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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Helene Gurtner
08.03.2024 Klimakrise

Wie steht es um die Klimajugend in der Schweiz?

2019 folgten in der Schweiz gegen 15 000 Junge dem Beispiel von Greta Thunberg und gingen für den ersten Klimastreik auf die Strasse. Doch wie sieht es heute aus? Ein paar Antworten zwischen Fachmeinung und Erfahrungsbericht.

Hat die Covid-19-Pandemie das Engagement der Jugend für den Umweltschutz zum Erliegen gebracht? Laut einer Studie des ­Forschungsinstituts Sotomo, die Anfang 2024 veröffentlicht ­wurde, haben die 18- bis 35-Jährigen heute den grössten öko­logischen Fussabdruck des Landes: Sie verursachen 11,3 Tonnen CO2 pro Jahr (im Vergleich zum Schnitt von 10,5 Tonnen), und zwar vor allem, weil sie mehr fliegen als die Älteren. Daraus sollte man allerdings keine voreiligen Schlüsse ­ziehen: Auch die Autoren der Umfrage betonen, dass die Zahl relativiert werden muss, denn unter den jungen Erwachsenen gibt es eine Minderheit (30 Prozent), die den Schnitt nach oben treibt und die ­Klimabilanz der ganzen Altersgruppe verschlechtert. Oriane ­Sarrasin, Lehr- und Forschungsbeauftragte für Sozial- und ­Umweltpsychologie an der Universität Lausanne, bestätigt das: «Wir stellen bei den Jungen eine grosse Heterogenität fest. ­Viele sind nach wie vor engagiert, während sich andere nicht für die Thematik zu interessieren scheinen. Zudem sollten wir genauer definieren, was wir unter Engagement verstehen, denn da gibt es verschiedene Formen. Es ist zum Beispiel möglich, dass sich jemand sehr stark für den Naturschutz engagiert, gleichzeitig aber nicht auf eine klimaschonende Ernährung achtet.»

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Laut einer internationalen Studie, die 2021 in der englischsprachigen Zeitschrift «The Lancet» veröffentlicht wurde, geben drei von vier jungen Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren an, dass sie unter Öko-Angst leiden, also sich Sorgen darüber machen, wie sich die menschlichen Aktivitäten auf die Zukunft unseres Planeten auswirken. «Menschen mit Öko-Angst sind oft sehr gut informiert und haben sich mit wissenschaftlichen ­Studien oder den Klimaberichten des IPCC beschäftigt, die alle ähnliche Ergebnisse präsentieren: beschleunigte Erderwärmung, sechstes Massenaussterben, Zerstörung der Wälder usw.», sagt der französische Psychologe und Psychotherapeut Pierre-Éric ­Sutter, Lehr- und Forschungsbeauftragter am Conservatoire ­national des arts et métiers (CNAM) und Leiter des Observatoire de l’éco-anxiété (Beobachtungsstelle für Öko-Angst). Diese Menschen «haben eine klare Vorstellung von den Szenarien, die sich abspielen könnten, wenn wir unser umweltschädliches Verhalten nicht ändern. Und sie befinden sich in einer existenziellen Krise, die sich unter anderem darin äussert, dass sie das Gefühl haben, nicht genug für die Umwelt zu tun.»

Von der Öko-Angst zum Engagement

Betrifft dieses Problem vor allem die Jungen? «Wir können ­keinen Unterschied zwischen den Altersgruppen feststellen», fährt der Experte fort. «Unter den 30- oder 50-Jährigen gibt es genauso viele Menschen mit Öko-Angst wie unter den Jungen. Und wir beobachten verschiedene Ausmasse dieser Angst.» ­Ähnlich klingt es bei Oriane Sarrasin, die allerdings lieber von Öko-Emotionen spricht: «Die Bandbreite ist gross: Manche ­Menschen äussern einfach ihre Besorgnis, andere können nachts nicht mehr schlafen.»

Aus Sicht von Pierre-Éric Sutter sind die Jungen jedoch eher bereit, aufgrund dieser Angst zu handeln. «Es ist ihre Zukunft, die auf dem Spiel steht. Zudem hat man in ihrem Alter noch mehr Lust auf kämpferische Auseinandersetzungen und ist noch nicht so stark von den Interessen der Konsumgesellschaft pervertiert worden.» Hier bietet sich das Konzept des konkreten Öko-Projekts an. Durch das Handeln kann man sich nicht nur für den Umweltschutz einsetzen, sondern auch seine Ängste ­regulieren. «Ich erzähle gerne die Geschichte des Deutschen ­Felix Finkbeiner, der als Neunjähriger über die Abholzung der Amazonaswälder bestürzt war und 2007 beschloss, er werde als Erwachsener eine Milliarde Bäume pflanzen. Mit der Unter­stützung seiner Eltern und eines Lehrers, der ihn ermutigte, den ersten Baum auf dem Schulhof zu pflanzen, gründete er schon bald eine NGO und erhielt für sein Vorhaben sogar Zuschüsse von der UNO. Mittlerweile hat er mit seinen Teams 14 Milliarden Bäume gepflanzt.» Der Psychologe warnt jedoch vor allzu ambitionierten Zielen. «Es sind nicht alle dazu berufen, gross­artige Taten zu vollbringen. Statt sofort das ganze Packeis retten zu wollen, sollte man sich vielleicht zuerst auf die eigenen ­Fähigkeiten besinnen, um herauszufinden, welches Engagement am besten passt.»

Wider den Frust

Heute gehen die Jungen aber nicht mehr so oft auf die Strasse. Eine Folge der Pandemie? Sarrasin räumt ein: «Wir können nicht sagen, was passiert wäre, wenn es Covid nicht gegeben hätte. Unter den Jungen lässt sich aber eine gewisse Politikverdrossenheit oder gar Wut auf die herrschende Klasse beobachten. Wer sich bei den Wahlen von 2019 für die Grünen einsetzte, ist jetzt vielleicht enttäuscht, dass sich in vier Jahren so wenig geändert hat.» Es ist auch schwierig, engagiert zu bleiben, wenn die Auswirkungen der eigenen Handlungen nicht sichtbar werden. «Das gilt insbesondere für den Klimawandel: Man kann zwar auf das Fliegen verzichten oder weniger Fleisch essen, aber die Wirkung ist nicht direkt spürbar. Das kann frustrierend sein. Vor allem, wenn man sieht, dass andere gar nichts tun.» Aus Sicht der Wissenschaftlerin sind die Jugendlichen von heute auch mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Am Nachhaltigkeitstag eines Gymnasiums erlebte sie zum Beispiel, wie sich einige Jugendliche heftig darüber beklagten, dass sie keine weiten Reisen machen dürfen, während ihre Eltern von den prägenden Reisen ihrer Jugend erzählen. «Einerseits verlangt man von den Jungen, dass sie die Welt verändern, und andererseits suggeriert ihnen die Gesellschaft weiterhin, das Glück bestehe darin, nach dem Studium ans andere Ende der Welt zu reisen. Die kollektiven Vorstellungen haben sich kaum gewandelt und unsere Welt drängt die Jungen nach wie vor zum Konsum.»

Doch für die Psychologin bedeutet das nicht, dass die jungen Menschen, die 2018 und 2019 auf die Strasse gingen, ihr Umweltbewusstsein über Bord geworfen haben. Es drückt sich wahrscheinlich nur anders aus. Auch die acht Porträts in diesem Dossier zeigen, dass es verschiedene Formen von Engagement gibt und dass sich diese im Laufe der Zeit verändern können. Während die einen auf den aktivistischen oder den politischen Weg setzen, engagieren sich andere im Beruf oder sensibilisieren die jüngere Generation. Hauptsache, es geht weiter!

Lago di Luzzone
07.10.2025 Energie

Was bedeutet der Beschleunigungserlass für die Natur?

Ende September hat das Parlament den Beschleunigungserlass verabschiedet. Darin wird das Verbandsbeschwerderecht für 16 Wasserkraftprojekte eingeschränkt. Was ist der Beschleunigungserlass und was bedeutet er für die Natur? Pro Natura ordnet ein.

Der Beschleunigungserlass fasst verschiedene Änderungen am Energiegesetz zusammen, um den Bau von neuen grossen Anlagen für erneuerbare Energien zu beschleunigen – daher seine Bezeichnung. Der Beschleunigungserlass bezieht sich auf 16 Grosswasserkraftprojekte, die am Runden Tisch Wasserkraft definiert und schliesslich im Stromversorgungsgesetz festgehalten wurden.  

So soll die Energiewende in der Schweiz vorangetrieben werden. Ein Vorhaben, das Pro Natura grundsätzlich unterstützt.  

Was wurde mit dem Beschleunigungserlass entschieden?

Der Beschleunigungserlass definiert gestraffte Bewilligungsverfahren sowie konzentrierte Plangenehmigungsverfahren für Photovoltaik- und Windenergieanlagen von nationaler Bedeutung. Das sind gute Massnahmen, um die erneuerbaren Energien zügig auszubauen. Allerdings wurden im Beschleunigungserlass auch einige problematische Änderungen beschlossen.

Problematisch:

  • Bei 16 Wasserkraftwerk-Projekten kann nur noch vom Kantonsgericht, nicht aber vom Bundesgericht, überprüft werden, ob geltendes Umweltrecht eingehalten wird. Dieser unvollständige Instanzenweg ist sachfremd: Selbst Parkbussen können in unserem Rechtssystem bis vor das Bundesgericht angefochten werden. Die Einschränkung ist problematisch – für unseren Rechtsstaat und für die Natur.  
  • Bestehende Wasserkraftwerke von nationaler Bedeutung erhalten einfacher sogenannte Zusatzkonzessionen. Diese erlauben grosse Ausbauten und eröffnen eine rechtliche Lücke: Sie ermöglichen es den Stromkonzernen, nötige Naturschutz-Massnahmen auf die lange Bank zu schieben.
  • Stromkonzerne müssen nicht mehr wie vereinbart zusätzliche Ausgleichsmassnahmen für Biodiversität und Landschaft umsetze, wenn sie mit Kraftwerken Schäden entlang von Gewässern verursachen. Stattdessen können sie sich aus ihrer Verantwortung «freikaufen». 
Was ist das Verbandsbeschwerderecht?

Mit dem Verbandsbeschwerderecht können berechtigte Organisationen überprüfen lassen, ob bei einem geplanten Projekt die geltenden Gesetze eingehalten werden. Zu den berechtigten Organisationen gehören verschiedene Natur- und Umweltschutzorganisationen wie zum Beispiel Pro Natura.

Die Organisationen machen nur von dem Recht Gebrauch, wenn erhebliche Schäden für Natur und Umwelt drohen. In mindestens zwei von drei Fällen bewirken Beschwerden, dass die Gesetze eingehalten werden und auf die Natur in angemessener Form Rücksicht genommen wird.

Mehr über das Verbandsbeschwerderecht finden Sie hier: https://stimmedernatur.ch/ 

Grimsel Staumauer Raphael Weber

Was bedeutet die Einschränkung des Verbandsbeschwerderecht?

Mit dem Verbandsbeschwerderecht kann einzig verlangt werden, dass die geltenden Gesetze auch eingehalten werden. An diesem Recht zu sägen, ist höchst bedenklich und rechtsstaatlich problematisch. Die im Rahmen der Abstimmung zum Stromgesetz (2024) vom Bundesrat gemachte Zusicherung, das Beschwerderecht nicht zu beschränken, wird nicht eingehalten.  

Die Ausschaltung des Bundesgerichtes wird dazu führen, das Bundesrecht unterschiedlich ausgelegt wird. Auch ist zu befürchten, dass die obersten kantonalen Gerichte politisch unter Druck geraten, um den Grosswasserkraftprojekten in ihrem Kanton um jeden Preis grünes Licht zu geben. Damit wird die Schwächung der Justiz leichtfertig in Kauf genommen.  

Wie schätzt Pro Natura die Folgen für die Natur ein?

Die genauen Auswirkungen der Gesetzesänderungen sind selbst für Juristinnen und Juristen schwierig abzuschätzen. Fest steht, dass der Druck insbesondere auf die Gewässer noch weiter zunimmt. Wie stark die Natur mit den neuen Gesetzesartikeln beeinträchtigt wird, hängt wesentlich von der Umsetzung der riesigen Wasserkraftprojekte ab. Gute Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen können helfen, die Biodiversität in den betroffenen Regionen zu stärken.

Was kann Pro Natura jetzt tun, um die Natur zu schützen?

Der Delegiertenrat von Pro Natura hat am 4. Oktober beschlossen, kein Referendum gegen den Beschleunigungserlass zu ergreifen. Wir sind überzeugt: Die 16 Grossprojekte – und nicht nur diese – lassen sich auch mit den neuen Rechtsgrundlagen rechtskonform und naturverträglich umsetzen. Dazu müssen wir Zielkonflikte möglichst früh angehen, Interessen sorgfältig abwägen und die Standorte und Projekte weitsichtig planen. Wir investieren Ressourcen, Fachwissen und Engagement und bieten den Akteuren der Strombranche und den Behörden unser Mitziehen an.

Fest steht aber auch: Wir sind die Stimme der Natur. Wir verteidigen ihre Interessen und verleihen ihr eine starke Stimme. Dass wir die erneuerbaren Energien zur Bekämpfung der Klimakrise rasch ausbauen müssen, ist klar. In Zeiten des akuten Artensterbens darf das aber nicht auf Kosten der Biodiversität geschehen. Wir schauen genau hin und nutzen die uns zur Verfügung stehenden Rechtsmittel zum Schutz der Natur. 

Welche weiteren Geschäfte stehen in den nächsten Monaten an?

Trotz der immensen Bedeutung der Natur für uns Menschen und der anhaltenden Biodiversitätskrise gewichten das Parlament und der Bundesrat aktuell Nutzungsansprüche höher als den Schutz der Natur. Einige Beispiele:

  • Mit der der Parlamentarischen Initiative Bregy (22.441) oder der Motion Müller (24.4589) stehen politische Vorstösse zur Diskussion, die zu einer Lockerung des Gewässerschutzes unter anderem auf Kosten der Trinkwasserqualität führen werden.  
  • Weitere Einschränkungen des Verbandsbeschwerderechts fordert die Standesinitiative St. Gallen (23.318).  
  • Grosse Sorge bereitet uns der Abbau der finanziellen und personellen Mittel für den Naturschutz. Das vom Bundesrat verabschiedete Kürzungspaket schlägt überproportionale Kürzungen im Umweltbereich vor. Der zunehmende Spardruck wird unweigerlich zu einer Schwächung des Naturschutzes in der Schweiz führen.  

Herbstlandschaft im Val Viola Puschlav Raphael Weber

800 Naturschutzgebiete und 300 Projekte dank über 170’000 Mitgliedern

Auch wenn die politische Situation aktuell nicht rosig scheint, gibt es auch langfristige Erfolge. Wir sind weit über 170’000 Menschen, die sich für die Natur in der Schweiz einsetzen. Nur dank Ihnen pflegen wir über 800 Naturschutzgebiete und setzen laufend über 300 Projekte in allen Regionen der Schweiz um, oft in wirksamer Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen und Gemeinden. Wir bleiben dran und freuen uns, Sie an einer Veranstaltung, einem Natureinsatz oder in einem unserer Naturzentren zu sehen. 

Solaranlage Siedlungsraum
Energiewende 2035?

Ja, das ist möglich. Die Umweltallianz, bestehend aus Schweizer Natur- und Umweltschutzorganisationen, hat dazu eine Strategie entwickelt. Erfahren Sie mehr über die Energieversorgung 2035.

Fotomontage Pro Natura Magazin 1/2019
05.01.2019 Klimakrise

Vom Lebenselixier zum Biodiversitätskiller

Ohne Stickstoff gäbe es kein Leben auf der Erde. Doch die intensive Landwirtschaft und die fossilen Energieträger schaffen einen massiven Überschuss an Stickstoff. Dieser gelangt über die Luft und das Wasser in sensible Ökosysteme, wo er das Leben erstickt.

Stickstoff ist ein Lebenselixier: Ohne ihn gäbe es keine höheren Tiere und Pflanzen, und natürlich auch keine Menschen. Alle wichtigen Lebensprozesse werden von Substanzen gesteuert, die Stickstoff enthalten. Aminosäuren etwa und somit auch Proteine basieren auf Stickstoff. Ebenso die DNA, die Trägerin der Erbinformationen. Oder das Molekül Chlorophyll, das den Pflanzen ihre grüne Farbe verleiht und sie aus Sonnenlicht Energie gewinnen lässt. 

Allerdings können Pflanzen und Tiere nicht jede Form von Stickstoff verwerten. Mit elementarem Luftstickstoff, der vier Fünftel der Atmosphäre ausmacht, können die meisten Lebewesen nichts anfangen. Nur Stickstoff in Form von Nitrat, Harnstoff, Aminosäure oder anderen Verbindungen ist für sie nutzbar. 

Blitze und Vulkane brachten Stickstoff

Lange Zeit waren Blitze und Vulkanausbrüche die einzigen Prozesse, die zur Entstehung von bioverfügbarem Stickstoff führten. Durch die hohen Energieeinschüsse wurden die beiden fest miteinander verbundenen Atome des Luftstickstoffs (N2) aufgespalten und konnten neue Verbindungen beispielsweise mit Sauerstoff eingehen. Mit dem Regen gelangten diese schliesslich in den Boden. Allerdings in geringem Ausmass. 

Bis es vor ca. 2,5 Milliarden Jahren einigen Bakterienarten gelang, Luftstickstoff zu binden und für sich nutzbar zu machen. Den überschüssigen Stickstoff gaben sie in den Boden ab, wo ihn andere Organismen aufnahmen. So entstand ein weitgehend geschlossener Kreislauf, in dem Stickstoff in verschiedenen chemischen Formen zwischen Boden, Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen wanderte. Unzählige Male wurde er in der Erdgeschichte von Lebewesen in ihren Organismus eingebaut und wieder ausgeschieden.

Die Revolution: Ammoniak 

Mit der industriellen Revolution begann der Mensch, diesen Kreislauf aufzubrechen. Bei der massenweisen Verbrennung von Kohle, Holz, Gas und Erdöl entstanden riesige Mengen an Stickoxiden (NOx), die über die Luft in die Ökosysteme drangen. Vollends durcheinander geriet der Kreislauf, nachdem es den Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch um 1910 gelungen war, aus Luftstickstoff und Wasserstoff bioverfügbaren Stickstoff (Ammoniak) zu gewinnen. Ihr Verfahren ermöglichte es, den unerschöpflichen Vorrat an Luftstickstoff anzuzapfen und industriell Kunstdünger herzustellen. 

Der Einsatz von synthetischen Düngern hat allerdings gravierende Nebeneffekte. Denn die Pflanzen verwerten nur einen Teil der Düngemittel und geben den Rest an den Boden ab, wo er von Mikroorganismen umgewandelt wird. Im Pro Natura Magazin schildern wir, welche Auswirkungen der übermässige Stickstoffeintrag auf verschiedene Lebensräume hat. 

Stickstoff verflüchtigt sich aus Gülle

Zugleich treibt der Kunstdünger den weltweiten Anbau von Kraftfutter voran, was in Importländern mit hohen Tierbeständen wie der Schweiz zu einem riesigen Überschuss an organischen Düngern führt und ein weiteres Problem schafft: Wenn Harn mit Kot und Luft in Kontakt kommt  – im Stall, beim Lagern und beim Ausbringen auf den Feldern – verflüchtigt sich fast die Hälfte des darin enthaltenen Stickstoffs in Form von Ammoniak. Dieser gelangt über die Atmosphäre früher oder später in die Böden auch weit entfernter Lebensräume und bringt dadurch Pflanzen, die an eine geringe Nährstoffversorgung angepasst sind, wie etwa Moor- oder Trockenwiesenspezialisten, zum Verschwinden und die Waldbäume ins Taumeln.

Luftdünger aus Verbrennungsmotoren

Auch die Stickstoffemissionen von Motorfahrzeugen, Industrie und Heizungen tragen via Luft zur Überdüngung und Versauerung von Böden bei, diese machen rund ein Drittel des „Luftdüngers“ aus. Dank neuer Dreiwegkatalysatoren konnte der Ausstoss von Stickoxiden in der Schweiz zwischen 1990 und 2010 um 47 Prozent verringert werden. 

Seither aber sinkt die Konzentration in der Luft kaum noch, wahrscheinlich wegen der starken Zunahme von Dieselfahrzeugen. Die Ammoniak-Emissionen der Landwirtschaft verharren gar seit Jahrzehnten auf zu hohem Niveau, sie überschreiten die vom Bund festgelegten Zielwerte um fast das Doppelte. 

Grundproblem wird kaum angegangen

Bund und Kantone wollen primär mit Beratungen und technischen Massnahmen (z.B. Schleppschläuche, Gülledrill) gegensteuern, doch das grundsätzliche Problem – der zu hohe Tierbestand  – wird kaum angegangen. Als Folge davon produziert die Schweizer Landwirtschaft seit Mitte der 1990er-Jahre einen Stickstoffüberschuss von rund 100‘000 Tonnen pro Jahr. So viel Stickstoff gelangt in sensible Ökosysteme, wo er grosse Schäden und – ungedeckte – Kosten verursacht. In der Beantwortung einer parlamentarischen Interpellation gab der Bundesrat im Jahr 2016 an, dass in der Schweiz die externen Kosten für negative Auswirkungen aller Stickstoffemissionen auf unsere Gesundheit und die Umwelt im Bereich von 860 bis 4300 Millionen Franken pro Jahr liegen.

Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Zwar gehen die Rindvieh- und Schweinebestände seit einigen Jahren leicht zurück, gleichzeitig aber legt die Geflügelmast stark zu: Seit 1985 hat sich die Zahl der Mastplätze in der Schweiz verdreifacht. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) erwartet deshalb bis 2020 eine «markante Zunahme an Stickstoffimporten» (Kraftfutter). Eine deutliche Stickstoffreduktion lässt sich nur erreichen, wenn die Tierbestände massiv gesenkt werden und anstelle der Intensivmast eine graslandbasierte Fleisch- und Milchproduktion gefördert wird. 

NICOLAS GATTLEN, Redaktor Pro Natura Magazin

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Murgang im Kiental
17.10.2018 Klimakrise

Interview Nils Hählen: «Die Natur setzt neue Akzente, die wir nur noch akzeptieren können»

Extreme Naturereignisse seien stark am Zunehmen, sagt Nils Hählen, Präsident des Vereins Fachleute Naturgefahren Schweiz. Besonders in den Alpen bestehe eine grosse Dynamik, gegen die der Mensch mitunter nichts mehr ausrichten kann.

Pro Natura Magazin: Bergstürze, Lawinen oder Überschwemmungen hat es schon immer gegeben. Kann man dennoch sagen, dass die Gefährdung durch natürliche Extremereignisse insgesamt zugenommen hat?

Nils Hählen: Eine Veränderung stellen wir zweifellos fest, wir befinden uns in einer deutlichen Zunahme extremer Naturereignisse, das belegen auch viele Studien. Langzeitstudien zeigen aber auch, dass es schon immer zyklische Zunahmen von grossen Ereignissen gegeben hat, etwa von Hochwassern. Jetzt stellt sich die Frage, ob wir uns in einem solchen Zyklus befinden oder ob wir schon die Folgen der Klimaveränderung sehen.

Wahrscheinlich ist es beides zusammen, doch wissenschaftlich wird sich diese Frage erst rückblickend beantworten lassen. Noch viel deutlicher als die grossen Ereignisse hat sich in den letzten Jahrzehnten die Schadenssumme erhöht, aber das ist auch eine Folge der Entwicklung von Siedlung und Infrastruktur. Dasselbe Ereignis verursacht heute am gleichen Ort einen viel grösseren Schaden als noch vor einigen Jahrzehnten.

Haben heutige Naturereignisse auch andere Eigenschaften oder unterscheidet sich nur die statistische Zunahme gegenüber früheren Ereignissen?

Das ist schwierig zu beurteilen, weil unsere Messdaten oft «nur» 100 Jahre zurückreichen. Aber selbst innerhalb dieser Zeitspanne lassen sich Unterschiede feststellen. Bei der Kander etwa hatten wir in den letzten zwölf Jahren vier derart heftige Hochwasser, wie wir sie zuvor in 100 Jahren nie gehabt hatten. So etwas fällt auf.

Ist die Schweiz als Alpenstaat besonders von diesen Veränderungen betroffen, weil die Gletscher schmelzen und der Permafrost zurückgeht?

Ja sicherlich. Die Temperaturerhöhung in den Alpen ist gegenüber dem globalen Mittel doppelt so hoch. Und der Gletscherrückgang ist eine unmittelbare Folge dieser Entwicklung. Anders ist es beim Permafrost, den man nicht von blossem Auge sieht und zu dem wir keine langfristigen Vergleichswerte haben. Aber in Gebieten, in denen wir von einem Rückgang des Permafrosts ausgehen, ist eine Häufung von Sturzprozessen festzustellen. Wir sehen auch, dass die Gletscherbäche viel mehr Geschiebe als früher mitführen; dieses bringen sie von den immer grösseren Gletschervorfeldern mit.

Unsere Landschaft ist also in grosser Bewegung?

Während meines Studiums und des Beginns meiner beruflichen Laufbahn habe ich die Landschaft immer als etwas Statisches verstanden. Mittlerweile stelle ich in den Alpen aber eine enorme Dynamik in der Landschaft fest, da gibts starke Veränderungen. Innerhalb weniger Jahre können Landschaften ein völliges anderes Erscheinungsbild erhalten. Das benötigt ein Umdenken; durch die natürlichen Prozesse ist ein grosser Wandel im Gang.

Nehmen das viele Menschen wahr?

Den Rückgang der Gletscher kann niemand anzweifeln, das ist zu offensichtlich. Wenn wir aber zum Beispiel talabwärts eine starke Zunahme des Geschiebes vorhersagen, zweifeln das viele Leute an – bis es dann tatsächlich so weit ist.

Bringt das Fachleute wie Sie in ein Dilemma? Einerseits können Sie als Schwarzmaler kritisiert werden, andererseits können nach einem Schadenereignis schnell Stimmen laut werden, wonach Sie nicht deutlich genug gewarnt haben.

Wir versuchen weder übervorsichtig zu sein noch etwas schönzureden. Grundsätzlich gilt, dass wir einzelne Ereignisse nur schwierig vorhersagen können. Wir stellen langfristige Trends fest, wir können aber unmöglich konkret sagen, wie viel mehr Geschiebe ein Murgang in 50 oder 100 Jahren bringt. Deshalb können wir nicht einfach vorsorglich alle Schutzbauen um die Hälfte vergrössern lassen. Wir versuchen anhand vergangener und möglicher Ereignisse Vorkehrungen zu treffen, die möglichst flexibel erweitert werden können und sich bei Überlastung gutmütig verhalten.

Treffen Sie bei Ihrer Arbeit auf ein Bewusstsein, dass wir als Menschen selber zu den Verursachern dieser Veränderungen gehören?

In der Projektarbeit ist das kaum ein Thema; da werden nur die konkreten Schutzmassnahmen diskutiert. Bei einem Bier nach der Projektsitzung hört man solche Überlegungen schon eher – aber ebenso Skeptiker, die keinen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel vermuten.

Natürliche Dynamik hat für die Natur auch positive Folgen. Ist es schwierig, die Grenze zu ziehen zwischen dem Zulassen und dem Verhindern dieser Dynamik?

Im Katastrophenschutz gibt es viele Kriterien zu beachten, die beiden genannten gehören dazu und können durchaus im Gegensatz zueinander stehen. Beim Hochwasserschutz zum Beispiel gibt es vereinfacht gesagt zwei Ansätze: Einerseits können durch den Bau hoher Ufermauern möglichst grosse Wassermengen durchgeleitet werden, damit die bisherige Landnutzung möglichst wenig beeinträchtigt wird. Andererseits können grosse Uferzonen geschaffen und dem natürlichen Prozess möglichst viel Raum gegeben werden; dadurch entsteht bei den Schutzmassnahmen nur wenig Aufwand, hingegen sorgen dann Nutzungsverzichte oder Einschränkungen für Widerstand. Oft funktioniert das zweite Szenario nur bei vollendeten Tatsachen, also wenn der Schaden bereits entstanden ist und sich die Wiederherstellung des Landes gar nicht mehr rechnet. In Gadmen etwa, beim Zusammenfluss zwischen Wendenwasser und Steinwasser, wurde 2005 eine grosse Fläche mit Schlamm und Geröll geflutet. Dort war es schlicht zu aufwendig, den früheren Zustand wiederherzustellen. Die Natur hat neue Akzente gesetzt, die wir nur noch akzeptieren konnten.

Zeigt das, dass sich der Mensch zwischendurch den Kräften der Natur unterordnen muss, anstatt immer alles zu orchestrieren versuchen?

Wir Menschen versuchen immer alles zu managen. Aber ich habe mittlerweile einige Ereignisse erlebt, bei denen wir nur noch feststellen konnten, dass die Natur stärker ist. Da muss die Einsicht kommen, dass man jetzt nur noch zurückstehen und nichts mehr bewirken kann.

Wo war das der Fall?

Beispielsweise bei den grossen Murgängen in Guttannen. Dort ist innerhalb von zwei Jahren eine ganz andere Landschaft entstanden, und ein beinahe 300-jähriges Haus musste aufgegeben werden. Niemand hat da noch davon gesprochen, den alten Zustand wiederherzustellen. Das wäre weder technisch noch ökonomisch machbar gewesen, weil die neue Situation so völlig anders gewesen ist.

Stellt bei Ihnen, als Experte für Risikobeurteilungen, die Natur primär ein Gefährdungspotenzial dar oder empfinden Sie in Ihrer Arbeit auch eine Ehrfurcht vor den Kräften der Natur?

Wenn man schon grosse Ereignisse hautnah erlebt und nicht nur am Computer durchmodelliert hat, empfindet man sicherlich beide Aspekte. Und das ist auch gut so.

RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin

Über Nils Hählen

Seit 2010 präsidiert Nils Hählen (42) den Verein Fachleute Naturgefahren Schweiz (FAN). Der Forstingenieur leitet seit 2014 die Abteilung Naturgefahren im Amt für Wald des Kantons Bern. Zuvor arbeitete er acht Jahre lang als Wasserbauingenieur im kantonalen Tiefbauamt. Er wohnt mit seiner Familie in Spiez.

Website Fachleute Naturgefahren Schweiz
 

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Alpine Gletscherlandschaft Graubünden
Klimakrise

Waldbrände, Überschwemmungen, Erdrutsche: extreme Naturereignisse nehmen zu

Als Konsequenz der Klimakrise nehmen Naturereignisse wie Murgänge oder Überschwemmungen zu. Bis zu einem gewissen Grad können diese für die Natur positive Folgen haben – an einem griffigen Klimaschutz muss aber festgehalten werden.

Schwere Stürme, Trockenheitsphasen und Waldbrände hinterlassen Spuren in der Natur und an unserer Infrastruktur. Diese reichen von umgestürzten Bäumen über einen gesperrten Wanderweg bis hin zu Kosten in Milliardenhöhe.

Naturereignisse sind normal. Sie gehören zum natürlichen Kreislauf und gestalten die Natur. Doch die Klimakrise verstärkt solche Naturereignisse. Sie führt dazu, dass sie häufiger eintreten:

  • Grössere Trockenheit, wie wir sie in den Sommern seit der Jahrtausendwende erlebt haben, erhöht beispielsweise die Waldbrandgefahr.
  • Starkniederschläge, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz überdurchschnittlich oft und heftig registriert worden sind, können Überschwemmungen oder Erdrutsche auslösen.
  • Der Gletscherschwund und der Rückgang des Permafrosts, beides offensichtliche Folgen der Erwärmung unseres Klimas, setzen ganze Gebirgsmassen in Bewegung.

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Es ist der Mensch, der das Klima zerstört. Pro Natura bekämpft diesen Prozess entschieden und engagiert sich national und international für eine wirksame Klimapolitik, die den viel zu hohen CO2-Ausstoss markant senken muss. Doch der Wandel des Klimas ist längst im Gang, die zunehmenden Naturereignisse sind Zeugen dieser Entwicklung. Deshalb stellt sich für den Naturschutz die Frage:

Regen iStock_vsviridova

Wie gehen wir mit den Folgen von extremen Naturereignissen um?

«Störungen» schaffen Lebensräume

Natürliche Dynamik wird häufig ausschliesslich als Zerstörung wahrgenommen und als Schaden bezeichnet. Doch: Diese «Störungen» schaffen auch neue Lebensräume und Strukturen, wie sie in der Schweiz selten sind; beispielsweise lückig bewachsene Sand- und Kiesflächen oder Pionierwälder. Gewisse Arten sind für ihr Überleben sogar auf diese Dynamik angewiesen.

Natur mit unerwarteter Regenerationskraft

Erfahrungen aus vergangenen grossen Naturereignissen haben gezeigt, dass die Natur einige Überraschungen bereithalten kann. Nach den grossflächigen Windwürfen durch den Sturm Lothar im Winter 1999 wurde beobachtet, dass auf fast allen vermeintlich «zerstörten» Flächen wieder junger Wald aufwächst. Beim Waldbrand in Leuk von 2003 verbrannten auf einem grossen Teil der Fläche sowohl die Bodenvegetation als auch die Baumkronen. Bereits nach wenigen Jahren war die Fläche durch Krautpflanzen und Baumkeimlinge wieder besiedelt. Mit der Zeit sind nach den rasch wachsenden Pionierpflanzen aber auch die vorher häufigen Eichen und Föhren wieder zurückgekommen. Die Natur zeigte in diesen Fällen eine unerwartete Regenerationskraft.

Natürliche Ereignisse wie Sturm, Blitzschlag oder ein Erdrutsch können Einzelbäume oder ganze Waldflächen abrupt und tiefgreifend verändern. So entstandene Pionierflächen gehören vorübergehend zu den artenreichsten Lebensräumen im Wald – bis junge Bäume aufwachsen und nach und nach wieder ein geschlossener Wald entsteht. Adobestock Matteo F.
Natürliche Ereignisse wie Sturm, Blitzschlag oder ein Erdrutsch können Einzelbäume oder ganze Waldflächen abrupt und tiefgreifend verändern. So entstandene Pionierflächen gehören vorübergehend zu den artenreichsten Lebensräumen im Wald.

Naturschutzmassnahmen und natürliche Dynamik ergänzen sich

Das Zulassen von natürlicher Dynamik soll selbstverständlich nicht zu einer Gefährdung von Menschen führen. Entscheidend ist aber auch, solche Flächen als einen weiteren Beitrag für mehr natürliche Vielfalt zu betrachten. Das ist keine Absage an traditionelle Landschaftspflege. Beide Ansätze – sowohl gezielte Naturschutzmassnahmen als auch das Zulassen von natürlicher Dynamik – sind in unseren vom Menschen geprägten Landschaften wichtig für eine vielfältige Natur. Auch Pro Natura führt in der Mehrzahl ihrer rund 800 Naturschutzgebiete notwendige Pflegemassnahmen durch. In mehreren, vorwiegend grossräumigen Schutzgebieten kann sich die Natur aber frei entwickeln.

Einige extreme Naturereignisse und Naturentwicklungen in der Schweiz

Erfahren Sie spannende Fakten aus der Forschung an vergangenen Naturereignissen in der Schweiz:

2003 – Waldbrand in Leuk: Glücksstunde für die Biodiversität

Am 13. August 2003 brannten oberhalb von Leuk (VS) über 3 Quadratkilometer Wald nieder. Die Ursache war nicht natürlicher Art — es handelte sich um Brandstiftung —, doch natürlich war die Dynamik, die nach diesem Ereignis einsetzte. Denn aus Kostengründen wurde entschieden, auf eine Wiederaufforstung grösstenteils zu verzichten und somit der natürlichen Entwicklung freien Lauf zu lassen.

Diese liess nicht lange auf sich warten: 

  • Nach drei Jahren waren drei Viertel der verkohlten Oberfläche wieder grün.
  • Forschende der WSL fanden auf der Fläche innert zehn Jahren 560 Pflanzenarten und fast 2000 (!) Arten von Insekten, Spinnen und Asseln, darunter Käferarten, die sonst in der Schweiz noch kaum je gesichtet worden sind.
  • Viele bedrohte oder seltene Vogelarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz oder Steinrötel besiedelten das verbrannte Gebiet in hoher Zahl. 

Die offene Fläche und die durch das Feuer freigesetzten Nährstoffe boten ideale Voraussetzungen für eine üppige Naturentfaltung.

Der aussergewöhnliche Zustand ist jedoch nicht von Dauer, denn der Wald erobert sich das Terrain zurück: Bereits im zweiten Jahr keimten viele Laubbäume, deren Samen vom Wind herangetragen wurden. Die meisten der verkohlten Flaumeichen schafften es sogar, wieder auszuschlagen. In den tieferen Lagen der Brandfläche wächst anstelle des bisherigen Nadelwaldes ein Laubwald — eine klimabedingte Entwicklung, die andernorts im Wallis ebenfalls abläuft, wenngleich wesentlich langsamer. Die natürliche Dynamik nach dem Waldbrand bot also nicht nur eine seltene «Happy Hour» für die Biodiversität, sondern hinterlässt langfristig einen Wald, der dem künftigen Klima besser angepasst sein wird.

1999 – Hochwasser Bünz: Der Bach holt sich sein Bett zurück

68 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen am Abend des 12. Mai 1999 durch die Bünz. Im Jahresdurchschnitt sind es 1,1 Kubikmeter. Diese enormen Wassermengen veränderten innerhalb weniger Stunden einen Talabschnitt dieses Bachs, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf weiten Strecken in ein enges Korsett gedrängt wurde. Bei Möriken (AG), einem Bereich mit etwas mehr Gefälle, begannen die Ufer zu erodieren. Zeitgleich wurden durch einen Rückstau die umliegenden Ackerböden geflutet, dadurch wurde dort das Land abgeschwemmt. 

Es entstanden neue Seitenarme und bald mass das ursprünglich acht Meter breite Bachbett 40 bis 50 Meter Breite. Rund vier Hektaren Kulturland und 12 000 Kubikmeter Material wurden in einer Nacht umgelagert oder weggeschwemmt. Zu viel, als dass die früheren Verhältnisse hätten wiederhergestellt werden können. Deshalb entschieden verschiedene kantonale Fachstellen, eine Auenlandschaft entstehen zu lassen. Durch Tausch oder Kauf konnten 20 Hektaren in den Besitz des Kantons und 27 Hektaren in den Besitz der Standortgemeinden überführt werden. Weitere Hochwasser 2007 und 2015 haben die Aue wieder neu modelliert.

1914 – Gründung Nationalpark: Katalysatoren für die Biodiversität

Der Schweizerische Nationalpark (SNP) wurde anfangs des 20. Jahrhunderts gegründet, um ein Stück «ursprüngliche Alpennatur» sich selbst zu überlassen und die natürliche Entwicklung wissenschaftlich zu dokumentieren. Prozessschutz gehört neben dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen zu den zentralen Zielen des SNP. Zu diesen Prozessen gehören auch Lawinen. Für viele Menschen ist es schwer nachvollziehbar, was das Erstrebenswerte an einem Lawinenniedergang sein soll und weshalb der SNP keine Massnahmen gegen «Lawinenschäden» ergreift.

Der SNP muss sich deshalb der Herausforderung stellen, den Sinn von Prozessschutz zu erklären. Dank der Forschung weiss man, dass Lawinen nicht nur Zerstörung bringen, sondern einen dynamischen Faktor im natürlichen Kreislauf darstellen. Lawinen schlagen Schneisen in die Bergwälder, schaffen dadurch neuen Lebensraum für lichtbedürftige Pflanzen- und Tierarten und wirken als Katalysatoren der Biodiversität. So kann eine artenreiche Kraut- und Strauchschicht entstehen, die auch vielen Insekten Nahrung und Lebensraum bietet. Deshalb erstaunt es nicht, dass gemäss einer Studie des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF in Lawinenschneisen dreimal mehr Arten leben als im angrenzenden Wald.

Lawinenniedergang im Schweizer Nationalpark bringt Dynamik in die Naturentwicklung
1714 und 1749 – Bergstürze Derborence: Tödliche Gefahr schafft neue Urlandschaften

Sucht man online nach «Derborence», sind die Mehrheit der Treffer Ausflugstipps. Die Beschreibungen strotzen vor Superlativen, vor allem zur Schönheit der wilden Landschaft. Hätte man im 18. Jahrhundert die Bewohner:innen der benachbarten Dörfer gefragt, wäre die Reaktion eine andere gewesen. Denn die Menschen hatten Angst vor den Naturgewalten im Walliser Hochtal. In den Jahren 1714 und 1749 ereigneten sich dort zwei verheerende Bergstürze. Diese überschütteten einen grossen Teil der früheren Alpenweiden und Alpgebäude mit bis zu 100 Meter hohem Geröll und stauten einen See auf: den Lac de Derborence. Das Bergmassiv, aus dem sich die Felsmassen lösten, wurde von den Einheimischen deshalb in «Les Diablerets», die Teufelshörner, umbenannt. Einzelne Felsbrocken donnerten auch nach den grossen Bergstürzen regelmässig ins Tal, deshalb mieden Einheimische fortan diese gefährliche Gegend. 

Somit entwickelte sich an den Hangflanken während 300 Jahren einer von nur drei Urwäldern in der Schweiz. Das Totholz der abgestorbenen und teils umgestürzten Baumriesen bietet einen Lebensraum, der in der Schweiz sehr selten geworden ist. Mittlerweile erschliesst eine abenteuerliche Zufahrtsstrasse das Tal, und im Sommer finden zahlreiche Besucher:innen auf einem kleinen Pfad im Wald und am See Erholung. Im Winter aber ist die Strasse geschlossen und das Tal immer noch so wild, wie es während mehreren Hundert Jahren war. Heute ist die wilde Derborence ein Pro Natura Naturschutzgebiet

Pro Natura Naturschutzgebiet Derborence VS

Extreme Naturereignisse: positiv nur bis zu einem gewissen Grad

Treten extreme Naturereignisse wie Waldbrände, Überschwemmungen, Erdrutsche zu häufig auf, kann sich die Natur nicht mehr regenerieren. An vielen Orten der Welt lassen sich die tragischen Konsequenzen dieser Entwicklung bereits feststellen. Dürren, Stürme oder Überschwemmungen haben schon ganze Landstriche unbewohnbar gemacht und zu grossen Flüchtlingsströmen geführt. An einer griffigen Klimapolitik zur Abwendung der Klimakrise ist deshalb unbedingt festzuhalten. 

Klimademo in Bern
Wir müssen die Klimakrise in der Schweiz jetzt angehen

Die Auswirkungen der Klimakrise machen sich global und auch in der Schweiz immer stärker bemerkbar: Unsere Gletscher schmelzen, extreme Wetterereignisse häufen sich, Niederschläge bleiben aus. Wir müssen jetzt den Klimaschutz angehen. Die Biodiversität nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Balmoos. Foto: Pro Natura Luzern

Regen­er­a­tion Balmoos

Klimademonstration auf dem Bundesplatz in Bern im Herbst 2023
08.01.2026 Aktiv werden

«Handeln ist ein gutes Mittel gegen Zukunftsangst»

Für die Politikwissenschaftlerin Chantal Peyer ermöglichen Utopien es den Menschen, zusammenzuarbeiten und Fortschritte zu erzielen. Früher träumten wir davon, zum Mond zu reisen, und schafften es auch. Heut ist es an der Zeit, Visionen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu entwickeln.

Pro Natura Magazin: Die Grundstimmung in der Gesellschaft ist heute nicht gerade optimistisch. Hat das Auswirkungen auf die Haltungen und die Perspektiven der Menschen?

Chantal Peyer: Ja, natürlich. Unsere Moral und unsere Motiva­tion werden dadurch beeinflusst. Das ist völlig normal. Aber wir ­dürfen uns von diesen Gefühlen nicht beherrschen lassen: Wir leben in einer Zeit, die verlangt, dass wir eine gewisse Form von Mut ­entwickeln. Mut zeigt sich nicht nur in grossen Taten, sondern auch im Willen, die Welt so zu betrachten, dass der Blick über die negativen Entwicklungen der Gegenwart hinausgeht. Das ­bedeutet, weiterhin an den Menschen zu glauben, an unsere ­Fähigkeit, gemeinsam Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls, der Solidarität und der Umwelt zu treffen. Und es bedeutet, ­unsere Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wir aufbauen wollen, statt auf das, was zerstört wird.

Sind junge Menschen stärker betroffen? Sind sie in der Lage, sich eine Zukunft auszumalen?

Junge Menschen können von Natur aus besser gegen den Status quo rebellieren und Missstände aufdecken als wir Erwachsene. Sie ­halten uns quasi einen Spiegel vor und zeigen uns die Welt, die wir geschaffen haben – mit all ihren Fehlern und Schwierigkeiten. Dieser nüchterne Blick auf unsere Welt kann selbst­verständlich auch Ängste wecken. Gemäss internationalen ­Umfragen geben 59 Prozent der jungen Menschen an, dass sie Angst vor der Zukunft haben. Es ist an uns Erwachsenen, ihnen zuzuhören, Gesprächsräume zu öffnen und sie darin zu unterstützen, aus diesen Ohnmachtsgefühlen heraus­zufinden. Wir können ihnen nahebringen, dass alle grossen gesellschaftlichen Veränderungen zunächst einmal Utopien waren und dass es ­gesund und auch legitim ist, die Welt verändern zu wollen. Und schliesslich sollten wir ihnen auch helfen, konkrete Massnahmen in diese Richtung zu entwickeln. Handeln ist ein gutes Mittel ­gegen Zukunftsangst.

Wie lässt sich die Lust auf eine bessere Zukunft wecken? Eher durch Erzählungen oder durch Taten? Oder gehen die Erzählungen den Taten voraus?

Der Mensch ist ein erzählendes Wesen. Geschichten ermöglichen es uns, der Welt einen Sinn zu geben und zusammenzuarbeiten. Autoren und Autorinnen wie Yuval Harari, Nancy Huston oder Alain Damasio haben das gut beschrieben. Bevor Neil Armstrong seinen Fuss auf den Mond setzte, gab es zahlreiche Bücher und Filme, die von einer Reise zum Mond erzählten – von Jules Verne über Georges Méliès bis zu «Tim und Struppi». Diese Reise wurde für das Land, dem sie zum ersten Mal gelang, zu einem Symbol für Erfolg, Macht und Erfindungsgabe. Heute geht es nicht mehr darum, zum Mond zu fliegen, sondern die Zukunft auf unserem Planeten zu sichern. Wir sollten uns fragen: Welche Geschichten lassen eine Gesellschaft, die sich an die planetaren Grenzen hält, erstrebenswert erscheinen? Welche Geschichten machen den Richtungswechsel wünschbar?   

Sind Utopien angesichts der alltäglichen Realitäten nicht ein Stück weit naiv?

Meiner Meinung nach muss man die Argumentation umkehren: Heute sind diejenigen unrealistisch und unpragmatisch, die ­glauben, wir könnten so weitermachen wie bisher, also natürliche ­Ressourcen unbegrenzt ausbeuten, Ökosysteme zerstören und die Reichtumsschere in der Gesellschaft weiter öffnen. Dabei deuten alle wissenschaftlichen Fakten auf das Gleiche hin – dieses Modell führt zu einer globalen Erwärmung, die die Lebensgrundlagen auf der Erde zerstört. Hat man das einmal festgestellt, bringen einen der gesunde Menschenverstand und die Vernunft unweigerlich dazu, sich etwas anderes vorzustellen, also utopisch zu sein!

Sie möchten «nüchternen Optimismus» fördern. Was bedeutet das bezüglich Naturschutz, Klimawandel und Biodiversität?

In meinem Podcast «2040 j’y vais !» treffe ich Menschen in der ­Romandie, die bereits Wege zu einer nachhaltigen Schweiz auf­zeigen. Im Lebensmittelbereich zum Beispiel gibt es bereits ­konkrete Projekte, um die CO2-Emissionen zu senken. Die technische Hochschule EPFL in Lausanne hat ihren Fleischkonsum um 
50 Prozent reduziert und setzt ganz auf lokales und saisonales ­Gemüse. Oder die Auberge «Ben Ouais» in Corcelles-le-Jorat im Kanton Waadt – sie kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, indem sie unverkaufte Menüs mit einem Rabatt in einem angegliederten Laden verkauft. Heute geht es darum, genau ­solche Projekte in einem grösseren Massstab zu realisieren. Das bedeutet, dass wir sie systemisch unterstützen müssen. Nehmen wir das Beispiel Energie. Zwischen 1956 und 1964 investierten unsere Grosseltern drei bis vier Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz in den Bau von Staudämmen, die uns heute mit Strom versorgen. Würden wir in den nächsten fünf Jahren auf die gleiche Art drei bis vier Prozent des BIP in die Finanzierung der Energiewende investieren, könnten wir einen gewaltigen Sprung nach vorn machen. ­

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

14
Giu
2026
Wochenmarkt

Exkursion

Exkursion: Gesunde und ökologische Ernährung, Biolandbau und Ökobilanzen von Nahrungsmitteln

Luogo
Treffpunkt Kirche Buchthalen
Costo
Gratuito
Giorno
Domenica
Data
14.06.2026
Data e ora
10:00 - 12:00
Iscrizione entro
Was machen ökologische und gesunde Nahrungsmittel aus? Sicher zielt der Herstellungsprozess solcher Lebensmittel darauf ab, unsere Lebensgrundlagen Boden, Luft, Wasser zu erhalten. Aber nicht nur die Produktionsweise spielt eine Rolle, sondern ebenso die Vermarktung, kurze Versorgungswege oder die Art der Verpackung. Spannend wird es, wenn die Ökobilanzen von verschiedenen Nahrungsmitteln einander gegenübergestellt werden. Ist Rindfleisch, Schweinefleisch oder Geflügel umweltbelastender als Gemüse? Welche Nahrungsmittel belasten die Umwelt am stärksten? Welchen Einfluss haben Normen, die Verpackungsgrössen und die Haushaltgrössen auf das Wegwerfen von Nahrungsmitteln (Food-waste)? Viele Gewürzkräuter im Garten sind zudem auch Heilkräuter. Auch darüber wird auf der Exkursion informiert.

Mit Urs Capaul, Pro Natura Schaffhausen in Zusammenarbeit mit Beatrice Kunz Kirchgemeinde Buchthalen.

Mit anschliessendem Apéro im Hofackerzentrum.

 

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Dettagli dell'evento

Data

Domenica, 14.06.2026
Data e ora
10:00 - 12:00

Luogo

Treffpunkt Kirche Buchthalen

Dettagli

Tipo di evento
Stagione
Grado di difficoltà

Preparazione

Da prendere con sé
Gute Schuhe und angepasste Kleidung

Costo

0

27
Set
2026
Föhrenmuseum

Führung

Führung durch das Föhrenmuseum Ramsen

Luogo
Föhrenmuseum Ramsen, Fortenbach 206, 8262 Ramsen
Costo
Gratuito
Giorno
Domenica
Data
27.09.2026
Data e ora
10:00 - 11:00
Iscrizione entro
Entdecken Sie die faszinierende Welt der Kiefern im Föhrenmuseum Ramsen! Tauchen Sie ein in eine einzigartige Ausstellung, die die Vielfalt der Kiefern mit beeindruckenden Exponaten wie Zapfen, Pilzmodellen, Flechten und Baumportraits zeigt. Erfahren Sie mehr über die Bewohner der Kiefernwälder und die Besonderheiten dieser Baumgattung.

Mit Raphael Mettler, Co-Präsident Pro Natura Schaffhausen und Christian Knobel, Obergärtner

Wir freuen uns auf Sie.

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Dettagli dell'evento

Data

Domenica, 27.09.2026
Data e ora
10:00 - 11:00

Luogo

Föhrenmuseum Ramsen, Fortenbach 206, 8262 Ramsen

Dettagli

Tipo di evento
Stagione
Grado di difficoltà

Costo

0

Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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