Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Apfelbaum am Fluss, im Vordergrund eine blühende Wiese
Biodiversitätskrise

Biodiversität – Vielfalt des Lebens nimmt rapide ab

Wir sind auf die Vielfalt von Lebensräumen und Arten angewiesen. Doch die biologische Vielfalt ist stark bedroht und der Klimawandel beschleunigt das Artensterben weiter. Was für die Klimakrise gilt, gilt auch für die Biodiversität: jetzt handeln, bevor es zu spät ist, z.B. mit unserer Biodiversitätsinitiative.

Die Biodiversität ist für unsere Lebensqualität unabdingbar. Ihr verdanken wir unsere Nahrung, sauberes Wasser und Luft, Kleidung, Energie, Baustoffe, Medikamente sowie reizvolle und bewohnbare Landschaften. Eine intakte Biodiversität ist von grösstem Wert für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. 

Der Biodiversität in der Schweiz geht es schlecht

Der Zustand der biologischen Vielfalt in der Schweiz ist alarmierend:

  • Ein Drittel aller untersuchten Tier- und Pflanzenarten ist bedroht. 
  • Die Moore haben seit 1900 einen Flächenrückgang von 82% erlitten.
  • Die Trockenwiesen und -Weiden sind im selben Zeitraum um 90% zurückgegangen. 

Um die meisten der über 230 Landschaftstypen der Schweiz steht es ebenfalls schlecht. Der Lebensraum für einheimische Tier- und Pflanzenarten geht dabei nicht nur flächenmässig verloren, auch die Qualität und Vernetzung der Lebensräume nimmt stetig ab.

Gründe für den Verlust der Artenvielfalt

Die Ursachen für den Biodiversitätsschwund sind vielfältig, zum Beispiel:

  • Lebensraumverlust aufgrund des wachsenden Flächenbedarfs für Siedlungen und Infrastrukturen
  • Erhöhte Stickstoffeinträge beeinträchtigen durch Überdüngung die sensiblen Ökosysteme
  • Sinkende Lebensraumqualität z.B. durch den Einsatz von Pestiziden, intensive Landnutzung, Bodenverdichtungen und Erosion
  • Zerstückelung und Zerschneidung von Lebensräumen
  • Invasive gebietsfremde Arten

Klimawandel bedroht Biodiversität zusätzlich

Neben den oben aufgeführten Ursachen bedroht der Klimawandel die Biodiversität zusätzlich. Das veränderte Klima mit höheren Temperaturen, trockeneren Sommern und anderen Niederschlagsverteilungen hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensräume und Arten, welche sich seit Jahrtausenden auf die vorherrschenden Gegebenheiten spezialisiert haben.

Der Klimawandel schreitet in rasantem Tempo voran. Viele Arten können sich aber nicht einfach anpassen. Zudem nimmt der Nutzungskonflikt zwischen Mensch und Natur durch den Klimawandel zu, vor allem in Gebieten, wo Wasser in Zukunft eine knappe Ressource sein wird.

Funktionierende Ökosysteme von elementarer Bedeutung

Das Aussterben von Arten ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben, neben ihrem Eigenwert, eine Funktion im Ökosystem. Funktionierende Ökosysteme sind von elementarer Bedeutung für uns Menschen. Unser Wohlergehen und unsere Lebensqualität hängen unmittelbar von ihrem Zustand ab.

La Tourbiere de la Chaux-des-Breuleux – Hoch- und Übergangsmoor von nationaler Bedeutung Matthias Sorg
Das Naturschutzgebiet Etang de la Gruère schützt die Moorlandschaft. Hier ist die regionale Klimageschichte der letzten 12’000 Jahre gespeichert.

Biodiversitäts- und Klimakrise sind eng miteinander verbunden

Ob Trockenlegung von Mooren in der Schweiz oder Abholzung von Regenwäldern in den Tropen, beides kurbelt die globale Klimaerwärmung an. Dies wiederum hat tiefgreifende Auswirkungen auf die natürlichen Ökosysteme und die Arten. Klima- und Biodiversitätskrise können nur gemeinsam gelöst werden und nur indem rasch gehandelt wird, bevor es zu spät ist. 

Trotz der wissenschaftlich gut dokumentierten Wechselwirkungen zwischen Klima und Biodiversität werden die beiden Krisen weitgehend als unabhängige Phänomene wahrgenommen und auch so behandelt. Massnahmen werden innerhalb einzelner Sektoren erarbeitet und geraten im dümmsten Fall miteinander in Konflikt. 

Die Realität ist aber: «Die Biodiversität unterstützt die Bewältigung der Klimakrise», so die renommierte Schweizer Biodiversitätsforscherin Daniela Pauli, langjährige Geschäftsführerin des Forum Biodiversität Schweiz.

Daniela Pauli über die Zusammenhänge von Biodiversität und Klimawandel

Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab

Der schlechte Zustand der Biodiversität ist verwunderlich, angesichts der zahlreichen Bestimmungen zum Biodiversitätsschutz. Das wichtigste internationale Abkommen, das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt, trat für die Schweiz bereits 1995 in Kraft. 

Daneben existieren verschiedene globale und regionale Abkommen, beispielsweise das Ramsar-Übereinkommen über Feuchtgebiete oder die Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume. Der Biodiversitätsschutz wurde zudem in den globalen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDG) verankert und damit als zentrale Aufgabe für alle Staaten anerkannt.

Trotzdem wird deutlich zu wenig für den Schutz der biologischen Vielfalt getan! Ein Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt, dass die Schweiz die höchste Anzahl an gefährdeten Arten aufweist und europäisches Schlusslicht bei den Schutzgebietsflächen ist.

Einreichung der Doppelinitiative Biodiversität und Landschaft Doppelinitiative
Die zwei Voksinitativen wurden am 8. September 2020 eingereicht.

Pro Natura setzt sich für Biodiversität und Klima ein

Jetzt braucht es wirksame Massnahmen in allen Sektoren, um den Verlust der Biodiversität zu stoppen und die Klimakrise zu bewältigen. Zudem müssen die bestehenden Gesetze und Bestimmung zum Schutz der Biodiversität konsequent umgesetzt werden. Die dafür dringend benötigten finanziellen Mittel müssen von Bund, Kantonen und Gemeinden bereitgestellt werden. Rasches, wirksames Handeln sind gefragt. 

Leider fehlt der politische Wille, die dramatischen Entwicklungen zu stoppen. Deshalb braucht es eine zivilgesellschaftliche und direktdemokratische Offensive, um Gegensteuer zu geben. Dazu hat Pro Natura zusammen mit Birdlife Schweiz, dem Schweizer Heimatschutz und der Stiftung für Landschaftsschutz den Trägerverein «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» gegründet. Gemeinsam haben wir zwei Volksinitiativen erfolgreich mit je weit über 100'000 Unterschriften eingereicht: 

  • Die Biodiversitätsinitiative fordert mehr Flächen mit einer Bewirtschaftung im Einklang mit der Biodiversität, mehr Schutzgebiete und mehr Gelder für die breitflächige Förderung von Biodiversität.
  • Die Landschaftsinitiative fordert strengere Regeln beim Bauen ausserhalb der Bauzone.

Nur gemeinsam können wir die Biodiversität für uns und zukünftige Generationen erhalten. 

Lesenswerte Berichte und Bestimmungen zur Biodiversität:

Aue nationaler Bedeutung im Utzenstorfer Schachen

«Aktion Biber & Co.» für lebendi­ge Gewässer

Beweidung mit Eseln in Chalais

Ziegen, Esel und Rinder wei­den für die Biodiversität

Europäischer Flussaal
01.11.2017 Artenschutz

Das Wandern ist des Aales Lust

In der Schweiz steht der Aal auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Viele Tiere sterben in den Turbinen der Wasserkraftwerke, wenn sie sich auf Wanderschaft begeben.

Im Herbst begibt sich der in unsern Gewässern beheimatete Europäische Flussaal (Anguilla anguilla) auf grosse Wanderschaft. AIs «Blankaal» reist er flussabwärts bis ins Meer und schliesslich weiter in die Sargassosee östlich von Florida. Noch während der Wanderung werden die Verdauungsorgane zu Gunsten von Geschlechtsorganen zurückgebildet. In der Sargassosee paaren sich die Tiere, laichen ab und sterben. Ein neuer Lebenszyklus beginnt.

Die zarten Aallarven sehen aus wie durchsichtige Weidenblättchen. Im Golfstrom wandern sie über einen Zeitraum von etwa drei Jahren an die europäische Küste zurück. Danach weisen sie zwar die typische Aalgestalt auf, bleiben aber völlig durchsichtig. AIs «Glasaale» dringen sie in den Brackwasserbereich der Flussmündungen vor. Hier stellt sich der Stoffwechsel von Salz- auf Süsswasserbetrieb um. Jene Aale, die schliesslich flussaufwärts schwimmen, werden als «Steigaale» bezeichnet. Und als wäre dies alles nicht spektakulär genug, verfügen Aale noch über eine weitere Besonderheit: Wenn die Umgebung feucht genug ist, können sie gar über Land kriechen, um Hindernisse im Gewässer zu umgehen.

Nicht ganz harmlos: Die Rauschbeere
01.09.2017 Artenschutz

Vorsicht – Diese Beere macht blau

Wer kennt sie nicht, die wohlschmeckenden Früchte der Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus)?

Bevor Sie die reifen Beeren im Spätsommer jedoch pflücken und in den Mund stecken, sollten Sie sich vergewissern, dass es sich nicht um Rauschbeeren (Vaccinium uliginosum) handelt. Der Verzehr einer grösseren Menge Rauschbeeren kann Sie nämlich in einen Zustand versetzen, der einer Trunkenheit ähnelt. Es wird vermutet, dass die dafür verantwortlichen giftigen Substanzen in den Rauschbeeren von einem schmarotzenden Pilz stammen.

Immerhin, die beiden Pflanzenarten sind bei genauerem Hinsehen klar unterscheidbar. Die Beeren beider Arten sind aussen zwar blau, das Fruchtfleisch und der Saft unterscheiden sich jedoch. Das Innere der Heidelbeeren ist nämlich ebenfalls blau, jenes der Rauschbeeren hat eine helle Farbe. Die beiden Heidekrautgewächse haben weitere Unterscheidungsmerkmale: Die jungen Zweige der Heidelbeere sind grün und kantig und ihre Laubblätter eiförmig zugespitzt mit fein gezähntem Rand. Die jungen Ästchen der Rauschbeere dagegen sind braun und rund, die Blätter ganzrandig. Genau hinschauen lohnt sich!

Der Wespenbussard ist ein Nahrungsspezialist
01.08.2017 Artenschutz

Der Wespen-Gourmet

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während wir Menschen uns Ende Sommer oft über die grosse Anzahl Wespen an unserem Mittagstisch ärgern, ist diese dem Wespenbussard sehr willkommen.

Denn der Wespenbussard (Pernis apivorus) frisst bevorzugt Wespen sowie deren Larven und Puppen. Der Wespenbussard kann auf den ersten Blick mit dem Mäusebussard verwechselt werden. Beim genaueren Betrachten ist zu erkennen, dass sein Körper an seine spezialisierte Ernährungsweise angepasst ist. Die Krallen sind nur wenig gekrümmt. So eignen sie sich besser dafür, auf der Suche nach Wespennestern im Boden zu scharren. Wenn der Bussard mit seinem Schnabel im Boden wühlt, verhindern die schlitzförmigen Nasenlöcher ein Eindringen von Fremdkörpern oder Insekten. Der schlanke Schnabel ermöglicht ihm, die Wespenbrut aus den Waben zu picken. Schuppenförmige, dicht angelegte Federn zwischen Schnabelgrund und Augen schützen den Vogel vor Wespenstichen. Schliesslich sind die Augen mehr seitlich am Kopf angelegt als bei anderen Greifvögeln. Da der Wespenflug zeitlich begrenzt ist, halten sich auch die Wespenbussarde nur fünf Monate lang in der Schweiz auf, bevor sie ab Ende August wieder in ihr Winterquartier im südlichen Afrika zurückfliegen. Diese Reise ist 7000 Kilometer lang.

Hirschkäfer-Männchen: Was wie ein Geweih aussieht, sind in Wirklichkeit Kiefer.
01.05.2017 Artenschutz

Das unterirdische Leben der Hirschkäfer

Der wohl eindrücklichste Käfer hierzulande ist der dämmerungsaktive Hirschkäfer (Lucanus Cervus).

Die männlichen Tiere fallen auf durch ihre hirschgeweihähnlichen Kiefer (Mandibeln), die ihnen beim Kampf um ein Weibchen gegen Rivalen als Waffe dienen. Ihre Mandibeln können so riesig sein, dass sie bei der Nahrungsaufnahme hinderlich sind. Hirschkäfer ernähren sich von Baumsäften, die aus Wunden im Stamm quellen. Nach der Paarung im Juni sucht das Weibchen einen toten oder absterbenden Laubbaum auf, wo es etwa zwanzig Eier einzeln in die Erde legt. Bevorzugt werden Eichen.

Hirschkäferlarven ähneln Engerlingen. Sie leben im Mulm, der Übergangszone von Holz und Humus, wo sie sich von Humus und morschem Holz ernähren. Nach fünf bis acht Jahren findet schliesslich die Umwandlung (Metamorphose) in hühnereigrossen Puppenwiegen aus Lehm und Speichel statt. Die Umwandlung ist zwar im Oktober abgeschlossen, der erwachsene Käfer (Imago) überwintert aber in der Puppenwiege und kommt erst ab folgendem Mai an die Oberfläche. Den grössten Teil ihres Lebens verbringen die Hirschkäfer also unscheinbar als Larven im Boden.

Nur ein haushälterischer Umgang mit seinen Energiereserven erlaubt es dem Schneehasen, den harten Bergwinter zu überstehen.
01.12.2016 Artenschutz

Störenfried Mensch

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit gern in der Natur. Dass dabei die dort lebenden Wildtiere gestört werden können, vergessen wir oft.

Wie auch wir Menschen brauchen Tiere Ruhe. In der Schweiz gibt es deshalb zusätzlich zu den eidgenössischen Wildschutzgebieten in mehreren Kantonen Wildruhezonen. In diesen Zonen gilt ein Zutrittsverbot, wobei das Durchqueren auf Wegen oft erlaubt ist. Wildtiere wie Gämse, Steinbock, Hirsch, Reh, Auerhuhn, Birkhuhn und Alpenschneehuhn finden dort während des ganzen Jahres oder in einem begrenzten Zeitraum Rückzugsorte, wo sie ungestört fressen und sich ausruhen können.

Stress kann tödlich sein

Für gewisse Tiere in den Bergen ist der Winter besonders hart. Sie müssen wegen der Kälte und der knappen Nahrung sehr haushälterisch mit ihrer Energie umgehen. Menschliche Störung führt aber zu Stress bei den Tieren und treibt sie zur Flucht. Dadurch verlieren die Tiere Energie, was zu Erschöpfung und im Extremfall sogar zum Tod oder aber zu vermindertem Fortpflanzungserfolg führen kann. Wer Skitouren macht, soll daher unbedingt Wildruhezonen und Wildschutzgebiete beachten, im Wald auf markierten Routen und Wegen bleiben, Waldränder und schneefreie Flächen meiden und den Wildtieren überlassen sowie Hunde insbesondere im Wald an der Leine führen. Eine Karte mit den Schutzzonen hilft bei der Planung von Skitouren, siehe oben.

Ulteriori informazioni

Hermelin Mark Zerkuis / Saxifraga
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2018 – Das Hermelin

Das Hermelin (Mustela erminea) ist ein flinker Mäusejäger. Oft wird es aber vom Jäger zum Gejagten. Dann ist eine deckungsreiche Landschaft überlebenswichtig.

Das Hermelin bewohnt abwechslungsreiche, offene Landschaften. Den Wald meidet es. Es frisst Fleisch und ist in der Schweiz auf Wühlmäuse spezialisiert. Hermeline leben einzelgängerisch oder in Mutterfamilien. Sie sind reviertreu. 

Ein idealer Hermelin-Lebensraum ist gut vernetzt. Er bietet eine Fülle von Verstecken, Jagdgebieten und Wanderachsen: In Wiesen jagt das Hermelin seine Beute. In einer Aufzuchtkammer unter Ästen oder Steinbrocken kommen die Jungen zur Welt. Deckungsreiche Hecken, Krautsäume oder Bachufer erleichtern dem Hermelin-Männchen im Frühling die weiträumige, oft gefahrvolle Suche nach paarungsbereiten Weibchen.   

In manchen Landstrichen werden Hermeline immer seltener, weil ihnen geeignete Kleinstrukturen und Wanderkorridore fehlen. Mit dem Hermelin verschwinden auch andere Arten, die auf strukturreiche Landschaften angewiesen sind.

Warum wählt Pro Natura das Hermelin zum Tier des Jahres?

Mit der Wahl des Hermelins ruft Pro Natura dazu auf, unseren Kulturlandschaften wieder zu einem strukturreichen Netz von Lebensräumen zu verhelfen. Das dient nicht nur dem Hermelin, sondern auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten.

Pro Natura führt selber Vernetzungsprojekte durch und schafft in ihren eigenen Naturschutzgebieten Lebensraum für das Hermelin. In der Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!» setzt Pro Natura sich für den Schutz und die Wiederherstellung von Wanderkorridoren für Wildtiere ein.

Zur Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Ein  Hermelin in sicherer Deckung Adolf Durrer
Hermeline brauchen Kleinstrukturen wie diesen Steinhaufen.

Alles Wiesel oder was?

Wiesel, Hermelin, Mauswiesel, Grosses Wiesel – wer ist was oder ist alles dasselbe? Des Rätsels Lösung: «Wiesel» ist der Oberbegriff für die beiden Arten Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis). Beide Arten sind in der Schweiz heimisch.

Das Hermelin wurde früher auch als «Grosses Wiesel» bezeichnet. Beide Wieselarten gehören zur Familie der Marderartigen, sind also verwandt mit Stein- und Baummarder, Iltis, Fischotter und Dachs.

Weisser Bauch, brauner Rücken, schwarze Schwanzspitze: Ein Hermelin im Sommerkleid flitzt vorbei. Shutterstock / Smiler
Weisser Bauch, brauner Rücken, schwarze Schwanzspitze: Ein Hermelin im Sommerkleid flitzt vorbei.

Porträt: Flinker Flitzer mit zwei Anzügen

Gertenschlank, durchschnittlich rund 300 Gramm schwer und etwa so lang wie ein Schullineal: Diese Körpereigenschaften machen es dem Hermelin leicht, durch Mausgänge, Asthaufen oder Gestrüpp zu stöbern. Wenn es nicht ruht, ist das Hermelin quirlig unterwegs. Es schlägt gelegentlich akrobatische Kapriolen. Die Wissenschaft hat für diese Tanzeinlagen noch keine schlüssige Erklärung. Eng anliegende Ohren, kurze Beine und Tasthaare an der Schnauze vervollkommnen das Bild des Tunneljägers. Grösse und Gewicht von Hermelinen variieren je nach Lebensraum stark. Tiere aus dem Alpenraum sind kleiner als Artgenossen aus dem Mittelland. Männchen sind (im gleichen Lebensraum) grösser als Weibchen. 

Das Rückenfell des Hermelins ist im Sommer rotbraun gefärbt, der Bauch gelblich-weiss. Im Winter nimmt das ganze Fell eine schneeweisse Färbung an. Ein einziger Fellbereich bleibt ganzjährig in sattes Schwarz getaucht, nämlich die üppige Schwanzquaste. Sie ist das sichere Unterscheidungsmerkmal des Hermelins gegenüber seinem sehr ähnlich aussehenden kleinen Verwandten, dem Mauswiesel. 

Das Tier des Jahres 2018 ist gesetzlich geschützt. Die Bestände des Hermelins in der Schweiz sind nicht bekannt. Es wird zwar nicht als bedroht eingestuft, Fachleute gehen aber von einem Bestandesrückgang aus. Hermeline sind in der Schweiz von den Tallagen bis in Höhen von 3'000 Metern verbreitet.

Im Winter trägt das Hermelin ein weisses Fell. iStock / Vershinin
Im Winter trägt das Hermelin ein weisses Fell. Der Fellwechsel wird durch die Tageslänge und durch die genetischen Eigenschaften des einzelnen Tieres ausgelöst.

Der Schrecken der Schermaus

Die sprichwörtliche wieselflinke Beweglichkeit des Hermelins hat ihren Preis. Das schlanke Hermelin braucht viel Energie, um sich warm und fit zu halten. Bis zu 40 Prozent seines Körpergewichtes muss es sich täglich erjagen. 

 

Fette Beute: Das Hermelin tötet sein Beutetier blitzschnell durch einen Biss ins Genick. Shutterstock / Romuald Cisakowski
Fette Beute: Das Hermelin tötet sein Beutetier blitzschnell durch einen Biss ins Genick

In der Schweiz ist das Hermelin auf Wühlmäuse spezialisiert, wobei es Schermäuse (Arvicola terrestris) bevorzugt. Die pummeligen Wühlmäuse leben unterirdisch in Wiesen und werfen dort die bekannten Haufen auf. In der Landwirtschaft ist das Hermelin daher als Mäusejäger sehr willkommen. Es frisst durchschnittlich ein bis zwei Mäuse pro Tag. Bei der Jungenaufzucht im Frühjahr steigt der Bedarf noch an. Im Gebirge, wo die Schermaus fehlt, weicht das Hermelin auf die Schneemaus (Chionomys nivalis) aus. Jagdstreifzüge können ein Hermelin über mehrere Kilometer führen. Wenn die Leibspeise einmal rar ist, weicht das Tier des Jahres 2018 auf andere Mausarten, Vögel und Insekten aus oder kostet gar einen vegetarischen Snack.

Fortpflanzung: Warum schon Babies schwanger werden

Das Hermelinweibchen wirft zwischen März und Mai, gut geschützt in einer Nesthöhle, seine Jungen. Die Männchen streifen derweil rastlos durch Felder und Wiesen, um paarungsbereite Weibchen zu suchen. Noch während sie säugen, sind die Weibchen nämlich schon wieder paarungsbereit. Noch erstaunlicher: Auch die weiblichen Jungtiere sind schon geschlechtsreif, kaum haben sie im Alter von drei Wochen die Augen geöffnet und erstmals Fleisch gefressen. Die Männchen hingegen werden erst im Alter von 1 Jahr zeugungsfähig, wodurch Inzucht weitgehend ausgeschlossen ist. Ende Sommer, wenn die Jungtiere sich eigene Reviere suchen müssen, sind alle weiblichen Hermeline schon wieder tragend. Doch dann ist erst mal Pause. Das Embryo legt in der Gebärmutter eine Keimruhe ein. Erst im Vorfrühling des folgenden Jahres wird die Entwicklung weitergehen und die nächste Generation der kleinen Beutegreifer wird federleicht, weissflaumig und blind zur Welt kommen.

Wettergeschützt und trocken muss das Brutnest sein, in dem das Hermelin-Weibchen seine Jungen wirft. Beate Ludwig
Wettergeschützt und trocken muss das Brutnest sein, in dem das Hermelin-Weibchen seine Jungen wirft.

Feinde auf zwei und vier Beinen

Das Tier des Jahres 2018 hat viele natürliche Feinde. Für Füchse, Greifvögel, Eulen, Störche oder Graureiher ist das Tier ein willkommener Happen. Hauskatzen und Hunden geht das Hermelin ebenfalls aus dem Weg. Feind Nummer 1 ist aber der Mensch. In der Schweiz sind zwar die Zeiten vorbei, als Hermeline im Winterfell als begehrte Pelztiere gefangen wurden. Auch die Dezimierung als «Raubzeug» gibt es hierzulande nicht mehr. Doch verheerender als alle Fallen ist für das Hermelin die Ausräumung und Zerschneidung der Landschaft.

Lauf, Hermelin, lauf! Das dichte Strassennetz in der Schweiz fordert eine unbekannte Zahl an Opfern unter der Hermelin-Population. Jean Malevez
Lauf, Hermelin, lauf! Das dichte Strassennetz in der Schweiz fordert eine unbekannte Zahl an Opfern unter der Hermelin-Population

Heimat ist, wo Verstecke sind

Für das Hermelin ist die Welt dort in Ordnung, wo etwas «Unordnung» herrscht. Ein Steinhaufen hier, ein ungemähter Wiesenstreifen dort, ein Bächlein oder eine Hecke dazwischen: Das Hermelin braucht gut vernetzte Kleinstrukturen. Das Tier des Jahres 2018 ist deshalb auf eine naturfreundliche Landwirtschaft angewiesen. Dabei ist es nicht übermässig anspruchsvoll. Selbst in intensiv genutzten Gebieten kann der kleine Beutegreifer leben, wenn ein Minimum an Kleinstrukturen und Wiesland vorhanden ist. Je mehr Landwirtinnen und Landwirte solche Kleinstrukturen anlegen und pflegen, desto eher stellt sich ein Hermelin als Mäusejäger in ihren Dienst.  Vielfältige Kleinstrukturen bieten auch vielen anderen Tierarten unentbehrlichen Lebensraum. Dringend nötig sind für das Hermelin auch mehr gefahrlose Über- und Unterquerungen von stark befahrenen Verkehrswegen.

Ein möglichst dichtes Netz von Unterschlüpfen, Deckung und Wanderkorridoren ist für das Hermelin überlebenswichtig – und für viele andere Tierarten auch. Matthias Sorg
Ein möglichst dichtes Netz von Unterschlüpfen, Deckung und Wanderkorridoren ist für das Hermelin überlebenswichtig – und für viele andere Tierarten auch
Die Hermeline vom Jura

Rauf und runter: Die Hermelin-Population

Unregelmässig kommt es zu «Mäusejahren», in denen sich die Schermäuse besonders stark vermehren. Das Hermelin reagiert auf den reich gedeckten Tisch mit erhöhter Vermehrung. In normalen Jahren wirft das Hermelinweibchen 4-6 Junge. In einem Mäusejahr können bis zu 14 Junge geboren werden. Die Hermelin-Population steigt, verwaiste Wohngebiete können wieder besiedelt werden. Das bricht die Spitzen der explosionsartigen Mäusevermehrung. Doch das Hermelin-Hoch währt nur kurz. Von den Jungtieren stirbt mindestens die Hälfte schon im ersten Winter. Das Durchschnittsalter einer Hermelinpopulation liegt bei nur 1-2 Jahren. In Gefangenschaft können die Tiere ein Alter von 8 Jahren erreichen.

Die sommerliche Begegnung mit einer Hermelin-Mutterfamilie ist ein seltener Glücksfall und währt meist nur sehr kurz. Iain H. Leach
Die sommerliche Begegnung mit einer Hermelin-Mutterfamilie ist ein seltener Glücksfall und währt meist nur sehr kurz

Das tut Pro Natura

Pro Natura fordert, dass Bewegungsachsen und dazugehörige Wildtierkorridore wieder durchgängig werden. Bei der Planung sowie beim Bau von Infrastrukturen muss der Mensch die Mobilitätsbedürfnisse von Wildtieren berücksichtigen. Wildtiere wie das Hermelin brauchen unterschiedliche Lebensräume. Sie bewegen sich zwischen Schlafplatz und Jagdgebiet, zwischen Rückzugsort und Brutnest oder auf der Reviersuche. Unsere stark zerschnittenen Landschaften erschweren oder verunmöglichen diese wichtigen Bewegungen oft auch kleinräumig.
 
Pro Natura fordert von Politik und Behörden nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch lokal und regional klare Verbesserungen von ökologischer Infrastruktur und vernetzten Naturräumen.

Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Pro Natura kämpft hartnäckig für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft. Wir machen uns stark für jene Landwirtinnen und Landwirte, die dem Hermelin und vielen anderen Tierarten Lebensraum und Unterschlupf gewähren. Diese Leistungen der Landwirtschaft sollen angemessen gefördert und entschädigt werden. Pro Natura setzt sich politisch dafür ein, dass die kommende Agrarpolitik 22+ auch dem Hermelin wieder vermehrt auf die Sprünge hilft.

Biodiversität im Kulturland

Pro Natura legt auch ganz konkret Hand an für das Hermelin. Wir betreuen rund 700 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz, mit wertvollen Lebensräumen für viele Tiere und Pflanzen. So weit sie ausserhalb des Waldes liegen, bieten viele dieser Naturschutzgebiete auch dem Hermelin Lebens- und Rückzugsraum. Auch ausserhalb unserer Naturschutzgebiete setzen wir Artenschutzprojekte um, die auch das Hermelin fördern. Aktuell laufen solche Projekte im Saanenland BE und im Gros de Vaud VD.

Mehr über die rund 700 Naturschutzgebiete erfahren

Projekte, welche Pro Natura zusammen mit ihren kantonalen Sektionen durchführt

Drei Hermeline beim Spielen
Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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