Luchsjunges im Schnee © Adobe Stock / sduben

Missratenes Jagdgesetz – Nein!

Innerhalb weniger Wochen ist das Referendum zum neuen Jagdgesetz zustande gekommen. Der grosse Erfolg der Naturschutzorganisationen beweist, dass auch die Bevölkerung mit dieser Revision nicht einverstanden ist. Wir fordern ein modernes Gesetz, das dem Artenschutz dient und ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Wildtieren fördert.

Das Parlament hat sich verrannt: Verrannt in der Diskussion um die Wildtiere in der Schweiz und ihren Einfluss auf den Menschen. Aus dem Wolf wurde ein brutaler Killer, aus dem Biber ein Überschwemmungstäter und aus dem Luchs ein unsichtbarer Störenfried. Mit dem harmlosen Begriff der «Regulierung» tarnt das Parlament das eigentliche Ziel: geschützte Wildtiere zu töten, wenn sie dem Menschen in die Quere kommen könnten.

Erfolgreiches Referendum

Pro Natura, BirdLife Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz, WWF Schweiz und zooschweiz haben sich dagegen zur Wehr gesetzt. Und mit Erfolg: Allein in den ersten sieben Wochen der Unterschriftensammlung kamen über 70’000 Unterschriften zusammen. Bis zur Einreichung des Referendums bei der Bundeskanzlei am 13. Januar 2020 waren es sogar 100’000 gegen die Revision des Jagdgesetzes (beglaubigte Unterschriften: 65'000). Am 17. Mai 2020 kann das Stimmvolk entscheiden, wie es mit dem Jagd- und Schutzgesetz weitergehen soll.

Abschiessen à la carte

Die parlamentarische Debatte zum JSG drehte sich wesentlich um die Liste geschützter Tierarten, die mit dem Gesetz für erleichterte Abschüsse freigegeben werden. Resultat: Neben dem Steinbock soll nur der Wolf auf diese Liste kommen. Alle anderen heiss diskutierten, heute geschützten Arten wie Biber, Luchs oder Graureiher sind nicht auf der Liste – noch nicht.

Denn der Bundesrat kann die Liste der sogenannt «regulierbaren» Arten bei Bedarf anpassen, ohne dass das Parlament oder die Stimmbevölkerung mitreden kann. Entsprechende Forderungen wurden in der Parlamentsdebatte bereits gestellt.

Die Natur braucht alle Arten

Vollkommen ausgeblendet bleibt der unschätzbare Nutzen, den die zurückgekehrten einheimischen Wildtiere erbringen. So wie der Biber, der erst vor 60 Jahren wieder den Weg zurück in die Schweiz fand. Mit seinen Dämmen erschafft er neue Lebensräume, in denen sich Fische, Amphibien, Vögel, Insekten und Pflanzen aus vielen Arten ansiedeln können.

Nein zum Jagdgesetz – Ja zum Biber!

Auch die grossen Beutegreifer sind für unser Ökosystem enorm wichtig. Ohne Luchs und Wolf breiten sich Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine unkontrolliert aus. Der Druck auf den Wald nimmt immer mehr zu.

Durch die Verbissschäden, die die Huftiere anrichten, kann sich der Wald nicht mehr genügend verjüngen. Und die Jäger schaffen es alleine nicht, die Bestände auf einem vertretbaren Niveau zu halten. Umstrittene Nachjagden auf Huftiere sind die Folge.

Nein zum Jagdgesetz – Ja zum Luchs!

Politischer Stein des Anstosses für die Revision des Jagd- und Schutzgesetz war der Wolf. Wie gehen wir in der Schweiz damit um, wenn Wölfe Nutztiere reissen oder sich bewohnten Siedlungen nähern? Dass hier Probleme und Herausforderungen bestehen, ist seit langem bekannt. Auch die Problemlösungen liegen auf dem Tisch. Schafe und andere Nutztiere brauchen einen professionellen Herdenschutz.

Darüber hinaus erlaubt es das geltende Gesetz schon heute, einzelne «Problemwölfe» abzuschiessen. Selbst massive Dezimierungen von Rudeln sind gesetzlich möglich. Der Kanton Graubünden schoss mit Bewilligung des Bundes im Sommer 2019 drei Jungtiere aus dem Beverin-Rudel ab. Übrigens: Noch nie seit der natürlichen Wiedereinwanderung des Wolfes wurde in der Schweiz ein Mensch durch einen Wolf bedroht, verletzt oder getötet.

Nein zum Jagdgesetz – Ja zum Wolf!

Das neue Jagd- und Schutzgesetz ist nicht nur zu einem Abschussgesetz verkommen, der Schutzaspekt wurde vom Parlament vollends ignoriert. Selbst Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, können weiterhin gejagt werden: Feldhase, Schneehuhn oder Waldschnepfe brauchen dringend einen weitgreifenden Schutz, stattdessen bleiben sie aus folkloristischen Gründen weiterhin zur Jagd freigegeben. Das ist nicht nur eine verpasste Chance, sondern auch eine Missachtung unserer Bundesverfassung.

Nein zum Jagdgesetz – Ja zu bedrohten Arten!

Aus all diesen Gründen kämpft Pro Natura gegen das völlig missratene Jagdgesetz. Ein Nein am 17. Mai 2020 macht den Weg frei für eine moderne, naturfreundliche Gesetzesrevision. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Trägervereins: www.jagdgesetz-nein.ch

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