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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Portrait Pascal Affolter
25.05.2022 Energie

«Die Zeit ist reif für eine Solaroffensive»

Pascal Affolter, ein überzeugter Atomkraftgegner, setzte sich schon als Student für erneuerbare Energien ein und gründete später eine Firma für Solaranlagen. Die Schweiz schöpfe ihr riesiges Potenzial heute bei Weitem nicht aus — das möchte er ändern.

Auf dem Dach der Ecole technique et des métiers in Lausanne eröffnet sich ein herrlicher Blick auf den Genfersee, die Berge und die Dächer der Stadt. Doch das ist nicht der Grund, wieso uns Pascal Affolter hier hinaufgeführt hat. Vielmehr will er uns eine der zahlreichen Fotovoltaikanlagen zeigen, die das Unternehmen Solstis realisiert hat. Diese auf Solarprojekte spezialisierte Firma hatte er vor mehr als 25 Jahren mit seinem Studienkollegen Jacques Bonvin in Lausanne gegründet.

Von der Nische zum Mainstream

Blickt man nach Westen, sieht man ein weiteres, vollständig mit schwarzen Zellen bedecktes Dach in der Morgensonne glänzen. «Diese Anlage stammt nicht von uns. Vor einem Vierteljahrhundert waren wir Pioniere, aber inzwischen gibt es viele Anbieter. Und das ist auch gut so.»

2020 verzeichnete die Fotovoltaik in der Schweiz einen Rekordzuwachs von fast 50 Prozent – umgerechnet etwa 476 Megawatt – im Vergleich zum Vorjahr. Für diesen Schub gibt es drei Gründe, sagt der Solarexperte: erstens die Energiestrategie 2050, die den nachhaltigen Energien Auftrieb gegeben und die Fotovoltaik (endlich) rentabel gemacht hat; zweitens der berüchtigte Blackout, «vor dem Bundesrat Guy Parmelin im letzten Herbst warnte» und der die Angst vor einem Anstieg der Energiepreise schürt; drittens die Pandemie, «die den Wunsch nach Selbstversorgung verstärkt hat, insbesondere bei Privatpersonen. Und sicher wird auch der Krieg in der Ukraine die Pläne für ein baldiges Ende der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beeinflussen.»

In der Schweizer Solarbranche gibt es bereits etwa 7000 Vollzeitstellen und diese Zahl dürfte sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. Ab 2024 soll es eine Berufsausbildung zur Fachkraft für Solarenergie geben. «Die Zeit der Ökoidealisten, die in Hinterzimmern arbeiten, ist eindeutig vorbei. Immer mehr junge Leute wollen in diesem zukunftsträchtigen Bereich tätig werden.»

Als Affolter vor rund 30 Jahren an der ETH Lausanne (EPFL) Elektrotechnik studierte, galt er als Ökofreak. «Während meine Studienkollegen ihre Zukunft vor allem in grossen Elektrizitätsunternehmen sahen, interessierte ich mich schon damals mehr fürs Energiesparen als fürs Energieproduzieren.» Als erklärter, aber nicht politisch aktiver Atomkraftgegner beteiligte er sich ehrenamtlich an verschiedenen Aktionen des Vereins «Sortir du nucléaire».

Tschernobyl als Bestätigung

Der Unfall von Tschernobyl 1986 machte ihm definitiv klar, welchen Weg er einschlagen sollte. Frisch diplomiert, arbeitete er in einem Ingenieurbüro in der Region La Côte und entwickelte zusammen mit dem EPFL-Labor für Solarenergie und Bauphysik Pilotprojekte. «Das war die Zeit der Projekte, die zu 100 Prozent vom Bund unterstützt wurden. Die Solarenergie galt noch als absolut unrentabel.»

Als sich 1996 der Wunsch konkretisierte, die an der EPFL entwickelten Projekte industriell umzusetzen, gründete er mit einem befreundeten Ingenieur die Firma Solstis. «Damals war die Schweiz in der Forschung auf diesem Gebiet führend. Doch im Laufe der Zeit liefen ihr Länder wie Deutschland diesen Rang ab, denn dort fördert die staatliche Politik die Solarenergie.» In der Schweiz kommt der Markt nach und nach in Schwung, «zum Teil auch dank des Auftrags, den uns das Bundesamt für Energie zur Förderung von Solarstrombörsen in der Westschweiz erteilt hatte.» Von kleinen Einzeldächern bis zum Solarkraftwerk, das mehrere Hundert Haushalte versorgen kann, tauchen nun immer mehr Anlagen auf.

«Fertig mit dem Hickhack»

Und genau hier stellt sich oft auch die heikle Frage, ob sich die Solaranlagen ästhetisch in die Landschaft einfügen. «Oh ja, das ist ein grosses Thema, das mich manchmal auch nervt. Offen gesagt, wenn wir uns von fossilen Brennstoffen verabschieden wollen – vollständig und sehr bald –, dann müssen wir mit diesem kleinlichen Hickhack aufhören. Das Ziel ist, nachhaltig zu produzieren. Darum geht es.» Umso mehr, als das Know-how inzwischen so weit gewachsen ist, dass der ästhetische Aspekt kein Hindernis mehr darstellen muss. «Wir konnten zum Beispiel ein Freiburger Bauernhaus aus dem Jahr 1859 mit Solarmodulen in Terrakotta-Optik ausstatten – wofür wir den Solarpreis 2018 erhalten haben. Die Solarmodule wirken nicht mehr aufgesetzt, sondern kleiden die Gebäude.»

Auf den Dächern der Schweiz gibt es noch sehr viel Platz. «Die Zeit ist reif für eine Solaroffensive. Wenn wir alle bestehenden Dächer mit Fotovoltaikanlagen ausrüsten würden, könnten wir 80 Prozent unseres Strombedarfs decken. Doch davon ist die Schweiz weit entfernt. Zum Vergleich: Spitzenreiter Dänemark hat einen zehnmal höheren Anteil.» Das Solarpotenzial der Schweiz werde bei Weitem nicht ausgeschöpft, Pascal Affolter will das ändern.

FLORENCE KUPFERSCHMID ist Redaktorin der frankophonen Ausgabe des Pro Natura Magazins.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Biodiversitätskrise

Nachhaltigkeit: Wie beeinflusst unser Konsum die Natur?

Überproduktion und Überkonsum zerstören die Natur

Weltacker
In einer Welt mit begrenzten natürlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum unmöglich. Dies zeigt uns einmal mehr die Energie-Debatte. Überproduktion und Überkonsum zerstören die Natur, bringen lebenswichtige Ökosysteme zum Kollabieren und heizen die Klimakrise massiv an. Die Mittel zur Veränderung liegen bei der Politik.

Der aktuelle massive Überkonsum an Ressourcen, Dienstleistungen, Energie und Boden übersteigt die Belastungsgrenze unseres Planeten. Die Menschheit beutet heute mehr als dreimal so viele natürliche Ressourcen aus wie vor 50 Jahren. Dies ist auf die exponentiell wachsenden Volkswirtschaften und die Globalisierung und Digitalisierung der Lieferketten zurückzuführen. Unser Ressourcenverbrauch ist schon heute mit Abstand die Hauptursache für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt. Hinzu kommen die Treibhausgasemissionen als Ursache der Klimakrise.

Eine drastische Senkung unseres Konsumniveaus kann die Situation noch ändern, ohne dass wir deswegen auf ein gutes Leben verzichten müssen: weniger kann manchmal mehr bedeuten. Pro Natura setzt sich für eine Gesellschaft ein, welche respektvoller mit der Natur umgeht, weniger konsumorientiert und gerechter handelt.

Wirtschafts- und Gesellschaftssystem müssen sich verändern

Technische Innovationen, welche die Effizienz der Ressourcennutzung erhöhen, reichen nicht aus. Im Gegenteil: bis jetzt war die Steigerung der Energieeffizienz immer mit einer Produktionszunahme, nicht mit einer Einsparung von Rohstoffen verbunden.

Ein angeblich «grünes» Wachstum voranzutreiben und zu versuchen, sämtliche fossilen Brennstoffe durch elektrische Energie zu ersetzen, ist nicht nur unrealistisch, sondern hat wiederum verheerende Auswirkungen auf die Nutzung anderer natürlicher Ressourcen: So wird beispielsweise geschätzt, dass die EU im Jahr 2050 60-mal mehr Lithium und 15-mal mehr Kobalt benötigen wird als heute.

Damit wir innerhalb der planetaren ökologischen Grenzen leben können, braucht es tiefgreifende Veränderungen in unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Individuelle Verhaltensänderungen können viel bewirken, letztlich ist aber die Politik in der Verantwortung, diese Veränderungen voranzutreiben

Macht Konsum glücklich?
Unser Gesellschaftsmodell der Überproduktion, des Überkonsums und der Verschwendung ist eine direkte Folge unseres Wirtschaftssystems, das auf permanentem Wachstum basiert. Diese «Wachstumsdiktatur» garantiert uns aber kein Glück. Das Wohlbefinden nimmt in den reichen Ländern seit vielen Jahren nicht mehr zu. Der Konsumismus ist weit davon entfernt, uns glücklicher zu machen. Im Gegenteil: er schadet unserer Gesundheit, weil er ein ständiges Frustrationsgefühl erzeugt. Die Rückkehr zu einem einfacheren Leben, das mehr Nähe zu anderen, mehr Solidarität und auch mehr Nähe zur Natur bedeutet, ist hingegen eine Quelle der inneren Zufriedenheit.

Die Schweiz trägt eine internationale Verantwortung

Der übermässige Konsum in der Schweiz und den nördlichen Ländern (sowie der Elite im globalen Süden) schadet nicht nur ganz direkt der Natur und der Umwelt hierzulande, sondern auch der Umwelt in den ärmsten Ländern. Er zerstört Wälder, Lebensräume und Meere und gefährdet die Lebensbedingungen der Menschen im globalen Süden. Das ist inakpzeptabel.

Das macht und fordert Pro Natura

Der Trend zu Second Hand Kleidern, vegane Ernährung und Flugscham sind auf dem Vormarsch, und an Energiespartipps mangelt es nicht. Das ist richtig und wichtig: Wir müssen unser persönliches Konsumverhalten verändern. Die Verhaltensänderungen von Einzelnen können sich aber nur dann durchsetzen, wenn sie auch mit politischen Massnahmen unterstützt und gefördert werden. Wirtschaft und Politik dürfen sich nicht hinter dem Argument der Nachfrage verstecken.

Pro Natura wendet den Suffizienz-Ansatz auf die wichtigsten politischen Bereiche an, zu denen wir aktiv sind: Landwirtschaft und Ernährung, Raumplanung und Energie.

Sihlwald
Natur erleben
Mit einem vielfältigen, vorwiegend kostenlosen Veranstaltungskalender möchten wir allen Teilnehmenden den Zugang zur Natur ermöglichen – auf eine fröhliche und genügsame Art.

Das können Sie tun

Neben Veränderungen im eigenen Konsumverhalten können Sie sich auch für den Wandel in der Gesellschaft und der Politik einsetzen und aktiv werden: 

  • Finden Sie Gleichgesinnte und starten Sie gemeinsam Veränderungen in Ihrer Gemeinschaft. Es existieren bereits zahlreiche lokale Initiativen, die auf dem Prinzip der Genügsamkeit basieren: Repair-Cafés, Werkzeugverleihe, Nutzergemeinschaften. 
    Unterstützung, wie Sie solche Projekte angehen können finden Sie zum Beispiel im internationalen Transition Netzwerk von Rob Hopkins
  • Sensibilisieren Sie Ihre Mitmenschen und sprechen Sie über die Dringlichkeit, Veränderungen in Wirtschaft und Politik voranzutreiben.
  • Werden Sie politisch aktiv. Es sind verschiedene Petitionen und Initiativen am Laufen, die sie unterstützen können.
     
Fieschertal
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Gerne informieren wir Sie auch in unserem Newsletter über aktuelle Veranstaltungen und Projekte rund um die Themen Biodiversität, Klima und Nachhaltigkeit.
Lichtverschmutzung in Zürich
01.09.2022 Energie

Ohne Politik und Wirtschaft geht’s nicht: Jetzt Energieverschwendung stoppen

Der ökologische Fussabdruck der Schweiz ist drei Mal so gross, wie es unsere planetaren Grenzen zulassen. Zwei Drittel davon macht der Energiekonsum aus. Das wissen wir schon lange. Energiesparen – das bräuchte es nicht erst jetzt. Sparappelle allein an Privataushalte greifen aber zu kurz. Wir müssen die politischen und wirtschaftlichen Weichen anders stellen. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde zählt – besonders auch für die Natur.

Ein Drittel unseres Stromverbrauchs geht auf das Konto von Privathaushalten – mit riesigen Unterschieden je nach Lebensstil und Einkommen. Etwas mehr als die Hälfte des Gesamtverbrauchs gehen auf das Konto von Industrie, Gewerbe und Dienstleistungssektor. Auch der Verkehr trägt rund 10 % bei. Damit wir in der Energiewende schnell und nachhaltig vorankommen, braucht es darum verbindliche Spar- und Effizienzmassnahmen auf allen Ebenen, für Privathaushalte wie auch für die Wirtschaft. 

Energiesparen und Naturschutz zusammen denken

Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs, welche gleichzeitig erheblichen Nutzen für Natur und Klima mit sich bringen und erst noch unsere Lebensqualität verbessern, sind in verschiedenen Politikbereichen zum Teil sehr rasch umsetzbar. Einige Beispiele:

Verkehr und Mobilität: 

Der motorisierte Individualverkehr braucht nicht nur enorm viel Energie, sondern frisst Platz, versiegelt Böden, zerschneidet Lebensräume und bringt Lärm und Störungen für Mensch und Tier mit sich. Das gilt zum grossen Teil auch für die energieeffizientere Elektromobilität. Massnahmen, die Energie sparen, Natur und Klima schützen und die Lebensqualität steigern, sind etwa Tempolimiten, autofreie Sonntage, Anreize für Carsharing und Anreize für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel im Nah- wie auch im Fernverkehr. 

Elektromobilität muss gegenüber fossilen Verbrennungsmotoren den Vorrang haben, auch hier sind aber Beschränkungen nötig: Wo immer möglich muss mit geeigneten Massnahmen der Langsamverkehr gefördert werden. Zu Fuss gehen oder mit eigener Kraft ein Velo oder Trottinett betreiben, nützt neben der Umwelt auch der Gesundheit.

Strecken, welche mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden können, wie etwa Freizeit- oder Geschäftsreisen innerhalb von Europa, sollen nicht mehr mit dem Flugzeug angeflogen werden. Hierfür braucht es neben der Förderung und dem Ausbau des Schienenverkehrs – etwa auch von Nachtzügen – staatliche Vorgaben, möglicherweise bis hin zu einem Verbot von Kurzstreckenflügen.  

Zug in Basel Uwe Conrad

Beheizung, Kühlung und Beleuchtung:

Für die Kühlung und Beheizung öffentlicher Gebäude, Anlagen und auch privater Büros können per Gesetz oder Verordnung Maximalwerte festgelegt werden. Einige europäische Länder haben angesichts der Energiekrise bereits vorgemacht, wie das geht. Schon mit der Reduktion von Heizungs- und Boilertemperaturen um nur wenige Grad wird der Gesamtenergieverbrauch massgeblich reduziert. Das darf aber eben nicht nur von Privaten gefordert werden, sondern gilt auch für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen. 

Im öffentlichen Raum kann ein Verbot von beleuchteten Firmenschildern und Schaufenstern sowie die Beleuchtung von Büros und anderen unbenutzten Gebäuden über Nacht viel Energie sparen. Stromfressende Reklameanlagen wie bewegte E-Plakatsäulen könnten wir von heute auf morgen abschalten. Auch im öffentlichen Bereich kann die nächtliche Beleuchtung noch weiter reduziert werden, solange die Sicherheit nicht beeinträchtigt wird. Insekten und andere Tiere werden sich freuen.

Haben Sie gewusst? Nachtbeleuchtungen mindern die Überlebenschancen von rund 50% aller Insektenarten. Fluginsekten werden von künstlichen Lichtquellen wie von einem Staubsauger an- und gleichzeitig aus anderen Ökosystemen abgezogen. Sie sterben an Erschöpfung oder als leichte Beute von Vögeln und Fledermäusen.

Tourismus und Freizeitanlagen: 

Die meisten von uns haben das Bedürfnis, freie Zeit in einer angenehmen Umgebung zu verbringen, Sport zu treiben und uns in der Natur zu erholen. Die darauf beruhende Freizeitindustrie ist jedoch zum Teil enorm energieintensiv – angefangen bei der Reise ans Ferienziel über den Betrieb von Anlagen aller Art bis zum beheizten Pool. Gleichzeitig (zer)stören viele Freizeitaktivitäten die Natur und die Landschaft, in der sie stattfinden. Ein naturnaher Tourismus senkt darum nicht nur den Energieverbrauch, sondern steigert auch den Erholungswert. Es braucht hierfür aber staatliche Lenkungsmassnahmen, denn oft steht auch in diesem Bereich der Profit über dem Gebot, Energie, Natur und Landschaft zu schonen. 

Ein Beispiel ist die künstliche Beschneiung: Künstlich produzierter Schnee verändert die Pflanzenwelt, stört Tiere und verbraucht viel Energie und Wasser, trotzdem wird er teilweise noch immer staatlich gefördert. Hier gilt es anzusetzen. Viel Sparpotential ergäbe sich auch mit Beschränkungen des Warmwasserverbrauchs in Saunas und Hallenbädern, denn das Aufheizen von Wasser frisst nicht nur im Privathaushalt enorm viel Energie.

Schneekanone vor dem Matterhorn Matthias Sorg
Skigebiete halten den energieintensiven Massentourismus mit Beschneiungsanlagen künstlich am Leben, statt auf naturnahen, sanften Tourismus zu setzen.

Energie-Hunger nicht auf Kosten von Klima und Biodiversität stillen

Energiesparmassnahmen sind nicht nur angesichts einer akuten Mangellage dringend. Sie sind unabdingbar, wenn wir unsere Umwelt für künftige Generationen erhalten wollen. Denn der drohende Energiemangel ist nicht unser einziges Problem: die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind schon lange da und spitzen sich weiter zu. Umso wichtiger ist es in der aktuellen Situation, die Energiekrise nicht auf Kosten der Bewältigung anderer Probleme lösen zu wollen – etwa mit einer kurzsichtigen Anbauschlacht im Bereich der erneuerbaren Energien, welche wiederum die Natur schädigt, oder mit einer Rückkehr zu mehr fossilen Energien, welche die Klimakrise weiter anheizen.

In der aktuellen Energiedebatte darf keine Hierarchie der Dringlichkeit aufgebaut werden. Denn Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage: Sie garantiert unsere Ernährung, versorgt uns mit sauberer Luft und haltet uns gesund. Wir haben jegliches Interesse daran, sie zu erhalten. 

Weltacker
Überproduktion stoppen
Die aktuelle Energie-Debatte zeigt uns einmal mehr: in einer Welt mit begrenzten natürlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum unmöglich. Überproduktion und Überkonsum führen zur Zerstörung der Natur und zum Kollaps lebenswichtiger Ökosysteme. Die Mittel zur Veränderung liegen bei der Politik und der Wirtschaft.
Symbolbild Erdüberlastung
27.07.2022 Energie

Erdüberlastungstag 2022: Sieben Ideen für eine Wirtschaft, die den Planeten nicht länger überstrapaziert

Drohende Energie- und Wasserknappheit sind in aller Munde, Suffizienz als Teil der Lösung leider nicht. Anlässlich des morgigen Erdüberlastungstags stellt Friends of the Earth sieben Ideen vor, wie die Wirtschaft so verändert werden könnte, dass sie die Grenzen unseres Planeten respektiert und uns trotzdem ein gutes Leben ermöglicht.

Leerstehende Industrie- und Büroräume nicht mehr heizen, Toiletten nicht mehr mit Trinkwasser betreiben  – in der aktuellen Debatte über Energie- und Wasserversorgung werden solche Vorschläge gerade heiss diskutiert. Dabei wären Massnahmen zum Einsparen der begrenzten Ressourcen (Suffizienz) nicht nur bei drohenden Engpässen, sondern auch im Alltag notwendig, um unsere Wirtschaft in nachhaltige Bahnen zu lenken. Am morgigen Erdüberlastungstag sind bereits alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die wir in diesem Jahr nachhaltig auf der Erde nutzen können. Als Mitglied der internationalen Bewegung Friends of the Earth präsentiert Pro Natura deshalb «7 Ideen für eine neue Wirtschaft» als Denkanstoss für einen Wandel hin zu einem suffizienten Gesellschafts- und Wirtschaftssystem in Harmonie mit der Natur.

«Wir leben auf Pump»

«Wir haben schon nach sieben Monaten all das verbraucht, was die Natur uns Menschen weltweit zur Verfügung stellt. Das verbleibende Jahr leben wir auf Pump und zerstören damit unsere Lebensgrundlagen. Das Höher, Schneller, Weiter muss aufhören und wir müssen in den Ländern im globalen Norden endlich unsere Überproduktion und unseren Überkonsum überdenken.», kommentiert Friedrich Wulf, Experte für Internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura. Die Wirtschaft und die Industrie in der Schweiz verbrauchen sowohl im Inland als auch an anderen Orten auf der Welt deutlich mehr Energie, Wasser, Fläche und andere Ressourcen, als uns nachhaltig zur Verfügung stehen. Sie sind damit ein grosser Treiber der Klima- und der Biodiversitätskrise. 

Es braucht verbindliche Ziele

Es braucht politische Regulierungen, um der fortschreitenden Übernutzung der natürlichen Ressourcen entgegenzuwirken sowie Rahmenbedingungen und Anreize, um auch den einzelnen Menschen eine ressourcenschonendere Lebensweise zu ermöglichen. «Grosse Hebel gibt es etwa im Bereich der Energie, der Mobilität, der Nahrungsmittelproduktion und der Ansprüche an Wohnraum», so Wulf. Auch der Schweizer Finanzplatz müsste klarer in die Verantwortung genommen werden, was den Schweizer Fussabdruck im Ausland betrifft. «Verbindliche Ziele für die Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs – wie es sie in den Niederlanden bereits gibt – können ein erster Schritt sein. Die Ideen sind da. Wir müssen jetzt anfangen, sie umzusetzen, damit auch die nächsten Generationen noch genügend Ressourcen für ein gutes Leben vorfinden.»

Weitere Informationen:

Vollständige Publikation «7 Ideen für eine neue Wirtschaft» Friends of the Earth Europe

Kontakt: 

  • Friedrich Wulf, Projektleiter Politik und Internationales, @email, 061 317 92 42
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47
Bundeshaus in Bern
05.05.2022 Energie

Der ökologische Ausbau der Erneuerbaren braucht mehr Tempo

Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss beschleunigt werden: Das bekräftigt die Umweltallianz in ihrer Stellungnahme zur Revision des Energiegesetzes (EnG). Die Umweltverbände orten den grössten Handlungsbedarf bei den kantonalen Richtplanungen, in welchen potenzielle Standorte für Energieanlagen heute zu mangelhaft auf ihre Vereinbarkeit mit den Zielen des Biodiversitäts- und des Landschaftsschutzes geprüft werden. Sie begrüssen daher, dass der Bund das Heft in die Hand nehmen will, indem er die Erhebung fehlender Natur- und Landschaftswerte fördert, den Kantonen per Bundeskonzept Vorgaben macht und ihnen detaillierte Umweltprüfungen auf Stufe Richtplan vorschreibt. Voranzutreiben und zu erleichtern ist vor allem der Ausbau der Solarenergie auf bereits bebauter Infrastruktur.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und insbesondere der Solarenergie geht zu langsam voran. Die Gründe dafür reichen von wirtschaftlichen Faktoren über fehlende oder falsche finanzielle Anreize bis zu Widerständen gegen Projekte aufgrund von Partikularinteressen, fehlenden Ressourcen bei Behörden und Gerichten, aber auch Einsprachen wegen Nichteinhaltung von Umweltrecht.
Für effizientere Verfahren ortet die Umweltallianz Verbesserungsbedarf vor allem bei einer frühzeitigen und detaillierten Prüfung der Natur- und Landschaftswerte. Die Umweltprüfungen der Kantone bei der Erstellung der Richtplanung sind oft zu oberflächlich und lassen potenzielle Konflikte zu selten erkennen. Das Ziel ist eine Beschleunigung der Verfahren unter Einhaltung der geltenden Gesetzgebung.

Frühzeitige Abklärungen verbessern die Verfahren

«Ob eine Anlage und deren Erschliessung am geplanten Standort geschützte oder gefährdete Tiere und Pflanzen bedroht, wird heute erst mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) detailliert abgeklärt, also erst auf der vorletzten oder letzten Stufe des Verfahrens - und teilweise ungenügend», moniert Michael Casanova von Pro Natura. Oft zeigten sich dann Mängel bei den vorangehenden Abklärungen, wodurch die Realisierung der Projekte verzögert werde.
Eine detaillierte Interessenabwägung zwischen Schutz und Nutzen müsse spätestens auf Stufe Richtplan erfolgen, fordert die Umweltallianz in ihrer Stellungnahme. «Dabei sind auch kumulierte Auswirkungen mehrerer Projekte bzw. Anlagen im gleichen Gebiet auf Biodiversität und Landschaft zu berücksichtigen», hält Christa Glauser von BirdLife Schweiz fest.
Eine frühzeitige, detaillierte Interessenabwägung gäbe auch den Projektanten und Investoren eine grössere Sicherheit, schreibt die Umweltallianz. Sie könnten damit besser einschätzen, ob und wenn ja welche Schutz-, Ersatz- oder gegebenenfalls Ausgleichsmassnahmen sie ergreifen müssen, oder ob ihren Projekten grundsätzlich andere Interessen entgegenstehen. Der Bund kann die Kantone in mehrfacher Hinsicht unterstützen: Erstens durch die Förderung der Erfassung wichtiger Natur- und Landschaftswerte als Grundlage für eine mögliche Priorisierung von erneuerbaren Energieanlagen (Bundeskonzept). Zweitens durch Vorgaben für eine detaillierte Umweltprüfung auf Stufe Richtplanung. Drittens durch ein nationales Kompetenzzentrum UVP, welches kantonale Behörden bei der Beurteilung von Plänen und Umweltverträglichkeitsberichten unterstützt.
Der im Revisionsentwurf vorgeschlagenen Reduktion der Plangenehmigungsstufen auf ein einziges Verfahren stehen die Umweltverbände zumindest für Wasserkraftprojekte zurückhaltend gegenüber. «Je komplexer ein Projekt ist, desto mehr bietet sich ein zweistufiges Verfahren an», sagt Julia Brändle vom WWF. «Investoren sollten darum mindestens die freie Wahl haben, ob sie ein konzentriertes oder ein zweistufiges Verfahren wünschen.»

Unterstützung für raschen Solarausbau

Die vorgesehenen Gesetzesänderungen im Bereich Solarenergie unterstützen die Umweltverbände einhellig, und sie würden auch noch weiter gehen: «Ein Solarstandard für Neu- und Bestandesbauten inklusive finanzieller flankierender Massnahmen ist zwingend, wenn eine ökologische Energiewende gelingen soll», betont Simon Banholzer, Leiter Politik der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, denn: «Auf bebauter Fläche haben wir das naturverträglichste und am einfachsten zu erschliessende Potenzial an erneuerbarer Energie».


Kontakt

  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsberater, 079 241 60 57
  • SES: Simon Banholzer, Leiter Politik, 076 420 90 05
  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz und Energie, 061 317 92 29
  • BirdLife Schweiz: Christa Glauser, Stv. Geschäftsführerin, 044 457 70 24

Die Umweltallianz
Die Umweltallianz ist ein Zusammenschluss der vier grossen Umweltorganisationen Greenpeace, Pro Natura, VCS und WWF. Sie hat zum Ziel, die Interessen des Natur-, und Umweltschutzes auf der politischen Ebene zu stärken. Mit der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, BirdLife Schweiz und der Alpen-Initiative besteht eine Kooperation.

 

 

 

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Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz (UWA)

Titelbild © Matthias Sorg

Solaranlage Gundeli Basel Matthias Sorg
27.06.2022 Biodiversitätskrise

So gelingt uns die Energiewende

Die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind die grössten menschgemachten Bedrohungen für unsere Lebensgrundlage. Die beiden Krisen verstärken sich gegenseitig und der Mensch befindet sich mittendrin. Gehen wir beide Krisen gemeinsam an, führen wir eine Win-Win-Situation herbei. Wir, das sind die Schweizer Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik. Eine sichere Schweizer Energieversorgung bis 2035 ist machbar.
  • Die Geschäftsleitenden von BirdLife, Greenpeace, Pro Natura, der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), VCS Verkehrs-Club der Schweiz und des WWF Schweiz  präsentierten heute vor den Medien, wie wir die sichere, effiziente und erneuerbare Energiewende bis 2035 schaffen.
  • Eine Energiewende, die das Klima und die Biodiversität schützt, ist machbar. Indem wir die Energieverschwendung stoppen, die Solarkraft rasch ausbauen sowie Schutz- und Nutzungskriterien gleichwertig in die übergeordnete Planung von Energieprojekten einfliessen lassen.
  • Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der schnellen, sicheren und sauberen Wende überwiegen die Kosten deutlich. Wir schützen damit unsere Lebensgrundlagen, sichern die Versorgung langfristig, schaffen neue Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Inland.
  • Die Politik hat es in der Hand: Es braucht jetzt rasch konkrete Massnahmen wie einen verbindlichen Termin für den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, neue Gebote und Anreize für einen sparsamen Umgang mit Energie und einen Fotovoltaik-Standard für Gebäude.

Täglich sterben weltweit bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Tödliche Hitzewellen und Brände häufen sich. «Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise sind die grössten menschgemachten Bedrohungen für unsere Lebensgrundlage. Sie zu schützen, bedeutet auch, uns selbst zu schützen», sagte Thomas Vellacott, Geschäftsleiter des WWF, an der heutigen Medienkonferenz.
Dafür braucht die Schweiz eine weitsichtige Schweizer Energieversorgung, welche bis 2035 netto keine CO2-Emissionen mehr in die Atmosphäre ausstösst. Und einen achtsamen Umgang mit den Lebensräumen von tausenden Tier- und Pflanzenarten. «Gut geplant ist es ein Gewinn für Klima und Biodiversität», sagte Vellacott. Die Lösungen liegen auf der Hand.

Energie einsparen und effizient nutzen

Nutzen wir die Energie effizienter und gehen wir sparsamer damit um, reduzieren wir unseren Gesamtenergieverbrauch bis 2035 um 41 Prozente. Das ist billig, produziert kein CO2 und belastet die Umwelt in keiner Weise. «Es ist Zeit, mit Energieverschwendung Schluss zu machen», sagte Anders Gautschi, Geschäftsführer VCS. «Mit Mobility haben wir ein Paradebeispiel dafür, wie der Umstieg auf E-Autos kombiniert mit einem Car-Sharing System den Energieverbrauch stark reduzieren kann.»

Sonnenpower macht es möglich

Ein rascher Ausbau der Fotovoltaik auf bestehender Infrastruktur sorgt dafür, den steigenden Strombedarf zu decken. «Lieber Strom vom Dach als ein trockener Bach», sagte Iris Menn, Geschäftsleiterin von Greenpeace. Wie das geht, zeigt eine Anlage auf der Lärmschutzwand der Forchautobahn bei Zumikon. Im Wallis und im Knonauer Amt sind noch viel grössere Anlagen in Planung. Zum Schutz der Biodiversität ist es besser, Solaranlagen auf bestehenden Bauten, Anlagen und versiegelten Flächen zu realisieren. «Die gesetzlichen Regelungen müssen diesen Flächenkategorien klaren Vorrang einräumen, sodass sie mittelfristig zwischen 80 und 90 Prozente des Zubauvolumens tragen», so Menn.

Versorgungssicherheit dank Inlandausbau

Heute sind wir zu drei Vierteln von Energieimporten abhängig. Das gefährdet die Versorgungssicherheit der Schweiz. Gemäss Berechnungen der Umweltallianz soll die erneuerbare Stromproduktion bis 2035 um zusätzliche 38 TWh ausgebaut werden. Damit wird der Nettoimport deutlich unter der von der Elcom festgelegten kritischen Grenze von 5-10 TWh gehalten. «Hier hat Inland Vorrang. Die Lösungen heissen: Ausbau der Fotovoltaik, Reduktion des Energieverbrauchs und ein bedarfsorientierter Einsatz der Speicherwasserkraft», sagte Nils Epprecht, Geschäftsleiter der SES. 

Rasche Energiewende gut geplant

«Eine Energiewende mit der Brechstange ist nicht nur gefährlich, sondern auch unnötig», sagte Urs Leugger, Zentralsekretär von Pro Natura. Denn: Die Klimakrise und die Biodiversitätskrise sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Sie sind nur gemeinsam zu lösen. Die intakte Natur dient zum Beispiel mit den Mooren als CO2-Senke und speichert grosse Mengen an Treibhausgasen. «Wenn Zielkonflikte früh angegangen, Interessen sorgfältig abgewogen und die Standorte und Projekte weitsichtig geplant werden, ist es ein Win-Win für die Natur und die Energieversorgung», sagte Leugger. Eine solche übergeordnete Planung ist beispielsweise beim Schutz und Nutzungskonzept für Erneuerbare Energien (SNEE) im Kanton Uri gelungen. 

Jetzt Klimainvestitionen tätigen

Heute werden rund 50 Mia. Franken pro Jahr in den Um- und Ausbau der energetischen Infrastrukturen investiert, zum Beispiel in die Installation von Wärmepumpen, Ladestationen für E-Autos oder Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Um das Netto-null-Ziel bis 2035 zu erreichen, müssten rund drei bis vier Milliarden Franken pro Jahr zusätzlich investiert werden. «Das ist machbar und schafft neue Arbeitsplätze. Davon profitieren alle», sagte Vellacott. 

Die Lösungen sind da, die Politik macht deren Umsetzung machbar

Die Umweltallianz hat vier prioritäre Bereiche für die Politik definiert. Erstens braucht es einen verbindlichen Termin für den Ausstieg aus den fossilen Energien. «Der Kanton Glarus hat uns gezeigt, dass wir uns sehr gut von Öl und Gas verabschieden können», sagte Raffael Ayé von BirdLife. Zweitens braucht es Gebote und Anreizen wie Lenkungsabgaben, die der Gesellschaft helfen, weniger Energie zu verschwenden. «Eine Mehrheit der Bevölkerung ist für eine Flugticketabgabe», so Ayé. Drittens soll ein Solar-Standard für Gebäude eingeführt werden. Dieser soll für Gebäude eine maximale Belegung geeigneter Dächer mit Fotovoltaik vorschreiben. «Schliesslich ist es wichtig, dass die Politik die Klima- und die Biodiversitätskrise als zwei gleichwertige, sich gegenseitig verstärkende Krisen anerkennt – nur so kommen wir rasch voran». 

Weitere Informationen:  

Auf dieser Website können alle Faktenblätter und das Flyer heruntergeladen werden: www.energiewende2035.umweltallianz.ch 

Kontakt:

  • Pro Natura: Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 061 317 92 24, @email
  • WWF Schweiz: Marie Seidel, Kommunikationsverantwortliche Klima und Energie, 044 297 22 29, @email
  • SES: Nils Epprecht, Geschäftsführer, 077 455 99 79, @email
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, ‭076 308 66 84‬, @email‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬
  • VCS: Anders Gautschi, Geschäftsführer, 079 960 11 71, @email
  • Greenpeace Schweiz: Iris Menn, Geschäftsleiterin, 079 886 75 92, @email

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Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz

Titelbild © Matthias Sorg

 Angela Peter
04.01.2023 Energie

In die Natur statt auf unsere Dächer?

Viel zu spät will sich die Schweiz von fossilen Energiequellen verabschieden. Die Zeche dafür soll unnötigerweise die Natur zahlen.

«Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.» Dieser Einzeiler aus der Energiesparkampagne des Bundes, dem wir in den letzten Wochen und Monaten wohl alle irgendwo begegnet sind, bringt es fast auf den Punkt. Besser formuliert müsste der Slogan lauten: «Energie ist eine wertvolle Ressource. Verschwenden wir sie nicht!» – und zwar ganz unabhängig vom aktuellen Umfang des Angebots.

Ein Drittel wird verschwendet

Verschwendung ist ein Kernproblem, dem wir nicht nur im Energieverbrauch begegnen. Doch in der breiten Öffentlichkeit wurde die Energieverschwendung erst zu einem Thema, als vor einer winterliche Strommangellage gewarnt wurde und die Energiepreise in die Höhe geschnellt sind. Der haushälterische Umgang mit Ressourcen ist unserer Hyperkonsumgesellschaft leider längst fremd geworden, entsprechend gross ist die Aufregung, wenn der Überkonsum plötzlich nicht mehr möglich scheint. Genau bei diesem Überkonsum liegt aber auch ein grosser Teil der Lösung. Bereits 2011 hatte die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz aufgezeigt, dass unser Energieverbrauch alleine dank des technischen Fortschrittes bis 2035 um 36 Prozent sinken könnte. Und erst kürzlich hat das Bundesamt für Energie (BFE) in einem Bericht an den Bundesrat bestätigt, dass 25 bis 40 Prozent des Stroms in der Schweiz schlicht verschwendet wird und ganz ohne neue Gesetze oder gar Komforteinbussen eingespart werden könnte. In erster Linie durch den Ersatz (über)alter Elektrogeräte: von Heizungen über Boiler zu Umwälz- und Wärmepumpen, Kälteanlagen, Haushaltsgeräten usw..

Und nicht zuletzt natürlich auch durch unser individuelles Verhalten. Das beginnt auf kleiner Ebene wie beim Abschalten nicht genutzter Geräte, bei der Trocknung der Wäsche an der Luft und bei einer angemessenen Raumtemperatur. Noch stärker ins Gewicht fallen Dinge wie Terrassenheizung, Indoor-Swimmingpool oder ineffiziente Elektroheizsysteme. In der Verantwortung sind aber nicht nur wir alle, sondern natürlich auch Industrie und Wirtschaft. Jede Kilowattstunde Strom, die wir nicht verschwenden, hilft, wenn sich ein Versorgungsengpass abzeichnet.

Solarstrom wurde abgewürgt

Ein anderer Aspekt ist die Bereitstellung des Stroms. Seit Jahrzehnten fordern die Umweltverbände eine naturverträgliche Energiewende. Also weg von den nicht nachhaltigen fossilen und nuklearen Energieträgern, hin zu Strom aus erneuerbaren Quellen. Dass und wie dies möglich ist, hat die Umweltallianz mit ihrer Energiestrategie 2035 erst kürzlich wieder aufgezeigt.

Auch der Bundesrat hat 2019 entschieden, dass die Schweiz bis 2050 das Ziel von Netto-Null-Emissionen anstreben soll. In der Politik wurde aber lange gebremst, statt vorangetrieben. Die Energielobby, allen voran die Vertreter von Wasserkraft, Atomstrom und fossilen Energiequellen, waren zu sehr darauf bedacht, ihre Pfründe zu verteidigen oder im Fall der Wasserkraft sogar weiter auszubauen. Dies geschah auf Kosten der anderen erneuerbaren Energien.

Tausende Projekte auf Warteliste

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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So wurden bei der Einführung der Kostendeckenden Einspeisevergütung im Jahr 2009 lediglich fünf Prozent der Fördergelder für Solaranlagen vorgesehen. Auf der anderen Seite waren bis maximal 50 Prozent der Gelder für die Kleinwasserkraft vorbehalten. Eine Technologie, die seit über 100 Jahren ausgebaut worden ist und deren Zubau heute vielfach mit hohen ökonomischen und ökologischen Kosten verbunden ist. Über 300 kleiner Wasserkraftprojekte wurden via KEV gefördert, während Tausende von Solarprojekten auf die Warteliste verbannt wurden.

Erst mit der Einführung der Einmalvergütung konnte der Zubau von Solarstrom auf bestehender Infrastruktur wieder beschleunigt werden. Die halbherzige politische Unterstützung für die Dezentralisierung der Stromproduktion und für den Ausbau der Solarenergie im bebauten Gebiet begrenzte den Zubau von Solarstrom in den letzten Jahren unnötig.

Im Herbst wurde die Politik von den jahrelangen Versäumnissen und Blockadehaltungen eingeholt. Vor dem Hintergrund einer möglichen Strommangellage sahen bürgerliche Ständeräte die Chance, den aus ihrer Sicht lästigen Natur- und Landschaftsschutz massiv einzuschränken, anstatt die grosse Solaroffensive in den Siedlungen zu lancieren.

So wurden nun mit einem Dringlichkeitsbeschluss grosse Solaranlagen auf alpinen Freiflächen durchgeboxt und auch die Interessensabwägung von einer ganzen Reihe von Speicherwasserkraftwerken soll vorweggenommen werden. Die Aussicht, auf Kosten von Natur und Landschaft weiteren Profit zu schlagen, scheint so verführerisch zu sein, dass bei einem Teil der Beschlüsse nicht einmal mehr die Bundesverfassung respektiert wird.

Es droht die kopflose Ausbauschlacht

Die ständerätliche Umweltkommission hatte sogar vorgeschlagen, den Vollzug aller Umweltbestimmungen auszusetzen, bis die Ausbauziele gemäss Energiegesetz erreicht sind. Ein Freipass also für jede Anlage, sei sie auch noch so sinnbefreit und schädlich. Immerhin in diesem Punkt wurde bislang anders entschieden. Doch die Gefahr einer kopflosen Ausbauschlacht auf Kosten von Natur und Landschaft ist noch lange nicht gebannt.

 Matthias Sorg Matthias Sorg
Die Energielobby, allen voran die Vertreter von Wasserkraft, Atomstrom und fossilen Energiequellen, waren zu sehr darauf bedacht, ihre Pfründe zu verteidigen oder im Fall der Wasserkraft sogar weiter auszubauen.

Dabei können wir die Energiewende rasch und zielführend vorantreiben, ohne die Natur- und Landschaft massiv zu beeinträchtigen. Dazu braucht es aber endlich Vorgaben und Verpflichtungen für den Ausbau und die Nutzung von Solarenergie im bebauten Gebiet, statt auf der grünen Wiese. Dagegen hat sich die bürgerliche Parlamentsmehrheit aber bisher gestemmt.

Es braucht sorgfältige Planungen und Standortabklärungen für die Nutzung der letzten Wasserkraftpotenziale und Standorte für die Windenergie, statt einen Freipass auf Kosten von Schutzgebieten und der Biodiversität. Und es braucht uns alle. Ein haushälterischer Verbrauch sollte nicht nur eine Frage des Kostendrucks sein. Selbst wenn Energie günstig ist, hat ihre Bereitstellung in vielen Fällen Auswirkungen auf die Natur und Landschaft: «Energie ist eine wertvolle Ressource. Verschwenden wir sie nicht!»

Michael Casanova betreut bei Pro Natura das Dossier Energiepolitik

Mehr dazu: energiewende2035.umweltallianz.ch

 Angela Peter Angela Peter
Es braucht Vorgaben und Verpflichtungen für den Ausbau und die Nutzung von Solarenergie im bebauten Gebiet.
 Raphael Weber
04.01.2023 Biodiversitätskrise

Die bedrohten Kronjuwelen

Was bedeutet es, wenn Biotope von nationaler Bedeutung ihren Schutz verlieren, wie dies das Parlament beabsichtigt? Anhand konkreter Beispiele zeigen wir, was auf dem Spiel steht.

Die wertvollsten ökologischen Lebensräume der Schweiz, die noch nicht zerstört worden sind, sind seit 1987 in den Bundesinventaren der geschützten Lebensräume erfasst. Dazu zählen Auen, Trockenwiesen, Amphibienlaichgebiete sowie Flach- und Hochmoore. Zusammen machen diese besonderen Habitate nur 1,8 Prozent der Landesfläche aus, sie beherbergen aber ein Drittel der bedrohten Tierarten der Schweiz.

Mit dem geltenden Energiegesetz war es faktisch ausgeschlossen, dass diese Biotope von nationaler Bedeutung durch neue Energieprojekte beeinträchtigt oder zerstört werden dürfen; ihr Schutz vor solchen Projekten wurde explizit ins Gesetz aufgenommen. In der laufenden parlamentarischen Debatte zur Revision des Energiegesetzes und des Stromversorgungsgesetzes (Mantelerlass) droht der Schutz dieser wertvollsten Flächen für die Biodiversität wieder aufgehoben zu werden. 

In dieser Rubrik stellen wir mehrere geschützte Lebens­räume vor, die schon konkret von der Zerstörung bedroht gewesen sind. Mit dem neuen Energiegesetz, so wie es der Ständerat aufgegleist hat, wird diese Bedrohung wieder sehr konkret. Der National­rat beschäftigt sich in der Frühlings­session mit dem Mantelerlass zum Energiegesetz.

Die Mutter aller bedrohten Hochebenen

 Raphael Weber Raphael Weber
Greina-Hochebene

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Sie ist sozusagen die Mutter aller bedrohten Hochtäler, die vor der Flutung gerettet worden sind: In den 1970er- und 1980er-Jahren formierte sich grosser Widerstand gegen den geplanten Bau einer Staumauer auf der Greina-Hochebene. Zu ihrer Rettung wurde die Verordnung zur Abgeltung von Einbussen der Wasserkraftnutzung (VAEW) geschaffen. Damit erhalten Standortgemeinden, die auf Kraftwerkprojekte in national bedeutenden Landschaften verzichten, eine Entschädigung für entgangene Wasserzinsen. Die Greina ist nun ein solches VAEW-Gebiet, doch dessen Schutzwirkung ist relativ: Die auf 40 Jahre angelegten Verträge können jederzeit einvernehmlich zwischen Bund und Gemeinden aufgelöst werden. Mehr Schutz hat der einzigartigen Hochebene bisher der Status einer Aue von nationaler Bedeutung geboten, mit dem neuen Energiegesetz würde dieses Siegel aber bedeutungslos.

Noch unberührte Wildnis

 Raphael Weber Raphael Weber
Baltschiedertal

Südlich des Bietschhorns schiessen gleich zwei spektakuläre Bergtäler steil zur Rhone hinunter: das Bietschtal und das Baltschiedertal (Bild). Beide sind unbewohnt, und in beiden bestanden Pläne zum Bau von Stauseen. Diese sind nicht mehr aktuell, weil die Täler mittlerweile VAEW-Gebiete sind und deren dramatische Talkessel Eingang ins Inventar der Auen von nationaler Bedeutung gefunden haben. Doch mit den neusten Entwicklungen können Pläne zur Flutung dieser wilden Alpentäler jederzeit wieder aufflackern.

 Jan Gürke
Unterschreiben Sie für den Biotopschutz
Das Bündnis für den Biotopschutz möchte im Februar 2023 Inserate in grossen Tageszeitungen platzieren. Damit wollen wir den Nationalrat davon überzeugen, den Biotopschutz und damit das Herz der Schweizer Natur zu erhalten. Je mehr Menschen unterzeichnen, desto eher wird unsere Botschaft gehört.

Ein ungeschützter Smaragd

 Raphael Weber Raphael Weber
Val Allondon

Ein beliebtes Naherholungsgebiet der Stadt Genf – das grandiose Vallon de l’Allondon – drohte in den 1940er-Jahren in einem Stausee zu verschwinden. Dagegen formierte sich breiter Widerstand, und das Projekt wurde schliesslich sistiert. Eine Neuauflage dieses Settings schien bisher unmöglich: Das wilde Tal ist eine Aue von nationaler Bedeutung und Teil des internationalen Smaragd-Netzwerks. Doch gegenüber einem Energieprojekt von nationaler Bedeutung hätte dieser Schutzstatus nun nur noch wenig Gewicht.

Unberührbare Attraktionen?

 Raphael Weber Raphael Weber
Morteratsch

Für viele Leserinnen und Leser mag es illusorisch tönen, dass populäre Touristenattraktionen wie die Engadiner Val Roseg oder Morteratsch (Bild) jemals in einem Stausee verschwinden könnten. Dies ist nun aber kein Ding der Unmöglichkeit mehr; der Schutzstatus dieser Auen von nationaler Bedeutung würde mit der geplanten Gesetzesänderung deutlich geschwächt. Damit würden die spektakulären Hochtäler für Investoren interessant, zumal in diesen Hochgebirgslandschaften trotz des Gletscherschwunds noch während Jahrzehnten mit hohen Schmelzwassermengen zu rechnen ist. Grundsätzlich würde es dann genügen, dass Kanton und Standortgemeinde ein Projekt von nationalem Interesse durchwinken, mit der Aussicht auf Wasserzinsen, Arbeitsplätze und tiefere Strompreise.

 Raphael Weber
Schützenswert, nicht?
Weitere Kronjuwelen und interessante Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins für Mitglieder.
Symbolbild Windenergie
24.01.2023 Energie

Kommentar Umweltverbände zur Windenergie-Offensive der UREK-N

Gemeinsamer Medienkommentar der Umweltverbände zum heutigen Entscheid der UREK-N bezüglich Windkraft-Offensive.
  • Die Umweltorganisationen Pro Natura, SES, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz und WWF Schweiz begrüssen grundsätzlich eine Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Auch die Windenergie muss ihren Beitrag dazu leisten, das Ziel von Netto Null zu erreichen (vgl. «Sichere Schweizer Energieversorgung 2035»).
  • Zentral ist dabei eine frühzeitige Erhebung der Naturwerte an den vorgesehenen Standorten, um Konfliktpotenziale mit Biodiversität und Landschaft zu vermeiden.
  • Bei den Windenergieparks, welche unter die Vorlage der UREK-N fallen, hat eine gewisse Abklärung dieser Naturwerte auf Ebene Nutzungsplanung bereits stattgefunden. Insofern ist ein abgekürztes Bewilligungsverfahren für diese Anlagen akzeptabel.
  • Das Gesetz muss jedoch als Ausnahmeregelung betrachtet werden und darf nicht gesetzliche Regelungen auf lange Frist präjudizieren. Seine Anwendung muss auf jene 10 Windenergieparks beschränkt bleiben, welche über eine rechtskräftige Nutzungsplanung verfügen oder demnächst über eine solche verfügen werden. 
  • Die Umweltverbände fordern darum den Nationalrat auf, das mit dem Beschleunigungsgesetz zu erreichende Produktionsziel auf 0,6 TWh Jahresproduktion zu begrenzen, entsprechend dem Minderheitsantrag 2 der Kommission. Ein höheres Ziel würde Druck auf die überstürzte Bewilligung weiterer Anlagen ausüben, die noch nicht über eine rechtskräftige Nutzungsplanung verfügen.

Kontakt:

  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Energie und Gewässerschutz,  +41 61 317 92 29, @email
  • Schweizerische Energie-Stiftung: Nils Epprecht, Geschäftsleiter, +41 44 275 21 25, @email
     
Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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