Progetti
Spurensuche Gartenschläfer
Die Schweizerinnen und Schweizer unterschätzen das Ausmass der Biodiversitätskrise
In den letzten Jahren sind in der Schweiz Rebhuhn, Gefleckte Schnarrschrecke und Flachsseide ausgestorben. «Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben. Die Schweizer Bevölkerung hat davon bisher allerdings kaum etwas mitbekommen», so Ursula Schneider Schüttel, Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura. Eine neue Kampagne von Pro Natura will das ändern.
Schweiz: führend im Artensterben
Gemäss einer aktuellen Umfrage von Pro Natura wissen immerhin 57% der Schweizerinnen und Schweizer, dass «Biodiversität» etwas mit natürlicher Vielfalt zu tun hat. Konkret ist damit die Vielfalt aller Tier- und Pflanzenarten, ihrer Lebensräume und Genpools gemeint. Gleich viele Befragte glauben allerdings auch, die Biodiversität in unserem Land sei in einem «guten» oder «eher guten» Zustand. Diesen Trugschluss hat die Pro Natura Präsidentin schnell entzaubert: «Unter den Industrienationen der OECD ist die Schweiz führend beim Anteil bedrohter Arten und gleichzeitig Schlusslicht beim Anteil der Naturschutzfläche. Über ein Drittel der untersuchten Tier- und Pflanzenarten und fast die Hälfte der Lebensraumtypen hierzulande sind bedroht.»
Was wir nicht kennen, vermissen wir nicht
«Dass wir trotzdem das Gefühl haben, der Natur gehe es gut, liegt daran, dass wir saftig, grüne Wiesen mit gelbem Löwenzahn als natürlich empfinden und Tiere und Pflanzen, die wir nie gekannt haben, auch nicht vermissen», erklärt Daniela Pauli, Leiterin des Forums Biodiversität Schweiz der SCNAT. Doch Grün ist eben nicht gleich biodivers. Erst die Vielfalt der Lebewesen und ihr Zusammenspiel ermöglichen die natürlichen Kreisläufe, die unsere Lebensgrundlage sind.
«Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserreinigung, CO2-Speicherung, Hochwasserschutz sind gratis Dienstleistungen einer intakten Biodiversität und für uns überlebenswichtig», betont Pauli. Die Biodiversitätskrise ist für uns Menschen deshalb mindestens so bedrohlich wie die Klimakrise und gemäss der Forschung zu den planetaren Grenzen sogar noch weiter fortgeschritten.
Wir alle sind gefordert!
Mehr und besser vernetzte Naturschutzflächen, eine ökologischere Lebensmittelproduktion und Ernährung sowie eine Reduktion der biodiversitätsschädigenden Subventionen – das sind deshalb Massnahmen, die nicht nur Pro Natura fordert. Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich schon heute, dass Bund und Kantone mehr unternehmen, um den Biodiversitätsverlust zu stoppen. «Die Politik und jeder Einzelne sind gefordert» bekräftig Schneider Schüttel. «Wir allen können etwas zum Überleben von Igel, Wiedehopf und Laubfrosch beitragen. Aber wir müssen jetzt damit anfangen, sonst steht bald auch unser Überleben auf dem Spiel.»
Kontakt
Pro Natura:
- Markus Arn, Co-Leiter Kampagne Biodiversität, 061 317 92 36, @email
- Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, 078 603 87 25, @email
- Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 061 317 92 24, @email
SCNAT:
- Daniela Pauli, Leiterin des Forums Biodiversität Schweiz der SCNAT, Mitglied Zentralvorstand Pro Natura, 079 844 01 36, @email
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Kampagne zur BiodiversitätDocumenti scaricabili
GFS-Studie im PDF-FormatPressebilder zum Download
Diese Fotos dürfen unter folgenden Bedingungen frei verwendet werden:
- im Zusammenhang der Berichterstattung über die Kampagne zur Biodiversitätskrise von Pro Natura
- mit korrekter Angabe der Bildautoren
- die Bilder von Biosphoto ausschliesslich im Zeitraum 19.05.22 - 19.11.22
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Der Gartenschläfer ist zurück: Sensationsfund im Kanton Solothurn
Kurz nach der Wahl des Gartenschläfers zum Pro Natura «Tier des Jahres 2022» und der Lancierung der «Spurensuche Gartenschläfer» ging aus dem solothurnischen Büsserach eine Gartenschläfer-Meldung bei Pro Natura ein – die erste seit 1909. «Auf diesen Nachweis haben wir lange gehofft», sagt Thomas Briner, Leiter des Naturmuseums Solothurn begeistert. «Es gibt ihn noch, unseren Zorro der Wälder».
Unverhoffter Fund in Hochstammwiese
Vor zwei Jahren hat Briner das Citizen Science Projekt «Heckengeister & Klettermeister» gestartet, um mit Hinweisen aus der Bevölkerung mehr über den Verblieb der Schlafmäuse – also Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmäuse – herauszufinden. Über 2000 Meldungen von Siebenschläfern und Haselmäusen in Nistkästen, Dachstöcken, Ställen und Bienenhäusern wurden eingeschickt, aber ein Gartenschläfer war nicht dabei. Um das zu ändern, legten Briner und sein Team Spurtunnels, stellten automatische Wildtierkameras auf und versuchten so, den Gartenschläfer in der Region Jura, Solothurn und Bern nachzuweisen. «Wir haben sämtliche Tierarten aufgespürt, die in unseren Wäldern leben, aber keinen einzigen Gartenschläfer.»
Mit der zusätzlichen Bekanntheit des Gartenschläfers, durch die Nominierung von Pro Natura zum Tier des Jahres, traf endlich die erhoffte Meldung ein. Erich Linz aus Büsserach nahe der jurassischen Grenze, schickte Fotos von einem Gartenschläfer, den er in einem Vogelnistkasten seiner Hochstammwiese entdeckt hatte.
Mehr Wildnis muss sein
«Wo ein Gartenschläfer ist, müssen noch andere sein», freut sich Urs Tester, Kleinsäugerexperte bei Pro Natura. In vielen Regionen der Schweiz wurde der Gartenschläfer seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet und gilt auf globaler Ebene* als «fast bedroht». «Der Sensationsfund im Kanton Solothurn und eine weitere Meldung aus Nidau am Bielersee zeigen: Wenn die richtigen Bedingungen bewahrt oder wiederhergestellt werden, kann sich der Gartenschläfer wieder ausbreiten.» Konkret heisst das: Laubhäufen, Holzbeigen und alte Bäume im Garten, im Kulturland und im Wald vermehrt stehen lassen und so mehr Wildnis und Verstecke für Zorro schaffen.
Jetzt Spurtunnels bauen
Daten zum Verbleib des Gartenschläfers in der Schweiz sind dürftig und der sensationelle Fund zeigt: Die Suche lohnt sich. Ab April, wenn die Gartenschläfer aus ihrem Winterschlaf erwacht sind, ist der Zeitpunkt perfekt, um Spurtunnels zu bauen. Bei der nationalen Aktion «Spurensuche Gartenschläfer» von Pro Natura können Familien, Schulklassen und Privatpersonen mitmachen und so vielleicht auch den ersten Gartenschläfer in ihrem Kanton entdecken. Je mehr Funde gemeldet werden, desto besser können der Zorro der Wälder und sein Lebensraum in Zukunft geschützt werden.
Kontakte:
- Pro Natura: Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope & Arten, Tel. 061 317 91 36, [email protected]
- Pro Natura: Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung, Tel. 061 317 91 65, @email
- Naturmuseum Solothurn: Thomas Briner, Museumsleiter, Tel. 032 622 70 21, @email
*Korrigendum: In einer ersten Version war der Satz missverständlich formuliert. Der Gartenschläfer ist auf globaler Ebene «fast bedroht» in der Schweiz jedoch noch nicht.
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In der Schweiz gelten fruchtbare Böden, saubere Luft, gesunde Lebensmittel und trinkbares Wasser als selbstverständlich. Doch wie lange noch? Für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen brauchen wir die Biodiversität. Und dieser geht es auch in der Schweiz immer schlechter.
Unsere Lebensgrundlagen erhalten
Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist ausgestorben oder gefährdet. Die Hälfte der Lebensräume ist bedroht. Dieser Verlust betrifft uns Menschen direkt. Wir müssen den Rückgang jetzt stoppen. Für uns, für unsere Kinder und unsere Grosskinder, für unsere Nichten, Neffen und Gottikinder – für die kommenden Generationen.
Die Biodiversitätsinitiative liefert dafür einen wichtigen Grundstein. Die Initiative will einen stärkeren Schutz der Biodiversität in der Verfassung verankern. Schützen und erhalten wir jetzt, was wir brauchen. Ja zur Biodiversität!
Bedrohte Lebensräume
Moore, Trockenwiesen oder Auen sind in den letzten hundert Jahren um 90% zurückgegangen. Diese Gebiete bieten Lebensraum für seltene und gefährdete Arten. Sie sind auch für uns Menschen wichtig: Moore zum Beispiel speichern grosse Mengen von CO2 und Wasser. Sie erfüllen eine wichtige Funktion für den Klimaschutz und für die Anpassungen an die Klimaveränderungen. Leider schreitet der Verlust der Lebensräume noch immer voran.
Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens. Diese Vielfalt ist auf drei Ebenen zu finden:
- Die Artenvielfalt beschreibt die Anzahl von Arten innerhalb eines Gebietes.
- Die Vielfalt der Lebensräume beschreibt die Anzahl verschiedener Ökosysteme (Lebensräume) innerhalb eines Gebiets.
- Genetische Vielfalt entsteht aufgrund von Unterschieden im Erbgut (der DNA) von Arten. Wenn Populationen kleiner werden, verringert sich die genetische Vielfalt bereits. Das ist problematisch. Denn nur durch genetische Vielfalt können sich Arten an Veränderungen wie neue Klimabedingungen anpassen. Besonders tragisch ist es, wenn eine Art ausstirbt. Denn damit geht genetische Vielfalt für immer verloren.
Innerhalb und zwischen den Arten sowie zwischen den Lebensräumen bestehen Wechselbeziehungen. Fallen einzelne Arten oder Lebensräume weg, hat das Konsequenzen. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite «Fragen und Antworten».
Unsere Projekte zur Förderung der Biodiversität
Wirkung des Aktionsplans Biodiversität klar ungenügend
Der Bundesrat hat heute den Bericht zur Wirkung des Aktionsplans Biodiversität 2017-2023 veröffentlicht und beschlossen, die Laufzeit der ersten Phase des Aktionsplans um ein Jahr bis 2024 zu verlängern. Im heute veröffentlichten Bericht wird festgehalten: «Die Zwischenevaluation der SBS zeigt, dass die meisten ihrer Ziele bis Ende 2021 nicht erreicht werden konnten. Sie macht weiter deutlich, dass der Aktionsplan (AP) SBS zwar eines der relevanten Instrumente zur Umsetzung der SBS darstellt, jedoch nicht das einzige Instrument sein kann, um die in der SBS formulierten Ziele zu erreichen.» Im Klartext: Die Massnahmen sind unzureichend, um die Biodiversität zu erhalten. Der Bundesrat muss nun dringend handeln, wenn er unsere Lebensgrundlagen nicht weiter gefährden will – der Aktionsplan war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber seine Wirkung bisher klar ungenügend!
Aufhorchen lassen die im Bericht zitierten Empfehlungen der Geschäftsprüfungskommission des Ständerates: «Der Bundesrat wird ersucht, sich im Rahmen der Analyse zur Wirkung des Aktionsplans SBS kritisch mit den in der ersten Umsetzungsphase festgestellten Schwächen auseinanderzusetzen und auf dieser Grundlage zu bestimmen, in welchen Bereichen die Massnahmen zum Schutz der Biodiversität verstärkt werden müssen.» Und weiter: «Der Bundesrat wird zudem ersucht, dafür zu sorgen, dass in der zweiten Umsetzungsphase ausreichend Personalressourcen für die Verwirklichung der Ziele der SBS zur Verfügung stehen. »
Die Naturschutzorganisationen werden den Bericht nun im Detail analysieren und weitere notwendige Schritte und Massnahmen daraus ableiten. Schon aus einer kurzen Analyse des Berichts jedoch wird klar, dass die Massnahmen zum Erhalt der Biodiversität der Schweiz bisher unzureichend sind. Damit sehen sich die Naturschutzorganisationen in ihrer Einschätzung von 2017 bestätigt, als der Aktionsplan publiziert wurde.
Zitate
«Die Biodiversität der Schweiz, unsere Lebensgrundlage, ist in einem sehr schlechten Zustand. Unser Land braucht einen griffigen Aktionsplan Biodiversität und die erforderlichen Mittel zur Umsetzung. Weiterfahren wie bisher würde noch mehr Schäden an der biologischen Vielfalt auf kommende Generationen überwälzen und die bereits herrschende Biodiversitätskrise weiter verstärken. So weit darf es nicht kommen.» Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz
«Der Wirkungsbericht zeigt auf: Es herrscht dringender Handlungsbedarf. Die bisherigen Massnahmen sind unzureichend, die Politik muss nun handeln und die Massnahmen intensivieren, nur so können wir der Biodiversitätskrise wirksam entgegentreten und unsere Lebensgrundlagen für uns und zukünftige Generationen erhalten.» Hasan Candan, Projektleiter Biodiversitätspolitik, Pro Natura
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Gemeinsame Medienmitteilung von BirdLife Schweiz und Pro Natura zum Bericht zur Wirkung des Aktionsplans Biodiversität 2017-2023
Berner Konvention tritt auf Klage zum Umgang der Schweiz mit dem Wolf ein
Die Rückkehr des Wolfs ist eine Erfolgsgeschichte und umfasst weite Teile Europas. Allein im Alpenraum finden momentan rund 1'900 Wölfe einen Lebensraum und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Wölfe halten sich nicht an Landesgrenzen, der Umgang mit ihnen ist daher eine grenzüberschreitende Aufgabe. Die Berner Konvention und die Rechtsgrundlagen der Alpenstaaten garantieren dabei das langfristige Überleben des Wolfes.
In einer ersten Reaktion beurteilt die Berner Konvention den Umgang der Schweiz mit dem Wolf als “sehr besorgniserregend”. Den mit der Revision der Jagd- und Schutzverordnung (JSV) Ende 2023 eingeführten Mindestbestand von 12 Rudeln bezeichnet sie als „willkürlich“ und stellt klar, dass die Wolfspopulation nicht auf einen Minimalbestand reduziert werden darf. Sie verlangt vom Bund zusätzliche Angaben, wie der Herdenschutz gewährleistet und was als “grosser Schaden” eingestuft wird. Nur wenn ein ernster oder grosser Schaden droht, sei eine Regulierung von Wölfen zulässig. Die Berner Konvention begrüsst, dass jetzt eine Vernehmlassung zur JSV stattfindet. Pro Natura, BirdLife Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz und WWF Schweiz erwarten, dass die Revision dazu beiträgt, die bestehenden Diskrepanzen zwischen Jagdgesetz und -verordnung zu bereinigen und die Einhaltung der Berner Konvention zu gewährleisten.
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Commentaire sur l’entrée en matière de la Convention de Berne sur la plainte concernant la gestion du loup de Suisse
Le Bureau de la Convention de Berne a fait savoir le 17.4.2024 qu’il entre en matière sur la plainte contre la Suisse concernant sa gestion du loup. La Suisse a jusqu’à l’automne pour répondre à plusieurs questions sur les interventions massives contre sa population de loup et sur le respect de ce traité international sur la protection des espèces. La Convention décidera alors de la suite de la procédure.
Le retour du loup s’effectue avec succès. Le canidé est aujourd’hui présent dans de vastes parties de l’Europe. Les Alpes comprennent à elles seules près de 1900 loups qui y trouvent momentanément un habitat et jouent un rôle important dans l’écosystème. Ces animaux se déplacent librement d’un pays à l’autre, leur gestion est donc une tâche transfrontalière. La Convention de Berne et les bases légales des États de l’arc alpin garantissent la survie du loup sur le long terme.
Dans une première réaction, la Convention de Berne estime que la gestion du loup en Suisse est «très préoccupante». Elle qualifie d’«arbitraire» le seuil de 12 meutes inscrit dans l’ordonnance révisée sur la chasse et la protection des mammifères et oiseaux sauvages (OChP), et fait clairement savoir qu’il ne peut être question de réduire la population de loups à un effectif minimum. Elle demande à la Confédération de lui fournir des indications supplémentaires sur les modalités de protection des troupeaux et sur ce qui est considéré comme un «dégât important». Une régulation du loup n’est autorisée que lorsqu’un dommage sérieux ou important menace de se produire.
La Convention de Berne considère favorablement l’ouverture d’une consultation sur l’OChP. Pro Natura, BirdLife Suisse, le Groupe Loup Suisse et le WWF Suisse attendent de la révision qu’elle contribue à faire disparaître l’écart entre la loi sur la chasse et l’ordonnance, et qu’elle garantisse l’application de la Convention de Berne.
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Unnötig und übertrieben: Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts
Die Umweltverbände wehren sich gegen diesen Angriff auf ein zentrales Instrument zur Einhaltung des Umweltrechts. Zumal er sich einreiht in offensichtlich zunehmende Bestrebungen, den Schutz von Natur, Landschaft und Baukultur politisch und rechtlich zu schwächen. Bisher ging es dabei vor allem um das Bauen ausserhalb der Bauzone, namentlich um den Zielkonflikt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Diesmal gilt der Angriff nun Beschwerden gegen Bauten innerhalb der Bauzone: Konkret soll dort für Wohnbauprojekte mit einer Geschossfläche von weniger als 400 Quadratmeter, das Verbandsbeschwerderecht (VBR) nicht mehr gelten.
Dieses ist ein wichtiges Instrument, um die Einhaltung des geltenden Rechts zu gewährleisten. Bei «kleineren Bauprojekten innerhalb der Bauzone» greift das VBR ohnehin nur in Ausnahmefällen. Angesichts dieser Ausgangslage ist die vorgeschlagene Einschränkung des VBR bei Wohnbauprojekten innerhalb der Bauzone nicht zu rechtfertigen. Die Umsetzung des vom Volk angenommenen Raumplanungs- und Zweitwohnungsrechts würde torpediert. Es würde eine rechtsstaatlich irritierende Auftrennung des Gültigkeitsbereiches des Raumplanungs-, Natur- und Heimatschutzrechts sowie des Zweitwohnungsrechts erfolgen in sogenannte kleinere und grössere Fälle. Der Gesetzgeber bringt damit faktisch zum Ausdruck, dass die korrekte Anwendung des Umwelt- und Raumplanungsrechts bei kleineren Wohnbauprojekten vernachlässigt werden kann.
Das Verbandsbeschwerderecht ist ein elementarer Bestandteil für den Vollzug des Umweltrechts. Gibt es dieses Recht nicht, hat die Natur keine Stimme. Dass nur in Übereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen gebaut wird, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die hohe Erfolgsquote der Beschwerden der Mitgliederverbände der Umweltallianz (WWF Schweiz, Pro Natura, Greenpeace, Birdlife Schweiz, VCS und SES) zeigt jedoch, dass dem leider nicht so ist. Wenn geltendes Umweltrecht verletzt wird oder es einer Klärung der Rechtslage bedarf, ist das VBR das letzte Mittel, mit dem sich die Naturschutzorganisationen für die Einhaltung der Rechte der Natur einsetzen können. Dabei sind ihre Beschwerden drei- bis viermal erfolgreicher als jene von Privaten.
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Commentaire sur l’acceptation par le CN de l’iv. pa. Bregy sur le droit de recours des organisations
Une coalition de politiciennes et de politiciens bourgeois a décidé de limiter les droits de la nature. Dans le cas de projets de moins de 400 mètres carrés, les organisations de protection de la nature et du paysage ne pourront plus faire valoir le respect du droit environnemental en vigueur. Le fait que, dans la plupart des cas, elles obtiennent gain de cause devant les tribunaux montre pourtant qu’elles utilisent leur droit de recours en étant conscientes de leur responsabilité.
Les organisations de défense de l’environnement se défendent contre l’attaque visant un instrument central du respect du droit environnemental. D’autant qu’elle s’inscrit dans une offensive gagnant visiblement en intensité pour affaiblir la protection de la nature, du paysage et de la culture du bâti, tant sur le plan politique que juridique. Jusqu’à maintenant, ces attaques se concentraient surtout sur les recours contre les constructions hors zone à bâtir, et notamment sur le conflit d’intérêts lié au développement des énergies renouvelables.
Cette nouvelle attaque vise désormais les recours contre les constructions en zone à bâtir: concrètement, le droit de recours des organisations ne devrait pas s’appliquer aux projets de construction de logements situés dans une zone à bâtir d’une surface de plancher inférieure à 400 m2.
Le droit de recours des organisations est pourtant un instrument important pour garantir le respect du droit en vigueur. Pour les «projets de moindre importance en zone à bâtir», il n’intervient de toute manière que dans des cas exceptionnels. Compte tenu du contexte, la limitation proposée du droit de recours des organisations pour les projets de construction de logements en zone à bâtir n’est pas justifiée. En effet, elle reviendrait à torpiller l’application de la loi dans les domaines de l’aménagement du territoire et des résidences secondaires. Il en résulterait une séparation irritante, du point de vue de l’état de droit, du champ d’application du droit de l’aménagement du territoire, de la nature, du paysage et des résidences secondaires. En créant des cas de grande et de moindre importance, le législateur indique que l’application correcte du droit de l’environnement et de l’aménagement du territoire peut être négligée dans le cas des projets de construction de logements de moindre importance.
Le droit de recours des organisations est pourtant élémentaire pour l’application du droit environnemental. Sans lui, la nature est muette. Il devrait aller de soi que les activités de construction ne peuvent que s’inscrire dans le cadre légal en vigueur. Le taux de succès élevé des recours des organisations membres de l’Alliance-Environnement (WWF Suisse, Pro Natura, Greenpeace, BirdLife Suisse, ATE et SES) montre toutefois qu’il n’en est rien. En cas de violations du droit environnemental en vigueur ou lorsque des clarifications de la situation légale sont nécessaires, le droit de recours est le dernier atout que les organisations peuvent utiliser pour faire respecter les droits de la nature. Le taux de succès de ces dernières est trois à quatre fois plus élevé que celui des particuliers.
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Ihre Spende für Naturschutz mit Biss
Mit CHF 80 helfen Sie, auf 100 m2 den Artenreichtum mit einem Orchideeninventar zu überprüfen.
Mit CHF 200 ermöglichen Sie einen halben Einsatztag mit Freiwilligen inkl. Leitung, Material und Verpflegung.
Mit CHF 110 errichten Sie 10 m stabilen Zaun, der Luchs und Wolf fernhält.
Infos zum Spendenzweck: Die genannten Zwecke und Kosten sind Beispiele, die typische Arbeiten für das Projekt veranschaulichen. Alle Spenden kommen direkt dem Ziegenprojekt, aber nicht zwingend genau der gewählten Massnahme zugute.
Un don pour la protection de la nature qui a du mordant
Avec un don de 80 francs, vous nous permettez d’examiner l’état de la biodiversité sur une surface de 100 m2 au moyen d’un inventaire des orchidées.
Avec 200 francs, vous financez la demi-journée de travail de bénévoles, y compris la direction des travaux, le matériel et les repas.
Avec 110 francs, vous financez 10 m de clôture pour maintenir à distance les lynx et les loups.
Infos sur l'objectif du don: Les objectifs et coûts mentionnés sont des exemples illustrant les tâches typiques liées au projet. Tous les dons sont directement affectés au projet avec les chèvres, mais pas forcément à la mesure choisie.
«Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch »
Ein grandioser Sommertag ist in der Val Mingèr angebrochen. Letzte Nebelschwaden umhüllen die Gipfel des Unterengadins, während wir entlang von bizarren Felsformationen, mächtigen Bergföhren und riesigen Geröllhalden stetig bergwärts schreiten. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Alp Mingèr, das heutige Ziel von Sonja Wipf. Die Botanikerin erfasst hier, wie an weiteren Orten im Schweizerischen Nationalpark (SNP), systematisch die Flora und setzt damit eine über hundertjährige Forschungsarbeit fort. Der SNP gehört weltweit zu den Institutionen mit dem grössten Fachwissen und Datenreichtum zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die alpine Flora und Fauna.
Parallel dazu konnte Sonja Wipf als Leiterin einer viel beachteten europäischen Studie nachweisen, dass der Klimawandel starke Auswirkungen auf die alpine Biodiversität hat. Dazu haben Forscherinnen und Forscher auf über 300 europäischen Berggipfeln die Flora erfasst und mit früheren Daten aus rund 100 Jahren abgeglichen. Im SNP leitet die 50-Jährige den Bereich Forschung und Monitoring und ist Mitglied der Geschäftsleitung.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
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Raphael Weber
- Sonja Wipf erfasst mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen.
Mittlerweile hat Sonja Wipf oberhalb der Alp Mingèr innerhalb einer sogenannten Naturbeobachtungsfläche einen Quadratmeter abgesteckt und erfasst dort mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen; deren 40 sind es schliesslich. Dies sei ein recht hoher Wert, in der vergangenen Woche habe sie bei Margunet sogar 57 unterschiedliche Pflanzen auf einem Quadratmeter gezählt, dies sei ein Spitzenwert.
Pro Natura Magazin: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Alpenflora aus?
Sonja Wipf: Er führt zu einer grossen Artenverschiebung. Auf den Berggipfeln finden wir heute rund 45 Prozent mehr Arten vor als noch vor ein paar Jahrzehnten. Als Faustregel gilt: Je stärker die Erwärmung, desto grösser die Artenzunahme. Immer mehr subalpine Arten besiedeln höhere Lagen.
Und werden dadurch die alpinen Spezialisten verdrängt?
Das wird sich zeigen. Alpine Arten sind sich keine Konkurrenz gewohnt; bisher haben sie Standorte besiedelt, die ihnen niemand streitig gemacht hat, und deshalb haben sie eine konservative Überlebensstrategie. Viele sind langlebig, blühen nicht jährlich und produzieren nur wenige und kleine Samen. Meistens haben sie eine kleine Statur und sind generell wenig flexibel. Die neuen Arten aber sind sich Konkurrenz gewohnt, mussten sich auf subalpinen Wiesen behaupten und sind deshalb viel anpassungsfähiger. Natürlich behalten alpine Arten ihren Standortvorteil und Allerweltsarten werden nun nicht gerade die harschesten Standorte wie alpine Geröllhalden besiedeln. Trotzdem, einige alpine Spezialisten bekunden grosse Mühe mit den neuen Bedingungen, und ihre Bestände sind rückläufig.
Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch, doch ich beobachte nun, dass die Besiedelung durch neue Arten in den letzten Jahren immer schneller vor sich geht.
Ausharren und sich behaupten ist eine Strategie, wandern andere bedrängte Arten ebenso in die Höhe?
Ja sicherlich. Doch viele Arten sind jetzt schon auf den Gipfeln und können deshalb nicht noch weiter nach oben wandern. Sie suchen nun passende Nischen, denn die neuen Arten besiedeln zuerst die warmen Stellen an den Süd- und Ostflanken der Berge. Dort scheint die Sonne am längsten oder sie sind vom Wind geschützt.
Die zunehmende Konkurrenz ist offensichtlich ein Stressfaktor, was kommt hinzu?
Eine zunehmende Trockenheit; etwas, das ich auf dieser Höhe früher kaum erlebt habe. Die Niederschläge werden seltener und kräftiger. Im Hochsommer kann es hier oben staubtrocken sein, und das ist nicht nur für die Flora eine grosse Belastung. Die Böden werden «hydrophob», können also kaum Wasser aufnehmen. Wenn dann ein heftiges Gewitter kommt, entfacht es eine mächtige Wirkung, es kommt zu Murgängen, erst recht in Landschaften wie hier, in diesem bröckeligen Dolomitgestein. Im Nationalpark, der ja «echt wild» ist, ist dies durchaus spannend. Denn je wilder und dynamischer die Landschaft, desto vielfältiger ist auch die Biodiversität!
Für die menschliche Zivilisation wird die Natur aber auch bedrohlicher.
Ja sicherlich, die Extremereignisse nehmen zu, die Stabilität nimmt ab, dies führt zu mehr Murgängen und Bergstürzen. Doch auch der Wasserhaushalt verändert sich stark. Die Gletscherreserven schwinden rasant, die Schneefelder sind stark rückläufig, Quellen versiegen. Unter anderem wird dies die Bewirtschaftung vieler Alpen erschweren.
Entstehen durch den Gletscherschwund und die zunehmenden Bergstürze hingegen auch neue Lebensräume, die alpine Pflanzen wiederum besiedeln können?
Durchaus, doch diese können die Bedrängnis der alpinen Pflanzen nur bedingt abfedern. Das zeigt sich nur schon an der Pyramidenförmigkeit unserer Berge. Der Druck von unten auf die kleinen Gipfelregionen bleibt gross.
Verschiebt sich auch die Baumgrenze nach oben?
Einzelne Bäume wandern nach oben, doch eine flächendeckende Bewegung findet hier im Nationalpark noch nicht statt. Dies ist vor allem auf die starke Beweidung durch unsere grossen Huftierpopulationen zurückzuführen. Es wird nun spannend, ob sich dies durch die Präsenz von grossen Beutegreifern ändern wird.
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Jan Gürke
- Schweizer Nationalpark im Graubünden.
Wie sind diese im Nationalpark vertreten?
Mehrere Jahre war eine einzelne Wölfin ansässig. Seit dem letzten Winter ist nun ein Paar im Park unterwegs, doch wir haben noch keinen Nachweis eines Rudels. Wir wollen die Situation nutzen, um die Rolle von Beutegreifern im Ökosystem zu erfassen. Dazu sammeln wir schon seit Jahren wissenschaftliche Basisdaten.
Und wie?
Wir haben Hirsche und Gämsen besendert, sie sind die Hauptbeute von Wölfen. Wir wollen erkennen, ob und wie sich ihre Aktivitätsmuster ändern. Bereits jetzt stellen wir bei den regelmässigen Zählungen fest, dass die Hirsche in kleineren Gruppen unterwegs sind, vermutlich, um agiler gegenüber allfälligen Angriffen zu sein. Bei Füchsen führen wir auch Besenderungen, Nahrungsanalysen und Fotofallenmonitoring durch. Spannend wird es auch bei den Kleinsäugern: Vermehren sie sich, weil ihre Hauptfeinde, die Füchse, durch den Wolf dezimiert werden oder auch weil sich die Füchse vermehrt durch Aas ernähren, das die Wölfe hinterlassen? Auch gewissen Alpenpflanzen wird eine grössere Dynamik sicherlich entgegenkommen.
Eine möglichst grosse natürliche Dynamik macht die Flora und Fauna der Alpen also widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels?
Ja, in alpinen Lebensräumen, die nicht durch den Menschen geprägt sind, können sich die natürlichen Prozesse ungehindert entfalten. Natürliche Abläufe und Störungen sorgen auch hier auf der Alp Mingèr dafür, dass ein unglaublich vielfältiges Mosaik besteht.
Ohne Steinschläge, Murgänge, Stürme, Hitze, Trockenheit, Kälte und weitere Faktoren würden wohl wenige einzelne Spezies Überhand nehmen, und ich würde auf einem Quadratmeter kaum 40 verschiedene Pflanzenarten finden. Die grosse Diversität von Standorten und Arten schafft auch eine gewisse Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels.
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Raphael Weber
Nach erledigter Arbeit schreiten wir wieder das Tal hinunter. Dabei durchqueren wir ein Bachbett, in dem neulich riesige Geröllmassen verschoben und ganze Baumstämme das Tal hinuntergespült worden sind, jetzt aber liegt es trocken. Später, während wir aufs Postauto warten, inspiziert Sonja Wipf aufmerksam die Strassenränder; sie hält Ausschau nach Neophyten. Die Ofenpassstrasse, die Hauptverkehrsader, die durch den Nationalpark führt, war vor zwölf Jahren noch praktisch frei von Neophyten. mittlerweile säumen sie die Strassenborde. «Zum Glück sind noch keine invasiven Arten dabei», sagt die Botanikerin.
Die Neophyten werden durch Fahrzeuge und menschliche Aktivitäten in den Park eingeschleppt, und der Klimawandel fördert ihre Ausbreitung in die Höhe. Diese Entwicklung stellt auch das Nationalparkteam vor ungelöste Fragen, denn hier wird die Natur sich selbst überlassen und menschliche Eingriffe sind nicht erlaubt. «Müssen wir uns nun selber büssen, falls wir invasive Pflanzen ausreissen?», fragt Sonja Wipf rhetorisch. Die Antwort bleibt vorerst dahingestellt, doch es ist klar, dass die Biodiversität im Alpenraum vor grossen Veränderungen steht.
RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin.
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«J’étais moins alarmiste il y a quelques années»
Une magnifique journée d’été s’annonce sur le Val Mingèr. La brume matinale enveloppe encore les sommets de la Basse-Engadine lorsque nous entamons notre ascension ponctuée de formations rocheuses étranges, de pins de montagne majestueux et de pierriers gigantesques. Après une heure de marche, nous arrivons sur l’alpage Mingèr, où Sonja Wipf a prévu de travailler aujourd’hui. Ici comme à d’autres endroits du Parc national suisse (PNS), la botaniste dresse un inventaire systématique de la flore, une entreprise scientifique initiée il y a plus d’un siècle. Le PNS compte parmi les institutions à la pointe de la recherche en ce qui concerne les effets du changement climatique. Il possède l’une des plus vastes bases de données sur la flore et la faune des Alpes.
Parallèlement à ses travaux pour le PNS, Sonja Wipf a dirigé une étude européenne remarquée où elle a démontré l’impact du changement climatique sur la biodiversité alpine. Les scientifiques ont inventorié la flore de plus de 300 sommets d’Europe et comparé leurs données avec les relevés effectués au cours des cent dernières années. Au PNS, la botaniste dirige le secteur de la recherche et du monitorage, elle est aussi membre de la direction.
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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
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Raphael Weber
- Sonja Wipf recense d’un œil expert toutes les espèces présentes.
Entre-temps, au-dessus de l’alpage Mingèr, Sonja Wipf vient de délimiter un carré d’un mètre de côté sur une «surface d’observation» et y recense d’un œil expert toutes les espèces présentes. Elle en compte une quarantaine, ce qui est beaucoup. La semaine dernière, elle a dénombré jusqu’à cinquante-sept plantes différentes au mètre carré du côté de Margunet, un record.
Magazine Pro Natura : quels sont les effets du changement climatique sur la flore alpine?
Sonja Wipf: beaucoup d’espèces migrent vers les hauteurs. Sur les sommets, on trouve aujourd’hui environ 45% d’espèces en plus qu’il y a quelques décennies. La hausse des températures est corrélée à une multiplication des espèces. La flore subalpine prend possession des étages supérieurs.
Et elle fait pression sur les espèces spécialisées?
C’est ce qu’on va voir. Les espèces alpines n’ont pas l’habitude de la concurrence. Elles peuplaient jusqu’ici des lieux que les autres plantes ne cherchaient pas à leur disputer. Elles ont développé de ce fait une stratégie de survie plutôt conservatrice. La plupart possèdent une grande résistance, ne fleurissent pas chaque année et ne produisent que quelques graines minuscules. Elles poussent au ras du sol et s’adaptent moins facilement aux changements que les nouvelles venues, rompues à la compétition qui règne dans les prairies subalpines. Ces espèces spécialisées gardent bien sûr une longueur d’avance grâce aux atouts développés pour la vie en altitude et leurs rivales plus généralistes ne s’installeront pas dans les lieux les plus inhospitaliers, par exemple les pierriers. Certaines plantes alpines n’en connaissent pas moins de grandes difficultés, et leurs effectifs diminuent.
J’étais moins alarmiste il y a quelques années, mais j’observe que la colonisation par de nouvelles espèces s'est accélérée ces dernières années.
Résister et s’imposer est une stratégie, d’autres espèces menacées migrent-elles aussi plus haut?
Certainement, mais pour de nombreuses espèces acclimatées aux sommets, il n’y a plus que le ciel au-dessus. Elles se replient dans les niches qui leur conviennent, car les nouvelles espèces colonisent en priorité les emplacements chauds sur les flancs exposés au sud et à l’ouest, qui leur offrent ensoleillement maximal ou protection contre le vent.
Cette concurrence de plus en plus féroce est manifestement un facteur de stress, y en a-t-il d’autres ?
La sécheresse augmente, un problème que je ne rencontrais guère autrefois à ces altitudes. Les précipitations sont à la fois plus rares en même temps plus intenses. En plein été, ces hauteurs sont parfois totalement desséchées, et la flore n’est pas seule à en souffrir. Les sols deviennent «hydrophobes», ils ne peuvent plus absorber l’eau. Si un violent orage éclate, son impact est décuplé et peut entraîner la formation de laves torrentielles, à plus forte raison dans cette région constituée de roche dolomitique friable. Ces phénomènes sont particulièrement intéressants à observer dans un espace très sauvage comme le Parc national. Car un paysage dynamique favorise une biodiversité élevée.
Mais pour la civilisation humaine, la nature devient plus dangereuse.
C’est vrai, les événements météorologiques extrêmes sont plus fréquents, la montagne se fait plus instable, il y a davantage d’éboulements et de glissements de terrain. Le régime hydrique est lui aussi bouleversé. Les réserves glaciaires disparaissent à toute vitesse, les névés rétrécissent à vue d’œil, les sources se tarissent. Cela va notamment compliquer l’exploitation de nombreux alpages.
La fonte des glaciers et les glissements de terrain ne libèrent-ils pas de nouveaux habitats pour les plantes alpines?
Certes, mais cela ne compense que partiellement la concurrence accrue que subissent ces espèces. On le voit déjà rien qu’à la forme pyramidale de nos montagnes. La pression des étages inférieurs sur les étroites régions sommitales reste élevée.
La limite des arbres se décale-t-elle aussi vers le haut?
Des arbres isolés apparaissent sur les hauteurs du Parc national, mais on n’assiste pas encore à une migration généralisée, du fait de la forte population d’ongulés qui pâture à ces altitudes. Des changements intéressants pourraient advenir avec la présence de grands prédateurs.
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Jan Gürke
Qu’en est-il de cette présence dans le Parc national?
Pendant plusieurs années, on n’y a observé qu’une seule louve. Nous savons depuis l’hiver dernier qu’un couple parcourt la région, mais nous n’avons à ce jour aucun indice de la formation d’une meute. Nous voulons profiter de la situation pour étudier le rôle des prédateurs dans l’écosystème. Nous récoltons depuis des années des données scientifiques à ce sujet.
Comment procédez-vous?
Des cerfs et des chamois ont été équipés de balises. Ce sont les proies principales du loup. Nous décryptons leurs schémas d’activités pour détecter des modifications. Les recensements périodiques ont déjà montré que les cerfs se déplacent en hardes moins nombreuses, probablement pour réagir plus rapidement à d’éventuelles attaques. Nous posons aussi des émetteurs sur les renards, analysons leur alimentation et installons des pièges photographiques. Les petits mammifères sont un autre terrain d’observation riche d’enseignements: se multiplient-ils parce que leur ennemi numéro un, le renard, est décimé par le loup, ou parce que le renard se nourrit davantage des charognes laissées par le loup? Dans l’ensemble, certaines espèces animales profiteront de cette dynamique, de même que certaines plantes alpines.
Une forte dynamique naturelle rend-elle la flore et la faune des Alpes plus résistantes face au bouleversement du climat?
Oui, dans les habitats alpins qui n’ont pas été façonnés par les activités humaines, les processus naturels peuvent se déployer sans entrave. Ces cycles et ces perturbations donnent vie à une incroyable mosaïque d’espèces, comme on la rencontre ici à l’alpage Mingèr.
Sans les chutes de pierre, les éboulements, les tempêtes, les canicules, la sécheresse, le froid et bien d’autres facteurs, certaines espèces n’auraient jamais la chance de s’imposer, et je n’en compterais pas quarante au mètre carré. La grande diversité des sites et des espèces leur confère une certaine résilience contre les effets du changement climatique.
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Raphael Weber
Le travail est terminé, il est l’heure de redescendre dans la vallée. Nous traversons le lit d’un torrent qui récemment encore déplaçait d’énormes masses de pierres et charriait des troncs entiers. Il est actuellement à sec. Plus tard, en attendant le car postal, Sonja Wipf inspecte avec soin la végétation en bordure de la route et y détecte des néophytes. Il y a plus de dix ans, on n’en voyait presque aucun le long de la route de l’Ofenpass, l’axe principal qui traverse le Parc national. Ils y sont aujourd’hui bien implantés. «Heureusement qu’il n’y a pas encore de plantes invasives», rassure la botaniste.
Ces espèces arrivent dans le parc dans le sillage des véhicules et des activités humaines. Le changement climatique favorise leur dissémination en altitude. Une irruption qui place l’équipe du Parc national face à des questions sans réponse, car ici, la nature est reine et toute intervention humaine est interdite. «Devons-nous nous infliger nous-mêmes des amendes si nous arrachons des plantes invasives?», ironise Sonja Wipf. Ce dilemme n’est pas résolu, mais une chose est sûre: la biodiversité alpine se trouve à l’aube de grands bouleversements.
RAPHAEL WEBER, rédacteur en chef du Magazine Pro Natura.
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