Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Wildkatze auf Wiese Fabrice Cahez
Tier des Jahres

Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2020

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist 2020 Botschafterin für wilde Wälder, deckungsreiche Kulturlandschaften und wirkungsvollen Naturschutz. Die elegante Jägerin war einst der Ausrottung nahe. Heute breitet sie sich wieder aus. Dabei sorgt die Wildkatze auch für Überraschungen.

Der lateinische Name der Wildkatze bedeutet «Waldkatze». Wilde Wälder mit vielfältigen Strukturen sind der ursprüngliche Lebensraum der Wildkatze. Hier jagt sie Mäuse und andere Kleintiere, verschläft manche Stunde im sicheren Versteck und bringt in einem trockenen Unterschlupf ihre Jungen zur Welt.

Mehr Wildnis wagen – dafür wirbt die Wildkatze 2020. Mehr freie Naturentwicklung täte der aufgeräumten Schweiz vielerorts gut. Es muss nicht immer gleich ein grossflächiges Wildnisgebiet sein. In jedem Waldstück, an jedem Bachlauf, am Feldrand und auf der Weide können wir der Natur Freiraum gewähren. Davon profitieren viele Tier- und Pflanzenarten, nicht nur die Wildkatze. Die Wildkatze wagt sich auch in die Kulturlandschaft vor, wenn sie dort genügend deckungsreiche «Unordnung» vorfindet. Allerdings: Passende Lebensräume helfen Beutegreifern wie der Wildkatze nur dann, wenn die Tiere vor direkter Verfolgung geschützt sind. Auch das zeigt die Geschichte der Wildkatze exemplarisch.

Wildkatze auf Waldweg Fabrice Cahez
Flüchtige Begegnung: Wildkatze auf Waldweg

Die Europäische Wildkatze teilte das Schicksal aller Beutegreifer in der Schweiz. Sie wurde erbarmungslos als vermeintlicher Schädling verfolgt. Philipp Schmidt stellt 1976 in seiner Geschichte der jagdbaren Tiere der Schweiz fest: «Im schweizerischen Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz von 1963 ist die Wildkatze sogar geschützt, aber es ist wohl wie mit dem Güllenloch, das erst zugedeckt wird, wenn schon einer hineingefallen ist.» (Philipp Schmidt, Das Wild der Schweiz, Bern 1976, Seite 341).

Glücklicherweise kam der Schutz für die Wildkatze gerade noch rechtzeitig. Heute beherbergt der Schweizer Jura grossflächig Wildkatzen. Es wird allerdings für immer offen bleiben, ob der «Tiger unserer Wälder» der Ausrottung in der Schweiz tatsächlich entgangen ist. Möglich ist auch, dass die Art aus Frankreich wieder eingewandert ist. In den 1960er und -70er Jahren erfolgten zudem mehrere Aussetzungen von Wildkatzen durch amtliche Stellen und Privatpersonen.

Verbreitungskarte Wildkatze Schweiz
Aktuelle Verbreitungskarte der Wildkatze in der Schweiz. Jedes Quadrat markiert eine oder mehrere Beobachtungen (Stand November 2019)

Ungewöhnliche Filmaufnahmen von Wildkatzen aus dem Naturschutzgebiet Fanel

Quelle: Schweiz aktuell vom 5.11.2017

Wie erkenne ich eine Wildkatze?

Nicht nur Wildkatzen sind in unseren Wäldern unterwegs. Rund 1.6 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Viele von ihnen geniessen freien Auslauf. Auch Tausende von verwilderten Katzen streifen durch Feld und Wald. Selbst bei einer Katzenbeobachtung im tiefsten Wald stellt sich deshalb oft die Frage: Wildkatze oder Hauskatze? Eine getigerte Hauskatze ist nicht immer leicht von einer Wildkatze zu unterscheiden. Endgültige Gewissheit gibt es nur durch genetische Analysen. Äusserlich sind folgende Merkmale typisch für eine Wildkatze:

  • Körperbau massig wirkend durch das dichte, langhaarige Fell
  • Fell seitlich «verwaschen» grau-bräunlich, oft mit weissen Flecken an Kehle, Brust und Bauch; immer mit dunklem Rückenstrich (sog. Aalstrich)
  • Schwanz buschig, mit stumpfem schwarzem Ende, oft mit 2-3 deutlichen schwarzen Ringen
  • Nasenspitze immer rosa
Wildkatze im Heu Fabrice Cahez
Diese Wildkatze lässt einige typische Merkmale deutlich erkennen.

Wildkatzen leben einzelgängerisch in Revieren. Diese Reviere markieren sie mit Urinspritzern, Kot, Kratzbäumen oder Duftmarkierungen. Die Reviergrössen schwanken je nach Landschaft und Nahrungsangebot. Sie liegen bei mehreren Quadratkilometern pro Tier. Die grösseren Reviere der Kater erstrecken sich über mehrere Weibchenreviere. Von Januar bis März schallt das wenig harmonische Paarungsgeschrei der Kater durch den Wildkatzenwald. Nachdem sich Kater und Katze zur Paarung – im wahrsten Sinn des Wortes – zusammengerauft haben, trennen sich ihre Wege wieder.

Nach gut zwei Monaten wirft die Katze ihre Jungen, meist 2-5. Bis zu drei Monate lang werden die Jungen gesäugt. Ab einem Alter von rund 5 Wochen kosten sie erste Fleischbrocken. Kommt der Winter, geht das Familienleben zu Ende. Die ausgewachsenen Jungkatzen suchen ihre eigenen Reviere. Schon im folgenden Jahr können die weiblichen Tiere selber Junge gebären – wenn sie noch leben. Auf junge Wildkatzen lauern viele Gefahren: Natürliche Feinde sind Luchs, Fuchs, Baummarder, Uhu oder Hermelin.

Wildkatze markiert mit Urin Fabrice Cahez
«Hier wohne ich!»: Eine Wildkatze markiert mit Urin.

Der feine Unterschied: Wildkatze und Hauskatze

Man könnte vermuten, dass unsere Hauskatze (Felis catus) von der Europäischen Wildkatze (felis silvestris) abstammt. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr gehen unsere Stubentiger genetisch auf die afrikanisch-asiatische Wildkatze, auch Falbkatze genannt, zurück (Felis lybica). Mit den Römern gelangten die Hauskatzen vor rund 2000 Jahren in unsere Breitengrade. Die Wissenschaft sieht diese drei «Katzentypen» heute als eigenständige Arten. Hauskatzen und Wildkatzen können sich allerdings paaren und fortpflanzungsfähige Junge gebären.

Wildkatze auf Mäusejagd Fabrice Cahez
Bei der Mäusejagd auf frisch gemähten Wiesen am Waldrand können sich Haus- und Wildkatzen leicht begegnen.

Bis vor wenigen Jahren war es sehr schwierig, Wildkatzen wissenschaftlich zu erforschen. Den Durchbruch in der Wildkatzenforschung brachte ab 2006 die Lockstockmethode. Viele Katzen können dem Duft von Baldrian nicht widerstehen. Forschende platzieren deshalb im Wald Holzlatten, die mit Baldrian eingesprüht sind. Katzen reiben sich genüsslich daran. Sie hinterlassen dabei Haare am rauen Stock. Diese Haare enthüllen dank modernen Analysemethoden die genetischen Eigenschaften des Tieres.

2008-2010 analysierte die Hintermann & Weber AG mit der Lockstockmethode im Auftrag des Bundes erstmals die Verbreitung der Wildkatze im Jura. Damals waren erst rund 10% des Jurabogens von Wildkatzen bewohnt. Dieses Monitoring wird aktuell unter der Leitung des Vereins Wildtier Schweiz wiederholt. Anfangs 2021 ist mit neuen, spannenden Erkenntnissen zur Verbreitung der Schweizer Wildkatzen zu rechnen.

Wildkatze an Lockstock Darius Weber
Unwiderstehlich, dieser Duft: Eine Wildkatze reibt sich am Baldrian-Lockstock.

Wenn ausgerottete Tierarten wieder in ihre ursprünglichen Lebensräume zurückkehren, sind Überraschungen nicht selten. Das ist auch bei der Wildkatze so. Jüngste Forschungsergebnisse der Stiftung KORA zeigen zum Beispiel, dass sich die Wildkatze auch ausserhalb von grossen Waldgebieten offenbar behaupten kann. Vier sendermarkierte Tiere hielten sich im Sommer 2018 regelmässig in der intensiv genutzten Kulturlandschaft des Seelandes auf.

Unentbehrlich sind aber Vernetzungsstrukturen wie Hecken, Gehölze und Waldinseln. Ebenso wichtig sind Wildtierpassagen über oder unter verkehrsreichen Strassen. Viele Wildkatzen fallen sonst dem Strassenverkehr zum Opfer.

Wildkatze überquert Strasse Fabrice Cahez
Lauf, Katze, lauf! Viele Wildkatzen fallen dem Strassenverkehr zum Opfer.

Wichtig: Hauskatzen unter Kontrolle halten

Die grösste Gefahr für unsere Wildkatzen geht mittelfristig von der Vermischung (Hybridisierung) mit Hauskatzen aus. Katzenhaltenden kommt also eine grosse Verantwortung zu. Wer freilaufende Katzen hält, sollte diese kastrieren. So werden Kreuzungen mit Wildkatzen verhindert. Erfreulicherweise nehmen bereits sehr viele Katzenbesitzende diese Verantwortung wahr. Das laufende Wildkatzenmonitoring wird auch Daten dazu liefern, wie es um die Hybridisierung von Wild- und Hauskatze in der Schweiz aktuell steht.

Das tut Pro Natura für die Wildkatze

Viele Pro Natura Naturschutzgebiete im Jura können auch Wildkatzen als Teillebensraum dienen. In unseren Waldreservaten finden sie ruhige Rückzugsorte, auf artenreichen Wiesen und Weiden am Waldrand können Wildkatzen Mäuse erbeuten.

Mehr über die 700 Pro Natura Naturschutzgebiete erfahren

Wildkatzen brauchen vernetzte Lebensräume. Und sie müssen Verkehrsachsen einigermassen gefahrlos überqueren können. Mit der Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!» hat sich Pro Natura intensiv für sichere Wildtierkorridore eingesetzt.

Mehr über die Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Niemand denkt heute noch daran, die Wildkatze auszurotten. Doch ihr grösserer Verwandter, der Luchs, ist im Visier der Politik. 2019 haben die eidgenössischen Räte ein völlig missratenes Jagdgesetz verabschiedet, das auch den Luchs bedroht. Dagegen haben Pro Natura und andere Verbände das Referendum ergriffen.

Nein zum missratenen Jagdgesetz

Gelbriner

Schmetter­linge an der Rigi-Südlehne

Trokenmauer Baumgartenalp

Trock­en­mauern

Projekt Wegränder Orchideen

Wegrän­der — verkan­nte Kleinode

Magere Trockenwiese

Ein Paradies für Schmetterlinge

Kulturlandschaft Panzersperre in Stadel

Aktion Hase & Co.

Areal der Deutschen Bahn, Gleisbeet, auf dem sich Wildpflanzen ausbreiten
16.07.2019 Siedlungsraum

«Kollateralerfolge» für die Natur

Ausgerechnet in Arealen, die nicht für die Natur angelegt worden sind, haben viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten letzte Refugien gefunden. Industriebrachen, Gleisareale, Truppenübungsplätze, Steinbrüche, Kies-, Gips- und Lehmgruben bieten wichtige Ersatzlebensräume – doch auch hier erhöht sich der Druck auf die Natur.

Hohe Naturwerte finden sich mitunter dort, wo man sie eigentlich am wenigsten erwartet: in Industrie- und Gewerbearealen oder auch auf Flug- und Waffenplätzen. Ausgerechnet in diesen vom Mensch geprägten Lebensräumen finden seltene Arten Zuflucht.

Die Kreuzkröte beispielsweise wäre nach den grossen Fluss- und Seekorrektionen in der Schweiz ausgestorben, wenn sie nicht hätte ausweichen können in Kiesgruben, auf Baustellen, Truppenübungsplätze oder Industriebrachen. In diesen spärlichen Ersatzlebensräumen findet sie, was ihr einst die dynamischen Auen geboten haben: Kies- und Ruderalflächen, sandige Böden, temporäre Pfützen und Tümpel.

Auch ungedüngte Wiesen sind selten geworden

Auch Ton-, Gips- und Lehmgruben, Steinbrüche oder wenig genutzte Eisenbahnareale dienen als Ersatzlebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Insbesondere die wärmeliebenden Arten sowie Pioniergewächse profitieren von den ruderalen Flächen, von denen es nicht mehr viele gibt in unserem Land. Selten geworden sind auch ungedüngte, magere Wiesen: Einige der letzten grossen Vorkommen im Mittelland finden sich auf Flug- und Waffenplätzen. Der Militärflugplatz Dübendorf etwa verfügt über die grössten Trockenwiesen im Kanton Zürich.

Diese wertvollen Lebensräume wurden nicht mit Absicht geschaffen: Sie sind entweder Relikte einer ehemals artenreicheren Landschaft (Waffen- und Flugplätze) oder eine ungewollte Begleiterscheinung der menschlichen Nutzung (Kiesabbau, Steinbruch etc.), also quasi ein «Kollateralerfolg».

Genau diese unbeabsichtigten Naturwerte machen die Biotope aber auch fragil, denn die Nutzung kann sich ändern. Der Flugplatz Dübendorf etwa soll künftig für die zivile Fliegerei genutzt und dafür mit zusätzlichen Pisten und Gebäuden ausgestattet werden. Auch Kiesgruben sind Veränderungen ausgesetzt.

Die hohen Naturwerte müssen berücksichtigt werden

In den letzten Jahren hat sich der Kiesabbau intensiviert,  der Abbau und die Wiederauffüllung erfolgen immer schneller: Gleich hinter der Abbaulinie wird heute sofort aufgefüllt und rekultiviert – einerseits auf Druck der Landbesitzer, aber auch, weil das Auffüllen inzwischen mindestens so lukrativ ist wie das Abbauen von Kies und Sand: Denn es gibt schlicht zu wenige Gruben, um das Erdmaterial der vielen Baustellen unterzubringen.

Pro Natura fordert, dass die hohen Naturwerte bei der Nutzung und Weiterentwicklung der Areale berücksichtigt und gefördert werden – gerade im intensiv genutzten Unterland sind Kiesgruben, Steinbrüche, Waffen- und Flugplätze die letzten Refugien für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Manche Betreiber fürchten, dass aus ihrem Engagement und dem daraus resultierenden Erfolg (hohe Naturwerte) zusätzliche rechtliche Verpflichtungen und Kosten erwachsen. Dass etwa neu geschaffene Gewässer oder Trockenstandorte sofort unter Schutz gestellt werden und der Betrieb dadurch eingeschränkt wird.

Dies ist nicht im Sinne von Pro Natura. Vielmehr geht es darum, Lösungen zu finden für ein harmonisches Nebeneinander von Natur und Gewerbe. Anhand von sieben Beispielen zeigen wir auf den folgenden Seiten, wie dieses Zusammenspiel gelingen kann und welche Risiken mit einer Nutzungsänderung verbunden sind. 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Nationalpark Graubünden
16.07.2019 Artenschutz

Heinrich Haller: «Ich bin von Langfristigkeit umgeben»

Nach 23 Jahren als Nationalparkdirektor falle ihm der Abschied nicht allzu schwer, sagt Heinrich Haller. Denn gerade im wichtigsten Naturschutzgebiet der Schweiz erfahre man die Grenzen des menschlichen Wirkens.

«Es ist halt schon unglaublich schön hier.» Heinrich Haller sagt diesen Satz halb schüchtern, halb enthusiastisch. Wir stehen an einem frühsommerlichen Abend auf der Südseite des Munt la Schera, Hallers Lieblingsecke des Nationalparks. ­Erste Gämsen äsen auf den noch schütteren Bergwiesen, im Talboden breitet sich ein riesiger Bergnadelwald aus, während im Hintergrund die langgezogenen italienischen Täler östlich und westlich der Cima Paradiso dem Gebiet eine grandiose Weite verleihen.

Pragmatischer Naturromantiker

Hunderte Male hat Heinrich Haller dieses Panorama in seiner 23-jährigen Tätigkeit als Direktor des Schweizerischen Nationalparks schon erblickt, satt ist er nie geworden. Im Gegenteil: «Schau dir an, wie diese Erika nun überall rot leuchten, im Sommer dann stehen die Bergwiesen in voller Farbe, bevor das Rot im Herbst in anderer Form zurückkehrt und schliesslich die weisse Stille einkehrt.» Haller sagt diesen Satz mit einer solchen Leidenschaft, dass er gleich erklärend nachschiebt, er sei nun mal ein Naturromantiker.

Zum Träumer ist der scheidende National­parkdirektor deshalb aber nie geworden. Er sei durch und durch ein Pragmatiker, betont er mehrfach auf unserer Wanderung durch den Nationalpark. Er versuche, das Machbare umzusetzen, anstatt unrealistische Maximalforderungen für die Natur aufzustellen.

Das will aber nicht heissen, dass sich der Wildtierbiologe nur der Mehrheits­meinung anpasst und keine deutlichen Positionen vertritt. Besonders gut lässt sich das bei der letzten Spezies nachvollziehen, die nach der zwischenzeitlichen Aus­rottung ins Gebiet des heutigen Nationalparks zurückgekehrt ist; dem Wolf. Seit gut zwei Jahren streift das Weibchen F18 durchs Gebiet zwischen Ofenpass und Zernez. Heinrich Hallers Freude über diesen Neuankömmling ist spürbar, er hat ihn schon wiederholt beobachtet und fotografiert.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

«Der Mensch muss nicht alles in Beschlag nehmen.»

Heinrich Haller, scheidender Nationalparkdirektor

Heinrich Haller Raphael Weber/Pro Natura

Haller lehnt es entschieden ab, dass Wölfe mit dem revidierten Jagd- und Schutzgesetz künftig viel leichter dezimiert werden können. «Es ist doch absurd: Nun sprechen alle über den dramatischen Rückgang der Biodiversität, und gleichzeitig sollen seltene und geschützte Arten zum Abschuss freigegeben werden.»

Gerade der Wolf habe eine besonders förderliche Wirkung auf die Biodiversität: Wölfe setzen wild lebende Huftiere unter Druck, was sich auf deren Zahl und Verteilung und somit auch auf die Waldver­jüngung auswirken kann. Seitdem im Calanda-­Gebiet ein Wolfsrudel besteht, wird dort die Sonderjagd auf Hirsche denn auch weniger intensiv ausgeführt als in früheren Jahren.

Sollten Wolfspopulationen dereinst über den ganzen Alpenbogen etabliert und vernetzt sein, ist für den Pragmatiker Haller eine passende Regulierung ein diskutierbares Thema. «Doch von einer stabilen Wolfs­population sind wir noch weit entfernt.» Das zeige alleine schon die Tat­sache, wie lange F18 nun schon auf einen Partner warte.

Die Beutegreifer im Fokus

In Hallers beruflicher Laufbahn sind es immer die grossen Beutegreifer gewesen, die ihn besonders fasziniert und begleitet haben, insbesondere Luchs sowie Steinadler und Uhu. Der Wildtierbiologe hebt gerne die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Arbeit im Nationalpark hervor, Haller hat dazu auch mehrere Bücher veröffentlicht. Gerade die Langzeitforschung, ein grosser Trumpf des über 100-jährigen National­parks, eröffne viele wichtige Erkenntnisse über die Veränderungen der Alpen.

Was ein Jahrhundert unberührte Natur konkret bedeutet, zeigt sich eindrücklich bei unserem Abstieg von der Alp la Schera: Zwischen imposanten Baumriesen liegt das Totholz Tausender Bäume wild durcheinander, dazwischen spriessen junge Föhren, Lärchen und Fichten hervor – Natur­dynamik pur. «Noch ein paar Hundert Jahre und dann haben wir hier einen wirklichen Urwald», meint Haller ehr­fürchtig.

Dass in der Natur andere Zyklen als im Menschenleben gelten, lässt Haller immer wieder durchblicken. «Ich bin von Langfristigkeit umgeben», sagt er in einer natürlichen Waldlichtung. Um Gros­ses entstehen zu lassen, müsse Homo sapiens sich nicht zu wichtig nehmen und auch einfach mal zurückstehen.

Es ist diese Demut, dieses Wissen um die Grenzen des menschlichen Wirkens, die ihm nach 23 Jahren als Nationalparkdirektor nun auch den Abgang erleichtern. Und so erzählt er mit der erneuten Leiden­schaft des Naturromantikers, dass es im Nationalpark auch dieses Val Nüglia gibt – ein Tal, wohin kein Wanderweg führt und das somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Er sei in 23 Jahren nicht einmal versucht gewesen, seine Position auszunutzen und dieses Tal zu erkunden. Nur schon das Wissen um dieses unberührte Tal sei für ihn eine grosse Freude. Denn: «Der Mensch muss nicht alles in Beschlag nehmen.»

RAPHAEL WEBER,  Chefredaktor Pro Natura Magazin

Biber

Aktion Biber & Co. Mittelland

Lebensraum Wiese
laufende Projekte

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