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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Calendula im Garten @ Matthias Sorg
25.03.2022 Aktiv werden

Natürlich gesund

Biodiversität fördert die Gesundheit ganz direkt. Über naturstoffbasierte Arzneimittel. Doch die Wildpflanzen-Apotheke ist bedroht.

Was schon die Menschen in der Steinzeit wussten, gilt heute immer noch: Pflanzen können gesund machen. Ethnopharmakologe Andreas Lardos: «Nach wie vor ist der grösste Teil der Menschheit für die grundlegende medizinische Versorgung auf traditionelle Medizin angewiesen, und diese basiert primär auf pflanzlichen Wirkstoffen.»

Dabei spielt die naturbasierte Medizin eine grössere Rolle, als viele denken mögen. «Rund die Hälfte aller zugelassenen Arzneimittel würden ohne die Erforschung der Natur gar nicht existieren», sagt der Leiter der Fachgruppe Naturstoffchemie und Phytopharmazie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Etwa 25 Prozent aller Arzneimittel bestehen direkt aus Naturstoffen wie Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen oder Tieren respektive deren Derivaten. Weitere 25 Prozent sind zwar synthetisch, aber von Naturstoffen inspiriert.

Schützenswertes Potenzial

Wie viele Pflanzenarten medizinischen Zwecken dienen, lässt sich nicht genau beziffern: Schätzungen gehen von rund 20 000 aus. Und es gibt viele weitere, bislang unbekannte potenziell interessante Pflanzen – die vielleicht auch nie jemand ent­decken wird, denn die Biodiversität nimmt immer mehr ab.

Ein Problem ist der Boom, den Arzneipflanzen erleben. Nicht nur in der Medizin, sondern auch als Gesundheits- oder Wellnessprodukte. Einige Pflanzen werden extra dafür kultiviert, das funktioniert allerdings nicht mit allen. Und so wird immer noch ein sehr grosser Teil der Pflanzen, die medizinisch genutzt werden, wild gesammelt. Das führt nicht selten zu ­extremem Raubbau. Inzwischen gibt es zumindest gesetzliche Richtlinien und Standards, die auf ein nachhaltiges Sammeln der Heilpflanzen beziehungsweise generell den Schutz der Biodiversität zielen. Trotzdem besteht das Problem nach wie vor «und wir sind gefordert, Lösungen zu finden», sagt Lardos.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Ein Wettlauf, den wir gewinnen müssen

Durch die fortschreitende Zerstörung der Natur und dem Raubbau an ihr geht aber nicht nur eine Vielzahl an Pflanzen ­unwiederbringlich verloren. Auch indigene Völker und ihre Sprachen verschwinden zusammen mit ihrem natürlichen ­Lebensraum und damit auch ihr medizinisches Wissen über Pflanzen, das nur mündlich weitergegeben wird. Ethnobotaniker versuchen zwar, dieses Wissen zu dokumentieren und so zu erhalten. «Es ist aber ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Largos.  

Ein Wettlauf, den wir unbedingt gewinnen müssen, denn der Verlust an Biodiversität ist ein grosser Verlust für die Medizin und damit für die Menschheit. Wie gross tatsächlich, lässt sich schwer abschätzen, sagt Lardos, aber: «Das Ausmass beziehungsweise die damit verbundenen eventuellen Konsequenzen für die Medizin dürfen wir nicht unterschätzen.»

Gewinnbeteiligung für indigene Völker
Im UNO-Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt, die Biodiversitätskonvention (CBD), ist festgehalten, dass bei der Nutzung genetischer Ressourcen oder damit verbundenem traditionellem Wissen ein Teil des Gewinns an die Urheber des traditionellen Wissens oder die Herkunftsstaaten der genetischen Ressource zurückgegeben werden soll. Die Umsetzung dieser Gewinnbeteiligung wurde 2010 im Nagoya-Protokoll präzisiert und von den meisten CBD-Vertragsparteien ratifiziert, auch von der Schweiz. Allerdings können heute die Genome dieser Organismen entschlüsselt und digital als «digitale Sequenzinformationen» (DSI) auch ohne Gewinnbeteiligung weitergegeben werden. Viele Länder des globalen Südens und auch NGOs wollen darum, dass DSI auch unter der CBD und dem Nagoya-Protokoll geregelt werden; was die Schweizer Pharmalobby und der Bund jedoch ablehnen.

Wildpflanzen und traditionelles Wissen sind nicht patentierbar
Naturstoffe sind für die Medizin hochinteressant. «Moleküle aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen haben ein riesiges medizinisches Potenzial», sagt Ethnopharmakologe Andreas Lardos. «Alle Lebewesen haben evolutionär bedingt bis zu einem ­gewissen Grad ähnliche Strukturen. Inhaltsstoffe, die der Pflanze als ­Abwehr oder Schutz dienen, zeigen oft auch im Menschen einen medi­zinischen Effekt.» Trotzdem setzt die Pharmaindustrie eher auf synthetische Moleküle. Das hat nicht zuletzt mit der ­komplizierten patentrechtlichen Situation bei pflanzlichen Wirkstoffen zu tun, insbesondere wenn diese mit traditionellem Wissen verbunden sind. Grosse Pharmafirmen scheuen darum davor zurück, Millionen in die Entwicklung naturstoffbasierter Arzneimittel zu investieren; und kleine und mittlere haben schlicht zu wenig Kapital.


BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.

 

Kräutergarten mit Goldmelisse, Kamille und Co. Matthias Sorg
Kräutergarten mit Goldmelisse, Kamille und Co.
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Illustration Generationenwechsel
23.06.2022 Umweltpolitik

«Der Generationenwechsel in der Landwirtschaft ist eine ökologische Chance»

Eine Woche vor Wiederaufnahme der sistierten Agrarpolitik 22 lanciert Pro Natura mit einer Studie einen neuen Lösungsvorschlag für die ökologischen Probleme im Kulturland. Aufhänger ist die Tatsache, dass in den nächsten 15 Jahren die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebsleitenden pensioniert wird. Dieser Wendepunkt könnte genutzt werden, um den dringend notwendigen ökologischen Wandel in der Landwirtschaft sozialverträglich umzusetzen und so Biodiversitäts- und Klimakrise zu bekämpfen.

Angesichts der Biodiversitäts- und Klimakrise steht der Landwirtschaft global wie national eine ökologische Transformation bevor. Die Ernährung ist, vor Wohnen und Mobilität, derjenige Wirtschaftsbereich mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt. Doch die heutigen Konsum- und Produktionsmuster sind alles andere als nachhaltig: zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett. Das bedingt eine intensive Landwirtschaft, die ihre eigenen Grundlagen wie Biodiversität, Boden, Luft und Gewässer schleichend zerstört.

Widerstände mit Zukunftsperspektive überwinden

Der politische Widerstand gegen die notwendigen Reformen ist allerdings gross. Denn entsprechende Massnahmen wirken sich auf Betriebsstrukturen, finanzielle Erträge und Zuliefererbetriebe für die Landwirtschaft aus. «Wenn Tierbestände reduziert werden, wird weniger Fleisch verkauft, weniger Kraftfutter gehandelt, es werden weniger Samendosen und Tierarztbesuche nachgefragt. Das löst den permanenten Widerstand bei den betroffenen Gruppen aus», erklärt Marcel Liner, Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura und Studienautor.
Um mehrheitsfähig zu sein, müssen politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft deshalb auch die sozialen und ökonomischen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen. In einer neuen Studie zeigt Pro Natura, wie der anstehende Generationenwechsel in der Landwirtschaft dazu genutzt werden könnte, den Graben zwischen den kurzfristig nachvollziehbaren Widerständen und dem längerfristig und dringend notwendigen Wandel des Landwirtschafts- und Ernährungssystems zu überbrücken.

Den Wandel individuell planbar machen

Die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebsleitenden erreicht in den nächsten 15 Jahren das Pensionsalter. Da ab diesem Zeitpunkt die Direktzahlungen wegfallen, werden die Betriebe in der Regel an eine Nachfolge übergeben, oder die Flächen verpachtet oder verkauft. «Heute muss jeder Hof in der Schweiz neue Anforderungen ab einem Stichdatum übernehmen. Die Hofübergabe bietet dagegen die Chance, dass jeder einzelne Betrieb ökologisch notwendige Anpassungen für sich planen und auf die Stärken der nächsten Generation ausrichten kann», betont Liner. 
Wie das geht, zeigt das Beispiel von Biolandwirt Markus Fischer. Vor zwölf Jahren hat er den Biohof in Bäretswil (ZH) von seinem Vater Gerhard Fischer übernommen. Er hat die Übergabe genutzt, um den Kraftfutterzukauf einzustellen, die ökologisch vorteilhafte saisonale Abkalbung einzuführen und Biodiversitätsförderflächen in einer höheren Qualität anzumelden. «Wir konnten den anstehenden Wechsel gemeinsam planen. Heute produziert der Biohof nicht nur biodiversitäts- und klimafreundlicher, sondern unser Einkommen ist auch in Zukunft gesichert», so Fischer.

Dem Trend zu nachhaltiger Ernährung folgen

Um ökologische Veränderungen zu fördern, gibt es im Landwirtschafts- und Gewässerschutzgesetz diverse Regulierungen, welche statt auf ein Stichdatum besser beim Generationenwechsel umgesetzt werden könnten. «Es könnten beispielsweise neue Prämien für Betriebe eingeführt werden, die nach der Übergabe nur noch mit eigenem Futtermittel wirtschaften, oder Direktzahlungen könnten daran geknüpft werden, dass die nächste Generation biologisch produziert. Für solche Massnahmen könnten spezifische Investitionskredite gewährt werden, und die Kantone könnten ein entsprechendes Beratungsangebot aufbauen», zählt Liner auf.
Auch Pro Natura Präsidentin und Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel ist von dem Ansatz überzeugt: «Es braucht neue, sozialverträgliche Instrumente, um die blockierte Agrarpolitik 22 wieder auf Kurs zu bringen. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats hat es in der Hand, ab dem 27. Juni unsere Vorschläge zu prüfen und hoffentlich dafür zu nutzen, die ökologischen Ziele der Landwirtschaft zu erreichen und der Branche eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen, die dem Trend Richtung gesunde und nachhaltige Ernährung folgt.»

Weitere Informationen

Kontakt

  • Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Tel. 061 317 92 40, @email
  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, Tel. 078 603 87 25, @email 
  • Mediendienst Pro Natura: Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, Tel. 079 826 69 47, @email
Blick auf das Bundeshaus
23.06.2022 Umweltpolitik

Bundesrat zaudert: Klima- und Biodiversitätsprobleme in der Landwirtschaft bleiben ungelöst

Heute hat der Bundesrat den mit der Sistierung der AP22+ eingeforderten Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik veröffentlicht. Seine Vision für die Agrar- und Ernährungswirtschaft 2050 geht zwar in die richtige Richtung. Die Strategie bleibt aber unscharf. Und wie sie erreicht werden soll, bleibt leider gänzlich offen. Denn der Bundesrat schlägt lediglich einen Alibi-Umsetzungsplan vor. So lassen sich die drängenden Herausforderungen durch die Klima- und Biodiversitätskrise nicht angehen.

Weniger Futtermittel, mehr Nahrungsmittel direkt für den Menschen, mehr Innovationen, gesündere Ernährungsgewohnheiten und widerstandsfähige Märkte - der Bundesrat malt ein verlockendes Bild davon, wie die Ernährungs- und Landwirtschaft im Jahr 2050 aussehen sollte. Dieses Zukunftsbild unterstützen die Umweltorganisationen. Denn nur mit dem langfristigen Erhalt der Produktionsgrundlagen (Bodenfruchtbarkeit, Wasser, Bestäuber etc.), mit mehr pflanzlichen Kulturen für die direkte Ernährung und weniger Foodwaste ist die Ernährungssicherheit auch für zukünftige Generationen gewährleistet. 

Acht Jahre ohne neue Agrarpolitik?

Leider bleibt aber die gesamte Strategie sehr schwammig und unscharf. Anstatt sofort die ersten Weichen zu stellen, um eine schrittweise Umsetzung dieser Vision zu gewährleisten, schlägt der Bundesrat vor, wichtige Teile seiner eigenen Agrarpolitik AP22+ zu streichen und danach acht Jahre lang auf die Umsetzung einer neuen Agrar- und Ernährungspolitik zu warten.

Ein Wandel ist jedoch dringend nötig: Keines der 13 Umweltziele für die Landwirtschaft wird erreicht, viele staatliche Anreize schaden der Artenvielfalt und die Böden werden sehr intensiv bewirtschaftet, was die Versorgungssicherheit gefährdet. Die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt bedrohen unsere Ernährungssicherheit. Und die Bäuerinnen und Bauern müssen in der notwendigen Transformation von der Politik aktiv unterstützt werden. Acht Jahre warten, bevor neue Massnahmen in diesem Bereich umgesetzt werden, ist nicht zielführend und steht im Widerspruch zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der Nachhaltigkeitsstrategie 2030. 

Dynamik beibehalten

Jetzt muss das Parlament den Kurs korrigieren und die AP22+ umfassend behandeln. Die gemachten Versprechungen müssen eingehalten und Massnahmen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität umgesetzt werden. Diese Massnahmen können nicht bis 2030 warten. Darüber hinaus ist es unerlässlich, die Politik bereits heute auf diese Vision 2050 auszurichten. Ohne eine umfassende Strategie wird der Bericht zu Makulatur.

Kontakt

  • Pro Natura: Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, @email, 061 317 92 40 
  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsberater, @email, 079 241 60 57
  • BirdLife Schweiz: Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, @email, 079 810 04 80 
  • Greenpeace Schweiz: Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima, @email, 078 821 76 13 

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Gemeinsame Mitteilung von Pro Natura, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz & WWF Schweiz

Titelbild © Matthias Sorg

Feldarbeiter:Innen
17.10.2022 Landwirtschaft

Der Generationenwechsel in der Landwirtschaft als ökologische Chance

Ökologische Verbesserungen in der Landwirtschaft sind angesichts von Klima- und Biodiversitätskrise dringend notwendig, doch der Widerstand ist gross. Der Zeitpunkt der Hofübergabe an eine neue Generation kann eine Chance sein, den ökologischen Umbau anzugehen.

Wir essen zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett. Diese Ernährungsweise schädigt nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Umwelt, denn intensive landwirtschaftliche Produktion zerstört Biodiversität, Boden, Luft und Gewässer schleichend.

Transformation ermöglichen

Noch haben es politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft allerdings schwer. Zu viele Partikularinteressen stehen im Weg. Denken wir zum Beispiel an eine Reduktion der Rindviehbestände zwecks Senkung der zu hohen Ammoniakbelastungen: Der Landwirt kann in der Folge weniger Milch oder Fleisch verkaufen. Es wird weniger Kraftfutter gehandelt, weniger Samendosen werden umgesetzt und weniger Tierarztleistungen nachgefragt. All das löst Widerstand aus, was Massnahmen zum ökologischen Umbau verzögern.

Gesucht sind also Lösungen, die eine Brücke schlagen zwischen diesen kurzfristig nachvollziehbaren Widerständen und der längerfristigen, dringend notwendigen Transformation des Land- und Ernährungssystems. Lösungen, die auch die sozialen und ökonomischen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen.

Generationenwechsel nutzen

Eine Chance für den ökologischen Umbau bietet der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der zusehends beschleunigt. Untersuchungen der Forschungsanstalt Agroscope zeigen, dass in der Schweiz in den nächsten 15 Jahren die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebsleitenden die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht. Da in der Schweiz ab dem Rentenalter die Direktzahlungen wegfallen, übergeben die Landwirtinnen und Landwirte ihre Betriebe in der Regel dann an eine neue Generation oder sie verpachten die Flächen. Ein guter Zeitpunkt also, um einen Hof ökologisch umzubauen. Eigentlich. Doch dafür braucht es passende Rahmenbedingungen.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in ihren Briefkasten.

Menschen bei der Feldarbeit
Biodiversität verpachten
Pro Natura unterstützt mit dem Projekt «Biodiversität verpachten» Gemeinden, Stiftungen, Firmen, Erbengemeinschaften und Privateigentümer dabei, die Biodiversität auf verpachtetem Landwirtschaftsland zu fördern und Verträge entsprechend anzupassen. Die kostenlose Beratung reicht von Erstgesprächen am Telefon über den Versand von Infomaterial, Feldbegehungen mit Massnahmenvorschlägen und Pachtvertragsberatung bis hin zu umfangreichen Beratungen für Institutionen und Gemeinden.

Bei bisherigen Agrarreformen in der Schweiz wurden Neuerungen jeweils auf ein konkretes Stichdatum hin umgesetzt, beispielsweise per 1. Januar. Das hat vor allem für die Verwaltung Vorteile, da der Vollzug und die Kontrolle von Massnahmen so einfacher werden.

Um ökologische Umbaumassnahmen zu fördern, wäre es allerdings sinnvoll, gewisse Anpassungen nicht auf einen fixen Stichtag, sondern auf die Hofübergabe hin umzusetzen. Das würde für die Landwirtinnen und Landwirte die soziale Absicherung sowie die Planbarkeit verbessern. Denkbar sind etwa neue Prämien für Betriebe, die nach der Übergabe nur noch mit eigenem Futtermittel wirtschaften, oder Direktzahlungen, die daran geknüpft werden, dass die nächste Generation biologisch produziert. Den ökologischen Umbau der Landwirtschaft mit solchen Mitteln anzugehen hat den grossen Vorteil, dass sie dadurch für alle planbar wird. Das hat sehr viele positive Seiten: Die ökologischen Ziele werden endlich erreicht, der Vollzug ist klar geregelt und die Betriebe erhalten eine zukunftsgerichtete Perspektive, indem die Ausrichtung ihrer Produktion einem national und global beobachtbaren Konsumtrend in Richtung gesunde und nachhaltige Ernährung folgt. Kurz: Der Lösungsweg «Ökologischer Umbau via Generationenwechsel» ist individuell und massgeschneidert planbar sowie sozial verträglich umsetzbar.

MARCEL LINER betreut bei Pro Natura die Landwirtschaftspolitik.

Getreidefeld
17.10.2022 Landwirtschaft

Inspirierende Bäuerinnen und Bauern

Lernen Sie die Landwirtinnen und Landwirte der Zukunft kennen. Sie erzählen von selbstorganiserten Ausbildungen, nordamerikanischen Mangos und der Arbeit mit dem Esel.

Im neuen Pro Natura Magazin haben wir fünf inspirierende Menschen portraitiert, die innovative Landwirtschaft betreiben. Wir sind begeistert.

Fanny Eisenhut

Fanny Eisenhut arbeitet bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft Ferme des Vergers in Meyrin (GE). Nach acht Jahren als Lehrerin kümmert sie sich heute um den Gemüsebau und eine nachhaltige Landwirtschaft.

«Die Ferme des Vergers ist eine landwirtschaftliche Genossenschaft im Ökoquartier von Meyrin. Anwohnerinnen und Anwohner, ökologisch gesinnte Bäuerinnen und Bauern und die Gemeinde haben so die Möglichkeit, die Ernährung und damit die Landwirtschaft ins Zentrum zu stellen. Wir bieten Kurse an, pflegen die Grünflächen des Quartiers und betreiben Landbau, wobei wir diese drei Hauptaktivitäten auf einander abstimmen. So nutzen wir bei unseren Kursen beispielsweise bebaute Felder oder die Grünflächen des Quartiers, oder wir verwenden Schnittgut, das in der Pflege der Grünzonen anfällt, als ökologischen Dünger in der Produktion. Ich selbst bin primär für die Landwirtschaft und den Gemüseanbau zuständig. Ich habe mich beruflich umorientiert und arbeite heute in diesem horizontal geführten Projekt, was ich sehr motivierend finde. Die Ferme ist noch relativ jung. Wir sind quasi ein kleines Versuchslabor, in dem wir verschiedene Techniken ausprobieren und sie an unsere kleine Fläche von 4000 Quadratmeter anpassen können. Wir befinden uns mitten in einem dicht besiedelten Ökoquartier und bearbeiten den Boden mit Eseln und einer Bodenfräse, das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir setzen bei unserem Projekt auf kurze Transportwege mit möglichst wenig Zwischenstationen. Unser Laden, die Fève, verkauft die Produkte. So erhalten die Produzenten mehr, können ein besseres Leben führen und Entscheidungen treffen, die Menschen und Umwelt mehr Rechnung tragen. Das Ganze soll niederschwellig rentieren, weil uns ordentliche Löhne für die Produzenten von Nahrungsmitteln – die wir ja selber sind – am Herzen liegen. Der genossenschaftliche Aspekt unseres Projekts ist zentral: Alle stellen ihre beruflichen Kompetenzen in den Dienst der Genossenschaft und führen sie gemeinschaftlich. Wir passen uns ständig an und lernen dazu. Und wenn es läuft, ist nichts unmöglich!» fk

Fanny Eisenhut Fabian Biasio

Julia Schmidlin

Julia Schmidlin arbeitet als Auszubildende auf dem Biobetrieb Eulenhof in Möhlin (AG). Sie ist Mitgründerin des Vereins F.A.M.E und beendet im März 2023 den zweijährigen Ausbildungsgang von F.A.M.E.

«Nicht die industrielle Landwirtschaft, sondern kleinstrukturierte Landwirtschaftsbetriebe ernähren den Grossteil der Menschheit. Und in den allermeisten Fällen tun sie das auf nachhaltige Weise, während die industrielle Landwirtschaft eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Ich wünsche mir, dass die kleinstrukturierte, ökologische und soziale Landwirtschaft in der Schweiz zum Mass wird. Um das System zu ändern, brauchen wir grundlegende politisch-ökonomische Umwälzungen und eine andere Beziehung zur Ernährung. Diese kann beispielsweise über ein Gemüseabo entstehen, bei der Mitarbeit in einem Betrieb oder über Projekte an Schulen. Die kleinstrukturierte ökologische Landwirtschaft ist zudem auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Im Gemüsebau fehlt bisher eine solche Ausbildung. Mit unserem Verein F.A.M.E. (Formation Autogérée de Maraîchage Écologique / Selbstorganisierte Ausbildung im Ökologischen Gemüsebau) möchten wir diese Lücke ein Stück weit schliessen. Unser Ziel ist es, eine Ausbildung anzubieten, die zu einer neuen und zukunftsfähigen Landwirtschaft beiträgt. Im Herbst 2020 starteten wir mit dem ersten Jahrgang. Die 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten auf verschiedenen Gemüsebaubetrieben. Sie nehmen in zwei Wintern während insgesamt zehn Wochen an Seminaren in der Romandie und in der Deutschschweiz teil. Für den zweiten Jahrgang haben sich bereits 35 Leute angemeldet, was uns sehr freut.» nig

https://gemuesebaulernen.ch/

Julia Schmidlin Fabian Biasio

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in ihren Briefkasten.

Valentin Gionchetta

Valentin Gionchetta hat die Ferme des Savanes 2021 in Apples, einem Dorf am Fuss des Waadtländer Juras, mitgegründet. Das Projekt wurde von der Klima-Allianz Schweiz für den Klimapreis 2022 nominiert.

«Die Ferme des Savanes wurde 2021 nach Grundsätzen der Permakultur gegründet: Gemüsebau, mehrstufige Obstgärten, Agroforstwirtschaft und Ackerbau. Das Ziel ist eine nachhaltige Landwirtschaft in einer Post-Erdöl-Zeit, die auf Widerstandsfähigkeit und Selbstversorgung aufbaut und nicht auf Technik angewiesen ist. Jetzt im ersten Jahr der Umstellung auf das Bio-Label setze ich verschiedene -manuelle Techniken ein, um weder fossile Energien noch -schwere Maschinen benutzen zu müssen. Das Entdecken (exotischer) Früchte und Gemüse ist extrem spannend. Um uns an die Klimaveränderung anzupassen, haben wir Indianerbananen gepflanzt, eine Art nordamerikanische Mango – ich freue mich schon auf die ersten Früchte in ein paar Jahren. Bäume sind für mich besonders wichtig, weil sie alle Pflanzen um sich herum begünstigen: Sie bieten Schatten, Feuchtigkeit, Wind- und im Winter Bodenschutz. Wir haben bereits 2000 Bäume gepflanzt und auch mehrere Hecken angelegt, um Insekten zu fördern und die Biodiversität zu stärken, die in unserer Kulturlandschaft laufend abnimmt. Dabei setze ich auf bewährte Techniken der Pioniere, die schriftlich überliefert sind. Ich möchte mich an die Situation anpassen und später meine Erfahrungen weitergeben. 2022 wurde der Hof für den Klimapreis nominiert. Dadurch war mein -Projekt zwar über die Region hinaus bekannt, die Zahl der Gemüseabos aber stieg nicht. Die Erfahrung ist trotzdem sehr bereichernd. Mein Gemüse wird nach dem Prinzip der «regionalen Vertragslandwirtschaft» in wöchentlichen Gemüsekörben mit 100 Prozent eigener Produkte angeboten. Die Körbe können vor Ort selbst zusammengestellt werden. Ich freue mich, dass ich bald auch einen Früchtekorb anbieten kann.» fk

Valentin Gionchetta Fabian Biasio
Gemüsebeet biodynamischer Hof Iffwil
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Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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