Wildtierbrücke Utzenstorf © Emanuel Ammon

Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Wildtiere wandern. Aber immer mehr Strassen und Bahnlinien zerschneiden die Wege der Tiere. Pro Natura fordert mit ihrer Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!», dass unterbrochene Wildtierkorridore wieder durchgängig werden.

Wildtiere wandern zwischen ihren Schlaf- und Futterplätzen, zwischen Sommer- und Winterlebensräumen oder zu ihren Fortpflanzungsstätten. Einzelne Tiere ziehen weiter, um neue Gebiete zu besiedeln. Diese Wanderungen sind sehr wichtig, damit die Arten nicht aussterben.

Nicht nur grosse Säugetiere wie der Rothirsch müssen sich frei bewegen können. Auch Reh, Luchs, Dachs, Feldhase, Baummarder, Igel, Laubfrosch und Zauneidechse haben wie fast alle Tiere einen Bewegungsdrang und typische Wanderrouten, sogenannte Wildtierkorridore oder Bewegungsachsen.

Ohne Mobilität kein Überleben

Der Austausch zwischen Tierbeständen verschiedener Gebiete ist entscheidend für ihr  Fortbestehen. Das Aussterberisiko steigt bei isolierten, kleinen Populationen stark an. Aber immer mehr Strassen, Bahnlinien, Siedlungen, kanalisierte Gewässer und intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen zerschneiden die traditionellen Verbindungswege der Wildtiere.

Damit Wildtiere Strassen und Eisenbahnlinien sicher queren können, braucht es Wildtierbrücken oder -unterführungen sowie Kleintierdurchlässe und Amphibientunnel. Wichtig sind die richtige Anlage und eine gute Vernetzung mit den umliegenden Naturlandschaften.

Pro Natura fordert, dass beeinträchtigte oder unterbrochene Wildtierkorridore wieder durchgängig gemacht werden. Bei der Planung von Infrastrukturen ist konsequent Rücksicht auf die Bewegungsbedürfnisse der Wildtiere zu nehmen, um eine weitere Zerschneidung ihrer Lebensräume zu verhindern.

Die Wanderwege der Tiere sind blockiert

Im Jahr 2001 erfasste das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 304 überregionale Wildtierkorridore für die Schweiz. Der Zustand dieses Wegenetzes war erschreckend. Nur 28 Prozent der Wildtierkorridore waren intakt, 56 Prozent beeinträchtigt und 16 Prozent total unterbrochen. Zehn Jahre später hat das BAFU die Situation überprüft. Fazit: Der Zustand ist schlecht, und er verbessert sich nicht. Das darf so nicht weitergehen!

Zu viele Wildtiere werden überfahren

Über 20‘000 tödliche Wildunfälle pro Jahr verzeichnet das Bundesamt für Umwelt (BAFU). Diese Zahl umfasst nur grössere Säugetiere vom Hirsch bis zum Hasen. Alles was kleiner ist, wird nicht erfasst. Aber gerade Amphibien sind bei ihren saisonalen Wanderungen extrem gefährdet.

Technische Massnahmen zur Abschreckung der Tiere an Strassen bieten keinen ausreichenden Schutz vor Wildunfällen. Die derzeit wirksamste technische Lösung sind elektronische Wildwarnsysteme, die Verkehrsteilnehmende warnen, sobald Tiere sich der Fahrbahn nähern.

Gefährliche Zäune, Netze und Schächte

Im Siedlungsraum, im Garten und rund ums Haus gibt es viele Barrieren und Fallen für Kleintiere. Zäune und Netze sind nicht nur Barrieren, die die Lebensräume von Tieren zerschneiden. Sie können auch gefährliche Fallen darstellen. Ebenerdig angelegte Licht-, Lüftungs- oder Entwässerungsschächte sind für Kleintiere tödliche Fallgruben. Kellerabgänge, Gartenteiche und Swimmingpools bergen ähnliche Gefahren. Doch sie lassen sich mit geringem Aufwand entschärfen.

Zu diesem Thema gibt es auch ein Faltblatt mit dem Titel «ACHTUNG Wildtiere!». Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne mehrere Exemplare zu. Bitte nehmen Sie mit uns per E-Mail Kontakt auf.




Was Pro Natura tut
  • Pro Natura informiert über die Wanderbedürfnisse von Wildtieren.
  • Pro Natura arbeitet mit einigen Kantonen zusammen, um die kantonsübergreifende Koordination bei der Sanierung von Wildtierkorridoren zu verbessern.
  • Pro Natura setzt sich politisch für den Schutz der Wildtiere ein. Beispielsweise beim Jagdgesetz oder in der Raumplanung.
  • Zur Verbesserung der Vernetzung naturnaher Landschaften pflegen Pro Natura und ihre Sektionen sogenannte Trittsteinbiotope, vielfältige Kleinstrukturen und Böschungen, die vielen verschiedenen Tierarten als Bewegungsachsen und Verstecke dienen.
  • Mit ihren über 650 Naturschutzgebieten setzt Pro Natura konsequent auf die Vernetzung von natürlichen Lebensräumen, sodass sich geschützte und gefährdete Tierarten zwischen den Lebensräumen natürlich und ungestört bewegen können.
Was Sie selbst tun können
  • Betreten Sie keine Wildtierbrücken und -unterführungen. Damit die Korridore funktionieren, müssen die Tiere ungestört bleiben.
  • Geben Sie bei Autofahrten in der Morgen- und Abenddämmerung an Waldrändern und im Wald besonders gut auf querende Wildtiere Acht und passen Sie das Tempo den Umständen an.
  • Falls Sie Wildtiere sehen, erfreuen Sie sich am Anblick. Lassen Sie sie aber ihre Wege gehen, verfolgen Sie sie nicht oder leuchten Sie sie nicht mit Taschenlampen an. Das verschreckt die scheuen Tiere unnötig.
  • Vermeiden Sie Störungen von Tieren insbesondere im Winter bei Ski- und Schneeschuhtouren, Freeride-Abfahrten und Wanderungen. Respektieren Sie Wildruhezonen und Wildtierschutzgebiete. Nehmen Sie Ihren Hund in sensiblen Gebieten an die Leine. Informationen finden Sie unter www.wildruhezonen.ch.
  • Achten Sie darauf, bestehende Barrieren und Wildfallen in Ihrem Garten und Umfeld zu beseitigen und keine neuen zu schaffen. 

Wildtierkorridore: Letzter Ausweg, die Natur zu vernetzen

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