Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Feldhase

«Aktion Hase & Co.» für ein vielfältiges Kulturland

26.02.2019 Landwirtschaft

Es braucht eine neue Agrarpolitik für und nicht gegen die Umwelt

Zu hohe Mengen an Pestiziden gelangen in unsere Flüsse und Bäche. Zu viel Stickstoff aus überdimensionierten Tierbeständen schädigen unsere Wälder und Moore. Insekten sterben und der Artenverlust geht weiter. Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft sind hoch. Wie der Bundesrat diese Umweltprobleme lösen will, hat er im Vernehmlassungsbericht zur Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) erläutert. Doch mit den bundesrätlichen Vorschlägen lassen sich die Umweltprobleme bei weitem nicht lösen, die Umweltverbände beantragen in ihrer Stellungnahme eine sehr viel ambitioniertere Agrarpolitik.

Im Erläuterungsbericht zur Eröffnung der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 22+ stellt der Bundesrat fest, dass keines der 13 Umweltziele für die Schweizer Landwirtschaft, die im Statusbericht 2016 des Bundesamts für Umwelt und des Bundesamts für Landwirtschaft zu den Umweltzielen Landwirtschaft festgeschrieben sind, erreicht wurde. Er konstatiert ausserdem, dass sich dies bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen und ohne zusätzliche Massnahmen auch nicht ändern wird. Die Analyse des Bundesrates in Bezug auf die Umweltschäden der Landwirtschaft ist korrekt. Und trotzdem schlägt er keine griffigen Massnahmen zur Lösung der Umweltprobleme vor. 

  • «Nach wie vor werden mit der neuen Agrarpolitik ab 2022 mehr als die Hälfte der Direktzahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte verteilt, ohne dass sie an eine konkrete Leistung gebunden sind. Das ist inakzeptabel. Wir fordern, dass diese Beiträge für konkrete Leistungen wie die Förderung der Artenvielfalt auf den Landwirtschaftsbetrieben eingesetzt werden», so Pascal König von BirdLife Schweiz.
  • «Die Klimadebatte fehlt in der Vorlage gänzlich. Der Bund sieht keine Massnahmen vor, die Massentierhaltung abzuschaffen und die zu grossen Tierbestände in der Schweiz zu reduzieren. Dies, obwohl der Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Fleischkonsum unbestritten ist», sagt Philippe Schenkel von Greenpeace Schweiz.
  • «Die vorgeschlagenen Massnahmen des Bundesrates, die als Gegenvorschlag zur Trinkwasserinitiative gedacht sind, entsprechen keineswegs den Forderungen der Trinkwasserinitiative. Die schädlichsten Pestizide dürfen nicht mehr zugelassen werden und es braucht eine Lenkungsabgabe auf die Verwendung von Pestiziden», fordert Marcel Liner von Pro Natura.
  • «Wir verlangen klare Vorgaben für eine ressourceneffiziente Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen. So ist beispielsweise die Produktion von Tierfutter wie Mais auf Ackerflächen viel ineffizienter, als der Anbau von Nahrungsmitteln wie Weizen oder Kartoffeln für uns Menschen», sagt Eva Wyss vom WWF Schweiz.

Am 24. September 2017 hat sich das Schweizer Stimmvolk mit einem Ja-Anteil von fast 79 Prozent für eine standortangepasste und ressourceneffiziente Landwirtschaft ausgesprochen. Dazu brauchen wir nun die entsprechende Gesetzgebung mit der AP22+.  

Kontaktpersonen

  • Eva Wyss, Landwirtschaftsexpertin, WWF Schweiz, 079 352 09 47, @email
  • Pascal König, Landwirtschaftsexperte, BirdLife Schweiz, 077 927 59 26, @email
  • Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte, Greenpeace Schweiz, 078 790 52 84, @email
  • Marcel Liner, Fachexperte Landwirtschaftspolitik, Pro Natura, 061 317 92 40, @email

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Medienmitteilung von BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz

Moesa
19.05.2025 Gewässer

Gewässerschutz: Giftige Kehrtwende

Im Parlament wird an mehreren Fronten am Schutz unserer Gewässer gerüttelt. Dabei sind Bäche stark mit Pestiziden belastet, und toxische Abbauprodukte gefährden auf Jahre hinaus das Grund- und Trinkwasser.

Gross waren die Versprechen des Nein-Lagers vor der Volksabstimmung über die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative im Jahr 2021: Ein Bundesgesetz würde sicherstellen, dass die Risiken durch den Einsatz von Pestiziden bis 2027 um 50 Prozent zurückgehen. Für gefährliche Pestizide würden ausserdem scharfe Grenzwerte festgelegt und Zulassungen entzogen, sollten diese wiederholt überschritten werden. 

Nun aber sind das Parlament und, wie ein Bericht der SRF-«Rundschau» kürzlich aufgedeckt hat, auch die Verwaltung daran, die gesetzlich verankerten Errungenschaften der letzten Jahre zurückzuschrauben.

Gürbetal Matthias Sorg

Hochtoxisch – und ohne scharfe Grenzwerte

Um das Trinkwasser, aber auch die Gewässerökologie besser zu schützen, erliess der Bundesrat im Jahr 2020 für zwölf besonders problematische Pestizide individuelle Grenzwerte, die teils deutlich unterhalb des pauschalen Grenzwerts von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen. Elf davon landeten auf der Prüfliste des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Vier wurden auf Druck des Bauernverbandes wieder gestrichen, wie die «Rundschau» im Märzpublik machte. Darunter sind die für Gewässerlebewesen hochgiftigen Insektizide Deltamethrin und Lambda-Cyhalothrin sowie das Herbizid Flufenacet, das den Hormonhaushalt von Mensch und Tier schädigen kann und das von der EU erst im März 2025 verboten wurde.

Voraussichtlich im Sommer wird der Bundesrat entscheiden. «Sollte er für diese gefährlichen Stoffe keine scharfen Grenzwerte erlassen, wäre das ein klarer Verstoss gegen das Gewässerschutzgesetz», sagt Umweltrechtsexperte Hans Maurer.

Broye Matthias Sorg

Höhere Hürden für Verbote

Parallel dazu arbeiten bäuerliche Parlamentarier daran, den Widerruf von Zulassungen zu erschweren. Gemäss geltendem Recht muss ein Pestizid überprüft werden, wenn der Grenzwert an zehn Prozent der Messstellen in zwei von fünf Jahren überschritten wird. Theoretisch droht dann ein Verbot. Mit einer Motion will Leo Müller, Luzerner Mitte-Nationalrat und langjähriger Verwaltungsrat der Agrargenossenschaft Fenaco, diese bereits hohe Hürde nochmals drastisch erhöhen: Demnach müsste die Grenzwertüberschreitung in 20 Prozent der untersuchten Gewässer und in vier von fünf Jahren vorliegen, damit eine Überprüfung überhaupt stattfinden kann.

Müller argumentiert, dass der Landwirtschaft die Pestizide ausgingen: In den letzten Jahren seien zahlreiche Wirkstoffgruppen verboten und kaum neue Pestizide zugelassen worden. Nur: Alle bisherigen Widerrufe in der Schweiz erfolgten, weil die Stoffe in der EU verboten wurden. Einen Zusammenhang mit den bestehenden Gewässerschutz regeln gab es nicht. Das kümmert den Bundesrat aber nicht: Im März empfahl er die Motion Müller zur Annahme.

Broye Matthias Sorg

Grundwasserschutz kommt nicht voran

Keinerlei Fortschritte gibt es beim Schutz des Grundwassers. Seit 1998 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass bei Trinkwasserfassungen, die durch Schadstoffe belastet sind, ein Zuströmbereich bestimmt und dort die Nutzung angepasst wird. Doch trotz gesetzlicher Grundlage und einer Vielzahl von Überschreitungen bei den 18 000 Grundwasserfassungen sowohl der Höchstwerte für Nitrat als auch für Abbauprodukte von Pestiziden ist es noch keinem Kanton gelungen, die erforderlichen Massnahmen festzulegen. Es gab lediglich vereinzelte Vereinbarungen mit Landwirten für eine weniger intensive Nutzung gegen Entschädigung. Hinausgezögert wird auch eine bereits 2021 vom Parlament angenommene Motion des damaligen Solothurner SP-Ständerats Roberto Zanetti: Sie fordert, dass die Kantone bis 2035 die Zuströmbereiche für alle Grundwasserfassungen von regionalem Interesse bestimmen.

Silberreiher Claudio Büttler

Die Folge dieser Unterlassungen: Heute sind rund 50 Prozent der Fassungen im Ackerbaugebiet übermässig mit Nitrat und 60 Prozent mit Metaboliten belastet. Besonders problematisch ist die Trifluoressigsäure (TFA). Sie steht in Verdacht, reproduktionstoxisch zu sein, also die Fortpflanzungsfähigkeit oder die Entwicklung von Föten zu beeinträchtigen. Als künstlicher langlebiger Stoff belastet TFA das Grundwasser landesweit und ist, wie das Bundesamt für Umwelt jüngst meldete, die mit Abstand am weitesten verbreitete künstliche Chemikalie im Grundwasser. In hohen Konzentrationen tritt TFA in Ackerbaugebieten auf, wo das Fungizid Flufenacet eingesetzt wird. Auch Abbauprodukte des Fungizids Chlorothalonil sind im Grundwasser des Mittellands weit verbreitet. Seit 2020 ist die Anwendung des als «potenziell krebserregend» eingestuften Chlorothalonil verboten, doch die stabilen Abbaustoffe bleiben wohl jahrzehntelang im Boden und Grundwasser: Rund eine Million Schweizer Haushalte trinkt auch vier Jahre nach dem Verbot noch belastetes Trinkwasser.

Bäche sind weiterhin stark belastet
Forschende der Eawag haben untersucht, wie sich der 2017 vom Bundesrat verabschiedete «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel» auf die Pestizidkonzentration in Fliessgewässern ausgewirkt hat. Die Anzahl Standorte, an welchen alle Grenzwerte eingehalten werden, hat sich zwischen 2019 und 2022 kaum verändert. Insgesamt wurden 2022 an 22 von 36 untersuchten Standorten Grenzwerte für Pestizide überschritten. Das entspricht 61 Prozent. Besonders betroffen waren kleine und mittelgrosse Bäche. Der Bericht geht davon aus, dass das Zwischenziel des Aktionsplans – bis ins Jahr 2027 die Länge der Schweizer Fliessgewässer-Abschnitte, in denen Pestizid-Grenzwerte überschritten werden, zu halbieren – nicht erreicht werden kann.

Eisvogel Claudio Büttler

Nachsorge statt Vorsorge

Auf viele Wasserversorger kommen deswegen hohe Kosten zu. Die Seeländische Wasserversorgung SWG etwa hat ihre Trinkwasserfassung in Worben vor fünf Jahren wegen belastetem Grundwasser stillgelegt und baut nun eine neuartige Filteranlage ein. Sie kostet zwei Millionen Franken; hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 250 000 Franken. «Wir prüfen nun eine Haftungsklage», erklärt SWG-Geschäftsführer Roman Wiget, «nicht gegen die Bauern, sondern gegen die Zulassungsstelle des Bundes.» Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), seit 2022 für Zulassungen zuständig, verweist auf einen aktuellen Bericht des Bundesrats zur Chlorothalonil-Sanierung. Demnach sind die Wasserversorger in der Pflicht, Sanierungsmassnahmen einzuleiten und die Kosten dafür zu tragen.

Seeland Matthias Sorg

«Man will aus den Erfahrungen der Vergangenheit nicht lernen», sagt Roman Wiget. Ihn stört vor allem, dass ein Pestizid erst eingeschränkt wird, wenn neben Kriterien wie Persistenz (sie werden nur langsam abgebaut) und Mobilität (sie verbreiten sich gut) auch die Toxizität (schädliche Folgen) erwiesen ist. Dabei zeigten viele Beispiele, dass die Toxizität von Wirkstoffen und ihrer Metaboliten systematisch unterschätzt wird. «Dadurch wurden viele gefährliche Pestizide zugelassen, die wegen ihrer Persistenz und Mobilität bis ins Grundwasser gelangen und nun das Trinkwasser belasten.»

Zudem sei kaum bekannt, wie die vielen Einzelstoffe zusammen wirken («Cocktaileffekt»), erklärt Wiget. «Die Risiken sind schlicht nicht einschätz- und kontrollierbar. Wir Wasserversorger fordern deshalb schon lange, dass bei der Zulassung bereits die Persistenz und Mobilität für ein Verbot ausreichen müssen. Langlebige Stoffe, die übers Wasser herumwandern, dürfen nicht mehr zugelassen werden. Damit würde man dem im Gesetz aufgeführten Vorsorgeprinzip endlich gerecht.»

NICOLAS GATTLEN, Reporter Pro Natura Magazin

Seeland Matthias Sorg

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Weizen
07.01.2025 Landwirtschaft

«Ersetzen kann die Maschine den Bauern nicht»

Smarte Technologien halten auch auf Bauernbetrieben Einzug, wie ein Besuch auf der Swiss Future Farm zeigt. Um uns auf dem Weg zu einer naturnahen nachhaltigen Landwirtschaft wirklich voranzubringen, brauchen wir allerdings andere Rezepte.

Science-Fiction hat die Swiss Future Farm SFF in Tänikon (TG) nicht zu bieten, auch wenn hier neue smarte Technologien erprobt werden. «Was wir einsetzen, ist praxisnah und kommerziell verfügbar», sagt Florian Bachmann, der für den Arenenberg bei der SFF arbeitet. Roman Gambirasio, als Vertreter der GVS Agrar AG in der SFF verantwortlich für die Technik, ergänzt: «Wir sind der alltäglichen Landwirtschaft technisch etwa fünf bis sieben Jahre voraus.»

Illustration einer mechanischen Vogelscheuche Isabelle Bühler
Illustration von Isabelle Bühler

Tatsächlich ist «smart farming» auf vielen Höfen gegenwärtig, sei es bei Programmen für die Betriebsführung oder als Melkroboter im Stall. «Im Ackerbau – und das machen wir auf der Swiss Future Farm – ist es schwieriger», sagt Gambirasio. «Hier spielen Umwelteinflüsse eine grosse Rolle. Ans Wetter etwa können wir uns nur anpassen. Bei Wasserversorgung und Bodenbeschaffenheit können wir mit Bewässerungen oder Düngung eingreifen. Macht ein Landwirt in diesen Bereichen alles richtig, hat er 90 bis 95 Prozent des möglichen Ertrages. Die letzten Prozente können dann noch mit Technologie herausgeholt werden.» Hier laute die Frage, ob sich die Anschaffung lohne. Gambirasio rechnet vor: «Auf 2000 Hektaren kann ich ein paar Tausend Franken Dünger einsparen. Auf einem durchschnittlichen 20-Hektar-Betrieb in der Schweiz sind es vielleicht 200 – dies bei Investitionskosten von mehreren zehntausend Franken.» Ökonomisch rechnet es sich also nicht. Ökologisch sieht es anders aus, wie Bachmann sagt. «Effizienter ausgebrachter oder allenfalls sogar eingesparter Dünger oder eine Herbizidreduktion um 50 bis 90 Prozent kommen der Natur zugute. Aber diese Vorteile müssten auch in Wert gesetzt werden können.»

Teilflächenspezifische Düngung

Wie Düngemittel mittels smarter Technologie reduziert werden können, zeigt zum Beispiel das Projekt «Smart-N». Grundlage sind Satellitenbilder, anhand derer ein Produktionspotenzial und ein Vegetationsindex berechnet wird. «Wir sehen auf den Fotos, wie der Versorgungszustand der Pflanze ist. Je besser sie mit Stickstoff versorgt ist, desto kräftiger das Grün», sagt Bachmann. «Dabei zeigt sich, dass Pflanzen nicht überall gleich gut wachsen, weil der Boden nicht überall dasselbe Potenzial hat. Mit diesem Wissen können wir gezielter düngen.» Dies geschieht mit einem mit GPS ausgerüsteten Traktor, der erkennt, wo auf dem Feld er ist, und der mittels einer Karte, die auf dem Satellitenbild basiert, gezielt düngt. «Die Entscheidung, wo wie viel und wann, fällt aber der Landwirt. Ersetzen kann die Maschine den Bauern nicht.»

Zwischenresultat nach drei Jahren: «Der Stickstoffüberschuss konnte um rund 20 Prozent reduziert werden im Vergleich zu einer gewöhnlichen Düngung.» Je nach Jahr und Feld kann sogar etwas Dünger gespart werden. «In Geld zahlt sich das bei unseren kleinen Betrieben aber nicht aus.» Zudem setzen äussere Faktoren der Technik oft Grenzen. So gibt es an bewölkten Tagen keine Satellitenbilder und selbst wenn der Zeitpunkt optimal wäre – ist es zu nass, ist der Boden nicht befahrbar, ist es zu trocken, fehlt das Wasser, das den Dünger zur Pflanze bringt.

Reduzierte Bodenbearbeitung

Um Herbizide einzusparen, erprobt die Swiss Future Farm die «reduzierte Bodenbearbeitung», wie Roman Gambirasio sagt. Anstatt Getreide klassischerweise ganzflächig mit einem Reihenabstand von 15 Zentimetern zu säen, wird es alle 50 Zentimeter in einer Doppelreihe ausgebracht, die Zwischenräume liegen brach. «Nur dort, wo wir säen, bearbeiten wir den Boden und spritzen Herbizide. Zwischen den Reihen wird Unkraut mechanisch entfernt. Das schont den Boden und spart bis zu 50 Prozent Herbizide ein.» 

Doch auch hier spielen äussere Einflüsse mit. «2024 war die mechanische Unkrautvernichtung schwierig, weil es so nass war. Wird aber das Unkraut nicht mechanisch entfernt, bekommt es auch Spritzmittel ab. Allerdings zu wenig, dass es abstirbt. Das ist gefährlich, denn es können sich Resistenzen bilden», sagt Roman Gambirasio. Ausserdem ist die Bodenbearbeitung bei dieser Methode je nach Boden schwieriger – die Versuche gehen weiter.

Laser, Drohnen & Co.

Ein bisschen Science-Fiction-Feeling kommt dann zum Schluss doch noch auf, als Gambirasio und Bachmann ins Erzählen kommen: Drohnen fliegen bereits über Felder, etwa um Schneckenkörner auszustreuen. Andere Einsatzgebiete werden noch erprobt. «Und Laser werden genutzt, um Unkraut zu verbrennen», sagt Bachmann. Das geht aber nur, wenn die Pflanzen noch sehr klein sind: «Es braucht also Kameras, die sie zweifelsfrei identifizieren, was schwierig ist, denn am Anfang sehen alle ähnlich aus.» Sobald die Pflanzen zu gross sind, braucht der Laser viel zu lange – «dann bist du schneller, wenn du sie von Hand auszupfst».

Was bei Pflanzen funktioniert, ist bei Insekten schwierig. Hier sieht Gambirasio das Potenzial eher im Monitoring. «Misst ein Sensor die relevanten Parameter wie Feuchtigkeit, Temperatur Sonnenscheindauer und so weiter, könnte man voraussagen, wann welcher Schädling auftreten wird, und prophylaktisch eingreifen. Von solchen Technologien sind wir aber noch mindestens 20 Jahre entfernt. Bei Pilzkrankheiten sind entsprechende Prognosemodelle jedoch schon deutlich weiter.»

Von BETTINA EPPER, Redaktionsleitern Pro Natura Magazin

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Plantage
07.01.2025 Internationales

«Plantagen sind keine Wälder!»

Pro Natura trägt durch ihr Engagement im Netzwerk Friends of the Earth auch zum Erhalt der Biodiversität ausserhalb der Schweiz bei zum Beispiel, indem sie lokale Gemeinschaften in ihrem Widerstand gegen die Praktiken der Agroindustrie unterstützt.

In Ghana, wie in vielen anderen Regionen des Weltsüdens, kämpft die lokale Bevölkerung dagegen, dass Grossfirmen ihre Wälder zerstören und ihr Land in Besitz nehmen, um darauf riesige Palmölplantagen anzulegen – mit katastrophalen sozialen und ökologischen Folgen.

Eine Frau trägt ein T-Shirt mit dem Slogan «Plantations are not forests!»
«Plantations are not forests!»

Mit diesem eindringlichen Slogan auf T-Shirts wehrt sich Friends of the Earth Ghana gegen die Monokulturplantagen, unter denen viele Menschen in dem westafrikanischen Land leiden.

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Als Mitglied des Netzwerks Friends of the Earth International beteiligt sich Pro Natura seit 2016 mit der Schweizer Entwicklungsorganisation «HEKS/Brot für alle» an Projekten, die den Widerstand gegen das industrielle Landwirtschaftsmodell stärken. Nicht nur in Ghana, sondern auch in anderen westafrikanischen Ländern, in Honduras und Malaysia. «Einer unserer Arbeitsschwerpunkte liegt auf einer sehr lokalen Ebene und besteht darin, den direkt betroffenen Gemeinschaften zu helfen, ihre Rechte zu verteidigen und ökologische Landwirtschaftsmethoden umzusetzen», sagt Bertrand Sansonnens, Projektleiter Politik und Internationales bei Pro Natura.

Übergangene Bevölkerung

2022 reiste Sansonnens im Rahmen eines Projekts der afrikanischen Koordination von Friends of the Earth nach Ghana und konnte dort die Bewohnerinnen und Bewohner des kleinen Dorfes Abo-Abo treffen. Das Leben der Gemeinschaft hat sich radikal verändert, seit die Ghana Oil Palm Development Company (GOPDC), die zu 90 Prozent dem belgischen Multi SIAT gehört, die Okumaning-Plantage errichtet hat. «SIAT gehört zu den fünf Grossunternehmen, die 75 Prozent der Ölpalmplantagen in Afrika kontrollieren», sagt Sansonnens.

Eine Einschätzung, die von Zeugenaussagen untermauert wird, die Sansonnens in Abo-Abo gesammelt hat: Aufgrund von Versprechungen, die ihnen gemacht worden waren, haben viele Bauernfamilien ihr Land der GOPDC zur Nutzung überlassen. Doch danach haben nur wenige die vertraglich vereinbarten Entschädigungen zur Kompensation ihrer Ernteausfälle erhalten. «Der Fall konnte mithilfe von Friends of the Earth Ghana vor Gericht gebracht werden, aber nach Jahren des Wartens ist noch immer kein Urteil gefallen.» In der Umgebung wurden drei Dörfer zerstört, die Menschen vertrieben und die Schulen geschlossen. «Die Zahl der Erwerbslosen ist hoch und unter den Jungen greift der Drogen- und Alkoholkonsum um sich. Viele trauern den Zeiten nach, als der Anbau von Maniok, Kochbananen, Yamswurzeln, Kakao und sogar von lokal genutzten Ölpalmen genug Einkommen einbrachte, um ein würdiges Leben zu führen.»

Drei Kinder auf einem Laster Bertrand Sansonnens
In Ghana wurde die Ölpalme schon lange vor der Kolonialisierung von den Einheimischen angebaut.

Förderung des Widerstands

Einem Unterstützungsprojekt dieser Art stellen sich viele Hindernisse in den Weg. «Auch die Covid-Pandemie war nicht hilfreich, weil sie die Arbeit vor Ort einschränkte», sagt Bertrand Sansonnens. «Dafür hat sich die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Organisationen verstärkt. Vor meinem Besuch auf den Plantagen konnte ich an einem Community Forum zum Widerstand gegen Monokulturen teilnehmen. Es wurde vom afrikanischen Netzwerk organisiert, um Erfahrungen auszutauschen und die Mobilisierung auszuweiten.» Dank diesem Hintergrund und der Arbeit anderer betroffener Länder konnte Friends of the Earth die Auswirkungen des Agrobusiness auch auf internationaler Ebene thematisieren, insbesondere auf der UNO-Biodiversitätskonferenz im Jahr 2022 im kanadischen Montreal (COP15).

Eine Gruppe Frauen mit Plakaten Bertrand Sansonnens

Doch der Kampf ist noch lange nicht gewonnen. «Zurzeit bereiten wir eine neue Programmphase vor, bei der es darum geht, regionale Erfahrungen zu systematisieren. Wir erhoffen uns dadurch eine Stärkung des globalen Kampfes gegen die zahlreichen Faktoren, die die Wälder und das Land der lokalen Bevölkerungen zunehmend bedrohen», sagt Sansonnens. Das Projekt fügt sich sehr gut in die Gesamtstrategie von Friends of the Earth ein, die auf die Umwandlung der herrschenden Systeme in ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Gesellschaften zielt. «Die Verantwortung der reichen Länder im Norden ist enorm: Wir müssen uns neu ausrichten, hin zu mehr Suffizienz, aber auch zu mehr Kontrolle über die Machenschaften der multinationalen Unternehmen, die den übermässigen Konsum fördern und von ihm profitieren.»

Von TANIA ARAMAN, Redaktorin Pro Natur Magazin

Illustration von Mina Hofstetter
Landwirtschaft

Mina Hofstetter bauert biologisch, lange vor der Bio-Bewegung

Was ist einer der grössten Vorteile einer viehlosen Landwirtschaft? Die Schweiz könnte sich besser selbst versorgen. So mo­dern dieses Thema auch klingt, für Mina Hofstetter ist es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein grosses Anliegen.

Ab 1928 verzichtet sie auf ihrem Hof auf die Viehhaltung und baut nur noch Getreide an. Neben dem Vorteil, dass man auf diese Weise mehr Menschen ernähren kann, geht es ihr auch um das Tierwohl und die Be­freiung der Bauernfamilien aus der «Ver­sklavung» durch die Milchwirtschaft, die täglichen Einsatz für die Pflege der Tiere erfordert.

Mina Hofstetter, 1883 in Stilli (AG) ge­boren, gilt heute in vielerlei Hinsicht als Pionierin. 1915 erwirbt sie gemeinsam mit ihrem Mann Ernst den Hof Stuhlen (ZH). Schon bald überlässt ihr der Ehemann die volle Verantwortung für die Landwirtschaft, sodass sie sich ihren Experimenten frei widmen kann. Unablässig verfolgt sie das Ziel, Harmonie zwischen Pflanzen, Tieren, Menschen und Boden herzustellen.

In ihrem Buch «Neues Bauerntum, al­tes Bauernwissen» äussert sie sich begeis­tert über das wimmelnde Leben, das man in einer winzigen Bodenprobe finden kann. In der Überzeugung, dass unsere eigene Existenz von dieser Biodiversität abhängt, und in Anlehnung an die biodynamische Lehre Rudolf Steiners, des Begründers der Anthroposophie, erarbeitet sie die Grund­sätze dessen, was später als Permakultur bekannt werden wird.

Statt Pflanzenschutzmittel einzusetzen, schafft sie in ihrem Garten Lebensraum für Vögel, die als natürliche Feinde ungewoll­ter Insekten agieren. Im Herbst lässt sie das Laub der Bäume liegen, damit es seine Funktion als Dünger und Bodenschutz erfüllen kann. Durch den nahen Kontakt zur Lebensreformbewegung wird sie 1922 Vegetarierin und stellt ihre Ernährung gar auf Rohkost um.

Ab 1929 organisiert Hofstetter auf ihrem Hof praktische Kurse, um ihre Anbau­methoden zu vermitteln, und 1936 gründet sie die Lehrstätte «Seeblick». Dort findet 1947 die Gründungsversammlung der «Ge­nossenschaft biologischer Landbau» statt, aus der später die Organisation Bioterra hervorgehen wird.

Die Bekanntheit von Mina Hofstetter reicht über die Landesgrenzen hinaus: 1937 wird sie nach Bratislava zur Konferenz «Women’s Organisation for World Order» eingeladen. Denn auch die Frauenbewe­gung liegt ihr am Herzen, ebenso wie das Los der Kleinbauern. Sie plädiert für einen besseren Dialog zwischen Landwirten und Konsumenten und ist überzeugt, dass sich die Menschen saisongerechter ernähren, wenn man sie von Kindesbeinen an mit der Pflanzenwelt vertraut macht.

TANIA ARAMAN ist Redaktorin der französischsprachigen Ausgabe des Pro Natura Magazins

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Symbolbild Landwirtschaft
18.02.2026 Landwirtschaft

Die Agrarpolitik 2030+ ist aus Umweltsicht ungenügend

Mit seinem heute veröffentlichten Aussprachepapier zur Agrarpolitik 2030+ akzeptiert der Bundesrat ein Konzept, das den grossen Herausforderungen im Umweltbereich nicht gerecht wird. Stillstand statt Weitsicht schädigt weiterhin die natürlichen Lebensgrundlagen von uns allen. Es braucht nun Nachbesserung zugunsten der Natur.

«Die Vorschläge zur Agrarpolitik 2030+ in der heute vom Bundesrat skizzierten Form reichen bei Weitem nicht aus, um die Situation für Klima, Biodiversität und Umwelt zu verbessern.» So lautet die Zwischenbilanz der Umweltschutzorganisationen, zum heute vom Bundesrat veröffentlichten Aussprachepapier.

Die aktuelle Ausrichtung der Agrarpolitik treibt durch biodiversitätsschädigende Subventionen die Beeinträchtigungen der natürlichen Lebensgrundlagen wie sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden oder die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen voran. Langfristig stehen damit auch die landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen Boden und Biodiversität auf dem Spiel. Mit dem Zielbild 2050 (Bericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik» vom Dezember 2024) hat der Bundesrat einen Leitfaden vorgelegt, der diesen Herausforderungen begegnen würde. Doch die nun vorgelegten Vorschläge sind von diesem Zielbild noch weit entfernt, selbst die vorgesehenen Lenkungsabgaben auf Kraftfutter und Pestizide wurden heute vom Bundesrat gestrichen. Die Agrarpolitik 2030+ muss dringend weiterentwickelt und beim Schutz von Biodiversität, Umwelt und Klima nachgebessert werden. 

Die Umweltschutzorganisationen werden die Vorschläge des Bunderates analysieren und Lösungsvorschläge zuhanden der Vernehmlassung mit Start im Herbst 2026 erarbeiten. Es liegt in der Hand des Bundesrates, die im Zielbild 2050 formulierten Ziele im Bereich Umwelt wieder aufzunehmen und im Botschaftsentwurf umzusetzen. 

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Pro Natura: Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik, 061 317 92 40, @email

  • Greenpeace:Nico Frommherz, Experte für Food und Konsum, 044 447 41 64,  [email protected]

  • BirdLife Schweiz: Jonas Schälle, Projektleiter Landwirtschaft, 044 457 70 26, @email 

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Gemeinsamer Kommentar von Pro Natura, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz

Wiesen & Weiden

Wo sind unsere artenreichen Wiesen geblieben?

90 % der Blumenwiesen sind verschwunden

Artenreiche Blumenwiesen sind selten geworden
Monotone Graswiesen verdrängen den vielfältigen Lebensraum. Und gefährden damit einen grossen Teil unserer hiesigen Pflanzen.

Das Zusammenspiel unzähliger Pflanzen- und Tierarten prägt die artenreichen Blumenwiesen. Sie sind farbig, in ihnen summt, schwirrt und krabbelt es! Mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten in der Schweiz leben in diesem Lebensraum. Sie sind die Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten. In den letzten Jahrzehnten sind 90 Prozent dieser einzigartigen Blumenwiesen verschwunden. Daher sind Schutz, Aufwertung und Neuanlage von artenreiche Wiesen sehr wichtig für die Biodiversität in der Schweiz.

Pro Natura kämpft für den Schutz der Blumenwiesen

In der politischen Arbeit fordern wir Schutz und Aufwertung von artenreichen Wiesen. Das betrifft vor allem jene Flächen, die nicht bereits gesetzlich geschützt sind. Konkret geht es um landwirtschaftlich genutzte Flächen, öffentliche Grünflächen im Siedlungsraum wie Pärke, Bahn- und Strassenböschungen oder auch private Gärten.

Besonders wertvolle artenreiche Blumenwiesen sind im Inventar der Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Sie sind gesetzlich geschützt. Pro Natura verlangt einen konsequenten Vollzug der 2010 vom Bund erlassenen Verordnung.

Pro Natura packt auch selber an: Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen prächtige, artenreiche Blumenwiesen. Praktische Projekte wie Regio Flora und ProBiotop, angestossen von Pro Natura, erhalten und fördern den Artenreichtum auf gefährdeten Wiesenflächen. In Umweltbildungsangeboten und Informationsprojekten zeigt Pro Natura, was jede und jeder für farbenfrohe Blumenwiesen tun kann.

Blumwiesen in der Blüte Zeneggen VS Benoît Renevey
Blühende Blumenwiese bei Zeneggen VS.

Artenvielfalt durch Menschenhand

Auf einem Fünftel unserer Landesfläche wachsen heute Wiesen und Weiden. Sie prägen das Bild der Schweiz. Entstanden sind sie durch den rodenden Menschen, der für sich und sein Vieh Wiesen, Weiden und Äcker schuf. Zwischen Boden, Pflanzen und Tieren hat sich über Jahrhunderte ein einzigartiges Beziehungsnetz entwickelt. Kein anderer Lebensraum birgt so viel Artenvielfalt pro Quadratmeter. Ohne landwirtschaftliche Nutzung würden Wiesen und Weiden wieder zu Wald werden. Bei zu intensiver Nutzung hingegen entwickeln sie sich zu artenarmen, eintönigen Grasteppichen.

Wiese ist nicht gleich Wiese

Es gibt viele verschiedene Wiesentypen. Farbenfrohe Fromentalwiesen, Trocken- und Feuchtwiesen und Säume. Fachleute unterscheiden mindestens 30 Ausprägungen mit zahlreichen spezialisierten Tierarten.

Ob eine Wiese farbenfroh und artenreich ist oder grün und eintönig, hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab: Dem Standort (Boden und Klima) und der Bewirtschaftung. Klima und Boden geben die mögliche Artenvielfalt vor. Ob dieses Potential realisiert wird, hängt von der Funktion und der damit verbundenen Art der Bewirtschaftung der Wiese ab. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten kommen die artenreichen Wiesen immer stärker unter Druck und verschwinden fast gänzlich.

Inventar zum Schutz der Trockenwiesen und -weiden

In 10-jähriger Arbeit wurden in allen Kantonen die besonders wertvollen Trockenwiesen und -weiden kartiert. Die knapp 3000 inventarisierten Objekte von nationaler Bedeutung umfassen ungefähr 0,5 % der Landesfläche. Das TWW-Inventar ist neben den bestehenden Biotopinventaren über die Hoch- und Übergangsmoore, Flachmoore, Amphibienlaichgebiete und Auengebiete vorläufig das letzte Inventar dieser Art.

2009 haben wir zusammen mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz mit der Petition zum Schutz der letzten Trockenwiesen und -weiden über 38'000 Unterschriften gesammelt. Diese forderte, die bereitliegenden Instrumente endlich umzusetzen. Das TWW-Inventar sowie die Inkraftsetzung der Verordnung ist ein erster Schritt dazu. Unter anderem müssen bis 2020 alle TWW von nationaler Bedeutung vertraglich geschützt sein.

Artenreiche Wiesen im Sinkflug

Die Intensivierung der Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang der artenreichen Wiesen. Der vermehrte Einsatz von Dünger bewirkt ein verstärktes Wachstum konkurrenzstarker Gräser und erlaubt eine frühere und häufigere Nutzung. Rasch wachsende Arten, die an nährstoffreiche Böden und einen häufigen Schnitt angepasst sind, dominieren die meist konkurrenzschwächeren Pflanzenarten der artenreichen Blumenwiesen, die auf Vermehrung durch das Versamen angewiesen wären. Als Folge gleichen die Flächen zunehmend einem einheitlich grünen Teppich. Auch die Wahl der Erntemaschinen hat einen grossen Einfluss auf die Artenvielfalt, vor allem auf die Kleintiere. Mit den heute häufig eingesetzten Maschinen zur Mahd werden beispielsweise mehr als 80 % der Heuschrecken getötet. Aber auch die schnell fortschreitende Ausdehnung des Siedlungsgebiets und damit verbundener Infrastruktur sowie die Aufgabe der Bewirtschaftung im Berggebiet tragen massgeblich zum Verschwinden bunter Blumenwiesen bei.

Erste Hilfe für artenreiche Blumenwiesen

Seit der Einführung der ökologischen Ausgleichszahlungen in der Landwirtschaft 1995 versucht der Bund dem Sinkflug der Blumenwiesen entgegenzuwirken. Unter anderem werden in diesem Rahmen auch die extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden gefördert. Besonders wertvolle Flächen sind im Inventar von Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgeführt. Der Bundesrat hat im Jahr 2010 eine Verordnung zum Schutz dieser Flächen verabschiedet. Beides sind sehr wichtige Instrumente zum Schutz der artenreichen Wiesen. Leider zeigen sie aber eine zu schwache Wirkung. Noch immer verschwinden jährlich zig Hektaren wertvoller Wiesenflächen. Nicht nur die Landwirtschaft hat Verbesserungspotenzial: Öffentliche Grünflächen, private Gärten,  Strassen- und Bahnböschungen können viel zum Erhalt der vielfältigen Lebensräume beitragen, wenn sie entsprechend geplant, angelegt und gepflegt werden. Deshalb engagiert sich Pro Natura auf allen Ebenen für den Erhalt und die Förderung der artenreichen Wiesen.

Blumenwiesen gestern und heute

Beckenried 2010
Beckenried ca. 1987
Beckenried ca. 1987 (linkes Bild) und im Jahr 2010 (rechtes Bild)

Auf dem Bild links eine üppig blühende Fromentalwiese im Frühjahr mit Roter Waldnelke und Scharfem Hahnenfuss – beide Zeiger einer bereits begonnenen Intensivierung (© Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek / Willy Burkhardt). Rechts ist dieselbe Fläche nach dem zweiten Schnitt zu sehen – eine reine Fettwiese mit Weiss-Klee, Raygräsern und Wiesen-Bärenklau (© Pro Natura / Nathalie Reveney).

Projekte für Wiesen und Weiden

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Ausstellung in Champ-Pittet
15.03.2023

Neues Labor für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Pro Natura Zentrum Champ-Pittet

Das Pro Natura-Zentrum Champ-Pittet eröffnet die Saison 2023 am 18. März mit drei Neuerungen. Eine davon ist das umgestaltete Ökolabor, das zukünftige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler willkommen heisst. Ebenfalls neu ist die Kunstausstellung «Sage herbier, herbes folles» mit Werken von Kunstschaffenden des Atelier CREAHM in Freiburg. Und nicht zuletzt lockt eine Fotoausstellung im Freien, die das althergebrachte Wissen über den Bau von Trockenmauern in den Fokus stellt.

Das umgestaltete Ökolabor bietet Jung und Alt die Möglichkeit, sich als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler zu betätigen und die Natur unter die Lupe zu nehmen: wirbellose Moortiere unter dem Mikroskop untersuchen, den Geräuschen der Insekten auf den Blumenwiesen lauschen oder den Wald spielerisch entdecken. Die Ausstellung «Kleinsäugern auf der Spur – die Haselmaus und ihre Verwandten» geht 2023 in eine neue Runde: Auf der 300 m2 grossen Museumsfläche können Interessierte den Spuren von Haselmäusen, Sieben- und Gartenschläfern folgen, die sich in Brombeeren, im Schilf und im Wald verstecken. Auch hier ist Forscherinstinkt gefragt: mit dem Bau eines Spurtunnels im Rahmen der «Spurensuche Gartenschläfer» kann jede und jeder einen Beitrag zu Erforschung und Schutz von Kleinsäugern leisten. Kleine und grosse Besucherinnen und Besucher können zudem in die Rolle einer Haselmaus schlüpfen und erfahren, wo und wie sie lebt. Der Rundgang vermittelt viele Tipps, wie man die Artenvielfalt und den Lebensraum der kleinen Nager fördern kann.

Eine neue Ausstellung im Freien und Aktivitäten für die ganze Familie

Eine Fotoausstellung im Freien beschäftigt sich mit der Tradition und dem althergebrachten Wissen rund um den Bau von Trockenmauern, die als strategische Kleinstrukturen für die Biodiversität dienen. Christiane Yvelin hat diese Bauten, die den Jurabogen prägen, mit grossem Talent und viel Leidenschaft fotografiert.

Zahlreiche Workshops, Animationen, Schulungen und Veranstaltungen runden das Programm für die Saison 2023 ab. Dazu zählen unter anderem der Setzlingsmarkt am 13. Mai, die Museumsnacht am 27. Mai oder auch das traditionelle Familienfest am 27. August. In Workshops lernen Interessierte die Grundlagen der Lacto-Fermentation kennen,  oder erfahren, wie man Apfelsaft und Cidre herstellt. Naturbegeisterte haben die Möglichkeit, sich auf die Spuren von Haselmaus, Gartenschläfer und Co. zu begeben oder mit einem Ornithologen die Vögel in der Grande Cariçaie zu beobachten.

Die Saison dauert von Samstag, 18. März bis Sonntag, 29. Oktober 2023. Das Zentrum ist jeweils von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen auch am Montag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.  

Weitere Informationen:

Saisonprogramm mit allen Veranstaltungen und Ausstellungen

Kontakt:

  • Ariane Derron, stellvertretende Zentrumsleiterin, 024 423 35 73, @email 

 

Eine farbenfrohe Saison mit vier Kunstausstellungen
Die Ausstellung des Atelier CREAHM ist ein fantastischer Start in die neue Kunstsaison. Sechs Künstlerinnen und Künstler thematisieren die Zerbrechlichkeit von Pflanzen, ihre Üppigkeit, Vielfalt und Schönheit auf ungewohnte Weise. Als zweites Highlight folgt die Fotoausstellung «Le faucon de l'espoir» (Der Falke der Hoffnung) von Benoît Renevey. Im Sommer steht eine eindrückliche Ausstellung zum Thema Klima mit Bildern von Luka Tomac auf dem Programm. Mit einer Ausstellung mit Gemälden und Drucken von Laurent Willenegger und Pierre Baumgart wird die Saison mit einer geheimnisvollen und wilden Note abgeschlossen.
Die Saisoneröffnung und Vernissage der CREAHM-Ausstellung findet am Freitag, 17. März um 18 Uhr statt.

Massgeschneiderte Angebote für Schulen
Die Naturanimationen, die vom Zentrum angeboten werden, wecken bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an den Wundern der Natur. Mit ihren vielfältigen pädagogischen Ansätzen und dem Fokus auf Beobachten und Spielen bieten diese Aktivitäten jungen Menschen die Möglichkeit, durch eindrückliche Erlebnisse und Emotionen zu lernen. Für Lehrpersonen werden diverse Fortbildungen angeboten, damit sie mit ihren Schülerinnen und Schülern Themen wie Vögel oder Wald behandeln können.

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Die Saison dauert von Samstag, 18. März bis Sonntag, 29. Oktober 2023. Das Zentrum ist jeweils von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen auch am Montag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Headerbild: © Raphael Dupertuis

Exposition à Champ-Pittet
15.03.2023

Nouvel espace pour scientifiques en herbe au Centre Pro Natura de Champ-Pittet

Le Centre Pro Natura de Champ-Pittet ouvre sa saison 2023 le 18 mars avec trois nouveautés. Un laboratoire écologique rénové accueille désormais les scientifiques en herbe. La première exposition artistique «Sage herbier, herbes folles», présente les œuvres des artistes de l’atelier d’art différencié CREAHM à Fribourg. Une exposition de photographies en extérieur met en avant le savoir-faire ancestral de la construction de murs en pierres sèches.

Le laboratoire écologique rénové permet aux visiteurs avides de découvertes de se mettre dans la peau d’un-e scientifique et d’expérimenter la nature. Petits et grands pourront observer les invertébrés du marais à l’aide de binoculaires, écouter les sons des insectes des prairies fleuries ou découvrir la forêt de manière ludique. L’exposition «Petites boules de poils autour du marais, le muscardin et ses cousins» signe pour une deuxième année: sur 300 m2 d’espace muséal, petits et grands partent sur les traces des micromammifères cachés dans les ronces, les roseaux et la forêt. Dans la peau du muscardin, le visiteur en apprend plus sur son mode de vie et son habitat. La visite donne des astuces pour favoriser la biodiversité et l’habitat des micromammifères. Les visiteurs poursuivent leur visite en extérieur. Ils suivent les indices laissés par le muscardin ou réalisent l’activité de science participative «Sur les traces du lérot» proposée par Pro Natura. Cette action permet de cartographier l’animal dans toute la Suisse à l’aide de tunnels à empreintes bricolés et posés par chacun.

Une nouvelle exposition en extérieur et un programme d’activités pour toute la famille

Une exposition de photographies en extérieur met en avant le savoir-faire ancestral de la construction de murs en pierres sèches, structures stratégiques pour la biodiversité. Christiane Yvelin photographie avec talent et passion ces constructions qui façonnent l’Arc jurassien. 
De nombreux ateliers, animations, formations et événements viennent compléter le programme de la saison 2023, comme le marché aux plantons le 13 mai ou la Nuit des musées le 27 mai. La traditionnelle Fête des familles se déroulera le 27 août. Des ateliers permettront de s’initier aux bases de la lactofermentation ou à la fabrication de cidre artisanal. Les passionnés de nature pourront partir sur les traces des micromammifères ou observer les oiseaux de la Grande Cariçaie avec un ornithologue.

Le centre est ouvert du samedi 18 mars au dimanche 29 octobre 2023, du mardi au dimanche ainsi que les lundis fériés, de 10 h à 17 h 30.

Pour toute information:

  • Thierry Pellet, directeur, 024 423 35 72, 079 459 10 82 (seulement pour les médias)

Événements et expositions:

pronatura-champ-pittet.ch/fr/agenda
 

Saison haute en couleur avec quatre expositions artistiques
Avec l’atelier d’art différencié CREAHM, la saison artistique débute en beauté. Six artistes évoquent de façon audacieuse la fragilité des végétaux, leur exubérance et leur diversité. La saison se poursuivra avec l’exposition de photographies: « Le faucon de l’espoir », proposée par Benoît Renevey. Pendant l’été, une exposition engagée sur le thème du climat présentera les images de Luka Tomac. L’exposition de peintures et de gravures de Laurent Willenegger et Pierre Baumgart terminera la saison sur une note mystérieuse et sauvage. 
Le vernissage de la saison et de l’exposition d’art différencié aura lieu vendredi 17 mars à 18 h.

Offres clés en main pour les écoles 
Les animations nature proposées par le centre éveillent les enfants et adolescents aux merveilles de la nature. En diversifiant les approches pédagogiques et en misant sur l’observation et le jeu, ces activités donnent aux jeunes l’occasion d’apprendre par le vécu et les émotions. Des formations continues sont proposées aux enseignants pour leur permettre d’étudier des thématiques telles que les oiseaux ou la forêt avec leurs élèves.

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Le centre est ouvert du samedi 18 mars au dimanche 29 octobre 2023, du mardi au dimanche ainsi que les lundis fériés, de 10 h à 17 h 30

Photo: © Raphael Dupertuis

Symbolbild Solarenergie
15.03.2023 Biodiversitätskrise

Nationalrat gefährdet mit verantwortungslosen Abstrichen am Naturschutz die Vorlage mitsamt dem kräftigen Ausbau der Erneuerbaren

Ambitionierte Ausbauziele und Massnahmen, vor allem bei der Solarenergie; Vorgaben und Anreize für mehr Energieeffizienz; Solarstandard auf Neu- und Umbauten sowie grossen Parkplätzen: Diese für eine sichere und umweltverträgliche Stromversorgung äusserst wichtigen Pflöcke hat der Nationalrat bei der Beratung des Mantelerlasses eingeschlagen. Er riskiert diese Errungenschaften allerdings durch schädliche und unnötige Abstriche am Naturschutz. Namentlich beim Restwasser

Der Nationalrat bestätigt die ambitionierten Ausbauziele des Ständerates für neue Erneuerbare. Bis 2035 soll die jährliche Stromproduktion aus diesen Energiequellen 35’000 GWh, bis 2050 45’000 GWh betragen. Um diese Ziele zu erreichen, hat die grosse Kammer unter anderem einen Photovoltaik-Standard für Gebäude verabschiedet. Dieser geht in die richtige Richtung. Dass er nur noch für Neu- und Umbauten gilt, nicht mehr aber für grosse Bestandesbauten, ist sehr bedauerlich. Mit der Mindestvergütung für kleine Solaranlagen wird dieser PV-Standard für Hauseigentümer:innen sozialverträglich abgefedert und der notwendige Ausbau der Solarenergie massiv beschleunigt. Auch hat sich der Nationalrat für die Überdachung von grossen Aussenparkplätzen mit Photovoltaik ausgesprochen. Obwohl sich auch hier nur eine abgespeckte Version durchsetzen konnte, ist die Nutzung dieser bereits versiegelten Flächen begrüssenswert. 

Mit der Bestätigung der gleitenden Marktprämie sorgt der Nationalrat zudem dafür, dass möglichst viele Investor:innen in den Ausbau neuer Produktionsanlagen investieren. Schliesslich ist es sehr erfreulich, dass sich der Nationalrat klar für mehr Effizienz ausgesprochen hat, denn das Einsparpotential ist riesig. Das nun vorliegende Instrument mit der Schaffung eines Effizienzdienstleistungsmarktes verpflichtet die Elektrizitätsunternehmen, Effizienzsteigerungen zu erbringen. Diese und weitere Massnahmen würden es erlauben, den notwendigen Zubau der Erneuerbaren stark zu beschleunigen. 

Korrektur insbesondere bei Restwasser nötig  

Diesen für den Ausbau zentralen Massnahmen stehen Abstriche beim Naturschutz entgegen, welche für den raschen Zubau der Stromproduktion unnötig sind, die zugleich aber die gesamte Vorlage gefährden:

So hat der Nationalrat in einer äusserst knappen Abstimmung beschlossen, einen Teil des Gewässerschutzgesetzes betreffend minimaler Restwassermengen bei Neukonzessionierungen bis mindestens 2035 ausser Kraft zu setzen. Dieser Angriff auf das Restwasser ist komplett verantwortungslos. Denn der Druck auf die Gewässer nimmt mit der Klimakrise noch zu und bereits heute stehen über 65 Prozent aller Fischarten auf der Roten Liste. Auch für  die Energiesicherheit ist es unnötig, denn es geht dabei nur um vergleichbar wenig Strom: Alleine zwischen März und Juni in diesem Jahr wird mehr Strom durch Photovoltaik zugebaut, wie die Sistierung bis 2035 insgesamt bringt. 

Weiter hat der Nationalrat entschieden, dass bei Eingriffen in Landschaften des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) künftig keine Schutz-, Wiederherstellungs-, Ersatz- oder Ausgleichsmassnahmen mehr geleistet werden müssen. Diese Massnahmen sind für die Energieproduktion nicht entscheidend, tragen aber dazu bei, Beeinträchtigungen unserer natürlichen Ressourcen und der Landschaft zu vermeiden oder zu begrenzen. 

Die Umweltverbände erwarten vom Ständerat, die Vorlage mit Verbesserungen für die Biodiversität, insbesondere beim Restwasser, ins Gleichgewicht zu bringen. 

Kontakt:

  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, 061 317 92 29, @email
  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsbeauftragter, 079 241 60 57, @email
  • Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte, 079 785 07 38, [email protected]
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, ‭076 308 66 84‬, @email‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬
  • Schweizerische Energie-Stiftung: Nils Epprecht, Geschäftsführer, 044 275 21 25, [email protected] 

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Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz

Titelbild © Angela Peter

Image symbolique énergie solaire
15.03.2023 Crise de la biodiversité

En amputant de manière irresponsable la protection de la nature, le conseil national met en péril le projet, y compris le développement marqué des énergies renouvelables

Mesures et objectifs de développement ambitieux, en premier lieu dans le domaine de l’énergie solaire; prescriptions et incitations en matière d’efficacité énergétique; panneaux solaires sur les bâtiments neufs et rénovés; grands parkings: le Conseil national a posé des jalons extrêmement importants pour un approvisionnement en électricité sûr et respectueux de l’environnement. Il risque néanmoins d’anéantir ces victoires d’étape en amputant inutilement et gravement la protection de la nature et tout particulièrement celle des débits résiduels.

Le Conseil national a confirmé les objectifs de développement ambitieux du Conseil des Etats pour les nouvelles énergies renouvelables. Jusqu’en 2035, la production d’électricité annuelle de ces sources d’énergie doit atteindre 35 000 GWh, puis 45 000 GWh jusqu’en 2050. Pour réaliser ces objectifs, la chambre du peuple a, entre autres, approuvé une norme photovoltaïque pour les bâtiments. Cette décision est un pas dans la bonne direction. Elle ne s’applique toutefois qu’aux bâtiments neufs et rénovés, et pas aux grands bâtiments existants, ce qui est vivement regrettable. La rétribution minimale pour les petites installations photovoltaïques atténue les conséquences de cette norme pour les propriétaires fonciers de manière socialement acceptable, tandis que le développement de l’énergie solaire s’accélère massivement. Le Conseil national s’est aussi prononcé en faveur de la couverture des grands parkings extérieurs par des panneaux photovoltaïques. Bien que la version qui s’est imposée ait subi une cure d’amaigrissement, l’utilisation de ces surfaces déjà imperméabilisées est louable. 

Avec la confirmation de la prime de marché flottante, la chambre du peuple fait en sorte qu’un nombre aussi important que possible de personnes puisse investir dans le développement de nouvelles installations de production. Il est aussi réjouissant que le Conseil national se soit clairement prononcé pour davantage d’efficacité, un domaine où le potentiel d’économies est immense. La création d’un marché des services d’efficacité est un instrument qui oblige les entreprises électriques à faire des progrès concrets dans ce domaine. Cette mesure et d’autres devraient permettre d’accélérer fortement le développement des énergies renouvelables. 

Corrections indispensables, en particulier en ce qui concerne les débits résiduels  

Ces mesures essentielles pour le développement sont entravées par des réductions de la protection de la nature qui sont inutiles pour le développement rapide de la production d'électricité et qui mettent en danger l'ensemble du projet:

Le Conseil national a décidé, à l’issue d’un vote extrêmement serré, de suspendre une partie de la loi sur la protection des eaux jusqu’en 2035 au moins, à savoir les dispositions s’appliquant aux débits résiduels minimaux lors de l’octroi de nouvelles concessions. Cette attaque contre les débits résiduels est irresponsable. En effet, la pression sur les cours d’eau s’accroît encore avec la crise climatique alors que plus de 65% de toutes les espèces de poissons sont déjà sur liste rouge. Pour la sécurité énergétique, il n’est pas nécessaire de prendre une telle mesure, la quantité de courant ainsi produite étant comparativement faible: rien qu’entre mars et juin de cette année, le développement du photovoltaïque permettra de produire plus de courant que ce que la suspension décidée par le Conseil national permettra d’obtenir d’ici 2035. 

Par ailleurs, le Conseil national a décidé qu'à l'avenir, les atteintes aux paysages inscrits à l’Inventaire fédéral des paysages, sites et monuments naturels d'importance nationale (IFP) ne devront plus faire l'objet de mesures de protection, de reconstitution, de remplacement ou de compensation. Ces dernières ne sont pas décisives pour la production d'énergie, mais contribuent à éviter ou à limiter les atteintes à nos ressources naturelles et à nos paysages. 

Les organisations environnementales attendent du Conseil des Etats qu'il équilibre le projet par des améliorations en faveur de la biodiversité, notamment en ce qui concerne les débits résiduels.

Contacts: 

  • WWF Suisse : Cédric Jacot-Guillarmod, porte-parole WWF Romandie, 079 445 87 79, @email
  • Pro Natura : Stella Jegher, cheffe de la division Politique et affaires internationales, 079 411 35 49, @email 
  • Greenpeace Suisse : Mathias Schlegel, porte-parole, 079 794 61 23, @email
  • Bird Life Suisse : Raffael Ayé, directeur, 076 308 66 84, @email
  • Fondation suisse de l’énergie (SES) : Nils Epprecht, directeur, 044 275 21 25, @email

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Communiqué de presse commun de l'Alliance-Environnement

Image de couverture © Angela Peter

Nahaufnahme einer Eichenstabflechte
20.03.2023 Artenschutz

Angewiesen auf alte Eichen

Flechten sind Doppelwesen aus Pilzen und einzelligen Grünalgen oder Blaualgen (Cyanobakterien), die jeweils in einer Symbiose zusammenleben.

Der Algenpartner (Fotobiont) betreibt Fotosynthese und versorgt sich und den Pilzpartner (Mycobiont) mit Kohlenhydraten. Im ­Gegenzug versorgt der Pilz die Flechte mit Wasser und mineralischen Nähr­stoffen und bietet der Alge Schutz vor zu inten­siver Sonnenstrahlung und algen­fressenden Tieren.

Die Eichenstabflechte (Bactrospora dryina), eine von über 1700 in der Schweiz vorkommenden Flechtenarten, gehört gemäss Roter Liste der gefährdeten baum- und erdbewohnenden Flechten der Schweiz aus dem Jahr 2002 zu den ­verletzlichen Arten. Sie kommt in ­tiefen Lagen nördlich der Alpen vor und zählt wegen ihrer Wuchsform zu den ­Krustenflechten. Der Symbiosepartner des Pilzes ist eine Grünalge der Gattung ­Trentepohlia. Die Eichenstabflechte lebt auf der überhängenden Seite von geneigten Stämmen alter Stiel- und Trauben­eichen mit tief-rissiger Borke in südlicher oder östlicher Exposition. So ist sie ­geschützt vor direktem Niederschlag wie Schnee, Regen oder Hagel, der in der ­Regel von Westen kommt. Die Eichenstabflechte lässt die Borke weiss erscheinen. Die schwarzen Punkte stammen von den Fruchtkörpern des Pilzes.

Wegen ihres nur langsamen Wachstums und kleinräumigen Ausbreitungspoten­zials wurde in einem Projekt im Kanton Zug mittels Transplantation versucht, die Flechtenart auszubreiten. Im Gebiet Zollischlag, wo bereits 42 Eichenstämme von der Eichenstabflechte besiedelt waren, wurde an einer absterbenden Eiche Flechtenmaterial gesammelt und samt Borkenstücken an unbesiedelte Bäume geklebt. Die Mehrheit der Transplantate hat an den regengeschützten Stammseiten, wo die Flechte ja auch natürlicherweise wachsen würde, zwei Jahre überlebt. Ob sie sich am neuen Standort auch ausbreitet, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Sabine Mari, Projektleiterin Ratgeber.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Bactrospora dryina
27.03.2023 Protection des espèces

Tributaires des vieux chênes

Le lichen est un organisme dit symbiotique, car il est composé de deux organismes qui tirent profit l’un de l’autre. Ce phénomène s’appelle la symbiose.

La base du lichen est un champignon, l’autre organisme est une algue verte ou une cyanobactérie. L’algue (le photobionte) effectue la photosynthèse et produit des hydrates de carbone – autrement dit du sucre – pour elle-même et pour son partenaire (le mycobionte). En échange, le champignon assure l’approvisionnement du lichen en eau et en éléments nutritifs minéraux, et protège l’algue contre le rayonnement solaire et contre les animaux algivores.

Le lichen Bactrospora dryina, un membre de la famille des lichens crustacés, fait partie des 1 700 espèces de lichen présentes en Suisse. Il figure comme espèce vulnérable sur la « Liste rouge des espèces menacées en Suisse : Lichens épiphytes et terricoles » de 2002. On le trouve au nord des Alpes, à basse altitude.

Le partenaire symbiotique du champignon est l’algue verte du genre Trentepohlia. Le lichen Bactrospora dryina pousse généralement sur la face inclinée des troncs de vieux chênes pédonculés et rouvres, dont l’écorce est profondément crevassée, exposés au sud ou à l’est. Ainsi, il est protégé des précipitations directes (pluie, neige, grêle) qui viennent généralement de l’ouest. Là où il pousse, il fait paraître l’écorce de couleur blanche. Les points noirs sont les corps fructifères du champignon.

Etant donné la lente croissance et le potentiel de propagation limité de cette espèce de lichen, un projet de transplantation a été initié dans le canton de Zoug. Dans le Zollischlag – la forêt de feuillus de la plaine de la Reuss – le lichen Bactrospora dryina a déjà colonisé 42 chênes. Là, des fragments d’écorce avec du lichen ont été recueillis sur un arbre mourant pour être collés sur des arbres non colonisés. La majorité des transplants ont survécu durant les deux ans de la période d’observation, mais uniquement sur les faces protégées de la pluie, là où le lichen aurait poussé naturellement. Il faudra attendre encore quelques années pour voir s’il arrivera à s’y développer.

SABINE MARI, Service conseils Pro Natura.

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

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Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet
20.03.2023 Klimakrise

Die Schweiz im Klimawandel

Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, er ist schon heute sicht- und spürbar. Gegenmassnahmen sind dringend, und deshalb empfiehlt Pro Natura ein Ja zum Klimaschutzgesetz.

7,4  Grad. So warm war es durchschnittlich in der Schweiz im Jahr 2022. Das ist Rekord – und zwar deutlich: Um rund 0,5 Grad wurde das bisher heisseste gemessene Jahr (2018) überboten. Und: Noch nie wurde in der Schweiz eine so dramatische ­Gletscherschmelze gemessen wie im Sommer 2022. Mehr als sechs Prozent ihres Volumens (total 3 km3) haben die Schweizer Gletscher verloren, fast dreimal so viel wie in einem Durchschnittsjahr der letzten Dekade.

Und kaum hat das neue Jahr begonnen, purzeln die Rekorde von Neuem. Zum ersten Mal seit Messbeginn sind auf der Alpen­nordseite im Januar über 20 Grad gemessen worden – Bilder von grün-matschigen ­Schweizer Ski- und Langlaufgebieten gingen um die Welt. Die Rekordwerte reihen sich ein in Langzeitentwicklungen, die ganz klar zeigen: Die Klimaerwärmung nimmt Tempo auf, die Krise verschärft sich.

Umso erstaunlicher ist es, dass rechtskonser­vative Politikerinnen und Politiker weiterhin die Augen ­verschliessen und das neue Klimaschutzgesetz (Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative) per Referendum bekämpfen. Mitten im rekordwarmen Januar gab die SVP bekannt, dass sie die nötigen Unterschriften beisammen hat. Das Klimaschutzgesetz strebt die notwendige Dekarbonisierung an und gibt den Weg zum ­«Netto-Null-Ziel» bis im Jahr 2050 vor. Zur Abstimmung kommt es am 18. Juni 2023.

Die Schweiz erwärmt sich überdurchschnittlich stark 
Global waren die letzten zehn Jahre 1,1 °C (Landfläche 1,6° C) wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt (1871–1900). Das globale Temperaturmittel ist heute so hoch wie noch nie in den vergangenen 2000 Jahren, sehr wahrscheinlich sogar seit 125 000 Jahren. Die Schweiz hat sich – wie alle Landmassen in den mittleren nördlichen Breiten – überdurchschnittlich stark erwärmt: Hier waren die letzte zehn Jahre ­sogar 2,5 °C wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt. Seit den 1960er-Jahren war jedes Jahrzehnt bei uns wärmer als das vorherige. Und dabei dürfte es nicht bleiben, wie die Klimaszenarien 2018 des Bundes zeigen: Bei ungebremst steigenden Treibhausgasemissionen kann die Jahresmitteltemperatur bis 2060 um weitere 4,8 °C und bis Ende Jahrhundert um bis zu 6,9 °C steigen (gegenüber dem vor­industriellen Durchschnitt). 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Abweichungen der Jahresmitteltemperatur vom vorindustriellen Durchschnitt:

Abweichungen Jahrestemperaturen Grafik Robin Hübscher
© Robin Hübscher

Die Nordschweiz wird mediterran

Künstliche Sandstrände, Palmen auf Balkonen, nächtlicher Betrieb auf Plätzen und Strassen: Was beim Lebensstil zu beobachten ist, zeigt sich auch beim Blick aufs Thermometer: Die Nordschweiz wird zunehmend mediterran. Basel etwa weist heute jene Jahresmittel- und Sommertemperaturen aus, die in Locarno Mitte der 1970er-Jahre registriert wurden. Neben den angenehmen Effekten bringt der Klimawandel aber auch negative Folgen für die Nordschweiz: häufigere und längere Hitzewellen und Trockenperioden sowie vermehrt auftretende Starkregen und Hochwasser.

Palmenblatt Suzana Mijailovic

Mehr Hitzetage 

Noch erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen sind in der Schweiz die Höchsttemperaturen gestiegen. Hitzewellen ­sowie heisse Tage und Nächte wurden in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger, wie das Beispiel Lugano zeigt. Während in den 1960ern und 1970ern kaum je Tage mit Maximaltemperaturen von mindestens 30 Grad gemessen wurden, sind es inzwischen schon um die 20 Hitzetage pro Jahr. Betroffen sind aber auch die Gebiete nördlich der Alpen, insbesondere die Städte mit ihren vielen ver­siegelten Flächen. Berechnungen zeigen, dass ohne vehementen Klimaschutz die Zahl der Hitzetage bis 2060 stark zunehmen wird: In Genf etwa von 15 (mittlerer Wert 1981–2010) auf 39, in Zürich von 5 auf 21 und in Luzern von 6 auf 22.

Rasante Gletscherschmelze

 

Gletschervolumen (km²) 1931
Gletschervolumen (km²) 2022
Gletschervolumen (km²) 2100

Die Schweizer Gletscher erreichten ihre grösste Ausdehnung während der kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Die gesamte Gletscherfläche betrug ­damals 1735 km2 – exakt die Grösse des Kantons Zürich. ­Seither haben die Gletscher massiv an Fläche und Volumen verloren: 2016 war nur noch die Hälfte des Volumens übrig. Und von 2016 bis heute – also in nur sechs Jahren – haben die Gletscher zusätzlich rund 12 Prozent Volumen eingebüsst. Gemäss einer Studie von ETH und WSL wird bis im Jahr 2050 die Hälfte der verbliebenen Gletschermasse verloren ­gehen. Bis zum Ende des Jahrhunderts dürften gar 90 Prozent der heutigen Eismasse verschwinden – falls sich das Klima weiter wie bisher erwärmt. Mit starkem ­Klimaschutz würden «nur» zwei Drittel der Eismasse verloren gehen.

Der «Alpenleim» löst sich auf

Unter Permafrost versteht man Boden, Schutthalden oder Felswände, die dauerhaft Temperaturen ­unter 0 °C aufweisen. In der Schweiz findet man auf etwa 5 Prozent der Landesfläche Permafrost, vor allem in den hohen Lagen im Wallis und in Südbünden. Er kann bis in Tiefen von 80 Meter vordringen und stabilisiert die Hänge: Je kälter er ist, desto höher ist die Hangstabilität. Mit einsetzender Erwärmung wird das ­Eis-­Fels-Gemisch «weicher», es beginnt sich zu deformieren und bietet dem Wasser Eintrittsmöglichkeiten. Messungen zeigen, dass die Permafrosttemperaturen in den letzten 20 Jahren an allen 15 Beobachtungsstandorten der Schweiz angestiegen sind. Am Stockhorn bei Zermatt etwa oder in Murtèl-Corvatsch (GR) nahmen sie in 20 m Tiefe um rund 0,5 °C zu. Das scheint wenig, doch eine «kleine» Erwärmung kann schwerwiegende Folgen haben: Hänge werden nicht erst beim Überschreiten der 0 °C-Marke deutlich instabiler, sondern bereits bei Werten um –2 °C.

 

Dünnere Schneedecken

Die steigenden Temperaturen und der Rückgang der Niederschläge im Winter wirken sich auf die Schneebedeckung der Alpen aus. Eine Langzeitstudie zeigt, dass in den Alpen vor allem unterhalb von 2000 Metern heute deutlich weniger Schnee liegt als noch vor 50 Jahren, im Frühling in allen Höhenlagen. Die ­mittlere Schneehöhe von November bis Mai ist seit 1971 pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen – besonders stark in tiefen Lagen. Gemäss MeteoSchweiz könnte die Schneedecke in Höhenlagen über 1500 m. ü. M bis im Jahr 2060 um 30–50 Prozent abnehmen (gegenüber 2020), unterhalb von 1000 m. ü. M. gar um 80 Prozent. Bei Ein­haltung des Pariser Abkommens würden die Aus­wirkungen bis 2060 nur etwa halb so stark ausfallen.

Greina Hochebene Raphael Weber

Kürzere Schneesaison

In den letzten 50 Jahren nahm die durchschnittliche Dauer der Schneebedeckung alpenweit im Schnitt um 5,6 Prozent pro Dekade ab. Besonders stark betroffen sind die Lagen unterhalb von 2000 m. ü. M – dort verkürzte sich die Schneesaison seit 1971 um rund ­einen Monat. Aber auch in den höheren Lagen, wo im Hochwinter noch keine Schneeverluste festzustellen sind, ist die Schneesaison heute kürzer, vor allem aufgrund der starken Frühlingsschmelze. In den Schweizer Alpen beginnt die Schneesaison heute im Durchschnitt 12 Tage später und endet rund 25 Tage früher als 1971. Und sie dürfte bis im Jahr 2100 nochmals um 2–5 Wochen später beginnen und um 2–11 Wochen früher enden als heute (je nach Höhenlage) – wenn die Treibhausgasemissionen weitergehen wie bisher.

Von Nicolas Gattlen

Gorner Grenzgletscher
Gemeinsam für mehr Natur
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Alpes bernoises
29.03.2023 Crise climatique

La Suisse face au dérèglement climatique

Le changement climatique n’est pas un scénario d’avenir, il est visible et perceptible aujourd’hui. Des mesures correctives sont urgentes. C’est pourquoi Pro Natura recommande le oui à la loi sur la protection du climat.

7,4 degrés. C’est la température moyenne qu’il a fait en Suisse en 2022. C’est un record, et de loin: l’année la plus chaude jamais mesurée (2018) a été dépassée d’environ 0,5 degré. Pire: jamais encore une fonte des glaciers aussi dramatique que celle de l’été 2022 n’avait été constatée en Suisse. Les glaciers suisses ont perdu plus de 6% de leur volume (3 km3 au total), soit presque trois fois plus que lors d’une année moyenne de la dernière décennie.

Et à peine la nouvelle année a-t-elle commencé que de nouveaux records sont à nouveau battus. Pour la première fois depuis le début des mesures, plus de 20 degrés ont été mesurés au nord des Alpes en janvier. Et juste avant que la neige finisse par tomber, les images de nos pistes de ski verdâtres et boueuses ont fait le tour du monde. Ces valeurs records s’inscrivent dans une évolution à long terme qui montre très clairement une accélération du réchauffement climatique et une aggravation de la crise.

On ne comprend donc pas très bien pourquoi la nouvelle loi sur la protection du climat (contre-projet à l’Initiative pour les glaciers) est combattue par référendum par la droite conservatrice. En plein mois de janvier, qui a battu tous les records de chaleur, l’UDC a annoncé qu’elle avait réuni les signatures nécessaires. Cette loi vise la décarbonisation de la société et indique la voie à suivre pour atteindre l’objectif de «zéro émission nette» d’ici 2050. Elle sera soumise au vote le 18 juin 2023.

La Suisse se réchauffe plus que la moyenne
À l’échelle mondiale, les dix dernières années ont été 1,1°C (surface terrestre 1,6°C) plus chaudes que la moyenne préindustrielle (1871-1900). La moyenne globale des températures est aujourd’hui plus élevée que jamais au cours des 2000 dernières années, très probablement même depuis 125 000 ans. La Suisse – comme toutes les masses terrestres situées aux latitudes nord moyennes – s’est réchauffée plus que la moyenne: ici, les dix dernières années ont même été 2,4°C plus chaudes que la moyenne préindustrielle. Depuis les années 1960, chaque décennie a été plus chaude que la précédente. Et cela ne devrait pas s’arrêter là, comme le montrent les scénarios climatiques 2018 de la Confédération: si les émissions de gaz à effet de serre continuent d’augmenter, la température moyenne annuelle pourrait s’élever de 3,3°C supplémentaires d’ici à 2060 et jusqu’à 5,4°C d’ici à la fin du siècle (par rapport à la situation de 1981-2010).

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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.

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Écart de la température moyenne annuelle par rapport à la moyenne préindustrielle:

Température annuelle Robin Hübscher
© Robin Hübscher

Le nord de la Suisse: méditerranéen?

Plages de sable artificielles, palmiers sur les balcons, animation nocturne sur les places et dans les rues: ce que l’on observe au niveau du style de vie, on le constate également en regardant le thermomètre. Le nord de la Suisse devient de plus en plus méditerranéen. Bâle, par exemple, affiche aujourd’hui les températures moyennes annuelles et estivales qui étaient enregistrées à Locarno au milieu des années 1970. Outre ces effets semblant agréables, le dérèglement climatique a des conséquences négatives pour le nord de la Suisse: des vagues de chaleur et des périodes de sécheresse plus fréquentes et plus longues, ainsi qu’une augmentation des fortes pluies et des inondations.

Palmenblatt Suzana Mijailovic

Davantage de jours de canicule

En Suisse, les températures maximales ont augmenté encore plus fortement que les températures moyennes. Les vagues de chaleur ainsi que les journées et les nuits chaudes sont devenues nettement plus fréquentes au cours des dernières décennies, comme le montre l’exemple de Lugano. Alors que dans les années 1960 et 1970, on ne mesurait pratiquement pas de jours avec des températures maximales d’au moins 30 degrés (canicule), on compte aujourd’hui déjà environ 20 jours de canicule par an. Les régions situées au nord des Alpes sont également touchées, notamment les villes avec leurs nombreux ilots de chaleur. Les calculs montrent que sans une protection efficace du climat, le nombre de jours de canicule augmentera fortement d’ici à 2060: à Genève, par exemple, il passera de 15 (valeur moyenne 1981-2010) à 39, à Zurich de 5 à 21 et à Lugano de 8 à 31.

Fonte rapide des glaciers

Volume des glaciers (km²) 1931
Volume des glaciers (km²) 2022
Volume des glaciers (km²) 2100

Les glaciers suisses ont atteint leur plus grande extension pendant le petit âge glaciaire, vers 1850. La surface totale des glaciers était alors de 1735 km2, soit la taille du canton de Zurich. Depuis, les glaciers ont considérablement perdu en surface et en volume: en 2016, il ne restait plus que la moitié de leur volume. Et de 2016 à aujourd’hui – en seulement six ans – les glaciers ont perdu environ 12% supplémentaires de leur masse. Selon une étude de l’EPF et du WSL, la moitié de la masse restante des glaciers sera perdue d’ici 2050. D’ici à la fin du siècle, 90% de la masse de glace actuelle devrait même disparaître si le climat continue à se réchauffer au rythme actuel. Avec une forte protection du climat, «seuls» deux tiers de la masse glaciaire disparaîtraient.

Le ciment des Alpes se dissout

Par permafrost, on entend le sol, les éboulis ou les parois rocheuses dont la température reste durablement inférieure à 0°C. 5% de la surface du pays est concernée, surtout en haute altitude en Valais et dans le sud des Grisons. Il peut atteindre une profondeur de 80 mètres et stabilise les versants: plus il est froid, plus la stabilité des pentes est élevée. Le réchauffement a un effet sur le mélange glace-roche qui devient plus «mou», se déforme et permet à l’eau de s’immiscer. Des mesures montrent que les températures du permafrost ont augmenté au cours des vingt dernières années sur les 15 sites d’observation en Suisse. Au Stockhorn près de Zermatt, par exemple, ou à Murtèl-Corvatsch (GR), elles ont augmenté d’environ 0,5 degré à 20 mètres de profondeur. Cela semble peu, mais un «petit» réchauffement peut avoir de graves conséquences: les pentes deviennent déjà plus instables à partir de valeurs autour de -2°C.

Des couches de neige plus minces

La hausse des températures et la diminution des précipitations en hiver ont un impact sur la couverture neigeuse dans les Alpes. Une étude à long terme montre qu’en dessous de 2000 mètres, il y a aujourd’hui nettement moins de neige qu’il y a cinquante ans au printemps, et ce à toutes les altitudes. La hauteur moyenne de la neige entre novembre et mai a diminué en moyenne de 8,4% par décennie depuis 1971, de manière particulièrement marquée à basse altitude. Selon MétéoSuisse, le manteau neigeux pourrait diminuer de 30 à 50% d’ici 2060 (par rapport à 2020) à des altitudes supérieures à 1500 mètres, et même de 80% en dessous de 1000 mètres. Si l’accord de Paris était respecté, l’impact serait environ deux fois moins important d’ici 2060.

Greina Hochebene Raphael Weber

Une saison d’enneigement plus courte

Au cours des cinquante dernières années, la durée moyenne de la couverture neigeuse a diminué en moyenne de 5,6% par décennie dans l’ensemble des Alpes. Les zones situées en dessous de 2000 mètres d’altitude sont particulièrement touchées – la saison d’enneigement y a été raccourcie d’environ un mois depuis 1971. Même aux altitudes plus élevées, où l’on ne constate pas encore de pertes de neige en plein hiver, la saison d’enneigement est aujourd’hui plus courte, surtout en raison de la forte fonte printanière. Dans les Alpes suisses, la saison d’enneigement commence aujourd’hui en moyenne 12 jours plus tard et se termine environ 25 jours plus tôt qu’en 1971. Et d’ici 2100, elle devrait commencer 2 à 5 semaines plus tard et se terminer 2 à 11 semaines plus tôt qu’aujourd’hui (selon l’altitude), si les émissions de gaz à effet de serre se maintiennent dans les proportions actuelles.

Nicolas Gattlen, reporter pour le Magazine Pro Natura

Gorner Grenzgletscher
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Wald von oben
20.03.2023 Wald

Einfach ein Wald

Im Thurgau soll aus einem Nutzwald ein wilder Wald werden – ohne nichts zu tun, geht das allerdings nicht.

Der Burstel ist ein Wald. Aussergewöhnlich scheint hier nichts: Viele Nadel­bäume, ein paar Laubbäume, mehrere Quellen – und an diesem nasskalten Tag Mitte Januar viel Matsch unter einer ­dicken braunen Schicht Herbstlaub. Wie ein Wald im Thurgau halt so ist. Doch hier und da ist schon zu erkennen, was ­Markus Bürgisser sich erhofft. Der Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau weist auf ein steiles Stück ziemlich weit oben im Wald. Hier liegen Baumstämme kreuz und quer, wo sie eben gerade hingefallen sind, von Moos begrünt und langsam verrottend. «So wild soll der ­ganze Wald werden.»

Wie Wildnis entsteht

Aus einem Nutzwald einen Urwald zu machen, dass hatte der Biologe nicht von langer Hand geplant. Der Idee liegt ein Zufall zugrunde. «Im Amtsanzeiger las ich 2019 eine kurze Annonce, dass ein Wald zu verkaufen sei, fast 20 Hektaren», erzählt Bürgisser und er wusste einfach: Diesen Wald sollte Pro Natura kaufen. Und es klappte. 

Was aber macht man mit fast 20 Hektaren Wald? «Für mich war klar, dass das Projekt etwas mit Wildnis zu tun haben muss, wobei ich den Nationalpark im Hinterkopf hatte und das Prinzip des ­Prozessschutzes», sagt Markus Bürgisser. Die Begeisterung ist ihm anzuhören, ­während er einen rutschigen Hang hinunterhangelt, um eines der Highlights des Waldes zu zeigen: eine ungefasste Quelle. «So muss das aussehen», sagt er und scheint selber ein bisschen überrascht von der Schönheit des schlichten Ortes. 

Prozessschutz bedeutet vereinfacht gesagt, die Natur einfach Natur sein zu lassen. Sprich: Ein Baum wird nicht gefällt, er altert und stirbt irgendwann ab. Dabei entsteht Totholz, Pilze, Insekten oder Vögel finden neuen Lebensraum. Oder der Wind entwurzelt einen alten Baum, im Sturz reisst er andere Bäume mit und schafft so eine Lücke im Kronendach. Nun erreicht Sonnenlicht den ­Waldboden, neue Pflanzen wachsen und im besonnten Totholz siedeln sich Käfer und Pilze an. Und so weiter. Natürliche Prozesse eben.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Schutzgebiet Burstel
«Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass hier einmal Nichtstun angesagt ist.»
Markus Bürgisser, Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau.

Geduld bringt Wildnis

Ein paar Eingriffe gibt es aber noch, ­bevor der Wald einfach Wald sein darf. «Es ­existieren mehrere Wege durch den ­Burstel und einige wollen wir zuwachsen lassen.» Dafür wurden Informationstafeln aufgestellt, um Reiterinnen, Fussgänger und Velofahrer davon abzuhalten, die Wege weiter zu benutzen und ihnen zu erklären, dass dies geschieht, damit diese wieder der natürlichen Entwicklung des Waldes überlassen werden können. Auch sollen gezielt bestimmte Baumarten ­gefördert werden, indem etwa standortsfremde Fichten oder Douglasien gefällt werden, um den natürlich vorkommenden Bäumen Platz zu lassen.

Was genau im Burstel alles getan oder ­gelassen werden soll, hat übrigens nicht Pro Natura allein entschieden. In einer Umfrage konnten Interessierte mitreden. Denn ein so grosses Stück Wald einfach sich selbst zu überlassen und nichts zu machen, sind wir uns Menschen nicht ­gewohnt. Ein spannendes Experiment, dessen Ausgang noch Jahre in der ­Zukunft liegt.

Mittlerweile steht das Konzept für den Burstel, jetzt braucht es vor allem eines: Geduld. «Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass hier für einmal Nichtstun angesagt ist», sagt Markus Bürgisser und inspiziert einen grossen Ast, der auf ­einen Weg gefallen ist – und der dort auch liegen bleiben darf.

Bettina Epper, Redaktionsleiterin, Pro Natura Magazin

Schutzgebiet Burstel
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