Progetti
«Dabei sind sie es doch, die die Menschen vergiften!»
Sofía Gatica aus Argentinien (Bildmitte) ist 50 Jahre alt und arbeitet in einer städtischen Klinik in Córdoba, der zweitgrössten Stadt Argentiniens. Ihr Leben steht plötzlich Kopf, als ihre Tochter Nandy zur Welt kommt und nur drei Tage nach der Geburt an schwerem Nierenversagen stirbt. Gatica beginnt zu recherchieren und ist schon bald davon überzeugt, dass Pestizide der Grund für den Tod ihrer Tochter sein müssen. Seither widmet sie ihr Leben dem energischen Kampf gegen den Agrarmulti Monsanto. In Argentinien werden auf rund 200 000 Quadratkilometern gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut – begleitet von massiven Pestizideinsätzen.
Pro Natura: 2013 und 2015 wurden Sie Opfer körperlicher Gewalt und Bedrohung. Warum?
Sofía Gatica: 2012 habe ich in der Ortschaft Malvinas Argentinas den Zugang zu einem Grundstück blockiert, auf dem Monsanto eine der weltweit grössten Fabriken für gentechnisch verändertes Saatgut bauen wollte. Der Konzern hatte meine Tochter auf dem Gewissen, und seinetwegen haben meine Söhne Rückstände von Chemikalien im Blut. Gemeinsam mit anderen Aktivisten haben wir Monsanto daran gehindert, mit dem Bau dieser Todesfabrik zu beginnen. Darauf wurden wir mit Feuerwaffen bedroht. Seither bewege ich mich nur noch mit Polizeischutz, ebenso meine Kinder. Und trotzdem wurde ich von Helfershelfern des Multis geschlagen und musste mich mehrmals ins Krankenhaus begeben. Ich bin sogar auf Schadenersatz verklagt worden. Dabei sind sie es doch, die die Menschen vergiften und für ihren Tod verantwortlich sind!
Sie argumentieren, dass Glyphosat für zahlreiche Krankheiten und den Tod von Hunderten von Personen verantwortlich ist. Worauf stützen Sie sich dabei?
Am Stadtrand von Córdoba liegt das Quartier Ituzaingó. Ich habe selber quasi eine epidemiologische Studie durchgeführt, bin von Tür zu Tür gegangen und habe die Menschen befragt. Mehr als die Hälfte der Quartierbewohner ist an Krebs erkrankt, weil sie in unmittelbarer Nähe zu Plantagen mit transgenem Soja leben, auf die Millionen von Litern Glyphosat ausgebracht werden. Dass dieses Soja schlecht für die Gesundheit sein könnte, wussten wir nicht. Wir assen es in unserem Salat, und die Kinder spielten in den Feldern. In einer offiziellen Studie haben die Regionalbehörden von Córdoba ermittelt, dass 33 Prozent der Bevölkerung an Krebs leiden und bei 80 Prozent der Kinder im Blut Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden können.
2012 haben Sie den renommierten Goldmanpreis erhalten. Hat Ihnen diese Auszeichnung in Ihrem Kampf geholfen?
Ja, seither fühle ich mich ernst genommen und geschützt. Der Preis hat mir auch Kraft gegeben, weiterzukämpfen. Dank unserer NGO, den «Madres de Ituzaingó» (Mütter von Ituzaingó), kamen die lokalen Verantwortlichen von Monsanto ins Gefängnis, wobei der Konzern selbst nicht verurteilt wurde. International konnten wir das Wachstum von Monsanto in einigen Ländern bremsen. Ich weiss nun, dass man sich gegen einen Dämon sehr wohl wehren kann.»
FRANCOIS MUSSEAU arbeitet als Südamerika-Korrespondent.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Partizipativer Naturschutz in Georgien
Schutz der Flüsse und Widerstand gegen Kraftwerksprojekte
Warum Pro Natura die Konzernverantwortungsinitiative unterstützt
Der umfassende globale Bericht zur Biodiversität, der anfangs Mai 2019 vom Weltbiodiversitätsrat vorgelegt wurde, zeigt Erschreckendes: Noch nie seit Menschengedenken sind so viele Tiere und Pflanzen ausgestorben wie in unserer Zeit. Jährlich sterben heute 10 bis 100 Mal so viele Arten aus wie vor Erscheinen des Menschen. Etwa eine Million der ca. acht Millionen Pflanzen- und Tierarten, die es gemäss Expertenschätzungen gibt, sind aktuell vom Aussterben bedroht.
Eine Ursache für diesen riesigen und verheerenden Verlust der Artenvielfalt sind Pestizide.
Solche Pestizide sind für den Agrochemie-Multi aus Basel ein hochlukratives Geschäft. 15 der 32 Pestizide, die auf der Bestsellerliste des Konzerns stehen, stehen auch auf der Liste der «hochgefährlichen Pestizide» des Pesticide Action Network (PAN).
Weltweit bessere Umweltstandards durchsetzen
2017 hat der Konzern gemäss Schätzungen von Public Eye einen Umsatz von ca. 3,9 Milliarden US-Dollar mit dem Verkauf von hochgefährlichen Pestiziden erzielt. Das Unternehmen profitiert von schwachen Regulierungen in Ländern wie Brasilien, Argentinien oder Indien, um dort weiterhin ihre giftigen Bestseller zu verkaufen, von denen viele in der Schweiz oder in der Europäischen Union nicht mehr zugelassen sind.
Mit solchen Geschäften machen sich Schweizer Konzerne mitschuldig am globalen Artensterben. Deshalb unterstützt Pro Natura die Konzernverantwortungsinitiative.
Die Konzernverantwortungsinitiative will skrupellosen Geschäftspraktiken einen Riegel schieben. Sie verpflichtet alle Konzerne, Umweltstandards und Menschenrechte bei ihren Geschäften zu achten. Damit sich auch dubiose Multis an das neue Gesetz halten, müssen Verstösse Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb in Zukunft für Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen haften, die sie oder ihre Tochterfirmen verursachen.
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Link zur KonzernverantwortungsinitiativeAuf dem Weg zu neuen internationalen Biodiversitätszielen
Die Bilanz der hoffnungsvoll ausgerufenen «Uno-Biodiversitätsdekade» (2011 bis 2020) fiel Ende letzten Jahres ernüchternd aus: Keines der bisherigen internationalen Biodiversitätsziele (so genannten «Aichi-Ziele») ist erreicht worden. Derweil hat die Biodiversitätskrise ein derart bedrohliches Ausmass angenommen, dass der dringende Handlungsbedarf von niemandem mehr geleugnet werden kann.
Die Weltgemeinschaft nimmt einen neuen Anlauf
Im Oktober 2021 treffen sich – mit einem Jahr coronabedingter Verspätung – die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention (CBD), darunter auch die Schweiz, im chinesischen Kunming. Vorausgesetzt, die Pandemie lässt dies zu. Dort sollen neue globale Biodiversitätsziele beschlossen werden, umzusetzen bis 2030. Vom 3. Mai bis 13. Juni laufen die bisherigen Vorbereitungsarbeiten für das neue «Globale Biodiversitätsrahmenwerk» in einer wichtigen Zwischenetappe zusammen: der Konferenz des wissenschaftlich-technisch-technologischen Beirats (SBSTTA) und des Umsetzungsbeirats (SBI). Pro Natura ist zusammen mit ihrem Netzwerk Friends of the Earth International an den Verhandlungen dabei und engagiert sich für ein wirksames, ambitioniertes und faires Abkommen, das den Verlust der Biodiversität bis 2030 stoppt. Dabei sind einige Verhandlungsthemen von besonderer Bedeutung, auch und gerade für die Biodiversitätspolitik der Schweiz.
Umsetzung zur Aufgabe für alle machen
Dass die Aichi-Ziele nicht erreicht wurden, liegt allem voran an grossen Mängeln in der Umsetzung. In Zukunft soll diese nicht mehr jedem Land vollkommen selbst überlassen sein, sondern nach einheitlichen Vorgaben geplant werden, mit normierten Formaten für die Berichterstattung und einem verbindlichen Überprüfungsmechanismus. Zudem soll die Verantwortung für die Umsetzung von Biodiversitätszielen nicht mehr nur bei den Umweltressorts liegen, sondern als Querschnittaufgabe aller Politikbereiche verstanden werden («whole government approach»). Das ist auch für die Schweiz und ihre Biodiversitätsstrategie eine wichtige Botschaft: Der neue Aktionsplan, der ab 2023 in Kraft treten soll, muss weit mehr als bisher alle Politikbereiche gleichermassen verpflichten und für alle Ressorts verbindliche Vorgaben machen. Das bedeutet auch darauf zu achten, dass der Nutzungsdruck – etwa in der Landwirtschaft oder im Energiebereich – den Druck auf die Artenvielfalt nicht noch mehr erhöht. In diesem Punkt besteht auch im gegenwärtigen Entwurf des neuen globalen Rahmenabkommens Verbesserungsbedarf.
Flächen und Finanzen: es braucht mehr!
Flächenziele sind ein zentrales Thema, in der internationalen Diskussion genauso wie auf nationaler Ebene. Unter dem Motto «30by30» hat sich eine Gruppe von über 57 Ländern («High Ambition Coalition») dafür ausgesprochen, dass auf 30% der Land- und Meeresfläche die Bewahrung der Natur Vorrang haben soll. Die Schweiz gehört dieser Gruppe an – zu Recht, denn dieses Ziel ist auch für die Schweiz aus wissenschaftlicher Sicht nötig. Dabei geht es nicht nur um quantitative Ziele, sondern auch um qualitative Verbesserungen und um die Partizipation der betroffenen Bevölkerung. National wie auch international sind eine repräsentative Auswahl der Gebiete, ein fairer und umfassender Einbezug der GrundeigentümerInnen und aller Stakeholder nötig sowie ein abgestimmtes, wirksames und zielführendes Schutzgebietsmanagement.
Zur Diskussion stehen auch die Finanzen. Hierbei wird neben einer deutlichen Erhöhung der finanziellen Unterstützung an die Länder im globalen Süden (erneut) eine Umlenkung biodiversitätsschädigender Subventionen gefordert. Auch hier ergeben sich reichlich Ansatzpunkte für die Schweiz: sie reichen von der Erhöhung der finanziellen Mittel für die Biodiversität auf allen Stufen bis zur Abschaffung biodiversitätsschädigender Subventionen, deren Wert bekanntlich auf mindestens 40 Mrd. Franken jährlich geschätzt wird.
Wirtschaft und Konsum: Planetare Grenzen respektieren
Wer Biodiversitätsziele erreichen will, kommt nicht umhin, auch die Wirtschaft, den Handel und den Konsum in die Pflicht zu nehmen. Die Nachfrage in den Industrieländern und die Aktivitäten der dort angesiedelten Konzerne üben einen immensen Druck auf die Biodiversität in den Entwicklungsländern aus. Es braucht rechtlich verbindliche Spielregeln, dass ihre wirtschaftlichen Aktivitäten nicht zulasten von Umwelt und Menschenrechten gehen. Aktuell möchte der Entwurf des neuen globalen Biodiversitätsrahmenwerks nur die KonsumentInnen adressieren. Das reicht jedoch ebenso wenig wie rein freiwillige Verpflichtungen der Unternehmen. Die Schweiz zumindest hat mit dem Volksmehr zur Konzernverantwortungsinitiative ein klares Signal erhalten, dass mehr bindende staatliche Regeln gewünscht sind.
Es gibt noch viel zu tun… international und in der Schweiz
Der aktuelle Entwurf des neuen globalen Biodiversitätsvertrags liegt derzeit noch deutlich hinter den bestehenden Aichi-Zielen zurück, und berücksichtigt auch wichtige Aspekte der Biodiversitätskonvention nicht. In ihrem Bestreben nach einem griffigeren Vertragswerk liegen die Positionen der offiziellen Schweiz und von Pro Natura / Friends of the Earth erfreulicherweise in vielen Punkten nicht weit auseinander. Die Schweizer Delegation dürfte in den Verhandlungen manche der oben aufgeführten Forderungen aufgreifen. Bleibt zu hoffen, dass auch die Schweizer Biodiversitätspolitik, mit oder ohne starkes internationales Rahmenwerk, in Zukunft ambitionierter und griffiger wird.
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Ungezügeltes Wirtschaftswachstum, Liberalisierung und Globalisierung ohne Umweltauflagen haben im 20. Jahrhundert die natürlichen Ressourcen der Welt an den Rand der Erschöpfung gebracht, verbunden mit einem dramatischen Rückgang der Biodiversität und sozialem Ungleichgewicht.
Dabei verursachen die Industrienationen den überwiegenden Teil der Umweltzerstörung. Betroffen sind aber vor allem die Länder im Süden. Klimawandel und extreme Umweltbedingungen wirken sich dort katastrophal aus, wo die Möglichkeiten der Natur und der Menschen zur Anpassung am geringsten sind.
Wir arbeiten mit
Durch unsere Mitgliedschaft in und Arbeit mit internationalen Organisationen, namentlich im Netzwerk «Friends of the Earth» und in der IUCN, stärken wir die Erhaltung der Biodiversität weltweit. Wir unterstützen Umweltbewegungen in anderen Ländern, damit sich gerechte Gesellschaften im Einklang mit der Natur entwickeln können. Im Wissen um die ökologischen Zusammenhänge und um unsere Verantwortung in einer globalisierten Welt setzen wir uns dafür ein, dass die die Schweiz ihre Verantwortung in der Welt wahrnimmt.
Ziele:
- Der internationale institutionelle und rechtliche Rahmen für die Erhaltung der Biodiversität und den Umweltschutz ist gestärkt, und ebenso die gesetzgeberischen Instrumente in der Schweiz.
- Die im Natur- und Umweltschutz tätigen Partnerorganisationen in Europa und im globalen Süden - werden gestärkt.
- Unsere MitarbeiterInnen erweitern stetig ihr Verständnis von internationalen Zusammenhängen in ihrem Arbeitsbereich und sind in der Lage, die nationalen Debatten zu den internationalen Herausforderungen zu beeinflussen.
- Durch unser Engagement in den Gremien der internationalen Organisationen, deren Mitglied wir sind, tragen wir zur Entwicklung dieser Organisationen bei.
- Als führende Organisation eines reichen Landes mit starken Umweltauswirkungen auf andere Teile der Welt setzen wir uns für nachhaltige und auf Suffizienz basierende Gesellschaften. Wir sind solidarisch mit den Menschen, die unter den ökologischen Folgen unseres nicht nachhaltigen Lebensstils leiden.
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Matthias Sorg
- Demonstration von FoEI an der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen © Matthias Sorg Demonstration von FoEI an der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen.
Pro Natura engagiert sich auf mehreren Ebenen:
- Mit aktiver Beteiligung an politischen Prozessen. Wir nehmen Einfluss auf die internationale Politik der Schweiz und beteiligt uns als Anwältin der Natur an internationalen Verhandlungen.
- Im Rahmen des weltweiten Umweltnetzwerkes von «Friends of the Earth» engagieren wir uns seit 1995 an der Ausgestaltung einer nachhaltigen, globalen Umweltpolitik.
- Als Mitglied der «IUCN - International Union for Conservation of Nature», die Pro Natura mitgegründet hat und auf lokaler Ebene im Rahmen der CIPRA.
- Durch die Unterstützung von Naturschutzpartnern in Mittel- und Osteuropa.
«Wir sind Teil einer weltweiten Bewegung, die sich für den Erhalt der ökologischen und kulturellen Vielfalt unseres Planeten einsetzt, für uns selbst und für künftige Generationen. (...) Pro Natura ist sowohl regional mit ihren Sektionen, national mit dem Zentralverband als auch international als Schweizer Mitglied des Netzwerks Friends of the Earth und als Gründungsmitglied der IUCN verankert».
Unsere internationalen Projekte
Heckenverbindungen
Die neue Generation Blauflügeliger Ödlandschrecken entdecken
Rund 120 Eier legt das Weibchen der Blauflügeligen Ödlandschrecke Ende Sommer in den Boden. Miterleben, wie ihre Jungtiere das Licht der Welt erblicken, wird sie nicht. Denn während die nächste Generation im Eistadium den Winter überdauert, sterben die Elterntiere mit dem ersten Frost im Herbst. Zwischen April und Mai schlüpfen dann die nur wenige Millimeter grossen Nymphen. Sie sehen zwar schon aus wie Miniaturversionen ihrer Eltern, die namensgebenden blauen Flügel fehlen jedoch noch. Um diese zu entwickeln, häuten sich die Weibchen vier und die Männchen fünfmal und passen dabei ihre Grundfärbung der Umgebung an.
Die bedrohte Welt der Insekten
«Neben der Blauflügeligen Ödlandschrecke erwachen auch viele andere Insekten im Frühling zum Leben. Der ideale Zeitpunkt, diese genauer zu studieren», sagt Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung bei Pro Natura. Schliesslich machen Insekten 60 Prozent aller Tierarten weltweit aus und 60 Prozent der Schweizer Insekten sind gefährdet. Dabei sind sie zentral für natürliche Kreisläufe wie die Bestäubung oder die Umwandlung von totem Material. Wo Insekten bedroht sind, sind deshalb auch unsere Lebensgrundlagen bedroht.
Beobachten, bestimmen, fördern
Ob mit der Schulklasse, der Familie oder auch allein; Insekten lassen sich in der Natur wunderbar entdecken. Unser Tier des Jahres zum Beispiel findet man auf sonnig, kargem Gelände, wie Kiesbänken oder verwilderten Bahn- und Gewerbearealen, bevorzugt im Wallis, Tessin und entlang des Jurasüdhangs.
Um auch die vielen anderen Insekten besser zu verstehen, hat Pro Natura einen Bestimmungsfächer sowie ein Naturtagebuch entwickelt. «Letzteres liefert auch Tipps, wie Balkon, Garten oder Schulhof insektenfreundlicher gestaltet werden können, damit im nächsten Frühjahr wieder eine neue Insektengeneration zum Leben erwacht», ergänzt Elisabeth Karrer.
Weitere Informationen:
- Insekten entdecken mit Naturtagebuch und Bestimmungsfächer
- Dossier zum Tier des Jahres 2023
- Das Insektensterben bedroht unsere Lebensgrundlage
Kontakt:
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Headerfoto: © Christian Roesti
Les œdipodes turquoise vont éclore
À la fin de l’été, la femelle de l’œdipode turquoise dépose environ 120 œufs dans le sol. Elle ne verra pas naître sa progéniture. Alors que la génération à venir passe l’hiver au stade de l’œuf, les parents meurent dès les premières gelées d’automne. Les nymphes éclosent entre avril et mai de l’année suivante. Mesurant à peine quelques millimètres, ce sont des versions miniatures des insectes adultes, moins les ailes azurées qui donnent son nom à l’espèce. Avant leur apparition, les femelles connaîtront quatre mues et les mâles cinq, la couleur de base de leur livrée s’adaptant à celle de leur environnement.
Le monde menacé des insectes
«Comme l’œdipode turquoise, beaucoup d’insectes reprennent vie au printemps. C’est le moment idéal pour les observer», explique Delphine Seydoux, responsable Ecole Suisse romande. Rappelons que 60 % des espèces animales de la planète sont des insectes – et que 60 % des insectes suisses sont menacés. Ils jouent un rôle capital dans les cycles naturels comme la pollinisation ou la transformation des matériaux morts. Quand les insectes sont en danger, les conditions essentielles à notre vie sur Terre le sont aussi.
Observer, déterminer, promouvoir
Dans le cadre d’une sortie scolaire, en famille ou en solo, il est passionnant d’observer les insectes dans leurs habitats naturels. Notre Animal de l’année se rencontre sur des sols arides et ensoleillés comme les bancs de graviers et les terrains en friche, en bordure des voies ferrées et des zones industrielles, de préférence en Valais, au Tessin et le long du versant sud du Jura.
Pour mieux comprendre le monde des insectes qui nous entourent, Pro Natura a édité des guides de poche et des informations permettant d’identifier les espèces, ainsi qu’un journal de terrain. «Ce dernier montre aussi comment aménager balcons, jardins et préaux pour que les insectes s’y sentent mieux, ajoute Delphine Seydoux, afin que la prochaine génération puisse éclore au printemps prochain.»
Informations complémentaires:
- Découvrir les insectes
- Dossier sur l’Animal de l’année 2023
- La disparition des insectes menace nos conditions d’existence
Contacts:
- Delphine Seydoux, responsable Ecole Suisse romande, tél. 079 357 27 99, @email
- Leo Richard, chargé de communication Pro Natura, tél. 079 378 37 11, @email
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Photo: © Christian Roesti
Pro Natura Vaud s’engage pour la biodiversité en milieu agricole
Stand – Kommen Sie vorbei!
Pro Specie Rara Markt Wildegg
Informieren sie sich an unserem Stand über unsere Arbeit, Naturschutz oder die Förderung der Natur bei Ihnen zu Hause und kaufen Produkte aus unserem Shop.
Wir freuen uns, über Ihren Besuch!
Öffnungszeiten:
Sa, 02.05.2026, 09:00 - 17:00
So, 03.05.2026, 09:00 - 16:00
Weitere Informationen zum Setzlingsmarkt: https://www.prospecierara.ch/erleben/veranstaltungen/veranstaltungen-de…
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Pro Natura AGDettagli dell'evento
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Schloss Wildegg
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Costo
gratis
Mulchregelung bedroht Biodiversität im Alpenraum
Mit einem Grossteil der Anpassungen im neuen Landwirtschaftspaket 2023 zeigt sich Pro Natura einverstanden. Aber: «Die vorgeschlagene Regelung für das Mulchen im Sömmerungsgebiet ist ein Rückschritt für die akut bedrohte Biodiversität und muss zurückgewiesen werden», betont Marcel Liner, Experte für Agrarpolitik bei Pro Natura.
Fehlende wissenschaftliche Grundlagen
Moderne Mulchgeräte sehen aus wie überdimensionierte Rasenmäher oder sind an Traktoren befestigt. In den sensiblen und bisher wenig beeinflussten Naturgebieten der Alpen hinterlassen sie entsprechende Verwüstung. Fotos von gemulchten Flächen im Alpenraum zeigen, welche drastischen Folgen ein grossflächiger und unsachgemässer Einsatz haben kann: aufgerissener Boden und verhäckselte Zwergsträucher auf den sonst naturnahen Alpflächen. «Das ist nicht nur unschön anzusehen und negativ für den Tourismus, sondern schädigt auch Biodiversität und Boden», kritisiert Liner. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen beispielsweise auf die stark bedrohte Insektenwelt im Alpenraum fehlten im Vorschlag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW).
Mehr administrativer Aufwand
«Mit dem unausgereiften Vorschlag zum Mulchen im Sömmerungsgebiet hat das BLW dem Druck einiger weniger Kantone nachgegeben», bedauert Liner. Dabei ist die Unterscheidung zwischen Weidepflege und Entbuschung, wie sie die Vorlage vorsieht, in der Praxis kaum umsetzbar und wird den administrativen Aufwand für die Kantone weiter erhöhen.
Auch Pro Natura ist der Ansicht, dass Weiden vor Verbuschung und Vergandung geschützt werden müssen. «Das sieht die bestehende Direktzahlungsverordnung schon jetzt so vor. Doch der Trend hin zu immer weniger und immer grösseren Landwirtschaftsbetrieben führt zu laufend weniger Arbeitskräften, weniger Biodiversität und zu einem Rückgang von Ziegen und alptauglichen Rindern», so der Experte.
Es braucht regionale Alpkonzepte
Die übergeordneten Herausforderungen der Alpwirtschaft werden allein mit mehr Maschineneinsatz nicht gelöst. Dafür sind regionale Alpkonzepte notwendig, die aufzeigen welche Alpen in den kommenden Jahrzehnten überhaupt weiterhin bestossen werden können, wo genügend Tiere vorhanden sind und wo eine Bewirtschaftung besser aufgegeben werden muss. Darum weist Pro Natura die neue Mulchregelung des BLW zurück. Agrarexperte Liner bekräftigt: «Zuerst braucht es eine grundsätzliche Diskussion über eine Alpwirtschaft mit Zukunft.»
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Medienmitteilung zur Vernehmlassungsantwort zum Landwirtschaftspaket 2023
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Exkursion
Excursion le brame des cerfs I
Le brame des cerfs résonne à travers la forêt d'Aletsch. À l'aube, nous partons à l'affût à la recherche des rois de la forêt d'Aletsch et avec un peu de chance nous pourrons les observer en train de bramer.
Coûts
- Adultes: CHF 15.-
- Enfants (7 à 16 ans): CHF 7.50
Guide
Nathan Rudin, ingénieur en sciences de l'environnement
Point de rendez-vous
Rassemblez-vous à l'heure indiquée devant la Villa Cassel et restez silencieux.
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Participant·e·s: Minimum 6, maximum 15 personnes; enfants à partir de 7 ans.
Une inscription est obligatoire.
Der Biber — Landschaftsgestalter und Klimahelfer
Ausbau der Erneuerbaren: UREK-N sagt Ja zum Biotopschutz - doch der Kompromiss braucht noch Verbesserungen
Die UREK-N stellt sich hinter die wertvollsten Naturgebiete in der Schweiz, was die Umweltallianz begrüsst. Die Biotope von nationaler Bedeutung umfassen Moore, Auen, Trockenwiesen und Amphibienlaichgebiete und machen nur gerade 2 Prozent unserer Landesfläche aus, beherbergen aber ein Drittel aller bedrohten Tier- und Pflanzenarten. So speichern sie beispielsweise auch CO2 und schützen uns vor Dürren und Überschwemmungen. Dieses Herz der Natur ist im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise besonders wichtig.
Zugleich relativiert die Kommission aber den Schutz für Gletschervorfelder und alpine Schwemmebenen, die mit dem Rückzug der Gletscher nationale Bedeutung erreichen könnten. Dies ist aus wissenschaftlicher Sicht unnötig und bedauerlich, denn viele dieser Pionierstandorte sind sehr selten und somit für den Erhalt der Biodiversität der Alpen zentral. Für eine sichere Winterstromversorgung ist es nicht notwendig, diese Gebiete zu nutzen.
Für die Winterstromversorgung will die UREK-N auf die 15 Projekte des Runden Tisches Wasserkraft setzen. Die Umweltverbände betonen, dass die geltenden Verfahren dazu eingehalten und die am Runden Tisch zugesagten Schutz- und Ausgleichsmassnahmen ebenfalls angewendet werden müssen.
Die erweiterte Pflicht für Solarenergie auf Neubauten und Infrastrukturbauten geht in die richtige Richtung. Der Solarausbau sollte prioritär auf bestehender Infrastruktur stattfinden. Sehr kritisch sehen die Umweltorganisationen die Standortgebundenheit der Windanlagen im Wald, da die Biodiversität im Wald wesentlich höher ist als im Kulturland.
Aktion «Retten wir das Herz der Schweizer Natur»
Diverse Verbände appellieren gemeinsam an die Politik, am Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung festzuhalten. Ohne Biotopschutz könnten unersetzbare Lebensräume verbaut und für immer zerstört werden. Dazu gehören z.B. die wilde Natur in der Greina, im Val Roseg, in Zinal oder im Maderanertal.
Weitere Informationen:
- So retten wir die Biotope von nationaler Bedeutung: www.biotopschutz.ch
- So gelingt uns die naturverträgliche Energiewende: www.energiewende2035.umweltallianz.ch
Kontakt:
- Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Energie-, Gewässerschutz- und Klimapolitik, 061 317 92 29, @email
- WWF Schweiz: Christoph Kinsperger, Kommunikationsberater, 078 749 88 14, @email
- Bird Life Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, 076 308 66 84, @email
- Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte, 079 785 07 38, @email
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Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz und Pro Natura
BLN Greina – Piz Medel GR © Jan Gürke
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In Genf wird die Bekämpfung der Biodiversitätskrise vorbereitet
«In den nächsten zwei Wochen werden in der Schweiz wichtige Weichen gestellt», betont Friedrich Wulf. Der Leiter internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura ist mit Vertreterinnen und Vertretern der 195 Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention (CBD), von Umweltorganisationen und Unternehmen in Genf dabei, um neue Ziele, deren Umsetzung und die Erfolgsindikatoren im Kampf gegen die Biodiversitätskrise zu definieren. Das neue globale Rahmenwerk soll bis 2030 gelten und Ende Sommer an der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP15) der Biodiversitätskonvention im chinesischen Kunming verabschiedet werden. In vielerlei Hinsicht sind sich die Vertragsparteien aber noch uneinig. Hier die wichtigsten Knackpunkte, die vom 14. - 29. März diskutiert werden:
1. Die Umsetzung
Keines der 20 Ziele der COP10 von 2010 wurde vollständig erreicht. «Das liegt unter anderem daran, dass die Umsetzung schlecht ausgestatteten Umweltämtern überlassen wurde, während Wirtschafts-, Verkehrs- und Landwirtschaftsämter der Artenvielfalt weiter schadeten», erklärt Wulf. Deshalb müssen verbindliche Umsetzungsmechanismen vereinbart und alle Ämter in die Pflicht genommen werden. Zur Umsetzung der neuen Ziele besteht derzeit eine Finanzierungslücke von mindestens 700 Milliarden Franken. «Einen Grossteil davon könnte man gewinnen, indem man alle biodiversitätsschädigenden Subventionen abschafft oder umwandelt und die Treiber des Biodiversitätsverlustes verringert», fordert der Biodiversitätsexperte.
2. Die Artenvielfalt
Eine «Koalition der hohen Ambitionen», der auch die Schweiz angehört, will erreichen, dass bis 2030 insgesamt 30 Prozent des Planeten unter Schutz gestellt werden. «Derzeit geniessen schweizweit nur 6 Prozent und weltweit gut 16 Prozent der Fläche einen rechtlich umfassenden Schutz (im indirekten Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative verfolgt der Bundesrat ein nationales Ziel von lediglich 17 Prozent). Mit der Fläche allein ist es aber nicht getan: Die Gebiete müssen repräsentativ, gut vernetzt und vor allem wirksam gepflegt werden», betont Wulf. Zudem müssten beim Schaffen von Schutzgebieten auch die Rechte der Bevölkerung umfassend geachtet werden.
3. Der Überkonsum
Die Rettung der Artenvielfalt kann nicht allein den Konsumierenden und Unternehmen überlassen werden, wie es im Entwurf steht. «Die Staaten sind gefordert, Regeln und Anreize einzuführen, um die Wirtschaft in nachhaltige Bahnen zu lenken und den Überkonsum und dessen schädigende Auswirkungen auf Ökosysteme zu reduzieren», so der Pro Natura Vertreter.
4. Die genetischen Ressourcen
Für den Austausch von Pflanzen und Tieren mit Heilwirkungen wurden indigene Hüter und Hüterinnen der Biodiversität bislang entlohnt. Dank gentechnischer Methoden ist es nicht mehr nötig, auf dieses Material physisch zuzugreifen. «Wir fordern, dass auch die digitale Weitergabe genetischer Informationen der Pflicht unterliegt, die Profite daraus zu teilen und dass die Schweiz als wichtigen Pharmastandort sich dafür engagiert», bekräftigt Wulf.
5. Erhaltung muss Vorrang haben
Das neue Rahmenwerk will 20 Prozent der degradierten Ökosysteme wieder herstellen. Der Erhalt von über Jahrhunderte gewachsener Moore und Wälder muss aber unbedingt Vorrang haben. «Die eigentlichen Probleme wie der Verbrauch fossiler Brennstoffe oder der Verlust wertvoller Naturflächen müssen gestoppt werden und können nicht mit dem Aufforsten neuer Wälder wiedergutgemacht werden», erläutert Wulf.
Kontakt
Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, @email
Medienstelle, Tel. 079 826 69 47, @email
Biodiversitätskrise kurz erklärt
Mit unserem Lebenswandel haben wir Menschen drei Viertel der Landfläche und zwei Drittel der Meere stark beeinträchtigt und dabei unzählige Lebensräume zerstört und Arten ausgerottet. Wenn sich nichts ändert, werden rund eine Million Tier- und Pflanzenarten in den nächsten Jahrzehnten von der Erde verschwinden. Das hat drastische Folgen für die Ökosysteme, von denen wir Menschen abhängig sind. Moore und Wälder speichern CO2, Insekten bestäuben die Pflanzen, die unser Essen produzieren und Würmer halten unsere Böden fruchtbar. Um diese Kreisläufe zu erhalten, müssen wir jetzt Gegensteuer geben: www.biodiversitaetsinitiative.ch
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Vorbereitungen CBD COP15
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Pressebild Friedrich Wulf © IISDBiodiversitätskonvention: Ein Rahmenwerk voller [eckiger Klammern]
Die Biodiversitätskonvention (CBD) ist das wichtigste internationale Umweltabkommen zum Schutz der Biodiversität auf der Erde. Ihr Ziel ist es, globale Lösungen zur Biodiversitätskrise zu finden. Die Biodiversitätskonvention setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der 195 Vertragsstaaten inkl. der EU zusammen. Auch Wissenschaftler, Unternehmen und Umweltorganisationen nehmen an den Verhandlungen teil, haben aber kein Stimmrecht.
Pro Natura ist eine der Vertreterinnen aus der Schweiz, und vertritt auch Friends of the Earth Europe auf der Konferenz.
Der Vorläufer des globalen Rahmenwerks war bis 2020 gültig. An der Konferenz in Genf wurde nun ein neues globales Rahmenwerk erarbeitet. Dieses soll im Herbst 2022 an der 15. Vertragskonferenz (Conference of the Parties, COP15) in China verabschiedet werden und bis 2030 gelten.
Das globale Rahmenwerk legt die Ziele fest, die weltweit zum Schutz der Biodiversität bis 2030 erreicht werden sollen. Für das neue globale Rahmenwerk wurde ein zyklischer Umsetzungsmechanismus definiert, der die Umsetzung verbessern soll:
- Die Ziele des Rahmenwerks werden in die jeweiligen nationalen Biodiversitätsstrategien eingearbeitet.
- In den 7. und 8. Nationalberichten 2024 und 2029 muss zum Umsetzungsstand berichtet werden.
- Darauf aufbauend sollen die Massnahmen nachjustiert werden.
Mit weltweit einheitlichen Indikatoren wird gemessen, ob ein Ziel erreicht wurde. Hier konnten wir uns gemeinsam mit unseren Dachverbänden FoEI und FoEE (Friends of the Earth International und Europe) erfolgreich einbringen. Relevantere, zu den Zielen passende Indikatoren sollen im neuen Rahmenwerk ungeeignete Indikatoren ersetzen, z.B. solche, die falsche Anreize setzen.
Ein Beispiel: Ein Indikator soll nicht die Produktivität eines Ökosystems ins Zentrum stellen, sondern die Nachhaltigkeit seiner Nutzung.
Pro Natura zieht Bilanz
Bei der Zielsetzung des globalen Rahmenwerks wurde jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Die Zeit war knapp und NGOs kamen deswegen in den Verhandlungen wenig zu Wort. Im Vorfeld hatte Friedrich Wulf, Leiter der internationalen Biodiversitätspolitik bei Pro Natura, Knackpunkte herausgestellt. Nun zieht er Bilanz:
1. Austausch und Standardisierung sollen Umsetzung vorantreiben
Im letzten Rahmenwerk harzte es mächtig mit der Umsetzung – sie blieb allein den Umweltämtern überlassen, und es gab keine Richtlinien, wie die Umsetzung erfolgen und verfolgt werden soll. Dies soll im neuen Entwurf deutlich verbessert werden:
- Es wird ein zyklischer Umsetzungsmechanismus vorgeschlagen, welcher auf nationaler Ebene alle Ämter in die Pflicht nimmt. Für diese Lösung hat sich die Schweiz sehr konstruktiv engagiert. Allerdings fand ihr Vorschlag, ein internationales Dialogforum einzurichten, zu wenig Unterstützung.
- Es werden international standardisierte Vorlagen vorgeschlagen, in denen die nationalen Biodiversitätsstrategien und Berichte verfasst werden. Auf diesen können dann die Nachbesserungen bei der Umsetzung aufbauen. Leider reichte die Zeit nicht, die Vorschläge zu besprechen und zu beschliessen. Dies soll nun im Juni erfolgen.
2. Die Finanzierung: der grosse Elefant im Raum
Zur Umsetzung der neuen Ziele besteht eine globale Finanzierungslücke von mindestens 700 Milliarden Franken. Kein Land ist derzeit bereit, seine Beiträge deutlich zu erhöhen. Ein Global Biodiversity Fund, also ein spezielles Finanzierungsinstrument für die globale Biodiversität, bleibt illusionär.
Einen Grossteil der Finanzierung könnte man gewinnen, wenn alle biodiversitätsschädigenden Subventionen abgeschafft oder umgewandelt werden. Darüber sind sich die Vertragsstaaten zwar einig, das Problem besteht aber darin, diese Subventionen zu identifizieren und anschliessend durchzusetzen, dass sie eine andere Zweckbestimmung bekommen oder ganz abgeschafft werden. Zudem befriedigt dies nicht die Finanzierungswünsche der Entwicklungsländer.
Die Finanzierungsfrage konnte in dieser Vorbereitungskonferenz nicht geklärt werden. Auf der COP15 im Herbst 2022, wo das Rahmenwerk verabschiedet werden soll, wird der Druck aber deutlich höher sein. Denn die Entwicklungsländer werden ohne klare Finanzierungszusagen dem Rahmenwerk nicht zustimmen. Das haben sie auf der Vorbereitungskonferenz noch einmal deutlich gemacht.
3. Die Verantwortung: Staaten müssen in die Pflicht genommen werden
Die Rettung der biologischen Vielfalt kann nicht den Unternehmen und Konsumenten allein überlassen werden. Staaten müssen Regeln und Anreize einführen, um den Überkonsum zu reduzieren, der für viele schädigende Auswirkungen auf Ökosysteme verantwortlich ist.
Auch hier haben wir einen grossen Schritt geschafft, um die Staaten in die Pflicht zu nehmen. Es soll in ihrer Verantwortung sein, Leitplanken aufzustellen und staatliche Regulierungen einzuleiten.
4. Die geschützten Flächen: ein Flächenziel allein reicht nicht
Eine «Koalition der hohen Ambitionen», der auch die Schweiz angehört, will erreichen, dass bis 2030 insgesamt 30 Prozent des Planeten unter Schutz gestellt werden. Trotz starker Unterstützung durch viele Staaten, ist es noch offen, ob man sich auf einen konkreten Prozentwert einigen wird.
Auch die für uns sehr wichtige Frage, ob die Rechte der Indigenen gewahrt werden müssen, ist noch nicht entschieden. Es ist notwendig, dass ihre Gebiete miteinbezogen werden und alle Gebiete repräsentativ, wirksam und gerecht verwaltet und durch ökologische Korridore miteinander verbunden werden. Nur Gebiete, die all diesen Kriterien entsprechen, dürfen dem Ziel angerechnet werden.
Ein Flächenziel darf nicht auf Kosten der Indigenen erreicht werden, die aus ihren Gebieten vertrieben werden. Es braucht einen Indikator, der die Einhaltung der Menschenrechte überprüft. Dieser wurde im jetzigen Entwurf noch nicht geschaffen.
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Bertrand Sansonnens
- Die indigene und lokale Bevölkerung ist die beste Hüterin der Biodiversität – Die Rechte der Indigenen müssen zwingend gewahrt werden.
5. Erhaltung vor Wiederherstellung: Einigkeit über den Erhalt von Lebensräumen
Auch im neuen Vorschlag sollen voraussichtlich 20 % der degradierten Ökosysteme wieder hergestellt werden. Der Erhalt bestehender Lebensräume, etwa von jahrhundertalten Mooren und Wäldern, muss aber unbedingt Vorrang haben. Diesen Vorschlag haben die NGOs erfolgreich eingebracht, es bleibt zu hoffen, dass er Bestand hat und in der endgültigen Fassung enthalten ist.
Die Zeit war zu knapp, die Positionen zu unterschiedlich
Zwei Jahre lang haben sich die Delegierten der Länder nicht persönlich getroffen. So ist es trotz aller Online-Meetings nicht verwunderlich, dass es viel Nachholbedarf gab. Dennoch reichte die Zeit an allen Ecken und Enden nicht aus, um die vielen Verhandlungsstränge zu Ende zu bringen. Die provisorisch verabschiedeten Texte strotzen vor eckigen Klammern. Diese werden um Vorschläge gesetzt, zu denen noch keine Einigkeit besteht. Bevor die für September angesetzte Vertragsstaatenkonferenz in China startet, wird es deswegen eine weitere Verhandlungsrunde geben. Sie findet im Juni in Nairobi statt.
Angesichts der Biodiversitätskrise müssen nationale und wirtschaftliche Interessen zurückgestellt werden. Der Wille dazu war bei den Verhandlungen in Genf jedoch noch kaum zu erkennen. Im Gegenteil: einige Ziele im Entwurf wurden deutlich verwässert, nur um eine Einigung zu erzielen. Es bleibt zu hoffen, dass es auf der nächsten Verhandlungsrunde in Nairobi gelingt, das Niveau zu halten und wirksame und ehrgeizige Ziele zu verabschieden. Sonst wird das neue globale Rahmenwerk tatsächlich schlechter als sein Vorgänger.