Progetti
Die Besorgnis über Ewigkeitschemikalien wächst
Noch in den 1990er-Jahren wurde er den Landwirtinnen und Landwirten als wahres Wundermittel angepriesen: Klärschlamm – genauso wirksam wie Gülle oder Mineraldünger, und erst noch gratis bei den Abwasserreinigungsanlagen zu beziehen. Doch dann stellte sich heraus, dass das Ausbringen dieses Düngers auf die Felder alles andere als harmlos war. Klärschlamm enthält nicht nur Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, sondern oft auch giftige Schwermetalle und schwer abbaubare organische Verbindungen, darunter PFAS. Klärschlamm ist deshalb als Dünger seit 2006 in der Schweiz verboten, er gilt mittlerweile als Abfall und muss bei Temperaturen von gegen 1000 Grad Celsius verbrannt werden.
Bloss hat sich damit die Sache nicht einfach erledigt. Auch zwanzig Jahre nach dem Verbot belastet der Dünger aus Abwasser die Umwelt und gefährdet unsere Gesundheit: Wo Klärschlamm ausgebracht wurde, ist der Boden mit PFAS belastet. Die problematischen Chemikalien werden ausgewaschen und gelangen unter anderem ins Grund- und damit ins Trinkwasser.
Allgegenwärtig und giftig
PFAS – also Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind künstlich hergestellte chemische Verbindungen, von denen es mehrere tausend unterschiedliche Varianten gibt. Da sie sowohl wasser- wie fettabweisend sowie temperaturbeständig sind, werden sie in der industriellen Produktion geschätzt. PFAS finden sich beispielsweise in Feuerlöschschäumen und werden unter anderem auch bei der Herstellung von Bratpfannen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Outdoor-Bekleidung eingesetzt. Und sie sind Bestandteil mancher Pestizide. Das Problem: PFAS bauen sich in der Umwelt nicht ab – aus diesem Grund werden sie Ewigkeitschemikalien genannt. Und sie sind in unterschiedlichem Ausmass toxisch.
Problem war schon früh bekannt
Noch wurden die gesundheitlichen Auswirkungen für die wenigsten PFAS wissenschaftlich genauer untersucht. Doch in den untersuchten Fällen hat sich gezeigt: Sie verfügten fast immer über eine chronische Giftigkeit. Das heisst: Sie wirken nicht akut giftig, reichern sich aber in unserem Körper an. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, andere schädigen Organe wie die Leber oder die Nieren, oder sie schmälern die Wirkung von Impfungen. Zudem mehren sich die Hinweise, dass sie möglicherweise die Fruchtbarkeit verringern.
«PFAS zählen zu den gravierendsten chemiebezogenen Belastungen für die Umwelt und die Gesundheit», sagt Umweltchemiker Martin Scheringer von der der ETH Zürich. Eingesetzt werden sie bereits seit den 1950er-Jahren. Spätestens seit den 1970er-Jahren, sagt PFAS- Spezialist Scheringer, seien die gesundheitlichen Risiken dieser Chemikalien den Fachleuten in der Industrie bewusst gewesen. «Diese Befunde wurden dann aber gezielt zurückgehalten.»
PFAS werden weiterhin eingesetzt
Trotz der gewachsenen Sorgen wird die Umwelt weiterhin mit den Ewigkeitschemikalien belastet. Sie gelangen direkt bei ihrer Herstellung und Verarbeitung über Abgase in die Luft oder aber über Abwasser in Gewässer. Indirekt gelangen sie durch den Gebrauch von PFAS-haltigen Produkten in die Umwelt. Etwa durch das Waschen von behandelten Textilien. Die Ewigkeitschemikalien werden also weiterhin breit eingesetzt, auch wenn es für viele Verwendungszwecke durchaus Alternativen gäbe.
Es existieren Tausende von unterschiedlichen PFAS-Verbindungen. Für die wenigsten davon sind die Risiken bekannt, und auch verbindliche Grenzwerte gibt es nur vereinzelt – obwohl die Stoffe immer häufiger in der Umwelt nachgewiesen werden. So machte in den vergangenen Monaten eine TFA (Trifluoressigsäure) genannte Ewigkeitschemikalie Schlagzeilen. Routinemessungen zeigten, dass sie in der Schweiz flächendeckend im Grund- und Trinkwasser auftritt. Und kürzlich wurde sie auch in Lebensmitteln wie Brot und Wein nachgewiesen. Doch woher stammt die im Boden und im Grundwasser festgestellte TFA überhaupt? Dieser Frage ging in einer kürzlich erschienene Studie die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, Agroscope, nach.
Die Forschenden richteten ihr Augenmerk in ihrer Untersuchung vor allem auf Pestizide, denn auch diese enthalten teilweise Wirkstoffe, die zu den Ewigkeitschemikalien zählen. Als Hauptquelle für Trifluoressigsäure in der Umwelt haben die Wissenschaftler fluorhaltige Kältemittel aus Klimaanlagen und Kühlgeräten identifiziert, die in der Atmosphäre zu TFA abgebaut werden. Via Regen gelangen sie anschliessend in den Wasserkreislauf. Die zweitwichtigste TFA-Quelle sind Abbauprozesse von Pestiziden.
Die Politik verdrängt das Problem
Auch wenn über die Folgen von PFAS in der Umwelt heute noch sehr vieles unklar ist, wächst in der Öffentlichkeit die Besorgnis über die weite Verbreitung der Ewigkeitschemikalien zusehends. So befasste sich an einer Sondersession im vergangenen September auch der Nationalrat mit den PFAS – mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Alle Vorlagen, die dafür gesorgt hätten, dass die Chemikalien nicht weiter in die Umwelt gelangen, wurden abgelehnt. Angenommen hingegen wurde die Unterstützung der Landwirtschaft im Umgang mit PFAS. Denn – Ironie des Schicksals – mittlerweile werden die Bauern und Bäuerinnen selbst Opfer des Klärschlamms, mit dem sie einst ihre Felder düngten.
Im August 2024 stellten die Behörden im Kanton St.Gallen fest, dass Boden und Quellwasser einiger Landwirtschaftsbetriebe mit den Ewigkeitschemikalien belastet waren, und auch im Fleisch von einigen Kühen, Rindern und Kälbern wurden besorgniserregende Werte festgestellt. Es folgte ein Verkaufsverbot. Nun hat der Nationalrat beschlossen, Bauernbetriebe, deren Produkte zu hohe Werte der Ewigkeitschemikalien aufweisen, finanziell zu unterstützen.
KASPAR MEULI, freischaffender Journalist
PFAS in Lebensmitteln: Teilentwarnung mit regionalen Hotspots
Der Verband der Kantonschemikerinnen und Kantonschemiker der Schweiz hat im letzten Jahr rund 900 Lebensmittel tierischen Ursprungs auf dem Schweizer Markt auf PFAS untersucht – davon 30 Prozent Importware. Dabei zeigte sich, dass PFAS weitverbreitet und in allen Kategorien (Fleisch, Eier, Fisch) in geringen Konzentrationen nachweisbar sind. Bei den allermeisten Proben wurden die gesetzlichen Höchstwerte eingehalten. Sieben Proben überschritten den Grenzwert teils massiv. Dies deutet auf regionale Hotspots hin.
Parallel zu diesen Untersuchungen hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 276 Milchprodukte untersucht. In allen Produkten waren verschiedene PFASVerbindungen nachweisbar. Drei Produkte überschritten den Richtwert der EU (für Milchprodukte gibt es in der Schweiz noch keine gesetzlichen Grenzwerte). Als Hauptquelle gilt belasteter Klärschlamm, der jahrzehntelang auf Feldern ausgebracht wurde.
Eine separat vom Kanton Zug durchgeführte Untersuchung (2025) zeigte, dass Eglis und Hechte aus dem Zugersee stark mit PFAS belastet sind. Bei Raubfischen sammelt sich PFAS über die belasteten Beutefische an. Im Zugersee gefangene Hechte und Eglis dürfen seit November nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden. Der Kanton sieht Löschübungsplätze der Feuerwehr und frühere Fabrikareale in Seenähe als mögliche Ursache für die hohen PFASBelastungen.
Nicolas Gattlen
Doubs: Rettung für die bedrohte Idylle
Kleine Fliessgewässer für die Helm-Azurjungfer
Gewässer
Wasserkraftwerke dürfen nicht aus der Pflicht entlassen werden
Die Wasserkraft versorgt uns mit Energie, zerstört aber auch viel Natur: Flussbetten sind verbaut und ausgetrocknet, Bauwerke unterbrechen die Wanderrouten vieler Fische. Wertvolle Lebensräume wie Auen und Moorlandschaften sind überbaut und geflutet. Um diese massiven Schäden an Natur und Landschaft zu reduzieren, nehmen verschiedene Gesetze die Wasserkraft in die Pflicht: Zerstörte Lebensräume müssten durch Renaturierungen «ersetzt», minimale Restwassermengen abgegeben werden. Die Umsetzung dieser Vorgaben stockt jedoch seit Jahrzehnten.
«Anstatt endlich die Umsetzung längst fälliger Massnahmen zu forcieren, soll die Wasserkraft jetzt sogar noch stärker aus ihrer ökologischen Verantwortung entlassen werden», sagt Antonia Eisenhut von Aqua Viva. Die von Nationalrat Albert Rösti, Präsident des Wasserwirtschaftsverbandes, angestossene Gesetzesänderung sieht nämlich vor, dass bei der Erneuerung der Wasserkraftkonzessionen die ökologischen Ersatzmassnahmen anhand des heutigen – also schon beeinträchtigten – Zustands der Gewässer bemessen werden sollen. Schäden an der Natur, die mit der erstmaligen Konzessionsvergabe ausdrücklich nur für eine beschränkte Zeit gestattet waren, würden damit ohne angemessenen Ersatz auf Dauer bestehen bleiben.
«Das im Umweltrecht geltende Verursacherprinzip würde mit einer solchen Gesetzesänderung komplett aus den Angeln gehoben – der schlechte Zustand der Gewässer auf weitere Jahrzehnte hinaus zementiert », so Michael Casanova von Pro Natura. Die Umweltverbände lehnen die Gesetzesrevision daher kategorisch ab. «Nur wenn auch die Wasserkraftbetreiber endlich ihren Beitrag zu wirkungsvollen Aufwertungsmassnahmen leisten, kann der fortschreitende Verlust der Biodiversität in und an den Gewässern aufgehalten werden», so Julia Brändle von WWF Schweiz.
Weitere Informationen
- Vernehmlassungsantwort Parlamentarische Initiative Rösti
- Pro Natura zur Wasserkraft – Fluch oder Segen?
- Mythos Wasserkraft - Gewässerschutz in Zeiten der Energiestrategie 2050, Aqua Viva, Zeitschrift für Gewässerschutz
Kontakte
- Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz und Energiepolitik, Pro Natura, Tel. 061 317 92 29, @email
- Antonia Eisenhut, Geschäftsführerin Aqua Viva, Tel. 076 477 96 03, @email
- Julia Brändle, Projektleiterin aquatische Biodiversität, WWF Schweiz, Tel. 076 552 18 08, @email
- Philipp Sicher, Geschäftsführer Schweizerischer Fischerei-Verband, Tel. 079 218 59 21, @email
- Werner Müller, Geschäftsführer BirdLife Schweiz, Tel. 079 448 80 36, @email
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Medienmitteilung von Pro Natura, AquaViva, WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Schweizerischer Fischerei-Verband
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Gewässerschutz: Giftige Kehrtwende
Gross waren die Versprechen des Nein-Lagers vor der Volksabstimmung über die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative im Jahr 2021: Ein Bundesgesetz würde sicherstellen, dass die Risiken durch den Einsatz von Pestiziden bis 2027 um 50 Prozent zurückgehen. Für gefährliche Pestizide würden ausserdem scharfe Grenzwerte festgelegt und Zulassungen entzogen, sollten diese wiederholt überschritten werden.
Nun aber sind das Parlament und, wie ein Bericht der SRF-«Rundschau» kürzlich aufgedeckt hat, auch die Verwaltung daran, die gesetzlich verankerten Errungenschaften der letzten Jahre zurückzuschrauben.
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Matthias Sorg
Hochtoxisch – und ohne scharfe Grenzwerte
Um das Trinkwasser, aber auch die Gewässerökologie besser zu schützen, erliess der Bundesrat im Jahr 2020 für zwölf besonders problematische Pestizide individuelle Grenzwerte, die teils deutlich unterhalb des pauschalen Grenzwerts von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen. Elf davon landeten auf der Prüfliste des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Vier wurden auf Druck des Bauernverbandes wieder gestrichen, wie die «Rundschau» im Märzpublik machte. Darunter sind die für Gewässerlebewesen hochgiftigen Insektizide Deltamethrin und Lambda-Cyhalothrin sowie das Herbizid Flufenacet, das den Hormonhaushalt von Mensch und Tier schädigen kann und das von der EU erst im März 2025 verboten wurde.
Voraussichtlich im Sommer wird der Bundesrat entscheiden. «Sollte er für diese gefährlichen Stoffe keine scharfen Grenzwerte erlassen, wäre das ein klarer Verstoss gegen das Gewässerschutzgesetz», sagt Umweltrechtsexperte Hans Maurer.
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Matthias Sorg
Höhere Hürden für Verbote
Parallel dazu arbeiten bäuerliche Parlamentarier daran, den Widerruf von Zulassungen zu erschweren. Gemäss geltendem Recht muss ein Pestizid überprüft werden, wenn der Grenzwert an zehn Prozent der Messstellen in zwei von fünf Jahren überschritten wird. Theoretisch droht dann ein Verbot. Mit einer Motion will Leo Müller, Luzerner Mitte-Nationalrat und langjähriger Verwaltungsrat der Agrargenossenschaft Fenaco, diese bereits hohe Hürde nochmals drastisch erhöhen: Demnach müsste die Grenzwertüberschreitung in 20 Prozent der untersuchten Gewässer und in vier von fünf Jahren vorliegen, damit eine Überprüfung überhaupt stattfinden kann.
Müller argumentiert, dass der Landwirtschaft die Pestizide ausgingen: In den letzten Jahren seien zahlreiche Wirkstoffgruppen verboten und kaum neue Pestizide zugelassen worden. Nur: Alle bisherigen Widerrufe in der Schweiz erfolgten, weil die Stoffe in der EU verboten wurden. Einen Zusammenhang mit den bestehenden Gewässerschutz regeln gab es nicht. Das kümmert den Bundesrat aber nicht: Im März empfahl er die Motion Müller zur Annahme.
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Matthias Sorg
Grundwasserschutz kommt nicht voran
Keinerlei Fortschritte gibt es beim Schutz des Grundwassers. Seit 1998 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass bei Trinkwasserfassungen, die durch Schadstoffe belastet sind, ein Zuströmbereich bestimmt und dort die Nutzung angepasst wird. Doch trotz gesetzlicher Grundlage und einer Vielzahl von Überschreitungen bei den 18 000 Grundwasserfassungen sowohl der Höchstwerte für Nitrat als auch für Abbauprodukte von Pestiziden ist es noch keinem Kanton gelungen, die erforderlichen Massnahmen festzulegen. Es gab lediglich vereinzelte Vereinbarungen mit Landwirten für eine weniger intensive Nutzung gegen Entschädigung. Hinausgezögert wird auch eine bereits 2021 vom Parlament angenommene Motion des damaligen Solothurner SP-Ständerats Roberto Zanetti: Sie fordert, dass die Kantone bis 2035 die Zuströmbereiche für alle Grundwasserfassungen von regionalem Interesse bestimmen.
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Claudio Büttler
Die Folge dieser Unterlassungen: Heute sind rund 50 Prozent der Fassungen im Ackerbaugebiet übermässig mit Nitrat und 60 Prozent mit Metaboliten belastet. Besonders problematisch ist die Trifluoressigsäure (TFA). Sie steht in Verdacht, reproduktionstoxisch zu sein, also die Fortpflanzungsfähigkeit oder die Entwicklung von Föten zu beeinträchtigen. Als künstlicher langlebiger Stoff belastet TFA das Grundwasser landesweit und ist, wie das Bundesamt für Umwelt jüngst meldete, die mit Abstand am weitesten verbreitete künstliche Chemikalie im Grundwasser. In hohen Konzentrationen tritt TFA in Ackerbaugebieten auf, wo das Fungizid Flufenacet eingesetzt wird. Auch Abbauprodukte des Fungizids Chlorothalonil sind im Grundwasser des Mittellands weit verbreitet. Seit 2020 ist die Anwendung des als «potenziell krebserregend» eingestuften Chlorothalonil verboten, doch die stabilen Abbaustoffe bleiben wohl jahrzehntelang im Boden und Grundwasser: Rund eine Million Schweizer Haushalte trinkt auch vier Jahre nach dem Verbot noch belastetes Trinkwasser.
Bäche sind weiterhin stark belastet
Forschende der Eawag haben untersucht, wie sich der 2017 vom Bundesrat verabschiedete «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel» auf die Pestizidkonzentration in Fliessgewässern ausgewirkt hat. Die Anzahl Standorte, an welchen alle Grenzwerte eingehalten werden, hat sich zwischen 2019 und 2022 kaum verändert. Insgesamt wurden 2022 an 22 von 36 untersuchten Standorten Grenzwerte für Pestizide überschritten. Das entspricht 61 Prozent. Besonders betroffen waren kleine und mittelgrosse Bäche. Der Bericht geht davon aus, dass das Zwischenziel des Aktionsplans – bis ins Jahr 2027 die Länge der Schweizer Fliessgewässer-Abschnitte, in denen Pestizid-Grenzwerte überschritten werden, zu halbieren – nicht erreicht werden kann.
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Claudio Büttler
Nachsorge statt Vorsorge
Auf viele Wasserversorger kommen deswegen hohe Kosten zu. Die Seeländische Wasserversorgung SWG etwa hat ihre Trinkwasserfassung in Worben vor fünf Jahren wegen belastetem Grundwasser stillgelegt und baut nun eine neuartige Filteranlage ein. Sie kostet zwei Millionen Franken; hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 250 000 Franken. «Wir prüfen nun eine Haftungsklage», erklärt SWG-Geschäftsführer Roman Wiget, «nicht gegen die Bauern, sondern gegen die Zulassungsstelle des Bundes.» Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), seit 2022 für Zulassungen zuständig, verweist auf einen aktuellen Bericht des Bundesrats zur Chlorothalonil-Sanierung. Demnach sind die Wasserversorger in der Pflicht, Sanierungsmassnahmen einzuleiten und die Kosten dafür zu tragen.
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Matthias Sorg
«Man will aus den Erfahrungen der Vergangenheit nicht lernen», sagt Roman Wiget. Ihn stört vor allem, dass ein Pestizid erst eingeschränkt wird, wenn neben Kriterien wie Persistenz (sie werden nur langsam abgebaut) und Mobilität (sie verbreiten sich gut) auch die Toxizität (schädliche Folgen) erwiesen ist. Dabei zeigten viele Beispiele, dass die Toxizität von Wirkstoffen und ihrer Metaboliten systematisch unterschätzt wird. «Dadurch wurden viele gefährliche Pestizide zugelassen, die wegen ihrer Persistenz und Mobilität bis ins Grundwasser gelangen und nun das Trinkwasser belasten.»
Zudem sei kaum bekannt, wie die vielen Einzelstoffe zusammen wirken («Cocktaileffekt»), erklärt Wiget. «Die Risiken sind schlicht nicht einschätz- und kontrollierbar. Wir Wasserversorger fordern deshalb schon lange, dass bei der Zulassung bereits die Persistenz und Mobilität für ein Verbot ausreichen müssen. Langlebige Stoffe, die übers Wasser herumwandern, dürfen nicht mehr zugelassen werden. Damit würde man dem im Gesetz aufgeführten Vorsorgeprinzip endlich gerecht.»
– NICOLAS GATTLEN, Reporter Pro Natura Magazin
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Matthias Sorg
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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20 Jahre Stillstand: Die Schweiz lässt ihre Feuchtgebiete austrocknen
Anfang Juli veröffentlichte das eidgenössische Forschungsinstitut WSL ihren aktuellen Bericht zum Zustand der Biotope von nationaler Bedeutung – den Perlen der Schweizer Natur. Für die Feuchtgebiete fällt das Fazit düster aus: Die Hochmoore trocknen weiter aus, ihre Fläche ist um fast 100 Fussballfelder geschrumpft. Auch die Auen entwickeln sich mehrheitlich negativ. Dabei sind Feuchtgebiete in Zeiten der sich beschleunigenden Klimakrise für Mensch und Natur überlebenswichtige Wasser- und CO2-Speicher. Eine weitere brandneue WSL-Studie zeigt, dass Feuchtgebiete zudem zentral sind für stabile Nahrungsnetze.
Wichtige Lebensräume bis heute schutzlos
Die 1975 in Kraft getretene Ramsar-Konvention hat zum Ziel, die weltweit wichtigsten Feuchtgebiete unter Schutz zu stellen. In den 50 Jahren seit der Gründung hat die Schweiz – als Wasserschloss Europas – lediglich 11 Gebiete angemeldet, das letzte vor 20 Jahren. Dies, obwohl eine 2023 publizierte Studie von InfoSpecies festgestellt hat, dass es z.B. für dynamische Fliessgewässer eine Zunahme um 124 Prozent bräuchte, um den Erhalt der regionalen Artenvielfalt zu gewährleisten. Ähnlich sieht es auch bei anderen Feuchtlebensräumen wie Stillgewässern, Röhrichten und Streuwiesen aus. Anders als Österreich oder Deutschland hat die Schweiz auch kein Ramsargebiet am Bodensee ausgewiesen.
Rückstand aufholen: Schutz ist möglich
An der UNO-Konferenz der Ramsar-Feuchtgebiete vom 23. bis 31 Juli in Simbabwe hat die Schweiz die Möglichkeit diesen Missstand zumindest teilweise zu beheben und den enormen Rückstand gegenüber ihren europäischen Nachbarländern aufzuholen (Italien: 57 Gebiete, Frankreich: 55 Gebiete, Deutschland: 34 Gebiete, Österreich: 24 Gebiete).
Pro Natura setzt sich an vorderster Front für den Schutz von Feuchtgebieten ein. Sie pflegt und unterhält einige der wichtigsten Ramsargebiete oder Teile davon, wie beispielsweise Les Grangettes (VS, VD), die Bolle di Magadino (TI) oder das Kaltbrunner Riet (SG). Es sind Vorzeigeflächen für den erfolgreichen Schutz und die Betreuung von Feuchtgebieten und beliebte Ausflugsziele für Vogelfreunde und Familien. Für den Erhalt der Artenvielfalt und unserer Wasserreserven kann und muss es davon in Zukunft mehr geben.
Weitere Informationen:
- Forderungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) zur Ramsar-Konferenz
- WSL-Bericht zum Zustand der Biotope von nationaler Bedeutung
- WSL-Studie «Verschwinden Arten, kann das weitreichende Folgen haben»
- «Wieviel Fläche braucht die Artenvielfalt der Schweiz?» Studie von InfoSpecies
Kontakt:
Die Schweiz war einst überzogen von einem Netz aus Gewässern und Feuchtgebieten. Kleine und grössere Bäche, Flüsse, Feuchtwiesen und Moorflächen prägten die Landschaft. Ein Paradies für viele Tiere und Pflanzen.
Feuchtgebiete sind rar geworden
In den letzten 200 Jahren legte der Mensch den grössten Teil der feuchten Lebensräume trocken. Die Gewässer wurden massiv verbaut und der Energiegewinnung zugeführt. Heute sind Feuchtgebiete meist nur noch isolierte Flecken, klein und inmitten von intensiv genutzten Gebieten. Eingezwängt in Siedlungen, Äcker oder Wiesen fliessen kanalisierte oder begradigte Wasserläufe. Viele kleine Bäche sind heute in unterirdische Röhren gelegt, unzugänglich für alle wasserliebenden Tiere und Pflanzen. Verbaute Flüsse verhindern die Wanderung der Fische zu ihren Laichplätzen. Lebendige Lebensräume im und am Gewässer fehlen fast überall.
In den letzten Jahren hat ein Umdenken begonnen. Das Wasser soll wieder mehr Platz in unserer Landschaft erhalten. Doch noch ist das Netz der Schweizer Feuchtgebiete und Gewässer äusserst lückenhaft. Biber, Aal oder Wasseramsel vermissen immer noch geeignete Lebensräume wie strukturreiche Ufer, dynamische Auenbereiche oder natürlich fliessende Bach- und Flussabschnitte.
Fliessgewässer «unter Strom»
Pro Natura setzt sich für naturnahe Fliessgewässer ein, die Heimat sind für unterschiedlichste Tiere und Pflanzen. Doch das Ökosystem der Flüsse und Bäche ist auch heute noch durch neue Bauprojekte und Begehrlichkeiten bedroht. Dabei spielen immer wieder Projekte für Wasserkraftwerke die Hauptrolle. Fast jeder Tropfen Wasser fliesst in der Schweiz heute schon mehrfach durch eine Turbine. Bleiben die letzten freien Gewässer verschont?
Gewässer brauchen unsere Hilfe
Pro Natura setzt sich dafür ein, dass Gewässer den nötigen Raum erhalten. Wir führen Aufwertungsprojekte durch und engagieren uns in der Politik für die verschiedenen Lebewesen der Gewässer. Wenn Bäche und Flüsse mehr Platz erhalten, dient das auch dem Hochwasserschutz. Mehr Raum für Gewässer bedeutet kleinere Hochwasserspitzen und damit auch weniger Schadenpotenzial in den Gebieten flussabwärts.
Quellen – einzigartige Lebensräume
Haben Sie schon einmal Wasser aus einer noch frei sprudelnden Quelle getrunken? Quellwasser ist kühl, nährstoff- und sauerstoffarm und sehr erfrischend. In Quellen leben sehr spezialisierte Tiere. Neben Köcherfliegen, Schnecken, Strudelwürmern und anderen Kleintieren leben oft auch Feuersalamander-Larven in Quellen. Wenn Menschen Quellen nutzen und diese fassen, machen sie so wertvollen Lebensraum zunichte.
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Label «naturemade star»Das Label für unberührte Schweizer Gewässer «Gewässerperle PLUS»Documenti scaricabili
Ausbau Wasserkraftnutzung: Was muss die Natur noch…
Projekte für lebendige Gewässer
Ausbau der Erneuerbaren: UREK-N sagt Ja zum Biotopschutz - doch der Kompromiss braucht noch Verbesserungen
Die UREK-N stellt sich hinter die wertvollsten Naturgebiete in der Schweiz, was die Umweltallianz begrüsst. Die Biotope von nationaler Bedeutung umfassen Moore, Auen, Trockenwiesen und Amphibienlaichgebiete und machen nur gerade 2 Prozent unserer Landesfläche aus, beherbergen aber ein Drittel aller bedrohten Tier- und Pflanzenarten. So speichern sie beispielsweise auch CO2 und schützen uns vor Dürren und Überschwemmungen. Dieses Herz der Natur ist im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise besonders wichtig.
Zugleich relativiert die Kommission aber den Schutz für Gletschervorfelder und alpine Schwemmebenen, die mit dem Rückzug der Gletscher nationale Bedeutung erreichen könnten. Dies ist aus wissenschaftlicher Sicht unnötig und bedauerlich, denn viele dieser Pionierstandorte sind sehr selten und somit für den Erhalt der Biodiversität der Alpen zentral. Für eine sichere Winterstromversorgung ist es nicht notwendig, diese Gebiete zu nutzen.
Für die Winterstromversorgung will die UREK-N auf die 15 Projekte des Runden Tisches Wasserkraft setzen. Die Umweltverbände betonen, dass die geltenden Verfahren dazu eingehalten und die am Runden Tisch zugesagten Schutz- und Ausgleichsmassnahmen ebenfalls angewendet werden müssen.
Die erweiterte Pflicht für Solarenergie auf Neubauten und Infrastrukturbauten geht in die richtige Richtung. Der Solarausbau sollte prioritär auf bestehender Infrastruktur stattfinden. Sehr kritisch sehen die Umweltorganisationen die Standortgebundenheit der Windanlagen im Wald, da die Biodiversität im Wald wesentlich höher ist als im Kulturland.
Aktion «Retten wir das Herz der Schweizer Natur»
Diverse Verbände appellieren gemeinsam an die Politik, am Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung festzuhalten. Ohne Biotopschutz könnten unersetzbare Lebensräume verbaut und für immer zerstört werden. Dazu gehören z.B. die wilde Natur in der Greina, im Val Roseg, in Zinal oder im Maderanertal.
Weitere Informationen:
- So retten wir die Biotope von nationaler Bedeutung: www.biotopschutz.ch
- So gelingt uns die naturverträgliche Energiewende: www.energiewende2035.umweltallianz.ch
Kontakt:
- Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Energie-, Gewässerschutz- und Klimapolitik, 061 317 92 29, @email
- WWF Schweiz: Christoph Kinsperger, Kommunikationsberater, 078 749 88 14, @email
- Bird Life Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, 076 308 66 84, @email
- Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte, 079 785 07 38, @email
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Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz und Pro Natura
BLN Greina – Piz Medel GR © Jan Gürke
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Développement des énergies renouvelables: la CEATE-N dit oui à la protection des biotopes, mais le compromis doit encore être amélioré
La CEATE-N soutient la protection des zones naturelles les plus précieuses de Suisse, ce que salue l’Alliance-Environnement. Ces marais, zones alluviales, prairies sèches et sites de reproduction des amphibiens représentent à peine 2% de notre territoire, mais abritent un tiers des espèces animales et végétales menacées. Elles sont particulièrement importantes dans la lutte contre le réchauffement climatique et la crise de la biodiversité. Elles stockent le CO2 et nous protègent des sécheresses et des inondations.
Toutefois, la commission réduit la protection pour les nouvelles marges proglaciaires et les plaines alluviales alpines, qui pourraient devenir d’importance nationale avec le recul des glaciers. D'un point de vue scientifique, c'est inutile et regrettable. En effet, nombre de ces sites pionniers sont rares et essentiels pour la préservation de la biodiversité alpine. Il est inutile de les utiliser pour assurer l’approvisionnement électrique en hiver.
Pour l'approvisionnement en électricité en hiver, la CEATE-N veut s’appuyer sur les 15 projets reconnus par la table ronde consacrée à l’énergie hydraulique. Les organisations membres de l’Alliance-Environnement insistent pour que les procédures en vigueur soient respectées et que les mesures promises lors de la table ronde soient appliquées.
L'obligation d'utiliser l'énergie solaire pour les nouveaux bâtiments va dans la bonne direction. Le développement de l'énergie solaire doit se faire en priorité sur les infrastructures existantes. Enfin, les membres de l’Alliance-Environnement sont très critiques à l'égard de l’implantation des éoliennes en forêt, car la biodiversité y est nettement plus élevée que sur les terres cultivées.
Action «Sauvons le cœur de la nature suisse»
Diverses organisations environnementales lancent un appel commun aux autorités politiques pour qu'elles maintiennent la protection des biotopes d'importance nationale. Sans protection des biotopes, des habitats irremplaçables pourraient être exploités et irrémédiablement détruits. La nature sauvage de la Greina, du Val Roseg, de Zinal ou du Maderanertal en font partie.
Plus d'informations:
Réussir la transition énergétique : energiewende2035.umweltallianz.ch/fr
Préserver les biotopes d'importance nationale : protectionbiotopes.ch
Contact:
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Communiqué commun de WWF Suisse, BirdLife Suisse, Greenpeace Suisse et Pro Natura
BLN Greina – Piz Medel GR © Jan Gürke
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Die Klimakrise macht den Amphibien zu schaffen
Jedes Jahr wandern schweizweit Millionen geschlechtsreife Frösche, Kröten und Molche von ihren Überwinterungsquartieren im Wald zu den Laichgewässern, in denen sie geboren wurden. Ihre innere Uhr weckt die Tiere aus der Winterstarre und signalisiert, dass es Paarungszeit ist. Sobald die Nächte warm und die Witterung nass genug sind, starten sie ihre gefährliche Hochzeitsreise. Im Schnitt dauert diese im Mittelland von Mitte Februar bis Ende März.
Klimaerhitzung stört den Ablauf
Weil die Wanderrouten von unzähligen Strassen durchschnitten werden, wartet dabei auf tausende Tiere der Tod. Dank Kleintierunterführungen und dem Einsatz zahlreicher Freiwilliger kann das mittlerweile vielerorts verhindert werden. In den letzten Jahren war denn der Verkehr auch nicht mehr die einzige Gefahr für die Amphibienwanderung.
«Die Klimaerhitzung bringt den Ablauf der Wanderung immer öfter durcheinander», erklärt Urs Tester von Pro Natura: «Die lange Trockenheit im Februar und März letztes Jahr führte dazu, dass sich nur wenige Grasfrösche und Erdkröten auf die Reise machten. Kurz nach Beginn der Fortpflanzungszeit gab es ausserdem nochmals Frostnächte, die den Grasfroschlaich absterben liessen.»
Amphibien leiden auch unter Biodiversitätskrise
Tester betont, dass sich die Populationen von einzelnen Ereignissen dieser Art erholen können. «Treten sie aufgrund der Klimakrise jedoch gehäuft auf, kann das ganze Bestände auslöschen». Fehlen diese Tiere in Zukunft, verlieren wir wichtige Bindeglieder in der Nahrungskette: Sie fressen Mücken, Fliegen und andere Insekten und sind selbst wichtige Beutetiere für Vögel und Reptilien. Schon jetzt sind die Amphibien, eine der am stärksten von der Biodiversitätskrise betroffenen Tierarten. Durch den grossen Schwund von Feuchtgebieten sind drei Viertel der 20 einheimischen Amphibienarten gefährdet. Umso wichtiger ist es, ihren Fortpflanzungserfolg mit effektiven Massnahmen gegen die Klima- und Biodiversitätskrise zu sichern. Mit dem Anlegen zahlreicher Tümpel und Teiche leistet Pro Natura hier einen konkreten Beitrag, der Wirkung zeigt, wie eine Studie der WSL und Eawag belegt.
Weitere Informationen:
- Neues Land für Froschkönige | Pro Natura
- Mit neuen Tümpeln gegen das Amphibiensterben - WSL
- Amphibienzugstellen in der Schweiz l info fauna / karch
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Headerbild © Sandra Schweizer
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PressebilderLes amphibiens souffrent de la crise du climat
Chaque année, dans toute la Suisse, des millions de grenouilles, crapauds et tritons quittent leurs quartiers d’hiver dans la forêt pour gagner les frayères où ils sont nés. Leur horloge interne les tire de leur hibernation et leur signale que la période de reproduction a commencé. Dès que les nuits se réchauffent et que la météo est suffisamment humide, les amphibiens entreprennent leur périlleux voyage de noces. Il s’étend généralement de mi-février à mi-mars sur le Plateau.
Le réchauffement perturbe le processus
Les itinéraires de migration traversent d’innombrables routes où la mort guette des milliers d’animaux. Ce sort peut aujourd’hui leur être évité en beaucoup d’endroits grâce à l’aménagement de passages à amphibiens et à l’engagement de nombreux bénévoles. Mais depuis quelques années, la circulation routière n’est du reste plus le seul danger que doivent affronter les amphibiens lors de leur périple.
«Le réchauffement climatique perturbe de plus en plus souvent le déroulement de la migration», explique René Amstutz, de Pro Natura: «L’an dernier, à cause de la longue sécheresse en février et mars, seul un petit nombre de grenouilles rousses et de crapauds se sont mis en route. La saison de reproduction avait à peine commencé que le retour des gelées nocturnes a fait mourir les œufs des grenouilles rousses».
Les amphibiens souffrent aussi de la crise de la biodiversité
René Amstutz précise que les populations sont capables de se rétablir après de tels événements, pour peu qu’ils restent isolés. «Mais si la crise climatique les amène à se produire trop souvent, tout l'effectif peut s'effondrer.» Sans ces animaux, nous perdrions des maillons importants de la chaîne alimentaire. Ils se nourrissent de moustiques, mouches et autres insectes, tout en constituant eux-mêmes une proie de choix pour les oiseaux et les reptiles. Les amphibiens comptent déjà parmi les espèces les plus durement affectées par la crise de la biodiversité. La raréfaction des zones humides met en danger trois quarts des espèces d’amphibiens indigènes. Il est d’autant plus important d’assurer le succès de leur reproduction par des mesures efficaces contre la crise du climat et de la biodiversité. Pro Natura y travaille concrètement en aménageant de nombreuses mares et étangs, une contribution qui porte ses fruits, comme le prouve une étude du WSL et de l’Eawag.
Informations complémentaires:
- Un nouveau royaume pour la reinette
- De nouvelles gouilles pour lutter contre l’extinction des batraciens
- Sites de migrationsde batraciens en Suisse l info fauna / karch
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Photo © Sandra Schweizer
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Umwelt-, Konsumenten- und Gesundheitsverbände warnen vor mehr Intransparenz bei der Pestizid-Zulassung
Seit einem Bundesgerichtsentscheid im Jahr 2018 haben die Umweltorganisationen ein Parteistellungsrecht bei der Zulassung von Pestiziden. Durch dieses Urteil erhielten Umweltorganisationen Zugang zu den Dokumenten, die als Grundlage für die Zulassung eines Pestizids dienen und die bis dahin nur der Verwaltung und den Agrochemiekonzerne zugänglich waren. Das Urteil hat dadurch nicht nur die Transparenz des Zulassungsverfahrens erhöht, sondern auch dessen Glaubwürdigkeit massiv verstärkt.
Eine Stimme für die Natur und Gesundheit
Zusammen mit dem Parteistellungsrecht kommt ein Beschwerderecht, das dazu dient, zu überprüfen, ob die Interessenabwägung zwischen Schutz und Nutzung in Übereinstimmung mit der Umwelt- und Gesundheitsschutzgesetzgebung vorgenommen wurde. Denn die Natur und die öffentliche Gesundheit haben keine Stimme. Sie braucht eine Anwältin im Zulassungsprozess - eine Aufgabe, welche die Umweltorganisationen, nicht zuletzt auch im Namen der öffentlichen Gesundheit, übernehmen. Wer nun das Parteistellungsrecht der Umweltorganisationen schwächen will, will Stoffe und Produkte zulassen, die gemäss Umweltrecht und aus Sicht des Konsumentenschutzes und der öffentlichen Gesundheit nicht zugelassen werden dürften.
Behauptet wird, dass das Zulassungsverfahren wegen der Verbandsbeschwerde verlangsamt wurde. Die Möglichkeit der Umweltorganisationen zur Parteistellung führt jedoch nicht zu einer Flut an Beschwerden. Seit dem Bundesgerichtsentscheid von 2018 haben die Umweltorganisationen lediglich in zwei Fällen Beschwerde geführt. Dies entspricht weniger als 0.1 Prozent der 700 derzeit hängigen Dossiers. Nach Angaben des BLV sind heute neun Beschwerden der Agrochemiekonzerne und nur eine von Umweltschutzorganisationen hängig!
Unabhängiges Audit empfiehlt mehr statt weniger Transparenz
Ende 2019 zeigte ein von der Bundesverwaltung an die KPMG AG beauftragtes Audit auf, wo die wirklichen Mängel des Zulassungsverfahrens liegen. Die Hauptgründe für den verlangsamten Prozess sind die Flut an Gesuchen aus den Unternehmen der Agrochemie, welche die viel zu tiefen Gebühren (Kostendeckungsgrad von 2%) ausnutzt sowie die oft unvollständig eingereichten Dossiers und die mangelnden personellen Ressourcen der Behörde, um diese Flut an Gesuchen überhaupt zu bewältigen.
Der Bericht von KMPG enthält zehn Handlungsempfehlungen. Unter anderem empfiehlt er, dass die Zulassungsentscheide zugänglich gemacht werden und dass die Verbände besser integriert werden. Eine Schwächung der Parteistellungsrecht für die Umweltorganisationen geht genau in die entgegengesetzte Richtung.
Agrochemie profitiert von der Intransparenz
Die überwiegende Mehrheit der KMPG-Handlungsempfehlungen wurden bislang nicht umgesetzt. Die Agrochemie arbeitet daran, dies zu verhindern, da sie von der Intransparenz des Systems profitiert. Doch je undurchsichtiger das System ist, desto wichtiger ist das Verbandsbeschwerderecht. Denn Pestizide haben massive Auswirkungen auf die Natur, das Trinkwasser und die menschliche Gesundheit (vgl. dazu das Faktenblatt von SCNAT-Factsheet). Es ist zwingend notwendig, dass ihre Zulassung transparent und im Einklang mit dem Umweltrecht erfolgt.
Die Verbände appellieren an den Nationalrat den Entscheid seiner Kommission zu korrigieren und fordern die Umsetzung des KPMG-Berichts für mehr Transparenz und Sicherheit. Nur so kann das System verbessert und die Natur und Gesundheit auch wirklich geschützt werden.
Kontakt:
- Pro Natura: Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, 061 317 92 40, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsbeauftragter, @email, 079 241 60 57
- BirdLife Schweiz: Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, 044 457 70 26, @email
- Greenpeace Schweiz: Alexandra Gavilano, Projektleiterin Nachhaltiges Ernährungssystem, 044 447 41 38, @email
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Getreidefeld © Matthias Sorg
Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, Greenpeace Schweiz, BirdLife Schweiz, SFV, AefU, Allianz Gesunde Schweiz, Public Health, Dachverband Schweizerischer Patient*innenstellen, Landwirtschaft mit Zukunft, Biene Schweiz, Future 3, Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein
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SCNAT-Factsheet zu PestizidenPotrebbe anche interessarti
Les ONG mettent en garde contre un manque de transparence accru dans la procédure d’autorisation des pesticides
En 2018, le Tribunal fédéral a rendu un arrêt qui accorde aux organisations environnementales le droit d’être partie dans la procédure d’homologation des pesticides. Depuis cette décision, ces organisations ont donc accès aux documents qui servent de base à l’autorisation d’un pesticide et qui n’étaient jusqu’alors accessibles qu’à l’administration et aux groupes agrochimiques. Cette décision a ainsi augmenté la transparence de la procédure d’homologation, et ainsi sa crédibilité.
Une voix pour la nature et la santé
Outre le droit d’être partie à la procédure, il existe un droit de recours qui sert à vérifier si la pesée des intérêts entre protection et utilisation a été effectuée conformément à la législation sur la protection de l’environnement et de la santé. Car la nature et la santé publique n’ont pas de voix. Elles ont besoin d’un avocat dans le processus d’autorisation, une tâche assumée par les organisations environnementales, également au nom de la santé publique. Celles et ceux qui veulent affaiblir le droit de ces dernières à être partie à la procédure d’homologation veulent ainsi voir autoriser des substances et des produits qui, selon le droit de l’environnement et du point de vue de la protection des consommateurs et de la santé publique, ne devraient pas l’être.
L’argument avancé par les opposants au droit de recours des associations est qu’il ralentit la procédure d’autorisation. Pourtant, la possibilité qu’ont les organisations environnementales d’être partie à la procédure ne provoque pas une avalanche de recours. Depuis l’arrêt du Tribunal fédéral de 2018, les associations concernées n’ont fait recours que dans deux cas, soit moins de 0,1% des 700 dossiers en cours actuellement. Selon les indications de l’Office fédéral de la sécurité alimentaire et des affaires vétérinaires, 9 recours de groupes agrochimiques doivent actuellement être traités, contre seulement un des organisations environnementales !
Un audit indépendant recommande plus de transparence
Fin 2019, un audit confié par l’administration fédérale à KPMG SA a montré où se situaient les véritables lacunes de la procédure d’autorisation. Les principales raisons du ralentissement du processus sont l’afflux de demandes émanant des entreprises de l’agrochimie, qui profitent des émoluments beaucoup trop bas (taux de couverture des coûts de 2%), les dossiers souvent incomplets et le manque de ressources en personnel des autorités pour faire face à l’afflux de demandes d’autorisation.
Le rapport de KMPG contient dix recommandations d’action. Il préconise entre autres que les décisions d’autorisation doivent être accessibles et les associations mieux intégrées à la procédure. Un affaiblissement du droit d’être partie des organisations environnementales va exactement dans la direction opposée.
L’agrochimie profite du manque de transparence
La grande majorité des recommandations d’action de KMPG n’a pas encore été mise en œuvre. L’industrie agrochimique travaille à éviter qu’elles le soient, puisqu’elle profite de l’opacité du système. Mais plus celui-ci est opaque et plus le droit de recours des associations est important. En effet, les pesticides ont un impact massif sur la nature, l’eau potable et la santé (voir à ce sujet la fiche d’information de SCNAT) . Il est impératif que leur autorisation soit transparente et conforme à la législation environnementale.
Les organisations signataires appellent le Conseil national à corriger la décision de sa commission et demandent la mise en œuvre du rapport de KPMG pour plus de transparence et de sécurité. C'est la seule façon d'améliorer le système et de protéger réellement la nature et la santé.
Contacts:
- Pro Natura: Nicolas Wüthrich, responsable de l’information, Pro Natura, @email, 079 212 52 54
- WWF Suisse: Cédric Jacot-Guillarmod, Porte-parole WWF Romandie, @email, 079 445 87 79
- BirdLife Suisse: Patrik Peyer, Chef de projet agriculture, BirdLife Schweiz, @email, 044 457 70 26
- Greenpeace Suisse: Alexandra Gavilano, Chef de projet Système alimentaire durable, @email, 044 447 41 38
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Champ de céréales © Matthias Sorg
Communiqué de presse commun de WWF Suisse, Greenpeace Suisse, BirdLife Suisse, SFV, AefU, Allianz Gesunde Schweiz, Public Health, Dachverband Schweizerischer Patient*innenstellen, Landwirtschaft mit Zukunft, Biene Schweiz, Future 3, Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein
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Strommangellage ist nicht eingetreten, jetzt Abbau beim Naturschutz stoppen
Bürgerliche Kreise haben die drohende Strommangellage Anfang Winter schamlos dazu benutzt, um einen Frontalangriff auf den Natur- und Landschaftsschutz zu lancieren. Rechtsstaatliche Prinzipien, vom Volk verabschiedete Gesetze und bewährte Mechanismen im Planungs- und Umweltrecht wurden dabei über Bord geworfen.
Dass die Mangellage nun doch nicht eingetreten ist, kann den bereits angerichteten Schaden kaum mehr rückgängig machen: So sind die Anbauschlacht und der Run auf Subventionen für grossflächige Photovoltaikanlagen in noch unberührten, alpinen Wildnisgebieten in vollem Gang und Restwassermengen wurden trotz drohendem Artensterben temporär für gewisse Wasserkraftwerke gesenkt. Weitere Attacken auf Natur und Landschaft sind mit einer Initiative der Kleinwasserkraftlobby geplant. Dass vor allem jene Kilowattstunde am meisten zählt, welche eingespart wird, ist derweil in der Politik kaum ein Thema.
Was in der Frühjahrssession auf dem Spiel steht
In der kommenden Frühjahrssession steht mit der Diskussion zum Energie- und zum Stromversorgungsgesetz (so genannter Mantelerlass) erneut das Verhältnis von Schutz und energetischem Nutzen unserer Natur und Landschaft auf dem Spiel: Noch ist nicht gesichert, dass Biotope von nationaler Bedeutung von der Energienutzung ausgeschlossen bleiben sollen – als wären diese 2,17% der Schweizer Landesfläche für die Energiewende ausschlaggebend; die Pflicht zu Schutz-, Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen, wenn ein Inventarobjekt betroffen ist, wird infrage gestellt, obwohl deren Notwendigkeit vom «Runden Tisch Wasserkraft» noch vor kurzem bekräftigt worden war; die Planungspflicht für die Projekte vom «Runden Tisch Wasserkraft» soll deutlich reduziert werden und ein grundsätzlicher Interessenvorrang für erneuerbare Energien steht zur Debatte. Per Ausnahmegesetz soll nach der alpinen Photovoltaik auch der Ausbau der Windenergie beschleunigt werden, was die sorgfältige Prüfung von Naturwerten infrage stellt.
Pro Natura appelliert an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, zu einem nachhaltigen Verhältnis zwischen Schutz und Nutzen zurückzufinden und
- im Auge zu behalten, wie eng Biodiversitäts- und Klimakrise zusammenhängen;
- zu berücksichtigen, dass ein Drittel unserer einheimischen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, ganz besonders die Gewässerlebewesen;
- den Naturwert von neu entstehenden Gletschervorfeldern zu berücksichtigen, statt sie voreilig der Nutzung zuzuschlagen
- unsere letzten unberührten Landschaften nicht einem Energieausbau zu opfern, welcher grösstenteils konfliktfrei auf bereits bebauten Gebieten stattfinden kann;
- politische Rahmenbedingungen anzugehen, um die Energieverschwendung zu stoppen und unseren Energiekonsum auf ein planetenverträgliches Mass zu reduzieren.
Energiewende, Biodiversitätskrise und Klimakrise müssen gemeinsam gelöst werden!
Weitere Informationen:
- Standpunkte der Umweltallianz zur Frühjahrssession 2023
- Sichere Schweizer Energieversorgung 2035 - Die Lösungen der Umweltallianz
Kontakt:
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Greina-Hochebene, Biotop nationaler Bedeutung ©…Potrebbe anche interessarti
Kanton, KWO und Verbände einigen sich über grosse Speicherprojekte
Vereinbart wurden zwischen Kanton Bern, KWO und Verbänden unter anderem: Nutzungsverzichte diverser Fliessgewässer und Fliessgewässerabschnitte für die Stromproduktion durch den Kanton, Beitragsleistungen der KWO zum Rückbau von Fassungsbauwerken an der Simme und an der Emme, Bau- und Nutzungsbeschränkungen für drei Gletschervorfelder sowie die Errichtung einer von der KWO finanzierten Stiftung zur Sicherstellung des langfristigen Unterhalts von anderweitigen Aufwertungs- und Revitalisierungsmassnahmen.
Mit diesen erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen werden Zusatzvorgaben der Gemeinsamen Erklärung des «Runden Tisch Wasserkraft» von 2021 und des seit Januar 2025 geltenden Bundesgesetzes über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien für grosse Speicherausbauprojekte umgesetzt. Die nun vorliegenden Vereinbarungen sind eine Pionierleistung. In einem konstruktiven Dialog zwischen Behörden, Umweltorganisationen und der Stromproduzentin ist es gelungen, eine von allen Beteiligten mitgetragene Lösung zu finden. Am 16. September 2025 haben die Parteien die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen und heute die entsprechenden Vereinbarungen unterzeichnet.
Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft
Die Ausbauprojekte Neubau Speichersee sowie Kraftwerk Trift und Vergrösserung Grimselsee der KWO gehören zu den 15 Speicherausbauvorhaben, für welche der «Runde Tisch Wasserkraft» in seiner gemeinsamen Erklärung vom 13. Dezember 2021 vertiefte Abklärungen empfohlen hat. Diesen Projekten attestiert das seit 1. Januar 2025 in Kraft stehende Bundesgesetz vom 29. September 2023 über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien eine besondere Bedeutung für die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz. Sowohl die Gemeinsame Erklärung des «Runden Tisch Wasserkraft» als auch das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien geben vor, dass für die 15 grossen Speicherausbauvorhaben zusätzliche Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft umzusetzen sind. Der Regierungsrat des Kantons Bern unterstützt diese Bestrebungen und ist bereit, künftig naturnahe oder wenig beeinträchtigte Fliessgewässer und -abschnitte von einer Nutzung durch neue oder wesentlich erweiterte (Klein-)Wasserkraftwerke auszunehmen.
«Grimsel-Dialog» führte zu Konsens unter allen Dialogpartnern
Über solche und andere zusätzliche Ausgleichsmassnahmen für die Speicherausbauprojekte der KWO haben Vertreter des Kantons Bern, der KWO und der Verbände seit dem 18. September 2024 im sogenannten «Grimsel-Dialog» verhandelt. Die beteiligten Parteien berieten über die Dauer eines Jahres die zusätzlichen Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft für die Speicherausbauprojekte der KWO. Involviert in die Verhandlungen waren kantonale Behördenvertreter vom Amt für Wasser und Abfall (AWA) und vom Amt für Landwirtschaft und Natur (LANAT), die KWO, die Verbände WWF Schweiz, WWF Bern, Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz, Pro Natura Bern, Aqua Viva, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Schweizer Alpen-Club SAC, Schweizerischer Fischerei-Verband, Bernisch Kantonaler Fischerei-Verband sowie die Standortgemeinden Guttannen und Innertkirchen. Zudem fanden bilaterale Dialog-Sitzungen zwischen Kanton und Verbänden für die Aushandlung der unten beschriebenen Gewässernutzungsverzichte statt.
Resultat des «Grimsel-Dialog» sind breit abgestützte, vollständige Massnahmenpakete über die zusätzlichen Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft für die beiden Projekte Trift und Vergrösserung Grimselsee sowie ein Teilpaket für das noch weniger weit fortgeschrittene dritte Projekt Vergrösserung Oberaarsee. Die Verbände sichern dem Kanton Bern und der KWO zu, keine Beschwerden gegen die nötigen Konzessionsanpassungen und -ergänzungen für den Ausbau der KWO-Speicherprojekte einzulegen. Durch ihre Beteiligung am «Grimsel-Dialog» konnten die Verbände der Natur in diesem Prozess eine Stimme verleihen. Die Organisationen haben sich dafür engagiert, dass die geplanten Projekte den geltenden Umweltgesetzen entsprechen und die vorgeschriebenen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen einen möglichst grossen Wert für Natur und Landschaft erbringen.
Gewässernutzungsverzichte, Schutz von Gletschervorfeldern, Einrichten einer Stiftung
Im Rahmen des «Grimsel-Dialog» erarbeiteten Kanton, KWO und die Verbände eine Bewertungsmethode, die sogenannte «Berner Methode». Die Methode ermöglicht es, die Eingriffe der KWO-Speicherausbauvorhaben in Natur und Landschaft sowie den ökologischen und landschaftlichen Mehrwert der vorgesehenen Ausgleichsmass-nahmen zu bewerten. So lässt sich der angemessene Umfang der Massnahmen festlegen. Für die Ausbauvorhaben der KWO wurden in den nun vorliegenden Vereinbarungen einzelne Massnahmenpakete festgelegt (vollständig für die Projekte Trift und Vergrösserung Grimselsee, teilweise für das noch weniger weit fortgeschrittene Projekt Vergrösserung Oberaarsee).
In diesen Massnahmenpaketen enthalten sind nebst direkt von der KWO umgesetzte oder finanzierte Massnahmen unter anderem auch durch den Kanton Bern zugesicherte Nutzungsverzichte von 53 kantonalen Fliessgewässern oder Fliessgewässerabschnitten für den Bau von neuen Wasserkraftwerken oder erhebliche Erweiterungen von bestehenden Wasserkraftwerken (bezeichnet als «Gewässernutzungsverzichte», Auflistung der betreffenden Fliessgewässer und Fliessgewässerabschnitte in der Beilage). Diese Nutzungsverzichte basieren auf der mit der Wasserstrategie 2010 vorgenommenen Nutzen-Schutz-Abwägung. Dementsprechend sind an vielen der betroffenen Hauptgewässer neue Wasserkraftwerke bereits heute entweder nicht oder nur unter erheblichen Einschränkungen umsetzbar. Nun werden diese dauerhaft vor weiteren Eingriffen geschützt. Konkret haben sich die Parteien auf die folgenden Massnahmenpakete geeinigt:
Massnahmenpaket Trift
- Gewässernutzungsverzichte an 18 Fliessgewässern oder Fliessgewässerabschnitten im Kanton Bern
- Rückbau des Simmewehrs des Wasserkraftwerks Spiez
- Bau- und Nutzungsbeschränkungen im Gletschervorfeld Steingletscher (Konzessionsgebiet KWO)
- Errichten einer Stiftung durch KWO zur Sicherstellung des langfristigen Unterhalts von anderweitigen Aufwertungs- und Revitalisierungsmassnahmen
Massnahmenpaket Vergrösserung Grimselsee
- Gewässernutzungsverzichte an 29 Fliessgewässern oder Fliessgewässerabschnitten im Kanton Bern
- Rückbau von zwei Kleinwasserkraftwerken an der Emme (Bätterkinden und Hagerhüsli)
- Artenreiche Wiesen: Biodiversitätsförderung durch konzeptionelle und finanzielle Unterstützung von Projekten zum langfristigen Erhalt der Flächen und Qualität sowie der Vernetzung von wertvollen, ansonsten vergandenden Kulturlandschaften
- Bau- und Nutzungsbeschränkungen in den Gletschervorfeldern Bächli- und Grubengletscher (Konzessionsgebiet KWO)
- Errichten einer Stiftung durch KWO zur Sicherstellung des langfristigen Unterhalts von anderweitigen Aufwertungs- und Revitalisierungsmassnahmen
Massnahmenpaket Vergrösserung Oberaarsee
- Gewässernutzungsverzichte an 6 Fliessgewässern oder Fliessgewässerabschnitten im Kanton Bern
- Weitere Massnahmen seitens KWO noch offen
Beschwerde des Grimselvereins gegen Trift-Ausbau bleibt hängig
Der Grosse Rat des Kantons Bern hat mit Beschluss vom 8. Juni 2023 die Gesamtkonzession der KWO für die Nutzbarmachung der Wasserkräfte im Oberhasli um das Nutzungsrecht für das Ausbauvorhaben Trift erweitert. Gegen diesen Beschluss ist derzeit noch eine Beschwerde des Grimselvereins hängig, welcher auf eine Teilnahme am «Grimsel-Dialog» verzichtet hat, und diese Beschwerde aufrechterhält. Für das Projekt Vergrösserung Grimselsee hat die KWO am 28. Mai 2024 ein aktualisiertes Konzessionsgesuch eingereicht. Über dieses Gesuch wird der Grosse Rat des Kantons Bern voraussichtlich in der Herbstsession 2026 befinden. Für das Projekt Vergrösserung Oberaarsee liegt bisher erst eine grobe Machbarkeitsstudie vor.
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Gemeinsame Medienmitteilung des Kantons Bern, der Kraftwerke Oberhasli AG und der beteiligten Verbände
Einigung erzielt: Kanton Bern, KWO und führende Verbände einigen sich auf umfangreiche zusätzliche Massnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft.
Grundlage für Ausbau der Speicherausbauprojekte: Die Vereinbarungen komplettieren die Konzessionsgesuche für die beiden Speicherausbauprojekte Trift und Vergrösserung Grimselsee der KWO. Für das weniger weit fortgeschrittene dritte Speicherausbauvorhaben Vergrösserung Oberaarsee legen sie zudem einen Grundstein.
Beschwerdeverzicht der Verbände: Die beteiligten Verbände verpflichten sich, auf Rechtsmittel bei den beiden bereits hängigen Konzessionsprojekte Trift und Vergrösserung Grimselsee zu verzichten.
Umfassendes Massnahmenpaket:
- 53 Fliessgewässer oder Gewässerabschnitte werden im Kanton Bern von einer Nutzung für den Bau von neuen Wasserkraftwerken oder wesentliche Erweiterungen von bestehenden Wasser-kraftwerken ausgenommen
- Rückbau von Fassungsbauwerken an der Simme und an der Emme
- Bau- und Nutzungseinschränkungen in drei sensiblen Gletschervorfeldern
- Biodiversitätsförderung durch konzeptionelle und finanzielle Unterstützung von Projekten zum langfristigen Erhalt der Flächen und Qualität sowie der Vernetzung von wertvollen, ansonsten vergandenden Kulturlandschaften
- Errichtung einer Stiftung zur Sicherstellung des langfristigen Unterhalts von anderweitigen Auf-wertungs- und Revitalisierungsmassnahmen
«Berner Methode» als Bewertungsgrundlage: Die gemeinsam entwickelte Methode ermöglicht eine transparente Bewertung sowohl der mit dem jeweiligen Projekt verbundenen Eingriffen in die Natur und die Landschaft als auch des ökologischen und landschaftlichen Werts von möglichen Massnahmen und bildet ein wichtiges Instrument für die Festlegung von angemessenen Massnahmenpaketen.
Konstruktiver Dialog als Erfolgsfaktor: Der von der KWO initiierte «Grimsel-Dialog» zeigt, dass gemeinsame, tragfähige Lösungen zwischen Behörden, Verbände und Energieunternehmen möglich sind.
Kontakt:
- Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik 061 317 92 29, @email
- Bau- und Verkehrsdirektor des Kantons Bern: Regierungspräsident Christoph Neuhaus 031 633 31 02
- Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), Thomas Huber, Leiter Kommunikation und Interessengruppen 079 662 48 13, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher 079 241 60 57, @email
- Aqua Viva: Salome Steiner, Geschäftsleiterin 052 510 14 50, @email
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL-FP: Rahel Marti, Co-Geschäftsleitung 079 707 49 11, @email
- Schweizer Alpen-Club SAC: Philippe Wäger, Ressortleiter Hütten und Umwelt 031 370 18 62, @email
- Bernisch Kantonaler Fischerei-Verband: Markus Schneider, Präsident 079 460 92 05, @email
Breite Allianz fordert sauberes Wasser für eine gesunde Schweiz
Trinkwasser-Appell lanciert
Für uns in der Schweiz ist es selbstverständlich, dass wir das Wasser aus dem Wasserhahn sorglos trinken können. Doch Pestizide und Chemikalien wie PFAS gefährden diese Sicherheit und damit unsere Gesundheit und die Natur.
Trinkwasser muss trinkbar bleiben
1 Million Schweizerinnen und Schweizer im Mittelland trinken bereits mit Pestiziden (insb. Rückständen aus Chlorothalonil) belastetes Trinkwasser. Fische aus dem Zugersee dürfen aufgrund der hohen PFAS-Werte nicht mehr verkauft werden. Bei vielen Wasserfassungen muss das Wasser aufgrund der hohen Nitratbelastung verdünnt werden, damit es als Trinkwasser verwendet werden darf.
Anstatt diese höchstbedenklichen Entwicklungen ernst zu nehmen und unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen, werden immer neue politische Vorstösse eingereicht, um den Gewässerschutz in der Schweiz zu verwässern. Deshalb hat eine breite Allianz aus Organisationen der Zivilgesellschaft den Appell für gesundes Trinkwasser lanciert. Damit kann die Schweizer Bevölkerung Bundesrat und Parlament jetzt ein klares Signal senden: Unser Trinkwasser muss trinkbar bleiben. Bereits haben über 15’000 Personen den Appell unterzeichnet.
Schadstoffe gefährden Mensch und Natur
Schadstoffe wie Pestizide, Nitrat und PFAS gelangen über viele verschiedene Wege in unser Wasser. Viele dieser Stoffe bauen sich nur langsam ab und können sich über Jahre hinweg in den Gewässern und unseren Körpern anreichern. Studien zeigen, dass Pestizide hormonelle Prozesse stören können. Mögliche schwerwiegende Folgen können Fortpflanzungsstörungen sein oder ein erhöhtes Risiko für hormonabhängige Tumore, wie etwa einige Formen von Brust-, Eierstock-, Prostata- oder Hodenkrebs.
Auch die Natur leidet: Die Schadstoffe schädigen Würmer, Pilze, Fische oder Insekten und ihre Larven und stören wichtige ökologische Prozesse wie Nährstoffkreisläufe oder Wasserreinigung. Weil über Wasser und Nährstoffe die unterschiedlichsten Lebensräume miteinander verbunden sind, entstehen Kettenreaktionen, die wertvolle Naturgebiete wie Auen oder Flachmoore beeinträchtigen.
Lange Liste gefährlicher Vorstösse
Die Liste der aktuellen, politischen Angriffe auf den Schweizer Gewässerschutz ist lang. Folgende Geschäfte sind für den künftigen Schutz unseres Trinkwassers entscheidend:
- Parlamentarische Initiative Bregy (Geschäft 22.441): Will eine automatische Übernahme der EU-Pestizidzulassungen ohne Mitsprachemöglichkeit. Die ständerätliche Wirtschaftskommission entschied Anfang Woche, diese zur Annahme vorzuschlagen.
- Motion Riem (Geschäft 25.3186): Will die Gewässerschutzkontrollen lockern.
- Motion Müller (Geschäft 24.4589): Will die Überprüfung der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden schwächen. Das Geschäft ist für die Frühjahrssession traktandiert.
- Vernehmlassung Teilrevision der Gewässerschutzverordnung: Für drei besonders giftige Stoffe (z.B. Deltamethrin) sollen keine Grenzwerte gesetzt werden. Die Vernehmlassungsfrist endet am 12. März.
- Vernehmlassung zur Änderung des Gewässerschutzgesetzes: Der Schutz der Zuströmbereiche bei Grundwasserfassungen, der seit 1998 umgesetzt werden müsste, wird weiter verzögert. Die Vernehmlassungsfrist endet am 12. März.
Um den gezielten Abbau des qualitativen Gewässerschutzes in der Schweiz zu stoppen, braucht es jetzt ein starkes Signal aus der Bevölkerung.
Weitere Informationen:
Kontakt:
Pro Natura: Stefan Kunz, Abteilungsleiter Politik und Internationales, 079 631 34 67, @email
WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, @email
Schweizerischer Fischerei-Verband: David Bittner, Geschäftsführer, 079 461 91 78, @email
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz: Dr. med. Bernhard Aufdereggen, Präsident, 079 639 00 40, @email
- BirdLife Schweiz: Jonas Schälle, Projektleiter Landwirtschaft, 044 457 70 26, @email
- Stiftung für Konsumentenschutz: Josianne Walpen, Leiterin Ernährung, 031 370 24 23, @email
- Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein: Roman Wiget, Co-Präsident, 079 260 74 97, @email
Unterstützende Organisationen:
Aqua Viva
Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
BirdLife Schweiz
Fédération romande des consommateurs
Kleinbauern-Vereinigung
Pro Natura
Schweizerischer Fischerei-Verband
Stiftung für Konsumentenschutz
Stiftung FUTURE3
WWF Schweiz
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Gemeinsame Medienmitteilung von Aqua Viva, Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein, Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz, BirdLife Schweiz, Fédération romande des consommateurs, Kleinbauern-Vereinigung, Pro Natura, Schweizerischer Fischerei-Verband, Stiftung für Konsumentenschutz, Stiftung FUTURE3, WWF Schweiz