Traktor spritzt Gülle aufs Feld © AdobeStock / Jürgen Fälchle

Im Einsatz für eine ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnik

Die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern prägt unsere Kulturlandschaft. Deshalb setzen wir uns intensiv mit der Schweizer Landwirtschaft auseinander. Unser Ziel ist eine umweltverträgliche Landwirtschaft. Heute verursacht diese teilweise massive Umweltprobleme, trotz Grenzschutz und vielen Bundesgeldern.

Ökologisch ist unsere Landwirtschaft nicht. Der Grund: Es gibt von allem viel zu viel. Zu viel Dünger, zu viele Pestizide, zu viel importiertes Kraftfutter, zu viele schwere Traktoren. Regen und Luft bringen schädliche Gase wie Ammoniak in den Wald und in die Moore, die natürlichen Lebensräume werden dadurch nachhaltig geschädigt. Im Kampf gegen unwillkommene Pflanzen und Tiere werden Pestizide gespritzt, welche die Bodenlebewesen, unsere Gewässer und auch das Trinkwasser belasten.  

Eines der aktuellsten und brennendsten Probleme sind unsere Nutztiere. Auch hier geht es darum, dass es im Mittelland und in den Voralpen viel zu viele von ihnen gibt. Die vielen Rinder, Schweine und Hühner belasten die Umwelt und auch unser Klima. Die ökologische Leistung der Schweizer Landwirtschaft ist ungenügend! Dies bei hohem Grenzschutz und vielen Bundesmilliarden.

Pro Natura ist Mitglied bei der Agrarallianz und setzt sich dort zusammen mit vielen weiteren Verbänden für eine ökologische Landwirtschaft ein. 

Volksabstimmung über Massentierhaltung

Mit der Initiative «keine Massentierhaltung in der Schweiz» wird dieses Thema in den kommenden Monaten nicht nur Politikerinnen und Bauern beschäftigen, sondern auch das Stimmvolk: Die Initiative fordert, dass der Bund die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung schützt. Die Tierwürde umfasst den Anspruch, nicht in Massentierhaltung zu leben. Der Bund muss Kriterien festlegen für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse je Stall. Damit wird auch der übermässigen Belastung der Natur durch Nutztiere Einhalt geboten werden. 

Auch Pro Natura setzt sich seit Längerem stark mit dem Thema der Massentierhaltung auseinander. Massentierhaltung bedeutet einen zu hohen Eintrag von Stickstoff in unsere Böden. In zwei Webinaren hat sich Pro Natura intensiv mit dem Thema der Massentierhaltungsinitiative sowie den zu hohen Tierbeständen auseinandergesetzt. Fachleute diskutierten die Probleme und Pro Natura hat einen Lösungsvorschlag vorgeschlagen. Im Moment wird dieser Lösungsvorschlag intern weiter konkretisiert.  
Das Stickstoff-Webinar «Hilft der Gegenentwurf zur ‹Massentierhaltungsinitiative?›» können Sie hier nachschauen
 
Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Bäuerinnen und Bauern, welche naturverträglich produzieren. Die Kritik richtet sich gegen die Agrarlobby, welche die letzten 20 Jahre den ökologischen Fortschritt behindert hat. Ein Problem ist auch der Vollzug der Umweltgesetzgebung in vielen Kantonen. Zwar sind die Umweltgesetze verschärft worden, doch die Kantone sorgen nicht dafür, dass diese auch umgesetzt werden. 

Zu viele Tiere, zu wenig Biodiversität

Die ökologischen Probleme durch die Schweizer Landwirtschaft sind kein neues Phänomen. Sie sind nicht nur altbekannt, sondern leider auch mehrheitlich ungelöst: Nach messbaren Verbesserungen in den 1990er-Jahren, herrscht seit 2000 praktisch Stillstand bei Biodiversitätsverlust, Düngerüberschüssen, Gewässer- und Bodenbelastungen. Auch der Bundesrat befürchtet, dass der Druck auf die Ökosysteme durch die Landwirtschaft weiter zunehmen wird. Und kritisiert die Landwirtschaft: Sie müsse mehr tun, um die Belastung der Umwelt zu reduzieren. Wir teilen diese Befürchtungen und Forderungen. Besondere Kritik müssen sich Kantone mit intensiver Tierhaltung in der Zentral- und Ostschweiz gefallen lassen. 

Biodiversitätsförderflächen

Die Schweiz beherbergt 50'000 Pflanzen- und Tierarten. Doch seit Jahrzehnten werden viele dieser Arten verdrängt. Heute sind mindestens 40% der in der Schweiz vorkommenden Tierarten gefährdet. Die gefährdetsten Arten leben in mageren Wiesen und Weiden sowie in Auen und Mooren.

 Bäuerinnen und Bauern pflegen sogenannte Biodiversitätsförderflächen BFF. Auf und mit diesen Flächen soll die pflanzliche und tierische Vielfalt gefördert werden. Diese Flächen könnten bei richtiger Pflege und Lage zu einem vielfältigen Ökosystem beitragen. Ihre wichtigsten Funktionen sind: 

  • Artenvielfalt erhöhen
  • Trinkwasser reinigen
  • Bodenfruchtbarkeit erhalten

Die bisherigen Bemühungen reichen jedoch nicht aus, um die Biodiversität im Kulturland zu erhalten. Darum setzten wir uns für die konsequente Umsetzung der Umweltziele Landwirtschaft ein. 

Pro Natura ist Mitglied in der Plattform Biodiversität in der Landwirtschaft, koordiniert vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW und Bundesamt für Umwelt BAFU. 

Gentechnik

Seit Jahrtausenden züchten LandwirtInnen standortgerechte Sorten. Dabei setzt die Natur Grenzen. Mit der Gentechnologie kann der Mensch diese Grenzen überwinden und Eigenschaften einer Art auf andere Arten übertragen. Doch die gentechnologischen Methoden sind sehr problematisch. Die Gentechnologie fördert die ökologischen Probleme und die Monopolisierung im Saatgutmarkt.

Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden. Pro Natura fordert eine Regulierung dieser neuen gentechnischen Verfahren im Gentechnikgesetz.  

Wir setzen uns für eine Schweizer Landwirtschaft ohne Gentechnik ein. Pro Natura ist Trägerorganisation der Schweizer Allianz Gentechfrei. 

Hochstamm-Obstbäume

Hochstammbäume prägen weite Landschaften der Schweiz. Sie sind wichtige Lebensräume. 

  • Hochstammobstbäume und Obstgärten sind ein Kulturgut. Die Bäume prägen die Landschaft mit ihren Blüten, Früchten und Herbstfarben.
  • Die Hochstammobstgärten sind ein wertvoller und vielfältiger Lebensraum. Grosse Obstgärten sind besonders reich an Tierarten. In ihnen finden sich gegen fünfzig Brutvogelarten wie Distelfink oder Wendehals.
  • Abgestorbene Baumteile sind wichtig für Wildbienen, Wespen, Bockkäfer und andere Insekten sowie für höhlenbrütende Vögel wie den Gartenrotschwanz.
  • Bei extensivem Bewirtschaften ist der grosse Blütenreichtum der Wiesen eine Oase für viele Nützlinge wie Marienkäfer, Schlupfwespen, Flor- und Schwebefliegen, Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Ameisen. Von dort aus können sie weitere Wiesen und Äcker besiedeln.

Wir setzen uns für den Erhalt von Hochstamm-Obstbäumen in der Schweiz ein. Pro Natura ist Mitglied und Mitbegründerin des Labels «Hochstamm Suisse».

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