«Freie Bahn für Wildtiere!»

Wildtiere wandern über weite Strecken. Aber immer mehr Strassen, Zuglinien und Bauten zerschneiden die Wege der Tiere, die sogenannten Wildtierkorridore. Pro Natura fordert mit ihrer Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!», dass Wildtierkorridore wieder durchgängig werden. Beim Bau von Infrastrukturen müssen wir die Wanderwege der Wildtiere konsequent berücksichtigen.

 

Für uns Menschen ist es selbstverständlich, täglich unterwegs zu sein. Wir verlassen am Morgen das Haus und fahren zur Arbeit, gehen am Mittag in die Kantine zum Essen, fahren nachmittags zu einer Sitzung, gehen nach Feierabend zum Sport, danach etwas trinken und anschliessend nach Hause.

Zehntausende Wildtiere sterben jedes Jahr auf deutschen Straßen, weil die menschgebaute Infrastruktur ihre natürlichen Wander und Laufwege durchschneidet. Freiburger Biologen wollen eine tiergerechte Verkehrsplanung fördern. ARD «[w] wie wissen» vom 11.11.2016. 

Wildtiere brauchen Bewegungsraum

Weniger bekannt ist, dass viele Wildtierarten ebenfalls Mobilitätsbedürfnisse haben. Sie bewegen sich zwischen Schlafplatz, Futterplatz und Rückzugsort, zwischen Sommer- und Winterlebensräumen oder zu ihren Fortpflan­zungsplätzen. Individuen ziehen weiter, um neue Gebiete zu besiedeln. All diese Wanderungen sind für den Erhalt der Arten zentral.

 

Nicht nur grosse Säugetiere wie der Rothirsch müssen sich frei bewegen können. Auch Reh, Luchs, Dachs, Feldhase, Baummarder, Igel, Laubfrosch und Zauneidechse haben wie fast alle Tiere einen ausgeprägten Bewegungsdrang und typische Wanderrouten, sogenannte Wildtierkorridore oder Bewegungsachsen.

Ohne Mobilität kein Überleben

Bauten wie Strassen und Zuglinien zerschneiden die Wanderwege der Wildtiere am Auffälligsten. Wildtierkorridore und Bewegungsachsen werden häufig schon seit Generationen von Tieren genutzt. Wenn eine neue Strasse oder Bahnlinie diese Routen zertrennt, verlieren die Tiere einen Teils ihres Lebensraums. Aber auch Siedlungen, kanalisierte Gewässer mit steilen Ufern und intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen sind unüberwindbare Hindernisse.

 

Der Austausch zwischen einzelnen Tierbeständen ist entscheidend für die genetische Durchmischung und den Erhalt geeigneter demografischer Strukturen in den einzelnen Lebensräumen. Das Aussterberisiko steigt bei isolierten, kleinen Populationen stark an. Ohne Mobilität können Wildtiere langfristig nicht überleben.

 

Pro Natura fordert, dass beeinträchtigte oder unterbrochene Wildtierkorridore und Bewe­gungsachsen  wieder durchgängig gemacht werden. Bei der Planung und beim Bau von Infrastrukturen müssen wir konsequent Rücksicht auf die Mobilitätsbedürfnisse der Wildtiere nehmen, um eine weitere Zerschneidung ihrer Lebensräume zu verhindern.