Progetti
Neue Heimat für Zauneidechse, Hermelin und Mauswiesel
Wie der korrekte Elektrozaun vor dem Wolf schützt
Ein Wolf gelangt in eine Schafherde und reisst die Tiere – die Horrorvorstellung für jeden Hirt und jede Hirtin. Entsprechend wichtig ist der Schutz. Dabei setzen die meisten in erster Linie auf Herdenschutzhunde oder Zäune. Wenn Hunde nicht eingesetzt werden können, wird der Schutz durch elektrische Zäune umso wichtiger.
Nur weil der Zaun unter Strom steht, nützt er noch nicht
Damit die Zäune beim Wolf aber auch von Nutzen sind, müssen sie einige Anforderungen erfüllen. Zentral ist der sorgfältige Unterhalt – sie müssen einwandfrei funktionieren. Deshalb hat die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea sechs Kurzvideos mit Informationen und Tipps für Landwirte, Nutztierhalterinnen, landwirtschaftliche Berater und Schulen produziert. Pro Natura unterstützte Agridea fachlich und finanziell.
Wölfe sind intelligente, lernfähige Tiere. Studien von Agridea zeigen eindrucksvoll, wie die Tiere die Herdenzäune kontrollieren und auf Schwachstellen untersuchen. Dabei konnte Agridea auch mit einem weitverbreiteten Ammenmärchen aufräumen: Wölfe springen kaum über Zäune. Vielmehr versuchen sie, durch den Zaun hindurch zu schlüpfen oder sich unter dem Zaun durchzuzwängen. Ein funktionierender Zaun unterbindet dies rasch mit einem Stromschlag.
Friedliches Miteinander von Mensch und Grossraubtier: Pro Natura zeigt wie
Mit den praxisnahen Kurzvideos leisten Agridea und Pro Natura einen Beitrag an einen effektiven Herdenschutz. Viele glauben irrtümlich: Elektro-Zäune schützen nicht ausreichend gegen Wolfsangriffe.
Denn gerade beim Elektrozaun ist das «wie» entscheidend: Der Film räumt mit dem Irrglauben auf und macht auf häufige Fehler aufmerksam. So schaffen es die Wölfe dann doch, die mangelhaften Zäune zu überwinden. Werden Elektrozäune hingegen von Beginn an professionell erstellt und unterhalten, bieten sie einen ausreichenden Schutz – auch bei hohem Wolfsdruck.
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alle Agridea-VideosMit diesem praxisnahen Kurzvideo leisten Agridea und Pro Natura einen Beitrag an einen effektiven Herdenschutz. Der Film zeigt, welche Zaun-Schwachstellen Wölfe ausnutzen und wie Hirtinnen und Hirten ihre Tiere optimal schützen. Weitere Informationen erhalten Sie bei Agridea.
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Biodiversität verpachten
Der Generationenwechsel in der Landwirtschaft als ökologische Chance
Wir essen zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett. Diese Ernährungsweise schädigt nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Umwelt, denn intensive landwirtschaftliche Produktion zerstört Biodiversität, Boden, Luft und Gewässer schleichend.
Transformation ermöglichen
Noch haben es politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft allerdings schwer. Zu viele Partikularinteressen stehen im Weg. Denken wir zum Beispiel an eine Reduktion der Rindviehbestände zwecks Senkung der zu hohen Ammoniakbelastungen: Der Landwirt kann in der Folge weniger Milch oder Fleisch verkaufen. Es wird weniger Kraftfutter gehandelt, weniger Samendosen werden umgesetzt und weniger Tierarztleistungen nachgefragt. All das löst Widerstand aus, was Massnahmen zum ökologischen Umbau verzögern.
Gesucht sind also Lösungen, die eine Brücke schlagen zwischen diesen kurzfristig nachvollziehbaren Widerständen und der längerfristigen, dringend notwendigen Transformation des Land- und Ernährungssystems. Lösungen, die auch die sozialen und ökonomischen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen.
Generationenwechsel nutzen
Eine Chance für den ökologischen Umbau bietet der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der zusehends beschleunigt. Untersuchungen der Forschungsanstalt Agroscope zeigen, dass in der Schweiz in den nächsten 15 Jahren die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebsleitenden die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht. Da in der Schweiz ab dem Rentenalter die Direktzahlungen wegfallen, übergeben die Landwirtinnen und Landwirte ihre Betriebe in der Regel dann an eine neue Generation oder sie verpachten die Flächen. Ein guter Zeitpunkt also, um einen Hof ökologisch umzubauen. Eigentlich. Doch dafür braucht es passende Rahmenbedingungen.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in ihren Briefkasten.
Bei bisherigen Agrarreformen in der Schweiz wurden Neuerungen jeweils auf ein konkretes Stichdatum hin umgesetzt, beispielsweise per 1. Januar. Das hat vor allem für die Verwaltung Vorteile, da der Vollzug und die Kontrolle von Massnahmen so einfacher werden.
Um ökologische Umbaumassnahmen zu fördern, wäre es allerdings sinnvoll, gewisse Anpassungen nicht auf einen fixen Stichtag, sondern auf die Hofübergabe hin umzusetzen. Das würde für die Landwirtinnen und Landwirte die soziale Absicherung sowie die Planbarkeit verbessern. Denkbar sind etwa neue Prämien für Betriebe, die nach der Übergabe nur noch mit eigenem Futtermittel wirtschaften, oder Direktzahlungen, die daran geknüpft werden, dass die nächste Generation biologisch produziert. Den ökologischen Umbau der Landwirtschaft mit solchen Mitteln anzugehen hat den grossen Vorteil, dass sie dadurch für alle planbar wird. Das hat sehr viele positive Seiten: Die ökologischen Ziele werden endlich erreicht, der Vollzug ist klar geregelt und die Betriebe erhalten eine zukunftsgerichtete Perspektive, indem die Ausrichtung ihrer Produktion einem national und global beobachtbaren Konsumtrend in Richtung gesunde und nachhaltige Ernährung folgt. Kurz: Der Lösungsweg «Ökologischer Umbau via Generationenwechsel» ist individuell und massgeschneidert planbar sowie sozial verträglich umsetzbar.
MARCEL LINER betreut bei Pro Natura die Landwirtschaftspolitik.
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Inspirierende Bäuerinnen und Bauern
Im neuen Pro Natura Magazin haben wir fünf inspirierende Menschen portraitiert, die innovative Landwirtschaft betreiben. Wir sind begeistert.
Fanny Eisenhut
Fanny Eisenhut arbeitet bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft Ferme des Vergers in Meyrin (GE). Nach acht Jahren als Lehrerin kümmert sie sich heute um den Gemüsebau und eine nachhaltige Landwirtschaft.
«Die Ferme des Vergers ist eine landwirtschaftliche Genossenschaft im Ökoquartier von Meyrin. Anwohnerinnen und Anwohner, ökologisch gesinnte Bäuerinnen und Bauern und die Gemeinde haben so die Möglichkeit, die Ernährung und damit die Landwirtschaft ins Zentrum zu stellen. Wir bieten Kurse an, pflegen die Grünflächen des Quartiers und betreiben Landbau, wobei wir diese drei Hauptaktivitäten auf einander abstimmen. So nutzen wir bei unseren Kursen beispielsweise bebaute Felder oder die Grünflächen des Quartiers, oder wir verwenden Schnittgut, das in der Pflege der Grünzonen anfällt, als ökologischen Dünger in der Produktion. Ich selbst bin primär für die Landwirtschaft und den Gemüseanbau zuständig. Ich habe mich beruflich umorientiert und arbeite heute in diesem horizontal geführten Projekt, was ich sehr motivierend finde. Die Ferme ist noch relativ jung. Wir sind quasi ein kleines Versuchslabor, in dem wir verschiedene Techniken ausprobieren und sie an unsere kleine Fläche von 4000 Quadratmeter anpassen können. Wir befinden uns mitten in einem dicht besiedelten Ökoquartier und bearbeiten den Boden mit Eseln und einer Bodenfräse, das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir setzen bei unserem Projekt auf kurze Transportwege mit möglichst wenig Zwischenstationen. Unser Laden, die Fève, verkauft die Produkte. So erhalten die Produzenten mehr, können ein besseres Leben führen und Entscheidungen treffen, die Menschen und Umwelt mehr Rechnung tragen. Das Ganze soll niederschwellig rentieren, weil uns ordentliche Löhne für die Produzenten von Nahrungsmitteln – die wir ja selber sind – am Herzen liegen. Der genossenschaftliche Aspekt unseres Projekts ist zentral: Alle stellen ihre beruflichen Kompetenzen in den Dienst der Genossenschaft und führen sie gemeinschaftlich. Wir passen uns ständig an und lernen dazu. Und wenn es läuft, ist nichts unmöglich!» fk
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Fabian Biasio
Julia Schmidlin
Julia Schmidlin arbeitet als Auszubildende auf dem Biobetrieb Eulenhof in Möhlin (AG). Sie ist Mitgründerin des Vereins F.A.M.E und beendet im März 2023 den zweijährigen Ausbildungsgang von F.A.M.E.
«Nicht die industrielle Landwirtschaft, sondern kleinstrukturierte Landwirtschaftsbetriebe ernähren den Grossteil der Menschheit. Und in den allermeisten Fällen tun sie das auf nachhaltige Weise, während die industrielle Landwirtschaft eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Ich wünsche mir, dass die kleinstrukturierte, ökologische und soziale Landwirtschaft in der Schweiz zum Mass wird. Um das System zu ändern, brauchen wir grundlegende politisch-ökonomische Umwälzungen und eine andere Beziehung zur Ernährung. Diese kann beispielsweise über ein Gemüseabo entstehen, bei der Mitarbeit in einem Betrieb oder über Projekte an Schulen. Die kleinstrukturierte ökologische Landwirtschaft ist zudem auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Im Gemüsebau fehlt bisher eine solche Ausbildung. Mit unserem Verein F.A.M.E. (Formation Autogérée de Maraîchage Écologique / Selbstorganisierte Ausbildung im Ökologischen Gemüsebau) möchten wir diese Lücke ein Stück weit schliessen. Unser Ziel ist es, eine Ausbildung anzubieten, die zu einer neuen und zukunftsfähigen Landwirtschaft beiträgt. Im Herbst 2020 starteten wir mit dem ersten Jahrgang. Die 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten auf verschiedenen Gemüsebaubetrieben. Sie nehmen in zwei Wintern während insgesamt zehn Wochen an Seminaren in der Romandie und in der Deutschschweiz teil. Für den zweiten Jahrgang haben sich bereits 35 Leute angemeldet, was uns sehr freut.» nig
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Fabian Biasio
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Valentin Gionchetta
Valentin Gionchetta hat die Ferme des Savanes 2021 in Apples, einem Dorf am Fuss des Waadtländer Juras, mitgegründet. Das Projekt wurde von der Klima-Allianz Schweiz für den Klimapreis 2022 nominiert.
«Die Ferme des Savanes wurde 2021 nach Grundsätzen der Permakultur gegründet: Gemüsebau, mehrstufige Obstgärten, Agroforstwirtschaft und Ackerbau. Das Ziel ist eine nachhaltige Landwirtschaft in einer Post-Erdöl-Zeit, die auf Widerstandsfähigkeit und Selbstversorgung aufbaut und nicht auf Technik angewiesen ist. Jetzt im ersten Jahr der Umstellung auf das Bio-Label setze ich verschiedene -manuelle Techniken ein, um weder fossile Energien noch -schwere Maschinen benutzen zu müssen. Das Entdecken (exotischer) Früchte und Gemüse ist extrem spannend. Um uns an die Klimaveränderung anzupassen, haben wir Indianerbananen gepflanzt, eine Art nordamerikanische Mango – ich freue mich schon auf die ersten Früchte in ein paar Jahren. Bäume sind für mich besonders wichtig, weil sie alle Pflanzen um sich herum begünstigen: Sie bieten Schatten, Feuchtigkeit, Wind- und im Winter Bodenschutz. Wir haben bereits 2000 Bäume gepflanzt und auch mehrere Hecken angelegt, um Insekten zu fördern und die Biodiversität zu stärken, die in unserer Kulturlandschaft laufend abnimmt. Dabei setze ich auf bewährte Techniken der Pioniere, die schriftlich überliefert sind. Ich möchte mich an die Situation anpassen und später meine Erfahrungen weitergeben. 2022 wurde der Hof für den Klimapreis nominiert. Dadurch war mein -Projekt zwar über die Region hinaus bekannt, die Zahl der Gemüseabos aber stieg nicht. Die Erfahrung ist trotzdem sehr bereichernd. Mein Gemüse wird nach dem Prinzip der «regionalen Vertragslandwirtschaft» in wöchentlichen Gemüsekörben mit 100 Prozent eigener Produkte angeboten. Die Körbe können vor Ort selbst zusammengestellt werden. Ich freue mich, dass ich bald auch einen Früchtekorb anbieten kann.» fk
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Fabian Biasio
Generationenwechsel als Chance
Wenn die Problemverursacher ein Teil der Lösung sein wollen
Einer der Hauptgründe für den massiven Rückgang der Insekten ist der breitflächige Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft. Die Giftsprüherei lässt nicht nur vermeintliche Schädlinge sterben, sondern viel zu oft auch harmlose Falter, Bienen und Käfer.
Ausgerechnet die Produzenten dieser Pestizide propagieren nun aber die giftfreie Zukunft: Konzerne wie Bayer und Syngenta entwickeln einen neuen Typ von Pestiziden, der die Schädlingsbekämpfung naturverträglich und – so die Vision – chemisch-synthetische Gifte überflüssig machen soll.
Was den neuen Typ auszeichnet, ist sein Wirkstoff. Er besteht aus doppelsträngiger Ribonukleinsäure, kurz dsRNA, und somit aus einer Substanz, die mit ihrer Doppelwirkung besticht: Auf der einen Seite ist RNA natürlichen Ursprungs und eigentlich ungiftig – wir nehmen sie täglich mit unserer Nahrung auf. Auf der anderen Seite aber können Firmen sie in ein tödliches Gift verwandeln.
Gene werden ausgeschaltet
Wie das Umwandeln funktioniert, zeigt sich etwa bei der Bekämpfung des Kartoffelkäfers. Sowohl Bayer wie auch Syngenta haben diesen Schädling im Visier, der bis zu Hälfte der Kartoffelernte vernichten kann. Für die Entwicklung des neuen Giftes identifizieren die Konzerne zuerst ein Gen im Erbgut des Käfers, das für dessen Überleben aktiv sein muss. Dann stellen sie eine dsRNA mit Sequenzen dieses Gens her. Sprühen sie die dsRNA nun auf Kartoffelblätter, nimmt der Käfer die Wirkstoffe beim Fressen mit in seine Zellen auf, wo die dsRNA das lebensnotwendige Gen stilllegt. Der Käfer stirbt.
Noch ist kein RNA-Pestizid auf dem Markt. Doch die Botschaft, mit der die Konzerne die Entwicklung begleiten, ist klar: Da RNA eine natürliche Substanz ist und sich spezifisch auf Gene einer Schädlingsart zuschneiden lasse, sei sie ein risikoarmes Mittel für den biologischen Pflanzenschutz.
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Pro Natura
- RNA-Pestizide sollen vermeintliche Schädlinge töten, indem sie bei diesen lebenswichtige Gene desaktivieren.
Unerwünschte Nebenwirkungen
Doch sind die als «Biologika» oder «Biopestizide» ausgelobten RNA-Mittel wirklich risikoarm? Ein Bericht von «Friends of the Earth», dem globalen Dachverband von Naturschutzorganisationen, dem auch Pro Natura angehört, von Ende 2020 weckt Zweifel. Er zeigt, dass auch bei dsRNA «off-target»-Effekte – also Wirkungen auf unbescholtene Insektenarten – zu erwarten sind. Zudem deckt er eine weitere mögliche Nebenfolge auf: Da dsRNA in Pflanzenzellen gelangen und dort deren Erbgut modifizieren kann, könnte sie die Eigenschaften besprühter Pflanzen in unerwünschter Weise ändern.
Und wie steht es um die beworbene Natürlichkeit der neuartigen «Biopestizide»? Nicht wirklich gut, erfolgt doch die Herstellung der dsRNA mit Gentech-Bakterien. Dies kratzt nicht nur an der Botschaft der Konzerne, sie öffnet auch das Szenario, dass Gentech-Bakterien als Rückstände in den Sprühmitteln mit auf die Felder kommen.
Nicht gut steht es auch bei der Datengrundlage für die Risikobewertung. Laut Wissenschaftlern von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, ist etwa kaum bekannt, wie sich dsRNA im Nahrungsnetz verbreitet und welche Insektenarten von «off-target»-Effekten betroffen sein könnten.
Dünne Informationslage
Auch bei den Nanomaterialien, die von den Konzernen benutzt werden, um die dsRNA wirksamer zu machen, sind kaum Informationen über die Umweltrisiken erhältlich. Dass zudem mehr unabhängige Forschung nottäte, verdeutlichen Forschende der ETH Zürich. Sie haben jüngst mit einer neu entwickelten Methode gezeigt, dass dsRNA in der Umwelt doch nicht so schnell abgebaut wird, wie Industriedaten vermuten lassen.
Regulierung ist ausstehend
Dass es für RNA-Pestizide eine Regulierung braucht, scheint klar. Eine wichtige Rolle bei deren Gestaltung spielt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie will ihren Mitgliedsländern, darunter die Schweiz, demnächst Empfehlungen abgeben. Es wird eher erwartet, dass sie schlanke Regeln vorschlägt. Behörden und Politik in der Schweiz sind deshalb gefordert, RNA-Pestizide weniger konzern-, sondern primär naturverträglich zu gestalten.
BENNO VOGEL arbeitet als freischaffender Wissenschaftsjournalist.
Viele neue Anwendungsbereiche
RNA ist die Substanz unserer Zeit. Dass sie als Wirkstoff eingesetzt werden kann, ist seit den Covid-19-Impfstoffen weitherum bekannt. Bald dürften wir in vielen Bereichen RNA-Produkten begegnen. Möglich wird das, weil sich mit mRNA und dsRNA zwei natürliche Zellmechanismen ausnutzen lassen.
Boten-RNA oder kurz mRNA ist eine einzelsträngige Ribonukleinsäure, die die genetische Bauanleitung für Proteine enthält. Wird sie in Zellen eingebracht, löst sie dort den Mechanismus der Translation aus: Die Zelle bildet das Protein, das auf der mRNA codiert ist. Erste Produkte mit mRNA sind die Covid-19-Impfstoffe. Impfstoffe gegen weitere Erreger sowie Therapeutika gegen Krankheiten wie Krebs oder Cystische Fibrose könnten folgen.
Doppelsträngige RNA, kurz dsRNA, enthält Sequenzen, die sich in Genen befinden. Wird sie in Zellen eingebracht, löst sie dort den Mechanismus der RNAi-Interferenz aus: Die Zelle legt das Gen still, das die gleiche Sequenz wie die dsRNA hat, und stoppt damit die Bildung des entsprechenden Proteins. Im Unterschied zur mRNA führt dsRNA also nicht zur Bildung eines Proteins, sondern sie blockiert die Bildung eines Proteins. In der Humanmedizin sind bereits vier Produkte mit dsRNA erhältlich, darunter ein Cholesterinsenker von Novartis. In der Landwirtschaft dürften 2022 die ersten dsRNA-Pestizide auf den Markt kommen. In der Tiermedizin ist ein Mittel gegen die für Bienen tödliche Varroa-Milbe in der Entwicklung. Forschende arbeiten auch an Mitteln gegen invasive Arten wie den Eschenprachtkäfer. Und zu Hause könnte es künftig dsRNA-Biozide gegen Bettwanzen und Kakerlaken geben. Bv
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
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Vier ökologische Gründe für ein Ja zur Initiative gegen Massentierhaltung
Es muht und quiekt und gackert in der Schweiz. Millionenfach. Und die Nutztiere pro Betrieb werden immer mehr: Der landwirtschaftliche Tierbestand ist seit den 2000er-Jahren um fast die Hälfte gestiegen und heute auf hohem Niveau stabil, während die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe um 20 Prozent zurückging. Immer mehr Tiere pro Betrieb, das ist schlecht fürs Tierwohl. Aber auch für Biodiversität, Klima und Landschaft. Ein wichtiger Schritt hin zu einer naturverträglicheren Tierhaltung ist die «Initiative gegen Massentierhaltung» (IGM), für die der Delegiertenrat von Pro Natura im April die Ja-Parole gefasst hat. Den Nutzen der Initiative für Natur und Umwelt fasst Philipp Ryf, Geschäftsleiter «JA zur Initiative gegen Massentierhaltung», so zusammen: «Die bodenunabhängige, industrielle Tierproduktion verursacht massive Treibhausgas- und Ammoniakemissionen. Die Initiative gegen Massentierhaltung sorgt dafür, dass Tiere wieder vermehrt auf Grasland gehalten werden. So kann die Schweiz ihrem Selbstverständnis einer ressourcenschonenden, tierfreundlichen Landwirtschaft gerecht werden.»
Vier Gründe, warum es für Natur und Umwelt wichtig ist, dass wir am 25. September Ja stimmen:
1. Biodiversität erhalten
Rinder produzieren Gülle. Sehr viel Gülle. Und der enthaltene Stickstoff wird in Ammoniak (NH3) umgewandelt. Schweizweit fallen jährlich satte 42 000 Tonnen davon an, 70 Prozent mehr, als in den Umweltzielen für die Landwirtschaft vorgesehen sind. 94 Prozent stammen gemäss der Berner Fachhochschule im Auftrag des Bundesamts für Umwelt aus der Landwirtschaft.
Besonders viel NH3 entweicht im Stall, im Laufhof oder beim Ausbringen von Gülle. Die Luft trägt das NH3 in empfindliche Ökosysteme, wo es sich anreichert und dazu beiträgt, dass Böden versauern. Ammoniak schädigt die Flora aber auch direkt, da es toxisch über die Blattorgane wirkt. Besonders anfällig sind Flechten, doch auch Pflanzen in nährstoffarmen Heide- und Graslandökosystemen und die Bodenvegetation in Wäldern reagieren empfindlich. Ammoniak ist damit ein bedeutender Treiber des Artensterbens. Die Zahlen lassen aufhorchen: Heute sind alle Hochmoore, 84 Prozent der Flachmoore und 42 Prozent der Trockenwiesen und -weiden sowie 95 Prozent der Wälder durch übermässige Stickstoffeinträge aus der Luft beeinträchtigt, wie das Bundesamt für Umwelt in seinem Bericht «Biodiversität in der Schweiz: Zustand und Entwicklung. Ergebnisse des Überwachungssystems im Bereich Biodiversität» (2017) festhält. Höchste Zeit also, zu handeln. Das sagt auch Pro Natura Präsidentin Ursula Schneider Schüttel: «Um die Biodiversität und damit auch die überlebenswichtigen Funktionen von Boden, Wald und Gewässern zu erhalten, müssen die Tierbestände in der Schweiz deutlich reduziert werden» – was die Initiative gegen Massentierhaltung vorsieht.
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2. Klima schützen
Was wir essen, hat einen direkten Einfluss auf das Klima. In der Schweiz werden heute pro Jahr und Einwohner im Schnitt laut Agroscope ungefähr zwei Tonnen CO2-Äquivalent allein für die Ernährung ausgestossen. Ganz anders sähe die Bilanz bei einer vornehmlich pflanzlichen Ernährung aus. Zudem binden Pflanzen CO2 und speichern Kohlenstoff in den Böden – die Landwirtschaft könnte uns also, wie es der Weltagrarbericht ausdrückt, «rein theoretisch langfristig klimaneutral ernähren und kurzfristig sogar mehr CO2 binden als ausstossen». Allerdings nur theoretisch, denn davon sind wir weit entfernt. Weltweit stammen 14,5 Prozent der Treibhausgasemissionen gemäss der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO aus der Nutztierhaltung. Obwohl heute vegetarische und vegane Ernährung breite Akzeptanz haben, ist der Hunger nach Fleisch immer noch gross. Jede Person in der Schweiz konsumiert rund 51 Kilogramm im Jahr, wobei im Ausland gekauftes Fleisch noch nicht mitgezählt ist. Damit die Landwirtschaft klimaschonend wird, führt kein Weg daran vorbei, weniger tierische Produkte zu konsumieren. Was zudem der Gesundheit zuträglich ist, denn es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass (zu viel) Fleisch ungesund ist. Sinkt der Konsum, wird auch die Anzahl Nutztiere in der Landwirtschaft abnehmen. Das hat noch weitere Vorteile: Damit können künftig Produkte aus dem Ackerbau direkt der Ernährung von Menschen dienen und landen nicht als Tierfutter in den Ställen. Rinder, Schafe oder Ziegen können Gras fressen und damit problemlos an Standorten gehalten werden, an denen Ackerbau nicht möglich ist, etwa in den Bergen.
Die Initiative gegen Massentierhaltung hilft dabei, die Menschen für das Thema fleischlose Ernährung zu sensibilisieren.
3. Strukturwandel abschwächen
Der Agrarbericht 2021 spricht eine klare Sprache: Mit 21,15 Hektaren hat sich die durchschnittliche Fläche pro landwirtschaftlichen Betrieb in der Schweiz innert 30 Jahren nahezu verdoppelt. Demgegenüber haben die Nutztierbestände in den letzten 20 Jahren nur leicht abgenommen. Das heisst, die Zahl der Tiere pro Hof nimmt zu. Das führt unter anderem dazu, dass sich immer grössere Ställe in der Landschaft ausbreiten. Dazu kommen immer mehr Fahrten mit Gülle auf viele verschiedene Parzellen oder die bei der Hühner- und Schweinehaltung immense Zufuhr an Futtermitteln pro Betrieb, auch aus dem Ausland.
Auch die artgerechte Haltung und Fütterung der Tiere wird in Grossbetrieben schwieriger, genauso wie eine Weidehaltung bei Wiederkäuern in vernünftiger Stallnähe mit immer grösser werdenden Herden. Kilian Baumann, Präsident der Kleinbauern-Vereinigung, Biobauer und Nationalrat der Grünen, bringt die Probleme dieser Entwicklung auf den Punkt: «Entscheidend für die Förderung der Biodiversität ist nicht alleine die biologische Landwirtschaft, sondern ebenso eine kleinteilige und vielfältige Agrarlandschaft. Wer das Insekten- und Vogelsterben stoppen will, muss daher auch das Hofsterben und die damit verbundene Strukturverarmung angehen.»
Die Initiative gegen Massentierhaltung trägt dazu bei, dass die Anzahl Tiere pro Betrieb und pro Einheit beschränkt werden und kann den umweltschädigenden Tendenzen von «immer grösser» etwas Einhalt gebieten.
4. Landschaft schonen
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft schadet auch der Landschaft. Immer grössere Betriebe mit immer mehr Nutztieren pro Betrieb, das führt zu immer grösseren Stallungen. Und diese kommen sehr oft ausserhalb der Bauzonen zu stehen, müssen mit neuen Strassen erschlossen werden und generieren unzählige Fahrten mit grossen Lastwagen.
Raus aus den Dörfern und rauf auf die grüne Wiese – die Gründe für diese Entwicklung liegen neben dem allgemeinen Strukturwandel auch in der Lärm- und Luftreinhaltungsgesetzgebung. Oder wie es die stv. Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Franziska Grossenbacher, formuliert: «Die Abstandsvorschriften treiben die Ställe aus den Dörfern heraus. Zudem werden Neubauten absurd hoch subventioniert, sodass gar kein Anreiz besteht, möglichst günstig zu bauen und Umbauten überhaupt ins Auge zu fassen.» Problematisch ist auch, dass neue Stallbauten in der Regel Fertigbausysteme sind und auf betriebliche Abläufe optimiert sind, ohne jede Rücksicht auf den Standort. Was wiederum dazu führt, dass für den Bau solcher Ställe viele Veränderungen im Gelände notwendig sind.
Die Initiative gegen Massentierhaltung kann helfen, dass grosse Stallbauten seltener werden. «Weniger grosse Herden haben diesbezüglich tendenziell einen positiven Einfluss», sagt Grossenbacher. «Die Missstände sind damit allein aber noch nicht gelöst, sie ist nur ein Puzzleteil unter vielen.»
Bettina Epper, stellvertretende Chefredaktorin des Pro Natura Magazins.
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Für weniger Gülle und mehr Biodiversität: Raus aus der Massentierhaltung
Wer auf dem Land spazieren geht, kann ihn oft riechen: den Ammoniak, eine Stickstoffverbindung, die sich aus der Gülle verflüchtigt. So unangenehm der Geruch, so schädlich die Wirkung für die Biodiversität. Denn über die Luft gelangt er auch in entfernte Lebensräume, wo er die natürliche Vielfalt erstickt und die Widerstandsfähigkeit schwächt. Die Initiative gegen Massentierhaltung würde das Grundproblem lösen: die zu hohe Nutztierdichte im Schweizer Mittelland.
«Ein Ja wäre ein Gewinn für Natur und Mensch»
Die Schweizer Landwirtschaft mit ihren 80 Millionen Nutztieren produziert jährlich Stickstoffüberschüsse von rund 100’000 Tonnen, davon 42'000 Tonnen Ammoniak. Eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisationen zeigt, dass zu hohe Ammoniakeinträge aus der Luft insbesondere in Regionen mit hohen Nutztierbeständen ein weitverbreitetes Problem sind. Als Folge davon sind heute alle Hochmoore, 84 Prozent der Flachmoore, 42 Prozent der Trockenwiesen und -weiden sowie 95 Prozent der Wälder überdüngt.
Die übermässige Düngung führt in den Wäldern zu Bodenversauerungen. Die Bäume bilden dadurch weniger tiefe Wurzeln und sind anfälliger für Trockenheit und Stürme. Aus Mooren – in gesundem Zustand mächtige CO2-Speicher und Hotspots der Biodiversität – werden durch die Verbuschung mit nährstoffliebenden Pflanzen eintönige Landschaften, die CO2 ausstossen. «Die hohe Tierdichte schwächt die lebenswichtigen Funktionen dieser Lebensräume und heizt die Klima- und Biodiversitätskrise weiter an», betont Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik bei Pro Natura. «Eine Reduktion der Tiere pro Betrieb, wie es die Initiative gegen Massentierhaltung vorsieht, wäre daher klar ein Gewinn für Natur und Mensch.»
Für mehr Tierwohl und Naturvielfalt
Zur Behebung der Stickstoff- und Ammoniaküberschüsse wurden bisher vor allem technische Lösungen wie Schleppschlauchverfahren und Gülleabdeckungen verfolgt und finanziert. «Anstatt mit Technik Teilaspekte des Problems zu bekämpfen, sollten wir das Problem an der Wurzel, oder besser gesagt an den Hörnern packen und die Tierbestände reduzieren», betont Liner. Die Initiative gegen Massentierhaltung bezweckt genau das: sie führt zu weniger Tieren pro Betrieb und damit nicht nur zu mehr Tierwohl, sondern auch zu weniger Gülle und mehr Biodiversität. Deshalb empfiehlt Pro Natura am 25. September ein Ja zur Initiative gegen Massentierhaltung.
Kontakt:
- Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, 061 317 92 40, [email protected]
- Medienstelle: 079 826 69 47, @email
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Symbolbild Stickstoffbelastung © Pixabay