möchte der Entwurf des neuen globalen Biodiversitätsrahmenwerks nur die KonsumentInnen adressieren. Das reicht jedoch ebenso wenig wie rein freiwillige Verpflichtungen der Unternehmen. Die Schweiz zumindest hat mit dem Volksmehr zur Konzernverantwortungsinitiative ein klares Signal erhalten, dass mehr bindende staatliche Regeln gewünscht sind.

Es gibt noch viel zu tun… international und in der Schweiz 

Der aktuelle Entwurf des neuen globalen Biodiversitätsvertrags liegt derzeit noch deutlich hinter den bestehenden Aichi-Zielen zurück, und berücksichtigt auch wichtige Aspekte der Biodiversitätskonvention nicht. In ihrem Bestreben nach einem griffigeren Vertragswerk liegen die Positionen der offiziellen Schweiz und von Pro Natura / Friends of the Earth erfreulicherweise in vielen Punkten nicht weit auseinander. Die Schweizer Delegation dürfte in den Verhandlungen manche der oben aufgeführten Forderungen aufgreifen. Bleibt zu hoffen, dass auch die Schweizer Biodiversitätspolitik, mit oder ohne starkes internationales Rahmenwerk, in Zukunft ambitionierter und griffiger wird.

Blumenwiese
01.03.2021 Biodiversitätskrise

Biodiversitäts- und Klimakrise: Weiter wie bisher funktioniert bei beiden nicht

Die Klimaerwärmung schreitet rasant voran und mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz sind gefährdet. Eine intakte Biodiversität hilft aber, die Konsequenzen der Klimaerwärmung abzuschwächen. Die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind nur gemeinsam lösbar und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Siebzehn Ziele für die nachhaltige Entwicklung enthält die Agenda 2030. Mit dieser wollen die UNO-Staaten gemeinsam die grossen Herausforderungen der Welt lösen. Die Agenda umfasst alle Dimensionen der Nachhaltigkeit und thematisiert nicht nur Armut und Hunger, sondern zum Beispiel auch Bildung, Gesundheit, Gleichstellung, Zugang zu bezahlbarer Energie, Friede und Gerechtigkeit und…Biodiversität und Klima.

Schlüsselfaktor Biodiversität

So verschieden die Nachhaltigkeitsziele auf den ersten Blick scheinen mögen – sie sind eng miteinander verwoben. Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei der Biodiversität zu:

  • Die Erhaltung der Biodiversität trägt zum Erreichen der meisten anderen Ziele bei.
  • Die Biodiversität verstärkt den gegenseitigen Nutzen zwischen den Zielen und puffert allfällige negative Interaktionen ab. Dies zeigt auch ein neues Factsheet der Akademien der Wissenschaften. 
  • Eine reiche Biodiversität ist unter anderem wichtig für die Ernährungssicherheit, für Gesundheit und Wohlbefinden, sauberes Trinkwasser, Wirtschaftswachstum und nachhaltige Städte – und sie unterstützt die Bewältigung der Klimakrise.

Genetische Vielfalt, Artenreichtum und intakte Ökosysteme helfen also, den Klimawandel abzuschwächen und sich besser an diesen anzupassen. Umgekehrt lässt sich die Biodiversität nur bewahren, wenn es uns gelingt, die Klimaerwärmung markant zu verlangsamen. Denn weltweit gilt die Klimakrise nach Landnutzungsänderungen und Rohstoffabbau als die drittstärkste Bedrohung für die Biodiversität, Tendenz steigend.

Die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind verquickt

Trotz der wissenschaftlich gut dokumentierten Wechselwirkungen zwischen Klima und Biodiversität werden die Biodiversitäts- und die Klimakrise weitgehend als unabhängige Phänomene wahrgenommen und auch so behandelt. Massnahmen werden innerhalb einzelner Sektoren erarbeitet und geraten im dümmsten Fall miteinander in Konflikt. Viel klüger wäre es, die grossen Treiber anzugehen, die hinter den beiden mensch-gemachten Umweltveränderungen stehen.

 

«Die Biodiversität unterstützt die Bewältigung der Klimakrise.»

Daniela Pauli, Biologin, langjährige Geschäftsführerin des Forum Biodiversität Schweiz

Daniela Pauli Pro Natura

Ressourcenverbrauch: Verringern statt umlagern

Einer dieser grossen Treiber ist der hohe Verbrauch (und Verschleiss) von Ressourcen aller Art. Doch statt Verschwendung und Verbrauch zu senken, wird lieber umgelagert. 

Beispiel Mobilität

Ein anschauliches Beispiel ist die Mobilität: weg von Diesel und Benzin, hin zur Elektromobilität. Hinsichtlich der Verringerung des CO2-Ausstosses mag dies eine gute Lösung sein, doch die Elektromobilität führt unter anderem zu einem gewaltigen zusätzlichen Bedarf an chemischen Elementen für die Herstellung von Batterien für Elektroautos: Nickel, Kupfer, Kobalt aber auch Metalle der Seltenen Erden, wie Molybdän, Lithium und Titan. Genau solche Elemente sind in den Manganknollen enthalten, die auf den Meeresböden der Tiefsee liegen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten.

Doch der Abbau der Manganknollen hätte unbekannte Auswirkungen auf die Meeresökosysteme und ihre Bewohner, deren Vielfalt und Lebensweisen erst ansatzweise erforscht sind. Die (vermeintliche) Lösung eines Problems führt also durch die Hintertür zu neuen, vielleicht noch grösseren Schäden für Umwelt und Natur. Nachhaltig ist das sicherlich nicht.

Am grossen Wandel führt kein Weg vorbei

Sowohl der Weltklimarat IPCC als auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES betonen, dass «gäng wie gäng» keine Option mehr ist. Es braucht einen grundlegenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Es braucht nicht nur technologische, ökonomische und soziale Veränderungen, sondern auch Anpassungen unserer Ziele und Werte. Wir müssen die Vision des «guten Lebens» vom Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppeln.

Düdinger Moos
02.03.2021 Moore

Moore: Hotspots der Biodiversität sind auch grosse Kohlenstoffspeicher

Gesunde Moore mit einer intakten Biodiversität können Kohlenstoffe binden und so die Klimaerwärmung bremsen. In der Schweiz ist aber eher das Gegenteil der Fall.

Die Klimaerwärmung hat den Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Mensch reichert die Luft durch seinen Lebensstil und seine wirtschaftlichen und industriellen Aktivitäten künstlich mit Kohlendioxid an. In den letzten 800 000 Jahren war der CO2-Gehalt in der Atmo­sphäre noch nie so hoch wie heute.

Der Treibhauseffekt – ein Phänomen, das für das Leben auf der Erde unverzichtbar ist und dessen Intensität zeitlich schwankt –, ist ausser Kontrolle geraten. Viele Arten sind dadurch bedroht, auch wir Menschen. Der Klimawandel lässt sich nur bremsen, wenn wir die CO2-Konzentration in der Atmosphäre herabsetzen. Kohlenstoffsenken können dazu einen Beitrag leisten.

Gigantische Kohlenstoffspeicher

Ökosysteme, die mehr Kohlenstoff aufnehmen als abgeben, stellen mehr oder weniger erneuerbare und langfristige Kohlenstoffsenken dar. Bäume zum Beispiel binden den Kohlenstoff vor allem während ihres Wachstums. Sie bauen damit ihr Holz und ihre Blätter auf. Ein Teil dieses Kohlenstoffs wird später im Humus des Waldbodens gespeichert, während der Rest bei der mikro­biellen Zersetzung in Form von CO2 wieder in die Atmosphäre gelangt.

In vernässten Lebensräumen wie den Mooren werden abgestorbene Pflanzenteile nicht vollständig abgebaut, sondern sammeln sich in Form von Torf an, der zur Hälfte aus Kohlenstoff besteht. Solange die Torfböden wassergesättigt sind, kommt der Zersetzungsprozess nicht in Gang und der Kohlenstoff bleibt gebunden, manchmal für Zehntausende von Jahren. In einer ungefähr 15 Zentimeter dicken Torfschicht ist die gleiche Menge Kohlenstoff enthalten wie in einem hundertjährigen Wald gleicher Fläche. Somit kann es nicht erstaunen, dass in den Mooren, die nur drei Prozent der globalen Landfläche ausmachen, ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs gespeichert ist – mehr als in allen Wäldern der Erde zusammen.

Zerstörte Moore setzen CO2 frei

Doch Moore sind extrem verletzliche Lebensräume. Besonders empfindlich reagieren sie auf menschliche Störungen wie Trittbelastung, Drainage, Nährstoffeintrag oder Torfabbau. Als externer Störfaktor wirkt sich auch die Klimaerwärmung negativ aus: Der Temperaturanstieg führt in den Mooren nicht nur zu einem Rückgang der speziellen Biodiversität und zu Verbuschungen, die das Austrocknen noch verstärken, sondern auch zu einem Stillstand der Torfneubildung. Und vor allem wird der im Torf enthaltene Kohlenstoff, der dort seit Tausenden oder sogar Zehntausenden von Jahren gebunden ist, wieder in Umlauf gebracht. Kurzum: Gesunde Moore mit einer intakten Biodiversität können Kohlenstoffe binden, während Moore in einem schlechten Zustand Kohlenstoffe freigeben.

Daher könnten sich die Moorgebiete der Erde bis im Jahr 2100 von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle wandeln. In der Schweiz hat diese Umkehrung bereits stattgefunden. Obwohl die Schätzungen auf globaler Ebene noch sehr unsicher sind, geht man davon aus, dass die jährlichen CO2-Emissionen aus beeinträchtigten Mooren bereits fünf bis zehn Prozent der jährlich vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aus­machen.

Die Zerstörung von Feuchtgebieten aus Nutzungsgründen ist ebenfalls ein Problem, insbesondere die Umwandlung von Sumpfgebieten in Landwirtschaftsflächen. In der Schweiz wird ein Drittel des Gemüses auf ehemaligen Moorflächen produziert; im Seeland, im Wauwilermoos, im St. Galler Rheintal oder in der Zihl-Ebene. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung, die in diesen Regionen durch umfangreiche Entwässerungen ermöglicht wurde, werden erhebliche Mengen an CO2 freigesetzt. So kommt es, dass eine Hektare Seeland-Rüebli pro Jahr 30 Tonnen CO2 emittiert.

Pro Natura gibt Gegensteuer

Obwohl das Stimmvolk 1987 die Rothenturm-Initiative annahm und den Moorschutz im Schweizer Recht verankerte und obwohl etliche Zerstörungen in den frühen 1990er-Jahren gestoppt wurden, verschlechtert sich der Zustand der meisten Moore weiter. Der Grund dafür liegt einerseits in den Schäden aus der Zeit vor 1987, vor allem aber in den unzureichenden oder nicht vorhandenen Pufferzonen.

Pro Natura beteiligt sich an verschiedenen Revitalisierungsprojekten. Ein gutes Beispiel dafür ist das Moor von Les Pontins in der Gemeinde St-Imier (BE). Dieses vielfältig strukturierte Gebiet ist im Bundesinventar der Moorlandschaften von nationaler Bedeutung verzeichnet und stellt einen Hotspot der Biodiversität dar.

Hier versucht Pro Natura, den Charakter des Moorgebiets zu erhalten und die Lebensräume der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten wiederherzustellen. Dazu mussten früher angelegte Entwässerungsgräben auf einer Länge von einem Kilometer vollständig aufgefüllt und der Hauptabzugsgraben mit Spundwänden verschlossen werden. Nun ist das Moor wieder am Vernässen, damit kann sich die Biodiversität wieder entfalten – und damit bindet das Moor wieder Kohlenstoff.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Goldglänzende Furchenbiene
Aktiv werden

Wie baue ich eine Sandlinse für Wildbienen?

Drei von vier einheimischen Wildbienen-Arten nisten in selbstgegrabenen Gängen im Boden. Sandböden an besonnter Lage sind dementsprechend beliebt. Wir zeigen Ihnen, wie der Bau auch in Ihrem Garten oder Balkon gelingt.

Natürlich ist eine Fläche umso wertvoller, je grösser sie ist. Denken Sie aber daran: Zu grosse Flächen sind manchmal auch schwierig für die spätere Pflege.  

Auch kleinere Plätze können sich in Wildbienen-Kinderstuben verwandeln. In Töpfen, Hochbeeten oder am Rand von Häusern und Wegen erklingt rasch ein emsiges Summen. Bereits kleine, tellergrosse Flächen werden besiedelt, wenn der Untergrund stimmt und die Insekten nicht gestört werden.  

Sie möchten keine Sandlinse erstellen, aber trotzdem was für die bodenbrütenden Wildbienen tun? Entfernen Sie einfach auf einer kleinen, leicht geneigten Fläche die Pflanzen oder erstellen Sie an einer Böschung mit dem Spaten eine Abbruchkante.

4 Tipps für den richtigen Standort 

Vor dem Griff zur Schaufel braucht es etwas Planung. Überlegen Sie sich:

  1. Ist der Standort genug weit weg von stark wuchernden Pflanzen? Gibt es nur wenig Laub in der Nähe? Kann das Regenwasser gut abfliessen? Es ist wichtig, dass die Stelle auch gut zugänglich ist für die Pflege – und für spätere Beobachtungen.
  2. Ist der Blumen-Tisch in der Nähe gedeckt? Wildbienen fliegen oft nur wenige hundert Meter weit. Sie brauchen darum genügend passenden Nektar und Pollen vor Ort. Wichtig ist ein gutes Nahrungsangebot durch einheimische Wildpflanzen das ganze Jahr über. Es sollte immer etwas blühen.
  3. Gute Verstecke: Kleinstrukturen wie z.B. Asthaufen oder Hecken sorgen für versteckte Ruhe- und Übernachtungsplätze.
  4. Sonnig und trocken: Damit die Wildbienen beschwingt in den Tag starten, müssen sie Wärme tanken. Auch die Larven gedeihen besser an der Wärme. Achten Sie darauf, dass der Standort das ganze Jahr an der Sonne ist.

Den richtigen Sand auswählen 

Geeigneter Sand darf nicht zu bröckelig und nicht zu lehmig sein. «Spielsand» für den Sandkasten ist ungeeignet, weil er gewaschen ist und keinen Lehm mehr enthält. Sand «ab Wand» erhalten Sie in Kieswerken, 1 m3 kostet ca. Fr. 60.–. 

Das Video von Wildbee zeigt, wie sich der ideale Sand verhält. Nehmen Sie sich eine leicht feuchte Sandprobe, z.B. nach einem Regen. Drücken Sie den Sand fest zusammen. Tippen Sie mit den Fingern auf den Sandbrocken. Idealer Sand zerbröckelt nach festerem Anstossen ganz leicht. Falls Sie verschiedene geeignete Sandarten finden, so können Sie auch unterschiedliche Bereiche anlegen. Die einen Bienen bevorzugen Natursand, die anderen Schlemmsand.

In 5 Schritten zur Sandlinse im Garten

Die ideale Jahreszeit für den Bau einer Sandlinse ist zwischen Oktober und Februar. Ab März beginnt die Wildbienensaison und erste Bienenarten bauen ihre Niströhren.

  1. Besorgen Sie sich genug Sand. Für eine 3 m2 grosse Sandlinse benötigen Sie 1,5 m3 Wildbienensand. Planen Sie lieber mehr Material ein – im Laufe der Zeit sackt alles zusammen. Hat es dadurch zu wenig Sand, gibt es ein Problem. Im Nachhinein dürfen Sie keinen Sand mehr aufschütten, sonst werden ihre Wildbienen lebendig begraben. Rechnen Sie von Anfang an grosszügig. Empfohlen ist eine Sandtiefe von ca. 30 cm, damit alle Bienen Platz haben für ihre Nestgänge.
  2. Heben Sie eine Grube von 35 cm Tiefe aus.
  3. Eine gute Sandlinse braucht eine Drainage – sonst stehen die Nester bei starkem Regen bald unter Wasser. Füllen Sie ca. 5 cm Kies in die Grube.
  4. Füllen Sie die Grube mit Sand. Einige Insekten-Arten mögen lockeren Sand am Rand, andere lieben die festen Flächen. Drücken Sie den Sand darum etwas fest und verteilen Sie ihn gleichmässig.
  5. Befestigen Sie den Rand der Sandlinse z.B. mit Steinen, Baumstämmen oder Wurzelstöcken. So wird die Sandlinse vor Erosion geschützt.

Noch wertvoller wird Ihre Sandlinse, wenn Sie am Rand Steine in allen Grössen, Totholz-Baumstämme, Wurzelstöcke und Findlinge ergänzen. Damit die Sandlinse nicht zum Katzenklo wird: Decken Sie die Sandlinse mit einigen Dornenzweigen oder einem Kaninchendraht ab. Wenn viele Leute vorbeispazieren, lohnt sich auch ein kleiner Zaun oder ein Hinweisschild für mehr Rücksicht.

Für den Balkon: Mini-Sandlinse mit Maxi-Wirkung

Auch hier gilt: Am besten erstellen Sie Ihre Sandlinse zwischen Oktober und Februar. Ab März geht es los mit der Wildbienensaison. Die ersten Arten starten dann und bauen ihre Nester.

  1. Besorgen Sie sich einen Topf, eine Balkonkiste oder einen Waschzuber mit Löchern für den Wasserabfluss. Eine Höhe von 35 cm ist ideal.  
  2. Besorgen Sie genügend Sand. Bitte nehmen Sie nicht den gewaschenen Sand aus dem Gartenbaucenter, sondern besorgen Sie sich Sand aus einem Kieswerk.
  3. Schichten Sie ca. 5 cm Kies in den Topf. So stehen die Nester der Insekten auch dann nicht unter Wasser, wenn der Untertopf vom Regen mit Wasser durchtränkt ist.
  4. Füllen Sie mit Sand auf. Einige Insekten-Arten mögen lockeren Sand am Rand, andere lieben die festen Flächen. Drücken Sie den Sand darum etwas fest und verteilen Sie ihn gleichmässig.
  5. Bei genügend Platz können Sie ergänzend am Topfrand oder nebenan einige Totholzstrukturen erstellen.

So pflegen Sie Ihre Sandlinse

  • Entfernen Sie 1-2 mal pro Jahr (Frühling, Herbst) auf allen Flächen Gräser und stark wuchernde Pflanzen von Hand.
  • Lassen Sie die Samenstände der am Rand einwachsenden Pflanzen im Herbst stehen.
  • Manche Wildbienen nagen sich Nester in Pflanzenstängel, die innen mit weichem Mark gefüllt sind, z.B. in die Stängel von Brombeeren oder Heckenrosen. Lassen Sie solche Stängel bitte stehen oder schneiden Sie diese im Frühjahr ab, binden Sie diese zusammen und stellen sie aufrecht an einen Zaun oder Mauer. So können die jungen Bienen schlüpfen.

Wenn der Sandhaufen überwachsen oder der Sand abgeschwemmt ist: Errichten Sie an anderer Stelle eine neue Sandlinse. Bitte schütten Sie keinen neuen Sand auf den alten Standort. Sonst können die Wildbienen im Boden nicht mehr schlüpfen – und werden lebendig begraben.

Bildergalerie zu verschiedenen Sandlinsen

Biene Borretsch saugt Nektar aus Blüte
Für die Wildbienen

Wir setzen uns schweizweit für die Artenvielfalt und den Schutz von Lebensräumen ein. Doch das können wir nicht ohne Sie. Sei es eine Sandlinse im eigenen Garten oder eine Spende für unsere Arbeit – Herzlichen Dank für Ihre wichtige Unterstützung.

Neue Tümpel in der Bözenegg

Bözenegg

Blick von der Oberen Stöchmatt

Botanis­che Schatzsuche

Gletschervorfelder
28.07.2021 Gewässer

Gletscher weg, Stausee her?

Weil unsere Gletscher wegschmelzen, entstehen in den Alpen umfangreiche Gletschervorfelder. Die Energiewirtschaft möchte diese vielerorts für den Bau neuer Stauseen nützen. Doch diese Lebensräume haben auch für die Biodiversität einen hohen Wert.

Es wird Zeit, sich von den Gletschern zu verabschieden. Der ewige weisse Firn auf unseren Postkartenalpen wird die vom Menschen befeuerte Klimaerwärmung nicht überleben. Zwischen 1850 und 2016 sind bereits 60 Prozent des Eisvolumens der Alpen weggeschmolzen. Und seither hat sich der Trend noch beschleunigt: Zählte man 1973 noch insgesamt über 2100 einzelne Gletscher in der Schweiz, sind es heute noch rund 1400.

Im besten Fall, so schätzen Glazio­loginnen und Glaziologen, finden sich Ende des Jahrhunderts vielleicht noch kleinste Gletscherrelikte im hochalpinen Raum. Diese berichten dann als stumme, gequälte Zeitzeugen davon, wie wir als Gesellschaft vielleicht doch noch die Notbremse ziehen konnten und die Klima­katastrophe nicht vollends aus dem Ruder gelaufen ist. Die Ablehnung des CO2-Gesetzes am 13. Juni hat diesbezüglich aber kein ermutigendes Zeichen gesetzt.

Neue Lebensräume entstehen

Mit den Gletschern und dem Permafrost verschwindet auch deren stabilisierende Wirkung auf die Berglandschaften. Die Gefahr von Bergstürzen nimmt im Alpenraum markant zu. Die freiwerdenden Flächen bieten, bei aller Tragik, aber auch Perspektiven. Aus Sicht des Naturschutzes entstehen in den sich ausdehnenden Gletschervorfeldern, je nach Lage, auch wertvolle Biodiversitätsflächen. Aus Sicht der Energiewirtschaft bilden die entstehenden Seen nutzbare Potenziale für die Wasserkraft.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

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Studie «alpine Auen»

Die Energiewirtschaft ist längst aus den Startlöchern und damit beschäftigt, ihre Forderungen abzustecken. Wo einst Gletscher das Landschaftsbild prägten, sollen zukünftig Stauseen eine Energielandschaft gestalten. Angetrieben wird diese Entwicklung durch die relativ einseitige Zuweisung von Fördermitteln zugunsten der Wasserkraft. Der effektive Nutzen dieses Zubaus ist umstritten, zumal die Potenziale im Effizienzbereich sowie von anderen, weniger invasiven Technologien, insbesondere der Solar­energie, massiv grösser sind und ebenso zur viel zitierten Versorgungssicherheit beitragen.

Grosses Biodiversitätspotenzial

Während die Nutzungsansprüche, bemessen am Energiepotenzial dieser Standorte, verhältnismässig gut dargestellt werden können, sind die notwendigen Unter­suchungen zur Bedeutung dieser Gebiete für die Biodiversität erst am Anfang. Pro Natura hat deshalb nun in einer Studie die Biodiversitätspotenziale dieser Lebens­räume einschätzen lassen. Die Resultate zeigen wenig überraschend, dass einige dieser Flächen von grossem Wert für die Biodiversität sein werden – insbesondere als neue Lebensräume, allenfalls auch als Rückzugsgebiete für Arten, die aufgrund des Klimawandels in höher gelegene Gebiete «abwandern» müssen. 

Gletschervorfelder Raphael Weber
Eines von 13 prioritären Objekten mit dem höchsten Biodiversitätspotenzial: das Vorfeld des Unteraargletschers, bei dem die Pläne zur Flutung schon weit fortgeschritten sind.

Noch sind aber viele Fragen offen. Erörtert werden sie unter anderem an einem «Runden Tisch zur Wasserkraft», den das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) im Vorjahr zum ersten Mal einberufen hat. Dort sollen die Ansprüche von Schutz und Nutzung auf Augenhöhe diskutiert werden. Unter Einbezug der verschiedenen Akteure soll die Entwicklung der Wasserkraft mitgestaltet werden. Pro Natura setzt sich in diesem Rahmen dafür ein, dass jene Gebiete, die von besonderem Wert für die Biodiversität sind, möglichst für diese erhalten bleiben. 

Gletschervorfelder
Studie «alpine Auen: Entwicklung 2000 - 2100»
Knapp 500 Gletschervorfelder sind im Auftrag von Pro Natura einer ersten Analyse unterzogen worden.

Viele wertvolle Objekte

Knapp 500 Gletschervorfelder sind im Auftrag von Pro Natura einer ersten Analyse unterzogen worden. Das geowissenschaftliche Büro geo7 hat dabei einerseits die Dynamikbereiche der Standorte und deren Entwicklung betrachtet, andererseits flossen auch die bestehenden Nutzungen in die Analyse mit ein.

Die Resultate zeigen, dass vielen Objekten aus Sicht des Biodiversitätsschutzes hohe Priorität zukommt. Sei es als neue alpine Schwemmebene, sei es als Gletschervorfeld. Viele dieser Objekte befinden sich ausserhalb bestehender Schutzgebiete. Darunter sind auch einzelne, deren Nutzung bereits diskutiert oder geplant ist. 

Aus Sicht von Pro Natura ist der Bund in der Pflicht, den ökologischen Wert dieser Gebiete für die Biodiversität genauer zu prüfen, bevor weiter über deren Nutzungsmöglichkeiten diskutiert wird. In jenen Fällen, in denen die Kriterien für die Aufnahme in ein nationales Schutzinventar gegeben sind, sollen die Inventare entsprechend erweitert und die Flächen dem Biodiversitätsschutz statt der Nutzung zugeschlagen werden.

Michael Casanova betreut bei Pro Natura die Dossiers Energiepolitik und Gewässerschutz.

Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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