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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Leuchtendes Glühwürmchen Hans Niederhauser
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2019: Das Glühwürmchen

Das Glühwürmchen (Lampyris noctiluca) beleuchtet 2019 die Lage der Insekten in der Schweiz. Das geheimnisvolle Tier ist bei uns noch weit verbreitet. Doch schrumpfender Lebensraum und steigende Lichtverschmutzung setzen den tierischen Sternchen zu.

Sein Name ist irreführend: Das Glühwürmchen ist kein Wurm, sondern ein Käfer. Es glüht auch nicht, sondern verbreitet ein kaltes Leuchten. Deshalb heisst das Tier des Jahres 2019 korrekt «Grosser Leuchtkäfer». Er ist in der Schweiz die häufigste von vier vorkommenden Leuchtkäfer-Arten.

Warum wählt Pro Natura das Glühwürmchen zum Tier des Jahres?

Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. Von rund 36'000 in der Schweiz bekannten Tierarten gehören 30'000 zu den Insekten. Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung. Doch die Wunderwelt der Insekten zerfällt in beängstigender Geschwindigkeit. Lebensraumzerstörung, Pestizide, Lichtverschmutzung und andere Faktoren setzen ihr zu. Die Folgen für Natur und Mensch sind schwerwiegend. Das erkennen immer mehr Menschen, aufgeschreckt durch alarmierende Erkenntnisse der Wissenschaft. Auf diese Fakten und Probleme, aber auch auf praktische Lösungen wirft das Glühwürmchen 2019 sein magisches Licht.

Liebeslicht im Dunkel: Ein Glühwürmchen-Weibchen auf Partnersuche. Biosphoto / Stephane Vitzthum
Liebeslicht im Dunkel: Ein Glühwürmchen-Weibchen auf Partnersuche.

Der Schrecken der Schnecken

Erst ganz am Ende seines Lebens verzaubert das Glühwürmchen in lauen Sommernächten die Landschaft mit seinen Lichtpunkten. Zuvor hat es rund zwei Lebensjahre als Larve verbracht. Seine Nahrung in dieser Zeit sind Schnecken. Dabei sind die Larven nicht wählerisch: Ob gross, klein, mit oder ohne Häuschen – die Larve erbeutet, was sie kriegen kann. Ihre rüden Jagdmethoden passen nicht ins romantische Bild vom Glühwürmchen als feenhaftes Lichtwesen.

Wie schwarzbraune Mini-Krokodile pirschen sich die Larven an ihre oft viel grösseren Beutetiere heran. Sie töten die erbeutete Schnecke mit Giftbissen und fressen sie innert eines Tages ganz auf. Ein besonderes Schwanzorgan hilft der Larve dabei, sich nach der schleimigen Mahlzeit gründlich zu reinigen.

Die Larven verfügen über Abwehrgifte. Sie sind für mögliche Fressfeinde ungeniessbar und warnen diese durch aufleuchtende Lichtpunkte am Hinterleib. Das Licht ist nicht so stark wie das Paarungssignal ausgewachsener Tiere, aber auf eine Distanz von 1-2 Metern gut sichtbar. Im Winter, wenn die Schnecken nicht erreichbar sind, fallen die Larven in eine Winterruhe.

Auf der Jagd: Eine Glühwürmchen-Larve greift eine junge Häuschenschnecke an. Fotolia / Schmutzler-Schaub
Auf der Jagd: Eine Glühwürmchen-Larve greift eine junge Häuschenschnecke an.
Glühwürmchen-Larve frisst Schnecke

Leuchtendes Finale

Nach zwei oder drei Überwinterungen verpuppen sich die Larven. Die erwachsenen Glühwürmchen schlüpfen nach rund einer Woche. So gefrässig die Larven waren, so enthaltsam sind die erwachsenen Tiere: Sie können keine Nahrung zu sich nehmen.

Sofort entzünden die Weibchen an einem günstigen Leuchtplatz das Landefeuer für liebeshungrige Männchen. Das Licht in ihren Leuchtorganen am Körperende entsteht durch eine chemische Reaktion. Diese Fähigkeit von Tieren und Pflanzen, Licht zu erzeugen, heisst Biolumineszenz.

Gut sichtbar sind die Leuchtbänder auf dem sechsten und siebten Körpersegment. Das achte Segment trägt links und rechts einen Leuchtpunkt. Hans Niederhauser
Gut sichtbar sind die Leuchtbänder auf dem sechsten und siebten Körpersegment. Das achte Segment trägt links und rechts einen Leuchtpunkt.

Männchen auf Suchflug

Die Glühwürmchen-Männchen leuchten nicht. Sie überfliegen ihren Lebensraum und spähen mit grossen Augen nach dem ersehnten Liebessignal. Sobald ein Männchen bei einem Weibchen gelandet ist, erlischt das Leuchten und die Paarung findet statt. Das Weibchen legt seine Eier am Boden, unter Gräsern, Steinen oder Holzstücken. Es stirbt anschliessend.

Das Männchen lebt rund zwei Wochen. 60 bis 80 Eier hinterlässt das Paar. Schon diese Eier können schwach leuchten. Nach einem Monat schlüpfen die Larven. Die wenige Millimeter grossen Winzlinge machen sich auf die Jagd nach Schnecken. Der Zyklus beginnt erneut.

Mit grossen Augen auf Ausguck: Das Glühwürmchen-Männchen Christophe Salin
Mit grossen Augen auf Ausguck: Das Glühwürmchen-Männchen
Glühwürmchen bei der Paarung

Schnecken, Vielfalt und...

Der Grosse Leuchtkäfer ist in der ganzen Schweiz verbreitet und kommt auf Höhen bis 2000 Meter über Meer vor. Glühwürmchen leuchten am einsamen Waldrand ebenso wie im städtischen Park. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es dem Glühwürmchen wohl ist. Erstens müssen Schnecken verfügbar sein. Zweitens ist ein vielfältiges, giftfreies Mosaik aus Klein-Lebensräumen nötig. Offene Stellen, schattige Plätzchen, feuchte Verstecke: Solche Strukturen bietet zum Beispiel eine traditionelle Kulturlandschaft, ein naturnaher Garten oder ein giftfrei gepflegter Friedhof oder Park.

Strukturvielfalt im Siedlungsraum ist für Glühwürmchen attraktiv. Andrea Haslinger
Strukturvielfalt im Siedlungsraum ist für Glühwürmchen attraktiv.

...Dunkelheit!

Schliesslich braucht das Glühwürmchen etwas, das auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint: Dunkelheit. Doch in der 24-Stunden-Gesellschaft sind dunkle Nächte keineswegs garantiert. Rund um die Uhr erleuchtete Strassen, grelle Leuchtreklamen und putzige Lämpchen im Garten sind für Glühwürmchen ein Problem. Dieses Problem hat einen Namen: Lichtverschmutzung.

Wo die Nacht durch Kunstlicht zum Tag wird, leuchtet das Glühwurm-Weibchen nämlich vergeblich. Die Männchen finden ihre Partnerinnen nicht. Deshalb ist es wichtig, der Nacht ihre Dunkelheit zu lassen. Nicht nur für das Glühwürmchen: Auch Fledermäuse, Nachtfalter und nicht zuletzt der ruhende Mensch brauchen dunkle Nächte.

 

Lässt die Sterne verblassen: Lichtglocke über der Region Thun BE Naturpark Gantrisch / Mario Rüegger
Lässt die Sterne verblassen: Lichtglocke über der Region Thun BE

Drei weitere Arten von Glühwürmchen

Ausser dem Grossen Leuchtkäfer können in der Schweiz drei weitere Glühwürmchen-Arten beobachtet werden:

Der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) ist der heimliche Star unter seinesgleichen – zumindest auf dem Waldfriedhof in Schaffhausen. Dort lebt eine der wenigen Schweizer Populationen dieser Art nördlich der Alpen. Die Weibchen leuchten sitzend. Wenn die Männchen im Flug zwischen Bäumen und Grabfeldern ihr grünliches Licht für Sekunden aufflammen und wieder verglimmen lassen, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Deshalb zieht das Naturschauspiel inzwischen jährlich zahlreiche Schaulustige an.

Der Kurzflügelleuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) macht seinem Namen nicht wirklich Ehre. Er leuchtet nur sehr schwach und fliegt auch nicht. Die Art ist in der ganzen Schweiz verbreitet. Sie kommt vielleicht sogar häufiger vor als der Grosse Leuchtkäfer, könnte aber oft übersehen werden. Anders als die übrigen Leuchtkäfer-Arten frisst die Larve des Kurzflügelleuchtkäfers nicht Schnecken, sondern Regenwürmer.

Der Italienische Leuchtkäfer (Luciola italica) hat seinen Verbreitungsschwerpunkt – der Name lässt es vermuten – im Tessin und in den Bündner Südtälern. Beide Geschlechter blinken weisslich. Lokale Populationen nördlich der Alpen gibt es in Lausanne und Zürich. Die Herkunft der Tiere in Zürich ist rätselhaft. Die Italienischen Leuchtkäfer, die den Parc Bourget in Lausanne bevölkern, wurden dort in den 1940er Jahren aus dem Tessin eingeführt – einfach zur Freude des Publikums.

Eine weitere nicht heimische Art, Luciola lusitanica, ist in der Schweiz ebenfalls schon vereinzelt festgestellt worden. Sie ist eng verwandt mit dem Italienischen Leuchtkäfer, weshalb die biologische Einordnung (Systematik) noch nicht geklärt ist.

 

Ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers Hans Niederhauser
Ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers

Das tut Pro Natura für das Glühwürmchen

Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen auch Glühwürmchen. Denn diese Naturjuwelen bieten alles, was Glühwürmchen brauchen: Vielfältige Lebensräume, eine intakte Schneckenfauna, dunkle Nächte. Wer weiss, vielleicht lohnt sich ein sommerlicher Nachtspaziergang im Pro Natura Naturschutzgebiet in Ihrer Nähe?

Mehr über die 700 Pro Natura Naturschutzgebiete erfahren

Naturschutz darf sich nicht auf Schutzgebiete beschränken, Pro Natura kämpft getreu ihrem Slogan «Für mehr Natur überall!» für die Natur am Fluss, im Wald, im Alpenraum.

Mehr über verschiedene Lebensräume erfahren

Vielfältige Kulturlandschaften bieten dem Glühwürmchen idealen Lebensraum. Deshalb ist es wichtig, dass die Schweizer Landwirtschaft naturverträglicher wird. Pro Natura setzt sich dafür ein. 2019 beginnt die heisse agrarpolitische Phase für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik unter dem Stichwort «Agrarpolitik 22+».

Pro Natura in der Agrarpolitik

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«Aktion Hase & Co.» für ein vielfältiges Kulturland

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Aktiv werden

Stoppt die invasiven gebietsfremden Arten – helfen Sie mit

Lange unterschätzt, stellen invasive gebietsfremde Arten eine der grössten Bedrohungen für die Biodiversität dar. Sie können einheimische Arten verdrängen, zu Gesundheitsproblemen beim Menschen und zu ökonomischen Schäden führen.

In Kürze:

  • Die Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt in unserem Land ist in ständigem Wandel. Die Verbreitung von Arten verändert sich und passt sich neuen Verhältnissen an. Mit dem weltweiten Handel und der globalen Mobilität transportiert der Mensch vermehrt Arten absichtlich oder unabsichtlich über natürliche Verbreitungsgrenzen hinweg.
  • Die Mehrheit dieser gebietsfremden Arten hat sich gut in unsere Umwelt integriert (z.B. die Strahlenlose Kamille). Einige wenige verdrängen aber in ihrer neuen Heimat die heimische Tier- und Pflanzenwelt und werden daher als «invasiv» bezeichnet.
  • Invasive gebietsfremde Arten bedrohen damit unsere biologische Vielfalt. Sie können aber auch Krankheiten einschleppen, sich negativ auf die Gesundheit von Menschen auswirken (Allergien) und Infrastrukturen beschädigen. 

Invasive gebietsfremde Pflanzen – darum sind sie heikel 

Als Neophyten bezeichnet man jene Pflanzen, die Menschen ab dem 16. Jahrhundert gezielt oder zufällig in fremde Gebiete einführten. Denn nachdem 1492 die europäischen Seefahrer zum amerikanischen Kontinent gelangten, begann eine Zeit, in der sich die Menschen immer häufiger von einem Kontinent auf den anderen bewegten. Diese neuen Lebensräume wären von den Pflanzen auf natürliche Art und Weise nicht besiedelt worden.

Von den rund 4000 wildlebenden Pflanzenarten in der Schweiz sind gegen 750 gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten. Von diesen verhalten sich gut 10 % «invasiv». Sie wachsen oft rasend schnell und verbreiten sich äusserst effizient. 

Ihre rasche Verbreitung liegt unter anderem daran, dass diesen Arten bei uns natürliche Feinde oder Krankheiten fehlen. So verdrängen die Neophyten die heimische Pflanzenwelt. Dadurch geraten wiederum jene Tierarten in Bedrängnis, die auf einheimische Pflanzen angewiesen sind, unter anderem die Raupen mancher Schmetterlinge.

Beispiele für invasive Neophyten sind der Japan-Knöterich, die Kanadische Goldrute, der Sommerflieder und der Kirschlorbeer. 

Invasive gebietsfremde Tiere – problematisch für die Artenvielfalt 

Von den 430 in der Schweiz vorkommenden gebietsfremden Tierarten, den sogenannten Neozoen, gelten 85 als invasiv (BAFU 2022).

Dazu gehören zum Beispiel der Asiatische Marienkäfer, die Asiatische Hornisse, der Japankäfer oder die Rotwangenschildkröte.

Ein weiteres Beispiel sind amerikanische Krebsarten: Mit dem Aussetzen von drei amerikanischen Krebsarten wurde in Europa auch die Krebspest eingeschleppt. Die einheimischen Krebse sterben an diesem Pilz, während die sich stark verbreitenden invasiven Arten grösstenteils immun sind.

Die Samen des  Drüsigen Springkrauts werden mit dem Wasser weit verteilt Matthias Sorg
Drüsiges Springkraut an Bachlauf

Rechtliche Grundlagen

Das Umweltschutzgesetz USG legt fest, dass mit allen Arten in der Natur nur so umgegangen werden darf, dass sie die biologische Vielfalt nicht gefährden.  

Einige invasive gebietsfremde Pflanzen und Tiere sind gemäss Freisetzungsverordnung verboten. Diese verbotenen Arten sind im Anhang 2 der Verordnung aufgeführt.

Für 22 Pflanzen und drei Tiere ist jeglicher Umgang verboten. Sie sind im Anhang 2.1 aufgelistet. Das bedeutet, sie dürfen weder verkauft, vermehrt, freigelassen, transportiert noch gelagert werden. Ausgenommen sind Massnahmen zur Bekämpfung.

Ein Beispiel dafür sind die Amerikanischen Goldruten. Sie dürfen nicht gepflückt und in einem Blumenstrauss gebunden werden, auch wenn sie sehr dekorative Blüten haben. Eine verbotene Tierart ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte. Sie darf bereits seit 2008 nicht mehr verkauft werden. Die Tiere können sehr alt werden. Wer vor dem Verbot eine erworben hat, muss diese bei einer Auffangstation registrieren.

In Anhang 2.2 sind weitere 31 Pflanzen aufgelistet. Für sie gilt das Inverkehrbringungsverbot, das weniger umfassend ist. Es verbietet nur die Abgabe an Dritte, also unter anderem die Einfuhr, den Verkauf, das Verschenken oder Vermieten.

Ein Beispiel ist der Kirschlorbeer. Die Kirschlorbeerhecke darf also weiterhin gepflegt und zurückgeschnitten werden.

Nicht alle invasiven gebietsfremden Pflanzen sind in diesen Anhängen aufgeführt. Die Robinie beispielsweise fehlt und darf weiterhin verkauft und angepflanzt werden. Es gilt jedoch bei allen gebietsfremden Arten die Sorgfaltspflicht. Eine Vermehrung in freier Natur sollte verhindert werden. Leider ist das sehr schwierig umzusetzen oder zu kontrollieren. Auch gibt es auf Bundesebene keine gesetzliche Verpflichtung, invasive Pflanzen zu bekämpfen.

Pro Natura empfiehlt, alle gebietsfremden Pflanzen, die negative Auswirkungen auf die Natur haben könnten, aus dem eigenen Garten zu entfernen.

Zur Freisetzungsverordnung mit den im Anhang 2 aufgeführten verbotenen Arten.

Wie erkenne und entferne ich invasive Neophyten?

Fragen Sie sich, ob auch Sie unwissentlich invasive Neophyten beherbergen? Viele Kantone haben übersichtliche Merkblätter herausgegeben, wie Sie für die Biodiversität gefährliche Neophyten erkennen und entfernen.

Ein paar nützliche Merkblätter:
Praxishilfe Neophyten Thurgau
Praxishilfe Neophyten Zürich
Praxishilfe Neophyten Solothurn
Praxishilfe Neophyten Zentralschweiz
Praxishilfe Neophyten St. Gallen

Erkennen – Entfernen – Entsorgen – Ersetzen: das Allerwichtigste in Kürze

  • Erkennen: Achtung, nur wenige Pflanzen sind invasive Neophyten. Arbeiten Sie mit einer Praxishilfe, um Verwechslungen auszuschliessen. Nicht, dass Sie versehentlich wertvolle, heimische Wildpflanzen entfernen.
  • Entfernen: Bitte verzichten Sie gerade im privaten Bereich auf den Einsatz von Pestiziden zur Bekämpfung von Neophyten. Kontaktieren Sie stattdessen unser Ratgeberteam.
  • Entsorgen: Die meisten Neophyten dürfen Sie nicht in Ihrem eigenen Garten oder Kompost entsorgen. Beachten Sie die Entsorgungs- und Kompostierungsmöglichkeiten Ihrer Gemeinde.
  • Ersetzen: Nun haben Sie Platz für einheimische Pflanzen: Beachten Sie Bodenbeschaffenheit und Lichtverhältnisse. Wählen Sie Pflanzen, die aus der Region stammen und vermeiden Sie Zuchtformen. Mit dem Online-Tool «Einheimisch oder nicht?» von Floretia finden Sie lokale Alternativen: Zur Datenbank

Neophyten und einheimische Alternativen

Pro Natura fordert vorbeugende Massnahmen

Wenn sich invasive gebietsfremde Arten in grosser Zahl ausbreiten, wird jede Abhilfe aufwändig und manchmal sogar wirkungslos. Vorbeugen ist deshalb die bessere Lösung.

Zum Beispiel:

  • in Gärten und Parks auf einheimische Pflanzen setzen.
  • keine Haustiere wie Goldfische, Schildkröten aussetzen.
  • keine gebietsfremden Arten importieren. Mit Pflanzen, Samen, Gemüse, Obst und Tieren können Sie unwissentlich Schädlinge einschleppen.

Website zum Problem der importierten Tiere und Pflanzen

Gefährdete Tier- und Pflanzenarten sind durch invasive gebietsfremde Arten zusätzlich bedroht.

Deshalb setzen wir unter anderem folgende Massnahmen um:

  • Wir entfernen invasive gebietsfremde Arten in den eigenen Schutzgebieten (z.B. die Kanadische Goldrute in Flachmooren).
  • Wir informieren darüber, wie Schäden an der Biodiversität durch invasive gebietsfremde Arten reduziert werden können. 
  • Wir informieren über Alternativen zu invasiven gebietsfremden Arten im Garten. 
  • In der politischen Arbeit fordert Pro Natura die rasche und konsequente Umsetzung der Strategie des Bundes zu den invasiven gebietsfremden Arten.

Freiwilliger am jäten des Drüsigen Springkrauts
Zahlreiche Freiwillige von Pro Natura beteiligen sich bei der Entfernung der invasiven Neophyten – oft in mühsamer Handarbeit.

Heimische Wildpflanzen: Schön und wertvoll

Mit der Wahl einheimischer Pflanzen für Ihren Garten fördern Sie die Artenvielfalt. Jede Wildpflanze bietet Nahrung für bestimmte Tierarten und lockt diese an. Je grösser die Pflanzenvielfalt, desto grösser ist auch die Vielfalt an Tieren in Ihrem Garten.

Nicht nur der ökologische Wert einheimischer Pflanzen ist deutlich höher als der von Neophyten. Auch an Farben und Formen übertrumpfen die zahlreichen einheimischen Pflanzen viele Neophyten mit Leichtigkeit. Wir wünschen Ihnen entspannte Stunden in Ihrem bunten Naturgarten!

Bestellen Sie bei uns den reich bebilderten Flyer «Invasive Neophyten im Garten». Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne mehrere Exemplare zu. Bitte nehmen Sie mit uns per E-Mail Kontakt auf: @email

Eine Auswahl einheimischer Ersatzpflanzen

Biberaue Foto Jan Ryser

Bib­er­aue Fer­en­balm — Biber helfen der Bibere

Panzersperre Marfeldingen

Aufw­er­tung Panzersperre

Weiher

Amphi­bi­en­förderung

Waldstrasse Forst

Ökol­o­gis­che Böschungspflege

Lebensraum Wald
14.08.2025 Wolf, Luchs, Bär

«Inzucht ist zunehmend ein existenzielles Problem»

Der Schweizer Luchsbestand ist genetisch am Limit, die Vernetzung mit den anderen Populationen in Europa funktioniert noch nicht. Im Interview erklärt Kristina Vogt, Wildtierbiologin bei der KORA, wie sich die Situation verbessern liesse.

Seit rund 50 Jahren streifen wieder Luchse durch die Schweiz. Wie steht es um die Akzeptanz des Luchses bei Landwirtschaft und Jagd?  

Kristina Vogt: Bei der Landwirtschaft ist der Luchs kaum noch ein Thema. In den 1990er-Jahren gab es grössere Konflikte, vor allem mit der Jägerschaft. Das hat sich stark beruhigt. Jäger haben sich an die Anwesenheit des Luchses gewöhnt und akzeptieren ihn als einheimischen Beutegreifer. Die Daseinsberechtigung wird ihm nicht mehr abgesprochen, es gibt auch Jäger, die sich über den Luchs freuen und uns Luchsbeobachtungen melden. Diskussionen gibt es aber zur Frage, welche Bestandsdichte «angemessen» ist. Da gehen die Meinungen nach wie vor auseinander.

Der Luchsbestand hat sich in den letzten 25 Jahren auf rund 300 Tiere vervierfacht. Ist der Bestand damit für die Zukunft gesichert?

Mit den dreihundert Tieren sind wir noch nicht auf der sicheren Seite. Die Vernetzung mit den anderen Populationen in Europa funktioniert noch nicht, der Bestand ist sehr isoliert. Weil er aus nur wenigen Gründertieren hervorgegangen ist, die noch dazu zum Teil untereinander verwandt waren, ist die genetische Vielfalt tief und Inzucht zunehmend ein existenzielles Problem. Ohne genetische Vielfalt kann sich der Luchs nur schwer an veränderte Umweltbedingungen oder an neue Krankheitserreger anpassen. 

Luchs in der Nacht Matthias Neuhaus

Das typische Merkmal des Luchses sind seine Pinselohren. Vor ein paar Jahren wurden im Jura drei Luchse ganz ohne Ohren fotografiert.

Mittlerweile sind praktisch alle Schweizer Luchse mehr oder weniger stark miteinander verwandt. Durch diese Inzucht steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei verwandte Tiere miteinander paaren, welche beide die gleiche zufällige Mutation, wie zum Beispiel fehlende Ohren, tragen. Entsprechende Missbildungen sind dann zwangsläufig bei den Nachkommen sichtbar. Noch bedenklicher ist aber die Ausbreitung von Herzproblemen. Im Rahmen eines Projekts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit FIWI der Universität Bern untersuchen wir zurzeit die Genetik und Gesundheit der Luchse.

Gibt es erste Resultate? 

Zwei Drittel der untersuchten Alpenluchse weisen ein abnormales Herzgeräusch auf. Es gibt Hinweise darauf, dass es sich um eine vererbliche Herzkrankheit handelt. Wir haben auch festgestellt, dass stärker ingezüchtete Jungtiere schlechter überleben.

Das klingt dramatisch. Was schlägt die Wissenschaft vor, um die Situation zu verbessern? 

Vonseiten KORA und FIWI empfehlen wir dringend, den Bestand mit Luchsen aus den Karpaten genetisch aufzufrischen. Auf internationaler Ebene brauchen wir zudem eine Vernetzung aller mitteleuropäischen Vorkommen und als Fernziel eine Vernetzung mit der Ursprungspopulation in den Karpaten bzw. in der Slowakei, der Ukraine und Rumänien. Dieser Bestand ist der Einzige in ganz Mitteleuropa, der nie verschwunden ist und eine hohe genetische Vielfalt aufweist. Alle anderen Populationen sind ausgestorben und gehen auf Wiederansiedlungen weniger Tiere aus den Karpaten zurück. 

Luchsjungen in der Nacht Matthias Neuhaus

Ist der Schweizer Bestand zurzeit gar nicht mit dem Ausland vernetzt? 

Der Schweizer und der französische Jura bilden eine durchgehende Population, wobei alle Tiere in Frankreich ursprünglich aus der Schweiz eingewandert sind. Einzelne, meist männliche Luchse aus der Schweiz wandern auch ins umliegende Ausland ab, z. B. in die Vogesen, den Schwarzwald oder nach Vorarlberg. Im Schwarzwald läuft zurzeit ein Projekt zur Aufstockung des Bestands mit Tieren aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria). Die kleine isolierte Luchspopulation in den österreichischen Kalkalpen pflanzt sich zurzeit gar nicht fort und droht zu erlöschen.

Wie erreichen wir die Ziele der Wissenschaft? 

Es gibt eine Arbeitsgruppe der Kantone, die sich mit dem Thema beschäftigt. Wir von KORA und FIWI sind in beratender Funktion dabei, ebenso die Jagdinspektoren und das BAFU. Es geht um die Planung konkreter Massnahmen.

Von welchem Zeithorizont sprechen wir? 

Das hängt von den politischen Prozessen und der Akzeptanz ab, aber man sollte keinesfalls zehn Jahre warten. Die genetische und gesundheitliche Situation wird nicht von alleine besser. Es empfiehlt sich, jetzt zeitnah einzugreifen, bevor die Probleme massiv zunehmen.

Luchs in der Dämmerung Matthias Neuhaus

Könnte der Luchs langfristig auch im Mittelland Fuss fassen?

Seit 2013 pflanzen sich Luchse auch im Mittelland fort. Der Luchs ist ein heimliches und anpassungsfähiges Tier, das auch in der Kulturlandschaft gut zurechtkommt. Das Mittelland ist allerdings durch Strassen stark fragmentiert, und viele Luchse werden überfahren oder können sich nicht ausbreiten. Problematisch sind auch Holzarbeiten in der Setzzeit rund um den Bau. Wenn eine Stärkung der genetischen Vielfalt gelingt, sind die langfristigen Perspektiven besser. Schaffen wir es nicht, könnte das zu einer Stagnation oder gar einem Rückgang des Schweizer Bestandes führen.

Gregor Klaus, freischaffender Journalist 

Linking Lynx
Das Netzwerk aus Expertinnen und Experten beschäftigt sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des mitteleuropäischen Luchses. Ziel ist die Schaffung zusammenhängender Populationen von den Karpaten bis hin zum Jura, den Westalpen und dem Dinarischen Gebirge. Linking Lynx umfasst mehrere Arbeitsgruppen sowie alle geplanten und laufenden Wiederansiedlungs- und Bestandesstützungsprojekte.
https://www.linking-lynx.org/de

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Illustration David Gerke
Artenschutz

David Gerke bezieht Stellung für den Wolf

Mit dem Wolf habe er eigentlich nichts zu tun, sagt David Gerke. Diese Aussage überrascht, immerhin gilt der Geschäftsführer der Gruppe Wolf Schweiz als wichtigster Wolfschützer des Landes.

«Ja, der Wolf ist ein faszinierendes Tier», sagt er, «aber eben nur ein Tier wie der Mensch und Millionen andere.» Gerke interessiert sich viel mehr für das Drumherum. So wäre er auch Ge­schäftsführer der Gruppe Reh Schweiz, würde Bambi Konflikte provozieren wie der Wolf.

Dass Gerke sich für das Zusammen­leben von Mensch und Wolf einsetzt, ist aber auch dem Zufall geschuldet. Denn als sich der damals 15-jährige David 2001 für Politik zu interessieren begann, ging das Bild vom toten Bergeller Wolf durch die Me­dien. Er hatte zuvor Dutzende Schafe geris­sen und wurde zum Abschuss freigegeben. Heute gibt es in der Schweiz nur weni­ge Personen, die an das Wolfswissen des Landwirts und Schäfers, Jagdwissenschaft­lers, Jägers und grünen Kantonsrats im Kanton Solothurn herankommen. Unter Medienleuten heisst es, er gebe pragma­tisch Auskunft, Polemik sei nicht seine Sa­che. «Wobei Polemik auch mir durchaus Spass macht», korrigiert Gerke, «mir ist es aber wichtig, differenzierter zu sein als das Gegenüber.» Gerke wird auch gerne ange­fragt, weil er den Konflikt nicht scheut und dem Druck nicht weicht.

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Symbolbild Wolf Henrik Aija

Während Naturschützer früher Tiere unter Schutz stellten, bekämpft Gerke, Vorstandsmitglied Pro Natura Solothurn, heute ein neues Phänomen: die Lockerung ihres Schutzes. Das tut er in Bundesbern genauso wie auf der Alp nach einem Wolfsriss, was angesichts der emotional aufgeladenen Situation viel Mut erfordert. Gerke steht hin, hört zu und bringt seine Argumente ein. Sein grosses Plus; er ist an beiden Orten glaubwürdig: Auf der Alp versteht er den Schmerz des Hirten, in der Politik spricht er so, dass seine Sätze den Weg in die revidierte Jagdverordnung finden.

Die Gruppe Wolf Schweiz ist eine Hybrid­organisation von Tier­ und Naturschutz. Für sie ist der Wolf keine rein biologische Frage, sondern eine kulturelle. Sie dreht sich genauso um Landwirtschaft, Ökologie und Ökonomie wie um Biologie, Rechtli­ches und Soziales. 

Diese Themenvielfalt gefällt David Ger­ke. Seit 2022 ist er Geschäftsführer des Ver­eins, zuvor hat er ihn seit 2005 ehrenamt­lich präsidiert. Man kann sagen: Gerke ist die Gruppe Wolf Schweiz, er hat ihre Auf­gaben und Ziele seinen Interessen und Schwerpunkten angepasst. 

«Naturschutz ist für mich Prozess­schutz», sagt Gerke, «wir sollten die Natur nicht konservieren, sondern machen las­sen.» An der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz mag er besonders, dass das Tier Prozesse in Gang bringt. Der Wolf schliesst Kreisläufe und stösst neue an – in der Na­tur, in der Gesellschaft, in den Köpfen.

BRIGITTE WENGER arbeitet als freischaffende Journalistin.

Lebensraum Wiese
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