Progetti
Biodiversität verpachten – Chance für Mensch und Natur
«Für den Vater war es schon ein harter Schlag», erzählt Tobias Angliker. Erst 2021 hat er den Ziegelhof übernommen und führt ihn in einer Übergangsphase noch gemeinsam mit seinem Vater. Ein harter Schlag? Damit meint Angliker den Wunsch der Verpächter, dass das gepachtete Land künftig stärker zugunsten der Biodiversität genutzt wird.
Die Anglikers betreiben einen Pferdehof mit Ackerbau und einigen Mutterkühen in konventioneller Landwirtschaft im Aargau. Seit 30 Jahren pachten sie knapp 4 Hektaren Land, die seit 2021 die Erbengemeinschaft Walter Nyffenegger verwaltet. Als passionierte Naturschützer und Naturschützerinnen sahen die Mitglieder der Erbengemeinschaft die Chance, auf die Nutzung des Lands Einfluss zu nehmen. Sie wollen so einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Wilde Hecken mit einheimischen Sträuchern schwebten ihnen vor.
Nachhaltig für alle Beteiligten
Der Weg durch den Pachtvertrag-Dschungel ist aber nicht einfach. Genau hier setzt das Projekt «Biodiversität verpachten» von Pro Natura an. Pro Natura unterstützt die Anliegen der Verpächter, möchte aber mit professionellen Beratungen zielführende Lösungen schaffen, die auch für die Pächter funktionieren. Deshalb arbeitet Pro Natura mit externen Beratungsfirmen zusammen und übernimmt die Beratungskosten. «Nur Lösungen, die für alle Beteiligten funktionieren, sind nachhaltig und zielführend», ist auch die Devise von Bea Vonlanthen, Beraterin bei der Agrofutura AG, die wesentlich an der Projektumsetzung beteiligt ist. Unter allen Beteiligten versteht sie Pächter, Verpächterin und Natur.
Flieg, Feldlerche, flieg!
Bei der ersten Begehung der gepachteten Flächen zeigte sich schnell, dass Hecken hier nicht das ideale Instrument für die Biodiversitätsförderung sind. Das Land befindet sich nämlich in einem Feldlerchengebiet. Diese sehr selten gewordenen Bodenbrüter nisten lieber auf offenen, übersichtlichen Fluren und fühlen sich durch Hecken eingeengt. Wichtig für Feldlerchen sind dagegen Buntbrachen und Kleinstrukturen in Kombination mit dem Verzicht auf Pestizide. Bea Vonlanthen schlug deshalb für das Pachtland der Erbengemeinschaft unter anderem folgende Massnahmen vor:
Ab 2022 werden knapp 25 Prozent der Pachtparzellen als Bunt- oder Rotationsbrache angemeldet und entsprechend bewirtschaftet.
Die Ackerkulturen sind möglichst ohne Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Herbizide und Insektizide) zu bewirtschaften. Dies bedeutet für die einzelnen Kulturen:
- Beim Anbau von Getreide, Mais und Raps ist zu 100 Prozent auf den Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu verzichten.
- Beim Anbau von Zuckerrüben können Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die Entwicklung zur Reduktion von Pflanzenschutzmittel bei den Zuckerrüben ist zu beobachten. Zeichnen sich erste Lösungsansätze ab, sind diese auf den Parzellen anzuwenden.
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Angela Peter
- Beraterin Bea Vonlanthen bespricht gemeinsam mit dem Pächter Tobias Angliker und der Vertreterin der Erbengemeinschaft Edith Tribelhorn mögliche Massnahmen zur Förderung der Biodiversität.
«Jetzt eigne ich mir neues Wissen an.»
Für die Anglikers kamen die vorgeschlagenen Massnahmen der Erbengemeinschaft überraschend. Man schätzte aber den frühen Austausch und den Einbezug der Bauernfamilie. Betriebsleiter Tobias Angliker meint, ähnliche Forderungen würden früher oder später sowieso zum Standard. Es sei sinnvoll, sie bereits jetzt umzusetzen. In der Ausbildung hätten sie diese Themen aber nur grob angeschnitten. «Jetzt lese ich mich in neue Techniken ein und eigne mir neues Wissen an», so Angliker. Er ist bereits gespannt auf die erste Raps-Saison mit einer Untersaat. Die Untersaat dient dazu, unerwünschte Pflanzen auf natürliche Weise zu unterdrücken. So wird der Einsatz von Herbizid überflüssig.
Doch der pestizidfreie Rapsanbau bleibt sehr anspruchsvoll. Das berücksichtigen die Verpächter. Sollten die Anglikers im Folgejahr grössere Ertragsausfälle erleiden, wird die Erbengemeinschaft auf den entsprechenden Flächen mit dem Pachtzins entgegenkommen.
Gezielte Förderung, gezielte Massnahmen – und gezielter Anflug
Das gegenseitige Verständnis wird weiter durch eine gemeinsame Flurbegehung gefördert, an der Pächter und Verpächterinnen zusammen mit der Beraterin die Entwicklung der umgesetzten Massnahmen begutachten. Ein schöner Anfang ist gemacht, versichert Tobias Angliker: «Der Vater, der zu Beginn skeptisch war, schaut sich bereits nach weiteren neuen Nistplätzen für Wildbienen um». Nicht umsonst, denn die Insekten haben bereits gemerkt, dass sich auf den Feldern etwas verändert. Bei näherer Betrachtung der Buntbrache sieht auch das ungeschulte Auge mehr als nur Erde und etwas Grün. Die erste zarte Mohnblume wird bereits von einer Schwebfliege gezielt angeflogen.
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Angela Peter
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Stickstoff-Überschüsse: Bund soll zukunftsgerichtete Betriebe unterstützen
- Die Ammoniak-Emissionen verharren auf einer Höhe, welche für die Umwelt untragbar ist. Das zeigt die im Auftrag der Umweltverbände erstellte Ammoniak-Studie. Sie untersucht die Ammoniak-Situation in neun Kantonen, in denen die Tierproduktion besonders intensiv ist (ZH, LU, BE, ZG, FR, TG, SG, AR, AI). Obwohl das Problem in den meisten untersuchten Kantonen erkannt und teilweise teure Massnahmenpläne erarbeitet wurden, werden die kantonalen und nationalen Reduktionsziele in keinem der untersuchten Kantone (auch nur annähernd) erreicht.
- Um die Ammoniak-Emissionen wirksam zu verringern, müssen die Kantone ihre Rolle als Vollzugsorgane konsequenter wahrnehmen. Es gilt ausserdem die Produktion und den Konsum von pflanzlichen Proteinen zu fördern. Der Bund soll einen Unterstützungsfond für Landwirtschaftsbetriebe schaffen, welche aus der Tierhaltung aussteigen oder ihre Viehdichte reduzieren und vermehrt auf die Produktion pflanzenbasierter Kalorien für die menschliche Ernährung setzen. Zudem müssen staatliche Subventionen abgeschafft oder umgestaltet werden, welche direkt oder indirekt Stickstoff-Überschüsse fördern, z.B. Abschaffung der Absatzförderung für Fleisch, Milchprodukte und Eier.
Zitate
«Der Bericht zeigt, dass fast alle Kantone in der Reduktion von Ammoniak kaum Fortschritte machen, dies trotz vom Bund bezahlten, teuren Ressourcenprogrammen. Bund und Kantone sollten das Problem an der Wurzel packen und Betriebe unterstützen, die von Viehhaltung auf Pflanzenproduktion umstellen wollen.»
Kurt Eichenberger, Projektleiter interkantonaler Ammoniak-Vergleich, WWF Schweiz
«Wir begrüssen, dass der Bundesrat die Dringlichkeit erkannt und im April ernsthafte Reduktionsziele bei den Dünger-Überschüssen festgelegt hat. Diese sollen nun in den Kantonen mit griffigen Massnahmen umgesetzt werden.»
Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Pro Natura
«Die Düngewirkung des Ammoniaks hat eine schleichende und zerstörerische Auswirkung auf den Wald und andere Lebensräume, die für Menschen und Tiere lebensnotwendig sind. Das Ammoniak schadet damit der Biodiversität und ist mitverantwortlich für das massive Insektensterben.»
Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, BirdLife Schweiz
«Ammoniak verursacht unter anderem Asthma und andere Lungenkrankheiten.»
Martin Forter, Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz AefU
Die Zeit ist reif für griffige Massnahmen
Die Umweltorganisationen begrüssen, dass der Bund die äusserst schädlichen Ammoniak-Emissionen nun ernsthaft reduzieren will. Diese Ziele sind zu erreichen, wenn wir eine standortangepasste und ressourceneffiziente Landwirtschaft setzen, wie sie in Artikel 104a der Bundesverfassung eigentlich schon seit Herbst 2017 verlangt wird.
Voraussetzung dafür ist, dass wir die Agrarpolitik kohärent ausgestalten. Subventionen, welche direkt oder indirekt Stickstoff-Überschüsse sowie -emissionen verursachen, müssen beseitigt werden. Das Schweizer Grasland lässt sich sinnvoll nutzen. Dies aber nur mit so vielen Tieren, wie mit dem regional vorhandenen Futter auch ernährt werden können. Unsere Äcker sollten wir effizienter nutzen, und zwar für die direkte Produktion von menschlichen Nahrungsmitteln. So erhöhen wir auch die Ernährungssicherheit.
Unser Fleisch soll vorwiegend von Wiederkäuern stammen, die graslandbasiert gehalten und gefüttert wurden – ohne Importfutter. Zudem gilt es zukunftsgerichtete Betriebe zu unterstützen. Dazu könnte der Bund einen Unterstützungsfond für Landwirtschaftsbetriebe schaffen, welche aus der Tierhaltung aussteigen oder die Viehdichte reduzieren und vermehrt auf die Produktion pflanzenbasierter Kalorien für die menschliche Ernährung setzen.
Steuermillionen versanden
In den letzten Jahren sind auf Ebene Bund und Kantone Hunderte Millionen an Steuerfranken in technische Massnahmen zur Behebung und Vermeidung von Umweltschäden aus den hohen Tierbeständen geflossen. So etwa in die Finanzierung des Schleppschlauch-Einsatzes, Finanzhilfen für die Anpassung von Ställen oder der Abdeckung von Güllelagern. Diese Massnahmen hatten durchaus positive Effekte wie das Beispiel des Kantons Zug zeigt.
Doch zugleich wurden diese Anstrengungen zunichte gemacht durch agrarpolitische Fehlanreize wie zum Beispiel die Absatzförderung von Milch, Fleisch und Käse oder Zollerleichterungen für Importkraftfutter etc. Diese Fehlanreize wirken sich ammoniak-fördernd aus - es erstaunt deshalb wenig, dass es bei der Reduktion seit Jahren keine nennenswerten Fortschritte mehr gibt. Dabei ist zu betonen, dass es sich bei dieser Aufgabe um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, die nicht alleine der Landwirtschaft angelastet werden darf. Es braucht also Massnahmen, die auch beim Handel und beim Konsum ansetzen.
Kontakt
- Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Pro Natura, 061 317 92 40, @email
- Kurt Eichenberger, Projektleiter interkantonaler Ammoniak-Vergleich, WWF Schweiz, 079 830 96 80, @email
- Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, BirdLife Schweiz, 079 810 04 80, @email
- Martin Forter, Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz AefU, 061 691 55 83, @email
Glossar
Stickstoff: Stickstoff ist ein unentbehrlicher Nährstoff für alle Lebewesen. Der Einsatz mineralischer und organischer Stickstoffdünger zur Steigerung von Erträgen ist gängige Praxis in der Landwirtschaft. Entscheidend ist der sorgsame, bedarfsgerechte und standortangepasste Einsatz. Denn Stickstoffverluste in Form von Ammoniak führen zu Emissionen, welche Klima, Luftqualität und die Biodiversität beeinträchtigen. Stickstoffverluste in Form von Nitrat belasten das Grundwasser und damit unser Trinkwasser.
Ammoniak: Ammoniak entsteht vor allem in der Tierhaltung. Dies weil Gülle und Mist Harnstoff und Eiweiss enthalten, die in Ammoniak umgewandelt werden. Hauptquelle ist die Rinderhaltung, insbesondere Milchvieh, aber auch Mastrinder. Besonders viel Ammoniak entweicht bei der Ausbringung von Gülle, Festmist und Gärresten in die Luft. Über die Luft wird Ammoniak in empfindliche Ökosysteme eingetragen, wo es eine eutrophierende und versauernde Wirkung hat und die Artenvielfalt schädigt.
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Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz (UWA)
Titelbild © Matthias Sorg
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Ammoniak-BerichtPotrebbe anche interessarti
Pro Natura sagt JA zur Initiative gegen Massentierhaltung
In der Schweiz werden jährlich rund 1,52 Millionen Kühe, 2.5 Millionen Schweine und 78 Millionen Hühner gehalten. Während der Tierbestand in der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren um fast die Hälfte gestiegen ist, ist die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe um 20 Prozent zurückgegangen. Dass heute pro Betrieb erheblich mehr Tiere gehalten werden, ist nicht nur schlecht für das Tierwohl, sondern auch für Biodiversität und Klima.
Tierbestände und Biodiversitätskrise
Aus der Gülle und dem Mist, welche die 80 Millionen Tiere jährlich produzieren, entsteht Stickstoff, der in die Umwelt gelangt. Dort verschmutzt er die Luft, belastet das Grundwasser und überdüngt die Lebensräume. «Die zu hohen Tierbestände sind damit eine der Hauptursachen der Biodiversitätskrise», betont Pro Natura Präsidentin Ursula Schneider Schüttel. «Um die Biodiversität und damit auch die überlebenswichtigen Funktionen von Boden, Wald und Gewässern zu erhalten, müssen die Tierbestände in der Schweiz deutlich reduziert werden.»
Mit ihrer Forderung nach kleineren Tiergruppen und weniger Tieren pro Hektar bezweckt die Initiative gegen Massentierhaltung genau das. Darüber hinaus fordert sie, dass Tiere artgerechter gehalten werden, und auch importierte tierische Produkte diesen Standards entsprechen müssen. Von den Forderungen betroffen, wären laut Bundesrat nur rund 5% der landwirtschaftlichen Betriebe. Pro Natura empfiehlt deshalb die Initiative gegen Massentierhaltung, über die im September oder November 2022 abgestimmt wird, anzunehmen.
Zusätzliche Frauenpower
Mit dem Eintritt in den Vorstand von Pro Natura verstärkt die Neuenburger Ständerätin Céline Vara ihr grosses Engagement für die Umwelt weiter. Ihre politische Erfahrung wird wertvoll sein, um der grössten Naturschutzorganisation der Schweiz beim Erhalt der Biodiversität zu helfen. Auch in unserem Land ist das Artensterben alarmierend. Die nächsten Jahre werden auf politischer Ebene entscheidend sein, damit aus guten Absichten endlich echte Massnahmen werden. Céline Vara wird ihr Amt am 1. Juli antreten. Sie wird von zwei weiteren neuen Gesichtern begleitet, die an der gleichen Sitzung gewählt wurden: die Gärtnerin Katiusha Galli aus Cortébert (BE) und die Fakultätsverwalterin Franziska Schumacher aus Bourguillon (FR).
Kontakt:
Ursula Schneider Schüttel, Pro Natura Präsidentin, Tel. 078 603 87 25, [email protected]
Urs Leugger-Eggimann, Pro Natura Zentralsekretär, Tel. 079 509 35 49, [email protected]
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Entscheidungen Pro Natura Delegiertenrat
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Symbolbild ökologische Landwirtschaft © Matthias…Potrebbe anche interessarti
Agrarpolitik: Bundesrat hält sein Versprechen
Der Bundesrat hat entschieden die Pestizidrisiken und die massiven Stickstoff-Überschüsse (allgemein bekannt als Gülle), wie schon in der Agrarpolitik 22+ vorgesehen, zu reduzieren. Die Umweltorganisationen begrüssen diesen Entscheid. Damit schützt der Bundesrat unsere Produktionsgrundlage und somit auch die langfristige Ernährungssicherheit.
Das Ziel auf mindestens 3,5 Prozent der Ackerflächen Biodiversitätsmassnahmen anzulegen, verschiebt er leider um ein Jahr auf 2024. Wichtig ist jedoch, dass dieser Entscheid gefällt wurde. Dies trägt zu einer naturverträglichen und damit sicheren Produktion in der Landwirtschaft bei, indem Nützlinge und Bestäuber für gesunde Pflanzen und damit Ertragssicherheit sorgen.
Auch die Streichung der Toleranzgrenze verschiebt der Bundesrat auf 2024. Schade, dass ihn in diesem Bereich den Mut verlassen hat. Dies, obwohl das Parlament dieser Streichung nach langwierigen Debatten zugestimmt hat.
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Gemeinsame Medienmitteilung mit WWF Schweiz und BirdLife Schweiz
Symbolbild Landwirtschaft © Matthias Sorg
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Neue Methoden, alte Risiken
Am 2. März 2022 debattiert der Nationalrat zum zweiten Mal über die Verlängerung des Gentechnik-Moratoriums und darüber, wie mit den sogenannten neuen gentechnischen Verfahren umgegangen werden soll. Massive Versprechungen aus Industrie und Forschung zu den neuen Verfahren wie der Genschere CRISPR-Cas9 nähren die Hoffnung, damit tatsächliche Probleme lösen zu können. Die neuen Methoden führen aber auch zu neuen Unsicherheiten und werfen alte Fragen wieder neu auf: Ist ein Nebeneinander von gentechnikfreier Bioproduktion und GVO-Landwirtschaft in der kleinräumigen Schweiz möglich? Wer hat Zugang zu den neuen Sorten und Arten und zu welchen Kosten? Welche Auswirkungen auf die Biodiversität sind zu erwarten?
«Es ist zwingend notwendig, neue Sorten, welche mit der Aussaat in unsere Umwelt gelangen, nicht nur auf die Chancen, sondern auch auf ihre Risiken hin zu überprüfen», betont Landwirtschaftsexperte Marcel Liner von Pro Natura. «Dies ist aber nur möglich, wenn Produkte aus den neuen Verfahren weiterhin dem Gentechnikgesetz unterstellt bleiben.»
Resistenzen und Intensivierung
Unzählige wissenschaftliche Studien belegen bereits heute die negativen Auswirkungen einer globalisierten Landwirtschaft unter Einsatz von gentechnisch veränderten Sorten (GVO). Zu diesen Auswirkungen zählen beispielsweise der Einsatz noch giftigerer Pestizide und die Entstehung von «Superunkräutern», oder die Weitergabe der gentechnisch eingefügten Veränderung an verwandte Wildarten. «Die Erfahrungen in GVO-Anbauländern zeigen, dass die Anwendung von GVO zu einer weiteren Intensivierung in der Produktion und damit zu einer Verarmung der Biodiversität führen kann», so Liner. «Unsere Befürchtung ist, dass dies auch mit den neuen Verfahren passieren würde. Anzustreben ist aber das Gegenteil, nämlich eine biodiversitätsfreundliche Schweizer Landwirtschaft.»
Aussagen, wonach gentechnisch veränderte Organismen sicher seien, wenn in deren Erbgut keine artfremden Gene eingefügt wurden, sind wissenschaftlich nicht begründbar. «Die Risiken werden durch die erhöhte Eingriffstiefe der neuen Verfahren eher grösser. Wie gross sie tatsächlich sind, muss in jedem einzelnen Fall geprüft werden», verlangt auch Nationalrätin und Pro Natura Präsidentin Ursula Schneider Schüttel.
Pro Natura und diverse Umweltverbände plädieren deshalb für eine uneingeschränkte Verlängerung des Gentechnik-Moratoriums ohne Ausnahmen.
Kontakt:
Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, Tel. 079 826 69 47, @email
Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Tel. 061 317 92 40, @email
Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, Tel. 078 603 87 25, @email
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Pressebild Gentechnik © Matthias SorgPotrebbe anche interessarti
Entscheid Swissmilk-Beschwerde
In ihrer Begründung geht sie davon aus, dass die Konsumenten den negativen Zusammenhang zwischen intensiver Milchwirtschaft und Biodiversitätskrise kennen und darum von «Lovely» nicht in die Irre geführt werden. Wir bezweifeln das und bedauern, dass solch schönfärberische Werbung weiterhin zulässig ist.
90% der Milch stammt aus intensiver Milchwirtschaft
Im Rahmen der laufenden Kampagne der Schweizer Milchproduzenten mit Kuh Lovely werden die Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen über die Vorzüge einer standortangepassten und weidebasierten Milchproduktion informiert. Allerdings:
- Nur rund 10 Prozent der gesamten Milchproduktionsmenge stammen aus einer standortangepassten Milchproduktion.
- Rund 90 Prozent der Milch stammt aus der intensiven Schweizer Milchwirtschaft. Diese verursacht ökologische Schäden und darüber wird die Bevölkerung nicht aufgeklärt.
Konsumentinnen und Konsumenten werden mit dem Slogan der Kampagne «Lovely fördert und liebt Biodiversität» deshalb in die Irre geführt. «Wir bedauern, dass die Schweizerische Lauterkeitskommission dies als unproblematisch erachtet und dass solche Werbung in der Schweiz zulässig ist», kommentiert Marcel Liner Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura den Entscheid. «Dass der kausale Zusammenhang der intensiven Schweizer Milchwirtschaft und der herrschenden Biodiversitätskrise den durchschnittlichen Konsumentinnen und Konsumenten bewusst ist, wie dies die Lauterkeitskommission annimmt, bezweifeln wir».
Die Biodiversität leidet unter den Stickstoffeinträgen
Wir haben bereits in unserer Beschwerde anerkannt, dass Rinder wie die Kuh Lovely unter standortangepassten Bedingungen im Grünland biodiversitätsfördernd wirken. Das Problem liegt denn auch nicht bei Lovely selbst, sondern bei ihren vielen Kolleginnen:
«So wie Tausende Autos, die im Stau stehen, nicht mobilitätsfördernd sind, sind auch die halbe Million Milchkühe in der Schweiz nicht biodiversitätsfördernd, sondern im Gegenteil in vielen Regionen biodiversitätsschädigend.» – Marcel Liner
Gemäss dem Faktenblatt der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften von 2020 sind die kritischen Belastungsgrenzen für Stickstoffeinträge in die Umwelt vielerorts deutlich überschritten und beeinträchtigen die Biodiversität sowie die Waldfunktionen stark:
- Zwei Drittel des Stickstoffes, der in die Umwelt gelangt, wird durch Ammoniak-Emissionen der Landwirtschaft verursacht.
- Davon trägt die Tierproduktion, angetrieben durch die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten, 90 Prozent bei.
Wir werden weiterhin auf die biodiversitätsschädigenden Auswirkungen der intensiven Milchwirtschaft in der Schweiz aufmerksam machen, um unsere Biodiversität – die Lebensgrundlage für die nächste Generation – zu erhalten.
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Matthias Sorg
- Nur rund 10 Prozent der gesamten Milchproduktionsmenge stammen aus einer standortangepassten Milchproduktion.
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Zur Medienmitteilung vom Oktober 2021Potrebbe anche interessarti
«Der Generationenwechsel in der Landwirtschaft ist eine ökologische Chance»
Angesichts der Biodiversitäts- und Klimakrise steht der Landwirtschaft global wie national eine ökologische Transformation bevor. Die Ernährung ist, vor Wohnen und Mobilität, derjenige Wirtschaftsbereich mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt. Doch die heutigen Konsum- und Produktionsmuster sind alles andere als nachhaltig: zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett. Das bedingt eine intensive Landwirtschaft, die ihre eigenen Grundlagen wie Biodiversität, Boden, Luft und Gewässer schleichend zerstört.
Widerstände mit Zukunftsperspektive überwinden
Der politische Widerstand gegen die notwendigen Reformen ist allerdings gross. Denn entsprechende Massnahmen wirken sich auf Betriebsstrukturen, finanzielle Erträge und Zuliefererbetriebe für die Landwirtschaft aus. «Wenn Tierbestände reduziert werden, wird weniger Fleisch verkauft, weniger Kraftfutter gehandelt, es werden weniger Samendosen und Tierarztbesuche nachgefragt. Das löst den permanenten Widerstand bei den betroffenen Gruppen aus», erklärt Marcel Liner, Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura und Studienautor.
Um mehrheitsfähig zu sein, müssen politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft deshalb auch die sozialen und ökonomischen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen. In einer neuen Studie zeigt Pro Natura, wie der anstehende Generationenwechsel in der Landwirtschaft dazu genutzt werden könnte, den Graben zwischen den kurzfristig nachvollziehbaren Widerständen und dem längerfristig und dringend notwendigen Wandel des Landwirtschafts- und Ernährungssystems zu überbrücken.
Den Wandel individuell planbar machen
Die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebsleitenden erreicht in den nächsten 15 Jahren das Pensionsalter. Da ab diesem Zeitpunkt die Direktzahlungen wegfallen, werden die Betriebe in der Regel an eine Nachfolge übergeben, oder die Flächen verpachtet oder verkauft. «Heute muss jeder Hof in der Schweiz neue Anforderungen ab einem Stichdatum übernehmen. Die Hofübergabe bietet dagegen die Chance, dass jeder einzelne Betrieb ökologisch notwendige Anpassungen für sich planen und auf die Stärken der nächsten Generation ausrichten kann», betont Liner.
Wie das geht, zeigt das Beispiel von Biolandwirt Markus Fischer. Vor zwölf Jahren hat er den Biohof in Bäretswil (ZH) von seinem Vater Gerhard Fischer übernommen. Er hat die Übergabe genutzt, um den Kraftfutterzukauf einzustellen, die ökologisch vorteilhafte saisonale Abkalbung einzuführen und Biodiversitätsförderflächen in einer höheren Qualität anzumelden. «Wir konnten den anstehenden Wechsel gemeinsam planen. Heute produziert der Biohof nicht nur biodiversitäts- und klimafreundlicher, sondern unser Einkommen ist auch in Zukunft gesichert», so Fischer.
Dem Trend zu nachhaltiger Ernährung folgen
Um ökologische Veränderungen zu fördern, gibt es im Landwirtschafts- und Gewässerschutzgesetz diverse Regulierungen, welche statt auf ein Stichdatum besser beim Generationenwechsel umgesetzt werden könnten. «Es könnten beispielsweise neue Prämien für Betriebe eingeführt werden, die nach der Übergabe nur noch mit eigenem Futtermittel wirtschaften, oder Direktzahlungen könnten daran geknüpft werden, dass die nächste Generation biologisch produziert. Für solche Massnahmen könnten spezifische Investitionskredite gewährt werden, und die Kantone könnten ein entsprechendes Beratungsangebot aufbauen», zählt Liner auf.
Auch Pro Natura Präsidentin und Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel ist von dem Ansatz überzeugt: «Es braucht neue, sozialverträgliche Instrumente, um die blockierte Agrarpolitik 22 wieder auf Kurs zu bringen. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats hat es in der Hand, ab dem 27. Juni unsere Vorschläge zu prüfen und hoffentlich dafür zu nutzen, die ökologischen Ziele der Landwirtschaft zu erreichen und der Branche eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen, die dem Trend Richtung gesunde und nachhaltige Ernährung folgt.»
Weitere Informationen
- Vollständige Studie «Der Generationenwechsel in der Landwirtschaft als ökologische Chance»
- Faktenblatt zur Studie
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Illustration der Studie © Pro Natura / Vera…Potrebbe anche interessarti
Bundesrat zaudert: Klima- und Biodiversitätsprobleme in der Landwirtschaft bleiben ungelöst
Weniger Futtermittel, mehr Nahrungsmittel direkt für den Menschen, mehr Innovationen, gesündere Ernährungsgewohnheiten und widerstandsfähige Märkte - der Bundesrat malt ein verlockendes Bild davon, wie die Ernährungs- und Landwirtschaft im Jahr 2050 aussehen sollte. Dieses Zukunftsbild unterstützen die Umweltorganisationen. Denn nur mit dem langfristigen Erhalt der Produktionsgrundlagen (Bodenfruchtbarkeit, Wasser, Bestäuber etc.), mit mehr pflanzlichen Kulturen für die direkte Ernährung und weniger Foodwaste ist die Ernährungssicherheit auch für zukünftige Generationen gewährleistet.
Acht Jahre ohne neue Agrarpolitik?
Leider bleibt aber die gesamte Strategie sehr schwammig und unscharf. Anstatt sofort die ersten Weichen zu stellen, um eine schrittweise Umsetzung dieser Vision zu gewährleisten, schlägt der Bundesrat vor, wichtige Teile seiner eigenen Agrarpolitik AP22+ zu streichen und danach acht Jahre lang auf die Umsetzung einer neuen Agrar- und Ernährungspolitik zu warten.
Ein Wandel ist jedoch dringend nötig: Keines der 13 Umweltziele für die Landwirtschaft wird erreicht, viele staatliche Anreize schaden der Artenvielfalt und die Böden werden sehr intensiv bewirtschaftet, was die Versorgungssicherheit gefährdet. Die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt bedrohen unsere Ernährungssicherheit. Und die Bäuerinnen und Bauern müssen in der notwendigen Transformation von der Politik aktiv unterstützt werden. Acht Jahre warten, bevor neue Massnahmen in diesem Bereich umgesetzt werden, ist nicht zielführend und steht im Widerspruch zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der Nachhaltigkeitsstrategie 2030.
Dynamik beibehalten
Jetzt muss das Parlament den Kurs korrigieren und die AP22+ umfassend behandeln. Die gemachten Versprechungen müssen eingehalten und Massnahmen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität umgesetzt werden. Diese Massnahmen können nicht bis 2030 warten. Darüber hinaus ist es unerlässlich, die Politik bereits heute auf diese Vision 2050 auszurichten. Ohne eine umfassende Strategie wird der Bericht zu Makulatur.
Kontakt
- Pro Natura: Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, @email, 061 317 92 40
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsberater, @email, 079 241 60 57
- BirdLife Schweiz: Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, @email, 079 810 04 80
- Greenpeace Schweiz: Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima, @email, 078 821 76 13
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Gemeinsame Mitteilung von Pro Natura, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz & WWF Schweiz
Titelbild © Matthias Sorg
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Natürlich gesund
Was schon die Menschen in der Steinzeit wussten, gilt heute immer noch: Pflanzen können gesund machen. Ethnopharmakologe Andreas Lardos: «Nach wie vor ist der grösste Teil der Menschheit für die grundlegende medizinische Versorgung auf traditionelle Medizin angewiesen, und diese basiert primär auf pflanzlichen Wirkstoffen.»
Dabei spielt die naturbasierte Medizin eine grössere Rolle, als viele denken mögen. «Rund die Hälfte aller zugelassenen Arzneimittel würden ohne die Erforschung der Natur gar nicht existieren», sagt der Leiter der Fachgruppe Naturstoffchemie und Phytopharmazie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Etwa 25 Prozent aller Arzneimittel bestehen direkt aus Naturstoffen wie Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen oder Tieren respektive deren Derivaten. Weitere 25 Prozent sind zwar synthetisch, aber von Naturstoffen inspiriert.
Schützenswertes Potenzial
Wie viele Pflanzenarten medizinischen Zwecken dienen, lässt sich nicht genau beziffern: Schätzungen gehen von rund 20 000 aus. Und es gibt viele weitere, bislang unbekannte potenziell interessante Pflanzen – die vielleicht auch nie jemand entdecken wird, denn die Biodiversität nimmt immer mehr ab.
Ein Problem ist der Boom, den Arzneipflanzen erleben. Nicht nur in der Medizin, sondern auch als Gesundheits- oder Wellnessprodukte. Einige Pflanzen werden extra dafür kultiviert, das funktioniert allerdings nicht mit allen. Und so wird immer noch ein sehr grosser Teil der Pflanzen, die medizinisch genutzt werden, wild gesammelt. Das führt nicht selten zu extremem Raubbau. Inzwischen gibt es zumindest gesetzliche Richtlinien und Standards, die auf ein nachhaltiges Sammeln der Heilpflanzen beziehungsweise generell den Schutz der Biodiversität zielen. Trotzdem besteht das Problem nach wie vor «und wir sind gefordert, Lösungen zu finden», sagt Lardos.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Ein Wettlauf, den wir gewinnen müssen
Durch die fortschreitende Zerstörung der Natur und dem Raubbau an ihr geht aber nicht nur eine Vielzahl an Pflanzen unwiederbringlich verloren. Auch indigene Völker und ihre Sprachen verschwinden zusammen mit ihrem natürlichen Lebensraum und damit auch ihr medizinisches Wissen über Pflanzen, das nur mündlich weitergegeben wird. Ethnobotaniker versuchen zwar, dieses Wissen zu dokumentieren und so zu erhalten. «Es ist aber ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Largos.
Ein Wettlauf, den wir unbedingt gewinnen müssen, denn der Verlust an Biodiversität ist ein grosser Verlust für die Medizin und damit für die Menschheit. Wie gross tatsächlich, lässt sich schwer abschätzen, sagt Lardos, aber: «Das Ausmass beziehungsweise die damit verbundenen eventuellen Konsequenzen für die Medizin dürfen wir nicht unterschätzen.»
Gewinnbeteiligung für indigene Völker
Im UNO-Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt, die Biodiversitätskonvention (CBD), ist festgehalten, dass bei der Nutzung genetischer Ressourcen oder damit verbundenem traditionellem Wissen ein Teil des Gewinns an die Urheber des traditionellen Wissens oder die Herkunftsstaaten der genetischen Ressource zurückgegeben werden soll. Die Umsetzung dieser Gewinnbeteiligung wurde 2010 im Nagoya-Protokoll präzisiert und von den meisten CBD-Vertragsparteien ratifiziert, auch von der Schweiz. Allerdings können heute die Genome dieser Organismen entschlüsselt und digital als «digitale Sequenzinformationen» (DSI) auch ohne Gewinnbeteiligung weitergegeben werden. Viele Länder des globalen Südens und auch NGOs wollen darum, dass DSI auch unter der CBD und dem Nagoya-Protokoll geregelt werden; was die Schweizer Pharmalobby und der Bund jedoch ablehnen.
Wildpflanzen und traditionelles Wissen sind nicht patentierbar
Naturstoffe sind für die Medizin hochinteressant. «Moleküle aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen haben ein riesiges medizinisches Potenzial», sagt Ethnopharmakologe Andreas Lardos. «Alle Lebewesen haben evolutionär bedingt bis zu einem gewissen Grad ähnliche Strukturen. Inhaltsstoffe, die der Pflanze als Abwehr oder Schutz dienen, zeigen oft auch im Menschen einen medizinischen Effekt.» Trotzdem setzt die Pharmaindustrie eher auf synthetische Moleküle. Das hat nicht zuletzt mit der komplizierten patentrechtlichen Situation bei pflanzlichen Wirkstoffen zu tun, insbesondere wenn diese mit traditionellem Wissen verbunden sind. Grosse Pharmafirmen scheuen darum davor zurück, Millionen in die Entwicklung naturstoffbasierter Arzneimittel zu investieren; und kleine und mittlere haben schlicht zu wenig Kapital.
BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.
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Matthias Sorg
- Kräutergarten mit Goldmelisse, Kamille und Co.