Progetti
Motivation ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit
Brenden ist auf Hochtouren, rennt aufgeregt durch den Wald, reckt immer wieder seine Nase in die Höhe und versucht, eine Note des gesuchten Dufts zu erhaschen. Riley dagegen scheint fokussierter, scannt den Wald fast systematisch ab, schnüffelt intensiv am Boden und arbeitet sich Baum um Baum vor. Zuletzt aber haben beide Hunde in ähnlicher und überraschend kurzer Zeit Erfolg: Sie finden ein kleines Borkenkäfer-Präparat, das in der Rinde einer Birke versteckt wurde. Still setzen sie sich vor den Baum und zeigen damit ihrer Meisterin den Fund an.
Diese Meisterin lobt nun die Hunde für die gute Arbeit; zur Belohnung gibts obendrein ein «Goodie» sowie das Lieblingsspielzeug. «Motivation ist zentraler Bestandteil unserer Arbeit», sagt Tabea Haupt. Beharrlichkeit und Konsequenz gehören ebenso dazu. Mit diesen und vielen weiteren Eigenschaften arbeitet die Biologin seit über 20 Jahren als Hundeführerin, vor rund drei Jahren hat sie damit angefangen, Brenden und Riley als Spürhunde auszubilden.
Spürhunde sind die geeignetsten Mittel, um invasive Käferarten aufzuspüren. Insbesondere der Asiatische Laubholzbockkäfer ist eine grosse Bedrohung für die Biodiversität: Er befällt einheimische Laubbäume und kann deren Bestände grossflächig und innert weniger Jahre zum Absterben bringen. Er wurde aus China mit Holzpaletten eingeschleppt, darum werden nun sowohl an Umschlagplätzen als auch bei grossen Verkaufshäusern mit Spürhunden systematische Stichproben bei asiatischer Importware durchgeführt. Trotzdem kam es in der Schweiz bisher zu vier Freilandbefällen, letztmals 2022 bei Zell (LU). Dort mussten alle betroffenen Bäume gefällt und vernichtet werden. In diesen Gebieten finden während vier Jahren intensive Nachkontrollen mit Spürhunden statt. Kein Baumstamm, kein Stück Brennholz darf mehr ausgeführt werden, ohne zuvor von einem Spürhund begutachtet respektive beschnüffelt worden zu sein.
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Land Oberösterreich / Ernst Grilnberger
- Der gefürchtete asiatische Laubholzbockkäfer kann auch gesunde Laubbäume innerhalb weniger Jahre zum Absterben bringen.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Bald gehören wohl auch Brenden und Riley zu diesem Team. Tabea Haupt, die auch bei Pro Natura Aargau als Projektleiterin arbeitet, beginnt im Sommer damit, ihre Border Collies auf die Erkennung des Asiatischen Laubholzbockkäfers zu sensibilisieren. Dabei müssen sie mehrere Düfte der exotischen Käfer erkennen, die in einem Zweijahreszyklus leben; angefangen von deren Eiern, zu den Larven über die ausgewachsenen Käfer bis hin zum Bohrmehl, das sie hinterlassen.
Spürnase auch für bedrohte Arten
Bisher sind Riley und Brenden auf die Erkennung von Borkenkäfern und Schlingnattern ausgebildet. Das Spektrum geschulter Spürhunde könne zahlreiche Substanzen umfassen, sagt Tabea Haupt, die sich auch im Vorstand des Verbands Spürhundewesen Schadorganismen Schweiz engagiert. Geeignet für die Arbeit seien grundsätzliche alle Hunde, ausser jene mit flachen Schnauzen und somit einem beeinträchtigten Geruchssinn. Besonders wichtig seien gute Erziehung, Fitness und Arbeitsfreude – allesamt Eigenschaften, die Brenden und Riley reichlich besitzen. Sobald ihnen Tabea Haupt das Arbeitshalsband überstülpt, gehen sie mit unübersehbarem Enthusiasmus an ihre Arbeit.
RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin.
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Wenn wir nicht eingreifen, nehmen sie rasch Überhand
An den Reuss-Schleifen nördlich von Bremgarten (AG) breiten sich heute wieder naturnahe Auenwälder aus. Pro Natura hat hier rund ein Dutzend Schutzgebiete errichtet und zusammen mit dem Kanton Aargau mehrere Revitalisierungsprojekte umgesetzt. Mit grossem Erfolg: Eisvögel und Biber sind wieder präsent; in den Tümpeln laichen Laubfrösche und Gelbbauchunken; in den Pfeifengraswiesen zeigen sich Sibirische Schwertlilien.
Aber auch invasive Neophyten sind in die Auen eingezogen, darunter: Nordamerikanische Goldruten, Einjähriges Berufkraut, Armenische Brombeere, Asiatische Staudenknöteriche, Robinie und Sommerflieder. «Wenn wir nicht eingreifen, nehmen sie rasch Überhand und verdrängen die einheimischen Arten», erklärt Lena Bühlmann, Co-Projektleiterin Neophytenbekämpfung bei creaNatira.
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Matthias Sorg
- Kanadische Goldruten und andere invasive Pflanzen kommen häufig auch am Rand von Verkehrsinfrastruktur vor.
Bekämpfung ist sehr aufwendig
Die Firma creaNatira übernimmt im Auftrag von Pro Natura Aargau und des Kantons Aargau u. a. die Bekämpfung von invasiven Neophyten in Schutzgebieten. Dazu stellt sie kleine, gemischte Teams aus Zivildienstleistenden, Asylsuchenden und Feldpraktikantinnen zusammen. «In der Regel besuchen wir die Gebiete mehrmals pro Jahr», erklärt Lena Bühlmann. «Im Frühjahr haben wir vor allem das Berufkraut im Visier, im Frühsommer die Goldrute. Je nach Befall müssen wir im Spätsommer nochmals rein.» Die Goldrute breitet sich über flugfähige Samen und auch über Rhizome aus und besiedelt gern Waldlichtungen, sandige Böden und Uferböschungen. Durch das klonale Wachstum ihrer Rhizome (bis zu 300 Sprossen/Quadratmeter) bildet sie sehr dichte Bestände. Kleinwüchsige und lichtliebende einheimische Pflanzen finden darin kaum noch Nischen.
Am effektivsten bekämpft man die Goldrute, indem man sie samt Wurzel und Rhizom ausgräbt. Das ist ziemlich aufwendig. «Treffen wir auf einen mächtigen Bestand, der kurz vor der Blüte steht, müssen wir uns bisweilen auch mit Mähen behelfen», so Lena Bühlmann. Die Goldrute lasse sich zwar nicht vollständig aus den Schutzgebieten entfernen, aber mit regelmässigen Bekämpfungsaktionen bekomme man sie in den Griff.
Hübsch, aber gefährlich
Wie aber gelangt die Goldrute in die geschützten Auen? «Beispielsweise übers Wasser der Reuss», erklärt die Fachfrau. «Bei Hochwasser können Samen und Rhizome von weit her in die Auenwälder gelangen. Eintragungen gibt es aber auch über Fahrzeuge mit Samenbeständen am Fahrwerk, über Schuhe, den Wind oder alte Deponien mit Aushub- oder Gartenmaterial.» Während Jahrzehnten war die Goldrute eine geschätzte Zierde in Schweizer Gärten – heute weiss man um ihre Gefahr. Wer sie anpflanzt oder verkauft, macht sich strafbar.
NICOLAS GATTLEN ist Reporter des Pro Natura Magazins.
Gesetzliche Grundlage in der Schweiz
Oktober 2008: In der Schweiz wird die Freisetzung von über 16 invasiven gebietsfremden Pflanzen und drei Tierarten wie der Nordamerikanischen Goldrute, des Staudenknöterichs oder des Asiatischen Marienkäfers verboten. Wer diese Pflanzen oder Tiere verkauft oder aussetzt, handelt gesetzeswidrig. Aufgelistet sind sie alle im Anhang der Freisetzungsverordnung FrsV.
2016: Der Bund publiziert die Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten. Auf Basis der dort festgelegten Ziele wurde später die Überarbeitung des Umweltschutzgesetzes USG in Angriff genommen. Dieses legt fest, dass mit Organismen nur so umgegangen werden darf, dass sie die biologische Vielfalt nicht gefährden.
2019: Nach der Vernehmlassung wird die Revision des USG sistiert, da die enthaltene Bekämpfungspflicht auf öffentlichem und privatem Grund auf grossen Widerstand stösst.
2022: Die Schwarze Liste und die Watch List mit invasiven Pflanzen wird durch eine neue Liste im Anhang der Publikation Gebietsfremde Arten in der Schweiz ersetzt. Neu sind auch andere Artengruppen aufgeführt wie Säugetiere, Reptilien, Insekten und Pilze. Diese wissenschaftlichen Listen haben keine Rechtsgültigkeit, dienen aber als Grundlage zur Erarbeitung rechtsverbindlicher Listen, wie dem Anhang der FrSV.
Per 1. September 2024 hat der Bund die FrSV angepasst. Über 50 Pflanzen wie der Kirschlorbeer, Schmetterlingsflieder oder Blauglockenbaum dürfen neu nicht mehr importiert, verkauft, verschenkt, vermietet oder getauscht werden. Was bereits im Garten wächst, darf aber bleiben.
Eine Vielzahl weiterer Gesetze und Verordnungen regeln – direkt oder indirekt – den Umgang mit gebietsfremden Organismen. Beispiele sind das Fischerei- und Jagdgesetz, das Waldgesetz und das Heimatschutzgesetz. Eine umfassende Auflistung ist in der nationalen Strategie zu finden.
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Drei Gründe für ein JA zur Biodiversitätsinitiative
Um die Biodiversität in der Schweiz steht es schlecht. Mit dem Verlust von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen geht auch unsere Lebensgrundlage verloren. Denn die Biodiversität sorgt für sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden, bestäubte Pflanzen und schützt vor den Folgen der Klimakrise. Pro Natura will mit der Biodiversitätsinitiative wieder mehr Flächen für eine vielfältige Natur schützen und so Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen sichern. Hier sind drei Gründe für ein JA zu dieser Initiative und zu einer vielfältigen Natur.
1. Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage
Der Verlust der Artenvielfalt trifft uns Menschen direkt. Ein Beispiel: Ohne Insekten keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Nahrungsmittel wie Beeren, Früchte und Gemüse. Für unsere Nahrung sind wir auch auf fruchtbare Böden und eine vielfältige Natur angewiesen. Umgekehrt profitiert die Biodiversität, wenn Landwirtinnen und Landwirte ihr Land nachhaltig bewirtschaften und die Biodiversität fördern.
Die Biodiversitätsinitiative fordert mehr Flächen für den Erhalt der Natur- und Artenvielfalt. Nach Annahme der Initiative werden Bundesrat, Parlament und die Kantone ermitteln, welches die erforderlichen Flächen sind. Deshalb steht keine Flächenzahl im Initiativtext.
2. Biodiversität schützt vor Klimakrise und Umweltkatastrophen
Eine intakte Natur hilft gegen die Klimakrise: Moore und Wälder binden CO2, Bäume und Gewässer sorgen für Abkühlung, natürliche Flussläufe bewahren uns vor Hochwasser. Gesunde Wälder schützen das Berggebiet vor Lawinen. Klimaschutz und Naturschutz müssen zusammen angepackt werden.
Deshalb fordert die Biodiversitätsinitiative nicht nur mehr Flächen für Schutzgebiete, sondern auch bessere Qualität. Bund und Kantone müssen dafür sorgen, dass die Schutzgebiete saniert, besser unterhalten und erweitert werden.
3. Der Erhalt der Biodiversität schützt vor Kosten in Milliardenhöhe
Wenn wir nichts tun, führt das Artensterben zu Kosten in Milliardenhöhe. Gemäss Schätzungen des Bundesrats würden sie in der Schweiz ab 2050 bei jährlich 14 bis 16 Milliarden Franken liegen, wenn wir jetzt nicht handeln. Die Initiative verpflichtet Bund und Kantone, unsere Lebensgrundlagen endlich zu schützen. Für den Schutz der Biodiversität sind 375 bis 443 Millionen Franken pro Jahr notwendig. Das sind nur 0.1 Prozent der Staatsausgaben der Schweiz.
Es lohnt sich, jetzt Geld in den Erhalt unserer Natur zu investieren, um hohe Kosten in der Zukunft zu vermeiden. Bund und Kantone müssen die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen, um die dringend nötigen Massnahmen zur Sicherung der Biodiversität umzusetzen und die Leistungen im Kulturland, Wald und Siedlungsraum zugunsten der Biodiversität zu entschädigen.
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Aufzeichnung Online-Vortrag: Wunderwelt Insekten
Eine fotografische Reise mit Insektenspezialist Christian Roesti
Insekten sind die artenreichste Klasse unter den Tieren. Rund 60 Prozent aller Tierarten auf der Welt sind Insekten. Traurigerweise sind 2 von 3 Insektenarten in der Schweiz bedroht oder potenziell gefährdet: durch verschwindende Lebensräume, intensive Landwirtschaft oder Lichtverschmutzung.
Der Rückgang der Insekten hat einen massiven Einfluss auf andere Arten, auch auf uns Menschen. Die lebenswichtigen Funktionen der Insekten als Bestäuberinnen, Recyclierer oder Futterquelle bleiben häufig unbemerkt. Wir schauen genau hin – und tauchen ein die wundersame Welt der Sechsfüssler.
Begleiten Sie Insektenspezialist Christian Roesti von Orthoptera.ch auf eine Reise zu Flugkünstlerinnen und Krabbelkönigen. Wir verraten Ihnen:
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wie gross die Vielfalt der Insekten tatsächlich ist und warum sie so gefährdet ist
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wo Sie Insekten in Ihrer Nachbarschaft antreffen und wen Sie da vor sich haben könnten
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warum wir die Biodiversitäts- und Klimakrise gemeinsam lösen müssen, wie Pro Natura den Sechsfüsslern hilft und was wir alle beitragen können.
Mehr über Christian Roesti erfahren: Orthoptera.ch
Möchten Sie noch mehr ins Thema eintauchen? Vom Insektenfächer oder Insekten-App übers Naturtagebuch hin zum thematisch passenden Brettspiel Hexapodia – wir haben eine grosse Vielfalt an Angeboten.
Fragen & Antworten zum Vortrag
Die Sägeschrecke heisst auf wissenschaftlich Saga pedo, das heisst Sägefuss. Sie gehört zu der Ordnung der Orthoptera (Geradflügler, Heuschrecken), also nur die Ordnung, zu der sie gehört heisst «ptera». Wie es so ist, gibt es halt immer sekundäre Abwandlungen. Obwohl die meisten Heuschrecken Flügel haben, gibt es doch einige Arten, die sekundär ungeflügelt sind.
Da bin ich überfragt. Ich habe es immer so aufgenommen, dass sie einem anderen Tier ähneln. Also «ähnlich wie ein Schmetterling». «Schmetterlingshaftig» in der Bedeutung von schmetterlingsartig.
Ja! Grillen (Gryllidae) gehören zu den Heuschrecken Orthoptera.
Damit ist gemeint, dass eine für die Natur interessante Landschaftsnutzung aufgegeben wird. Zum Beispiel: Wenn in den Bergen artenreiche Alpweiden nicht mehr mit Vieh bewirtschaftet werden, verwalden sie und der Lebensraum der offenen blütenreichen Weiden wird zu Wald. Somit verschwindet dieser für Tagfalter wichtige Lebensraum. Das ist einfach ein Beispiel.
Auch der Übergang von der früheren Mahd mit Sense oder mit dem Balkenmäher zum heute verbreiteten Einsatz von rotierenden Mähwerken führte zu einer Abnahme der Biodiversität.
Jein, Wikipedia listet 17 Arten, die stark betroffen sind und ca. 30 Arten, die alternativ in Frage kommen, darunter den Kreuzdorn. Weissdornarten wurden vielerorts vernichtet. Aus der Sicht der Biodiversität ist der Feuerbrand unbedenklich, hier geht es wiederum wie so oft um den wirtschaftlichen Erfolg, in diesem Fall der Kernobstkulturen.
Das hängt eben stark von der Pflege ab. Wenn der Garten strukturreich hergerichtet ist mit vielen verschiedenen Mikrohabitaten und einer grossen Pflanzendiversität und bei Schmetterlingen mit der Wirtspflanze, können sich auch Spezialisten ansiedeln. Aber die Bemerkung ist schon gerechtfertigt, dass man in Gärten oft die Generalisten fördert. Aber das hält die Spezialisten nicht ab, sich anzusiedeln, wenn der Lebensraum für sie gut ist.
Generell würde ich sagen, wenn die ersten richtig warmen Tage durch sind, im April/Mai und viele Larven, Raupen und Puppen aktiv sind oder geschlüpft sind. Es gibt aber viele Insektenarten, die mehr als nur ein Jahr brauchen, um die Entwicklung abzuschliessen. Auch hier wäre es eben mehr als nur empfehlenswert, wenn auch dies nicht in einem Zug geschnitten würden. Je grösser das Mosaik, desto besser. Wenn das Mosaik gross und strukturreich ist, spielt der Schnittpunkt eigentlich keine Rolle, denn dann können die Insekten ausweichen. So könnten auch die Wiesen problemlos früher geschnitten werden, wenn nebenan andersartige Flächen vorhanden sind.
Es ist möglich, dass gewisse Insektenarten unter Vögeln wie zum Beispiel Kohlmeisen leiden. Im Detail und je nach Situation könnte es möglicherweise ein Problem geben. Da habe ich bei uns im Garten das Gefühl, dass die Kohlmeisen unsere Zitronenfalterraupen jedes Jahr leer fressen. Aber ein Feind hat seine Beute noch nie ausgerottet.
Als Buchtipp: Praxishandbuch Stadtnatur, Tschäppeler und Haslinger
Wichtig: Viele Gartenbesitzer, die den Garten durch einen Gärtner, eine Gärtnerin machen lassen, sind einfach nur froh, dass die Arbeit abgegeben ist und das das läuft. Aber was mit dem Garten genau passiert, ist ihnen oft egal. Deshalb ist es enorm wichtig, dass die Fachpersonen selbst die biodiversitätsfördernden Massnahmen vorschlagen und umsetzen und informieren, dass das nicht nur schön und modern, sondern auch noch naturfördernd ist. Dann sind die meisten Besitzer;innen mehr als zufrieden. Mit diesem Thema könnte man einen ganzen Abend füllen. Ich würde als Gärtner:in viel mehr vorpreschen und unnötige Arten wie Kirschlorbeer und Forsythie nur noch nach explizitem Wunsche pflanzen. Bei Neubauten bei Gartenprojekten sollten standardmässig wenige nützliche Sträucher wie Schwarzdorn, Faulbaum, Kreuzdorn und Rosen Standard sein und nicht ausländische Sträucher.
Sie funktioniert genau gleich wie diejenige der Gruppen, die ausserhalb des Wassers leben, einfach mit dem Unterschied, dass sie im Wasser leben. Diese Insekten haben verschiedene Strukturen, um unter Wasser zu leben und zu atmen, seien es Kiemen oder durch die Atmung durch den Chitinpanzer. Sie häuten sich im Wasser. Libellen und Steinfliegen haben also genau die gleiche hemimetabole Entwicklung, mit der Spezialität, dass das Individuum im letzten Stadium an Land kriecht und sich dort ein letztes Mal zum Imago häutet.
Diese Frage kann ich so leider nicht beantworten, da nicht klar ist, was es ist. Es könnte eine Ameise gewesen sein, die den Pollen der Wildbienen raubte.
Ja, beim Schneiden schadet man potenziell den Insekten, die in den jeweiligen Zweigen sind. Darum ist es ratsam, dass man nicht alles auf einmal schneidet, sondern in mehreren Anläufen («Zahnlückenprinzip»). Auf das Schneiden sollte bei Hecken nicht verzichtet werden, denn sonst ergibt sich eine immer artenärmere Baumhecke, am Ende ein Wald. Dasselbe gilt für Wiesen: Schnitt ist nötig, es kommt aber auf den Termin und die Häufigkeit an.
Heuschrecken singen, um miteinander zu kommunizieren. Es sind die Männchen, die damit den paarungsbereiten Weibchen sagen, wo sie sich aufhalten, damit sie sich paaren können. Das Zirpen braucht vermutlich nicht so viel Energie, Heuschrecken singen bei den ihnen zusagenden Bedingungen in ihrem arttypischen Rhythmus.
Das würde ich nicht generell so sagen. Der Totholzanteil gewisser Wälder hat in den letzten Jahren etwas zugenommen, was auch am leicht steigenden Bestand der Spechte dargestellt werden kann. Aber viele unserer Wirtschaftswälder sind extrem unter Druck und Arten mit speziellen ökologischen Anforderungen nehmen auch in den Wäldern ab.
Da gibt es sehr viele Möglichkeiten! Sie können in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon die Tipps umsetzen, die Christian Roesti in seinem Vortrag erwähnt. Als Mitglied und/oder Freiwillige können Sie zusammen mit Pro Natura, Ihrem lokalen Naturschutzverein oder einer gleichgesinnten Organisation aktiv werden. Schliesslich ist auch Ihr Wahl- oder Stimmzettel ein gutes Instrument für aktiven Naturschutz. Wir freuen uns, wenn Sie am 22. September JA sagen zur Biodiversitätsintiative und wenn Sie bei Wahlen jenen Personen Ihre Stimme geben, die sich für die Natur einsetzen wollen. Schliesslich können Sie auch beim Einkaufen die Natur schonen, indem Sie Bioprodukte bevorzugen und nur massvoll Fleisch- und Milchprodukte wählen.
Es gibt enorm viele Insekten, die auf dem Boden und im Boden leben. Viele Insekten sind flugunfähig und sind eigentlich dazu gezwungen, am Boden oder in Bodennähe zu leben.
Es gibt Tendenzen, dass gewisse Tierarten in höhere Lebensräume vordringen, auch wegen des Klimawandels. Die Feldgrille lebt an geeigneten Stellen aber bis fast 2000 m. Ich nehme eher an, dass sich die Feldgrillen diesen Lebensraum neu erobert haben durch wandernde Weibchen und sich dort jetzt wohl fühlen.
Gehen Sie mit den Kindern nach draussen, zeigen Sie Ihnen die schöne Vielfalt der Insekten - zum Beispiel mit Hilfe unseres Naturtagebuches - und beziehen Sie gerne unsere reichhaltigen Unterlagen aus der Umweltbildung bei: Insekten entdecken | Pro Natura vom Bild des herzigen Plüschtiers Mini-Chou über den Insekten-Bestimmungsfächer bis hin zum spielerischen Ansatz Hexapodia, wir haben einige Dinge zusammengestellt zum Thema.
In der Schweiz gibt es zwei Maikäferarten, den Feld- und den Waldmaikäfer, sie fliegen um den Monat Mai. Beider Arten sind selten geworden, weil sie jahrzehntelang bekämpft wurden mit pathogenen Pilzen und Insektiziden, da sie in der Land- und Forstwirtschaft aus der menschlichen Optik Schaden angerichtet haben. Sie können auf der Verbreitungskarte des CSCF nachschauen, wo die beiden Arten vorkommen: https://lepus.infofauna.ch/carto/22752 und https://lepus.infofauna.ch/carto/22751
In den tiefen Regionen der Schweiz kommt der Feld-Maikäfer noch vor, aber nur mehr in geringen Individuendichten.
Die Thematik (invasiver) gebietsfremder Arten haben wir im jüngsten Pro Natura Magazin beleuchtet.
Es gibt insofern ein Abwehrdispositiv, als der Bund und viele Kantone eigene Neobiota-Strategien haben. Grundsätzlich geht es darum, die Einwanderung invasiver Arten möglichst zu verhindern (dazu dieser Text: Motivation ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit | Pro Natura). Wo das nicht mehr möglich ist, gilt es, die Ausbreitung zu verhindern. Wenn Arten schon sehr weit verbreitet sind, können wir nur noch die besonders wertvollen Lebensräume davor schützen, geschädigt zu werden: Wenn wir nicht eingreifen, nehmen sie rasch Überhand | Pro Natura
Eine covidähnliche Situation zeichnet sich hingegen nicht ab. Es gibt zwar invasive Arten, die für die menschliche Gesundheit problematisch sind, zum Bespiel die Ambrosia-Pflanze, die grosse Mengen von sehr allergenen Pollen produziert. Aber die Dimension ist doch eine viel kleinere.
Das wechselt fast von Exkursion zu Exkursion! Nach diesem Wochenende im Pfynwald (VS) ist es vielleicht der Langfühlerige Schmetterlingshaft. Eine Heuschrecke, die ich besonders gerne habe, ist die Insubrische Strauchschrecke (Pholidoptera littoralis insubrica).
Dies hängt davon ab, wie sich unsere politische Situation entwickelt. Vieles hängt davon ab, wie wir mit den restlichen natürlichen Flächen umgehen. Es wird immer Insekten geben, auch nach dem Menschen. Aber gewisse Arten, die spezielle ökologische Anforderungen haben, werden bei uns mehr und mehr verschwinden. Dies geschieht bereits seit Jahrzehnten und speziell in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts haben wir viele Lebensräume zerstört.
Eine spannende Website mit Überwinterungsstrategien Insekten finden Sie hier Winterstrategien: Insekten - LBV Starnberg
Erleichterung: Garten im Herbst nicht aufräumen. Laub und dürre Stängel stehen lassen, genügend unterschiedliche Kleinstrukturen anbieten (Laubhaufen, Asthaufen, Steinhaufen), Reststreifen Wiese stehen lassen. Saum erst im Frühjahr mähen, Schnittgut noch einige Zeit auf Haufen schichten und liegen lassen und nicht sofort kompostieren oder abführen. Mahd so spät wie möglich aber vor Austrieb der ersten Pflanzen (bei Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen Ende Winter).
Das bisher nasse Wetter kann ein Grund sein für weniger Sichtungen. Man ist weniger im Garten und bei schlechtem Wetter fliegen weniger Insekten herum. Es kommen aber noch viele andere Gründe in Frage, denn insbesondere viele Wildbienenarten brauchen fast ein Jahr für ihre Entwicklung. In dieser Zeit können sie von Parasiten befallen oder von anderen Tieren gefressen werden, sie können zu wenig Futter finden oder zu viel Energie für die Nahrungssuche brauchen, so dass sie nur wenige Eier mit genügend Proviant versorgen können, sie finden vielleicht keine passenden Nistplätze oder diese werden im Herbst-Winter vor dem Schlüpfen der Jungen zerstört (wenn bspw. dürre Pflanzenstängel im Herbst geschnitten und mit dem Grüngut entsorgt werden).
Die Auswahl an möglichen einheimischen Wildpflanzen ist gross. Die Zusammenstellung der Arten hängt ab von den Standortbedingungen am konkreten Ort (schattig, sonnig, mager, feucht, etc.) und der biogeographischen Region. Eine Auswahl an möglichen Staudenpflanzen für Insekten finden Sie hier:
- Beratung | Die Wildstaudengärtnerei AG (Listen für versch. Insekten ganz unten)
- Für Ihren Standort selber zusammenstellen: Wildpflanzen für den Garten | Floretia
- Praxishandbuch Stadtnatur: Praxishandbuch Stadtnatur | Haupt - Online Buchshop erhältlich im Pro Natura Shop oder im Buchhandel (Liste im Anhang des Buchs).
Die Biodiversitätsintiative will mehr Fläche und mehr Mittel für die Natur sicherstellen. Dank der Annahme der Biodiversitätsinitiative kann es in der Schweiz also zum Beispiel mehr artenreiche Riedwiesen und mehr Blumenwiesen geben und damit mehr Lebensraum für Heuschrecke, Schmetterlinge und andere Insekten.
Pro Natura sensibilisiert zu diesem Thema: Auf der Website, mit der Verleihung des Beugger Preises, im Pro Natura Magazin und in Vorträgen. 2019 haben wir das Glühwürmchen zum Tier des Jahres ernannt, um insbesondere auch auf die Lichtverschmutzung hinzuweisen: Tier des Jahres 2019: Das Glühwürmchen | Pro Natura
Wichtigste Akteure sind die Gemeinden. Auf Initiative von Einwohnerinnen und Einwohnern haben schon verschiedene Gemeinden Massnahmen gegen Lichtverschmutzung ergriffen.
Viele Vogelarten ernähren sich von Insekten, manche zumindest brauchen Insekten für die Jungenaufzucht. Je weniger Insekten es gibt, desto mehr haben diverse Vogelarten Schwierigkeiten genügend Nahrung zu finden.
Medien und Politik müssen über den alarmierenden Zustand der Biodiversität sprechen
Eine von Pro Natura in Auftrag gegebene GFS-Umfrage hat ergeben, dass das Bild, das sich die Schweizerinnen und Schweizer vom Zustand der Biodiversität machen, zu 50 Prozent positiv ist. Doch die Realität sieht ganz anders aus: In der Schweiz leidet die Biodiversität unter einer beispiellosen Krise, die verheerende Folgen erwarten lässt. «Wir haben diese Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Bevölkerung und der wissenschaftlichen Realität vor Ort schon 2022 festgestellt», erklärt Leo Richard, Projektleiter Kampagnen bei Pro Natura. «Wir hatten deshalb die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, und nun rufen die Ergebnisse der jüngsten Umfrage danach, dass wir unsere Bemühungen weiter verstärken.»
Sensibilisierung nötig
Das fehlende Bewusstsein verhindert, dass Massnahmen ergriffen werden, um das Verschwinden von Arten und natürlichen Lebensräumen einzudämmen. Erschwerend hinzu kommt die aktuelle politische Lage. «Die Häufung von Krisen – Klima, Krieg, Energieversorgung usw. – führt zu einer Art Konkurrenzsituation. Sie bewirkt, dass die Natur und ihr Schutz systematisch in den Hintergrund gedrängt werden, denn die Situation wird nicht als dringlich wahrgenommen», analysiert Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura und SP-Nationalrätin. Die Sensibilisierung der Bevölkerung ist ein wesentlicher Hebel, um das Parlament dazu zu bewegen, rasch Lösungen zu finden, die vor Ort in kürzester Zeit umsetzbar sind.
Aufruf an die Medien
Im Oktober bieten die nationalen Wahlen die Gelegenheit, die Biodiversitätskrise und ihre drohenden Folgen in einem Mass sichtbar zu machen, das dem Problem gerecht wird. In der Kampagnenphase vor den Wahlen intensiviert Pro Natura ihre Sensibilisierungsbemühungen und lanciert einen Aufruf an die Medien: «Wir rufen die Journalisten und Journalistinnen dazu auf, die Biodiversitätskrise konsequent in die Liste der Themen aufzunehmen, die in den Befragungen der Kandidierenden und in den Debatten behandelt werden. Die Erfahrung aus dem Umgang mit der Klimafrage lehrt uns, dass es der denkbar schlechteste Weg ist, ein Thema unsichtbar zu machen und sich nicht damit auseinanderzusetzen», sagt Leo Richard. «Das ohrenbetäubende Schweigen angesichts des Artensterbens darf nicht mit einem politischen Schweigen einhergehen», schliesst Ursula Schneider Schüttel.
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Headerfoto Aurorafalter © Sonja Roth
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Umweltbilanz der letzten LegislaturDocumenti scaricabili
Ergebnisse der GFS-UmfrageMantelerlass ermöglicht Fortschritte bei der Energiewende, jedoch mit potenziell gravierenden Folgen für den Naturschutz
Äusserst biodiversitätsschädigende Vorschläge, die während der Debatte zur Diskussion standen, wie die Streichung des Biotopschutzes aus dem Energiegesetz oder die Sistierung der Restwasservorgaben konnten verhindert werden.
Dennoch bleiben sehr problematische Bestimmungen in den beiden Gesetzen:
- Restwasserstrecken sollen inskünftig auch durch Auen von nationaler Bedeutung führen können; damit werden diese bereits stark beeinträchtigten, äusserst wertvollen Lebensräume noch weiter bedroht.
- Dem Ausbau von Wind- und Solarenergieanlagen von nationaler Bedeutung wird ein grundsätzlicher Vorrang gegenüber Schutzinteressen eingeräumt, ebenso den 15 Projekten des Runden Tisch Wasserkraft.
- Die Streichung der Ersatzmassnahmenpflicht bei gravierenden Eingriffen in Gebiete des Bundesinventars für Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) verletzt das Verursacherprinzip und untergräbt die gesetzliche Pflicht zur grösstmöglichen Schonung dieser Schutzperimeter.
Pro Natura wird die Umsetzung im Gesetz sehr genau beobachten und auf die Einhaltung des materiellen Umweltrechts pochen. Weitere Angriffe auf den Naturschutz zur Umsetzung der Energiewende, namentlich im Bereich des Auenschutzes und Restwasserbestimmungen ist Pro Natura nicht bereit hinzunehmen.
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Nationalratssaal Parlamentsdienste © Rob Lewis
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Biodiversität: Umweltkommission bestätigt dringenden Handlungsbedarf
«Mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Der aktuelle Biodiversitätsschutz genügt bei weitem nicht, um das Artensterben zu stoppen. Der Gegenvorschlag soll zu einer raschen Sicherung unserer bedrohten Lebensgrundlagen beitragen. Es ist darum wichtig, dass der Nationalrat an dieser Vorlage festhält.»
Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz
«Die Natur erbringt unverzichtbare Leistungen wie Bestäubung und Bodenfruchtbarkeit, ohne die wir nicht leben können. Der Bundesrat beziffert den Gegenwert dieser Ökosystemleistungen auf 14 bis 16 Milliarden Franken pro Jahr*. Diese zu erhalten, kostet uns wenig. Einen weiteren Rückgang der Biodiversität können wir uns hingegen nicht leisten. Zum Schutz unserer Lebensgrundlagen und jener der kommenden Generationen brauchen wir rasche, wirksame Massnahmen.»
Sarah Pearson Perret, Directrice romande von Pro Natura
Neuer Ansatz für indirekten Gegenvorschlag
Offenbar hat die UREK-N einen neuen Ansatz für den indirekten Gegenvorschlag diskutiert. Der Trägerverein der Biodiversitätsinitiative begrüsst weiterhin, wenn das Parlament einen wirksamen Gegenvorschlag und damit eine rasche Sicherung unserer Lebensgrundlagen beschliesst. Ein weiteres Zuwarten kann sich die Schweiz nicht leisten. Der Trägerverein wird einen neuen Vorschlag prüfen, sobald er publiziert ist.
Für einen indirekten Gegenvorschlag
Der Trägerverein der Biodiversitätsinitiative setzt sich für ein rasches und gezieltes Handeln ein und engagiert sich deshalb für einen indirekten Gegenvorschlag. Sollte kein akzeptabler Gegenvorschlag zustandekommen, führt der Trägerverein einen engagierten Abstimmungskampf für die Biodiversitätsinitiative. Dabei kann er auf viel Rückhalt in der Bevölkerung zählen. Das zeigt etwa die breite Unterstützung für den Appell Biodiversität, den innerhalb von nur 8 Wochen über 43'000 Personen unterschrieben haben (Petition 23.2024 Biodiversitätskrise: Jetzt handeln statt zuwarten!).
* Erläuterungen Bundesrat vom 4.3.2022: Seite 10 unten mit Fussnote 19
Kontakt
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
- Pro Natura: Sarah Pearson Perret, Directrice romande, @email, 079 688 72 24
- Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsleiter, @email, 079 631 34 67
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58
- Biodiversitätsinitiative: Dagmar Wurzbacher, Medienstelle, @email, 076 517 25 96
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Kommentar des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative zum Entscheid der UREK-N
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Website der Biodiversitätsinitiative«Wir haben zu wenige Schutzgebiete, in denen Arten ein sicheres Zuhause finden»
In der Schweiz gibt es keine Übersicht und Strategie, wie Schutzgebiete übers ganze Land verteilt und vernetzt werden sollen. Im jetzigen Flickwerk von Schutzgebieten mangelt es zudem an vielseitigen und qualitativ hochstehenden Naturschutzgebieten, die unterschiedliche Habitate vereinen und eine grosse Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten beheimaten – sogenannte Hotspots der Biodiversität.
Pro Natura sichert in der Schweiz über 800 Naturschutzgebiete, darunter auch einige Hotspots der Biodiversität. Eine kleine Auswahl davon, mit unterschiedlichen Eigenschaften, stellen wir in diesem Magazin vor. Parallel dazu unterhalten wir uns mit unserem abtretenden Abteilungsleiter Urs Tester über das Management von Naturschutzgebieten.
Pro Natura Magazin: «Welche Schutzgebiete braucht die Schweiz?»; diese Frage erörterst du im Buch, das zu deiner Pensionierung erscheint. Sind es vor allem grossflächige, gut vernetzte Schutzgebiete, wie wir sie in dieser Ausgabe vorstellen?
Urs Tester: Davon brauchen wir sicher mehr. Viele gefährdete Arten sind aufgrund ihrer Lebensweise auf grossräumige Gebiete angewiesen. Auch für die hochspezialisierten Arten brauchen wir grosse Schutzgebiete. Denn in kleinen, isolierten Gebieten ist das Risiko hoch, dass sie aussterben. Manchmal reichen zwei aufeinander folgende Hitzesommer oder Stickstoffeinträge aus der Nachbarschaft – und schon verschwindet eine Art aus dem Gebiet. In grossen Schutzgebieten fallen solche Einflüsse weniger stark ins Gewicht. Die spezialisierten Arten können sich dort besser halten. Zudem steigt mit der Grösse die Chance, dass Tiere und Pflanzen einwandern. Das zeigt sich auf Inseln: Je grösser sie sind, desto mehr Arten kommen dort vor.
Es spricht also viel für die Schaffung von grossräumigen Schutzgebieten.
Ja, aber mit wenigen sehr grossen Naturschutzgebieten lassen sich nicht alle geografischen Regionen und Lebensraumtypen der Schweiz abdecken. Es braucht also auch übers ganze Land verteilte kleinere Schutzgebiete. Wichtig ist zudem, dass die Schutzgebiete nicht zu weit auseinanderliegen und über sogenannte Trittsteine – zum Beispiel Hecken, extensiv bewirtschaftete Wiesen, Teiche, offene Bäche – miteinander vernetzt sind. Auch das sehen wir bei Inseln: Bei grösserer Distanz vom Festland oder von anderen Inseln nimmt die Artenzahl ab. Die «Inseltheorie» liefert uns also wichtige Argumente für den Aufbau eines solchen Biotopverbunds.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Susanna Meyer
- Artenreiche Baumhecke bei Mümliswil-Ramiswil, SO
In der Schweiz gibt es doch schon viele kleine Schutzgebiete. Jede Gemeinde hat einen geschützten Teich, einen ehemaligen Steinbruch oder ähnliches.
Das ist so, die Schweiz hat sehr viele sehr kleine Schutzgebiete. Sogar manche Biotope von nationaler Bedeutung sind nicht grösser als ein Handballfeld. Ein einzelner kleiner Teich kann keine Populationen sichern. Er kann als Trittstein dienen, sofern in der Nähe noch grössere Lebensräume vorhanden sind. In der Schweiz haben wir zu wenige Schutzgebiete, in denen Arten ein sicheres Zuhause haben oder Zuflucht finden. Pro Natura selber versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu einem funktionsfähigen Schutzgebietsnetz beizutragen: Wir sichern schweizweit 260 Quadratkilometer Naturschutzgebiete und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Es braucht aber noch weitere hochwertige Flächen.
Was zeichnet ein gutes Schutzgebiet aus?
Das Gebiet muss gut vernetzt sein und über eine ausreichend grosse Pufferzone verfügen. Viele Schutzobjekte befinden sich mitten in einer intensiv genutzten Landschaft und sind vielfältigen Risiken ausgesetzt, beispielsweise Düngereinträgen, Pestiziden, Kunstlicht, Lärm, Verkehr. Je härter die Grenzen, umso anfälliger sind die Schutzgebiete. Idealerweise erfolgen die Übergänge vom Schutzgebiet in die intensiver genutzten Flächen fliessend. Das ist auch für das Landschaftsbild ein grosser Gewinn. Entscheidend ist schliesslich, wie das Gebiet gemanagt und gepflegt wird.
Was ist dabei zu beachten?
Zunächst einmal muss eine klare Zielsetzung gegeben sein: Welche Lebensräume will man erhalten oder aufwerten? Ein Managementplan gibt vor, wie diese Ziele zu erreichen sind. Und dann geht es an die Umsetzung: Schutzgebiete sind keine Selbstläufer, sie müssen betreut und weiterentwickelt werden. Das gilt auch für Gebiete, wo man die natürliche Dynamik wieder zulässt wie zum Beispiel in einem Naturwaldreservat oder in einer Aue. Mit einer guten Information und Besucherlenkung sowie der Präsenz von Rangerinnen und Rangern lassen sich Störungen vermeiden oder auf einem tiefen Level halten. Leider wird die Betreuung und Pflege in vielen kommunalen, kantonalen und nationalen Schutzgebieten vernachlässigt. In der Folge verlieren sie an Qualität. Flachmoore verbuschen, in Auen breiten sich invasive Neophyten aus, Hochmoore trocknen aus.
Was sind die Gründe?
Die mangelhafte Betreuung spiegelt die Geringschätzung wider, welche Teile der Gesellschaft der Natur entgegenbringen. Also ist auch die Politik nicht bereit, ausreichend Geld und Personal für die Entwicklung der Schutzgebiete bereitzustellen. Weil das Personal fehlt, erhalten Landwirte statt Wertschätzung für ihre Arbeit Standardpflegeverträge, haben keine Ansprechperson, und weil das Geld knapp ist, fehlt ihnen die Sicherheit, dass die Naturschutzbeiträge ausbezahlt werden. Das wirkt sich dann rasch auf ihre Motivation und die Qualität des Schutzgebiets aus.
Die Schweiz verfügt nur über wenige Schutzgebiete, in denen die Natur sich selbst überlassen wird. In den meisten Gebieten wird gemäht, beweidet, geschnitten oder gesägt. Wäre es nicht hilfreicher für die Natur, wenn mehr Wildnisgebiete ausgeschieden würden?
Viele Arten würden ganz klar profitieren, deshalb setzt sich Pro Natura seit vielen Jahren für mehr Wildnis ein. Die Schweiz ist aber auch reich an Kulturlandschaften mit spezifischen Artengemeinschaften. Ohne Kultur gäbe es einen Teil dieser Arten nicht bei uns. Die aus dem mediterranen Raum stammende Grosse Hufeisennase etwa oder der aus dem Nahen Osten eingewanderte Steinmarder konnten sich in der Schweiz nur ansiedeln, weil sie im Kulturland und im Siedlungsgebiet geeignete Lebensräume und Strukturen vorfanden. Auch die Ackerbegleitflora ist über die Kultur in die Schweiz eingezogen. Sie stammt zu grossen Teilen aus dem Nahen Osten und bereichert nun die Ackerbaugebiete unseres Landes – jedenfalls dort, wo man ihr den nötigen Raum gibt. Die Landschaftspflege ist also ein wichtiges Element zum Er- halt der Artenvielfalt. Wo die traditionelle Bewirtschaftung nicht mehr praktiziert wird, müssen wir sie durch Pflegemassnahmen nachahmen.
Simuliert wird in einigen Schutzgebieten auch die natürliche Dynamik von Gewässern, beispielsweise mit dem Bau von Tümpeln und Teichen oder mit ständigen Baggereingriffen in Kiesgruben, die als Ersatzlebensräume für typische Auenbewohner dienen sollen. Funktioniert das?
Es ist wohl die aufwändigste und herausforderndste Kategorie an Schutzgebieten: Weil Flüsse und Bäche nicht mehr frei fliessen und ihre Dynamik entfalten, braucht es Ersatzlebensräume, in de nen die natürliche Dynamik durch den Bagger ersetzt wird. Die Erfahrung zeigt, dass diese Massnahmen durchaus wirksam sind.
Gibt es eigentlich eine Art «Idealzustand», an dem sich der Naturschutz orientiert?
In dieser Hinsicht hat sich einiges geändert: Als man vor mehr als 100 Jahren den Schweizerischen Nationalpark einrichtete, hatte man noch ein statisches Bild der Natur. Man dachte, dass der Wald nach den grossen Rodungen im 19. Jahrhundert stetig wächst, bis er sich in ein quasi ewig anhaltendes Gleichgewicht setzt. Dieses Gleichgewicht galt als Idealzustand, den es zu erreichen gilt, nicht nur im Wald, in allen Ökosystemen. In den 1970er- Jahren veränderte sich die Sichtweise auf die Natur. Nun setzte sich die Idee von sich wiederholenden Zyklen durch. Wälder wachsen, brechen zusammen und wachsen wieder. Die Natur verändert sich also – aber stets auf dieselbe Art. Auch dieses Bild ist mittlerweile überholt. Die Natur verändert sich ständig, mit dem Klimawandel wird das augenfällig. Sie kehrt nicht mehr zu früheren Zuständen zurück, sondern bewegt sich spiralförmig weiter.
Was bedeutet diese Erkenntnis für das Management von Naturschutzgebieten?
Die Ziele für ein Schutzgebiet liegen nicht in der Vergangenheit. Es gelingt uns auch nicht, ein Moor oder eine Magerwiese zu konservieren. Mit guter Schutzgebietsarbeit können wir aber dazu beitragen, dass sich die Natur in Richtung Vielfalt entwickelt und nicht verarmt.
Von NICOLAS GATTLEN, Reporter, und RAPHAEL WEBER, Chefredaktor des Pro Natura Magazins.