Progetti
Winterzeit – Schlafenszeit
Da der Igel als Insektenfresser in dieser Jahreszeit kaum Nahrung findet, muss er sparsam mit seiner Energie umgehen. Er macht einen Winterschlaf und reduziert seine Körpertemperatur und sämtliche Stoffwechselvorgänge drastisch. Dabei zehrt er von seinen Fettreserven. Die Igelmännchen beziehen ihr Winterquartier als Erste. Ihnen folgen die Weibchen. Als Letzte ziehen sich schliesslich die Jungtiere zurück.
Durchschnittlich schlafen Igel fünf bis sechs Monate. Normalerweise begegnen wir in der kalten Jahreszeit also keinem Igel. Treffen Sie dennoch einen an, sollten Sie versuchen, seinen Gesundheitszustand einzuschätzen. Hat der Igel eine rundliche Gestalt, ist aktiv, kugelt sich bei Berührung zusammen und frisst angebotenes Katzenfutter, ist er wahrscheinlich gesund. Er ist vermutlich aufgewacht und hat kurzzeitig sein Nest verlassen. Wurde er aufgescheucht, ist er nun möglicherweise auf der Suche nach einem neuen Unterschlupf. Sie können ihm helfen, indem Sie ihm an Ort und Stelle ein Schlafnest (z. B. eine mit Stroh gefüllte Holzkiste mit einem Eingang von ca. 14 cm auf 14 cm) aufstellen. Er wird sich bald verkriechen und weiterschlafen. Macht das Tier jedoch einen schwachen, abgemagerten Eindruck, benötigt es vielleicht Hilfe. Sie können dem Igel Hunde-, Katzenfutter oder ein ungewürztes Rührei anbieten sowie Wasser. Niemals Milch!
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Verletzte, kranke oder unterernährte Igel brauchen professionelle Hilfe. Kontaktieren Sie in einem solchen Fall möglichst rasch eine Igelstation oder einen Tierarzt. Die Fachleute wissen, wie man einen Igel pflegt und versorgt.
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Adressen von Igelstationen finden Sie bei Pro IgelSeit über 100 Jahren sichern wir Naturgebiete. Mittlerweile sind über 1'000 Schutzgebiete in der Schweiz mit einer Gesamtfläche von 74'200 Hektaren so geschützt. 7'100 Hektaren davon sind im Eigentum von Pro Natura. Das Netz unserer Naturschutzgebiete wird laufend ergänzt.
Im Jahr 2023 konnten wir 60 Hektaren neu für die Natur sichern, zum Beispiel:
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Wie sichern wir so viele Schutzgebiete?
Dank unseren Mitgliedern und Spender:innen! Nur mit dieser Unterstützung kann Pro Natura langfristig Flächen für den Schutz der Natur sichern. Manche Parzellen bekommen wir geschenkt, andere vererbt oder wir kaufen die Flächen. Heute sind rund 6’900 Hektaren Eigentum von Pro Natura. In anderen Fällen schliessen wir Verträge ab, um die Nutzung und Pflege von Flächen im Sinne der Natur ab.
In der Mehrzahl unserer Naturschutzgebiete übernehmen wir die Betreuung oder sind daran beteiligt. Unsere Fachleute erarbeiten die optimalen Konzepte und Pflegepläne für die Flächen.
In manchen Gebieten fördern wir Lebensräume mit ihren typischen Tier- und Pflanzenarten. In anderen Gebieten soll sich die Natur ohne menschliche Eingriffe zu Wildnis entwickeln. Wiederum andere Gebiete dienen der Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft. Dort wird die ehemalige Nutzung durch Pflege nachgeahmt. Für die Pflege arbeiten wir mit Landwirt:innen und Freiwilligen zusammen.
Schutzgebiete in der Schweiz
Neben den Pro Natura Naturschutzgebieten gibt es noch weitere Schutzgebiete in der Schweiz. Wahrscheinlich kennen Sie den Schweizerischen Nationalpark im Engadin – den bisher leider einzigen Nationalpark in der Schweiz. Wussten Sie, dass Pro Natura den Nationalpark gegründet hat und heute noch unterstützt? Wir setzen uns auch dafür ein, dass neue Nationalpärke gegründet werden.
Zusätzlich gibt es eine (leicht verwirrende) Vielfalt weiterer Schutzgebiete. Es gibt:
- Naturerlebnispärke
- Moorlandschaften
- Biotope von Nationaler Bedeutung
- Waldreservate
- Naturschutzgebiete der Kantone und einzelner Gemeinden und vieles mehr.
Leider gibt es keine Übersicht, wo welche Gebiete in der Schweiz wie geschützt sind. Pro Natura setzt sich dafür ein, dass aus der derzeit unübersichtlichen Vielzahl an kleinflächigen, sich überlagernden, schlecht funktionierenden einzelnen Schutzgebieten ein repräsentatives, umfassendes, wirksames und von den Menschen begrüsstes Schutzgebietsnetz entsteht. Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Schutzgebietsarbeit können wir einen wichtigen Beitrag leisten.
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Wilde Wölfe müssen wild bleiben
Kein anderes Wildtier polarisiert wie der Wolf. Auf der einen Seite wird von Wolfsgegnern Panik geschürt, dass Kinder auf dem Schulweg nicht mehr sicher seien. Auf der anderen Seite kontern Wolfsfreunde mit der reflexhaften Aussage, es sei noch nie ein Mensch durch Wölfe zu Schaden gekommen. Der Akzeptanz des Wolfes ist aber weder mit Verteufelung noch Idealisierung geholfen – nur mit Sachlichkeit.
Dazu hat eine Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) einen Beitrag geleistet. Die Studie basiert auf einer sorgfältigen Analyse von schriftlichen Berichten und Kirchenregistern aus dem 16. bis zum 20. Jahrhundert sowie auf Dutzenden Experteninterviews in verschiedenen Ländern mit Wolfspopulationen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und mit dem wichtigen Vorbehalt, dass die Faktenlage aus der Zeit vor Beginn des 20. Jahrhunderts sehr dürftig ist – handelt es sich doch um die umfassendste Studie zu Wolfsangriffen. Dies erlaubt einige generelle Schlussfolgerungen.
10 tödliche Wolfs-Attacken in 100 Jahren
Ja, wildlebende Wölfe haben schon Menschen getötet, und nicht immer war die Tollwut schuld: 2010 etwa starb in Südalaska eine Joggerin bei einem Wolfsangriff. Dies ist eine von zehn tödlichen Attacken, die nicht in Zusammenhang mit Tollwut stehen, die in den vergangenen hundert Jahren in Europa und Nordamerika dokumentiert worden sind.
Eine tödliche Wolfsattacke ereignet sich also – bezogen auf ganz Europa und Nordamerika – etwa alle zehn Jahre einmal. Im gleichen Zeitraum stirbt auf diesen Kontinenten ein Vielfaches an Menschen durch Bienenstiche, Kühe oder Giftschlangen – von Haushunden ganz zu schweigen. All diese Tiere lösen aber nicht die gleiche irrationale Angst aus wie der Wolf. Ob es damit zu tun hat, dass der Wolf das wilde, vermeintlich unberechenbare Gegenstück unseres besten Freundes, des Hundes, ist?
Der Mythos des Werwolfs
Die grosse Mehrheit der dokumentierten tödlichen Vorfälle stammt aus früheren Jahrhunderten. Die Lebens- und Umweltbedingungen von Mensch wie Wolf sind mit heute aber nicht annähernd vergleichbar. In früheren Jahrhunderten waren die Wälder abgeholzt und die Beutetiere der Wölfe ausgerottet. Die Schaf- und Ziegenherden wurden oft von Kindern fernab der Dörfer gehütet. Und menschliche Leichen waren den verbliebenen Wölfen aufgrund von Kriegen, Epidemien und Richtstätten häufiger zugänglich, so dass sie sich möglicherweise an menschliche Beute gewöhnen konnten.
Zudem stehen aus dieser Epoche die meisten bekannten Wolfsangriffe auf den Menschen eindeutig im Zusammenhang mit der Tollwut. Wölfe werden zwar selten von Tollwut befallen und dienen dem Virus nicht als Reservoir. Aber wenn ein Wolf an Tollwut erkrankt, dann äussert sich die Infektion oft in ihrer rasenden Verlaufsform: Erkrankte Wölfe irren bei Tag umher und können dann Menschen (oder Tiere) anfallen.
Vor der Entwicklung eines Impfstoffes im Jahr 1885 verlief eine Tollwutinfektion immer tödlich. Gebissene erkrankten Tage bis Monate später an der Wut – ein unheimliches Phänomen, das zur Bildung des Werwolf-Mythos beigetragen hat. Doch heute ist die Tollwut in weiten Teilen Europas ausgerottet. Die Schweiz gilt seit 1999 offiziell als frei von terrestrischer Tollwut, sie kann in seltenen Fällen nur noch bei Fledermäusen auftreten.
Wölfe werden gefährlich gemacht
Der wichtigste Risikofaktor nach der Tollwut ist Gewöhnung an den Menschen durch Futter. So verlieren Wölfe die Scheu und lernen, Menschen mit Nahrung zu assoziieren. Nähern sich angefütterte Wölfe einem Menschen, ist das Unfallrisiko hoch. Zu Beissvorfällen mit «habituierten» Wölfen kam es 2017 in Israel und 2018 in Polen.
Auch Lebensraumzerstörung und das Verschwinden natürlicher Beute erhöhen das Risiko, das von grossen Beutegreifern für Menschen ausgeht. Deshalb steht Indien bei Wolfsattacken an der unrühmlichen Spitze: Im ländlichen Indien, wo die natürlichen Beutetiere des Wolfs ausgerottet sind, werden die Tiere durch Abfälle und Ziegenherden in Siedlungsnähe gelockt und treffen dort permanent auf unbeaufsichtigte (Klein-)Kinder. Aber selbst in Indien fällt jedes Jahr ein Vielfaches an Menschen Tigern, Bären, Elefanten, streunenden Hunden und Giftschlangen zum Opfer.
Im Verhältnis auffällig ungefährlich
Wolfsattacken sind also extrem selten. Wölfe können gar, in Relation zu ihrer körperlichen Wehrhaftigkeit und ähnlich grossen Beutegreifern wie Pumas oder Schwarzbären, als auffällig ungefährlich bezeichnet werden. Europäische Wölfe unterlagen während Jahrhunderten starker Verfolgung und damit quasi natürlicher Selektion, die wahrscheinlich nur die scheuesten Exemplare überlebt haben. Fehlende Scheu wird hierzulande höchstens bei «naiven» Jungwölfen oder kranken Tieren beobachtet, während gesunde erwachsene Wölfe den Menschen in aller Regel meiden.
Bedingungen in Schweiz erfüllt
Wölfe benötigen riesige Streifgebiete und können in Mitteleuropa nicht bloss in Schutzgebieten überleben. Wir müssen daher lernen, mit dem Wolf in unserer Kulturlandschaft zusammenzuleben. Die konkrete Herausforderung stellt sich dabei vorab in der Nutztierhaltung. Dazu muss den Menschen auch die Angst vor dem Wolf genommen werden. Und damit Wölfe ungefährlich bleiben, empfehlen die NINA-Studienautoren: «Keep wolves wild» – die Wölfe müssen wild bleiben.
Dazu dürfen Wölfe keinesfalls gefüttert werden, ihr Habitat und dessen Wildbestand müssen erhalten, die Tollwut unter Kontrolle bleiben. Abschüsse problematischer Einzeltiere müssen möglich sein. Die Autoren diskutieren ferner die Option einer streng reglementierten Bejagung, die der lokalen Bevölkerung ein Gefühl der Ermächtigung geben könnte.
In der Schweiz sind diese Voraussetzungen weitgehend erfüllt: Die Wildbestände sind hoch, die Tollwut ausgemerzt, ein wissenschaftliches Wildtiermanagement etabliert. Sogenannte Problemwölfe können erlegt werden, um Gefahr für Mensch und Tier abzuwenden; ja selbst die Regulierung des Wolfsbestands ist bereits heute möglich. Wir Menschen sollten aber auch lernen, Wolfsverhalten einzuordnen: So ist nicht jeder neugierige Jungwolf, der auf Distanz hinter einem Hundespaziergänger her trottet, bereits ein Problemwolf, ebenso wenig wie der Wolf, der nachts am Rand eines Walliser Bergdorfes eine Hirschkuh reisst.
SARA WEHRLI ist bei Pro Natura zuständig für das Dossier Beutegreifer.
Studie: The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans. NINA Norsk institutt for naturforskning, Trondheim.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Dokumentarfilm Becoming Animal: «Langsam, aber sicher und bestimmt»
Man weiss nie, wo Peter Mettler den Anruf annehmen wird: in seiner Heimatstadt Toronto, in Zürich, Delhi oder in der Arktis? Mettler ist sehr oft auf Reise, auf Entdeckungstour für einen Film, dessen Drehbuch er noch nicht kennt. Am Telefon aber ist von Unruhe oder Getriebensein nichts zu hören. Mettler spricht wie einer, der im Lot sitzt, mit warmer ruhiger Stimme.
Immer wieder wechselt er von Schweizerdeutsch ins Englische, meist dann, wenn er um Präzision bemüht ist. Er sei mit dieser Dualität oder gespaltenen Identität aufgewachsen, erzählt der 60-Jährige, dessen Eltern in den 1950er-Jahren aus der Schweiz nach Kanada emigriert sind. Und so funktionierten auch seine Filme – über Perspektivenwechsel, Vergleiche, Assoziationen.
Naturfilme nach neuem Muster
Auch sein Neuling «Becoming Animal», ein audivisueller Essay über die Beziehung des Menschen zur Natur, folgt diesem Mechanismus. Bereits im Einstieg bricht der Film mit den Regeln der klassisch-romantischen Naturdoku. Man sieht, wie ein Elch Gras kaut, minutenlang und ohne Schnitt – in «animal time», wie Mettler erklärt. Die ist schwer auszuhalten, erwartet man doch, dass etwas passiert, irgendeine Aktion, die den Beginn einer Geschichte markiert. Aber dazu kommt es nicht, aus gutem Grund: Peter Mettler und Co-Regisseurin Emma Davie wählten die lange Einstellung (oder an anderer Stelle des Films ein psychedelisches Flimmern), um uns «einen neuen Zugang zur ‚more than human world‘» zu eröffnen.
Peter Mettler nimmt damit einen Faden auf, den der amerikanische Philosoph David Abram in seinem Buch «Becoming Animal» ausgelegt hat. Auf das Buch aufmerksam gemacht habe ihn die schottische Filmemacherin Emma Davie. Im Wissen, dass ihn dasselbe Interesse treibe an den Zusammenhängen von Bewusstsein, Technologie, Natur und Spiritualität. Mettler las das Buch – und war begeistert. So entstand die Idee für ein gemeinsames Filmprojekt. In «Becoming Animal» erläutert David Abram vor der Kamera, wie die Sprache und die Technologie unsere Wahrnehmung prägen. Wie sie sich als Barrieren zwischen uns Menschen und die «more than human world» geschoben haben.
Lieber fragen als antworten
Aus der einst animistischen Verbundenheit ist eine kühle, brüchige Fernbeziehung geworden – mit den bekannten Folgen, wie sie auch im Film «Petropolis» von Peter Mettler zu sehen sind. 2008 hat der Kanada-Schweizer im Auftrag von Greenpeace den Teersandabbau in Alberta aus einem Helikopter gefilmt. «Nur aus dieser Perspektive sind die gewaltigen Eingriffe in die Landschaft fassbar», sagt er. Die Luftaufnahmen hat er anschliessend zu einem hypnotischen Film geschnitten, der fast ohne Kommentare auskommt.
Greenpeace wusste, dass sie mit Mettler keinen Agitprop-Filmer engagieren, sondern einen Künstler, der auf die Kraft des Erlebens, der Bilder und Töne setzt, der lieber fragt als antwortet. Das Wagnis zahlte sich aus: «Petropolis» avancierte zu einem Internet-Hit, lief im Fernsehen und ging mit Musikerlegende Neil Young auf Protesttour. Den Sandabbau konnte der Film freilich nicht stoppen. Zu mächtig ist das Geschäft mit dem Öl, zu distanziert unsere Beziehung zur Natur.
Die Natur über die Technik erleben
Wie also können wir das «Tier in uns» wiederentdecken und unsere Beziehung zur Natur intensivieren? Peter Mettler wählt hierfür einen paradoxen Ansatz; mithilfe der Technologie, in seinem Fall: Kameras, Mikrofone, Laptop. Derart ausgestattet fährt er im Herbst 2016 mit Emma Davie und David Abram in den Grand Teton National Park (USA), um erste Aufnahmen für «Becoming Animal» zu drehen.
Das technische Equipment wird er später gezielt in Szene setzen: An mehreren Stellen des Films sind Kameras und Mikrofone, Navigationshilfen, Autos und Flugzeuge zu sehen. «Wir erleben die Natur über die Technik», sagt er. «Das wollte ich zeigen». Gleichzeitig macht der Regisseur deutlich, dass ein Mensch hinter der Kamera ist, einer, der keucht, stolpert, flüstert und sich wundert, etwa über die Oberton-Gesänge eines Elchbullen. So schlüpft der Zuschauer in die Haut des Filmemachers und erkundet mit diesem das «lebendige Land».
Video-Künstlerin Pipilotti Rist, die mit Mettler mal eine Künstler-WG im Appenzell teilte, schrieb über dessen Werk: «Die Filme von Peter Mettler sehen lustigerweise aus wie er selber: gross, schön und sanft. Sie bewegen sich langsam, aber sicher und bestimmt. Wie ein Tier in Trance, das viel denkt.» Nun möchte man von Mettler wissen, ob er sich auch ohne Kamera in der Natur bewegen kann, sich ihr «nackt» hingeben und sie ohne Grüblerei geniessen kann? «Oh ja», sagt er. «Jedes Jahr fahre ich in die Wildnis Kanadas und mache Kanu-Touren. Das gibt mir Energie und Ruhe.»
NICOLAS GATTLEN ist Redaktor des Pro Natura Magazins.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Jetzt Mitglied werdenBiodiversitätskrise
Berner Konvention ermahnt die Schweiz zum Handeln
Während Länder wie Norwegen, Belarus, Ukraine, Andorra oder Georgien mit 10 und 16 Prozent ihrer Landesflächen inzwischen grosse Beiträge zu Smaragd geleistet haben, verharrt die Schweiz seit neun Jahren bei einem Beitrag von 1,6 Prozent ihrer Landesfläche. Smaragd soll als Netzwerk europaweit seltene oder gefährdete Lebensräume und Arten schützen und bis 2020 realisiert sein.
Ohne weitere Beiträge der Schweiz wird dieses Ziel verfehlt. «Dass ausgerechnet die Schweiz ihren Beitrag zum Smaragd-Netzwerk nicht leistet, ist bezeichnend dafür, wie unser Land den Artenschutz vernachlässigt», sagt Friedrich Wulf, Projektleiter Politik und Internationales bei Pro Natura. «Wir begrüssen es daher, dass die Berner Konvention die Schweiz hier stärker in die Pflicht nimmt.» Ganz im Sinne von Pro Natura ist auch der Beschluss der Berner Konvention, dass die Schweiz und Frankreich den Schutz des Doubs weiter verbessern und den Plan national d’Action en faveur du Doubs mit Massnahmen im Land- und Forstwirtschaftsbereich ergänzen sollen.
Kontakt:
Friedrich Wulf, Projektleiter Politik und Internationales Pro Natura, 061 317 92 42
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Medienmitteilung von Pro Natura
Tier des Jahres 2019: Das Glühwürmchen
Sein Name ist irreführend: Das Glühwürmchen ist kein Wurm, sondern ein Käfer. Es glüht auch nicht, sondern verbreitet ein kaltes Leuchten. Deshalb heisst das Tier des Jahres 2019 korrekt «Grosser Leuchtkäfer». Er ist in der Schweiz die häufigste von vier vorkommenden Leuchtkäfer-Arten.
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Warum wählt Pro Natura das Glühwürmchen zum Tier des Jahres?
Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. Von rund 36'000 in der Schweiz bekannten Tierarten gehören 30'000 zu den Insekten. Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung. Doch die Wunderwelt der Insekten zerfällt in beängstigender Geschwindigkeit. Lebensraumzerstörung, Pestizide, Lichtverschmutzung und andere Faktoren setzen ihr zu. Die Folgen für Natur und Mensch sind schwerwiegend. Das erkennen immer mehr Menschen, aufgeschreckt durch alarmierende Erkenntnisse der Wissenschaft. Auf diese Fakten und Probleme, aber auch auf praktische Lösungen wirft das Glühwürmchen 2019 sein magisches Licht.
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Biosphoto / Stephane Vitzthum
- Liebeslicht im Dunkel: Ein Glühwürmchen-Weibchen auf Partnersuche.
Der Schrecken der Schnecken
Erst ganz am Ende seines Lebens verzaubert das Glühwürmchen in lauen Sommernächten die Landschaft mit seinen Lichtpunkten. Zuvor hat es rund zwei Lebensjahre als Larve verbracht. Seine Nahrung in dieser Zeit sind Schnecken. Dabei sind die Larven nicht wählerisch: Ob gross, klein, mit oder ohne Häuschen – die Larve erbeutet, was sie kriegen kann. Ihre rüden Jagdmethoden passen nicht ins romantische Bild vom Glühwürmchen als feenhaftes Lichtwesen.
Wie schwarzbraune Mini-Krokodile pirschen sich die Larven an ihre oft viel grösseren Beutetiere heran. Sie töten die erbeutete Schnecke mit Giftbissen und fressen sie innert eines Tages ganz auf. Ein besonderes Schwanzorgan hilft der Larve dabei, sich nach der schleimigen Mahlzeit gründlich zu reinigen.
Die Larven verfügen über Abwehrgifte. Sie sind für mögliche Fressfeinde ungeniessbar und warnen diese durch aufleuchtende Lichtpunkte am Hinterleib. Das Licht ist nicht so stark wie das Paarungssignal ausgewachsener Tiere, aber auf eine Distanz von 1-2 Metern gut sichtbar. Im Winter, wenn die Schnecken nicht erreichbar sind, fallen die Larven in eine Winterruhe.
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Fotolia / Schmutzler-Schaub
- Auf der Jagd: Eine Glühwürmchen-Larve greift eine junge Häuschenschnecke an.
Leuchtendes Finale
Nach zwei oder drei Überwinterungen verpuppen sich die Larven. Die erwachsenen Glühwürmchen schlüpfen nach rund einer Woche. So gefrässig die Larven waren, so enthaltsam sind die erwachsenen Tiere: Sie können keine Nahrung zu sich nehmen.
Sofort entzünden die Weibchen an einem günstigen Leuchtplatz das Landefeuer für liebeshungrige Männchen. Das Licht in ihren Leuchtorganen am Körperende entsteht durch eine chemische Reaktion. Diese Fähigkeit von Tieren und Pflanzen, Licht zu erzeugen, heisst Biolumineszenz.
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Hans Niederhauser
- Gut sichtbar sind die Leuchtbänder auf dem sechsten und siebten Körpersegment. Das achte Segment trägt links und rechts einen Leuchtpunkt.
Männchen auf Suchflug
Die Glühwürmchen-Männchen leuchten nicht. Sie überfliegen ihren Lebensraum und spähen mit grossen Augen nach dem ersehnten Liebessignal. Sobald ein Männchen bei einem Weibchen gelandet ist, erlischt das Leuchten und die Paarung findet statt. Das Weibchen legt seine Eier am Boden, unter Gräsern, Steinen oder Holzstücken. Es stirbt anschliessend.
Das Männchen lebt rund zwei Wochen. 60 bis 80 Eier hinterlässt das Paar. Schon diese Eier können schwach leuchten. Nach einem Monat schlüpfen die Larven. Die wenige Millimeter grossen Winzlinge machen sich auf die Jagd nach Schnecken. Der Zyklus beginnt erneut.
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Christophe Salin
- Mit grossen Augen auf Ausguck: Das Glühwürmchen-Männchen
Schnecken, Vielfalt und...
Der Grosse Leuchtkäfer ist in der ganzen Schweiz verbreitet und kommt auf Höhen bis 2000 Meter über Meer vor. Glühwürmchen leuchten am einsamen Waldrand ebenso wie im städtischen Park. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es dem Glühwürmchen wohl ist. Erstens müssen Schnecken verfügbar sein. Zweitens ist ein vielfältiges, giftfreies Mosaik aus Klein-Lebensräumen nötig. Offene Stellen, schattige Plätzchen, feuchte Verstecke: Solche Strukturen bietet zum Beispiel eine traditionelle Kulturlandschaft, ein naturnaher Garten oder ein giftfrei gepflegter Friedhof oder Park.
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Andrea Haslinger
- Strukturvielfalt im Siedlungsraum ist für Glühwürmchen attraktiv.
...Dunkelheit!
Schliesslich braucht das Glühwürmchen etwas, das auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint: Dunkelheit. Doch in der 24-Stunden-Gesellschaft sind dunkle Nächte keineswegs garantiert. Rund um die Uhr erleuchtete Strassen, grelle Leuchtreklamen und putzige Lämpchen im Garten sind für Glühwürmchen ein Problem. Dieses Problem hat einen Namen: Lichtverschmutzung.
Wo die Nacht durch Kunstlicht zum Tag wird, leuchtet das Glühwurm-Weibchen nämlich vergeblich. Die Männchen finden ihre Partnerinnen nicht. Deshalb ist es wichtig, der Nacht ihre Dunkelheit zu lassen. Nicht nur für das Glühwürmchen: Auch Fledermäuse, Nachtfalter und nicht zuletzt der ruhende Mensch brauchen dunkle Nächte.
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Naturpark Gantrisch / Mario Rüegger
- Lässt die Sterne verblassen: Lichtglocke über der Region Thun BE
Drei weitere Arten von Glühwürmchen
Ausser dem Grossen Leuchtkäfer können in der Schweiz drei weitere Glühwürmchen-Arten beobachtet werden:
Der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) ist der heimliche Star unter seinesgleichen – zumindest auf dem Waldfriedhof in Schaffhausen. Dort lebt eine der wenigen Schweizer Populationen dieser Art nördlich der Alpen. Die Weibchen leuchten sitzend. Wenn die Männchen im Flug zwischen Bäumen und Grabfeldern ihr grünliches Licht für Sekunden aufflammen und wieder verglimmen lassen, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Deshalb zieht das Naturschauspiel inzwischen jährlich zahlreiche Schaulustige an.
Der Kurzflügelleuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) macht seinem Namen nicht wirklich Ehre. Er leuchtet nur sehr schwach und fliegt auch nicht. Die Art ist in der ganzen Schweiz verbreitet. Sie kommt vielleicht sogar häufiger vor als der Grosse Leuchtkäfer, könnte aber oft übersehen werden. Anders als die übrigen Leuchtkäfer-Arten frisst die Larve des Kurzflügelleuchtkäfers nicht Schnecken, sondern Regenwürmer.
Der Italienische Leuchtkäfer (Luciola italica) hat seinen Verbreitungsschwerpunkt – der Name lässt es vermuten – im Tessin und in den Bündner Südtälern. Beide Geschlechter blinken weisslich. Lokale Populationen nördlich der Alpen gibt es in Lausanne und Zürich. Die Herkunft der Tiere in Zürich ist rätselhaft. Die Italienischen Leuchtkäfer, die den Parc Bourget in Lausanne bevölkern, wurden dort in den 1940er Jahren aus dem Tessin eingeführt – einfach zur Freude des Publikums.
Eine weitere nicht heimische Art, Luciola lusitanica, ist in der Schweiz ebenfalls schon vereinzelt festgestellt worden. Sie ist eng verwandt mit dem Italienischen Leuchtkäfer, weshalb die biologische Einordnung (Systematik) noch nicht geklärt ist.
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Hans Niederhauser
- Ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers
Das tut Pro Natura für das Glühwürmchen
Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen auch Glühwürmchen. Denn diese Naturjuwelen bieten alles, was Glühwürmchen brauchen: Vielfältige Lebensräume, eine intakte Schneckenfauna, dunkle Nächte. Wer weiss, vielleicht lohnt sich ein sommerlicher Nachtspaziergang im Pro Natura Naturschutzgebiet in Ihrer Nähe?
Mehr über die 700 Pro Natura Naturschutzgebiete erfahren
Naturschutz darf sich nicht auf Schutzgebiete beschränken, Pro Natura kämpft getreu ihrem Slogan «Für mehr Natur überall!» für die Natur am Fluss, im Wald, im Alpenraum.
Mehr über verschiedene Lebensräume erfahren
Vielfältige Kulturlandschaften bieten dem Glühwürmchen idealen Lebensraum. Deshalb ist es wichtig, dass die Schweizer Landwirtschaft naturverträglicher wird. Pro Natura setzt sich dafür ein. 2019 beginnt die heisse agrarpolitische Phase für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik unter dem Stichwort «Agrarpolitik 22+».
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«Aktion Hase & Co.» für ein vielfältiges Kulturland
Biodiversitätskrise
25 Jahre Biodiversitätskonvention: Kein Grund zum Feiern
In einer Analyse aus dem Jahr 2017 hat Pro Natura zusammen mit anderen Umweltorganisationen gezeigt, dass die Schweiz nur etwa ein Zehntel der in der Biodiversitätskonvention bis 2020 gesteckten Ziele erreichen wird. Und auch von den Biodiversitätszielen, die sich die Schweiz in ihrer eigenen, darauf aufbauenden Biodiversitätsstrategie von 2012 gegeben hat, wird beim derzeitigen Fortschritt gerade mal eines von 18 strategischen Zielen bis 2020 erreicht werden können.
Auch nach 25 Jahren internationalem Schutz der biologischen Vielfalt wenig zu feiern haben in der Schweiz zum Beispiel:
- Das Braunkehlchen: Sein Bestand hat sich in den letzten 25 Jahren halbiert.
- Der Feldhase: Sein Bestand ist in den letzten 25 Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen.
- Das Kleine Mausohr: Sein Verbreitungsgebiet hat sich in den letzten 25 Jahren um ein Drittel reduziert. Von den anderen einheimischen Fledermausarten stehen 58 Prozent auf der Roten Liste.
- Der Igel: In der Stadt Zürich hat sich sein Verbreitungsgebiet um rund einen Drittel verkleinert.
- Der Lungenenzian-Ameisenbläuling und das grosse Wiesenvögelchen: Obwohl ihr Lebensraum Moore rechtlich geschützt ist, ist der Bestand dieser Tagfalter stärker bedroht als vor 25 Jahren.
- 93,8 Prozent der Schweizer Landesfläche: Denn in der Schweiz stehen nur 6,2 Prozent der Landesfläche unter Schutz. Damit ist unser Land weit entfernt vom internationalen Ziel, 17 Prozent der Landesfläche bis 2020 zu schützen.
Pro Natura fordert: Taten
Um die internationalen und die nationalen Biodiversitätsziele wenigstens noch teilweise zu erreichen, müssen die im bundesrätlichen Aktionsplan Biodiversität von 2017 enthaltenen Massnahmen rasch umgesetzt werden. Doch damit ist es nicht getan: Wie ein umfassender Schutz der Biodiversität aussehen müsste, haben die Umweltverbände im Aktionsplan Biodiversität aus Sicht der Zivilgesellschaft aufgezeigt: Es braucht konkrete Massnahmen und vor allem deren konsequente Umsetzung. Pro Natura wird sich überdies gegen alle Versuche einer Schwächung der bestehenden Gesetze zum Schutz der Artenvielfalt in der Schweiz zur Wehr setzen.
Internationale Biodiversitätskonvention
Der heutige internationale Tag der Biodiversität erinnert an den 22. Mai 1992, an dem in Nairobi Einigkeit über den Text des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention of Biological Diversity, CBD) erzielt wurde. Die Biodiversitätskonvention trat 1993 in Kraft und hat zum Ziel, die Biodiversität zu schützen, nachhaltig zu nutzen und die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile fair aufzuteilen. 2010 einigten sich die Unterzeichnerstaaten für die Jahre 2011 bis 2020 auf 20 Ziele, mit deren Umsetzung der anhaltende Verlust der Biodiversität endlich beendet werden soll. Diese sogenannten Aichi-Ziele gelten auch für die Schweiz.
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Documenti scaricabili
Aktionsplan Biodiversität SchweizAuskünfte
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Simona Kobel, Pro Natura Projektleiterin Nationale Biodiversitätspolitik, Tel. 061 317 91 37, @email
- Urs Tester, Pro Natura Leiter Biotope und Arten, Tel. 061 317 91 38, @email
Zitierte Studien und Quellen
- OECD Umweltprüfbericht 2017
- BAFU (Hrsg.) 2017: Biodiversität in der Schweiz: Zustand und Entwicklung. Ergebnisse des Überwachungssystems im Bereich Biodiversität, Stand 2016. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Zustand Nr. 1630: 60 S.
- Rote Liste Fledermäuse
- Rote Liste Tagfalter und Widderchen
- Schweizer Feldhasenmonitoring 2016 - Schweizerische Vogelwarte
- Schweizerische Vogelwarte: Zustand der Vogelwelt 2017
- BirdLife Schweiz, Pro Natura, WWF Schweiz (2017): Strategie Biodiversität Schweiz des Bundesrates – Wo steht die Umsetzung in der Schweiz 2017?
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