Progetti
Stellungnahme zu den geplanten Wolfsabschüssen
Am 1. September hat zum zweiten Mal die Periode der proaktiven Wolfsregulierung begonnen. Wenn das Bundesamt für Umwelt BAFU die Anträge der Kantone bewilligt (aktuell aus GR, SG, TI, VS, VD), können diese ihre Massnahmen behördlich verfügen. Als beschwerdeberechtigte Organisation prüft Pro Natura die Abschussverfügungen der Kantone auf ihre Rechtmässigkeit.
Keine «Wolfsjagd», sondern Regulierung
Der Wolf ist auch mit dem revidierten Jagdgesetz weiterhin eine geschützte Tierart, die nicht gejagt werden darf. Wolfsrudel dürfen aber «reguliert» werden, wenn dies zur Verhinderung von ernsten Schäden an geschützten Herden oder von Gefahren für den Menschen erforderlich ist. Dabei ist die gänzliche Eliminierung von Rudeln nur als letztes Mittel zulässig und kann keinesfalls als Standardlösung betrachtet werden.
Wolfsrudel Il Fuorn / Nationalpark
Es ist unklar, ob wirklich Wölfe des Nationalpark-Rudels für die zwei Risse von Jungrindern im Unterengadin und Münstertal verantwortlich sind. Der Nationalpark ist für den Erhalt der einheimischen Wildtiere von herausragender Bedeutung. Abschüsse geschützter Tierarten erfordern immer eine Interessenabwägung durch die Kantone. In dieser Abwägung muss der Erhalt der Tierwelt des Nationalparks zwingend stark gewichtet werden. Ein im Nationalpark beheimatetes Wolfsrudel gänzlich zu entfernen, ist nicht verhältnismässig, zumal die Wölfe keinerlei unnatürliche Verhaltensweise gezeigt haben. Es darf erwartet werden, dass auch dem Wolf mit einer minimalen Toleranz begegnet wird. Nicht nur, aber natürlich besonders im Umfeld des Nationalparks. Gewisse Konflikte wird es immer geben, die sogenannte «Regulierung» kann diese nie gänzlich verhindern. Entsprechend ist eine Nulltoleranz weder umsetzbar noch angemessen.
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Bergmatte in Reigoldswil
Traurige Beweise des Biodiversitätsverlusts
Der Grosse Brachvogel (Numenius arquata)
Verantwortlich dafür ist ein noch grösserer Feind: Homo sapiens. Wir Menschen haben durch die grossflächige Trockenlegung von Feuchtgebieten dem Brachvogel die Lebensräume zerstört. Vor den grossen Entwässerungen im 19. Jahrhundert gehörte der Brachvogel noch zu den prägenden Vogelarten des Mittellands. Bereits in den 1960er Jahren wurden aber lediglich noch 40 Brutpaare gezählt, seit 2006 gibt es in der Schweiz keinen Brutnachweis mehr. Mit Glück kann der imposante Vogel nun nur noch als Wintergast oder Durchzügler während des Vogelzugs beobachtet werden.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Der Raubwürger (Lanius excubitor)
Die grösste europäische Würgerart war einst in unserem Land weit verbreitet, seit 1986 ist er nun aber als Brutvogel verschwunden. Ihm fehlen Lebensräume, wie sie in der heutigen Landwirtschaft selten geworden sind: grossflächige, extensiv genutzte Wiesen, die mit vielen Strukturen wie Obstbäumen und Hecken versehen sind. Durch sein Verschwinden wurde der Raubwürger zum traurigen Exempel der ökologischen Verarmung unserer Kulturlandschaften.
Das Rebhuhn (Perdix perdix)
Ursache auch hier: die Mechanisierung und Industrialisierung unserer Landwirtschaft. Die Vögel fanden einst perfekte Lebensräume in offenen und strukturreichen Ackerbaugebieten, an die sie auch mit ihrem Tarnkleid perfekt angepasst waren. Den alarmierenden Bestandesrückgängen versuchte die Vogelwarte Gegensteuer zu geben und wertete im Rahmen von Artenförderungsprojekten im Klettgau (SH) und der «Champagne Genevoise» Lebensräume auf und siedelte importierte Rebhühner an. Vergebens: 2018 erfolgte die letzte Beobachtung eines Brutpaars.
Das Graue Langohr (Plecotus austriacus)
Aus dem Mittelland hat sich das Graue Langohr (Plecotus austriacus) längst verabschiedet, heute findet sich die Fledermaus nur noch entlang des Jurabogens – und auch das nur sehr sporadisch, denn sie ist vom Aussterben bedroht. Dem Grauen Langohr fehlt es an insektenreichen und pestizidfreien Jagdlebensräumen, es fehlt ihm an Sommerquartieren in Dachstöcken sowie Winterquartieren in Kellern oder Mauerspalten, es fehlt ihm an geeigneten und unverbauten Flugkorridoren ohne Lichtverschmutzung. Kurzum: Der Fledermaus fehlt es an biodiversen Lebensräumen!
Der Lachs (Salmo salar)
Bisher haben dies nur ganz wenige Einzelexemplare geschafft, und dies genügt bei Weitem nicht, um eine sich selbst erhaltende Lachspopulation zu etablieren. Vor gut hundert Jahren lebten noch Millionen von Lachsen im Rhein. Danach wurde der Fluss immer stärker verbaut, durch Flusskraftwerke zerstückelt, während sich die Wasserqualität nur noch verschlechterte und das Todesurteil der Rheinlachse besiegelte. Heute ist die Wasserqualität besser, und viele Kraftwerke sind durchgängiger für Fische geworden. Doch die grossen und bisher vergeblichen Anstrengungen zur Rückkehr der Lachse zeigen: Es lässt sich leichter zerstören als wiederherstellen. Und bei der Biodiversität besteht noch besonders grosser Wiederherstellungsbedarf.
Der Rhone-Streber (Zingel asper)
Der Region dient er immer noch als touristisches Werbeobjekt, doch vielleicht schwimmt im Doubs gar kein Roi du Doubs mehr. Die Bestände des Apron oder Rhone-Strebers (Zingel asper), wie der Fisch auch genannt wird, sind seit Jahrzehnten stark rückläufig.
Dieses Weibchen lebt nun in einem Becken des Aquatis Lausanne und wartet darauf, dass hoffentlich auch noch ein Männchen gefunden und eine Fortpflanzung möglich wird. Für den schlimmsten Fall hat es in Lausanne und dem Zoo Basel auch noch Aprons, die einem Zuchtprogramm mit Fischen aus den letzten kleinen (und genetisch unterschiedlichen) Schwesterpopulationen im französischen Rhone-Becken entstammen. Doch selbst wenn diese Fische eines Tages wieder ausgesetzt würden, träfen sie auf die immer noch gleichen Probleme: Zerstückelung des Flusses durch unüberwindbare Wehre, grosse Pegelschwankungen durch die Wasserkraft, teils stark belastete Wasserqualität und immer wärmere Wassertemperaturen.
Der Fischotter (Lutra lutra)
Zuletzt noch ein Hoffnungsschimmer: Unter den Hunderten von Tierarten, die sich auf unseren Roten Listen befinden, zeigt bei ganz wenigen die Tendenz nach oben – so etwa beim Fischotter (Lutra lutra). Als Folge von Jagd, schlechter Wasserqualität und zerstörten Lebensräumen galt das Säugetier in der Schweiz als ausgerottet. Weil sich seine Bestände in unseren Nachbarländern erholt haben, sind nun einzelne Exemplare wieder an Rhone, Inn, Rhein und Ticino gesichtet worden. Zudem haben zwei Exemplare, die dem Berner Tierpark Dählhölzli entwichen sind, an der Aare für Nachwuchs gesorgt. Mit diesem kleinen Bestand bleibt der Fischotter in der Schweiz vom Aussterben bedroht, doch die Anzeichen stehen gut, dass er in unsere Gewässer zurückkehrt. Dies ist möglich, weil sich die Wasserqualität verbessert hat, Ufer renaturiert und Hindernisse beseitigt wurden – ein wunderbares Beispiel, dass Fördermassnahmen für die Biodiversität rasch konkrete Folgen zeigen.
Von RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin
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Kurs
Kurs Igelfreundliche Gärten in Oberwil
Der Igel ist in der Schweiz in den letzten Jahren auf dem Rückzug und wird inzwischen als potentiell gefährdet eingestuft. In den Gärten und in der Landschaft gehen Versteck- und Nistmöglichkeiten verloren, der Igel findet weniger Nahrung und die Gefahren nehmen zu. Schaffen wir gemeinsam mehr Lebensraum für den Igel.
In unserem Kurs...
...lernen Sie Wissenswertes zur Biologie und Ökologie des Igels.
...erfahren Sie was einen igelfreundlichen Garten ausmacht.
...holen Sie sich theoretisches und praktisches Wissen zur Förderung von Igeln im Garten ab.
...bauen wir zusammen eine Kleinstruktur (bspw. Asthaufen oder Wildhecke).
Der Kurs ist Teil des Projekts "Igelfreundliche Gärten".
Der Kurs findet in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Oberwil statt.
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Contatto
Nora Lüdi
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Dettagli dell'evento
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Luogo
Oberwil
Dettagli
Preparazione
Costo
kostenlos
Wiesellandschaft Glarus
Risikoreiche Bestäuberinnen
Der Film «More than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof aus dem Jahr 2012 hat uns die dunklen Seiten der industriellen Landwirtschaft vor Augen geführt. Zu sehen sind darin etwa die riesigen Mandelplantagen in Kalifornien, wüstenartige Landschaften, in denen kein Kraut mehr wächst und kein Summen zu hören ist. Ausser zur Blütezeit der Mandelbäume: Dann werden Millionen von Bienenstöcken quer durch die USA herangekarrt und in den Plantagen verteilt – industriell gezüchtete Bienen, die vielfach Parasiten und Krankheitserreger mit sich tragen und untereinander verteilen. Das immer häufiger auftretende massenhafte Bienensterben («Colony Collapse Disorder») wird massgeblich auf die industrielle Bienenhaltung zurückgeführt.
Weniger bekannt ist, dass auch Hummeln im grossen Stil gezüchtet und über die halbe Welt transportiert werden. Zum Einsatz kommen sie hauptsächlich in Gewächshäusern und Folientunnels mit Tomaten- und Beerenkulturen. Hummeln haben eine spezielle Technik, um die gut befestigten Pollenkörner in den Blüten von Tomaten oder Beeren herauszulösen: Sie krallen sich an den Staubgefässen fest, vibrieren mit ihren Muskeln und setzen so die Pollen frei. Ein weiterer Vorteil: Kälteeinbrüche machen den Hummeln wenig aus; ihr dichter Pelz schützt sie gut, ausserdem können sie ihre Flugmuskulatur auf konstant 30 Grad aufheizen. Man kann sie also auch im Freiland frühzeitig einsetzen. Hummeln sind zudem äusserst arbeitsfreudig: Sie sammeln bis zu 18 Stunden am Tag.
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Picture Alliance, Shotshop, HelgaBr
- Hummeln sind bienenfleissig: Sie sammeln bis zu 18 Stunden am Tag.
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Hummeln aus der Kiste
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Keystone/mauritius images/Julia Thymia
- Hummeln werden heute im grossen Stil gezüchtet und über die halbe Welt transportiert. Zum Einsatz kommen sie hauptsächlich in Gewächshäusern und Folientunnels mit Tomaten- und Beerenkulturen.
In Schweizer Gewächshäusern (Tomaten, Peperoni, Auberginen etc.) ist der Einsatz von Zuchthummeln heute «state of the art», im Freiland (Obstbäume) dagegen noch rar. Nahezu alle Völker werden aus dem Ausland importiert, ein Grossteil von der belgischen Zucht Biobest, dem weltweit grössten Anbieter von Hummeln. Gegründet wurde die Firma 1987 vom Tiermediziner und Hobby-Entomologen Roland De Jonghe. Die Befruchtung von Tomaten und Peperoni in den grossen Gewächshäusern seines Landes erledigten damals Arbeiter mit einem elektrischen Bestäubungsgerät. Hummeln könnten das billiger und besser leisten, dachte De Jonghe und begann, Völker der Dunklen Erdhummel (bombus terrestris) in Kisten zu züchten. Um ganzjährig verkaufen zu können, suchte und fand er Methoden, den Reproduktionszyklus der Hummeln von den Jahreszeiten zu entkoppeln.
Die Nachfrage war riesig, nicht nur in Belgien, sondern in ganz Europa und später auch in Übersee. Und quasi nebenbei löste De Jonghe mit seinen Hummeln eine zweite Revolution aus: In den Gewächshäusern werden heute kaum noch Insektizide eingesetzt. Stattdessen halten Schlupfwespen, Raubmilben und Gallmücken die Schädlinge in Schach, vermehrt auch im Freiland. Biobest erkannte das Potenzial früh und eröffnete einen zweiten Geschäftszweig: den Versand von Nützlingen. «Unsere Hummeln haben mehr zum Umweltschutz beigetragen als die Grünen», sagte De Jonghe einst vollmundig. Was er unterschlug: Wären die Agrarlandschaften mit artenreichen Wiesen und Kleinstrukturen durchsetzt und die Gewächshäuser mit Blühstreifen ausgestattet, müssten Hummeln, Raubmilben und Schlupfwespen gar nicht erst gezüchtet und importiert werden. Die heimischen, wild lebenden Insekten übernähmen die Arbeit.
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Matthias Sorg
Damit entfielen auch Risiken wie die Verbreitung von Krankheiten und die Verdrängung heimischer Arten. In Südamerika etwa entpuppte sich die (dort nicht heimische) Braune Erdhummel als äusserst invasives Tierchen, das sich von Chile aus rasch auf dem ganzen Kontinent ausbreitete und – wohl über mitgeführte Parasiten – die heimische orange Riesenhummel Bombus dahlbomii in arge Nöte brachte. In vielen Regionen starb sie aus.
Fehlende Regeln trotz Risiken
Die Aussetzung von Nützlingen (Raubmilben usw.) ist in der Schweiz streng geregelt: Bevor ein neuer Nützling zugelassen wird, klärt Agroscope die Umweltrisiken ab. Zudem gilt seit 1986 eine Registrierungspflicht für Betriebe, die Nützlinge für den Pflanzenschutz verwenden; Richtlinien legen fest, wie die Insekten einzusetzen sind. Auch die Haltung von Honigbienen ist streng reglementiert. Alle Bienenhaltungen müssen bei einer kantonalen Koordinationsstelle gemeldet werden, und es gibt einen nationalen Bienengesundheitsdienst, der die Imker berät und die Gesundheit der Honigbienen überwacht. Bei der Dunklen Erdhummel hingegen wurde nie eine umfassende Risikoabschätzung gemacht. Weil die Art in der Schweiz heimisch ist, bewerten die Behörden den Einsatz von Importhummeln als unproblematisch. Folglich verzichtete man auch auf Regelungen: Alle können Dunkle Erdhummeln importieren und halten, wie sie möchten. Ein kleines Volk (30 Arbeiterinnen, Aktivitätsdauer: 6 bis 8 Wochen) ist ab 69 Franken zu haben, geliefert wird es in einer praktischen Box.
Allerdings gibt es durchaus Risiken: Weil die Schweizer Gemüseproduzenten, im Unterschied etwa zu ihren Kollegen und Kolleginnen in England oder Japan, keine Massnahmen ergreifen müssen, um das Ausbüxen der Hummeln zu verhindern, kann es relativ einfach zu Verpaarungen mit wild lebenden Dunklen Erdhummeln kommen – mit der Gefahr, dass sich die genetische Zusammensetzung von lokalen Populationen zu deren Nachteil verändert. Die Herkunftslinien der importierten Hummel-Völker sind den Käuferinnen und Käufern unbekannt; mutmasslich stammen die meisten Völker aus Südosteuropa. Ob sich in der Schweiz bereits Hybrid-Völker gebildet haben, ist nicht erforscht.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Gefahr durch Parasiten und Krankheitserreger
Ein weiteres Risiko ist die Verbreitung von Parasiten und Krankheiten unter den wild lebenden Hummeln. Die Hummel-produzenten müssen zwar für die Ausfuhr in die Schweiz eine (durch einen Amtstierarzt ausgestellte) Gesundheitsbescheinigung vorlegen, doch zeigen Studien, dass die durchgeführten Stichproben der Veterinäre kaum genügen. So wiesen britische Forscher in 37 von 48 gekauften – und als frei von Krankheiten und Parasiten deklarierten – Hummelvölkern aus europäischen Zuchtbetrieben ein halbes Dutzend Parasiten und zwei Viren nach, die auch auf wild lebende Hummeln übergreifen können: darunter das Flügeldeformationsvirus und die oft tödlichen -Honigbienen-Parasiten Nosema apis und Nosema ceranae (den beiden Parasiten ist es gelungen, von den Bienen auf die Hummeln überzuspringen).
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Gaspar Costa
Dass es über den Blütenbesuch oder den Kot tatsächlich zu Übertragungen kommt, zeigt eine Studie aus Kanada: In unmittelbarer Nähe zu den Hummel-Treibhäusern waren mehr als die Hälfte der untersuchten wilden Hummeln Träger des darm-schädigenden Einzellers crithidia bombi – je weiter weg von den Treibhäusern, desto weniger wilde Hummeln waren befallen.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schätzt das Risiko, dass über importierte Hummelvölker Krankheitserreger und Parasiten in die Schweiz gelangen, als «sehr gering» ein. Dennoch warnt etwa die Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte davor, «Paketbienen» (Hummeln, Mauer- und Honigbienen) aus dem Ausland zu bestellen. Das wird aber weiterhin rege getan: Gemäss einer Aufstellung des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit werden pro Jahr Bienen und Hummeln im Umfang von rund 20 000 Kilogramm Lebendgewicht in die Schweiz eingeführt.
Wer in seinen Obst- und Gemüseanlagen Bestäuberhummeln einsetzen will, war bis vor Kurzem noch auf ausländische Zuchthummeln angewiesen. Seit 2022 gibt es mit der «Schweizer Hummel» eine Alternative. Das Projekt wurde von der Firma HTC High-Tech-Center in Tägerwilen (TG) angestossen und bietet Dunkle Erdhummeln aus «kontrollierter Schweizer Zucht» in Mehrwegboxen an. Ziel ist es, den Erhalt von einheimischem Genmaterial zu sichern und die Selbstversorgung der Schweiz zu stärken. Auch lassen sich mit der «Schweizer Hummel» die Transportwege deutlich kürzer halten. Was das Projekt aber nicht zu ändern vermag, ja womöglich gar verfestigt, ist der Irrglaube, dass unsere Landwirtschaft auf wild lebende Insekten verzichten kann.
NICOLAS GATTLEN ist Reporter des Pro Natura Magazins.
Feerbach, Sanierung Amphibienlaichgewässer, Etappe 3, Vilters-Wangs (2024)*
Der Iltis ist in der Roten Liste der Säugetiere der Schweiz als «verletzlich» eingestuft. Er ist zwar in tieferen Lagen noch weit verbreitet, aber wohl nicht häufig. Zudem lässt sich der Iltis selten sehen. Der Verwandte des Steinmarders mag’s diskret. Lieber macht der Iltis einen Umweg, als dass er sich über eine offene Fläche bewegt. Entdeckt man ihn doch einmal, ist er an der weissen Zeichnung um die Nase und entlang der Ohrränder eindeutig zu erkennen.
Warum wählt Pro Natura den Iltis zum Tier des Jahres?
Iltisse können die Kulturlandschaft ausserhalb des Waldes nur durchstreifen, wenn diese reich gegliedert ist und viel natürliche Deckung bietet. Ein Mosaik aus Wassergräben, Hecken, hohen Staudenfluren, Ast- und Steinhaufen, natürlichen Bächen und Feuchtgebieten ist für den Iltis lebenswichtig. Auch viele andere Arten profitieren von solchen Strukturen, zum Beispiel Frösche, Kröten und andere Kleintiere. Auf sie ist der Iltis für seine Ernährung angewiesen. Strukturreiche Agrarlandschaften und Feuchtgebiete gehören zu den bedrohtesten Landschaftstypen der Schweiz. Der Iltis wirbt als Tier des Jahres 2024 dafür, die Reste dieser Landschaften besser zu schützen und verarmte Landschaften wieder zu beleben.
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Stefan Huwiler
- Typisch Iltis: aus sicherem Versteck die Welt sehen.
Ein einsamer Nomade
Iltisse sind ausserhalb der Paarungszeit als Einzelgänger unterwegs. Sie sind vorwiegend nachtaktiv. Je nach Nahrungsangebot und Qualität des Lebensraumes sind ihre Streifgebiete zwischen einem halben und mehreren Quadratkilometern gross. Weibchen sind möglicherweise territorial. Hungrige Iltisse durchstöbern systematisch ihren Lebensraum auf der Suche nach Fröschen, Kröten oder anderen Kleintieren. Ist ein Gebiet «leergefressen», ziehen sie weiter.
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Fabrice Cahez
- In der Seitenansicht zeigt dieser Iltis seinen typischen Rückenbuckel.
Leicht gekleidet, stark parfümiert
Das Iltisfell ist dünn. Deshalb ist der Iltis im Winter besonders in höheren Lagen auf einen schützenden Unterschlupf angewiesen. Gerne nimmt er ruhige Winkel in Scheunen und Ställen an. Bevor der erste Schnee fällt, futtert sich das Tier des Jahres 2024 so richtig auf. Ein Drittel seines Körpergewichts kann im Herbst aus Fett bestehen.
Der Iltis ist im Winter wenig aktiv und verlässt sein Quartier nur selten, um sich zu entleeren oder um leicht erreichbare Beute zu erhaschen. Das kann ein Hühnerei, Katzenfutter oder auch eine unvorsichtige Maus sein. Doch Vorsicht ist auf jedem Streifzug geboten: Der Iltis kommt selber als Beutetier für grössere Fleischfresser in Frage. Immerhin ist er gut gerüstet. Droht ihm Gefahr, greift er zur Stinkbombe und versprüht ein sehr übelriechendes Sekret aus seinen Analdrüsen.
Froschschenkel bevorzugt
Iltisse sind als Fleischfresser bei uns spezialisiert auf Frösche und Kröten. Wenn im Frühjahr die Grasfrösche und Erdkröten zu ihren Laichgewässern wandern, lebt der Iltis im Schlemmerparadies. Es gibt so viele Beutetiere, dass der Iltis davon Vorräte anlegt oder nur noch die Froschschenkel verspeist. Diese makabren Spuren verraten seine Anwesenheit. Doch der Überfluss währt nur kurz. Nach dem Laichgeschäft wandern die Frösche und Kröten zurück in ihre Sommerlebensräume. Ab jetzt muss der Iltis seine Nahrung wieder in Wäldern, Feuchtwiesen, Staudenfluren oder anderen Frosch-Lebensräumen aufstöbern.
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Fabrice Cahez
- Der Iltis ist auf Frösche und Kröten angewiesen.
Mutter Iltis macht’s allein
Iltisse paaren sich hauptsächlich in den Monaten April bis Juni. Nach sechs Wochen bringt das Iltis-Weibchen drei bis sechs Jungtiere zur Welt. Das Weibchen zieht die Jungen allein auf. Diese öffnen nach rund einem Monat ihre Augen und fressen bereits Fleisch. Zwei Monate später sind die weiblichen Jung-Iltisse etwa so gross wie das Muttertier, die Männchen sogar schon grösser. Jetzt löst sich die Familie auf. Im folgenden Jahr sind die Jungtiere geschlechtsreif – wenn sie den Winter überstanden haben.
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Roman Willi
- Die Wildtierkamera bringt es an den Tag: eine Iltis-Familie tollt durch den Wald.
Iltis-Verbreitungskarte mit Lücken
Ein schneller Blick auf die Verbreitungskarte des Iltisses in der Schweiz könnte zur Annahme verleiten, der Iltis komme im Flach- und Hügelland der Schweiz praktisch überall vor. Bei näherem Hinsehen zeigen sich Lücken im Wallis und im Tessin. Zudem sagt die Karte nichts über die Anzahl der bei uns lebenden Iltisse aus. Der Rückgang geeigneter Lebensräume und die dramatische Abnahme der Amphibienbestände macht dem Iltis das Leben zweifellos schwer.
Im Bild: Aktuelle Verbreitung des Iltisses in der Schweiz. Die orangen Symbole zeigen Nachweise vor dem Jahr 2000.
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Daten: info fauna | Karte: swisstopo
Landschaft einräumen!
Der Wald bietet dem Iltis in der Schweiz vielerorts einen günstigen Lebensraum, wo oft auch die begehrten Frösche und Kröten ihr Sommerquartier haben. Schlechter sieht es ausserhalb des Waldes aus. Maschinengerechte Landwirtschaftsflächen bieten oft keine Verstecke oder Wanderkorridore für den Iltis. Zudem sind in der Schweiz in den vergangenen 150 Jahren 90 Prozent aller Feuchtgebiete trockengelegt worden.
Wo es einst von Fröschen nur so wimmelte, gibt es heute nur noch Restbestände. Daher gilt: Mehr Weiher, Tümpel, Hecken, Wassergräben, Bäche und «wilde Ecken» braucht das Land!
Das tut Pro Natura für den Iltis
Pro Natura sichert rund 800 Naturschutzgebiete in allen Regionen der Schweiz. In einigen dieser Gebiete ist der Iltis ein regelmässiger Gast.
Unsere Schutzgebiete entdecken
Die «Aktion Hase & Co.» umfasst verschiedenste Projekte, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: mehr natürliche Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Zur Aktion Hase & Co.
Politisch kämpft Pro Natura für eine Schweiz, in der alle heimischen Arten sich wohl fühlen. Besonders aktuell ist unsere Arbeit…
…für eine naturverträgliche Energiewende
…für eine ökologische Landwirtschaft
…für den Schutz der Wasserwelt
T-Shirts, Taschen, Poster und Seifen – Entdecken Sie unsere neue Tier des Jahres Kollektion.
Kurs
BONJOUR NATURE: Wildbienen im Garten schützen und fördern
Im Wildbienenkurs von Pro Natura Baselland erfahren Sie:
- was Wildbienen sind und wie man sie erkennt
- welche Arten sich möglicherweise im eigenen Garten oder auf dem Balkon tummeln
- wie Sie Wildbienen gezielt schützen und fördern können
- welche Pflanzen besonders wertvoll für Wildbienen sind - und warum
Unsere einheimischen Wildbienen sind vom Insektensterben betroffen. Viele einst häufige Arten sind heute selten oder bedroht. Es fehlt ihnen an Nahrung: Bunt blühende Gärten mit einer Vielfalt an heimischen Wildblumen und Wildstauden sind die beste Förderung von Wildbienen. Ebenso entscheidend sind geeignete Nistgelegenheiten. Da die meisten Arten nur wenige hundert Meter weit fliegen und für ein Ei zwischen 50 und 100 Blüten benötigen, müssen Nistplatz und Nahrungsangebot nahe beieinander liegen.
Egal ob eigener Garten oder Balkon – lernen Sie, wie Sie mit einfachen Mitteln ein wertvolles Wildbienenparadies schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser unverzichtbaren Bestäuber leisten.
Meret Halter, Wildbienenexpertin und Projektleiterin von Pro Natura Baselland, leitet den Kurs. Peter Steiger, Landschaftsarchitekt und Betreuer des Duftgarten Rodersdorf, vermittelt praktische Tipps für die eigene Gartengestaltung. Der Kurs findet in Zusammenarbeit mit dem Verein Duftgarten Rodersdorf statt.
Ulteriori informazioni
Contatto
Nora Lüdi
@email
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Pro Natura BLDettagli dell'evento
Data
Luogo
Rodersdorf
Preparazione
Costo
Die Teilnahme ist für Mitglieder von Pro Natura und des Vereins Duftgarten Rodersdorf kostenlos. Externe bezahlen einen Unkostenbeitrag von CHF 30, Kinder CHF 10.