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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Symbolbild Kohlekraftwerk
19.05.2025 Energie

Schweizer Unternehmen will Millionen für deutschen Kohleausstieg

Ein heute von acht Nichtregierungsorganisationen veröffentlichtes Briefing beleuchtet die Hintergründe der Klage Azienda Elettrica Ticinese (AET) gegen den deutschen Kohleausstieg vor einem internationalen Schiedsgericht. Das öffentlich-rechtliche Schweizer Unternehmen verlangt eine Entschädigung von 85.5 Million Euro plus Zinsen für die Abschaltung eines Kohlekraftwerks im nordrhein-westfälischen Lünen, an dem es eine Beteiligung hält. Laut eigenen Angaben hat die AET knapp über 23 Millionen Euro in das Kraftwerksprojekt investiert.

Eine genauere Untersuchung der Klage zeigt:

  • Das Kohlekraftwerk hat seit seinem Bau jedes Jahr Verluste eingefahren. Die AET verlangt also Entschädigung für eine Anlage, die defizitär war und dies voraussichtlich auch weiterhin bleiben wird.
  • Die AET wurde in einem Volksentscheid dazu verpflichtet, sich von der Beteiligung am Kohlekraftwerk spätestens 2035 zu trennen. Trotzdem möchte sie für hypothetische Einnahmen des Kraftwerks bis ins Jahr 2053 entschädigt werden.
  • Ein Erfolg der AET in dem Verfahren würde die Architektur des deutschen Kohleausstiegs in Frage stellen und könnte zu weiteren Klagen vor Schiedsgerichten durch Kohleunternehmen führen. Neun weitere Kohlekraftwerke in Deutschland haben ausländische Anteilseigner, die bei einem Erfolg AET’s möglicherweise vor einem Schiedsgericht klagen könnten.

Zitat Fabian Fabian Flues, Handelsexperte bei der NGO PowerShift: 
«Es ist ein Skandal, dass sich ein öffentliches Unternehmen undemokratischer Schiedsgerichte bedient, um gegen notwendige Klimaschutzmassnahmen vorzugehen. Dass die AET Entschädigungen für ein verlustbringendes Kraftwerk verlangt und damit ihre ursprüngliche Investition vervielfachen will, treibt das Ganze auf die Spitze.»

Zitat Francesco Maggi, Geschäftsleiter WWF Svizzera italiana:
«Schon vor dem Bau des Kohlekraftwerks in Lünen war das Fiasko absehbar. Entsprechend deutlich hat der WWF, die AET und den Kanton Tessin vor dieser ökonomisch widersinnigen und klimaschädlichen Kurzschluss-Entscheidung gewarnt. Statt Verantwortung zu übernehmen, schiebt die AET nun Deutschlands Klimapolitik die Schuld für ihr eigenes Versagen zu und fordert Schadenersatz. Dieses Vorgehen ist einer öffentlich-rechtlichen Anstalt unwürdig. Der Kanton Tessin muss diesem Hohn ein Ende machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.»

Zitat Isolda Agazzi, Investitionsexpertin bei Alliance Sud:
«Im Gegensatz zur EU und mehreren europäischen Ländern hat die Schweiz den Energiecharta-Vertrag nicht gekündigt. Dieser verlangsamt jedoch den Ausstieg aus fossilen Energien und erschwert ihn, wie die Klage der AET gegen Deutschland zeigt. Die Schweiz muss sich dem Trend anschliessen und diesen anachronistischen Vertrag kündigen.»

Hintergrund:
Die Schiedsgerichtsklage der AET findet unter dem Energiecharta-Vertrag, einem Investitionsschutz-Vertrag aus den 1990er Jahren, statt. Der ECT ermöglicht es Investoren, vor Schiedsgerichten gegen Energie- und Klimamassnahmen zu klagen, wenn diese ihre Gewinne einschränken. Kein Investitionsschutzvertrag hat so viele Schiedsgerichtsklagen ermöglicht, wie der ECT. Deutschland, die EU und 10 weitere Länder sind aus dem ECT ausgetreten, weil dieser ihre Handlungsfähigkeit in der Klimakrise zu stark beschneidet. Die Schweiz ist weiterhin Mitglied des ECT. Der ECT verfügt über eine Verfallsklausel, die Klagen über einen Zeitraum von 20 Jahren nach dem Austritt möglich macht. Aus dem ECT austretende Länder können jedoch ein Abkommen abschließen, um Klagen untereinander auszuschließen.

Schweizerische Umwelt- und Entwicklungsorganisationen verlangen schon seit langem einen Austritt der Schweiz aus dem Energiecharta-Vertrag. Der Bundesrat beabsichtigt jedoch nicht, aus dem Vertrag auszutreten. Stattdessen hat er hat dessen Modernisierung, wie sie von der Energiecharta-Konferenz am 3. Dezember 2024 beschlossen wurde, gutgeheissen.

Link zum Briefing: https://power-shift.de/aet-briefing/

Kontakte:

  • Power Shift: Fabian Flues, Leitung Investitionspolitik bei, Tel. +49 (0)30 308 821 92, @email
  • WWF Schweiz: Sebastian Obrist, Mediensprecher Klima & Energie, Tel. 077 417 68 19, @email

 

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© Symbolbild Kohlekraftwerk

Gemeinsame Pressemitteilung von Alliance Sud, Netzwerk Gerechter Welthandel, PowerShift, Umweltinstitut München, Pro Natura, Public Eye und WWF Schweiz

Gletschervorfeld Unteraaregletscher BE
14.08.2025 Alpen

«Goldgräberstimmung» bedroht Gletschervorfelder

Die Gletschervorfelder sind Wiegen neuer Lebensräume und zählen zu den letzten Wildnisgebieten der Schweiz. Noch bevor eine gesellschaftliche Debatte über ihren Schutz stattgefunden hat, droht nun aber die Zerstörung dieser Lebensräume.

Der Gletscherschwund nimmt weiter Fahrt auf, und schon in wenigen Jahrzehnten ist das ewige Eis unserer Gebirge grösstenteils Geschichte. Zurück bleiben die eisfreien Flächen – Zeugen der Unfähigkeit der Weltgemeinschaft, den Klimawandel auf ein erträgliches Mass zu begrenzen.

Die tauenden Gletscher hinterlassen aber nicht nur karge Felslandschaften, sondern, je nach Lage, Naturräume von unschätzbarem Wert. Gletschervorfelder, die mitunter schon seit 1850 vom Eis freigegeben wurden, sind dynamisches Neuland, wo sich die Natur entfalten und ein farbenprächtiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume entstehen kann: von Gletscherseen über Deltas und Moorflächen bis hin zu alpinen Auen und Schwemmebenen. Das im Frühjahr und Sommer abfliessende Schmelzwasser ist das prägende Element, das diese einzigartigen Gewässerlandschaften formt, belebt und verändert.

Gletschervorfeld schmelzendes Eis Grimsel BE Raphael Weber

Neue Lebensräume und Rückzugsgebiete

Gletschervorfelder bieten Lebensraum für eine Vielzahl seltener Pflanzengesellschaften, die sich in verschiedenen Sukzessionsstadien befinden. Darunter sind seltene Arten, die an kühle Temperaturen gebunden sind. Auch zahlreiche bedrohte Tierarten, insbesondere aquatische Wirbellose, profitieren von diesen Lebensräumen. Mit dem Klimawandel und der zunehmenden Erwärmung der tieferen Lagen sind kältebedürftige Arten gezwungen, in höhere Lagen abzuwandern, um weiter bestehen zu können. In den Gletschervorfeldern finden sie einen Zufluchtsort. Studien zeigen, dass in den europäischen Alpen über 2000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten ihre Verbreitung aufgrund steigender Temperaturen bereits in höhere Gebiete verlagert haben.

Ihre unberührte Schönheit und Dynamik machen die Gletschervorfelder zu ursprünglichen Orten, die in der vom Menschen stark beeinflussten Landschaft der Schweiz rar geworden sind. Ihre Abgeschiedenheit – oft sind die Gebiete nur durch mehrstündige Wanderungen erreichbar – trägt zu ihrem Schutz bei.

Gletschervorfeld Grimsel BE Raphael Weber

Kriterien erfüllt – und trotzdem ungeschützt

Im politischen Ringen um die Energiewende wird der landschaftliche und ökologische Wert allerdings oft übersehen oder ganz bewusst übergangen. Es droht darum die Zerstörung dieser Lebensräume, noch bevor eine gesellschaftliche Debatte über ihren Schutz stattgefunden hat. Aktuelle Gesetze ermöglichen es, dass wertvolle Gletschervorfelder für neue Wasserkraftprojekte eingestaut werden können, obwohl sie die Kriterien für eine Aufnahme in das Aueninventar erfüllen. Das Bundesparlament hat 2023 entsprechende Regelungen verabschiedet, die den Bau von Wasserkraftanlagen auf diesen Flächen ermöglichen, sofern sie nicht bis zum 1. Januar 2023 im Aueninventar aufgenommen waren.

Die Begründung ist oft dieselbe: Winterstrom. Das greift aber zu kurz. Erstens haben wir bereits grosse Speichervolumen in den Bergen, und zweitens gibt es Ausbaumöglichkeiten an bestehenden Stauseen, die ohne grosse neue Eingriffe umsetzbar wären. Vielfach sind solche Vorhaben aber blockiert. Nicht aus Gründen des Naturschutzes, sondern weil die Kantone die Werke in absehbarer Zeit übernehmen (Heimfall) und die Betreiber darum nicht mehr investieren wollen. Zu beachten ist auch, dass die Strommenge, die aktuell in nicht einmal vier Monaten durch neue Solaranlagen auf bestehenden Infrastrukturen zugebaut wird, dem jährlichen Stromertrag eines neuen Stausees in der Grösse von Zervreila entspricht. Ein Viertel dieses Solarstroms ist Winterstrom und vielfach sogar günstiger als Strom aus neuen Wasserkraftwerken.

Balance zwischen Schutz und Nutzung

Es gilt darum, eine ausgewogene Balance zwischen Schutz und Nutzung zu finden und zu verhindern, dass diese kostbaren Lebensräume unwiederbringlich zerstört werden. Die Gletschervorfelder sind nicht nur ein Erbe (und Mahnmal) der Vergangenheit, sondern eine einmalige Chance für unsere Natur und Artenvielfalt.   

Michael Casanova betreut bei Pro Natura die Dossiers Energiepolitik und Gewässerschutz.

Gletschervorfeld Unteraaregletscher BE Raphael Weber

«Das ist ein ideales Freilandexperiment»

Die emeritierte Innsbrucker Geobotanik-Professorin Brigitta Erschbamer forschte ab 
den 1990er-Jahren über Pionierpflanzen im Hochgebirge, hauptsächlich im Gletschervor-
feld des Rotmoosferners im Tiroler Ötztal.

Pro Natura Magazin: Frau Erschbamer, was ist die besondere ökologische Bedeutung von Gletschervorfeldern?

Brigitta Erschbamer: In Gletschervorfeldern findet die Besiedelung durch Pflanzen von null an statt. Das heisst, wir können von Beginn an verfolgen, wie sich eine neue Pflanzengemeinschaft bildet. Das ist eine Art ideales Freilandexperiment. Nach 40 bis 50 Jahren Eisfreiheit ist ein Maximum an Arten erreicht. Dann pendelt sich die Artenzahl pro Fläche langsam ein. Es kommen noch Arten dazu, aber die Pionierarten verschwinden.

In 40 bis 50 Jahren werden leider die meisten Gletscher in den Alpen verschwunden sein, ausser in wenigen Hochlagen.

Wir sehen jetzt schon, dass im Zuge des Klimawandels die Entwicklung immer rascher geht. Vor 50, 60 Jahren hatten wir noch Zeiträume von 5 bis 10 Jahren, bis sich Pflanzen auf diesen neuen Gletschervorfeldern ansiedelten. Jetzt beobachtet man schon nach einem Jahr Eisfreiheit bereits die ersten Pflanzen. Je tiefer hinab sich ein Gletschervorfeld zieht, desto stärker und schneller gehen die Veränderungen vor sich, bis hin zu einer Wiederbewaldung. Bei Ihnen in der Schweiz kommt da oft die Lärche ins Spiel.

In der Schweiz beschäftigt uns als Naturschutzorganisation die Vielzahl an Ideen für neue Stauseen im Bereich wachsender Gletschervorfelder. Wie ist das in Österreich?

Ja, diese Diskussion gibt es natürlich auch hier in Tirol. Da wird aufgrund der Rechtslage oft um die Definition eines Gletschervorfeldes gerungen. Ist es noch ein Gletschervorfeld, wenn es durch Ereignisse wie Murgänge überformt worden ist …

… weil in Österreich ein Gletschervorfeld eigentlich per se ein geschützter Lebensraum ist …

… ja, theoretisch schon. Aber die unterschiedlichen Begehrlichkeiten haben zu einer vagen Definition geführt, was überhaupt noch ein Gletschervorfeld ist und was nicht mehr.

Was wären denn aus Ihrer Sicht Kriterien, die unbedingt für den Schutz eines Gletschervorfeldes sprechen?

Ganz gleich, ob da irgendwelche Überprägungen durch Muren oder Überschwemmungen sind: Ein Gletschervorfeld muss als Ganzes gesehen und unter Schutz gestellt werden. Die Diskussion erübrigt sich, wenn man diese Gebiete in ihrer ausserordentlichen ökologischen Bedeutung anerkennt. Zum Beispiel für Hochgebirgspflanzen, die im Klimawandel hier ihre letzten Rückzugsräume haben könnten. Und wo sonst sieht man die Entstehung von Lebensräumen und Artengemeinschaften so wie in einem Gletschervorfeld? Nirgends! Darum sind diese Lebensräume, gerade auch die Pflanzengesellschaften entlang der Gletscherbäche, auf höchster EU-Ebene geschützt. Sie sind schlicht einmalig und unersetzlich.

Apropos Gletscherbäche: Eine Erkenntnis aus Ihrer Forschung hat mich überrascht. In einem Gletschervorfeld können Jungpflanzen auch verdursten, las ich bei Ihnen.

Ja, unsere Experimente zeigten, dass zwei Faktoren entscheidend sind für die Ansiedlung von Pflanzen, nämlich – nicht überraschend – die Verfügbarkeit von Samen, aber eben auch die Trockenheit. Auf den oft sandigen Böden vor Ort können längere Trockenheitsperioden die Ansiedlung von Pflanzen lange hinauszögern oder gar verhindern. Mit dem Klimawandel verschärft sich auch dieser Effekt. 

Rico Kessler, Redaktor für das Pro Natura Magazin

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Gletschervorfeld Grimsel BE
Prozent des Eisvolumens ist geschmolzen

Zwischen 1850 und 2016 sind bereits 60 Prozent des Eisvolumens der Alpen weggeschmolzen. Pro Natura nimmt den Bund in der Pflicht, den ökologischen Wert der Gletschervorfelder für die Biodiversität genauer zu prüfen, bevor weiter über deren Nutzungsmöglichkeiten diskutiert wird.

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Alpen Waadt
14.08.2025 Alpen

Modernisierungen auf der Alp

Die Sektion Pro Natura Waadt möchte auf ihren Alpen den Bergbauernfamilien die bestmöglichen Bedingungen bieten und eine nachhaltige Nutzung der Weiden gewährleisten. Deshalb werden die elf Alphütten, die Pro Natura in den Schutzgebieten La Pierreuse, Vanil Noir und Les Diablerets besitzt, regelmässig modernisiert.

Unser Tagesziel ist Gros Jable, eine Alp im Vallée de la Torneresse, mitten im Pays d'Enhaut. Die Alp ist im Besitz der Waadtländer Sektion von Pro Natura. «In den 1970er-Jahren, als der Tourismus in der Schweiz boomte, beschloss die Sektion, mehrere Alpen zu erwerben», erklärt die Schutzgebietsverantwortliche Kelly Delavy. Nicht etwa mit dem Ziel, die Natur unter eine Schutzglocke zu stellen, sondern um die traditionelle Rolle der Berglandwirtschaft fortzuführen und die wertvollen Wiesen und Weiden zu erhalten. «Ohne Beweidung würden die Flächen schnell wieder verwalden», sagt Kelly Delavy. «Deshalb setzen wir uns für den Erhalt einer traditionellen Landwirtschaft ein, die auch möglichst nachhaltig ist.»

Kühe Alpen Waadt Tania Araman
50 Kühe und 70 Rinder sind im Sommer auf Le Jable. Ohne Beweidung würden die Flächen schnell verwalden.

Kelly Delavy führt uns zu Bergbauer Nicolas Henchoz, der seit zwölf Jahren mit seinen fünfzig Kühen und siebzig Rindern jeweils den Sommer in Le Jable verbringt. Um zu ihm zu gelangen, nehmen wir eine kleine Seilbahn, die normalerweise dem Transport von Material und Personal vorbehalten ist. Dabei können wir das Naturschutzgebiet La Pierreuse mit seinen sattgrünen Gipfeln, Weiden und Tannen- und Fichtenwäldern von oben bewundern. Kelly Delavy: «Keine unserer Alphütten liegt oberhalb der Waldgrenze. Da solche Gebiete bereits waldfrei und offen sind, würde sich dort ein Engagement nicht lohnen.»

Nach etwa 15 Minuten sind wir am Ziel angekommen. Die Kühe sind noch im Stall. Das einzige Lebenszeichen ist ein Räuchlein, das aus dem Kamin steigt. Im Inneren der Hütte finden wir Nicolas Henchoz beim Käsen. In einem grossen Kessel, der mit Holzfeuer beheizt wird, nimmt der Étivaz seinen Anfang. «Das ist eines der Kriterien, um das Label AOP zu erhalten», erklärt Henchoz. Diese Anforderung geht auf die Gründung der Genossenschaft der Étivaz-Produzenten AOP im Jahr 1935 zurück. In den letzten Jahren kamen weitere Normen hinzu, namentlich in Bezug auf die Hygiene. «Und hier kommt Pro Natura Waadt, der Eigentümer, ins Spiel», betont Kelly Delavy. «Wir finanzieren beispielsweise die Erneuerung des Bodens im Käsereiraum oder den Bau eines Miststocks hinter der Alphütte, der nun auf allen Alpen vorgeschrieben ist.»

Käse Alp Waadt Tania Araman
Seit zwölf Jahren produziert Nicolas Henchoz in einem grossen, holzbefeuerten Kessel Ètivaz-Käse.

Auf einer grossen Betonplatte, die auf drei Seiten durch Mauern begrenzt ist, wird der Kuhmist einige Wochen lang gelagert. «Die Flüssigkeit läuft in einen Graben, den Rest verteilen wir nach einem genauen Plan auf der Weide, um die Flora so wenig wie möglich zu beeinträchtigen», erklärt Nicolas Henchoz.

Mehr Komfort für die Bergbauern

In Gros Jable wurden bereits 2016 Solarzellen installiert, die die Alphütte autark machen. Nur das Melksystem für die Kühe wird von einem Generator betrieben. Nun steht die Erneuerung des Schindeldachs an. Nicolas Henchoz wird die Gelegenheit nutzen, um im Obergeschoss der Hütte ein weiteres Zimmer einzurichten, in dem dann von Anfang Juni bis Mitte August seine Frau und die drei kleinen Kinder etwas bequemer untergebracht sein werden. «Die Zeiten haben sich geändert», meint Kelly Delavy. «Früher gingen die Bauern allein auf die Alp. Komfort gab es dort keinen, es gab weder Wasser noch Strom und manchmal nur ein Strohbett. Heute möchten die Bergbauern oft ihre Familie dabeihaben. Wenn wir unsere Älpler behalten wollen, müssen wir ihnen gute Arbeitsbedingungen bieten.»

Miststock Alp Waadt Tania Araman
Dank einem neuen Miststock hinter dem Stall können die Düngestoffe besser gelagert und präzise verteilt werden.

Die Gesamtkosten für die seit 2022 in Gros Jable durchgeführten Renovierungs- und Unterhaltsarbeiten belaufen sich auf 90 000 Franken. Auch bei den anderen zehn Alphütten, die im Besitz von Pro Natura Waadt sind, müssen regelmässig Renovationen durchgeführt werden. Die Sektion wird dabei mit Subventionen des Kantons und des Fonds Landschaft Schweiz unterstützt. Zudem hat sie ein Fundraising organisiert, um über mehrere Jahre auf ein fixes Budget zählen zu können.

Als wir die Alp verlassen, sind die Kühe am Grasen, und die Klassenkameraden eines der Kinder von Nicolas Henchoz schauen bei der Käseherstellung zu. Wir steigen wieder in die kleine Seilbahn – deren Unterhaltskosten übrigens auch von Pro Natura Waadt getragen werden – und fahren zu Tal. Kelly Delavy unternimmt diese Fahrt während des Sommers regelmässig, um nachzuschauen, ob auf der Alp alles gut läuft. «Als wir die Alphütten kauften, befürchteten die Leute, dass wir sie verfallen lassen würden. Sie konnten sich mittlerweile vom Gegenteil überzeugen.»

Tania Araman, Redaktorin Pro Natura Magazin

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Kuh Alp Waadt
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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Gewässer

Wasser: Unsere Lebensquelle geht verloren

So schützen wir diese einzigartigen Lebensräume

Stäubifall Unterschächen UR
Kraftwerke zerstören die Artenvielfalt unserer Gewässer. Dabei profitieren auch wir davon, wenn unsere Flüsse nicht eingezwängt sind.

Die Schweiz war einst überzogen von einem Netz aus Gewässern und Feuchtgebieten. Kleine und grössere Bäche, Flüsse, Feuchtwiesen und Moorflächen prägten die Landschaft. Ein Paradies für viele Tiere und Pflanzen.

Feuchtgebiete sind rar geworden

In den letzten 200 Jahren legte der Mensch den grössten Teil der feuchten Lebensräume trocken. Die Gewässer wurden massiv verbaut und der Energiegewinnung zugeführt. Heute sind Feuchtgebiete meist nur noch isolierte Flecken, klein und inmitten von intensiv genutzten Gebieten. Eingezwängt in Siedlungen, Äcker oder Wiesen fliessen kanalisierte oder begradigte Wasserläufe. Viele kleine Bäche sind heute in unterirdische Röhren gelegt, unzugänglich für alle wasserliebenden Tiere und Pflanzen. Verbaute Flüsse verhindern die Wanderung der Fische zu ihren Laichplätzen. Lebendige Lebensräume im und am Gewässer fehlen fast überall. 

In den letzten Jahren hat ein Umdenken begonnen. Das Wasser soll wieder mehr Platz in unserer Landschaft erhalten. Doch noch ist das Netz der Schweizer Feuchtgebiete und Gewässer äusserst lückenhaft. Biber, Aal oder Wasseramsel vermissen immer noch geeignete Lebensräume wie strukturreiche Ufer, dynamische Auenbereiche oder natürlich fliessende Bach- und Flussabschnitte.

Fliessgewässer «unter Strom»

Pro Natura setzt sich für naturnahe Fliessgewässer ein, die Heimat sind für unterschiedlichste Tiere und Pflanzen. Doch das Ökosystem der Flüsse und Bäche ist auch heute noch durch neue Bauprojekte und Begehrlichkeiten bedroht. Dabei spielen immer wieder Projekte für Wasserkraftwerke die Hauptrolle. Fast jeder Tropfen Wasser fliesst in der Schweiz heute schon mehrfach durch eine Turbine. Bleiben die letzten freien Gewässer verschont?

Gewässer brauchen unsere Hilfe

Pro Natura setzt sich dafür ein, dass Gewässer den nötigen Raum erhalten. Wir führen Aufwertungsprojekte durch und engagieren uns in der Politik für die verschiedenen Lebewesen der Gewässer. Wenn Bäche und Flüsse mehr Platz erhalten, dient das auch dem Hochwasserschutz. Mehr Raum für Gewässer bedeutet kleinere Hochwasserspitzen und damit auch weniger Schadenpotenzial in den Gebieten flussabwärts.

Quellen – einzigartige Lebensräume

Haben Sie schon einmal Wasser aus einer noch frei sprudelnden Quelle getrunken? Quellwasser ist kühl, nährstoff- und sauerstoffarm und sehr erfrischend. In Quellen leben sehr spezialisierte Tiere. Neben Köcherfliegen, Schnecken, Strudelwürmern und anderen Kleintieren leben oft auch Feuersalamander-Larven in Quellen. Wenn Menschen Quellen nutzen und diese fassen, machen sie so wertvollen Lebensraum zunichte.

Projekte für lebendige Gewässer

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Heckenpflanzung Stelliwald-Oberwald

Heck­en­verbindun­gen

Die Larven der Blauflügeligen Ödlandschrecke.
20.04.2023 Tier des Jahres

Die neue Generation Blauflügeliger Ödlandschrecken entdecken

Seit letztem Sommer liegen sie in der Erde: Die Eier des Pro Natura Tier des Jahres, der Blauflügeligen Ödlandschrecke. Während die Elterntiere mit dem Frost sterben, überdauert die nächste Generation im Eistadium den Winter. Zwischen April und Juni ist es so weit: Sie schlüpfen und können mittels geeigneter Forscherutensilien auch beobachtet und bestimmt werden.

Rund 120 Eier legt das Weibchen der Blauflügeligen Ödlandschrecke Ende Sommer in den Boden. Miterleben, wie ihre Jungtiere das Licht der Welt erblicken, wird sie nicht. Denn während die nächste Generation im Eistadium den Winter überdauert, sterben die Elterntiere mit dem ersten Frost im Herbst. Zwischen April und Mai schlüpfen dann die nur wenige Millimeter grossen Nymphen. Sie sehen zwar schon aus wie Miniaturversionen ihrer Eltern, die namensgebenden blauen Flügel fehlen jedoch noch. Um diese zu entwickeln, häuten sich die Weibchen vier und die Männchen fünfmal und passen dabei ihre Grundfärbung der Umgebung an.

Die bedrohte Welt der Insekten

«Neben der Blauflügeligen Ödlandschrecke erwachen auch viele andere Insekten im Frühling zum Leben. Der ideale Zeitpunkt, diese genauer zu studieren», sagt Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung bei Pro Natura. Schliesslich machen Insekten 60 Prozent aller Tierarten weltweit aus und 60 Prozent der Schweizer Insekten sind gefährdet. Dabei sind sie zentral für natürliche Kreisläufe wie die Bestäubung oder die Umwandlung von totem Material. Wo Insekten bedroht sind, sind deshalb auch unsere Lebensgrundlagen bedroht. 

Beobachten, bestimmen, fördern

Ob mit der Schulklasse, der Familie oder auch allein; Insekten lassen sich in der Natur wunderbar entdecken. Unser Tier des Jahres zum Beispiel findet man auf sonnig, kargem Gelände, wie Kiesbänken oder verwilderten Bahn- und Gewerbearealen, bevorzugt im Wallis, Tessin und entlang des Jurasüdhangs.
Um auch die vielen anderen Insekten besser zu verstehen, hat Pro Natura einen Bestimmungsfächer sowie ein Naturtagebuch entwickelt. «Letzteres liefert auch Tipps, wie Balkon, Garten oder Schulhof insektenfreundlicher gestaltet werden können, damit im nächsten Frühjahr wieder eine neue Insektengeneration zum Leben erwacht», ergänzt Elisabeth Karrer.

Weitere Informationen: 

Kontakt: 

  • Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung, Tel. 061 317 91 65, @email
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email

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Headerfoto: © Christian Roesti

Les larves de l’œdipode turquoise sortent bientôt des œufs.
20.04.2023 Animal de l’année

Les œdipodes turquoise vont éclore

Les œufs de l’œdipode turquoise, Animal de l’année de Pro Natura, dorment dans la terre depuis l’été dernier. C’est sous cette forme que la nouvelle génération a survécu à l’hiver, quand les insectes adultes ont succombé au gel. L’éclosion a lieu entre avril et juin. C’est le moment d’observer et de déterminer l’espèce à l’aide d’un nouveau journal de terrain adapté.

À la fin de l’été, la femelle de l’œdipode turquoise dépose environ 120 œufs dans le sol. Elle ne verra pas naître sa progéniture. Alors que la génération à venir passe l’hiver au stade de l’œuf, les parents meurent dès les premières gelées d’automne. Les nymphes éclosent entre avril et mai de l’année suivante. Mesurant à peine quelques millimètres, ce sont des versions miniatures des insectes adultes, moins les ailes azurées qui donnent son nom à l’espèce. Avant leur apparition, les femelles connaîtront quatre mues et les mâles cinq, la couleur de base de leur livrée s’adaptant à celle de leur environnement.

Le monde menacé des insectes

«Comme l’œdipode turquoise, beaucoup d’insectes reprennent vie au printemps. C’est le moment idéal pour les observer», explique Delphine Seydoux, responsable Ecole Suisse romande. Rappelons que 60 % des espèces animales de la planète sont des insectes – et que 60 % des insectes suisses sont menacés. Ils jouent un rôle capital dans les cycles naturels comme la pollinisation ou la transformation des matériaux morts. Quand les insectes sont en danger, les conditions essentielles à notre vie sur Terre le sont aussi. 

Observer, déterminer, promouvoir

Dans le cadre d’une sortie scolaire, en famille ou en solo, il est passionnant d’observer les insectes dans leurs habitats naturels. Notre Animal de l’année se rencontre sur des sols arides et ensoleillés comme les bancs de graviers et les terrains en friche, en bordure des voies ferrées et des zones industrielles, de préférence en Valais, au Tessin et le long du versant sud du Jura.

Pour mieux comprendre le monde des insectes qui nous entourent, Pro Natura a édité des guides de poche et des informations permettant d’identifier les espèces, ainsi qu’un journal de terrain. «Ce dernier montre aussi comment aménager balcons, jardins et préaux pour que les insectes s’y sentent mieux, ajoute Delphine Seydoux, afin que la prochaine génération puisse éclore au printemps prochain.» 

Informations complémentaires: 

Contacts: 

  • Delphine Seydoux, responsable Ecole Suisse romande, tél. 079 357 27 99, @email 
  • Leo Richard, chargé de communication Pro Natura, tél. 079 378 37 11, @email  

 

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Une hermine profite d’un abri aménagé avant de partir en chasse aux mulots dans le pâturage.

Pro Natu­ra Vaud s’en­gage pour la bio­di­ver­sité en milieu agricole

2
Mag
2026
-
3
Mag
2026
Martkstand Pro Natura Aargau

Stand – Kommen Sie vorbei!

Pro Specie Rara Markt Wildegg

Luogo
Schloss Wildegg
Costo
Gratuito
Dal
02.05.2026
Al
03.05.2026
Der Pro Specie Rara Markt in Wildegg lockt jedes Jahr viele Besuchende auf Schloss Wildegg. Pro Natura Aargau ist seit vielen Jahren mit einem Stand vertreten.

Informieren sie sich an unserem Stand über unsere Arbeit, Naturschutz oder die Förderung der Natur bei Ihnen zu Hause und kaufen Produkte aus unserem Shop.

Wir freuen uns, über Ihren Besuch!

 

Öffnungszeiten:

Sa, 02.05.2026, 09:00 - 17:00

So, 03.05.2026, 09:00 - 16:00

 

Weitere Informationen zum Setzlingsmarkt: https://www.prospecierara.ch/erleben/veranstaltungen/veranstaltungen-de…

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Dettagli dell'evento

Data

DAL
Sabato, 2.05.2026
A
Domenica, 3.05.2026
INIZIO
09:00
FINE
16:00

Luogo

Schloss Wildegg

Dettagli

Stagione

Costo

gratis

Pressefoto gemulchte Alpenfläche
02.05.2023 Alpen

Mulchregelung bedroht Biodiversität im Alpenraum

In ihrer Vernehmlassungsantwort zum Landwirtschaftspaket 2023 kritisiert Pro Natura die vorgeschlagene Mulchregelung im Sömmerungsgebiet. Die Entbuschungs- und Weidepflegetechnik mit brachialen Maschinen hinterlässt massive Spuren in der Landschaft und bedroht die bereits gefährdete Insektenwelt. Um die Herausforderungen im Alpenraum zu bewältigen, braucht es regionale Alpkonzepte anstatt schweren Maschineneinsatz mit hohem administrativem Aufwand.

Mit einem Grossteil der Anpassungen im neuen Landwirtschaftspaket 2023 zeigt sich Pro Natura einverstanden. Aber: «Die vorgeschlagene Regelung für das Mulchen im Sömmerungsgebiet ist ein Rückschritt für die akut bedrohte Biodiversität und muss zurückgewiesen werden», betont Marcel Liner, Experte für Agrarpolitik bei Pro Natura.

Fehlende wissenschaftliche Grundlagen

Moderne Mulchgeräte sehen aus wie überdimensionierte Rasenmäher oder sind an Traktoren befestigt. In den sensiblen und bisher wenig beeinflussten Naturgebieten der Alpen hinterlassen sie entsprechende Verwüstung. Fotos von gemulchten Flächen im Alpenraum zeigen, welche drastischen Folgen ein grossflächiger und unsachgemässer Einsatz haben kann: aufgerissener Boden und verhäckselte Zwergsträucher auf den sonst naturnahen Alpflächen. «Das ist nicht nur unschön anzusehen und negativ für den Tourismus, sondern schädigt auch Biodiversität und Boden», kritisiert Liner. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen beispielsweise auf die stark bedrohte Insektenwelt im Alpenraum fehlten im Vorschlag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). 

Mehr administrativer Aufwand

«Mit dem unausgereiften Vorschlag zum Mulchen im Sömmerungsgebiet hat das BLW dem Druck einiger weniger Kantone nachgegeben», bedauert Liner. Dabei ist die Unterscheidung zwischen Weidepflege und Entbuschung, wie sie die Vorlage vorsieht, in der Praxis kaum umsetzbar und wird den administrativen Aufwand für die Kantone weiter erhöhen.
Auch Pro Natura ist der Ansicht, dass Weiden vor Verbuschung und Vergandung geschützt werden müssen. «Das sieht die bestehende Direktzahlungsverordnung schon jetzt so vor. Doch der Trend hin zu immer weniger und immer grösseren Landwirtschaftsbetrieben führt zu laufend weniger Arbeitskräften, weniger Biodiversität und zu einem Rückgang von Ziegen und alptauglichen Rindern», so der Experte. 

Es braucht regionale Alpkonzepte

Die übergeordneten Herausforderungen der Alpwirtschaft werden allein mit mehr Maschineneinsatz nicht gelöst. Dafür sind regionale Alpkonzepte notwendig, die aufzeigen welche Alpen in den kommenden Jahrzehnten überhaupt weiterhin bestossen werden können, wo genügend Tiere vorhanden sind und wo eine Bewirtschaftung besser aufgegeben werden muss. Darum weist Pro Natura die neue Mulchregelung des BLW zurück. Agrarexperte Liner bekräftigt: «Zuerst braucht es eine grundsätzliche Diskussion über eine Alpwirtschaft mit Zukunft.»

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik, @email, 061 317 92 40
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47
     

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Medienmitteilung zur Vernehmlassungsantwort zum Landwirtschaftspaket 2023

Documenti scaricabili

Pressefoto gemulchte Alpenfläche
26
Set
2026
Un cerf bramant dans la forêt d'Aletsch

Exkursion

Excursion le brame des cerfs I

Luogo
Centre Pro Natura d'Aletsch
Costo
Da CHF 15.00
Giorno
Sabato
Data
26.09.2026
Data e ora
06:45 - 09:00
Iscrizione entro
Quelle impressionnante rencontre que celle d'un cerf qui brame! Venez vous promener avec nous dans la forêt d'Aletsch et faites-en l'expérience de près.

Le brame des cerfs résonne à travers la forêt d'Aletsch. À l'aube, nous partons à l'affût à la recherche des rois de la forêt d'Aletsch et avec un peu de chance nous pourrons les observer en train de bramer.

Coûts

  • Adultes: CHF 15.-
  • Enfants (7 à 16 ans): CHF 7.50

Guide

Nathan Rudin, ingénieur en sciences de l'environnement

Point de rendez-vous

Rassemblez-vous à l'heure indiquée devant la Villa Cassel et restez silencieux.

Ulteriori informazioni

Info

Participant·e·s: Minimum 6, maximum 15 personnes; enfants à partir de 7 ans. 

Une inscription est obligatoire.

Dettagli dell'evento

Data

Sabato, 26.09.2026
Data e ora
06:45 - 09:00

Luogo

Centre Pro Natura d'Aletsch

Dettagli

Tipo di evento
Stagione

Preparazione

Indirizzo
Villa Cassel, 3987 Riederalp

Costo

Adultes: CHF 15.-, enfants (7 à 16 ans): CHF 7.50

Biberdamm bei Buchrain

Der Biber — Land­schafts­gestal­ter und Klimahelfer

BLN Greina – Piz Medel GR, Copyright Jan Guerke
26.01.2023 Energie

Ausbau der Erneuerbaren: UREK-N sagt Ja zum Biotopschutz - doch der Kompromiss braucht noch Verbesserungen

Die Umweltallianz begrüsst, dass die UREK-N den Schutz bestehender Biotope von nationaler Bedeutung aufrechterhält und den Ausbau der Solarenergie auf Infrastrukturen vorantreibt. Sie zeigt sich jedoch besorgt über den geplanten Freipass für Windkraftanlagen in Waldgebieten und erinnert daran, dass die Bewilligung von Wasserkraftprojekten nicht von den bestehenden Verfahren ausgenommen werden darf.

Die UREK-N stellt sich hinter die wertvollsten Naturgebiete in der Schweiz, was die Umweltallianz begrüsst. Die Biotope von nationaler Bedeutung umfassen Moore, Auen, Trockenwiesen und Amphibienlaichgebiete und machen nur gerade 2 Prozent unserer Landesfläche aus, beherbergen aber ein Drittel aller bedrohten Tier- und Pflanzenarten. So speichern sie beispielsweise auch CO2 und schützen uns vor Dürren und Überschwemmungen. Dieses Herz der Natur ist im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise besonders wichtig.

Zugleich relativiert die Kommission aber den Schutz für Gletschervorfelder und alpine Schwemmebenen, die mit dem Rückzug der Gletscher nationale Bedeutung erreichen könnten. Dies ist aus wissenschaftlicher Sicht unnötig und bedauerlich, denn viele dieser Pionierstandorte sind sehr selten und somit für den Erhalt der Biodiversität der Alpen zentral. Für eine sichere Winterstromversorgung ist es nicht notwendig, diese Gebiete zu nutzen. 

Für die Winterstromversorgung will die UREK-N auf die 15 Projekte des Runden Tisches Wasserkraft setzen. Die Umweltverbände betonen, dass die geltenden Verfahren dazu eingehalten und die am Runden Tisch zugesagten Schutz- und Ausgleichsmassnahmen ebenfalls angewendet werden müssen.

Die erweiterte Pflicht für Solarenergie auf Neubauten und Infrastrukturbauten geht in die richtige Richtung. Der Solarausbau sollte prioritär auf bestehender Infrastruktur stattfinden. Sehr kritisch sehen die Umweltorganisationen die Standortgebundenheit der Windanlagen im Wald, da die Biodiversität im Wald wesentlich höher ist als im Kulturland.

Aktion «Retten wir das Herz der Schweizer Natur»

Diverse Verbände appellieren gemeinsam an die Politik, am Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung festzuhalten. Ohne Biotopschutz könnten unersetzbare Lebensräume verbaut und für immer zerstört werden. Dazu gehören z.B. die wilde Natur in der Greina, im Val Roseg, in Zinal oder im Maderanertal. 

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Energie-, Gewässerschutz- und Klimapolitik, 061 317 92 29, @email
  • WWF Schweiz: Christoph Kinsperger, Kommunikationsberater, 078 749 88 14, @email
  • Bird Life Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, 076 308 66 84, @email
  • Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte, 079 785 07 38, @email

Ulteriori informazioni

Info

Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz und Pro Natura

BLN Greina – Piz Medel GR © Jan Gürke

Solaranlage auf dem Dach des Kantonsspital Winterthur
10.12.2025 Energie

Umweltverbände sagen Ja zum Stromabkommen – und fordern klare ökologische Leitplanken für die Energiewende

In ihrer Stellungnahme zum Stromabkommen mit der EU zeigen die Mitglieder der Umweltallianz (BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura, Energie-Stiftung, VCS und WWF Schweiz), inwiefern der Vertrag die Interessen von Natur, Umwelt und Klima stützt.

Die Umweltallianz begrüsst das Stromabkommen mit der Europäischen Union als entscheidenden Schritt hin zu einer klima- und biodiversitätsverträglichen Energiezukunft. Die Umweltallianz, der Zusammenschluss der sechs Umweltorganisationen BirdLife, Greenpeace, Pro Natura, Energie-Stiftung, VCS und WWF, hat sich an der Vernehmlassung mit einer entsprechenden Stellungnahme beteiligt. Das Stromabkommen ist im Interesse von Umwelt, Natur und Klima: Die Integration in den europäischen Strombinnenmarkt ermöglicht eine effizientere Nutzung von erneuerbaren Energien, mindert Treibhausgasemissionen und reduziert den Ausbaubedarf an neuen Produktionsanlagen.  

Gleichzeitig verbindet die Umweltallianz ihre Zustimmung mit klaren Erwartungen: Damit das Abkommen zur echten und naturverträglichen Energiewende beiträgt, müssen ökologische, soziale und demokratische Prinzipien verbindlich verankert werden. Die Umweltallianz wird diesen Prozess im Parlament eng begleiten.  

Stromabkommen: Integration stärkt den Umbau zu Netto-Null 

Mit dem Stromabkommen wird die Schweiz Teil eines europäischen Systems, das erneuerbare Energien besser koordiniert, Überschüsse effizient austauscht und so fossile Spitzenlasten reduziert. Damit leistet die Schweiz einen messbaren Beitrag zu den europäischen Klimazielen und kann ihre eigenen Netto-Null-Verpflichtungen schneller, sicherer und günstiger umsetzen. Ohne ein Stromabkommen mit der EU besteht die Gefahr, dass die Schweiz klimaschädliche Reservekraftwerke bauen muss. Zudem würden auch insgesamt mehr Stromproduktionsanlagen nötig, um ein vergleichbares Niveau der Versorgungssicherheit zu erreichen. Das Stromabkommen führt also dazu, dass die Natur weniger stark beeinträchtigt wird.  

Innenpolitische Umsetzung des Stromabkommens muss verbessert werden 

Aus Sicht der Umweltallianz sind Anpassungen bei der innenpolitischen Umsetzung des Stromabkommens nötig, um eine ausgeglichene und mehrheitsfähige Vorlage zu erzielen. Mögliche negative Effekte auf den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion oder die Natur müssen durch geeignete Massnahmen verhindert werden. Damit das Stromabkommen die naturverträgliche Energiewende tatsächlich stärkt, fordert die Umweltallianz: 

  • Erhalt fairer Bedingungen für kleine und mittlere Photovoltaikanlagen: 
    Die geplante Abschaffung der Mindestvergütung, der die Stimmbevölkerung zugestimmt hat, würde die lokale Solarproduktion schwächen. Diese beziehungsweise eine gleichwertige Förderung muss erhalten bleiben, um die breite Beteiligung an der Energiewende zu sichern. 

  • Verbindliche Ausbauziele für erneuerbare Energien: 
    Der Zubau muss systemdienlich, naturverträglich und auf eine Erhöhung des Winterstromanteils ausgerichtet sein. Fördermechanismen sollen bei Zielverfehlung automatisch verstärkt werden. 

  • Stärkung lokaler Elektrizitätsgemeinschaften (LEG): 
    Die Rahmenbedingungen für gemeinschaftliche Energieprojekte müssen verbessert werden, insbesondere bei Netzabgaben und administrativen Hürden. Lokale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung sind zentrale Elemente einer demokratischen Energiewende im Einklang mit Natur und Umwelt. 

  • Erhöhung des Schutzniveaus für tatsächliche Äquivalenz mit EU-Recht: 
    Das Schweizer Umweltrecht im Strombereich muss gemäss Abkommen mindestens gleichwertig mit demjenigen der EU sein – dies ist allerdings nicht der Fall. Insbesondere werden die existierenden Instrumente (bspw. die kantonalen Richtplanungen) nicht genügend stringent umgesetzt.  
    Auch im Bereich des Gewässerschutzes gibt es aus Sicht der Umweltallianz grosse Mängel. Anpassungen an die EU-Vorgaben und eine deutlich bessere Berücksichtigung der Biodiversität sind aus Sicht der Umweltallianz dringend vonnöten, insbesondere bspw. punkto Berücksichtigung der Naturwerte in der Richtplanung, Restwasser und ökologischer Sanierungen. 

Kontakte: 

  • Pro Natura: Stefan Kunz, Leiter Politik & Internationales, 079 631 34 67, @email 

  • Energiestiftung: Fabio Gassmann, Leiter Politik, 044 275 21 22, @email  

  • Greenpeace Schweiz: Juliette Wyss, Politikverantwortliche, 076 518 79 01, @email 

  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsberater, 079 241 60 57, @email 

  • BirdLife Schweiz: Damaris Hohler, Projektleiterin Biodiversitätspolitik, 044 457 70 42, @email  

  • VCS: Luc Leumann, Koordinator Bundespolitik, 079 705 06 58, @email 

Ulteriori informazioni

Info

Medienmitteilung der Umweltallianz (BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura, Energie-Stiftung, VCS und WWF Schweiz)

Kunst am Staudamm

Schutz der Flüsse und Wider­stand gegen Kraftwerksprojekte 

Energie

Wasserkraft in der Schweiz: Fluch oder Segen?

Das naturverträgliche Nutzungspotential ist weitgehend erschöpft

Lago di Luzzone TI
Als weitgehend emissionsfreie Energiequelle ist die Wasserkraft das Rückgrat unserer Stromversorgung. Ihre Nutzung kann jedoch dramatische Folgen für die Natur haben. Wasserkraftnutzung ist eine der Hauptursachen für die ökologischen Schäden an unseren Fliessgewässern.

Trockengelegte Bachläufe, stark reduzierte Abflussmengen, Staumauern, zerschnittene Flusslebensräume, unnatürliche Abflussdynamik, geflutete Gletschervorfelder und Täler: Alles Folgen der Wasserkraftnutzung für Natur und Landschaft. In über 1400 Fassungen wird das Wasser unserer Bäche abgeleitet und treibt über 1000 Wasserkraftwerke an. Das naturverträgliche Nutzungspotenzial ist damit so gut wie vollständig erschöpft.

Barrage du lac de Moiry
Wasserkraftwerke in der Schweiz
1000 Wasserkraftwerke werden in der Schweiz betrieben

Ist ein naturverträglicher Ausbau der Wasserkraft noch möglich?

Ein naturverträglicher Ausbau ist nur noch äusserst begrenzt möglich. Der starke Ausbau über die letzten einhundert Jahre führte dazu, dass heute alle weitgehend sinnvoll nutzbaren Potenziale erschlossen wurden. Das macht die Wasserkraft heute zum Rückgrat unserer Stromversorgung, wirkt sich aber auch stark auf unsere Gewässerökosysteme aus. 

Knapp 57% des im Inland erzeugten Stroms stammen derzeit aus der Nutzung der Gewässer. Der Preis dafür ist hoch. Ein weiterer Ausbau durch Anlagen an bislang ungenutzten Standorten würde die letzten natürlichen Fliessgewässer der Schweiz zerstören. Entsprechend wehrt sich Pro Natura gegen die totale Verbauung unserer Fliessgewässer. Auch aus ökonomischer  Betrachtung ist der Zubau durch neue Anlagen an bislang ungenutzten Gewässern unvorteilhaft.

Vom Gletscher zum Stausee …

Als eine Konsequenz des rasch voranschreitenden Klimawandels schmelzen unsere Gletscher in den Bergregionen. Zurück bleiben neue Gletschervorfelder, Schwemmebenen und kleine Seen. Die Energiewirtschaft sieht darin bereits neues Nutzungspotenzial. In der Folge gibt es massiven Druck, um diese Flächen und Gletscherseen in Stauseen umzuwandeln. Für die Natur wäre dies ein weiterer Verlust. Frei werdende Gletscherflächen sind Lebensräume und Rückzugsgebiete für Flora und Fauna. 
 

Gletschervorfeld Fieschergletscher CR Claudio Büttler
Gletscher weg, Stausee her?
Erfahren Sie mehr über Gletschervorfelder und welchen Stellenwert diese Lebensräume für die Biodiversität haben.

Weiterer Ausbau wird forciert

Im Rahmen eines «Runden Tisches zur Wasserkraft» des Eidgenössisches Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), haben sich Kantone, Bundesämter und Verbände inklusive Pro Natura und WWF Ende 2021 auf fünfzehn Wasserkraftprojekte geeinigt, die weiter betrachtet werden können.

Bei diesen Projekten könnte das Verhältnis zwischen Nutzen und Eingriff tragbar sein. Ein Teil davon beinhaltet die Nutzung von Gletscherseen und -vorfeldern. Detailliertere Abklärungen zu den Umweltwirkungen sind nötig. Aber schon heute zeigt sich leider, dass die Bergkantone die Nutzung fast schon prinzipiell über den Schutz stellen: neben den genannten Projekten werden noch weitere angedacht und nach weiteren Energiepotenzialen gesucht. Dies obschon hierfür keine Notwendigkeit besteht um die Energieversorgung der Schweiz zu gewährleisten. Vertiefende Informationen der Umweltallianz
 

Fragen und Antworten zur Wasserkraftnutzung

Was ist Restwasser?

Unterhalb einer Wasserfassung bleibt jeweils etwas Wasser im Bach oder Fluss zurück. Dieses wird als Restwasser bezeichnet. Für die ökologische Funktion eines Gewässers ist ein Minimum an Wasser unabdingbar. Darum gibt es seit 1991 eine Restwasserpflicht: Eine Wasserfassung darf nicht alles Wasser nutzen, sondern muss einen (meist sehr kleinen) Teil an Ort und Stelle der Natur überlassen.

Wasserfassungen mit «Restwasser Null» und folglich trocken gelegten Wasserläufen gehen darauf zurück, dass die meisten Wasserrechtskonzessionen vor dem Gewässerschutzgesetz von 1991 kein Restwasser verlangten. Kraftwerkbetreiber konnten so  sämtliches Wasser abschöpfen. Das heute gültige Gesetz verpflichtet die Kantone zu einer Sanierung, um wenigstens einen Bruchteil des gesetzlichen Minimums an Restwasser im Gewässer zu belassen. Die 20-jährige Frist endete 2012. Bis heute sind noch nicht alle betroffenen Fassungen saniert.  
 

Was sind Schwall und Sunk?

Wasserkraft aus Speicherhaltungen (Stauseen) hat einen technischen Vorteil: Sie ist dann verfügbar, wenn Energie gebraucht wird. So können die Turbinen eines Speicherkraftwerks rasch hochgefahren werden. Ebenso schnell sind die Turbinen auch wieder abgestellt.
Werden die Turbinen angeworfen, entsteht unterhalb der Rückgabestelle ein künstliches Hochwasser, welches als Schwall bezeichnet wird. Beim Ausschalten sinkt der Abfluss in kurzer Zeit stark. Es entsteht eine künstliche Niedrigwassersituation, der sogenannte Sunk.
Die Unterschiede zwischen Schwallabfluss und Sunkabfluss sind häufig sehr gross, ändern sich in kurzer Zeit und stellenweise mehrmals täglich. Diese völlig unnatürlichen, schnellen Wechsel der Wassermenge sind für die Gewässer verheerend. Bei Schwall werden Laich, Gewässerorganismen und Fische abgeschwemmt. Bei Sunk besteht die Gefahr, dass diese Lebewesen auf dem Trockenen stranden und verenden.

Natürliche Hochwasser treten v.a. zwischen Frühling und Herbst auf. In den Wintermonaten sind die Abflussmengen in den Bächen und Flüssen natürlicherweise gering. Gerade dann kommt es zu den grössten Schäden durch Schwall/Sunk. Das ist besonders problematisch für Tiere wie die Bachforelle, welche die geringen Winterabflüsse für ihr Laichgeschäft benötigt.

Neben den Problemen hinsichtlich Abflussmengen ergeben sich durch Schwallereignisse auch problematische Änderungen der Wassertemperatur. Hinzu kommen Beeinträchtigungen der Flusssohle. Diese verliert als Lebensraum massiv an Qualität und auch der Austausch mit dem Grundwasser wird erschwert.
Das revidierte Gewässerschutzgesetz sieht vor, dass bis 2030 die wesentlichen Beeinträchtigungen durch Schwallbetrieb behoben werden müssen. Die Kosten dafür gehen zu Lasten der Stromkonsument/-innen – über den Netzzuschlag. Allerdings ist schon länger klar, dass die Mittel nicht ausreichen. Es ist zu befürchten, dass statt einer Anpassung der Mittel die Sanierungspflicht verwässert wird und letztlich weniger saniert wird als im Gesetz vorgesehen. Pro Natura setzt sich dafür ein, dass die Sanierungen endlich vollumfänglich umgesetzt werden und die dafür benötigten Mittel bereitgestellt werden. .
 

Worin unterscheiden sich Fluss- und Speicherkraftwerke?

Flusskraftwerke arbeiten das zufliessende Wasser laufend ab, ohne es nennenswert zurückzuhalten. Sie liegen meist an grossen Flüssen und nutzen das Energiepotenzial grosser Wassermengen über eher kleinem Gefälle.

Speicherkraftwerke nutzen das in Speicherseen (Stauseen) zurückgehaltene Wasser und produzieren zum Zeitpunkt der grössten Nachfrage Strom (Schwall/Sunk Problematik). Bei niedriger Nachfrage stehen sie still.

Das führt zu unterschiedlichen Auswirkungen auf die Natur. Flusskraftwerke verkleinern die Durchgängigkeit der Flüsse. Wassertiere werden auf ihren Wanderungen behindert. Sand und Kies, wichtig für den Flussgrund, kann nicht weitergespült werden. Speicherkraftwerke weisen häufig lange Restwasserstrecken auf und generieren Schwall und Sunk.

Was sind Pumpspeicherkraftwerke?

Einige Speicherkraftwerke turbinieren nicht nur das Wasser aus zufliessenden Bächen, sondern pumpen es auch aktiv in höher gelegene Speicherbecken. Solche Pumpspeicherwerke sind bislang darauf ausgelegt, mit möglichst günstigem Strom Wasser zu pumpen und zu Zeiten höherer Preise wieder zu turbinieren.

Der Pumpbetrieb verbraucht mehr Strom, als er bringt. Doch das so gespeicherte Wasser kann zu einem bestimmten Zeitpunkt Spitzenstrom generieren. Da der Strompreis im Tagesverlauf stark schwankt und zu Spitzenverbrauchszeiten noch immer entsprechend hoch ist, waren Pumpspeicherkraftwerke bislang ein sehr profitables Geschäftsfeld – insbesondere dann, wenn für die Pumpen der billigste verfügbare Strom genutzt wurde, in der Regel Kohle- oder Atomstrom. Für den Pumpbetrieb werden jährlich ca. 7% des Gesamtstromverbrauchs der Schweiz aufgewendet (2020: 4.46 TWh).

Ist Pro Natura gegen die Wasserkraft?

Nein. Pro Natura ist für die Nutzung der Wasserkraft. Diese soll allerdings nur so weit gehen, dass auch Platz für die Tiere und Pflanzen am und im Wasser bleibt. Die Nutzung muss also nachhaltig sein. Unsere Nutzung darf insbesondere nicht dazu führen, dass Arten ihre Lebensgrundlage verlieren und aussterben. In Ländern wie der Schweiz mit intensiver Wasserkraftnutzung gibt es nur wenig Ausbaupotenzial. Dringend nötig ist die Umsetzung aller Sanierungsmassnahmen, die das Gewässerschutzgesetz vorsieht.

Was kann ich tun?

Am wichtigsten: Als Konsumentinnen und Konsumenten können wir Strom sparsam einsetzen. Am zweitwichtigsten: Wir können bei unseren Versorgern ökologischen, «naturemade star»-zertifizierten Strom verlangen.  Pro Natura ist zusammen mit anderen Organisationen Trägerin des Gütezeichens «naturemade star».

Sollte der regionale Anbieter dies nicht bereitstellen, hilft der Kauf von «naturemade star»-Zertifikaten von schweizweit anbietenden Unternehmen.

Das geht ganz einfach über die Website von Naturmade
 

Energie

Windenergie: Schweizer Strom aus luftiger Höhe

Éolienne
Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, wie Erdöl, Gas und Kohle und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind zwingend notwendig, um den dramatischen Verlauf der Klimakrise zu bremsen. Auch die Windenergie verfügt in der Schweiz über ein naturverträglich nutzbares Potenzial, das wir beanspruchen können. Für erfolgreiche Windenergie-Projekte braucht es eine sorgfältige Planung und Rücksicht auf die Biodiversität.

Die Energie des Windes lässt sich bereits mit kleinen Anlagen nutzen. Analog zu PV-Anlagen können Kleinstanlagen im Privatbereich auf Hausdächern oder an Gebäuden installiert werden. Hierzulade gelten sogar Anlagen bis 30 Meter Höhe als Kleinwindkraftanlagen, alle darüber als Grosswindkraftanlagen.  

Éolienne
Rotorendurchmesser

Die Grosswindkraftanlagen an Land können eine Nabenhöhe von bis zu 140 Metern haben. Dies ist höher als der Prime Tower in Zürich, das zweithöchste Gebäude der Schweiz.

Mit ebenfalls 140 Metern Rotordurchmesser, also über 200 Metern Gesamthöhe, erbringen solche Anlagen eine Leistung von bis zu 6 Megawatt und können, je nach Standort, jährlich bis zu 10 Gigawattstunden Strom produzieren. Das entspricht dem Stromverbrauch von ca. 3500 Haushalten (bei einem Verbrauch von 3000 kWh, dem durchschnittlichen Verbrauch von zwei Personen in einem Mehrfamilienhaus).  

Auf dem Meer dürften die Windräder in absehbarer Zeit sogar Rotordurchmesser von über 200 Metern und über 10 Megawatt Leistung erreichen. 

Gefahren für die Natur beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen 

Für den Bau der Windkraftanlage braucht es breite Strassen und Schwertransporte. Werden Windkraftanlage in bisher unverbaute Gebiete gebaut, sind die Eingriffe in die Natur allein schon durch den Bau und den Zugang für die Wartung der Anlage gross. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Windkraftanlagen nur an Standorten gebaut werden, wo es keine Neuerschliessungen braucht. 

Der Betrieb an Land ist vor allem für Vögel und Fledermäuse problematisch. Einerseits besteht Kollisionsgefahr, andererseits gibt es Arten, die empfindlich auf Störungen reagieren. Die betroffenen Tiere meiden die Windparks und werden damit aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt.

Auch im Meer können durch den Bau und den Betrieb sehr viele Störgeräusche entstehen, die Fische und Meeressäuger aus ihrem Lebensraum verdrängen. 

Rückbau und Entsorgung von Windkraftanlagen

Die Windenergie wird vielfach auch damit beworben, dass die Anlage nach der Betriebszeit zurückgebaut werden kann. Das stimmt heute nur bedingt:  

  • Die Stahltürme können relativ einfach zurückgebaut und recycelt werden.
  • Die verbaute Technik im Kopf der Anlage (Gondel) stellt höhere Anforderungen: Es muss verhindert werden, dass umweltschädliche Stoffe austreten können.
  • Die massiven Betonfundamente bleiben nach dem Rückbau vielerorts im Boden. Das ist nur dann vertretbar, wenn die Anlage einem Repowering unterzogen wird und eine neue Anlage auf denselben Standort gebaut wird. Ansonsten sollte auch das Fundament abgebaut und der Stahlbeton recycelt werden.
  • Die Rotorblätter sind heute noch mehrheitlich aus Faserverbundstoffen, die in dieser Form nicht wiederverwendbar sind. Verschiedene Unternehmen und Institutionen arbeiten daran, chemische oder thermische Verfahren zu entwickeln, um die Stoffe zu trennen und so wiederverwendbar zu machen. Auch an der Herstellung von recycelbaren Rotorblätter wird bereits gearbeitet. 

Was ist die Haltung von Pro Natura zur Windkraft? 

Éolienne et oiseaux Sjo
Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Natur kann nicht allein an toten Tieren gemessen werden. Windräder können Tiere aus ihren Lebensräumen oder Durchgangsrouten verdrängen und so auch zur Zerstückelung von Lebensräumen beitragen.

2022 produzierten 41 Windräder 0.15 TWh Strom. Der Bund schätzt das maximale Potenzial auf rund 700 Anlagen. Ein solcher Zubau würde sich aber negativ auf die Biodiversität auswirken. Insbesondere da Standorte mit hohem Windpotenzial häufig Gebiete betreffen, die für die Biodiversität wichtig sind.  

Gemeinsam mit den Verbänden der Umweltallianz haben wir geprüft, wie viele Windkraftanalgen sich in der Schweiz naturverträglich aufbauen liessen. Basierend auf diesen Arbeiten, erachten wir einen Ausbau auf 3.1 TWh bis 2035 als möglich. Dies entspricht ca. 300 zusätzlichen Windräder. 

Mehr dazu 

Wichtig für den Zubau sind sorgfältig erarbeitete Planungsgrundlagen, die aufzeigen wo sich jene Gebiete befinden, die einerseits über genügend Wind verfügen, andererseits aber auch die Anforderungen des Biodiversitätsschutzes erfüllen. Werden diese Planungsgrundlagen nicht sorgfältig erarbeitet, fordert Pro Natura die Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Natur ein. Zum Beispiel, wenn grosse industrielle Anlagen ausserhalb der Bauzone errichtet werden sollen.  

Wie ist ein naturverträglicher Ausbau der Windenergie möglich?

Installation éolienne et centrale hydroélectrique au col du Nufenen thamerpic
Auf dem Nufenenpass wurde die vorhandene Infrastruktur genutzt um das bestehende Wasserkraftwerk mit einer Windkraftanlage zu erweitern.

Windkraftanlagen beeinflussen immer die lokale Natur. Deshalb ist es wichtig, dass ihr Ausbau frühzeitig geplant und koordiniert wird. Unter Berücksichtigung von folgenden Punkten ist ein naturverträglicher Ausbau noch möglich: 

  • Der Bau ist nur ausserhalb von Schutzgebieten zulässig.
  • Auch ausserhalb von Schutzgebieten muss der Einfluss auf die Flora und Fauna, insbesondere der Einfluss auf die lokale und ziehende Vogelwelt und der Fledermäuse, umfassend geklärt werden.
  • Für Bau und Betrieb der Anlagen sollen keine festen Neuerschliessungen wie Strassen oder oberirdische Stromleitungen erforderlich sein. Dies ist vor allem in unbelasteten Landschaften wichtig. Zufahrtswege sollen unversiegelt angelegt werden.
  • Die Anlagen müssen sich an geeigneten Standorten konzentrieren, sodass die Natur nicht durch Einzelanlagen unnötig beeinträchtigt und zerstückelt wird.
  • Bau und Betrieb der Anlage dürfen die Schutzziele von kantonalen und kommunalen Schutzgebieten nicht beeinträchtigen.  

Wir fordern deshalb, dass mindestens auf kantonaler Ebene, besser auf nationaler Ebene, der vorgesehene Ausbau und die geeigneten Standorte umfassend, koordiniert und transparent geplant werden. 

Welche Gebiete sind für Windkraftprojekte geeignet?

Éolienne Matthias Sorg
Mit einer koordinierten, umfassenden Planung ist ein naturverträglicher Ausbau der schweizer Windkraft auf 3.1 TWh möglich.

Windpotenziale haben wir in der Schweiz im Jurabogen in einigen Alpentälern aber auch in der Ostschweiz. Eine Übersicht über die Windgeschwindigkeiten und die Windpotenzialgebiete der Schweiz finden Sie im Windatlas vom Bundesamt für Energie. 
Zum Windatlas 

Übersicht über aktuell geplante Windenergieprojekte in der Schweiz

Die frühzeitige Erhebung der Naturwerte an vorgesehenen Standorten ist zentral bei der Planung von Windkraftanlagen. Nur so können Konfliktpotenziale mit Biodiversität und Landschaft vermieden werden. Bei den Windenergieparks, welche unter die Beschleunigungsvorlage der UREK-N fallen, hat eine gewisse Abklärung dieser Naturwerte auf Ebene Nutzungsplanung bereits stattgefunden. Deshalb ist ein abgekürztes Bewilligungsverfahren für diese Anlagen akzeptabel. Dies muss jedoch eine Ausnahmeregelung bleiben und darf nicht richtungsweisend für weitere Bewilligungsverfahren sein.

Bis 01. Januar 2023 wurden in der Schweiz 43 Windkraftanlagen über das Einspeisevergütungssystem gefördert. Weitere 457 haben eine Zusicherung für die Förderung und 356 stehen noch auf der Warteliste. Nicht alle Projekte, die bereits über Förderzusagen verfügen, sind auch an geeigneten Standorten geplant. Pro Natura beurteilt jedes Projekt individuell und sucht den sinnvollen Mittelweg zwischen Ausbau und Naturschutz. Es braucht Transparenz über die Projekte und einen geografischen Überblick. Unsere interaktive Karte hilft Ihnen dabei. 

Blaue Windräder = Anlage in Planung 
Grüne Windräder = Anlage in Betrieb 
Blaue Flächen = geplanter Windpark 
Blaue Umrisse = Windenergieprüfraum 

 

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Eiffelturm
25.05.2022 Energie

Das Ende des Eiffelturms

Haben Sie es schon gehört? Im Kampf gegen den akuten Mangel an Industriestahl für die krisengeschüttelte Autoindustrie greifen die französischen Behörden zu drastischen Massnahmen. Die obere Hälfte des Eiffelturms wird abgebaut und eingeschmolzen.

Nach einer emotionalen, streckenweise turbulenten Debatte stimmte die franzö­sische Nationalversammlung dem Vorhaben knapp zu. «Alle müssen jetzt einen Beitrag leisten», mahnte der Präsident der Republik. Immerhin werde nicht der ganze Turm abgebrochen. Um den Eingriff zu mildern, werde zudem während der Nachtstunden mittels einer raffinierten Lichtinstallation die Turmspitze visuell wiederhergestellt.

Sie ahnen es: Das stand so nicht in der Zeitung. Doch ersetzen Sie einmal «Eiffelturm» durch «Rheinfall» und «Industriestahl» durch «Strom». Verlegen Sie jetzt noch den Ort der Handlung von Paris nach Schaffhausen – schon sind Sie in der Realität angekommen. Der grösste Wasserfall der Schweiz – wie der Eiffelturm in Frankreich eine der grössten Attraktionen unseres Landes – soll das gleiche Schicksal erleiden wie fast alle einst spektakulären Wasserlandschaften der Schweiz. Rheinwasser soll vor dem Rheinfall abgezweigt und für den Stromhunger unserer Gesellschaft durch Röhren und Turbinen statt über die Steinstufen des Wasserfalls rauschen. Natürlich ist von «gering­fügigen» Eingriffen die Rede. Wers glaubt! Ist der Türspalt erst offen, werden die Begehrlichkeiten wachsen. Dabei ist es erst acht Jahre her, dass die Schaffhauser Stimmberechtigten eine Gesetzesänderung klar ablehnten, die eine Wasserkraftnutzung am Rheinfall ermöglicht hätte.

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Der politische Anstand würde gebieten, die Sache jetzt zumindest für eine Generation ruhen zu lassen. Doch während die Verschrottung eines Nationaldenkmals unmöglich erscheint, tönt es bei der Mutter aller Wasserfälle nun von links bis rechts: «Für die Energiewende müssen jetzt alle einen Beitrag leisten.» Wirklich alle? Ist homo sapiens mitgemeint? Oder müssen nur jene vielleicht 60 000 Arten von Lebewesen in unserem Land Opfer bringen, die selber gar keinen Strom verbrauchen?

Wir gescheiten Zweibeiner könnten viel tun, um die Verschandelung einmaliger Landschaften zu vermeiden. Hat man zum Beispiel schon gehört, dass stromfressende Elektroheizungen flächendeckend schleunigst ersetzt werden müssen? Ist es so, dass heute bei jedem Neu- und Umbau zwingend Sonnenenergie für die Bereitstellung von Warmwasser eingesetzt wird? Natürlich nicht. Die ­dafür nötigen Investitionen fliessen stattdessen in neue Kraftwerke. Wie leicht ­könnten wir im Interesse der ­Biodiversität den Strom einsparen, den ein Rheinfallkraftwerk produzieren würde.

Doch viele schöne politische Bekenntnisse zum Schutz der Biodiversität oder zum Stromsparen gehen über Bord, sobald es konkret wird (und Bau­aufträge winken). «Strom ist das halbe Leben», ­lautete einst ein Werbespruch der Elektrizitätswirtschaft. Anders die ­Biodiversität: Sie ist das ganze Leben. Auch unseres.

RICO KESSLER, Redaktor

Rheinfall Angela Peter
Lebensraum Wiese
laufende Projekte

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