Progetti
Unter unseren Füssen wimmelt es von Leben!
In einer Handvoll humusreicher Erde wuseln etwa zehn Milliarden Organismen. Das Leben auf der Welt hängt von der verborgenen Vielfalt dieser Bodenorganismen ab: Was wir essen, trinken, einatmen, der grösste Teil der Rohstoffe unserer Kleidung, das alles wandert immer wieder durch den Boden und seine Lebewesen.
Die Böden – komplexe Ökosysteme
Auf der Oberfläche der Erdkugel bilden die Böden diese einzigartige dünne Schicht, in der Geosphäre, Hydrosphäre, Atmosphäre und Biosphäre in Wechselwirkung treten. Sie formen zeitlich und räumlich komplexe Ökosysteme in Abhängigkeit von Klima, Ausgangsgestein, Wasserhaushalt, Topografie und biologischer Aktivität. Die Entstehung eines Bodens dauert Tausende von Jahren und ist nie abgeschlossen. Man geht davon aus, dass die durchschnittliche Bodenbildungsrate 0,1 Millimeter pro Jahr beträgt. Gesunde Böden beherbergen unzählige Lebewesen – Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen – und sind der Ort, wo grundlegende Prozesse wie der Nährstoffkreislauf stattfinden. In einem Gramm Erde leben 2000 bis 18’000 verschiedene Arten, die sich hauptsächlich von den organischen Substanzen im Boden ernähren.
Bakterien, Pilze, Einzeller und Co.
In den Böden herrschen sehr unterschiedliche Lebensbedingungen. Die meisten Organismen befinden sich in den obersten Zentimetern des Erdreichs, in der Humusschicht, die aus organischem Material von toten Lebewesen, Pflanzenstreu und Ausscheidungen von Wurzeln, Pilzen und Mikroorganismen besteht. Die grösste Artenvielfalt weisen die Bakterien und andere mikroskopisch kleine Einzeller auf. Es gibt aber noch unzählige weitere Organismen, die von blossem Auge oft nicht zu erkennen sind: Amöben, verschiedene Nematoden, Bärtierchen, Regenwürmer und, näher an der Oberfläche, kleine Weisswürmer, Tausendfüsser, Asseln, Springschwänze, Insektenlarven sowie Schnecken, die grosse Mengen an Pflanzenstreu fressen. Und nicht zu vergessen: Maulwürfe und Ameisen, die zur Strukturierung und Belüftung des Bodens beitragen, oder Wildschweine, die auf der Suche nach Nahrung den Boden durchwühlen. Während die weltweite Artenvielfalt der Pflanzen zu mehr als 80 Prozent bekannt ist, hat die Wissenschaft bis heute nur knapp 5 Prozent der Nematoden-, Pilz- und Bakterienarten beschrieben.
Ein Kuhfladen …
Stellen wir uns einen frischen Kuhfladen vor. Nach einigen Wochen oder Monaten ist er verschwunden. Was ist aus ihm geworden? Eine Heerschar spezialisierter Lebewesen, die sich je nach Zersetzungs- und Austrocknungsgrad des Kuhfladens ablösen, hat den grössten Teil davon in den Boden eingearbeitet. Auf die Schnecken und die Fliegenlarven, die den Abbauprozess beginnen, folgen weitere Zweiflügler, die ihre Eier ablegen. Dann kommen dungfressende Käfer und kleine Kompostwürmer. Wenn der Kuhfladen schon stark zersetzt ist, übernehmen die Regenwürmer die Aufgabe, ihn vollends in den Boden einzuarbeiten. Während des gesamten Ablaufs stellen sich zahlreiche Jäger ein, um Beute zu machen: Kurzflügelkäfer, Vögel, Raubmilben, Pseudoskorpione, Tausendfüsser. Auch Pilze und Bakterien sind von Beginn weg am Abbau des Kuhfladens beteiligt. Genau der gleiche Prozess läuft ab, wenn ein Blatt, ein Baumstamm, ein Kadaver oder andere abgestorbene organische Materialien zersetzt werden.
Ohne die Fauna und die Mikroorganismen im Boden würden sich überall tote Tiere, Kot und Pflanzenreste anhäufen. Die Oberfläche der Erde wäre meterhoch mit Totholz, Kadavern und Exkrementen bedeckt.
-
Matthias Sorg
Die Landwirtschaft braucht gesunde Böden
Ein ertragsfähiger, gesunder Boden zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt an Lebewesen aus. Wenn diese Organismen in ausreichender Menge vorhanden sind, können sie Ackerböden auflockern, die durch das wiederholte Befahren mit schweren Maschinen grossen Belastungen ausgesetzt sind. Ist der Boden zu stark verdichtet, drohen die Pflanzenwurzeln zu ersticken. Die intensive mechanische Bodenbearbeitung, der Eintrag grosser Mengen an Mineraldünger und Pestiziden und der fortlaufende Verlust an organischer Substanz in den Ackerböden lösen dramatische Veränderungen aus. Sie bringen viele Lebewesen zum Verschwinden, mit irreparablen Folgen für die Bodenfruchtbarkeit. Studien belegen, dass die biologischen Anbaumethoden sowie die Konservierende Landwirtschaft mit reduzierter Bodenbearbeitung und die Regenerative Landwirtschaft mit Dauerbegrünung weniger zerstörerisch für das Bodenleben sind.
Die Biodiversitätskrise betrifft auch den Boden
Die Vielfalt des Bodenlebens steht unter Druck. Jede Sekunde wird in der Schweiz mehr als ein Quadratmeter fruchtbarer Boden zerstört, und das schon seit Jahrzehnten. Böden sind keine erneuerbare Ressource. Sie können innerhalb weniger Sekunden geschädigt werden, die Regeneration hingegen dauert Dutzende oder gar Hunderte von Jahren. Trotzdem werden die Bodenbiodiversität und die damit verbundenen Ökosystemfunktionen meistens vernachlässigt, wenn es darum geht, den Biodiversitätszustand zu bewerten.
Natürlich kann man nur schützen, was man kennt: In der Schweiz gibt es nicht einmal eine nationale Bodenkarte, geschweige denn eine Bewertung des Gefährdungszustands der Bodenlebewesen.
Wenn Sie also das nächste Mal einen Regenwurm oder eine Schnecke auf einem befestigten Weg sehen, dann machen Sie es doch wie ich: Heben Sie das Tier vorsichtig auf und tragen Sie es an einen sicheren Ort. Wer die Biodiversität im Boden fördert, fördert die Gesundheit des Bodens und damit die Gesundheit und das Wohlergehen von uns Menschen.
Der Biologe René Amstutz ist Bodenspezialist. Er leitet bei Pro Natura die Abteilung Biotope und Arten.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin Spezial publiziert.
Potrebbe anche interessarti
«Regio Flora»: Direktbegrünung fördert die regionale Artenvielfalt
Jedes Jahr werden in der Schweiz hunderte Hektaren Grünland neu angelegt, etwa auf Biodiversitätsförderflächen in der Landwirtschaft, für Böschungsbegrünungen im Strassenbau oder bei der Umgebungsgestaltung im Siedlungsraum. Meist wird dazu standardisiertes Saatgut verwendet, welches nur selten den regionalen Artenpool und die genetisch angepassten Ökotypen abbildet. Dies führt auf lange Sicht zur Verfälschung der regionaltypischen Pflanzenzusammensetzung und zur Verarmung der genetischen Vielfalt im Grünland.
Die Alternative: Direktbegrünung
Mit dem Direktbegrünungsverfahren kann dem entgegengewirkt werden. Bei der Direktbegrünung wird entweder das Mahdgut einer nahegelegenen Spenderfläche auf der zu begrünenden Empfängerfläche ausgebracht, oder das regionale Saatgut wird auf nahegelegenen artenreichen Spenderflächen geerntet und anschliessend zur Ansaat verwendet. Mit beiden Varianten werden lokale Arten besonders effizient gefördert und ihre genetischen Eigenschaften erhalten.
Seit 10 Jahren unterstützt das von Pro Natura lancierte Projekt «Regio Flora» diese Ansaatverfahren mit verschiedenen Angeboten:
- Informationsplattform
- Spenderflächendatenbank
- Leitfaden für Praktikerinnen und Praktiker
- Kurse und Workshops
So wirkt das Projekt konkret der Verarmung der hiesigen Blumenwiesen entgegen. Mit Erfolg: Die sogenannte Direktbegrünung mit Saatgut aus der Region wird im Alltag von immer mehr Landwirtschaftsbetrieben sowie von Fachleuten aus Naturschutz, Garten- und Strassenbau gewählt. In 18 Kantonen sind inzwischen Spenderflächen für Direktbegrünungen bei «Regio Flora» aufgeschaltet.
-
Die Alternative: Direktbegrünung
-
A. Bosshard
- Saatguternte mit dem Seedharvester
Zwar gibt es noch skeptische Stimmen gegenüber den Direktbegrünungsverfahren, die Ergebnisse der Erfolgskontrolle im Feld sind aber mehr als vielversprechend: Über fünf Jahre hinweg wurden Flächen, die mit Mahdgutübertragung angelegt wurden, untersucht. Sie erreichten tendenziell eine höhere Artenzahl als die mit dem Standardsaatgut begrünten Flächen.
Das Projekt «Regio Flora» wurde von Pro Natura vor 10 Jahren initiiert und in Zusammenarbeit mit den Partnern Bundesamt für Umwelt BAFU, Bundesamt für Landwirtschaft BLW, AGRIDEA, Info Flora, Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues AGFF sowie 15 Kantonen entwickelt.
-
Ein Projekt mit Zukunft
-
A. Bosshard
- Verteilung des frisch geernteten Mahdguts der nahegelegenen Spenderfläche auf der Empfängerfläche.
Ulteriori informazioni
Contatto
Olivier Magnin
HAFL Zollikofen
Tel.: +41 31 848 64 65
@email
Documenti scaricabili
Bericht Erfolgskontrolle (PDF)«Die Direktbegrünung ist ein effizientes Verfahren, um artenreiche Wiesen zu fördern und die autochthonen (gebietseigenen) Blumen- und Gräserarten zu erhalten» meint Andrea Lips, Projektleiterin Biotope & Arten bei Pro Natura. In den nächsten Jahren sollen möglichst viele Wiesenansaaten mit regionalem Satgut oder Mahdgutübertragung aufgewertet werden. «Die Verwendung von regionalem Saatgut muss berücksichtigt werden. Bund und Kantone müssen dahingehend verbindliche Vorgaben treffen», so Lips.
Umso erfreulicher, dass das BLW die Wichtigkeit der Thematik erkannt und als Folge von unserem Projekt «Regio Flora» eine befristete Stelle geschaffen hat. Damit erhält nicht nur die Direktbegrünung mehr Sichtbarkeit, es wurde so auch eine Anlaufstelle errichtet, die die Anliegen der verschiedenen Akteure koordiniert und zusammenbringt. Wir freuen uns auf mehr Ansaaten, Mahdgutübertragungen und dadurch regionale Artenvielfalt im Grünland.
Potrebbe anche interessarti
Vision 3-Seen-Land 2050: Eine Win-Win-Situation für Natur und Landwirtschaft
Abgesackte Äcker, belastetes Trinkwasser, verbaute Gewässer, schwindende Biodiversität und eine eintönige Kulturlandschaft: Die Liste der Probleme im 3-Seen-Land zwischen der Orbe-Ebene und der Grenchner Witi ist lang. Viele dieser Umweltbeeinträchtigungen gehen auf die grossräumige Trockenlegung nach den beiden Juragewässerkorrektionen zurück. Sie haben die heutige intensive landwirtschaftliche Nutzung erst ermöglicht. Zudem machen den Bauernbetrieben inzwischen auch die häufigeren Überschwemmungen und vermehrten Trockenperioden als Folgen des Klimawandels zu schaffen.
Wege aus der Sackgasse
Die bisherige Bewirtschaftung des 3-Seen-Landes und Zukunftspläne, die unter anderem eine flächendeckende Infrastruktur zur künstlichen Bewässerung vorsehen, führen in eine Sackgasse. So lässt sich zum Beispiel das Grundwasser aufgrund der hohen Nährstoff- und Pestizidbelastung vielerorts nicht mehr für die Trinkwasserversorgung nutzen. Die Intensivlandwirtschaft hat auch dazu geführt, dass sich die Gesamtfläche der Moorböden im 3-Seen-Land in den letzten 50 Jahren halbiert hat. Mit konventionellen Methoden ist auf Moorböden kein nachhaltiger Acker- bau möglich, denn diese beschleunigen den Torfschwund. Die durchschnittliche Bodensackung von 1 Zentimeter setzt in der Region jährlich etwa 125 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) frei. Um die Klimaerwärmung abzuschwächen, muss dieses Treibhausgas künftig in den Torfböden bleiben. Nur so kann das 3-Seen-Land seine wichtige Rolle als natürliche CO2-Senke wieder wahrnehmen.
In ihrer am 24. August 2023 in Bern vorgestellten «Vision 3-Seen-Land 2050» zeigen die fünf nationalen Umweltschutzorganisationen BirdLife Schweiz, Pro Natura, die Stiftung Landschafts- schutz Schweiz, der Schweizerische Fischereiverband sowie der WWF Schweiz, dass es auch anders geht. «Wenn wir weitermachen wie bisher, gehen überlebenswichtige Ressourcen wie fruchtbarer Boden und sauberes Trinkwasser in der Region unwiderruflich verloren und müssen durch teure, technische Lösungen ersetzt werden», erklärte an der heutigen Medienkonferenz Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura, die selbst im Seeland lebt. «Wir sind über- zeugt, dass die Region als Standort für eine natur- und umweltgerechtere Lebensmittelproduktion erhebliche Chancen hat.»
Mehr Feuchtgebiete in der ausgeräumten Agrarlandschaft
Die Vision basiert auf neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie sieht unter anderem vor, Moorböden und degradierte Flächen zur Revitalisierung von Flachmooren und weiteren Feucht- gebieten freizugeben sowie Fliessgewässer und ihre Auen zu renaturieren. Damit würden sich sowohl die Wasserspeicherkapazität wie auch die Wasserqualität im Gebiet stark verbessern. Zentral für eine zukunftsfähige Entwicklung sind auch Anbautechniken und angepasste Kulturen, die höhere Temperaturen und geringere Niederschläge ertragen. Dazu gehören trockenheits- resistente Sorten und pfluglose Verfahren wie etwa die Direktsaat. Sie verbessern die Boden- fruchtbarkeit und begünstigen die Biodiversität der Feuchtgebiete. Dies kommt sowohl der Natur als auch den bäuerlichen Betrieben zugute.
Gemäss der Vision werden gesellschaftliche Trends den Produktionsdruck auf die bäuerlichen Betriebe zunehmend dämpfen und ihren Bedarf an Anbauflächen verringern. So will der Bund die Lebensmittelverluste von heute über 30 Prozent bis 2030 halbieren. Landen weniger Nahrungs- mittel im Abfall, bleibt mehr Raum für die Natur. Dasselbe gilt, wenn die Futtermittelproduktion für Nutztiere künftig weniger Fläche beansprucht. Ihr Landbedarf ist nämlich heute viel grösser als derjenige für den Gemüseanbau. Dass sich immer mehr Menschen pflanzlich ernähren, begünstigt den Anbau von Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Getreide. Diese liefern auf gleicher Fläche rund fünfmal mehr Nahrungskalorien als tierische Lebensmittel.
Pionierfeld für eine umweltfreundliche Landwirtschaft
Die Vision entwickelt Strategien, welche die landwirtschaftliche Produktion in Einklang bringen mit intakten Gewässern, hochwertigem Trinkwasser, Klimaschutz, mehr Biodiversität und touristi- schen Anliegen. Die Lösungsansätze sollen nun zusammen mit weiteren Akteuren und Beteiligten in der Region weiterentwickelt werden. «Wir sehen im 3-Seen-Land ein Pionierfeld für eine zukunftsweisende Nutzung der Landschaft in der Schweiz», erklärt die Pro Natura-Präsidentin Ursula Schneider Schüttel. «Die Region hat mit der Expo 02 bewiesen, dass sie Grosses leisten kann, wenn alle dasselbe Ziel verfolgen. Lasst uns daran anknüpfen und Win-Win-Situationen schaffen, von denen Natur, Bevölkerung und Landwirtschaft gleichermassen profitieren.»
Weitere Informationen:
Bildmaterial, Faktenblätter und weitere Informationen zum Download: www.dreiseenland2050.ch
Kontakte:
- Pro Natura: Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, @email, Tel. 078 603 87 25 (Thema Gesamtvision)
Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik, @email, Tel. 079 730 76 64 (Thema Landwirtschaft) - WWF Schweiz: Eva Wyss, Verantwortliche Landwirtschaft, @email, Tel. 079 352 09 47 (Themen Boden und Klima)
- BirdLife Schweiz: Christa Glauser, ehem. Stv. Geschäftsführerin, @email, Tel. 078 719 33 12 (Thema Biodiversität)
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Roman Hapka, stv. Geschäftsleiter, @email, Tel. 079 691 76 64 (Thema Landschaft)
- Schweizerischer Fischerei-Verband: David Bittner, Geschäftsführer, @email, Tel. 079 461 91 78 (Themen Gewässer und Trinkwasser)
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltorganisationen WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Schweizerischer Fischerei-Verband, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Pro Natura
Headerfoto © Isabelle Bühler
Potrebbe anche interessarti
Nationalrat erinnert sich an die Biodiversitätskrise
Bestäuberinsekten und Bodenorganismen sind die Grundlage für eine gesunde und lokale Lebensmittelproduktion, helfen gegen Schadorganismen, reduzieren den Pestizideinsatz und damit die Trinkwasserbelastung. Es besteht ein wissenschaftlicher Konsens, dass es dieser Biodiversität im Schweizer Mittelland schlecht geht und zu ihrem Erhalt mindestens 5 Prozent hochwertige Acker-BFF notwendig wären (siehe verlinkte Studie).
Daran hat sich der Nationalrat heute scheinbar wieder erinnert und die Standesinitiative GE zur Abschaffung der 3.5 Prozent Acker-BFF diskussionslos abgelehnt. Er hat damit den Fehlentscheid von letzter Woche zur Motion Grin, der sehr knapp ausgefallen war, korrigiert. Das Ganze ist Realsatire und wäre komisch, würde es nicht auf dem Rücken der Landwirte und der Natur ausgefochten. Der gleiche Rat hat noch im Dezember den Bundesrat aufgefordert, abgeschwächte Umsetzungsvarianten in die Vernehmlassung zu geben, die aktuell läuft (Verordnungspaket 2024 / AP22+). Gleichzeigt wird nun der Ständerat die überwiesene Motion Grin behandeln müssen, welche genau das Gegenteil ist, von dem, was der gleiche Rat heute entschieden hat. Dass die Bauern politikmüde sind und das Vertrauen in die Politik schwindet, ist gut nachvollziehbar. Die 3.5 Prozent Acker-BFF sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.
Weitere Informationen:
Kontakt:
- Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik, Tel. 079 730 76 64, @email
Potrebbe anche interessarti
Parlament versenkt wichtigste Massnahme zur Nährstoff- und Pestizidreduktion – Was nun?
- Das Parlament bricht sein Versprechen gegenüber der Bevölkerung, welches es im Vorfeld zur Abstimmung über die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative abgegeben hatte. Das ist ein Verstoss gegen Treu und Glauben. Er schwächt das Vertrauen in die Politik.
- Angesichts des dramatischen Zustands der Biodiversität fehlt uns die Zeit für weitere Umwege und Debatten. Wenn das Parlament das Reduktionsziel von Pestizid- und Nährstoffen nicht über die 3.5 Prozent BFF erreichen will, müssen dringend alternative Lösungswege eingeschlagen und griffige Massnahmen getroffen werden.
- Die Biodiversität ist die Produktionsgrundlage der Landwirtschaft und im Ackerland akut gefährdet. Gemäss wissenschaftlichen Studien bräuchte es zu ihrem Erhalt mindestens 5 Prozent Biodiversitätsförderflächen. Aktuell machen sie nur 1 Prozent aus.
- Die Entscheidung steht diametral im Widerspruch zu den vielfachen Bestätigungen der Massnahme in der Vergangenheit im Parlament und zum Bekenntnis der Landwirtschaft, sich für die Biodiversität einsetzen zu wollen. Umso mehr braucht es nun die Biodiversitätsinitiative - nicht nur, aber auch die Landwirtschaft muss zur Rettung der Biodiversität beitragen!
Zitate:
Marcel Liner, Landwirtschaftsverantwortlicher Pro Natura:
«Nicht nur Feldhasen, Wildbienen, Marienkäfer, sondern auch viele weitere Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz sind darauf angewiesen, dass sie im Ackerland Lebensraum finden. Auch die Ernährungssicherheit profitiert dank der Bestäubungsleistung der Insekten und einer höheren Bodenfruchtbarkeit.»
Eva Goldmann, Landwirtschaftsexpertin WWF Schweiz:
«Der Entscheid zeigt, dass das Parlament momentan nicht bereit ist, innovativen Schweizer Bauern bei umweltfreundlichen Produktionsmethoden den Rücken zu stärken.»
Jonas Schälle, Projektleiter Landwirtschaft, Birdlife Schweiz:
«Mit der Abschaffung dieser Massnahme ignoriert das Parlament den dringenden Handlungsbedarf im Bereich Biodiversität im Kulturland. Es gilt nun, das weit vorangeschrittene Insektensterben mit allen Mitteln zu stoppen, gemeinsam für die Natur und eine zukunftsfähige Landwirtschaft.»
Barbara Wegmann, Konsumexpertin Greenpeace Schweiz:
«Biodiversität ist kein „nice to have“. Die Bestäubungsleistung von Insekten, die Bekämpfung von Schädlingen durch Nützlinge sowie die Vielfalt von Organismen in Böden, welche die Bodenfruchtbarkeit erhalten, sind entscheidend für die Ertragssicherung und somit für die Versorgungssicherheit.»
Die Schweizer Landwirtschaft muss ihre Nährstoffverluste und das Pestizidrisiko bis 2027 reduzieren – letzteres um 50 Prozent. So will es das Gesetz. Die wichtigste Massnahme, um dieses Ziel zu erreichen, sähe vor, dass Landwirt: innen auf der Ackerfläche künftig 3.5 Prozent (statt wie bisher nur 1 Prozent) Biodiversitätsförderflächen (BFF) anlegen.
Bereits mehrfach wurde diese Massnahme in der letzten Legislatur bestätigt. Nun ist das neu zusammengesetzte Parlament eingeknickt und hat die 3.5 Prozent BFF beerdigt. Damit geht ein breit abgestützter Kompromiss zur Reduktion der Pestizidrisiken- und Nährstoffe ersatzlos verloren. Die Weichen für die Umsetzung waren bereits gestellt.
Das Nachsehen haben die fortschrittlichen Bäuerinnen und Bauern
Noch im Dezember wurde die Massnahme mit der Annahme der Mo. Friedli um ein weiteres Jahr verschoben und die Verwaltung beauftragt, die Massnahme auf eine pragmatischere Ausgestaltung zu prüfen. Auch der Schweizerische Bauernverband sprach im letzten November noch davon, die Massnahme lediglich «optimieren» zu wollen. Seit Anfang Jahr wurde eine breite Auswahl an Vertreter: innen aus landwirtschaftlichen Kreisen (darunter IP Suisse und Bio Suisse), Natur- und Umweltorganisationen, Kantone- und Städte angehört. Alle waren sich einig: die Massnahme ist umsetzbar und notwendig. Die betroffenen Landwirt: innen haben sich auf deren Umsetzung eingestellt und wären schliesslich auch jene, denen die Massnahme für die nachhaltige landwirtschaftliche Produktion gedient hätte. Der Entscheid des Parlaments stösst nun genau jene vor den Kopf, die sich für eine fortschrittliche, zukunftsfähige Landwirtschaft einsetzen.
Genügend Bestäuber und Nützlinge sichern Erträge
Die 3.5 Prozent BFF wären nicht nur ein wichtiger Schritt, um das Pestizidrisiko und die Nährstoffverluste zu verringern – sie helfen auch das Artensterben in unseren Feldern aufzuhalten. Die Biodiversität in der Schweiz ist in einem sehr schlechten Zustand, ganz besonders auf dem Acker. Dabei helfen mehr Tier- und Pflanzenarten den Landwirtschaftsbetrieben ganz direkt bei der Produktion: So werden Bestäuber gefördert und der Pestizideinsatz kann dank den Nützlingen reduziert werden. Das ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. So lautet das Fazit der neusten Studie von Agroscope: «Daher ist es sowohl für die Landwirtschaft wie auch für die Erhaltung der Biodiversität von zentraler Bedeutung, Bestäubergemeinschaften mittels optimierter Bewirtschaftung und gezielten Massnahmen wie Biodiversitätsförderflächen zu schonen und zu fördern.»
Weitere Informationen:
Kontakte:
- Pro Natura: Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik, Tel. 061 317 92 40, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, Tel. 079 241 60 57, @email
- Birdlife Schweiz: Jonas Schälle, Projektleiter Landwirtschaft, Tel. 044 457 70 26, @email
- Greenpeace Schweiz: Medienstelle, Tel. 044 447 41 11, @email
Ulteriori informazioni
Potrebbe anche interessarti
Der Iltis ist in der Roten Liste der Säugetiere der Schweiz als «verletzlich» eingestuft. Er ist zwar in tieferen Lagen noch weit verbreitet, aber wohl nicht häufig. Zudem lässt sich der Iltis selten sehen. Der Verwandte des Steinmarders mag’s diskret. Lieber macht der Iltis einen Umweg, als dass er sich über eine offene Fläche bewegt. Entdeckt man ihn doch einmal, ist er an der weissen Zeichnung um die Nase und entlang der Ohrränder eindeutig zu erkennen.
Warum wählt Pro Natura den Iltis zum Tier des Jahres?
Iltisse können die Kulturlandschaft ausserhalb des Waldes nur durchstreifen, wenn diese reich gegliedert ist und viel natürliche Deckung bietet. Ein Mosaik aus Wassergräben, Hecken, hohen Staudenfluren, Ast- und Steinhaufen, natürlichen Bächen und Feuchtgebieten ist für den Iltis lebenswichtig. Auch viele andere Arten profitieren von solchen Strukturen, zum Beispiel Frösche, Kröten und andere Kleintiere. Auf sie ist der Iltis für seine Ernährung angewiesen. Strukturreiche Agrarlandschaften und Feuchtgebiete gehören zu den bedrohtesten Landschaftstypen der Schweiz. Der Iltis wirbt als Tier des Jahres 2024 dafür, die Reste dieser Landschaften besser zu schützen und verarmte Landschaften wieder zu beleben.
Ulteriori informazioni
-
Stefan Huwiler
- Typisch Iltis: aus sicherem Versteck die Welt sehen.
Ein einsamer Nomade
Iltisse sind ausserhalb der Paarungszeit als Einzelgänger unterwegs. Sie sind vorwiegend nachtaktiv. Je nach Nahrungsangebot und Qualität des Lebensraumes sind ihre Streifgebiete zwischen einem halben und mehreren Quadratkilometern gross. Weibchen sind möglicherweise territorial. Hungrige Iltisse durchstöbern systematisch ihren Lebensraum auf der Suche nach Fröschen, Kröten oder anderen Kleintieren. Ist ein Gebiet «leergefressen», ziehen sie weiter.
-
Fabrice Cahez
- In der Seitenansicht zeigt dieser Iltis seinen typischen Rückenbuckel.
Leicht gekleidet, stark parfümiert
Das Iltisfell ist dünn. Deshalb ist der Iltis im Winter besonders in höheren Lagen auf einen schützenden Unterschlupf angewiesen. Gerne nimmt er ruhige Winkel in Scheunen und Ställen an. Bevor der erste Schnee fällt, futtert sich das Tier des Jahres 2024 so richtig auf. Ein Drittel seines Körpergewichts kann im Herbst aus Fett bestehen.
Der Iltis ist im Winter wenig aktiv und verlässt sein Quartier nur selten, um sich zu entleeren oder um leicht erreichbare Beute zu erhaschen. Das kann ein Hühnerei, Katzenfutter oder auch eine unvorsichtige Maus sein. Doch Vorsicht ist auf jedem Streifzug geboten: Der Iltis kommt selber als Beutetier für grössere Fleischfresser in Frage. Immerhin ist er gut gerüstet. Droht ihm Gefahr, greift er zur Stinkbombe und versprüht ein sehr übelriechendes Sekret aus seinen Analdrüsen.
Froschschenkel bevorzugt
Iltisse sind als Fleischfresser bei uns spezialisiert auf Frösche und Kröten. Wenn im Frühjahr die Grasfrösche und Erdkröten zu ihren Laichgewässern wandern, lebt der Iltis im Schlemmerparadies. Es gibt so viele Beutetiere, dass der Iltis davon Vorräte anlegt oder nur noch die Froschschenkel verspeist. Diese makabren Spuren verraten seine Anwesenheit. Doch der Überfluss währt nur kurz. Nach dem Laichgeschäft wandern die Frösche und Kröten zurück in ihre Sommerlebensräume. Ab jetzt muss der Iltis seine Nahrung wieder in Wäldern, Feuchtwiesen, Staudenfluren oder anderen Frosch-Lebensräumen aufstöbern.
-
Fabrice Cahez
- Der Iltis ist auf Frösche und Kröten angewiesen.
Mutter Iltis macht’s allein
Iltisse paaren sich hauptsächlich in den Monaten April bis Juni. Nach sechs Wochen bringt das Iltis-Weibchen drei bis sechs Jungtiere zur Welt. Das Weibchen zieht die Jungen allein auf. Diese öffnen nach rund einem Monat ihre Augen und fressen bereits Fleisch. Zwei Monate später sind die weiblichen Jung-Iltisse etwa so gross wie das Muttertier, die Männchen sogar schon grösser. Jetzt löst sich die Familie auf. Im folgenden Jahr sind die Jungtiere geschlechtsreif – wenn sie den Winter überstanden haben.
-
Roman Willi
- Die Wildtierkamera bringt es an den Tag: eine Iltis-Familie tollt durch den Wald.
Iltis-Verbreitungskarte mit Lücken
Ein schneller Blick auf die Verbreitungskarte des Iltisses in der Schweiz könnte zur Annahme verleiten, der Iltis komme im Flach- und Hügelland der Schweiz praktisch überall vor. Bei näherem Hinsehen zeigen sich Lücken im Wallis und im Tessin. Zudem sagt die Karte nichts über die Anzahl der bei uns lebenden Iltisse aus. Der Rückgang geeigneter Lebensräume und die dramatische Abnahme der Amphibienbestände macht dem Iltis das Leben zweifellos schwer.
Im Bild: Aktuelle Verbreitung des Iltisses in der Schweiz. Die orangen Symbole zeigen Nachweise vor dem Jahr 2000.
-
Daten: info fauna | Karte: swisstopo
Landschaft einräumen!
Der Wald bietet dem Iltis in der Schweiz vielerorts einen günstigen Lebensraum, wo oft auch die begehrten Frösche und Kröten ihr Sommerquartier haben. Schlechter sieht es ausserhalb des Waldes aus. Maschinengerechte Landwirtschaftsflächen bieten oft keine Verstecke oder Wanderkorridore für den Iltis. Zudem sind in der Schweiz in den vergangenen 150 Jahren 90 Prozent aller Feuchtgebiete trockengelegt worden.
Wo es einst von Fröschen nur so wimmelte, gibt es heute nur noch Restbestände. Daher gilt: Mehr Weiher, Tümpel, Hecken, Wassergräben, Bäche und «wilde Ecken» braucht das Land!
Das tut Pro Natura für den Iltis
Pro Natura sichert rund 800 Naturschutzgebiete in allen Regionen der Schweiz. In einigen dieser Gebiete ist der Iltis ein regelmässiger Gast.
Unsere Schutzgebiete entdecken
Die «Aktion Hase & Co.» umfasst verschiedenste Projekte, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: mehr natürliche Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Zur Aktion Hase & Co.
Politisch kämpft Pro Natura für eine Schweiz, in der alle heimischen Arten sich wohl fühlen. Besonders aktuell ist unsere Arbeit…
…für eine naturverträgliche Energiewende
…für eine ökologische Landwirtschaft
…für den Schutz der Wasserwelt
T-Shirts, Taschen, Poster und Seifen – Entdecken Sie unsere neue Tier des Jahres Kollektion.
Pro Natura unterstützt die Ernährungsinitiative
«Angesichts von Klima- und Biodiversitätskrise ist ein Wandel unseres Ernährungssystems dringend nötig», betont Pro Natura Präsidentin Ursula Schneider Schüttel. «Die Stärkung der pflanzlichen Ernährung, welche die Ernährungsinitiative anstrebt, ermöglicht uns, wertvolle Ressourcen zu schonen, der Natur mehr Platz einzuräumen und gleichzeitig die Selbstversorgung zu erhöhen», erklärt sie den Entscheid des Pro Natura Delegiertenrates vom 2. Dezember zur Unterstützung der Initiative. Die Forderungen der Initiative an die Schweizer Landwirtschafts- und Ernährungspolitik würden zudem auch denen des Bundesrats für die „Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik“ entsprechen, so Schneider Schüttel.
Umweltoptimierte Ernährung als Ziel
Heute wächst auf rund 60 Prozent unseres Ackerlandes Viehfutter anstatt Nahrung für Menschen. Das ist eine gewaltige Verschwendung von Land, Wasser und Energie. Würden wir da, wo wir heute Tierfutter anbauen, stattdessen Nahrung für unsere Teller produzieren, könnten wir den Ertrag für die menschliche Ernährung verzehnfachen und damit den Selbstversorgungsgrad stark erhöhen. Dazu braucht es diverse Änderungen an den aktuellen politischen Rahmenbedingungen zur Stärkung der bisherigen marginalen staatlichen Unterstützung einer umweltoptimierten Ernährung.
Überdüngung von Lebensräumen stoppen
Die Schweiz hat innerhalb Europas eine rekordhohe Dichte an Nutztieren, weil zusätzlich zum inländischen Ackerfutter noch 1.2 Millionen Tonnen Futter jährlich importiert werden. Unser Hunger nach Fleisch, Eiern und Milchprodukten beansprucht im Ausland gleich nochmals die Ackerfläche der Schweiz. Was vorne beim Tier hineingeht, kommt hinten wieder als Dünger in Form von Mist und Gülle heraus. Die Überdüngung ist in vielen Regionen der Schweiz gravierend. Darunter leiden wertvolle Naturschutzgebiete wie Moore und Trockenwiesen sowie Seen, die teuer künstlich belüftet werden müssen. Auch für uns Menschen sind die heutigen Verhältnisse ungesund. Der durchschnittliche Konsum tierischer Eiweisse übersteigt das vernünftige Mass deutlich. Der Allgemeinheit entstehen durch das fehlgeleitete Ernährungssystem Kosten in Milliardenhöhe. Noch bis Ende 2024 kann man sich mit einer Unterschrift für die Initiative gegen diese Kosten und für die Natur wehren.
Weitere Informationen:
Initiative für eine sichere Ernährung
Kontakt:
Ulteriori informazioni
Info
Headerfoto © Matthias Sorg
Documenti scaricabili
Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitk, Bericht…Potrebbe anche interessarti
Ackerblumen kommen nun doch unter den Pflug
- Die Einführung von 3.5% BFF auf Ackerland sind ein Versprechen von Bundesrat und Parlament an die Bevölkerung, um den Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren.
- Mehr Nützlinge und Bestäuber sind nicht nur gut für die Natur, sie unterstützen auch die landwirtschaftliche Produktion und vermindern Schäden an den Kulturen.
Die 3.5 Prozent BFF bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere auf dem Acker. Sie fördern nützliche Insekten und helfen so auch der Nahrungsmittelproduktion und der Versorgungssicherheit. Die Massnahme war ursprünglich schon für Januar 2023 geplant und wurde wegen des Kriegs gegen die Ukraine bereits einmal um ein Jahr verschoben. Sie ist Teil des Umsetzungspakets des Bundes, welches vom Parlament als inoffizieller Gegenvorschlag zu den Pestizidinitiativen ins Feld geführt wurde. Das heisst, seit mehr als 2,5 Jahren weiss die Branche, dass diese Acker-BFF kommen werden. Warum soll jetzt nochmals ein Jahr zugewartet werden? Die Verschiebung, ein Monat vor Inkrafttreten, ist ein Schlag ins Gesicht all jener Bauernbetriebe, die sich nach Treu und Glauben auf die Umstellung ihres Ackerlands per Anfang 2024 vorbereitet haben. Auch die Kantone haben ihre Systeme angepasst.
Viermal schon wurde versucht, die Massnahme zu streichen
«Lieber besser als schneller» mit dieser Argumentation warb der Schweizerische Bauernverband für die neuerliche Verzögerung der Massnahme. Die Umweltverbände erwarten, dass der SBV nun Wort hält und die Umsetzung der Massnahme nicht mehr bekämpft. Denn die Agrarlobby hat in der Vergangenheit bereits viermal versucht, die Massnahme zu streichen. Viermal hat sich das Parlament schon dahinter gestellt.
Darum sind die 3.5 Prozent Acker-BFF bitter nötig
Die Biodiversität in der Schweiz ist in einem sehr schlechten Zustand, ganz besonders auf Ackerflächen. Dabei helfen mehr Tier- und Pflanzenarten den Landwirtschaftsbetrieben ganz direkt bei der Produktion: So werden Bestäuber gefördert und der Pestizideinsatz kann dank den Nützlingen reduziert werden. Das ist betriebswirtschaftlich sinnvoll und kommt letztlich auch unserer Gesundheit zugute. Struktur- und artenreiche Lebensräume reduzieren das Erosionsrisiko und speichern mehr Wasser. Sie reagieren zudem weniger empfindlich auf Extremereignisse wie Starkregen oder Trockenheit, die infolge der menschenverursachten Erderhitzung zunehmen. Last but not least: Diverse bedrohte Brutvogelarten oder Feldhasen finden darin einen Lebensraum.
Kontakte:
Ulteriori informazioni
Info
Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz und Pro Natura
Headerfoto © Matthias Sorg
Potrebbe anche interessarti
Wenn die Natur in den Rebberg zurückkehrt
Im Rahmen der Aktion Hase & Co. haben die Pro Natura Sektionen Waadt, Wallis und Genf mehrere Projekte lanciert, um die Biodiversität in ihren Weinbergen zu fördern. Eine der ersten Massnahmen wurde in Leuk umgesetzt: Die Rebparzellen von Pro Natura Wallis auf dem südexponierten Plateau Brentjong werden seit 2019 biologisch bewirtschaftet.
Obwohl die Region für ihre Ackerbegleitflora und ihre vielfältige Vogelwelt bekannt ist, zeigte sich vor fünf Jahren ein tristes Bild: In den Gassen zwischen den Reben wuchsen nur noch ein paar Neophyten und Beikräuter. Nun, nach erfolgter Umstellung auf biologische Bewirtschaftung, zeigt sich ein ganz anderes Bild: Viele Wildpflanzen haben die Weinberge wieder spontan besiedelt und auch die Vielfalt der beobachteten Insektenarten nimmt zu.
Rückkehr der Biodiversität
Dank einer extensiveren Bewirtschaftung des Bodens sind lokaltypische Arten wie die Zierliche Hauhechel oder der Ruten-Knorpelsalat in die Flächen zurückgekehrt. Und auch die Ausbreitung der Neophyten geht zurück. Die Grünstreifen in den Reben ziehen bedrohte Insekten wie den Verkannten Grashüpfer oder den Zahnflügelbläuling an und bieten dem Feldhasen Versteckmöglichkeiten. Insgesamt wurden 2023 auf den 2000 Quadratmetern dieses Rebbergs zwölf Schmetterlingsarten, acht Heuschreckenarten und rund 40 Pflanzenarten gezählt.
Neben der Umstellung der Bewirtschaftung beinhaltete das Projekt auch gezielte Massnahmen zur Förderung der Biodiversität. Unter anderem wurden Nistkästen für den Wiedehopf und den Gartenrotschwanz angebracht und einige Rebstöcke entfernt, um Platz für die Umpflanzung der im ersten Projektjahrspontan aufgekommenen Blasensträucher zu schaffen.
Adonis flammea: 100% Pro Natura
Die Arbeit, die Sonja Kanthak und Frédéric Sanchez zusammen mit den Freiwilligen von Pro Natura auf dem Bio-Rebberg geleistet haben, wird auf schöne Art im Wein sichtbar, den die Kellerei Vin d’œuvre in Leuk aus den geernteten Trauben keltert. Er heisst «Adonis flammea» und ist 100 Prozent Pro Natura. Nach vier Cuvées wird er nach wie vor zum Verkauf angeboten und trägt dazu bei, das Projekt zu finanzieren.
MARJORIE BONVIN ist bei Pro Natura Wallis zuständig für die Schutzgebiete im Unterwallis.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.