Kühe auf biodynamischem Bauernhof ©Matthias Sorg/Pro Natura

Artenschutz: Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg

06.02.2020

Wenn der Bundesrat in den nächsten Tagen seine Botschaft zur Agrarpolitik 22+ veröffentlicht, hat Pro Natura die Umweltziele für die Schweizer Landwirtschaft im Blick. Klar ist nämlich: Es braucht dringend einen Strategiewechsel, wenn wir das Artensterben im Kulturland stoppen wollen. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei die Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Die Zeit drängt.

Wer zu viel und zu sorglos isst, wird irgendwann zu fett. Diät ist angesagt. Was für Menschen gilt, trifft auch auf unseren Boden und unsere Kulturlandschaft zu: Vollgestopft mit Ammoniak, Nitrat, Dünger und Pestiziden, sind sie schon lange nicht mehr Heimat für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Es dominieren fettes Grün und artenarme Einheitlichkeit. Kein Wunder: Allein der Überschuss am Pflanzennährstoff Phosphor betrug in den letzten Jahren nach offiziellen Angaben in der Schweiz rund 5500 Tonnen jährlich.

Biodiversität sinkt rapide

Es ist keine Überraschung, dass die Schweizer Artenvielfalt seit Jahren rückläufig ist. Die Schweiz ist meilenweit davon entfernt, ihre eigenen Ziele für mehr Biodiversität und natürliche Lebensräume zu erreichen. Bei der Schutzgebietsfläche ist sie gar europäisches Schlusslicht. 35 Prozent aller bisher untersuchten Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz stehen auf der Roten Liste. Sie sind mehr oder weniger stark gefährdet. Eine Schlüsselrolle für wildlebende Tiere und Pflanzen spielt die Landwirtschaft. Warum? Ganz einfach: Sie ist mit 35 Prozent Anteil an der Landesfläche die grösste Landnutzerin. Eine ähnlich hohe Bedeutung kommt nur noch dem Wald zu.

Die Agrarpolitik hat es in der Hand

Entsprechend wird die Botschaft des Bundesrates zur Agrarpolitik 2022+ mit Spannung erwartet. Sie ist auf Februar 2020 angekündigt und stellt schicksalshafte Weichen für die Natur in der Schweiz. Die Agrarpolitik muss Lösungsansätze bieten, damit wir in der Schweiz auch in Zukunft einen fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft und eine vielfältige Biodiversität haben. «Weiter wie bisher» ist keine Option.

Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern haben es in der Hand, aus den Schlagzeilen über Pestizide im Grundwasser, aussterbende Vogelarten und überdüngte Böden herauszukommen. Das gelingt umso schneller, je höher der Bundesrat die ökologischen Zielsetzungen in der Agrarpolitik 22+ setzt. Zu hoch gesteckt können diese Ziele angesichts der bedrohlichen Biodiversitätskrise gar nicht sein.