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Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Tier des Jahres

Tier des Jahres 2010: die Langhornbiene

Die Langhornbiene ist das Tier des Jahres 2010 Nicolas J. Vereecken
Pro Natura hat die Langhornbiene stellvertretend für die rund 580 Wildbienenarten der Schweiz zum Tier des Jahres 2010 gewählt.

Wildbienen sind als Bestäuber ein wichtiges ökologisches Glied in der Natur. Diese Wahl soll auf die Millionen, für Laien oft «unsichtbaren», Insekten aufmerksam machen, die unsere Lebensgrundlage – die Biodiversität – aufrecht erhalten. Die Langhornbiene ist ein kleiner Baustein eines grossen Ganzen.

Mit ihren langen Fühlern und dem pelzigen Rücken fällt die Langhornbiene unter den Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sofort auf. Wie die meisten Wildbienenarten lebt die Langhornbiene einzelgängerisch – im Gegensatz zu ihrer besser bekannten Verwandten, der staatenbildenden Honigbiene. Für den Nestbau sucht sich die Langhornbiene als Bodennisterin Flächen mit offenem, sandigem oder lehmigem Untergrund. Bei der Nahrungssuche hat sich die Langhornbiene auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Daher sucht man sie am besten auf Trockenwiesen, Hochstamm-Obstgärten und in Lehmgruben. Ihre Flugzeit ist ungefähr von Mai bis Ende Juli.

Die Orchidee ist auf die Langhornbiene angewiesen

Mit einer unwiderstehlichen Strategie hat die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea) die Langhornbiene für die überlebenswichtige Bestäubung gewonnen: Die Blüten der Hummel-Ragwurz ahmen Form und Duft eines Langhornbienen-Weibchens nach und locken so die Langhornbienen-Männchen an. Sobald das Männchen zur vermeintlichen Begattung auf einer Blüte landet, drückt die Orchidee dem Bienenmännchen Pollen auf den Kopf. Auf der nächsten Orchidee, die das Wildbienen-Männchen besucht, streift es die Pollen auf die Narbe der Hummel-Ragwurz und hat damit ungewollt als «Pollentaxi» zur Bestäubung beigetragen. Aufgrund dieses «Tricks», wird die Orchidee zu den Sexualtäuschblumen gezählt. Ohne Langhornbiene wäre das Überleben der Hummel-Ragwurz nicht möglich – jede Art zählt.

Duft und Form der Hummel-Ragwurz locken die Langhornbiene an. Nicolas J. Vereecken
Duft und Form der Hummel-Ragwurz locken die Langhornbiene an

Die Vielfalt neben der Honigbiene

Die Honigbiene und ihre Erzeugnisse sind bekannt und beliebt. Als Biene Maja hat sie in einer literarischen (1912) und filmischen (ab 1976) Form den Weg in viele Kinderherzen gefunden. Dass es neben der Honigbiene in der Schweiz ungefähr 580 und weltweit rund 30'000 Wildbienenarten gibt, ist aber nur wenigen bekannt. Im Unterschied zur Honigbiene leben die meisten Wildbienen nicht in einem Staat, sondern unauffällig als Einsiedler. Als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen übernehmen die Wildbienen eine zentrale, ökologische Rolle. Blütennektar ist ihre vorwiegende Nahrungsquelle. Die Brut versorgen sie mit Pollen und Nektar. Nistplätze suchen sie sich je nach Art an den unterschiedlichsten Orten. Wildbienen nisten in sandigem oder lehmigem Böden, in Schneckenhäusern, bohren Löcher in Totholz, bauen Nester in Pflanzenstängeln oder in Trockenmauern.

Die Grosse Holzbiene ist eine der grössten Wildbienenarten. Nicolas J. Vereecken
Die Grosse Holzbiene ist eine der grössten Wildbienenarten

Ein Leben für die Brut

Das Leben des Wildbienenweibchens dreht sich um das selbst gebaute Nest, in dem es sich die meiste Zeit aufhält, die Eier abgelegt und die Brut heranwächst. Nur zur Suche nach Nahrung oder Baumaterial verlässt es den sicheren Ort. Die Wildbiene lagert Pollen und Nektar zusammen mit jeweils einem Ei in einer Brutzelle, den Grundeinheiten des Nestes, die sie zum Beispiel mit Lehm verschliesst. So reiht sich Zelle an Zelle bis das Nest gefüllt ist. In den Zellen vollzieht sich im Herbst und Winter bis in den Frühling die vollständige Metamorphose vom Ei hin zur Biene. Das fleissige Weibchen verbringt also die wenigen Wochen an Flugzeit – von Frühjahr bis Sommer – mit der Brutfürsorge für die Nachkommen.

Längsschnitt durch eine Brutzelle. Zu unterscheiden sind Pollenhaufen, Bienen-Larve und die Zellwand aus Mörtel. Nicolas J. Vereecken
Längsschnitt durch eine Brutzelle

Wieso es immer weniger Wildbienen gibt

Zahlreiche Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sind in der Roten Liste der bedrohten Arten der Schweiz aufgeführt. Der Rückgang sowohl der Arten- wie auch der Individuenzahl in den letzten Jahrzehnten ist beträchtlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen jedoch meist beim menschlichen Verhalten. Die Lebensräume vieler Wildbienenarten sind verschwunden oder haben sich verschlechtert. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, der Bau von Infrastruktur wie Strassen und Gebäuden beeinträchtigen oder zerstören die Lebensräume, die Nistplätze und das Nahrungsangebot der Wildbienen. Es gibt immer weniger Grünflächen und bestehendes Offenland wird oft zu intensiv durch die Landwirtschaft genutzt. Beides zusammen bedroht den Bestand der ca. 580 Wildbienenarten der Schweiz.

Ausgeräumte, eintönige Landschaften sind ein Grund für den steten Rückgang der Bienen-Fauna. Pro Natura
Ausgeräumte, eintönige Landschaften

Ohne Wildpflanzen keine Wildbienen – und umgekehrt!

Die Flugzeit der Wildbienen dauert nur wenige Wochen zwischen Frühling und Sommer und ist je nach Art unterschiedlich. Wildblumen, Sträucher und Obstbäume, die den Wildbienen Nahrung bieten, blühen oft nur kurze Zeit lang. Dies bedeutet: Innerhalb der wenigen Wochen, in welchen die Bienen im Sommer unterwegs sind, muss genügend Nahrung für die Bienen und ihre Nachkommen vorhanden sein. Wildbienen sind stark abhängig vom vorhandenen Nahrungsangebot. Die Futterpflanzen wiederum sind auf die Wildbienen als wichtige Bestäuber angewiesen. Dies zeigt eindrücklich die Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pflanzen. Tier- und Pflanzenarten können nicht unabhängig voneinander überleben. Sie sind Teil der Biodiversität und aufeinander angewiesen - jede Art zählt. Auch der Mensch ist Teil der Biodiversität und von ihr abhängig. Deshalb müssen wir zur Biodiversität Sorge tragen.

Wildbienen brauchen vielfältige Landschaften, wie hier an der Lötschberg Südrampe. M. Sorg
Wildbienen brauchen vielfältige Landschaften

Mut zu Unordnung und Vielfalt in unseren Gärten!

Mit einer naturnahen Gestaltung und Bewirtschaftung unserer Gärten können wir mit kleinem Aufwand Grosses für die Wildbienen bewirken. Als einfacher Grundsatz gilt: Mut zu Unordnung und Vielfältigkeit. Wichtigster Beitrag zum Wildbienenschutz ist die Erhaltung und Aufwertung möglicher Lebensräume.

Helfen können Sie mit:

  1. reich strukturierten Gärten mit einheimischen Pflanzen verschiedener Wuchsformen und Blühzeiten.
  2. artenreichen Wiesen, deren Fläche nicht auf einmal gemäht wird. Indem immer nur Teile der Wiese gemäht werden, bleibt der Lebensraum über eine längere Zeit erhalten.
  3. offenen Bereichen mit sandigen oder lehmigen Böden.
  4. Totholz- und Kieshaufen, Natursteinmauern, Schneckenhäusern und Pflanzenstängeln.

Mit diesen einfachen Massnahmen können wir den Wildbienen bei der Ernährung und Fortpflanzung helfen. Aber denken Sie daran, die Brut der Bienen entwickelt sich während dem Winter in den Nestern. Also lassen Sie die Pflanzenstängel und Schneckenhäuser bis im Frühjahr liegen oder stehen. Denn sonst geht eine ganze Brut verloren. Wenn Sie noch mehr für die Wildbienen machen möchten, finden Sie am Anfang dieser Seite eine Anleitung zum Bau von Wildbienenhotels. Die vollständige Publikation kann im Pro Natura Shop erworben werden.

Ein naturnah gestalteter Garten ist bei den Wildbienen heiss begehrt. M. Sorg
Naturnahe Gärten sind bei Wildbienen begehrt
Braunbär am Rand eines Moores Lucaar / Stock Adobe
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2009: Der Braunbär

Der Blick zurück und der Blick nach vorne, das Motto des 100-Jahre-Jubiläums von Pro Natura, findet in der Wahl des Bären zum Tier des Jahres 2009 ein Symbol. Der Bär war erstes Wappentier des Schweizerischen Bunds für Naturschutz – heute Pro Natura – und seine Rückkehr ist heute eine der grössten artenschützerischen Herausforderungen der Schweiz.

«Der Bär ist zurück!» meldet der Schweizerische Nationalpark mit einer Medienmitteilung am 26. Juni 2005. Zuvor war vor fast genau 100 Jahren der letzte Schweizer Bär geschossen worden. Zwei weitere Bären sind 2007 im Münstertal und im Engadin aufgetaucht. Es ist zu erwarten, dass weitere Bären in die Schweiz einwandern und sich einen neuen Lebensraum suchen. Der Alpenbogen ist seit je Bärengebiet. Und er scheint es wieder zu werden. Der Bär gehört zu unserer Natur, zu unserer Kultur. Das zeigen zahlreiche Ortsnamen, seine Abbildung in Kantons- und Gemeindewappen. Nicht zu vergessen all die Gasthäuser landauf und landab, die in ihrem Namen dem «Bären» huldigen. 

Meister Petz findet bei uns günstige Lebensräume. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und der politische Wille sind die grössten Hürden, die der Braunbär bei seinem Weg in die Schweiz überwinden muss. Die Schweiz steht in der Verantwortung, wenn Braunbären immer wieder auf natürlichem Wege einwandern. Denn: Braunbären sind nach wie vor gefährdet und deswegen europaweit geschützt.

Pro Natura und der Bär - gemeinsame 100-Jahre

Hundert Jahre sind es her, seit Basler Wissenschafter zur Gründung eines Schweizer Nationalparks den Schweizerischen Bund für Naturschutz – heute Pro Natura – gegründet hatten. Unmittelbarer Zweck von Pro Natura war es, die Finanzierung des künftigen Nationalparks zu organisieren.

2005 waren ebenfalls fast genau 100 Jahre vergangen, seit der letzte Bär in der Schweiz geschossen wurde. Zwei Jäger erlegten ihn 1904 im Engadin. Fotografen und die Dorfbevölkerung waren zu Stelle, um den Triumph über die wilde Welt festzuhalten. 100 Jahre lang galt der Bär in der Schweiz danach als ausgerottet. Bis JJ2 – vom «Blick» liebevoll in «Lumpaz» umgetauft – 2005 wieder durch Bündner Wälder streifte. Nicht zufällig tappte der erste Bär nach fast 100 Jahren in den von Pro Natura gegründeten Schweizerischen Nationalpark. Er bietet offenbar Wildnis, die dem Bären behagt. Und somit schliessen sich die Geschichts-Kreise von Pro Natura und des Bären wieder. Heute setzt sich Pro Natura politisch und mit Aufklärungsarbeit für eine konfliktarme Rückkehr des Bären in die Schweiz ein. Damit die Geschichte des Bären in der Schweiz und Europa weitergeht.

Yes, we can - mit dem Bären leben

Der Bär ist nach wie vor eine gefährdete Art und deswegen europaweit geschützt. Für die natürliche Verbreitung des Bären in Europa trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung. Der Alpenbogen ist eines der wichtigsten Bärengebiete Europas, und die Schweiz mitten drin. Bären gehörten Jahrhunderte lang zur hiesigen Kultur. Zahlreiche Flur- und Ortsnamen sowie -Wappen zeugen von der langen Kulturgeschichte des Bären in der Schweiz. Ganz zu schweigen von den hunderten Gasthäusern quer durch die Schweiz, die den «Bären» stolz als Namen tragen. Nur die Gesellschaft hat in den rund 100 «bärlosen» Jahren verlernt, mit wilden Tieren ihr Territorium zu teilen. Pro Natura macht mit der Wahl des Bären die Menschen auf die Bedürfnisse und das richtige Verhalten gegenüber wilden Tieren aufmerksam, allen voran den Bären. Und zielt auf mehr Sicherheit für die Menschen und breitere Akzeptanz des Bären durch besseres Wissen.

Der Schweizerische Bund für Naturschutz wirbt 1908 auf einem Plakat mit dem Bären um Mitglieder. Die Litographie stammt von Anton Christoffel
Mitgliederwerbung mit dem Bären im Jahre 1908

Wer ist Meister Petz? - Ein Steckbrief

Die Körpergrösse von Braunbären (Ursus arctos) liegt zwischen 170 und 220 Zentimetern. Je nach Verbreitungsgebiet variiert das Gewicht beträchtlich. Die Männchen (120 bis 350 kg) sind deutlich schwerer als die Weibchen (75 bis 160 kg).

Der europäische Braunbär hat ein hellbraunes, zottiges Fell, die Jungtiere bilden einen hellen Halskragen aus. Neben den mächtigen Eckzähnen weisst das Bärengebiss ziemlich flache und breite Backenzähne auf. Pflanzliche Nahrung wird mit diesen «Mahlzähnen» verwertet. Die Sinnesorgane des Braunbären sind hochentwickelt, besonders Nase und Ohren. Die Neugierde des Braunbären ist ausgeprägt, ebenso seine Lernfähigkeit. Erlerntes spielt für sein Verhalten eine grosse Rolle. Da jedes Tier durch seine individuellen Erfahrungen geprägt ist, können sich die Verhaltensweisen stark unterscheiden.

Verbreitung früher und heute

...früher

Braunbären besiedelten einst die gesamte Nordhalbkugel von der arktischen Tundra bis zu den Subtropen.
Ihre hohe Anpassungsfähigkeit erlaubte ihnen, sehr unterschiedliche Lebensräume zu nutzen: Wälder aller Art, Steppen, Gebirgsland-schaften, die arktische Tundra. Die Landschaftszersiedelung, die Entwaldung Europas, aber in erster Linie die direkte Verfolgung haben den Braunbären in weiten Teilen seines einstigen Verbreitungsgebiets zum Verschwinden gebracht. Kurz nach der Ausrottung der Art in der Schweiz begann die Diskussion über die Wünschbarkeit seiner Rückkehr. Der Unterengadiner Steivan Brunies, Mitbegründer des Naturschutzbundes (SBN) heute Pro Natura, äusserte 1936 die Hoffnung auf eine natürliche Wiederbesiedlung des Nationalparkgebiets vom Südtirol her, kämpften doch damals italienische Naturschützer energisch für einen Schutz des Bären sowie die Errichtung eines grossflächigen Reservats. Siebzig Jahre später haben sich die Braunbären in der Schweiz selber wieder zum Thema gemacht. 2005 wanderte der erste Braunbär seit Jahrzehnten von Süden her wieder in die Schweiz ein.

...und heute

Die heutigen Bärenpopulationen in Europa sind an bewaldete, vom Menschen eher dünn besiedelte und meist gebirgige Gebiete gebunden. Bestimmt wird ihr Lebensraum durch die vorhandenen Nahrungsressourcen. In Europa kennen wir Streifgebiete zwischen 50 und 5000km2. Nach den Erfahrungen in anderen dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaften Europas bietet auch die Schweiz geeignete Lebensräume für Bären. Die höchste Dichte an Bären in Europa befinden sich in den rumänischen Karpaten. Verbreitet ist Meister Petz auch in den Alpen (Slowenien, Italien) und in den Pyrenäen. Im Norden und Osten Europas kommen ebenfalls eine stattliche Anzahl wildlebender Bären vor (Schweden, Finnland, Norwegen, Russland).

Nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika sind Braunbären verbreitet. Dort in den Unterarten Kodiakbär (Kodiakinsel und benachbarte Inseln vor der Südküste Alaskas) und Grizzlybär (westliches und mittleres Nordamerika).

Was frisst der Bär?

Die grösste europäische Landraubtierart ernährt sich in erster Linie vegetarisch. Energetisch ist ein Braunbär nie im Gleichgewicht. Entweder nimmt er rasch zu oder er magert langsam ab.

Gross ist der Hunger vor allem im Spätsommer und Herbst. Jetzt muss sich Meister Petz den Winterspeck anfressen. Erwachsene Bären müssen dazu täglich bis zu 20'000 kcal aufnehmen. Diese Energiemenge entspricht ca. 30 kg Äpfel.

Die Ernährung besteht zu dieser Zeit aus Baumfrüchten wie Eicheln, Bucheckern, in den südlichen Wäldern auch Kastanien und Beeren. Mit einem Fettvorrat, der etwa einem Drittel des Körpergewichts entspricht, verzieht sich der Bär in seine Winterhöhle.Verlässt er diese im Frühling verspürt er vorerst noch kaum Hunger. Gefressen werden zu dieser Zeit Wurzeln, Gräser und Kräuter wie Bärlauch. Willkommen ist jetzt auch das Aas von Wildtieren wie Gämsen, die Opfer des Winters geworden sind. Tierische Proteine werden zusätzlich auch in Form von Bienen, Wespen oder Ameisen aufgenommen.

Verhalten und Fortpflanzung

Bärenmännchen streifen als Einzelgänger durch die Wälder. Dabei verteidigen sie kein Revier, meiden aber andere Bären. Nur zur Paarungszeit im Sommer suchen sie den Kontakt zu einem Weibchen. Schon nach wenigen gemeinsamen Tagen und der Paarung gehen die beiden wieder getrennte Wege. Nach der Befruchtung beginnt die Entwicklung der Embryonen aber erst mit der Winterruhe der Bärin. Die Tragzeit dauert dann noch sechs bis acht Wochen. In der Überwinterungshöhle gebären die Bärenmütter zwei bis drei winzige Junge die nur 300 bis 400 Gramm wiegen. Schnell wachsen diese heran, verlassen im zeitigen Frühjahr die Wurfhöhle und bleiben für eineinhalb bis dreieinhalb Jahre bei ihren Müttern. Von diesen lernen sie günstige Nahrungsplätze und energiereiche Futtersorten kennen. Von der Mutter abgelöst bleiben Jungbären meist noch einen Sommer lang zusammen und suchen sich dann eigene Lebensräume.

Dabei versuchen junge Weibchen, in der Nähe der Mutter zu bleiben, während junge Männchen oftmals sehr weit wandern müssen, bis sie ein freies Gebiet finden. Tiere, welche die kritische Jugendzeit überlebt haben, können bis zu 25 Jahre alt werden.

Winterruhe

Als Winterlager suchen sich Bären enge Höhlen, in denen sie sich aus allerlei Pflanzenmaterial Ruhematten bereiten. In der Winterruhe nehmen Braunbären monatelang keine Nahrung auf, trinken nichts. Um zu überleben, bauen sie ihre Fettreserven ab. Bärenmütter versorgen in dieser Zeit ihre Jungen mit ihrer Milch. Während der Winterruhe sinken Körpertemperatur, Atmungs- und Herzschlagfrequenz. Weder Kot noch Urin werden ausgeschieden. Doch bei Störungen wachen die Tiere sofort auf und verlassen allenfalls sogar den Einstand. Bei mildem Wetter können Bären ihr Lager kurzfristig verlassen, so dass man auch im tiefsten Winter gelegentlich ihre Spuren im Schnee findet.

Bärin mit Jungbären Prisma / Berndt Fischer
Bärin mit Jungbäre

Bär und Mensch - das Zusammenleben ist möglich

Ein gutes Beispiel für das konfliktarme Nebeneinander von Bär und Zivilisation liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze. Im italienischen Naturpark Adamello Brenta im Trentino fanden nach jahrelangen Vorbereitungen Bären aus Slowenien eine neue Heimat. Zehn Bären wurden dort um die Jahrtausendwende freigelassen. Die Alpenbären hätten ohne diese Blutauffrischung keine Zukunft gehabt. Denn weil es rundum keine anderen Populationen mehr gab, mit denen sie Austausch pflegen konnten, wurde ihre Genbasis zu schmal. Sie hatten keinen Nachwuchs mehr. Dank der neu angesiedelten Bären soll sich wieder ein lebensfähiger Bestand bilden. Die Bevölkerung im Trentino äusserte sich in einer Umfrage positiv zu dieser Förderungspolitik. Das lag einerseits an den Bären selbst, die mit ihrer zurückgezogenen Art nie Probleme bereitet hatten, andererseits an der intensiven Informationsarbeit der Projektverantwortlichen. Sie hatten unter anderen auch Jäger und Bauern, die zu den Kritikern gehörten, ins Projekt miteinbezogen. Die Erfahrungen unserer Nachbarländer Italien und Österreich zeigen, dass eine Koexistenz von Bär und Mensch weitgehend problemlos funktionieren kann. «Ursus arctos» ist dort sogar ein veritabler Tourismusfaktor.

Wichtig beim Zusammenleben von Bär und Mensch ist das richtige Verhalten Bären gegenüber. Dies nicht nur im sehr seltenen Fall einer Begegnung in der Wildnis. Ebenso wichtig ist die Erziehungsfunktion der Gesellschaft gegenüber den Bären. Bärensichere Abfallbehälter, keine Anfütterung und keine tollkühnen Annäherungsversuche sind zentrale Elemente für ein sicheres und konkliktarmes Nebeneinander von Mensch und Bär. Einzelne Bären, so wie «Lumpaz» oder JJ3, zeigen wenig Scheu vor der Zivilisation. Diese Scheu muss man den Bären wieder beibringen indem sie lernen, dass sie in Siedlungen nichts zu Futtern finden und nicht willkommen sind. Die meisten Bären leben jedoch scheu und zurückgezogen fernab von Siedlungen in ihren Wäldern.

Seltene Begegnungen zwischen Bär und Mensch

Abgelegene unwegsame Waldflächen sind für den Bären ideal. Gänzlich menschenleer muss ihr Streifgebiet jedoch nicht sein. Die Chance, dem Braunbären zu begegnen, ist in Verbreitungsgebieten sehr gering. Höchstens verraten die charakteristischen Spuren dessen Anwesenheit. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn und dem feinen Gehör bemerken sie Menschen in der Regel schon von weitem und ziehen sich zurück. Kreuzen sich die Wege von Petz und Mensch dennoch, sind Ruhe und Respekt angesagt. Sobald der Bär den Menschen wahrnimmt und realisiert, dass keine Bedrohung besteht, tritt er ruhig zum Rückzug an. Ihm hat sich tief eingeprägt, dass der Zweibeiner seine Vorfahren über Jahrtausende verfolgt und gejagt hat. Deshalb wahrt er eine sichere Distanz zu den Menschen.

Eingewanderter Bär im Münstertal/GR Sobli / Thomas Buchwalder
Eingewanderter Bär im Münstertal/GR

Bärenschäden und ihre Verhütung

Bären sind vorwiegend Vegetarier, dennoch können sie Schäden an Haustieren, Kulturen und Futtermitteln anrichten. Bären lieben Süsses. Deshalb sind Bienenhäuser und -kästen für sie ein «gefundenes Fressen», im wahrsten Sinn des Wortes. Diese lassen sich jedoch mit Elektrozäunen erfolgreich sichern. Auch Schafe, seltener Ziegen, Rinder und Pferde können Opfer von Bären werden. Werden Haustiere gehütet, nachts in den Stall gebracht oder mit Elektrozäunen gesichert, kann der Schaden jedoch stark begrenzt werden. In Europa entfallen auf einen Bären weniger als fünf tote Schafe pro Jahr. Bärenschaden an Kulturen ist im Vergleich zu Schäden durch Hirsche, Rehe, Gämsen oder Wildschweine vernachlässigbar. Schäden, die trotz aller Schutzmassnahmen entstehen, werden vom Bund und den Kantonen abgegolten.

Ein Patou bewacht seine Schafherde auf der Alp Giétroz Jean-Marc Weber
Alp Giétroz

Gefährdet und geschützt - Gesetzlicher Schutz und Management

Der Braunbär ist in der Schweiz aufgrund der Berner Konvention (1980) und der Eidg. Jagdgesetzgebung (1986) geschützt. Der Umgang mit einwandernden Bären wurde 2006 vom Bundesamt für Umwelt - BAFU im "Konzept Bär Schweiz" festgelegt. Das Konzept Bär basiert auf der Überzeugung, dass Bären und Menschen auch in der Schweiz nebeneinander existieren können. Es will die Voraussetzungen schaffen für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben, Schadenverhütung und -vergütung regeln sowie den Umgang mit Bären definieren, die für Menschen gefährlich werden. In einigen Ländern Europas wurden Managementkonzepte für die ansässigen Populationen entwickelt, welche den Schutz der Art und eine möglichst konfliktfreie Koexistenz mit den Menschen gewährleisten sollen. Auf europäischer Ebene besteht ein «Action Plan» des Europarates, der dieselben Ziele verfolgt. Dank diesen Bemühungen erlebten verschiedene Braunbärenpopulationen in Europa in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung.

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Der Braunbär ist in der Schweiz geschützt
 Friedrich Böhringer;https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18497275 Friedrich Böhringer
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2008: Die Gebänderte Prachtlibelle

Sie entwickelt sich von einer Wasserlarve zu einer wahren Luftakrobatin: Die Gebänderte Prachtlibelle. Man findet sie an langsam fliessenden Bächen und Flüssen, wo Uferpflanzen wie Röhricht oder Erlenbüsche wachsen.

Natürliche Flusslandschaften bieten der gebänderten Prachtlibelle genau das, was sie zum Überleben braucht. Weil solche Flusslandschaften in der Schweiz zur Mangelware werden, hat Pro Natura das prächtige Fluginsekt zum Tier des Jahres 2008 auserkoren.

Steckbrief

Gestalt und Grösse: Knapp 5 cm lang, zwei gleiche Flügelpaare mit Spannweite 6 bis 7 cm, sehr schlanker Leib, sechs lange dunkle Beine

Körperfarbe: Männchen schillernd blau-grün, Weibchen schillernd grün bis broncefarben

Flügelfarbe: Männchen grünlich getönt mit breitem dunkelblauem Band, Weibchen grünlich getönt mit weissem Flügelmal

Flugzeit: Ende Mai bis September

Vorkommen: An besonnten, langsam fliessenden Stellen von Bächen und Flüssen

Larve: Bis über 3 cm lang, schlank, mittleres Kiemenblättchen am Hinterleibsende kürzer als die zwei äusseren, erstes Fühlerglied auffallend kräftig, lebt in Wasserpflanzen und flutenden Wurzeln im Fliesswasser

Aus dem Wasser in die Luft

Die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) lebt an langsam fliessenden, besonnten Bächen und Flüssen. Sie ist in Europa weit verbreitet, wobei unterschieden wird zwischen einer nördlichen und südlichen Unterart. In der Schweiz besiedelt die nördliche Unterart das Flachland und die Täler bis 1100 m. ü. M auf der Alpennordseite und im Wallis, die südliche die Magadinoebene im Tessin.

An etlichen Fluss- oder Bachstrecken ist gleichzeitig eine weitere Prachtlibellen-Art anzutreffen: die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo). Diese bevorzugt tendenziell schneller fliessende, kühlere und nährstoffärmere Gewässer, die auch stärker von Gehölz beschattet sein dürfen.

Im verletzlichen Stadium

Wenn im Mai die Nächte wärmer werden, kriechen die ersten Larven der Gebänderten Prachtlibelle aus dem Wasser. In der Deckung von Uferpflanzen beginnt, meist frühmorgens, die dramatische Geburt ihrer geflügelten Schönheit. Wenn sich die Libelle aus der Hülle befreit hat, muss sie zuerst ihre verschrumpelten Flügelpäckchen entfalten. Dazu pumpt sie Körperflüssigkeit in die Flügeladern. Auf dieselbe Weise streckt sie danach auch den Hinterleib. Wenn Flügel und Körper ausgehärtet sind, schwingt sich das frisch geschlüpfte Wesen in die Luft. Der Wechsel vom Wasser- zum Luftleben ist geglückt.

Doch längst nicht allen Libellen gelingt dieser Start. Denn in der bis dreistündigen Wandlungsphase sind sie sehr verletzlich. Solange die Flügel nicht ausgehärtet sind, kann schon ein Windstoss die zarten Geschöpfe fluguntüchtig machen, falls ihnen zum Beispiel ein Zweig zu nahe kommt. Oder eine Welle kann ein Individuum mitreissen, das zu nah am Wasserspiegel geschlüpft ist. Auch Vögel picken sich die nahrhaften Insekten, solange diese wehrlos am Schlüpfplatz hängen.

Luftakrobatin auf Beutezug

Kaum geschlüpft müssen die Libellen Nahrung suchen. Denn Männchen und Weibchen benötigen viel Energie, um ihre Geschlechstanlagen voll entwickeln zu können. Bei der Gebänderten Prachtlibelle dauert dieser Lebensabschnitt etwa eine Woche.

Die Libellen suchen auch abseits vom Wasser nach insektenreichen Lebensräumen. Neben Feuchtgebieten gehören vor allem vielfältige Wiesen und Wegränder, Heckensäume und Waldränder zu den vielversprechenden Jagdgründen, denn hier entwickeln und sammeln sich zahlreiche Insekten. Damit sich das Herumstreifen lohnt, braucht es also naturnahe Gebiete auch ausserhalb eines Bach- oder Flusslaufs. Die Gebänderte Prachtlibelle entfernt sich allerdings nicht so weit und lange vom Gewässer wie viele andere Arten.

Für die Jagd gerüstet

Für den räuberischen Nahrungserwerb ist die Libelle bestens ausgerüstet: Mit ihren beiden grossen, aus Tausenden von Facetten bestehenden Augen verfügt sie über eine fast lückenlose Rundsicht. Schnelle Bewegungen kann sie weit besser wahrnehmen als wir Menschen und vermag damit auch schnell fliegenden Insekten zu folgen. Drei kleine Punktaugen auf dem Kopf erlauben zusätzlich das Erkennen des Horizonts.

Der Kopf ist zudem sehr beweglich, was das Blickfeld noch erweitert. Die Flügel kann die Libelle unabhängig voneinander bewegen – das verleiht ihr eine grosse Wendigkeit. Die scharfen Mundwerkzeuge an Unter- und Oberkiefer ergänzen sich beim Halten und Zerkleinern der Beute.

Gute Sicht und Beweglichkeit benötigt die Libelle nicht nur zum Jagen. Diese Fähigkeiten helfen ihr auch, nicht selbst zur leichten Beute zu werden. Wie sehr Libellen die kleinste Bewegung wahrnehmen, merken Menschen, die sich ihnen zum Beobachten oder Fotografieren nähern. Manchmal werden sie dennoch erwischt. Beispielsweise versuchen Vögel, Fische und Wasserfrösche, sie zu haschen. Kleinlibellen müssen sich auch vor grösseren Schwestern sowie vor Spinnen und ihren Netzen in Acht nehmen.

Von der Sonne abhängig

Sinkt abends die Lufttemperatur, kühlt der Libellenkörper ab und verliert seine Beweglichkeit. Dann ist die Luftakrobatin gezwungen, an einem Ruheplatz auszuharren, bis die Sonne ihre Lebensgeister wieder weckt. Prachtlibellen suchen dazu dichte Vegetation auf. Dieser Rückzugsort kann im grösseren Umkreis eines Gewässers im Jagdrevier liegen oder direkt am Wasser. Teilweise finden sich Prachtlibellen in grosser Zahl an Schlafplätzen ein, die ihnen gute Deckung bieten. Zum Beispiel behagen ihnen ungemähte Uferböschungen, Röhricht und Brombeergestrüpp.

Bleibt das Wetter über längere Zeit kühl und regnerisch, wird es für die wechselwarmen Tiere kritisch. Dann heizt sich der Körper ungenügend auf, und aus dem Beutefang wird nichts. Ohne neue Energie zu tanken, überleben Libellen höchstens eine Woche. In solchen Zeiten sind sie auch eine leichte Beute für hungrige Vögel. Zwar kann man Gebänderte Prachtlibellen von Mai bis September beobachten, aber die meisten Individuen leben als Flugtiere nur einige Tage, im besten Fall wenige Wochen.

Kämpfen für ein Revier

Männchen und Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle suchen, wenn sie geschlechtsreif sind, ein geeignetes Gebiet für die Fortpflanzung. Das kann der Ort sein, wo sie geschlüpft sind, oder ein Gewässer in der Nähe.
Sie lassen sich sowohl an Bächen als auch an Flüssen nieder, vorausgesetzt die Strömung ist sanft und das Wasser nicht zu kalt. Damit sich ihre Brut gut entwickelt, ist eine Temperatur von 18 bis 24 Grad erforderlich. Zudem sollten genügend Wasserpflanzen sowie Röhricht und Gebüsch am Ufer vorhanden sein. Anderseits darf die Vegetation nicht zu dicht sein, damit das Fortpflanzungsgebiet gut besonnt ist.

Naturnaher Fluss erwünscht

Ideale Gewässer für die Gebänderte Prachtlibelle stellen die natürlichen Mittel- und Unterläufe von Flüssen dar. Unsere kanalisierten Mittelland-Gewässer sind für sie nur dort besiedelbar, wo sich naturnahe Stellen entwickelt haben. Eine vielfältige Vegetation im Umkreis muss gewährleisten, dass Nahrung in Form von Insekten vorhanden ist.


Offenbar erfüllt die Aare oberhalb von Solothurn diese Ansprüche: Im geschwungenen Flusslauf ist die Strömung schwach, das Wasser kurz nach dem Bielersee-Ausfluss warm. Das fördert Wasserpflanzen, die zeitweise grosse Teppiche bilden. Sie ziehen jene Libellen an, die ihre Eier in Pflanzen legen und nicht ausschliesslich auf stehendes Wasser angewiesen sind. Neben einigen anderen Libellenarten zeigt sich hier eine grosse Population der Gebänderten Prachtlibelle.

Sag es mit den Flügeln

Prachtlibellen-Männchen beanspruchen im Fortpflanzungsgebiet ein eigenes Revier. Die kleine, mit Pflanzen ausgestattete Wasserfläche verteidigt ein Männchen vehement, sobald Rivalen einzudringen versuchen. Die Gegner fechten vorwiegend mit Flugmanövern, bei denen sie ihre gebänderten Flügel als Drohsignal einsetzen. Dabei fliegen sie frontal auf ihren Gegner zu oder pendeln seitlich hin und her, immer bestrebt, möglichst viel Farbe zu zeigen. Zu diesem Zweck müssen zeitweise zwei Flügel zum Fliegen genügen, während die beiden anderen als Flagge präsentiert werden. Wenn mit der Drohgebärde keiner siegt, kann es zum körperlichen Angriff kommen.


Das Ziel der Rammelei besteht darin, mit einem prominenten Platz am Wasser ein Weibchen zu ergattern. Um dieses günstig zu stimmen, setzt das Männchen wiederum Flügelsignale ein. Der Balztanz beruht aber auf einer völlig anderen Flugtechnik: Jetzt bewegt das Männchen seine Flügel nicht im langsamen Gleichschlag, sondern im beschleunigten Wechseltakt. Mit diesem Schwirrflug kann es vor dem Weibchen in der Luft schweben und sich annähern.


Zusätzlich wirbt das Männchen, indem es seinen Hinterleib hochhebt und ein gelblich-weisses Farbsignal am unteren Ende zeigt. Flügelschlag und Farbe der «Laterne» sind artspezifisch und helfen, Partner der eigenen Art zu erkennen. Die Blauflügel-Prachtlibelle beispielsweise winkt mit Rosa.

Bereit zur Eiablage

Nach der Landung auf den Flügeln des Weibchens krümmt sich das Männchen und ergreift die Partnerin mit den Hinterleibszangen am Nacken. Danach biegt es den schlanken Körper weiter und verfrachtet ein Paket voll Spermien vom Hinterleibsende in eine Öffnung, die nahe hinter seiner Brust liegt. Das Weibchen führt jetzt sein Hinterleibsende an diese Öffnung, um das Spermienpaket zu übernehmen.
Bei der folgenden Eiablage leistet das Weibchen Erstaunliches: Es taucht seinen Leib ins Wasser und bohrt für jedes Ei, während Sekunden, ein Loch ins Gewebe der flutenden Pflanze.

Im Wasser Gestalt annehmen

Wenige Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven und suchen sich im Pflanzendschungel einen günstigen Ort, den sie gegenüber anderen Larven verteidigen. In den Polstern von Unterwasserpflanzen wie Laichkraut und Flutendem Hahnenfuss oder in Feinwurzeln von Erlen und Weiden lauern sie jetzt auf Beute. Die Larven fressen alles, was sie fangen und überwältigen können: Kleinkrebse, Mückenlarven und vieles mehr.

Weil bewegtes Wasser mehr Sauerstoff bringt, ist die Larve der Gebänderten Prachtlibelle auf ein gewisses Mass an Strömung angewiesen. Sie nimmt den Sauerstoff über die Haut und drei Kiemenblättchen am Körperende auf. Ist die Strömung zu gering oder das Wasser zu warm, spreizt das Wassertier die Kiemenblättchen und bewegt sich hin und her, um den Gasaustausch zu verstärken. Allenfalls klettert es sogar kurz an die Wasseroberfläche, um aus der Luft Sauerstoff aufzunehmen.
Zwar verträgt die Larve der Gebänderten Prachtlibelle – im Unterschied zu manchen anderen Libellen – mässig belastetes Wasser. Wird es aber allzu schmutzig und sauerstoffarm, stirbt sie. Denn aktiv einen Bereich mit besserer Wasserqualität aufsuchen, das kann sie nicht.

Häuten zum Wachsen

Im darauf folgenden oder übernächsten Sommer ist die Larve ausgewachsen. Wie schnell die Entwicklung verläuft, hängt von der Wassertemperatur und dem Nahrungsangebot ab. Da die starre Haut ein kontinuierliches Wachstum verhindert, muss sich die Larve sechs Mal häuten. Dabei wird sie nicht nur jedes Mal ein Stück grösser, sondern nähert sich auch immer stärker an die Gestalt des letzten Larvenstadiums an.

Schon nach den ersten Häutungen erscheinen Flügelansätze, die bei jedem Hautwechsel grösser werden. Damit geht sie wie alle Libellen einen anderen Entwicklungsweg als Schmetterlinge: Während diese sich im Puppenstadium zum Fluginsekt wandeln, geschieht dies bei der Libelle schrittweise im Verlauf des Larvenlebens.

Kurz bevor die Larve das Wasser verlässt, kündigt sich der bevorstehende Höhepunkt der Wandlung an: Das Wassertier hört auf zu fressen, die Flügelscheiden schwellen an, die Konturen der Libellenaugen beginnen sich abzuzeichnen. Ab und zu schiebt sich die Larve etwas an die Luft und zeigt damit an, dass die Umstellung von der Wasser- zur Luftatmung im Gang ist. Die lange Entwicklungszeit im Wasser neigt sich dem Ende zu. Der Zyklus beginnt von neuem: Eine Gebänderte Prachtlibelle startet in ihr kurzes, aber intensives Luftleben.

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Fotorechte bei: Friedrich Böhringer https://commons.wikimedia.org

Der Feldhase war das Tier des Jahres 2004
Tier des Jahres

Tier des Jahres: Archiv

Hier finden Sie die von uns ausgewählten «Tiere des Jahres» von 1998 bis 2007 in Kurzform vorgestellt.

Die Äsche - Tier des Jahres 2007

Das Tier des Jahres 2007 zeigt Flagge. Die Rückenflosse der Äsche ist auffallend gross und erinnert an eine Flagge, weshalb sie von den Biologen als «Fahne» bezeichnet wird. Flagge zeigt die Äsche mit ihrer Fahne auch sprichwörtlich, nämlich für befreite Flüsse. Wo das Wasser ungestört strömt und rauscht, fühlt sich der etwa 30 bis 50 Zentimeter grosse Süsswasserfisch wohl. Dass die Äsche in der Schweiz gefährdet ist, ist ein bedrohliches Zeichen für den Zustand unserer Bäche und Flüsse.

Pro Natura lässt sein Tier des Jahres 2007 nicht im Restwasser stehen. «Befreit unsere Flüsse!» hat sich die Naturschutzorganisation auf die Flagge geschrieben und verhilft Flüssen zu mehr natürlicher Dynamik. In der ganzen Schweiz, vom Münstertal im Kanton Graubünden über den «Limmatspitz» im Aargau bis nach Genf, befreit Pro Natura Flüsse aus ihrem Betonkorsett. Renaturierungsprojekte, die oft direkt der Äsche zugute kommen. Wo sich das Wasser sein Bett selber gestalten kann und wo regelmässig überflutete Auenwälder entstehen, findet auch das Tier des Jahres 2007 einen Lebensraum.

Als Anwältin der Natur setzt sich Pro Natura für mehr Restwasser in den Flüssen ein und eine verbindliche Regelung des künstlichen Flutens und Trockenlegens unserer Bäche durch den Schwall/Sunk-Betrieb. Ergänzend zum politischen Engagement steht die Förderung der ökologischen Nutzung der Wasserkraft beispielsweise über das Stromlabel «naturmade star», das für umweltverträglichen Strom steht.

 M. Roggo/roggo.ch M. Roggo/roggo.ch
Die Äsche

Der Steinbock - Tier des Jahres 2006

Hörner gewunden wie Säbel und Kletterkünste sondergleichen zeichnen das Pro Natura Tier des Jahres 2006 aus. Die imposanten Hörner des Steinbocks – in zerriebener Form bis ins 18. Jahrhundert eine begehrte Arznei – und sein schmackhaftes Fleisch waren jedoch sein Verhängnis: 1809 wurde der zwischenzeitlich letzte Schweizer Steinbock im Wallis erlegt.

Wie das Pro Natura «Wappentier» wieder in die Schweiz zurück fand, liest sich wie ein Krimi. Diese erfolgreiche Wiederansiedlung, die vor genau 100 Jahren ihren Anfang nahm, macht den Steinbock zum Tier des Jahres 2006.

Schon früh hat sich Pro Natura auf politischer Ebene für so genannte Umsiedlungen stark gemacht. Dies geschah nachdem sich die wilden Steinbock-Bestände langsam stabilisiert hatten und bereits wieder in gewissen Gebieten unter Druck des Menschen gerieten. Diese Umsiedlungen waren der eigentliche Grundstein dafür, dass heute Steinböcke nicht nur in einzelnen Gebieten im Gebirge vorkommen, sondern fast überall in den Alpen heimisch sind. Denn Steinböcke meiden natürlicherweise für sie unsichere Gegenden wie Talböden. Dieser Überlebenstrieb hindert die natürliche Ausbreitung einer Steinbock-Kolonie in benachbarte Gebiete.

Steinbock am Augstmatthorn Matthias Sorg
Steinbock am Augstmatthorn

Die Zauneidechse – Tier des Jahres 2005

Die Zauneidechse ist  ein anspruchsloses, harmloses Tierchen. Ein Platz an der Sonne, ein gutes Versteck, ein ruhiges Winterdomizil: das ist alles, was es braucht. Das findet sie oft dort, wo Wald sanft in Wiese übergeht, an vergessenenen ungenutzten Ecken wie Gruben, Bahndämmen und Trockenwiesen. Doch in einem Land, wo jeder Quadratzentimeter genutzt ist, die Waldränder wie mit dem Lineal gezogen sind und der letzte Bissen Gras gemäht wird, hat die Zauneidechse als Grenzgängerin zwischen Lebensräumen keine Chancen mehr.

Zauneidechsen besiedeln ein weites Spektrum an verschiedenen Lebensräumen: Trockenwiesen, Bahndämme, Böschungen, Gruben, Hecken, naturnahe Gärten, aber auch Flachmoore, Feuchtwiesen und Waldränder. Eine Vorliebe hat sie für südwärts gerichtete Hänge. In ihrem Lebensraum braucht sie vielfältige Strukturen, die über die Vegetation herausragen, damit sie sich sonnen kann. Geeignet sind Holz-, Stein- oder Kieshaufen, Baumstrünke oder liegende Stämme.

Mit verschiedenen Massnahmen kann man die Zauneidechse fördern:

  • An Strassenböschungen und Bahndämmen, zwei wichtigen Ersatzlebensräumen, soll keine Chemie eingesetzt werden. Maschinelle Eingriffe beschränken.
  • Mähen im Spätsommer oder im Winterhalbjahr bei kühler Witterung oder spät im Jahr; auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen das Gras am besten nur einmal schneiden. Altgras kann auch stehen bleiben.
  • Waldränder stufig gestalten mit geschwungenem Verlauf, besonnten Säumen und einer strukturreichen Krautschicht.
  • An geeigneten Stellen besonnte Stein- oder Holzhaufen aufschichten und offen halten.
  • Selbst im Privatgarten kann man mit ähnlichen Massnahmen Zauneidechsen Lebensraum bieten. Im Siedlungsgebiet muss man aber Katzen von Eidechsen-Standorten fernhalten; die Räuber können Reptilienbestände lokal vernichten!
Eine Zauneidechse beim Sonnen. Pro Natura
Zauneidechse

Der Feldhase – Tier des Jahres 2004

Der Feldhase war das Tier des Jahres 2004. Denn sein Niedergang steht für viele Tiere und Pflanzen, die im Landwirtschaftsgebiet leben oder gelebt haben. Als Schirmart ist der Feldhase aber ein besonders wichtiger Zeiger für die Qualität unseres Kulturlandes. Gibt es viele Hasen, ist sein Lebensraum intakt und sichert unzähligen anderen Lebewesen das Überleben. Mit der Rückkehr der Ökologie in die Landwirtschaft bestehen berechtigte Hoffnungen auf ein Comeback des Feldhasen.

Ab 1950 sind die Hasenbestände in der Schweiz eingebrochen. Das sieht man eindrücklich an den Abschusszahlen. Noch 1953 schossen Jäger 75'000 Tiere. 2002 brachten sie noch 2230 Hasen zur Strecke, 1280 Tiere allein im Kanton Graubünden.

Seit 1997 geht es mit dem Hasen in einigen Zählgebieten wieder aufwärts, im Durchschnitt 8 Prozent pro Jahr. Die Forscher sehen die Ursache in der besseren ökologischen Qualität des Lebensraums, die durch ökologische Beiträge des Bundes an Landwirte zustande kamen. Um sicher zu sein, dass der Aufwärtstrend anhält, müssen die Hasenpopulationen weiterhin überwacht werden.

Feldhase Soru Epotok /adobe.stock
Feldhase

Der Schwalbenschwanz - Tier des Jahres 2003

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist das Tier des Jahres 2003. Er steht für das Schicksal der meisten Tagfalter in der Schweiz. Sie sind zwar schön, harmlos und populär. Doch viele Schmetterlinge sind aus weiten Teilen unseres Landes verschwunden. Vor allem unter der intensiven Landwirtschaft haben die bunten Flatterer gelitten. Pro Natura will mit dem Tier des Jahres auf dieses Schicksal aufmerksam machen – und startet 2003 eine Kampagne zu Gunsten der Schmetterlinge.

Der Schwalbenschwanz ist einer der größten und auffälligsten Tagfalter in der Schweiz Pro Natura
Der Schwalbenschwanz ist einer der größten und auffälligsten Tagfalter in der Schweiz

Die Waldameise - Tier des Jahres 2002

Die kleinen Ameisen haben eine grosse Wirkung auf das Ökosystem. Besonders die Waldameisen erfüllen im Wald wichtige Funktionen als «Gesundheitspolizei». Da die Waldameisen für das Ökosystem bedeutend sind, sind sie durch das Gesetz geschützt. Dennoch sind drei der sechs Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die grösste Gefährdung erfolgt durch die Zerstörung der Lebensräume und der Nester.

Waldameisen bauen auffällige Hügelnester Pro Natura
Waldameisen bauen auffällige Hügelnester

Der Steinadler - Tier des Jahres 2001

Der Steinadler zeigt, dass nachhaltiger Erfolg im Naturschutz möglich ist. Erst 1953, kurz vor der Ausrottung, stellte der Bundesrat den Raubvogel unter Schutz. Pro Natura - der damalige Schweizerischer Bund für Naturschutz- bezahlte jahrzehntelang Entschädigungen für Adlerschäden an private Schafhalter, um Konflikte zu entschärfen.Vor 50 Jahren beinahe ausgerottet, geht es dem «König der Lüfte» heute gut.

Steinadler im Schweizer Nationalpark kamera_dstock.adobe
Steinadler im Schweizer Nationalpark

Der Luchs - Tier des Jahres 2000

Der Luchs ist in der Schweiz noch nicht über den Berg - sowohl buchstäblich wie im übertragenen Sinn.Pro Natura will erreichen, dass Luchse wieder im ganzen Alpenraum eine Heimat finden. Nur so ist gewährleistet, dass die grosse Raubkatze unserer Wälder langfristig in gesunden Beständen überlebt. Pro Natura setzt auf sachliche, spannende Information über den Luchs, um diesem Ziel näherzukommen.

Der Luchs ist in der Schweiz noch nicht ausser Gefahr Susanna Meyer / Pro Natura
Der Luchs ist in der Schweiz noch nicht ausser Gefahr

Der Laubfrosch - Tier des Jahres 1999

Der Laubfrosch ist eine der am stärksten bedrohten Amphibienarten in Europa. In der Schweiz gilt er als stark gefährdet, hauptsächlich aufgrund der grossflächigen Zerstörung von Auengebieten und strukturreicher Feuchtgebiete. Viele der bisherigen Lebensräume können nur mit grossem Pflegeaufwand erhalten bleiben. Pro Natura setzt sich deshalb für die Schaffung von Auen ein.

Auf das der Laubfrosch wieder häufiger wird Urs Tester / Pro Natura
Der Laubfrosch ist selten geworden

Der Biber - Tier des Jahres 1998

Biber fühlen sich am wohlsten in natürlichen ungestörten Fliessgewässern. Deshalb braucht es mehr natürliche und naturnahe Lebensräume. An aufgewerteten Fliessgewässern fühlt sich nicht nur der Biber wohl, sondern auch Äsche, Eisvogel und viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Dazu sind Auen attraktive Erlebnis- und Erholungsräume für den Menschen. Pro Natura macht mit konkreten Projekten den Weg frei für den putzigen Nager.

Der Biber soll wieder heimisch werden in der Schweiz Beat Hauenstein / Pro Natura
Der Biber gehört zur Schweizer Tierwelt
Eine Igelmutter transportiert ihr Jungtier in ein neues Versteck. Wahrscheinlich wurde sie am alten Ort gestört. © Biosphoto / Ronald Stiefelhagen Biosphoto / Ronald Stiefelhagen
Tier des Jahres

Pressebilder und -video «Tier des Jahres 2026»

Diese Bewegtbilder und Fotos dürfen nur unter folgenden Bedingungen frei verwendet werden:
  • im Zusammenhang der Berichterstattung über das Tier des Jahres 2026 von Pro Natura
  • ausschliesslich im Kalenderjahr 2026
  • mit korrekter Angabe der Bild- und Videoautor:innen

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Igel im Gras Vladimir Ya
05.01.2026 Tier des Jahres

Der Igel ist das Tier des Jahres 2026

Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) gehört zu den beliebtesten Wildtieren der Schweiz. Trotzdem findet er immer weniger geeigneten Lebensraum. Mit seiner Wahl zum Tier des Jahres stachelt Pro Natura Privatpersonen und Politik an, für mehr Natur in unseren Dörfern und Städten zu sorgen.

Wenn Gefahr droht, rollt er sich zu einer Kugel zusammen und hofft, dass sein Stachelpanzer ihn beschützt. Was beim Fuchs funktioniert, nützt dem Igel nicht viel, wenn ein Auto seine nächtliche Wanderroute mit fatalen Folgen kreuzt, wenn ihm das Laub für sein Winterquartier fehlt oder er keine Beutetiere mehr findet. Die gute Nachricht: Wir alle können dem Igel bei seinen täglichen Herausforderungen helfen. Genau dazu stachelt er uns als Tier des Jahres 2026 an. 

Ureinwohner auf Wohnungssuche 

Auf dem Gebiet der Schweiz gibt es den Igel seit rund 20‘000 Jahren. Während Jahrtausenden fand er in den vielfältigen Landwirtschaftsgebieten, was er zum Leben braucht: eine gut vernetzte Landschaft mit halbhohen Pflanzen und dazu genügend Insekten und Würmer. Seine ursprüngliche Heimat hat sich im letzten Jahrhundert jedoch radikal verändert. Hecken, Laub- und Asthaufen wurden weggeräumt, Bäche in unterirdische Röhren verlegt und landwirtschaftliche Kulturen immer intensiver bearbeitet. Damit hat der gemächliche Igel seinen Lebensraum in der Kulturlandschaft grösstenteils verloren. 

Ein lautes Karussell 

In den Gärten und Parks der Dörfer und Städte hat er einen Ersatzlebensraum gefunden. Werden diese naturnah gepflegt, kann man dort an lauen Frühlingsabenden das «Igelkarussell» hören. Beim lautstarken Paarungsritual der Igel umkreist das Männchen das Weibchen, bis dieses stehen bleibt, seine Stacheln flachlegt und so die Paarung ermöglicht. Nach rund fünf Wochen bringt die alleinerziehende Igelmutter im Schnitt vier bis fünf Jungigel zur Welt. Bei der Geburt sind ihre Stacheln noch weich und in die Haut eingebettet, doch bereits nach etwa sechs Wochen müssen sie für sich selbst sorgen. Dann heisst es: Fressen, fressen, fressen, um den kommenden Winter zu überleben. 

Mehr Insekten, mehr Igel 

Obwohl er fast alles probiert, was ihm vor die Schnauze kommt, kann der Igel nur tierische Nahrung verwerten. Er ist auf Insekten spezialisiert. Ihr Fehlen im Winter zwingt ihn zu einem langen Winterschlaf. Zunehmend fehlt das Futter aber auch während dem Rest des Jahres. Das Insektensterben macht auch vor Gärten und Parks nicht Halt. Zudem werden dem Igel in Menschennähe oft Autos, Mähmaschinen und ein übermässiger Ordnungssinn zum Verhängnis.  

Dabei wollen ihm eigentlich alle nur Gutes. Kaum ein Wildtier hat eine so grosse Fangemeinde wie der stachelige Sympathieträger. Eine Vielzahl von Organisationen und Personen setzt sich für Igel ein. Dass er trotzdem seit 2022 in der Schweiz und seit 2024 in der EU als «potenziell gefährdet» eingestuft ist, zeigt, dass für die Trendwende beim Artensterben alle mitanpacken müssen. Mit dem neuen Projekt BONJOUR NATURE unterstützt Pro Natura daher ab März 2026 schweizweit alle, die ihre Gärten naturnah gestalten wollen. Gleichzeitig engagiert sich die Naturschutzorganisation im Feld und in der Politik gegen das Insektensterben und für mehr Natur im Siedlungsraum. 

Weitere Informationen: 

Kontakt: 

  • Andreas Boldt, Wildtierbiologe bei Pro Natura, 061 317 91 26, @email  

  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email  

     

Igelfreundliche Naturgärten: Gartenberatungen, Zertifizierungen und Events
Im März 2026 lanciert Pro Natura schweizweit das Naturgartenprojekt BONJOUR NATURE für mehr Natur in Dorf und Stadt. Zum Angebot gehören Gartenberatungen, Zertifizierungen und Tage der Offenen Schmetterlingsgärten. Für eine kostenlose Gartenberatung kann man sich schon heute auf die Warteliste setzen, um per E-Mail informiert zu werden, sobald die Anmeldung offen ist: Hier einschreiben.

Arbeiten für Zauneidechse und Hermelin im Gros-de-Vaud
05.03.2018 Artenschutz

«Erste Hilfe für Hermelin und Co.»

In der Region Gros-de-Vaud (VD) 
ist die Landwirtschaft besonders intensiv. Dort sind Hecken, Steinhaufen und andere Kleinstrukturen selten.
 Um die Situation zu verbessern, führt Pro Natura in dieser Region ein Förderprojekt durch. Das dient nicht nur dem Hermelin.

2015 klopfte ein junger Reptilienspezialist bei Pro Natura an. Der Herpetologe berichtete, dass sich die Situation der Zauneidechsen in der Region Gros-de-Vaud (Gebiet zwischen Yverdon-les-Bains, Jorat und Moudon) verschlechtere. Pro Natura ist davon überzeugt, dass der Rückgang dieser geschützten Art in der Schweiz zwei Hauptgründe hat. Erstens sind die Kleinstrukturen in der Landschaft dramatisch geschwunden. Stein- und Asthaufen, Hecken und Dickichte, gestufte Waldränder, Brachland, ausgedehnte Säume und ungeschnittene Grasstreifen fehlen überall. Zweitens sind die wenigen noch vorhandenen Zauneidechsen-Lebensräume voneinander isoliert. Pro Natura beschloss daraufhin, ein Projekt zur Förderung der Zauneidechse in der Region Gros-de-Vaud zu starten.

Ein gemeinschaftliches Projekt

Kleinstrukturen sind auch günstig für die beiden einheimischen Wieselarten, diese in der Landwirtschaft so beliebten Mäusejäger. Das Projekt soll also sowohl den biologischen und ökologischen Besonderheiten der Zauneidechse wie auch jenen von Hermelin und Mauswiesel gerecht werden. Deshalb arbeitet Pro Natura mit mehreren Akteuren eng zusammen, namentlich mit der Karch (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz) und der Stiftung WIN Wieselnetz.

Auf der Grundlage vorhandener Verbreitungskarten analysierten die Fachleute Luftbilder und Karten, um Gebiete mit Förderpotenzial für Zauneidechse, Hermelin und Mauswiesel herauszuschälen. Fünf Sektoren wurden so festgelegt. Im Jahr 2017 erkundete ein Biologe mit Unterstützung von Pro Natura Waadt und der kantonalen Behörden drei dieser Gebiete. Er beurteilte die Qualität der vorhandenen Lebensräume, kartierte bestehende Kleinstrukturen und machte sich Gedanken über ideale Standorte für neue Hecken, Steinhaufen, Säume und Brachen. Ziel der Analyse war es, konkret im Gelände passende Flächen für die Fortpflanzung und die Wanderungen der drei Arten zu definieren. Durch die Gegenüberstellung der erhobenen Daten mit früheren Analysen und mit den bestehenden landwirtschaftlichen Vernetzungsprojekten ergab sich schliesslich eine Karte jener Flächen, die in erster Priorität verbessert werden müssen.

Überzeugen, nicht erzwingen

Jetzt geht es darum, die geplanten Massnahmen in die Tat umzusetzen. Keine einfache Aufgabe, schliesslich betreffen die Planungen meist privates Grundeigentum. Pro Natura muss informieren, erklären, überzeugen. Den Beauftragten der landwirtschaftlichen Vernetzungsprojekte wird das Projekt vorgestellt. Gemeinsam wird der beste Ansatz definiert, um Grundeigentümer und Bewirtschafterinnen für die Anlage und Pflege von Steinhaufen, Brachen, Hecken oder Säumen zu gewinnen. Klar, dass dabei der grosse Mäuse-Appetit von Hermelin und Mauswiesel ein wichtiges Argument ist! Zudem beherbergen Kleinstrukturen viele andere Tierarten wie etwa Insekten und Spinnen, die für die Landwirtschaft nützliche "Mitarbeiter" in der Bestäubung oder biologischen Schädlingsbekämpfung sind.

Ziel: 25 konkrete Projekte bis 2019

Die Projektverantwortlichen bei Pro Natura hoffen, dass ab diesem Frühjahr die ersten Projekte in die Tat umgesetzt werden können. Die Chancen stehen gut: Im Rahmen interner Schulungstage für Pro Natura-Mitarbeitende haben bereits 2017 zwei Bauern aus der Region mit Begeisterung Steinhaufen mitsamt Brutkammern für Hermeline aufgebaut. Beide Landwirte sind bereit, noch mehr zu tun. Auch andere Akteure in der Westschweiz haben sich der Wieselförderung verschrieben, insbesondere einige Regionale Naturpärke. Bis Ende 2019 will Pro Natura gemeinsam mit allen Beteiligten in der Region Gros-de-Vaud mindestens 25 konkrete Projekte umsetzen, die dem Hermelin neuen oder besseren Lebensraum bieten: Im Kulturland, entlang des Waldes, an Strassenoder Bahndämmen. Damit das möglich wird, engagiert sich Pro Natura bis 2019 mit Beratung, Fachwissen, spezifischen Schulungen, Erfolgskontrolle und finanziellen Beiträgen.

René Amstutz leitet bei Pro Natura Projekte 
zur Artenförderung, zum Beispiel im Gros-de-Vaud.

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Hermelin Mark Zerkuis / Saxifraga
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2018 – Das Hermelin

Das Hermelin (Mustela erminea) ist ein flinker Mäusejäger. Oft wird es aber vom Jäger zum Gejagten. Dann ist eine deckungsreiche Landschaft überlebenswichtig.

Das Hermelin bewohnt abwechslungsreiche, offene Landschaften. Den Wald meidet es. Es frisst Fleisch und ist in der Schweiz auf Wühlmäuse spezialisiert. Hermeline leben einzelgängerisch oder in Mutterfamilien. Sie sind reviertreu. 

Ein idealer Hermelin-Lebensraum ist gut vernetzt. Er bietet eine Fülle von Verstecken, Jagdgebieten und Wanderachsen: In Wiesen jagt das Hermelin seine Beute. In einer Aufzuchtkammer unter Ästen oder Steinbrocken kommen die Jungen zur Welt. Deckungsreiche Hecken, Krautsäume oder Bachufer erleichtern dem Hermelin-Männchen im Frühling die weiträumige, oft gefahrvolle Suche nach paarungsbereiten Weibchen.   

In manchen Landstrichen werden Hermeline immer seltener, weil ihnen geeignete Kleinstrukturen und Wanderkorridore fehlen. Mit dem Hermelin verschwinden auch andere Arten, die auf strukturreiche Landschaften angewiesen sind.

Warum wählt Pro Natura das Hermelin zum Tier des Jahres?

Mit der Wahl des Hermelins ruft Pro Natura dazu auf, unseren Kulturlandschaften wieder zu einem strukturreichen Netz von Lebensräumen zu verhelfen. Das dient nicht nur dem Hermelin, sondern auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten.

Pro Natura führt selber Vernetzungsprojekte durch und schafft in ihren eigenen Naturschutzgebieten Lebensraum für das Hermelin. In der Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!» setzt Pro Natura sich für den Schutz und die Wiederherstellung von Wanderkorridoren für Wildtiere ein.

Zur Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Ein  Hermelin in sicherer Deckung Adolf Durrer
Hermeline brauchen Kleinstrukturen wie diesen Steinhaufen.

Alles Wiesel oder was?

Wiesel, Hermelin, Mauswiesel, Grosses Wiesel – wer ist was oder ist alles dasselbe? Des Rätsels Lösung: «Wiesel» ist der Oberbegriff für die beiden Arten Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis). Beide Arten sind in der Schweiz heimisch.

Das Hermelin wurde früher auch als «Grosses Wiesel» bezeichnet. Beide Wieselarten gehören zur Familie der Marderartigen, sind also verwandt mit Stein- und Baummarder, Iltis, Fischotter und Dachs.

Weisser Bauch, brauner Rücken, schwarze Schwanzspitze: Ein Hermelin im Sommerkleid flitzt vorbei. Shutterstock / Smiler
Weisser Bauch, brauner Rücken, schwarze Schwanzspitze: Ein Hermelin im Sommerkleid flitzt vorbei.

Porträt: Flinker Flitzer mit zwei Anzügen

Gertenschlank, durchschnittlich rund 300 Gramm schwer und etwa so lang wie ein Schullineal: Diese Körpereigenschaften machen es dem Hermelin leicht, durch Mausgänge, Asthaufen oder Gestrüpp zu stöbern. Wenn es nicht ruht, ist das Hermelin quirlig unterwegs. Es schlägt gelegentlich akrobatische Kapriolen. Die Wissenschaft hat für diese Tanzeinlagen noch keine schlüssige Erklärung. Eng anliegende Ohren, kurze Beine und Tasthaare an der Schnauze vervollkommnen das Bild des Tunneljägers. Grösse und Gewicht von Hermelinen variieren je nach Lebensraum stark. Tiere aus dem Alpenraum sind kleiner als Artgenossen aus dem Mittelland. Männchen sind (im gleichen Lebensraum) grösser als Weibchen. 

Das Rückenfell des Hermelins ist im Sommer rotbraun gefärbt, der Bauch gelblich-weiss. Im Winter nimmt das ganze Fell eine schneeweisse Färbung an. Ein einziger Fellbereich bleibt ganzjährig in sattes Schwarz getaucht, nämlich die üppige Schwanzquaste. Sie ist das sichere Unterscheidungsmerkmal des Hermelins gegenüber seinem sehr ähnlich aussehenden kleinen Verwandten, dem Mauswiesel. 

Das Tier des Jahres 2018 ist gesetzlich geschützt. Die Bestände des Hermelins in der Schweiz sind nicht bekannt. Es wird zwar nicht als bedroht eingestuft, Fachleute gehen aber von einem Bestandesrückgang aus. Hermeline sind in der Schweiz von den Tallagen bis in Höhen von 3'000 Metern verbreitet.

Im Winter trägt das Hermelin ein weisses Fell. iStock / Vershinin
Im Winter trägt das Hermelin ein weisses Fell. Der Fellwechsel wird durch die Tageslänge und durch die genetischen Eigenschaften des einzelnen Tieres ausgelöst.

Der Schrecken der Schermaus

Die sprichwörtliche wieselflinke Beweglichkeit des Hermelins hat ihren Preis. Das schlanke Hermelin braucht viel Energie, um sich warm und fit zu halten. Bis zu 40 Prozent seines Körpergewichtes muss es sich täglich erjagen. 

 

Fette Beute: Das Hermelin tötet sein Beutetier blitzschnell durch einen Biss ins Genick. Shutterstock / Romuald Cisakowski
Fette Beute: Das Hermelin tötet sein Beutetier blitzschnell durch einen Biss ins Genick

In der Schweiz ist das Hermelin auf Wühlmäuse spezialisiert, wobei es Schermäuse (Arvicola terrestris) bevorzugt. Die pummeligen Wühlmäuse leben unterirdisch in Wiesen und werfen dort die bekannten Haufen auf. In der Landwirtschaft ist das Hermelin daher als Mäusejäger sehr willkommen. Es frisst durchschnittlich ein bis zwei Mäuse pro Tag. Bei der Jungenaufzucht im Frühjahr steigt der Bedarf noch an. Im Gebirge, wo die Schermaus fehlt, weicht das Hermelin auf die Schneemaus (Chionomys nivalis) aus. Jagdstreifzüge können ein Hermelin über mehrere Kilometer führen. Wenn die Leibspeise einmal rar ist, weicht das Tier des Jahres 2018 auf andere Mausarten, Vögel und Insekten aus oder kostet gar einen vegetarischen Snack.

Fortpflanzung: Warum schon Babies schwanger werden

Das Hermelinweibchen wirft zwischen März und Mai, gut geschützt in einer Nesthöhle, seine Jungen. Die Männchen streifen derweil rastlos durch Felder und Wiesen, um paarungsbereite Weibchen zu suchen. Noch während sie säugen, sind die Weibchen nämlich schon wieder paarungsbereit. Noch erstaunlicher: Auch die weiblichen Jungtiere sind schon geschlechtsreif, kaum haben sie im Alter von drei Wochen die Augen geöffnet und erstmals Fleisch gefressen. Die Männchen hingegen werden erst im Alter von 1 Jahr zeugungsfähig, wodurch Inzucht weitgehend ausgeschlossen ist. Ende Sommer, wenn die Jungtiere sich eigene Reviere suchen müssen, sind alle weiblichen Hermeline schon wieder tragend. Doch dann ist erst mal Pause. Das Embryo legt in der Gebärmutter eine Keimruhe ein. Erst im Vorfrühling des folgenden Jahres wird die Entwicklung weitergehen und die nächste Generation der kleinen Beutegreifer wird federleicht, weissflaumig und blind zur Welt kommen.

Wettergeschützt und trocken muss das Brutnest sein, in dem das Hermelin-Weibchen seine Jungen wirft. Beate Ludwig
Wettergeschützt und trocken muss das Brutnest sein, in dem das Hermelin-Weibchen seine Jungen wirft.

Feinde auf zwei und vier Beinen

Das Tier des Jahres 2018 hat viele natürliche Feinde. Für Füchse, Greifvögel, Eulen, Störche oder Graureiher ist das Tier ein willkommener Happen. Hauskatzen und Hunden geht das Hermelin ebenfalls aus dem Weg. Feind Nummer 1 ist aber der Mensch. In der Schweiz sind zwar die Zeiten vorbei, als Hermeline im Winterfell als begehrte Pelztiere gefangen wurden. Auch die Dezimierung als «Raubzeug» gibt es hierzulande nicht mehr. Doch verheerender als alle Fallen ist für das Hermelin die Ausräumung und Zerschneidung der Landschaft.

Lauf, Hermelin, lauf! Das dichte Strassennetz in der Schweiz fordert eine unbekannte Zahl an Opfern unter der Hermelin-Population. Jean Malevez
Lauf, Hermelin, lauf! Das dichte Strassennetz in der Schweiz fordert eine unbekannte Zahl an Opfern unter der Hermelin-Population

Heimat ist, wo Verstecke sind

Für das Hermelin ist die Welt dort in Ordnung, wo etwas «Unordnung» herrscht. Ein Steinhaufen hier, ein ungemähter Wiesenstreifen dort, ein Bächlein oder eine Hecke dazwischen: Das Hermelin braucht gut vernetzte Kleinstrukturen. Das Tier des Jahres 2018 ist deshalb auf eine naturfreundliche Landwirtschaft angewiesen. Dabei ist es nicht übermässig anspruchsvoll. Selbst in intensiv genutzten Gebieten kann der kleine Beutegreifer leben, wenn ein Minimum an Kleinstrukturen und Wiesland vorhanden ist. Je mehr Landwirtinnen und Landwirte solche Kleinstrukturen anlegen und pflegen, desto eher stellt sich ein Hermelin als Mäusejäger in ihren Dienst.  Vielfältige Kleinstrukturen bieten auch vielen anderen Tierarten unentbehrlichen Lebensraum. Dringend nötig sind für das Hermelin auch mehr gefahrlose Über- und Unterquerungen von stark befahrenen Verkehrswegen.

Ein möglichst dichtes Netz von Unterschlüpfen, Deckung und Wanderkorridoren ist für das Hermelin überlebenswichtig – und für viele andere Tierarten auch. Matthias Sorg
Ein möglichst dichtes Netz von Unterschlüpfen, Deckung und Wanderkorridoren ist für das Hermelin überlebenswichtig – und für viele andere Tierarten auch
Die Hermeline vom Jura

Rauf und runter: Die Hermelin-Population

Unregelmässig kommt es zu «Mäusejahren», in denen sich die Schermäuse besonders stark vermehren. Das Hermelin reagiert auf den reich gedeckten Tisch mit erhöhter Vermehrung. In normalen Jahren wirft das Hermelinweibchen 4-6 Junge. In einem Mäusejahr können bis zu 14 Junge geboren werden. Die Hermelin-Population steigt, verwaiste Wohngebiete können wieder besiedelt werden. Das bricht die Spitzen der explosionsartigen Mäusevermehrung. Doch das Hermelin-Hoch währt nur kurz. Von den Jungtieren stirbt mindestens die Hälfte schon im ersten Winter. Das Durchschnittsalter einer Hermelinpopulation liegt bei nur 1-2 Jahren. In Gefangenschaft können die Tiere ein Alter von 8 Jahren erreichen.

Die sommerliche Begegnung mit einer Hermelin-Mutterfamilie ist ein seltener Glücksfall und währt meist nur sehr kurz. Iain H. Leach
Die sommerliche Begegnung mit einer Hermelin-Mutterfamilie ist ein seltener Glücksfall und währt meist nur sehr kurz

Das tut Pro Natura

Pro Natura fordert, dass Bewegungsachsen und dazugehörige Wildtierkorridore wieder durchgängig werden. Bei der Planung sowie beim Bau von Infrastrukturen muss der Mensch die Mobilitätsbedürfnisse von Wildtieren berücksichtigen. Wildtiere wie das Hermelin brauchen unterschiedliche Lebensräume. Sie bewegen sich zwischen Schlafplatz und Jagdgebiet, zwischen Rückzugsort und Brutnest oder auf der Reviersuche. Unsere stark zerschnittenen Landschaften erschweren oder verunmöglichen diese wichtigen Bewegungen oft auch kleinräumig.
 
Pro Natura fordert von Politik und Behörden nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch lokal und regional klare Verbesserungen von ökologischer Infrastruktur und vernetzten Naturräumen.

Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»

Pro Natura kämpft hartnäckig für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft. Wir machen uns stark für jene Landwirtinnen und Landwirte, die dem Hermelin und vielen anderen Tierarten Lebensraum und Unterschlupf gewähren. Diese Leistungen der Landwirtschaft sollen angemessen gefördert und entschädigt werden. Pro Natura setzt sich politisch dafür ein, dass die kommende Agrarpolitik 22+ auch dem Hermelin wieder vermehrt auf die Sprünge hilft.

Biodiversität im Kulturland

Pro Natura legt auch ganz konkret Hand an für das Hermelin. Wir betreuen rund 700 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz, mit wertvollen Lebensräumen für viele Tiere und Pflanzen. So weit sie ausserhalb des Waldes liegen, bieten viele dieser Naturschutzgebiete auch dem Hermelin Lebens- und Rückzugsraum. Auch ausserhalb unserer Naturschutzgebiete setzen wir Artenschutzprojekte um, die auch das Hermelin fördern. Aktuell laufen solche Projekte im Saanenland BE und im Gros de Vaud VD.

Mehr über die rund 700 Naturschutzgebiete erfahren

Projekte, welche Pro Natura zusammen mit ihren kantonalen Sektionen durchführt

Drei Hermeline beim Spielen
Leuchtendes Glühwürmchen Hans Niederhauser
Tier des Jahres

Tier des Jahres 2019: Das Glühwürmchen

Das Glühwürmchen (Lampyris noctiluca) beleuchtet 2019 die Lage der Insekten in der Schweiz. Das geheimnisvolle Tier ist bei uns noch weit verbreitet. Doch schrumpfender Lebensraum und steigende Lichtverschmutzung setzen den tierischen Sternchen zu.

Sein Name ist irreführend: Das Glühwürmchen ist kein Wurm, sondern ein Käfer. Es glüht auch nicht, sondern verbreitet ein kaltes Leuchten. Deshalb heisst das Tier des Jahres 2019 korrekt «Grosser Leuchtkäfer». Er ist in der Schweiz die häufigste von vier vorkommenden Leuchtkäfer-Arten.

Warum wählt Pro Natura das Glühwürmchen zum Tier des Jahres?

Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. Von rund 36'000 in der Schweiz bekannten Tierarten gehören 30'000 zu den Insekten. Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung. Doch die Wunderwelt der Insekten zerfällt in beängstigender Geschwindigkeit. Lebensraumzerstörung, Pestizide, Lichtverschmutzung und andere Faktoren setzen ihr zu. Die Folgen für Natur und Mensch sind schwerwiegend. Das erkennen immer mehr Menschen, aufgeschreckt durch alarmierende Erkenntnisse der Wissenschaft. Auf diese Fakten und Probleme, aber auch auf praktische Lösungen wirft das Glühwürmchen 2019 sein magisches Licht.

Liebeslicht im Dunkel: Ein Glühwürmchen-Weibchen auf Partnersuche. Biosphoto / Stephane Vitzthum
Liebeslicht im Dunkel: Ein Glühwürmchen-Weibchen auf Partnersuche.

Der Schrecken der Schnecken

Erst ganz am Ende seines Lebens verzaubert das Glühwürmchen in lauen Sommernächten die Landschaft mit seinen Lichtpunkten. Zuvor hat es rund zwei Lebensjahre als Larve verbracht. Seine Nahrung in dieser Zeit sind Schnecken. Dabei sind die Larven nicht wählerisch: Ob gross, klein, mit oder ohne Häuschen – die Larve erbeutet, was sie kriegen kann. Ihre rüden Jagdmethoden passen nicht ins romantische Bild vom Glühwürmchen als feenhaftes Lichtwesen.

Wie schwarzbraune Mini-Krokodile pirschen sich die Larven an ihre oft viel grösseren Beutetiere heran. Sie töten die erbeutete Schnecke mit Giftbissen und fressen sie innert eines Tages ganz auf. Ein besonderes Schwanzorgan hilft der Larve dabei, sich nach der schleimigen Mahlzeit gründlich zu reinigen.

Die Larven verfügen über Abwehrgifte. Sie sind für mögliche Fressfeinde ungeniessbar und warnen diese durch aufleuchtende Lichtpunkte am Hinterleib. Das Licht ist nicht so stark wie das Paarungssignal ausgewachsener Tiere, aber auf eine Distanz von 1-2 Metern gut sichtbar. Im Winter, wenn die Schnecken nicht erreichbar sind, fallen die Larven in eine Winterruhe.

Auf der Jagd: Eine Glühwürmchen-Larve greift eine junge Häuschenschnecke an. Fotolia / Schmutzler-Schaub
Auf der Jagd: Eine Glühwürmchen-Larve greift eine junge Häuschenschnecke an.
Glühwürmchen-Larve frisst Schnecke

Leuchtendes Finale

Nach zwei oder drei Überwinterungen verpuppen sich die Larven. Die erwachsenen Glühwürmchen schlüpfen nach rund einer Woche. So gefrässig die Larven waren, so enthaltsam sind die erwachsenen Tiere: Sie können keine Nahrung zu sich nehmen.

Sofort entzünden die Weibchen an einem günstigen Leuchtplatz das Landefeuer für liebeshungrige Männchen. Das Licht in ihren Leuchtorganen am Körperende entsteht durch eine chemische Reaktion. Diese Fähigkeit von Tieren und Pflanzen, Licht zu erzeugen, heisst Biolumineszenz.

Gut sichtbar sind die Leuchtbänder auf dem sechsten und siebten Körpersegment. Das achte Segment trägt links und rechts einen Leuchtpunkt. Hans Niederhauser
Gut sichtbar sind die Leuchtbänder auf dem sechsten und siebten Körpersegment. Das achte Segment trägt links und rechts einen Leuchtpunkt.

Männchen auf Suchflug

Die Glühwürmchen-Männchen leuchten nicht. Sie überfliegen ihren Lebensraum und spähen mit grossen Augen nach dem ersehnten Liebessignal. Sobald ein Männchen bei einem Weibchen gelandet ist, erlischt das Leuchten und die Paarung findet statt. Das Weibchen legt seine Eier am Boden, unter Gräsern, Steinen oder Holzstücken. Es stirbt anschliessend.

Das Männchen lebt rund zwei Wochen. 60 bis 80 Eier hinterlässt das Paar. Schon diese Eier können schwach leuchten. Nach einem Monat schlüpfen die Larven. Die wenige Millimeter grossen Winzlinge machen sich auf die Jagd nach Schnecken. Der Zyklus beginnt erneut.

Mit grossen Augen auf Ausguck: Das Glühwürmchen-Männchen Christophe Salin
Mit grossen Augen auf Ausguck: Das Glühwürmchen-Männchen
Glühwürmchen bei der Paarung

Schnecken, Vielfalt und...

Der Grosse Leuchtkäfer ist in der ganzen Schweiz verbreitet und kommt auf Höhen bis 2000 Meter über Meer vor. Glühwürmchen leuchten am einsamen Waldrand ebenso wie im städtischen Park. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es dem Glühwürmchen wohl ist. Erstens müssen Schnecken verfügbar sein. Zweitens ist ein vielfältiges, giftfreies Mosaik aus Klein-Lebensräumen nötig. Offene Stellen, schattige Plätzchen, feuchte Verstecke: Solche Strukturen bietet zum Beispiel eine traditionelle Kulturlandschaft, ein naturnaher Garten oder ein giftfrei gepflegter Friedhof oder Park.

Strukturvielfalt im Siedlungsraum ist für Glühwürmchen attraktiv. Andrea Haslinger
Strukturvielfalt im Siedlungsraum ist für Glühwürmchen attraktiv.

...Dunkelheit!

Schliesslich braucht das Glühwürmchen etwas, das auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint: Dunkelheit. Doch in der 24-Stunden-Gesellschaft sind dunkle Nächte keineswegs garantiert. Rund um die Uhr erleuchtete Strassen, grelle Leuchtreklamen und putzige Lämpchen im Garten sind für Glühwürmchen ein Problem. Dieses Problem hat einen Namen: Lichtverschmutzung.

Wo die Nacht durch Kunstlicht zum Tag wird, leuchtet das Glühwurm-Weibchen nämlich vergeblich. Die Männchen finden ihre Partnerinnen nicht. Deshalb ist es wichtig, der Nacht ihre Dunkelheit zu lassen. Nicht nur für das Glühwürmchen: Auch Fledermäuse, Nachtfalter und nicht zuletzt der ruhende Mensch brauchen dunkle Nächte.

 

Lässt die Sterne verblassen: Lichtglocke über der Region Thun BE Naturpark Gantrisch / Mario Rüegger
Lässt die Sterne verblassen: Lichtglocke über der Region Thun BE

Drei weitere Arten von Glühwürmchen

Ausser dem Grossen Leuchtkäfer können in der Schweiz drei weitere Glühwürmchen-Arten beobachtet werden:

Der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) ist der heimliche Star unter seinesgleichen – zumindest auf dem Waldfriedhof in Schaffhausen. Dort lebt eine der wenigen Schweizer Populationen dieser Art nördlich der Alpen. Die Weibchen leuchten sitzend. Wenn die Männchen im Flug zwischen Bäumen und Grabfeldern ihr grünliches Licht für Sekunden aufflammen und wieder verglimmen lassen, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Deshalb zieht das Naturschauspiel inzwischen jährlich zahlreiche Schaulustige an.

Der Kurzflügelleuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) macht seinem Namen nicht wirklich Ehre. Er leuchtet nur sehr schwach und fliegt auch nicht. Die Art ist in der ganzen Schweiz verbreitet. Sie kommt vielleicht sogar häufiger vor als der Grosse Leuchtkäfer, könnte aber oft übersehen werden. Anders als die übrigen Leuchtkäfer-Arten frisst die Larve des Kurzflügelleuchtkäfers nicht Schnecken, sondern Regenwürmer.

Der Italienische Leuchtkäfer (Luciola italica) hat seinen Verbreitungsschwerpunkt – der Name lässt es vermuten – im Tessin und in den Bündner Südtälern. Beide Geschlechter blinken weisslich. Lokale Populationen nördlich der Alpen gibt es in Lausanne und Zürich. Die Herkunft der Tiere in Zürich ist rätselhaft. Die Italienischen Leuchtkäfer, die den Parc Bourget in Lausanne bevölkern, wurden dort in den 1940er Jahren aus dem Tessin eingeführt – einfach zur Freude des Publikums.

Eine weitere nicht heimische Art, Luciola lusitanica, ist in der Schweiz ebenfalls schon vereinzelt festgestellt worden. Sie ist eng verwandt mit dem Italienischen Leuchtkäfer, weshalb die biologische Einordnung (Systematik) noch nicht geklärt ist.

 

Ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers Hans Niederhauser
Ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers

Das tut Pro Natura für das Glühwürmchen

Viele Pro Natura Naturschutzgebiete beherbergen auch Glühwürmchen. Denn diese Naturjuwelen bieten alles, was Glühwürmchen brauchen: Vielfältige Lebensräume, eine intakte Schneckenfauna, dunkle Nächte. Wer weiss, vielleicht lohnt sich ein sommerlicher Nachtspaziergang im Pro Natura Naturschutzgebiet in Ihrer Nähe?

Mehr über die 700 Pro Natura Naturschutzgebiete erfahren

Naturschutz darf sich nicht auf Schutzgebiete beschränken, Pro Natura kämpft getreu ihrem Slogan «Für mehr Natur überall!» für die Natur am Fluss, im Wald, im Alpenraum.

Mehr über verschiedene Lebensräume erfahren

Vielfältige Kulturlandschaften bieten dem Glühwürmchen idealen Lebensraum. Deshalb ist es wichtig, dass die Schweizer Landwirtschaft naturverträglicher wird. Pro Natura setzt sich dafür ein. 2019 beginnt die heisse agrarpolitische Phase für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik unter dem Stichwort «Agrarpolitik 22+».

Pro Natura in der Agrarpolitik

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