Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Biodiversität in der Schweiz – Wenn wir nichts tun, sehen wir Laubfrosch und Wiedehopf nie wieder. Pro Natura
22.05.2023 Biodiversitätskrise

Die Krise der Biodiversität: ein gigantischer Dominoeffekt

Knapp ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des historischen Biodiversitätsabkommens von Montreal-Kunming hat sich in der Schweiz kaum etwas getan für die Natur. Im Gegenteil: Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wissen nicht einmal, wie schlecht es der Natur in ihrem Land geht. Am 22. Mai, dem internationalen Tag der Biodiversität, zeigt Pro Natura vor dem Bundeshaus mit einem riesigen Dominoeffekt, dass ein Zusammenbruch der biologischen Vielfalt die Grundlagen der menschlichen Existenz bedroht.

Drei von fünf Personen sind laut einer gfs-Umfrage der Meinung, dass es der Biodiversität in der Schweiz ziemlich gut geht. Dabei sind mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und die Hälfte aller Lebensräume hierzulande bedroht. «Diese Diskrepanz ist hoch problematisch», kritisiert Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura. «Solange sich die Bevölkerung der Biodiversitätskrise und ihrer Folgen nicht bewusst ist, wird die Schweiz ihre im Dezember 2022 in Montreal eingegangenen Verpflichtungen zum Schutz der Natur kaum umsetzen und setzt damit unsere Lebensgrundalge aufs Spiel», warnt sie.

Ein Sinnbild des Artensterbens auf dem Bundesplatz

Die Situation erfordert einen Weckruf! Zum Internationalen Tag der Biodiversität am 22. Mai stellt Pro Natura deshalb riesige Dominosteine mit Bildern einheimischer Tier- und Pflanzenarten auf den Bundesplatz. Im Beisein diverser Naturbotschafter:innen fallen um fünf vor zwölf die Steine und zeigen den gigantischen Dominoeffekt, der durch das Massenaussterben der Arten ausgelöst wird. Mit jeder Art, die fällt, werden die natürlichen Kreisläufe weiter geschwächt, bis die Art kippt, die den Effekt angestossen hat: der Mensch.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird die Biodiversitätskrise direkte Auswirkungen auf die Schweizer Bevölkerung haben. Sie bedroht natürliche Leistungen wie die Reinigung von Wasser und Luft, die Schutzwirkung der Wälder vor Lawinen und Erdrutschen, aber auch die Landwirtschaft, die von bestäubenden Insekten abhängig ist und unser psychisches Wohlergehen, das von intakter Natur profitiert.

Die Biodiversität muss zum zentralen Wahlthema werden

«Unter den OECD-Ländern ist die Schweiz das Schlusslicht in Sachen Naturschutz», bedauert Friedrich Wulf, Experte für internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura und Sekretär des Schweizer Komitees der IUCN (International Union for Conservation of Nature). «Wir haben die höchste Anzahl bedrohter Arten und mit nur 6,6 % den geringsten Anteil streng geschützter Landesfläche.»

«Damit sich das ändert, muss die Biodiversität zu einem zentralen Thema der nationalen Wahlen diesen Herbst werden», fordert Pro Natura Präsidentin Schneider Schüttel. «Alle Kandidierenden sollten systematisch nach ihren Vorschlägen zur Bewältigung der Biodiversitätskrise gefragt werden. Nur so können die Schweizerinnen und Schweizer bei den nationalen Wahlen im Herbst auch der Natur eine Stimme geben.»

Kontakte:

  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, @email, 078 603 87 25
  • Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 061 317 91 44
  • Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, @email,
    079 216 02 06
  • Medienstelle: Sarah Huwiler, Stv. Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47

Pressebilder:

Gleich im Anschluss an die Aktion stellen wir unter folgendem Link Bildmaterial der Aktion zu Verfügung: www.pronatura.ch/de/pressebilder-biodiversitaetsdomino

Die Biodiversitätskrise in der Politik

Trotz anerkanntem Handlungsbedarf verweigert die Kommission des Ständerates die Diskussion über die Biodiversitätskrise. Wer den verheerenden Dominoeffekt des Artensterbens verstanden hat, kann den Ständerat hier zum Umdenken auffordern: appell-biodiversität.ch

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Dominoeffekt der Biodiversitätskrise © Pro Natura

Gletschervorfeld Graubünden
19.05.2023 Biodiversitätskrise

Ja zum Klimaschutzgesetz

Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist die Schweizer Klimapolitik kaum vom Fleck gekommen. Damit es im Klimaschutz nun endlich vorangeht: Sagen Sie am 18. Juni Ja zum Klimaschutzgesetz.

«Schützen, was uns wichtig ist», lautet der Slogan für ein Ja zum Klimaschutzgesetz. Es geht um unsere Gletscher, den letzten Rest unserer Natur, das – vermeintliche – Wasserschloss Schweiz und um kommende Generationen. Letztlich geht es beim Klimaschutz aber noch um wesentlich Grundsätzlicheres. Ein wenig pointiert müsste die Abstimmung darum unter dem Zeichen «Retten, was zu retten ist» stehen, denn es geht schliesslich darum zu schützen, was uns (über)leben lässt. Bedroht ist nämlich nicht nur das Klima, sondern jene natürlichen Prozesse, die Biodiversität und die Lebensräume, ­welche für die Bodenfruchtbarkeit oder den Wasserhaushalt von Bedeutung sind. 

Nur: Statt rasch und entschlossen zu handeln, haben wir es jahrelang sträflich verpasst, die Weichen rechtzeitig zu ­stellen. Noch 2021 ist das CO2-Gesetz an der Urne knapp gescheitert, obschon die Schweiz als Land der Hyperkonsumenten und der riesigen Investitionsvolumen ­besonders in der Verantwortung steht, ihren Teil zur Lösung dieses globalen ­Problems beizutragen. Jetzt bietet sich am 18. Juni die Chance, diesem verant­wortungslosen Treiben mindestens ­ansatzweise Einhalt zu gebieten und ­unseren Zusagen an die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens auch endlich ernsthaft anzugehen. 

Das Klimaschutzgesetz bietet die ­dringend notwendige Grundlage dafür, denn es:

• setzt klare Ziele (Netto-Null bis 2050). 

• definiert einen entsprechenden Absenkpfad.

• arbeitet nicht mit Verboten oder Steuererhöhungen, sondern mit Zielen, Investitionen und Innovationsförderung. 

• sieht Massnahmen vor, um die durch den Klimawandel bedingten nachteiligen Auswirkungen anzugehen.

• strebt an, die massiven Finanzmittelflüsse aus der Schweiz nachhaltiger auszugestalten.

Ein Ja zum Klimaschutzgesetz schafft das Fundament für besseren Klimaschutz, ­effizientere Energienutzung, weniger ­Abhängigkeit von ausländischen Öl- und Gasimporten. Die Schweiz kann in ­Sachen Innovationen und neue Technologien ­verlorenes Terrain aufholen und parallel zu der daraus erzeugten Wertschöpfung die eigene Energiesicherheit stärken. Alles anderes als ein Ja am 18. Juni wäre darum kurzsichtig, gefährlich und ein Schlag ins Gesicht kommender Generationen.  

MICHAEL CASANOVA ist bei Pro Natura zuständig für die Klima-, Energie- und Gewässerschutzpolitik.

Klimaschutzgesetz Urs Flüeler
Ja zum Klimaschutzgesetz
Ja zum Klimaschutzgesetz
Mit dem JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni setzen wir Ziele für den Klimaschutz. Wir schützen, was uns wichtig ist. Und wir übernehmen Verantwortung für die kommenden Generationen.

 «Nicht nur die Städte, auch die Landschaft erhitzt sich stark»

Treffen wir keine Massnahmen für den Klimaschutz, droht auch dem Mittelland Ungemach: mehr Trockenheiten und Überschwemmungen. Der emeritierte Uniprofessor Rolf Weingartner erläutert, weshalb er sich für ein Ja zum Klimaschutzgesetz stark macht.

Pro Natura Magazin: Der Sommer 2022 war in der Schweiz generell sehr trocken, der Sommer im Jahr ­zuvor brachte Hochwasser und Überschwemmungen. Sind dies Auswirkungen des globalen Klimawandels? 
Rolf Weingartner: Ja, solche Ereignisse häufen sich durch den globalen Tempe­raturanstieg ganz klar. Entscheidende ­Prozesse des Wasserkreislaufs werden durch die Temperatur gesteuert. Steigt die globale Temperatur, so schmelzen die Gletscher, es fällt weniger Schnee und die Nullgradgrenze steigt. Diese Prozesse werden sich durch das Voranschreiten der Klimaerwärmung noch verstärken. 

Warum führt der globale Temperaturanstieg auch zu mehr Überschwemmungen? 
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit ­aufnehmen, pro Grad Temperaturanstieg rund 7 Prozent mehr. Deshalb gibt
es auch stärkere Regenfälle. Fallen diese auf ausgetrocknete Böden, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. Dies ­geschah zum Beispiel im Juli 2022 im ­Kemmeriboden im Emmental, wo es zu einem extremen Hochwasser kam. 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Überschwemmungen beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad

Steigen die Temperaturen, kommt es auch zu mehr Überschwemmungen. Denn wenn viel Regen auf ausgetrocknete Böden fällt, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. So geschehen im Juli 2022 beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad.

Dass die Alpengletscher durch den Klimawandel sehr stark abschmelzen, ist allmählich im Bewusstsein der ­Bevölkerung angekommen. Welche Auswirkungen hat der globale Temperaturanstieg generell aufs Mittelland? 
Der Temperaturanstieg führt zu einer ­Erhöhung der Verdunstung. Zudem gibt es im Sommer weniger Niederschläge. Dies führt auch im Mittelland zu einer grösseren Trockenheit im Sommer. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. Im Sommer, wenn die Landwirtschaft viel Wasser ­benötigt, bringen die grossen ­Alpenflüsse heute durch das Abschmelzen der Gletscher noch viel Wasser mit sich. Mit dem starken Rückgang der ­Gletscher werden die sommerlichen ­Abflüsse aus dem ­Alpenraum stark ­abnehmen, besonders ausgeprägt ab ­Mitte dieses Jahrhunderts. 

Wer leidet besonders unter dieser ­Trockenheit im Mittelland – die Landwirtschaft oder die Natur? 
Zunächst vor allem die Natur – die ­aquatischen Ökosysteme: Steigen die Temperaturen in Flüssen stark an, führt dies unter anderem auch zu einem ­Fischsterben. Die Landwirtschaft belastet die Gewässer durch Nährstoffe und ­Pestizide. Ist weniger Wasser vorhanden, verdünnen sich diese weniger stark. ­Zudem wurden im Mittelland in der ­Vergangenheit viele ­Bäche eingedolt; es gibt massiv weniger Feuchtgebiete und in landwirtschaftlich genutzten Flächen auch weniger Bäume. Diese verschiedenen Faktoren führen zu einer starken ­Erhitzung der Landschaft. Dies verursacht auch für die Landwirtschaft Probleme, da sie weniger Wasser zur Verfügung hat. 

Der Temperaturanstieg ist also nicht nur in den Städten, sondern generell im ganzen Mittelland ein Problem? 
Ja, das ist so. Der Erhitzung der Landschaft wird heute zu wenig Beachtung ­geschenkt. 

 

Sie unterstützen das Klimaschutz­gesetz, welches am 18. Juni zur ­Abstimmung kommt. Weshalb? 
Weil das Gesetz die entscheidenden ­Aspekte des Klimawandels im Fokus hat: Die Reduktion der Treibhausgase in der Schweiz, Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel und Technologieförderung. Von grosser Bedeutung ist auch das im Gesetz formulierte Ziel, dass Massnahmen zur Verminderung der Klimawirkung von Finanzflüssen getroffen werden sollen. Deren Hebelwirkung ist riesig. So gibt es Berechnungen, dass die vom Schweizer Finanzplatz gesteuerten Aktivitäten ein Zwanzigfaches der einheimischen Treib­hausgas-Emissionen verursachen.

Val Frisal Raphael Weber

Wie sieht die Schweiz in 70 Jahren aus, wenn wir jetzt nichts tun und weltweit keine Massnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden? Gibt es ein Worst-Case-Szenario? 
Wir haben in der Schweiz schon bisher ­einen Temperaturanstieg von 2 Grad. ­Werden keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen, könnte die Temperatur in der Schweiz bis 2100 nochmals um 3 bis 5 Grad steigen. Dies würde riesige Probleme verursachen. Die Nullgradgrenze würde um bis zu 1000 Meter steigen. ­Unterhalb 2500 Meter gäbe es nur noch sehr wenig Schnee. Und die Gletscher würden fast komplett abschmelzen. Die sommerliche Austrocknung des Mittel­landes würde sich massiv ver­stärken. ­Hinzu kommt, dass gewisse Auswir­kungen nicht vorhersehbar sind, weil das ganze Klimasystem durch­einandergerät und Kipppunkte erreicht werden ­könnten. Die Ozeane haben ­bisher zum Beispiel eine dämpfende ­Wirkung auf die Temperaturen. Wenn diese wegfällt, ­steigen die Temperaturen noch weiter an. 

Die SVP nennt das Klimaschutzgesetz ein «Stromfressergesetz» und argumentiert, die kleine Schweiz könne nichts zum globalen Klimaschutz ­beitragen. Was sagen Sie dazu? 
Der Klimawandel ist ein globales Problem, nationales Denken bringt uns nicht weiter. Jede Person auf der Erde muss einen ­Beitrag zum Klimaschutz leisten, wobei zu erwähnen ist, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung etwa 80 Prozent des Pro­blems verursachen. Die Bevölkerung hochentwickelter Länder ist besonders ­gefordert. 

STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.

Blumenwiese
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Baldeggersee
19.05.2023 Biodiversitätskrise

Unser buntes Puzzle für mehr Biodiversität

Was vor über 100 Jahren mit dem Schweizerischen Nationalpark begann, ist mittlerweile zu einem grossen Netz gewachsen: Pro Natura sichert in der Schweiz 781 Naturschutzgebiete.

Es ist der 15. Februar 2021. In einem Notariat in Porrentruy unterzeichnen Jacques Villars und Marc Tourette im Namen von Pro Natura und Pro Natura Jura den Kaufvertrag für einen 33,6 Hektar grossen Wald am Doubs. Dank des Kaufs wird sich in einem grossen Teil dieses Waldes die Natur frei entfalten können. 

Dass Pro Natura mit dem Abschluss von Verträgen die Natur fördert, ist nichts Aussergewöhnliches. Fast jede Woche werden für Pro Natura und die Pro Natura Sektionen Verträge über Schenkungen, Landkäufe oder langfristige Schutzverträge abgeschlossen. Ein Kaufvertrag über mehr als 30 Hektar kommt allerdings selten vor und macht deshalb ganz besonders Freude. Zusammen mit anderen vertraglich gesicherten Flächen ist so am Doubs Stück für Stück das Pro Natura Naturschutzgebiet Clairbief entstanden. Es umfasst mittlerweile rund 100 Hektar und erstreckt sich über 3,5 Kilometer dem Doubs entlang. 

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Gletschervorfeld Morteratsch
Der bezaubernde Patient
Pro Natura besitzt mehrere Weiher und Seen, mit rund fünf Quadratkilometern der grösste davon ist der Baldeggersee. Dieser ist weitgehend unverbaut, weil Pro Natura den See und seine Ufer bereits vor über 80 Jahren erwerben konnte und sich seither für einen konsequenten Schutz stark gemacht hat. Vor allem im Norden und Süden des Sees breiten sich grosse Schilfgürtel aus, dort lässt sich eine Vielzahl von Wasservögeln beobachten. Einen faszinierenden Einblick in die ökologische Vielfalt des Gebiets, auch ins renaturierte Feuchtgebiet Ronfeld, bietet ein Naturerlebnispfad im Süden. Doch die Idylle ist trügerisch: Weil deutlich zu viel Nährstoffe in den See gelangen, insbesondere wegen der zu hohen Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft, muss der See seit über 40 Jahren künstlich belüftet werden. Sonst käme es zum ökologischen Kollaps. Dies zeigt exemplarisch, dass es nicht genügt, Schutzgebiete auszuscheiden, sondern dass auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene an umweltfreundlichen Rahmenbedingungen gearbeitet werden muss – so wie das Pro Natura seit Jahrzehnten tut. Naturschutzgebiet Baldeggersee, Baldegg (LU) und Nachbargemeinden, Fläche: 546 Hektaren, 463 Meter über Meer, geschützt seit 1940.

Zufälle und Strategien

Manche dieser Naturperlen fallen Pro Natura in den Schoss. So erbte Pro Natura Waadt 2014 Wald und Weide von La Cruchaude im Waadtländer Jura. Bei anderen Flächen geht es von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Abschluss eines Vertrages mitunter Jahre. Andere Verträge kommen gar nie zustande. Sei es, weil der Eigentümer Forderungen stellt, die Pro Natura nicht erfüllen will, oder Verträge an einer restriktiven Auslegung des bäuerlichen Bodenrechtes scheitern. Zum Teil kann es auch Jahre dauern, bis ein Projekt umgesetzt werden kann. Bei Fischbach--Göslikon (AG) zum Beispiel hat Pro Natura 2012 Flächen gekauft. Doch auf die Bewilligung zur Wiederherstellung der ehemaligen Reussaue warten wir immer noch.

Als Kaufkriterien stehen die vorhandenen Naturwerte offensichtlich im Vordergrund, es können aber auch andere, oft strategische Faktoren eine Rolle spielen. Als sich etwa die Gelegenheit offenbarte, das Gelände für unser grossartiges Pro Natura Zentrum Champ-Pittet am Neuenburgersee zu erwerben, war es auch ein Kaufkriterium, als Grundbesitzerin auf den damals geplanten Bau der Autobahn A1 durch die Grande Cariçaie Einfluss nehmen zu können. Oder Pro Natura Aargau hatte die Gelegenheit erkannt, als im Raum Zurzach Landwirtschaftsflächen zum Verkauf angeboten wurden. Mit diesen Tauschflächen konnten später die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Auenlandschaft beim «Chli Rhy» in Rietheim zu revitalisieren.

Die DNA von Pro Natura

Die Sicherung von Flächen zugunsten der Natur ist der Ursprung und sozusagen die DNA von Pro Natura. Weil in der Schweiz jeder Quadratmeter einen Eigentümer oder eine Eigentümerin hat und diese die Nutzung bestimmen, nutzt Pro Natura seit ihrer Gründung den Erwerb und die vertragliche Sicherung von Grundstücken zur Förderung der Natur. 1909 wurde der Verein als Schweizerischer Bund für Naturschutz gegründet, um Geld für die Sicherung von Flächen für den Schweizerischen National-park im Unterengadin zur Verfügung zu stellen. 

Bereits 1910 kaufte Pro Natura selbst eine erste Naturschutzfläche, das 4,4 Hektar grosse Waldgebiet «Buhaul» oberhalb von Ilanz. Es ist damit das erste Pro Natura Naturschutzgebiet. 113 Jahre später hat es immer noch Bestand. Insgesamt besitzt Pro Natura in der Schweiz 6946 Hektar Land, sie ist eine der grössten privaten Grundeigentümerinnen der Schweiz. Jedes unserer rund 170 000 Mitglieder ist damit quasi anteilsmässige Eigentümerin oder Eigentümer von rund 400 Quadratmetern Biodiversität. 

0,6 Prozent der Landesfläche

Das Netz der Pro Natura Naturschutzgebiete ist aber noch viel grösser. Momentan umfasst es:

Gebiete
Gesamt­fläche (Hektar)
Prozent der Schweizer Landesfläche

Bei der Mehrheit der Gebiete ist Pro Natura nicht Grundeigentümerin, doch konnte sie Naturflächen durch langfristige Verträge sichern. So etwa auch den faszinierenden Aletschwald; der Vertrag zum Schutz des Waldes mit der Burgergemeinde Ried-Mörel feiert dieses Jahr sein 90-jähriges Bestehen, hoffentlich dauert der Schutz dieses einmaligen Gebietes noch weitere 90 Jahre an. 

Oft ist die Sicherung der Fläche durch Eigentum und Verträge nur der erste Schritt zu mehr Natur. Danach definieren unsere Sektionen ein Schutzziel und fördern die Entwicklung der Natur­vielfalt mit angepassten Massnahmen. Nicht immer ist das so spektakulär wie in Eglisau (ZH). Anstelle eines früheren Tanklagers blühen dort heute Blumen, quaken Laubfrösche, und ein Bächlein plätschert durch dieses ehemalige Industriegelände dem Rhein zu. Damit bildet dieses Gebiet nun eines von fast 800 bunten Puzzlestücken – unser ganz konkreter Beitrag für mehr Biodiversität in der Schweiz. 

URS TESTER leitet bei Pro Natura die Abteilung Biotope und Arten. 

Baldeggersee
Gemeinsam für mehr Natur
Weitere interessante Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins für Mitglieder.
Françoise Hoffer
19.05.2023 Biodiversitätskrise

«Man sollte ein gutes Auge und Geduld haben»

Die Pflanzenkennerin Françoise Hoffer hat als Freiwillige an der Inventarisierung der Waadtländer Flora mitgewirkt. Im Mai mündet diese langjährige Arbeit in der Veröffentlichung des Florenatlas des Kantons Waadt.

Pro Natura Magazin: Können Sie uns das Projekt Florenatlas kurz erklären?

Françoise Hoffer: Zunächst muss man wissen: Die Veröffentlichung dieses ­Florenatlas sehnen Botanikinteressierte aus dem Hobby- und Profibereich seit mehr als einem Jahrhundert herbei. Den Anstoss für das Projekt gab vor zehn ­Jahren der Verein Cercle vaudois de ­botanique. Nach einem ersten Treffen im Gelände 2014 legte ein kleines Startteam die Arbeitsmethode fest. Sie orientiert sich am Raster unserer Landeskarten, das heisst an Quadraten von fünf mal fünf ­Kilometern. Danach konnten die ­Bestandsaufnahmen im Feld losgehen.

Wie war das organisiert?

Alle Teilnehmenden bekamen Quadrate zugeteilt. Ich habe 16 übernommen (lacht). Das ist viel, aber ich habe Zeit. Ich war im Vallée de Joux, bei Chavornay, in der Gegend von Montreux, vom Schloss Chillon bis hoch hinauf zum ­Rochers de Naye. Schwierige Orte wie Moor- oder Berggebiete haben wir mit Unterstützung von Fachleuten inventarisiert.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Musste man eine Ausbildung in Bio­logie oder Botanik haben, um teil­nehmen zu können?

Nein, das ist eben genau nicht die Idee. Es handelt sich um ein partizipatives ­Wissenschaftsprojekt. Wichtig ist, dass man über gute Kenntnisse in Botanik ­verfügt und vor allem gern in der Natur unterwegs ist. Ausserdem sollte man ein gutes Auge und Geduld haben und das Wandern lieben.

Wie sind Sie zu Ihrem grossen Wissen gekommen?

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Ab 1994 habe ich mich jedoch ­stärker in die Botanik vertieft, als ich an der Inventur der Flora der Stadt Lausanne teilnahm. Das Kartieren von Pflanzen ist ein Hobby, dem ich viel Zeit widme. Beim Projekt in Lausanne wurden wir fachlich unterstützt: Einmal im Monat kamen wir im Botanischen Garten zusammen, um uns auszutauschen und Fragen zu klären. Wir konnten auch Pflanzen mitbringen und uns beim Bestimmen helfen lassen.

Die Hilfsmittel für das Inventarisieren haben sich weiterentwickelt, oder?

Oh ja, ganz klar. Das Arbeiten mit der ­FlorApp von Info Flora ist super! Was für eine Zeitersparnis! Man braucht nicht mehr alles von Hand zu notieren. Vor ­allem zeigt diese App, wonach man ­suchen muss.

Gibt es Flächen, die Sie besonders gern erforschen?

Ja, ich mag Brachflächen, Industrie­gebiete oder Campingplätze. All diese unscheinbaren Orte, wo man schöne Entdeckungen machen kann. Auch Privatgrund­stücke besuche ich gern. Manchmal ist es zwar schwierig, hineinzukommen, aber dann ergeben sich oft erfreuliche ­Gespräche mit den Eigentümern.

Welche Bilanz ziehen Sie rück­blickend aus Ihren Bestandsauf­nahmen?

Es ist eine Katastrophe! Der Artenschwund beschleunigt sich.

Ständeratssaal
01.06.2023 Biodiversitätskrise

Abstriche beim Naturschutz und verschenktes Potenzial bei Solar und Effizienz bringen Mantelerlass in arge Schieflage

Statt das riesige Potenzial für Solaranlagen auf Gebäuden und Parkplätzen sowie im Bereich der Effizienz anzugehen, will der Ständerat Beeinträchtigungen in den wertvollsten Naturgebieten, den Biotopen von nationaler Bedeutung zulassen. Und auch beim Restwasser ist er nicht bereit, die Angriffe vollends einzustellen, sondern macht alles dafür, um auch noch den letzten Tropfen aus unseren Gewässern zu pressen.

Die Kommentare der Umweltallianz zu den einzelnen Beschlüssen:  

  • Restwasser: Zwar verzichtet der Ständerat auf eine generelle Sistierung der Restwasserbestimmungen. Doch zugleich will er mit einem höchst fragwürdigen Entscheid eine temporäre Absenkung der Restwassermengen durch den Bundesrat auch ausserhalb von Notlagen ermöglichen. Zum Beispiel wenn im Winter zuviel Strom importiert wird, also gar keine Mangellage droht oder besteht.
  • Aushöhlung Biotopschutz: Leider greift der Ständerat den Biotopschutz weiterhin an: Er will den wertvollsten Auen das Wasser abgraben, indem er neue Restwasserstrecken sogar in den Biotopen von nat. Bedeutung zulassen will. Diese sind das Herz der Schweizer Natur. Sie müssen unbedingt ungeschmälert für kommende Generationen erhalten bleiben. Der Nationalrat ist nun gefordert, dies zu korrigieren. 
  • Solarstandard auf Gebäuden: Die Energiewende muss zur bestehenden Wasserkraft auch auf Solar und Effizienz aufbauen. Leider hat der Ständerat den Solarstandard für Neu- und Umbauten aus der Vorlage gestrichen und durch eine zahnlose Vorgabe für sehr grosse neue Gebäude ersetzt. Wir bedauern das, weil ein wirksamer Solarstandard zu einem starken Zubau der Stromproduktion führen würde. Er wäre ein echter Mehrwert für die Umsetzung der Energiewende!   
  • Solar auf Parkplätzen: Das leicht realisierbare Potenzial von Solar auf Parkplätzen, welches in Baden-Württemberg und Frankreich selbstverständlich genutzt wird, lässt der Ständerat einfach aus. Und dies, obwohl die Strombranche händeringend nach grossen und schnell zu bebauenden Flächen sucht. 
  • Effizienz: Der Ständerat verweigert die teilweise Ausschöpfung des Effizienzpotenzials, obschon dieses Ziel im letzten Herbst erfolgreich ins Gesetz geschrieben wurde. Schöpfen wir die rund 30 Prozent Einsparpotenzial nicht zumindest teilweise aus, müssen wir viel mehr teuren und oft schmutzigen Winterstrom produzieren oder importieren. Der Nationalrat muss hier an einem wirksamen Effizienzmodell festhalten.   
  • Eignungsgebiete Solar- und Windenergie: Die kleine Kammer will spezielle “Eignungsgebiete” für Windenergie- und Freiflächensolaranlagen einführen, in denen diese Produktionsanlagen ohne inhaltliche Prüfung als standortgebunden gelten und einen “grundsätzlichen” Vorrang vor Schutzinteressen erhalten sollen. Dieser Vorrang ist sehr problematisch. Einerseits ist er verfassungsrechtlich heikel. Andererseits ist unklar, auf welchen Grundlagen bei der Evaluation solcher Eignungsgebiete das Interesse am Schutz der Biodiversität effektiv berücksichtigt würde. 
     

Kontakt

  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, @email, +41 61 317 92 29

 

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Gemeinsamer Medienkommentar der Umweltallianz

Foto Ständeratssaal © Parlamentsdienste Rob Lewis

Einreichung Biodiversitätsappell Dagmar Wurzbacher
12.06.2023 Biodiversitätskrise

Über 43'000 Unterschriften für die Biodiversität

Heute Morgen haben Vertreterinnen und Vertreter von 44 Umwelt- und Naturschutzorganisationen dem Ständerat in Bern einen Appell zum Schutz der Biodiversität übergeben. Der Appell wurde von 32'738 Erwachsenen und 10'719 Kindern unterschrieben und fordert den Ständerat auf, in seiner morgigen Sitzung auf die Diskussion zur Biodiversitätskrise einzutreten und einen Gegenvorschlag für eine rasche Sicherung unserer bedrohten Lebensgrundlagen zu ermöglichen.

Heute vor 31 Jahren, am 12. Juni 1992, setzte der damalige Bundesrat Flavio Cotti (CVP, heute Die Mitte) seine Unterschrift unter das Rahmenabkommen zum Schutz der Biodiversität an der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. Dieses Abkommen ist für die Schweiz rechtlich bindend, doch herrscht seit Jahren Stillstand in Sachen Schutzgebiete und die Schweiz ist schon länger das Schlusslicht Europas. 

Ein ernüchterndes Fazit zieht auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in seinem neuesten Bericht: Die Biodiversität in der Schweiz befinde sich in einem «unbefriedigendem Zustand». «Die aktuelle Quantität, Qualität und Vernetzung vieler Lebensräume reichen nicht aus, um ihre Biodiversität und Ökosystemleistungen langfristig zu erhalten». 

Vertreterinnen und Vertreter von 44 Umwelt- und Naturschutzorganisationen betonten heute Morgen bei der Übergabe der Appell-Unterschriften vor dem Bundeshaus die Dringlichkeit der Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG). «Die Schweiz hat eine akute Biodiversitätskrise, illustriert durch einige der längsten Roten Listen aller Industrienationen. Es braucht deshalb endlich verstärkte Massnahmen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen”, forderte Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz.

Die Biodiversität ist das Fundament unseres Lebens und unserer Wirtschaft. Sie liefert uns Nahrung, sauberes Wasser und Luft, Medikamente und Rohstoffe. Sie reguliert das Klima und schützt uns vor Naturkatastrophen. «Die Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage. Wenn wir sie nicht schützen, werden wir die Konsequenzen teuer bezahlen müssen - nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.», warnte Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter von Pro Natura.

In der Schweiz sind 35% der Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht oder ausgestorben. Besonders schwer haben es die Wasserlebewesen. «Beinahe zwei Drittel der einheimischen Fischarten stehen auf der Roten Liste! Schützen wir die stark bedrohten Gewässerlebensräume, auch für unsere Fische!», sagte David Bittner, Geschäftsführer Schweizerischer Fischereiverband.

Auch Kurt Zaugg-Ott, Leiter Fachstelle oeku Kirchen für die Umwelt, plädiert für einen besseren Umgang mit unserer Biodiversität: «Für Glaubende ist die biologische Vielfalt ein Geschenk Gottes. Indem wir Arten ausrotten, missachten wir das Lebensrecht von Pflanzen und Tieren und gefährden unsere eigene Lebensgrundlage.»

Dass der Biodiversitätsschutz Hand in Hand mit anderen Nutzungen gehen kann, zeigen bereits viele erfolgreichen Projekte mit Landwirt:innen. «Die Stiftung Landschaftsschutz hat dieses Jahr den Klettgau als Landschaft des Jahres ausgezeichnet. In den letzten 40 Jahren wurden dort Mehrwerte für Biodiversität, Landwirtschaft und Landschaft geschaffen. Damit dies auch an anderen Orten gelingt, brauchen wir den Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative,» erläuterte Franziska Grossenbacher, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Die Sorge um den Biodiversitätsverlust ist gross in der Bevölkerung. In nur acht Wochen kamen über 43'000 Unterschriften zusammen. Die vielen Unterschriften zeigen, dass die Menschen sich um die Zukunft der Biodiversität in der Schweiz sorgen und bereit sind, sich für den Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen. 

Morgen wird der Ständerat entscheiden, ob er auf die Diskussion der Biodiversitätskrise eintritt und einen Gegenvorschlag erarbeiten will, der ein rasches und wirksames Handeln gegen die sich verstärkende Biodiversitätskrise ermöglicht.

Kontakt:

  • Pro Natura: Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 079 509 35 49
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
  • Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsführer, @email, 079 631 34 67 
  • Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58
  • Biodiversitätsinitiative Medienstelle: Dagmar Wurzbacher, @email, 076 517 25 96  

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Headerfoto © Biodiversitätsinitiative / Dagmar Wurzbacher

Gemeinsame Medienmitteilung des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative

Blumenwiese mit Insekt Benoît Renevey
13.06.2023 Biodiversitätskrise

Der Ständerat setzt unsere Lebensgrundlagen aufs Spiel

Der Ständerat ist heute nicht auf die Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) eingetreten, die als indirekter Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative gilt. Er anerkennt zwar unisono die Biodiversitätskrise, weigert sich jedoch, wirksame Massnahmen zu beschliessen, während Bundesrat, Nationalrat, Kantone, Städte und Gemeinden schon längst solche einfordern. Der Trägerverein der Biodiversitätsinitiative setzt sich für rasches und gezieltes Handeln ein und engagiert sich deshalb weiter für einen Gegenvorschlag. Sollte dieser nicht zustande kommen, ist man jedoch bereit für die Volksabstimmung zur Initiative.

Es steht schlecht um die Biodiversität der Schweiz: Mehr als ein Drittel der Arten und rund die Hälfte aller Lebensräume sind gefährdet. Dies zeigen die neusten Berichte des Bundesamts für Umwelt BAFU (22.05.2023 – Biodiversität in der SchweizRote Listen). Klare Resultate zeigen sie auch in Bezug auf die bisherigen Bemühungen: Wo Förder- und Erhaltungsmassnahmen ergriffen werden, zeigen diese lokal auch Wirkung. Aber für eine echte Trendwende reichen sie bei Weitem nicht aus. Um die Biodiversität unseres Landes zu erhalten, besteht vor allem bei der Fläche, bei der Qualität und bei der Vernetzung der Lebensräume grosser Handlungsbedarf. Und genau hier setzen Initiative und Gegenvorschlag an. 

Trotz dieser Erkenntnisse will der Ständerat nicht handeln und erteilt nun der NHG-Revision als Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative eine Absage. Das Initiativkomitee kritisiert den Entscheid, wie Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife, festhält: «Der Biodiversitätsverlust ist wissenschaftlich klar dokumentiert. Trotzdem hat eine Mehrheit im Ständerat entschieden, nicht einmal auf die NHG-Revision einzutreten. Damit verweigert er in unverantwortlicher Weise die dringend notwendige politische Lösungssuche und befeuert die Biodiversitätskrise weiter.»

«Es ist an der Zeit, dass wir uns alle bewusst werden, dass der Schutz der Biodiversität eine dringliche Investition in unsere Zukunft ist. Das dramatische Artensterben hat weitreichende Konsequenzen für unsere Ernährungssicherheit und unsere Gesundheit. Je länger wir warten, desto teurer und einschneidender wird es, wenn wir die Natur nicht erhalten. Wir sollten nicht dieselben Fehler machen wie bei der Klimakrise», sagt Sarah Pearson Perret, Directrice romande von Pro Natura.

In der Bevölkerung wächst das Bewusstsein für die Biodiversitätskrise rasch, wie die gestrige Überreichung von mehr als 43’000 Unterschriften für die Biodiversität zeigt. Der Trägerverein setzt sich für rasches und gezieltes Handeln ein und engagiert sich deshalb weiter für einen Gegenvorschlag. Sollte dieser nicht zustande kommen, ist man jedoch bereit für die Volksabstimmung zur Initiative.

Kontakt

  • Pro Natura: Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 079 509 35 49
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84 
  • Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsführer , @email, 079 631 34 67  
  • Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58 
  • Biodiversitätsinitiative: Natalie Favre, Medienstelle, @email, 076 491 25 26 

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Gemeinsame Medienmitteilung des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative

Headerfoto © Benoît Renevey

Balkongarten
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Ihr Balkon für die Biodiversität

Möchten Sie Ihren Balkon in ein Mini-Paradies für Biodiversität verwandeln? Mit bunten Wildstauden in Töpfen, Kletterpflanzen oder einer Fassadenbegrünung sowie Nisthilfen bieten Sie Tieren eine Oase im Siedlungsraum. Von einem biodiversen Balkon profitieren auch Sie, denn er bietet Ihnen erholsame Momente und überraschende Naturbeobachtungen direkt vor der Balkontür.

Trotz ihrer grossen Bedeutung gelangt die Siedlungsnatur zunehmend unter Druck. Heimische Arten leiden unter der Zunahme der versiegelten Fläche, der starken Zerschneidung ihrer Kleinstlebensräume, der Banalisierung von Grünflächen und der Konkurrenz durch invasive Neophyten. Angesichts des quantitativen Verlusts von Freiflächen ist es wichtig, die verbleibenden Grünräume in ihrer ökologischen Qualität aufzuwerten und besser miteinander zu vernetzen. Hier besteht viel Potential.  

Mit einer artenreichen Balkonbegrünung können Sie mobilen Tieren Nahrung bieten und einen Trittstein im Siedlungsraum schaffen. Keine Fläche ist zu klein, um Tiere Nahrung und einen Unterschlupf zu bieten. Besonders Vögel, Schmetterlinge, Käfer und Wildbienen profitieren von einem bepflanzten Balkon. Denn die Natur macht nicht Halt an der Siedlungsgrenze. 

Wir zeigen Ihnen Tipps für die Pflanzenauswahl, die Vorbereitung sowie die Pflege Ihres Balkongartens. Zudem finden Sie Anleitungen für einen Miniteich und eine Mini-Sandlinse für Wildbienen. 

Wildblumen wachsen im Holztopf auf einer Terrasse iStock, HeikeKampe

1. Was gehört in einen Balkongarten?

  • Möglichst viele verschiedene einheimische Wildpflanzen. Viele Tierarten sind auf das Vorkommen von einzelnen einheimischen Wildpflanzen angewiesen. Insekten beispielsweise sind hoch spezialisiert, aber auch Vögel sind z.B. auf einheimische Beeren angewiesen. Besorgen Sie sich passende einheimische Setzlinge oder Samen, beispielsweise an einem Wildpflanzenmarkt oder in einer Wildstaudengärtnerei. 
  • Achten Sie auf verschiedene Blütezeiten. Mit der richtigen Vielfalt an Pflanzenarten blüht Ihr Balkon vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Dadurch verlängern Sie das Nahrungsangebot. Für eine maximale Ausschöpfung können Sie die Pflanzen nach dem Abblühen zurückschneiden. Das erzeugt häufig eine zweite Blüte.  
  • Kletterpflanzen eignen sich zur Abschirmung oder als Wandbegrünung. Sie sorgen für ein besonderes Ambiente. Ihr Blätterdach dient als Ruheplatz und die Blütenpracht bietet reichlich Nahrung. Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen vergrössert die begrünte Fläche und verbindet den Balkon ökologisch mit Dach und/oder Boden. 
  • Pflanzen Sie möglichst viel. Je höher der Anteil Grün pro Fläche, desto besser. Auch Gemüse, Küchenkräuter und Zierblumen bieten Insekten und Vögeln etwas. Je vielfältiger, desto besser. Bevorzugen Sie Arten mit ungefüllten Blüten, weil sonst die Insekten leer ausgehen. Aber auch Ihre Lieblingspflanze sollte Platz finden! 
  • Verzichten Sie auf Pestizide, torfhaltige Erde sowie auf Bäume in Kübeln - sie werden gross und schwer. Hier finden Sie Tipps zum torffreien Gärtnern

Genuss für alle: Mit Kapuzinerkresse und Ringelblumen fördern Sie nicht nur die Biodiversität: die essbaren Blüten dekorieren Ihren Sommersalat. Auch Rosmarin und Thymian gelten als insektenfreundliche Balkonkräuter, und sind eine willkommene Nektarquelle, wenn Sie die Pflanzen blühen lassen.

 

Inspiration für Ihren Balkon

2. Planen Sie Ihren Biodiversitätsbalkon

Planung

  • Platzangebot: Wie viel Raum gibt es für Pflanzen, wie viel Raum brauchen Sie für die Möblierung? Beziehen Sie die Vertikale mit ein, das vergrössert die Fläche (Hänge- und Kletterpflanzen). Pflanzengefässe können auf verschiedenen Ebenen aufgestellt oder aufgehängt werden – am Boden, erhöht auf Kisten, an Fassaden, auf Fenstersimsen, an Brüstungen. 
  • Traglast: Wenn Sie grosse Pflanztröge aufstellen wollen, müssen Sie die zulässigen Lasten für Balkon oder Terrasse klären. Grosse und schwere Gefässe sollten nahe an der Hauswand aufgestellt werden.  
  • Sicherheit: Kistchen, Töpfe und Kletterpflanzen, die aussen am Gebäude befestigt werden, müssen gute Halterungen haben. Töpfe auf Fenstersimsen und Brüstungen müssen immer gesichert sein. 
  • Einverständnis: Bevor an Fassaden oder Balkonbrüstungen Befestigungen angebracht werden, müssen Sie das Einverständnis des Eigentümers einholen.  

Pflanzentöpfe Nathalie Leutenegger

Topfwahl

Bei der Topfwahl gibt es einige Kriterien zu beachten: 

  • Grösse: Wählen Sie möglichst grosse Pflanzengefässe. Je grösser der Topf, desto mehr Wasser kann er speichert. So trocknet die Pflanze weniger schnell aus.  
  • Wasserabzug: Verwenden Sie nur Töpfe mit Wasserabzugsloch. 
  • Untersetzer: Verwenden Sie für alle Töpfe Untersetzer. So sammeln Sie übergelaufenes Giess- und Regenwasser und schützen den darunter liegenden Balkon oder die Fassade.  
  • Material: Wählen Sie frostharte Pflanzengefässe. Wildpflanzen können den Winter draussen bleiben. 
Hier eine Übersicht zu verschiedenen Materialien:
  • Holz: Holzgefässe bieten guten Schutz für Wurzeln vor Kälte und Hitze. Langlebige Holzgefässe sind aus Eiche, Lärche oder Robinie.  
  • Unglasierte Tontöpfe: Die Erde bleibt länger kühl, da durch die Poren Wasser verdunstet. Sie sind oft nicht frostfest und recht teuer. 
  • Glasierte Töpfe: Halten länger. Grosse Tontöpfe sind jedoch sehr schwer.  
  • Metall: Alte Kessel, Pfannen etc. können verwendet werden. Metall erhitzt sich stark, deshalb sind Metallgefässe vor allem für schattige Standorte geeignet.  
  • Faserzement (Eternit): Faserzement ist relativ leicht, beständig und frosthart. Dieses Material eignet sich vor allem für grosse Gefässe.  
  • Kunststoff: Kunststoffbehälter sind leicht und meist billig, aber nicht sehr langlebig. Es besteht die Gefahr des Hitzestaus für die Wurzeln. Wählen Sie deshalb hellfarbige Behälter aus Recycling-Kunststoff. 
  • Stein und Beton: Gefässe aus Stein und Beton sind sehr schwer und deshalb nicht für Balkone geeignet.  

Pflanzenerde

Sie konstruieren auf Ihrem Balkon einen künstlichen Lebensraum. Das bedeutet, dass sich die Pflanzen darin kein tiefgehendes Wurzelsystem aufbauen können. Sie können keine Nährstoffe und kein Wasser in tiefen Bodenschichten anzapfen. Daher müssen Sie ihnen ein nährstoffreiches Substrat bieten.  

Es gibt spezielle Topfpflanzen- und Balkonerde. Wildpflanzen brauchen weniger nährstoffreichere Erde als Zierpflanzen. Bei Wildpflanzen können Sie dementsprechend die Erde mit etwas Sand oder Kies vermischen und sie so abmagern. 

Pflanzenerde Nathalie Leutenegger

3. Sumpfbeet/Miniteich

 Auch auf dem Balkon können Sie mit einem kleinen Sumpfbeet oder einem Miniteich einen naturnahen Lebensraum schaffen. Schon ein Untersetzer mit Steinen, Moos und aufgefüllt mit Wasser ist eine begehrte Wassertränke für diverse Insekten.  

  1. Ein wasserdichtes Pflanzgefäss wählen oder einen Topf mit Folie auskleiden.  
  2. Gartenerde ins Gefäss füllen. Für Sumpfpflanzen braucht es 15 cm, für Wasserpflanzen 25 cm Substrathöhe. 
  3. Passende Pflanzen einsetzen. Sumpfbeet: Sumpf-Schwertlilie, Bitteres Schaumkraut, Sumpf-Segge, Sumpf-Helmkraut. Wasserpflanzen: Staussblütiger Gilbweiderich, Fieberklee, Grosser Sumpf-Hahnenfuss, Echtes Pfeilkraut. 
  4. Mit einer Kiesschicht abdecken. 
  5. Wasser einfüllen: Wasserüberstand bei Sumpfpflanzen 0-10 cm, bei Wasserpflanzen mind. 10 cm. 

Achtung: Ein Miniteich auf dem Balkon wird kein Lebensraum für Amphibien, aber einer für räuberische Wasserinsekten. Daher können Miniteiche auf dem Balkon zu Mückenbrutstätten werden. In einem Quartier, in dem Tigermücken gesichtet wurden, verzichten Sie besser auf einen Miniteich.

5. Balkongarten pflegen  

Gartenpflege Markus Spiske
Im Frühling:  
  • Schneiden Sie alte Pflanzenstängel zurück, entfernen Sie das Laub. 
  • Geben Sie Kletterpflanzen sowie Pflanzen an schattigen Standorten jährlich ca. 3 cm unkrautfreien Kompost. Entfernen Sie dazu vorgängig die oberste Erdschicht aus dem Topf. Bei Pflanzen an sonnigen Standorten reicht es, alle 1-2 Jahre im Frühjahr ca. 1 cm Kompost zu geben. 
  • Wenn Wurzeln den ganzen Topf ausfüllen, setzen Sie die Pflanze in einen grösseren Topf oder verkleinern Sie den Wurzelballen, indem Sie mit einem Messer oder Spaten rundherum eine Wurzelschicht abnehmen. Die oberirdischen Teile müssen Sie ebenfalls zurückschneiden. Sie können die Pflanze auch teilen und mit neuer Erde wieder eintopfen. 
Im Sommer:  
  • Schneiden Sie Mitte bis Ende Juni verblühte Stauden zurück. Das ermöglicht ein zweites Blühen.  
  • Düngen Sie die Pflanzen nach dem Rückschnitt mit Flüssigdünger wie z.B. Brennnesseljauche. 
  • Giessen Sie Ihre Töpfe regelmässig am Morgen oder am Abend. Übergiessen Sie die Pflanzen nicht bei Sonnenschein mit kaltem Wasser, dies kann zu Verbrennungen führen. 
  • Binden Sie hochwachsende und kletternde Pflanzen regelmässig hoch oder stützen Sie sie mit zusätzlichen Stäben oder Pflanzenhaltern.  
  • Entfernen Sie regelmässig eingeflogene Neophyten wie z.B. Berufkraut. Hier finden Sie Unterstützung bei der Identifizierung von Neophyten. 
Im Herbst:  
  • Stellen Sie grössere Gefässe auf 3 cm dicke Holzlatten. Dies verhindert das Einfrieren des Wurzelballens und verlängert die Lebensdauer der Gefässe. Nicht winterharte Pflanzen überwintern Sie drinnen an einem hellen, kühlen Ort (5-10 °C).  

Im Winter:  
  • Wildstauden müssen nicht vor Frost, sondern vor zu viel Verdunstung geschützt werden. Mit einer 2-3 cm dicken Mulchschicht aus Laub verhindern Sie das Austrocknen der Erde. Wenn es sehr kalt wird, können Sie heikle Pflanzen (z.B. mediterrane Küchenkräuter) und Töpfen mit Jute oder einem alten Bettlaken einwickeln. Bedenken Sie, dass immergrüne Pflanzen wie Rosmarin auch im Winter licht und etwas Wasser benötigen.  
Wildbienen
Insekten entdecken
Welche Insekten sind auf meinem Balkon gelandet? Begeben Sie sich auf eine Entdeckungsreise für Gross und Klein. Pro Natura bietet Ihnen dafür einen Insekten-Fächer, einen Bestimmungsschlüssel sowie ein Naturtagebuch zum online herunterladen.
Garten
28.07.2023 Biodiversitätskrise

Naturjuwelen vor der Haustür

In naturnahen Gärten spriesst und kriecht und fleucht es — Biodiversität pur. Schmetterlinge, Eidechsen, Bienen, Igel und viele weitere Tiere profitieren. Was es dazu braucht: etwas Know-how, Experimentierfreude und Mut zur Unordnung.

Schaut man sich eine Schweizer Stadt oder ein Dorf aus der ­Vogelperspektive auf googlemaps an, ist man oft erstaunt ob der vielen kleinen Grünflächen zwischen den Häusern. Und man ­erkennt, wie gross das Potenzial der privaten Gärten und Aussenräume für die Biodiversität ist. Je mehr davon naturnah gestaltet werden, desto engmaschiger wird das Lebensraumnetz und umso einfacher gelingt es den Tieren und Pflanzen, sich auszubreiten. In unserer Galerie zeigen wir vier inspirierende Beispiele.

Wohnsiedlung «In den Bäumen» Egg (ZH)

Naturgarten Fabian Biasio
Simone Baumann: «Biodiversität in Wohnsiedlungen fasziniert mich sehr, weil damit so viel bewirkt werden kann. Grosse Freude habe ich an Wildstauden und Wildkräutern (...).»
  • Besitzerin: Simone Baumann Immobilien AG 
  • Arealfläche: ca. 5000 m² 
  • Besonderheiten: Gestaltung der Aussenräume folgt den Grundsätzen der Permakultur. Wildhecken, Ruderalflächen, «Waldgärten», Kleinstrukturen und ein raffiniertes Teichsystem schaffen auf einer relativ kleinen Fläche sehr vielfältige Lebensräume. 
  • Weitere Elemente: Nisthilfen für Vögel und Wildbienen, Sandhügel, Magerwiesen auf den Dachterrassen, Fassadenpflanzen (u.a. Rankspinat, Kletterrosen, Weinreben). 
  • Pflege: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung (drei Häuser, 9 Wohnungen) werden durch regelmässige Arbeitseinsätze in die Umgebungsgestaltung und -pflege einbezogen und in Workshops geschult.
  • Vorkommende Arten: mehr als 700 Pflanzenarten, darunter eine Vielzahl an essbaren Wildpflanzen in den unterschiedlichen Schichten (Wuchshöhen) des Waldgartens.
Garten Fabian Biasio

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Aarberg (BE), altes Bauernhaus mit zwei Wohnungen

Naturgarten Fabian Biasio
Martin Bader: «Was uns ­besonders ­am Naturgarten ­begeistert: das intensive Erleben der Jahreszeiten und das Teilhaben an der riesigen Vielfalt des Lebendigen (...).»
  • BesitzerInnen: Martin und Katharina Bader, Helene und Reinhard Johner 
  • Gartenfläche: ca. 1000 m² 
  • Art des Gartens: Gemeinschaftlich genutzter Naturgarten mit teils über 100 Jahre alten Obstbäumen.
  • Was ist speziell: Ausserordentlich hohe Biodiversität (zertifiziert mit drei «Schmetterlingen» von Pro Natura). Wildsträucher, Blumenwiesen, Obstbäume und Baumstümpfe bieten vielfältige Lebensräume für Vögel und Insekten. Totholzhaufen und im Boden integrierte Steingebilde dienen Insekten und Reptilien als Unterschlupf. Der Garten wird u.a. mit Zaungittern vor Katzen geschützt, ohne dabei den Zugang für andere Tiere wie den Igel zu verbauen.
  • Vorkommende Arten: u.a. Grauschnäpper,  Schwalbenschwanz, Rauchschwalbe, Mauersegler, Igel, Zauneidechse, Blindschleiche, sechs Arten von Heuschrecken.
Naturgarten Fabian Biasio

Ökosiedlung der Wohngenossenschaft «Équilibre» in Cressy (GE)

Naturgarten Fabian Biasio
Simone Kaspar de Pont: «Ich liebe unseren Garten wegen ­seiner Wildheit und Vielfältigkeit. Ich mag es zu beobachten, was ­die ­ Natur anstellt, wie sie funktioniert, wenn man sie lässt. Sie ist eine ­hervorragende ­Lehrerin.»
  • Besitzerin: Wohnbaugenossenschaft «Écilibre»
  • Grösse des Areals: ca. 2100 m² 
  • Besonderheiten: Die Aussenanlage der Siedlung (insgesamt 13 Mietwoh-nungen) hat viele wilde Ecken, wo sich die Natur frei entwickelt; die mit Obstbäumen durchsetzten Blumenwiesen werden höchstens zweimal im Jahr gemäht. Einheimische Wildsträucher, Ruderalflächen, Totholzhaufen, Trockensteinmauern und Natursandplätze bieten Insekten, Vögeln und Reptilien Nahrung, Rückzugs- und Nistgelegenheiten. 
  • Pflege: Der Unterhalt und die Bauarbeiten (Trockenmauer, Natursandplatz, Pergola etc.) werden grösstenteils von der ganzen Community erledigt; eine Gartenkommission koordiniert die Einsätze und gestaltet den gemeinschaftlich genutzten Permakulturgarten.
  • Vorkommende Arten: u.a. Goldglänzender Rosenkäfer, Zimmermannsbiene, Stechpalme, Felsenbirne, Jungfer im Grünen (Nigella damascena), Knolliger Beinwell, Borretsch. 
Naturgarten Fabian Biasio

Verein «für die anderen» (LU)

Naturgarten Fabian Biasio
Renatus Birrer: «Es ist toll zu sehen wie einfach es ist, die Biodiversität im ­Garten hochzuhalten. Zu sehen, wie viele Heil- und Wildkräuter sich in kurzer Zeit ansiedeln, wenn man nicht alles jätet.»

Besitzerin: Gemeinde Root; Unterhalt und Pflege erfolgen durch den Verein 

Grösse des Areals: ca. 600 m² 

Art des Gartens: Naschgarten, die Bevölkerung kann gratis Äpfel, Beeren, Kräuter, Nüsse oder Rhabarber sammeln und ist eingeladen, beim Gärtnern mitzuhelfen. Das Projekt ist auf Initiative des Bürgers Renatus Birrer entstanden. 

Was ist speziell: Kombination von Nutzgarten und Biodiversitätsförderung: Einheimische Wildsträucher und Obstbäume bieten Nistplätze und Futter für Vögel und Insekten; in unzähligen Stein- und Asthaufen finden Insekten, Kleinsäuger und Reptilien Verstecke. Bei Kindern beliebt sind die Kaulquappen im eigens angelegten Teich und der Raupenkasten, wo sich spannende Beobachtungen machen lassen.

Vorkommende Arten: u.a. Schwalbenschwanz, Ringelnatter, Mauereidechse, Igel.

Naturgarten Fabian Biasio

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