Mediencommuniqué

OECD-Umweltbericht: Schweiz ist Schlusslicht bei den Schutzgebieten

27.11.2017

Biodiversität und Gewässerschutz: Das sind die wichtigsten Bereiche, in denen die Schweiz deutlich mehr zum Schutz der Natur machen muss. Das legt der heute präsentierte Umweltbericht der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) offen. Besonders augenfällig: Die Schweiz ist nach wie vor europäisches Schlusslicht bei den Schutzgebieten. Pro Natura fordert von Bundesrätin Leuthard eine konsequentere Politik zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen in der Schweiz.


Was Wissenschaft, Naturschutzorganisationen und das Bundesamt für Umwelt seit Jahren wiederholen, bestätigt heute auch der Umweltbericht der OECD. «Der Natur in der Schweiz geht es schlecht. Wichtige Lebensräume wie Auen und Moore drohen zu verarmen oder ganz zu verschwinden. Und mit ihnen Tier- und Pflanzenarten», fasst Friedrich Wulf von Pro Natura zusammen.Die OECD ortet in den Bereichen Schutzgebiete und Gewässerschutz besonders dringenden Handlungsbedarf.


Schweiz ist Schlusslicht bei Schutzgebieten
In der Schweiz stehen nur 6,2 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz – sie ist damit Schlusslicht in Europa und wird das UNO-Ziel («Aichi»-Ziel) von 17 Prozent bis 2020 trotz vertraglicher Verpflichtung verfehlen. Das hat drastische Auswirkungen: Die Roten Listen gefährdeter und bedrohter Arten sind länger als in den Nachbarländern – 36 Prozent der untersuchten Arten in der Schweiz sind gefährdet. Tendenz: Verschlimmerung. Um dem Verlust der Artenvielfalt und der natürlichen Lebensräume entgegenzutreten empfiehlt die OECD, mehr und grössere Schutzgebiete zu schaffen, sie zu vernetzen und dauerhaft zu pflegen und zu erhalten, damit sie als dringend benötigte Überlebensräume geschützten und bedrohten Arten dienen.


Fliessgewässer und Feuchtgebiete besonders unter Druck
Besonders bedroht sind die Wasserlebensräume – Fliessgewässer und Feuchtgebiete. Die meisten Fliessgewässer wurden im vergangenen Jahrhundert ihrer natürlichen Dynamik beraubt und leiden unter Pestizid- und Nährstoffeintrag. Das hat Folgen: Acht Fischarten sind bereits ausgestorben. Von den übrigen sind 70 Prozent gefährdet oder bedroht. «Bäche und Flüsse als Adern der Biodiversität brauchen wieder mehr Platz, um frei fliessen zu können. Das geltende Gewässerschutzgesetz schreibt dies vor. Es muss umgesetzt werden», fordert Friedrich Wulf.


Deutlich sind auch die Defizite bei den Feuchtgebieten wie den Mooren. Trotz verfassungsmässigem und gesetzlichem Schutz verringert sich die Fläche der Moore der Schweiz, und deren Zustand verschlechtert sich. Rund 90 Prozent der ursprünglichen Moorfläche ist bereits verloren und somit wunderschöne Landschaften und überlebenswichtige Ökosysteme für seltene Pflanzen wie dem Sonnentau.


Pro Natura fordert, dass die Bundes- und Kantonsbehörden den Schutz der natürlichen Grundlagen ernst nehmen und konsequent für deren Erhalt einstehen. Das bedeutet, dass die existierenden Umwelt- und Naturschutzgesetze konsequent vollzogen sowie die kürzlich vom Bundesrat präsentierten Aktionspläne für die Biodiversität und zur Reduzierung der Pestizidbelastung umgesetzt werden.

 

 

Links:
OECD-Bericht: http://www.oecd.org/environment/oecd-environmental-performance-reviews-switzerland-2017-9789264279674-en.htm (auf Englisch)
www.pronatura.ch/biodiversitaet
www.pronatura.ch/moore
www.pronatura.ch/fliessgewaesser


Auskünfte:
Friedrich Wulf, Pro Natura Projektleiter Politik und Internationales, Tel. 079 216 02 06, HYPERLINK friedrich.wulf@pronatura.ch

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