Fritillaire in Les Goudebas © Quentin Kohler

Les Goudebas: Ein Wolkenbruch mit weitreichenden Folgen

18.01.2021

Eine Überschwemmung setzte in Les Brenets einen Landabtausch mit vielen Gewinnern in Gang. Am meisten profitiert die Biodiversität: Ein grosses Flachmoor kann nun von Pro Natura noch gezielter bewirtschaftet werden.

Es war die Rançonnière, die den Stein ins Rollen brachte für noch mehr Wildnis in Les Goudebas. Der kleine Grenzfluss im Neuenburger Ort Les Brenets trat 2018 nach einem Gewitter über die Ufer des Naturschutzgebietes. Baumstämme und Kies lagen kreuz und quer verteilt über dem unteren Teil des Flachmoors Les Goudebas.

Eigentlich wäre es nun am kantonalen Amt als Grundbesitzer gewesen, den vermeintlichen Schaden zu beseitigen; den Kies wegzuschaffen und das Bachbett zu reinigen, damit solch eine Überschwemmung nicht wieder geschieht. Doch Pro Natura wollte das nicht: Wir sahen hier die Chance der freien Naturentwicklung und suchten mit dem betroffenen Landwirt das Gespräch, um seine Parzelle zu kaufen.

Gezielte Eingriffe …

Les Goudebas © Pro Natura Neuchâtel © Pro Natura Neuchâtel
Der kleine Grenzfluss im Neuenburger Ort Les Brenets trat 2018 nach einem Gewitter über die Ufer des Naturschutzgebietes.

Bereits vor rund zehn Jahren gab es die ersten Bauarbeiten an der Rançonnière. Damals wurde eine Terrainerhöhung entlang des Bachs errichtet, um den oberen Teil des Flachmoors vom Flusswasser zu schützen.

Denn das Wasser der Rançonnière ist stark belastet: Es stammt zum Teil aus einer alten Abwasserreinigungsanlage, die nicht alle Fremdstoffe zurückhält: Rückstände von Parfüm, Industrieabwässern oder Medikamenten, sogenannte Mikroverunreinigungen, sind immer noch vorhanden. Bei einem Gewitter fliesst sogar ein Teil der nährstoffreichen Abwässer direkt in den Bach.

Für den unteren Teil des Gebiets, wo das Flachmoor natürlicherweise weniger empfindlich auf zusätzliche Nährstoffe ist, wählte Pro Natura einen anderen Lösungsweg: In Absprache mit dem Landwirt und der Gemeinde konnten mehrere Parzellen gekauft und abgetauscht werden. Mit einem Resultat, das für alle ein Gewinn ist: Der Landwirt hat eine gleich grosse Fläche, die er einfacher bewirtschaften kann als zuvor im Flachmoor. Die Behörden müssen sich keine Sorgen mehr machen, dass die Rançonnière über die Ufer tritt und sie für die Aufräumarbeiten verantwortlich ist. Und das Flachmoor profitiert von einer gezielteren Bewirtschaftung, da es nun zu einem grossen Teil ein Naturschutzgebiet von Pro Natura ist.

… und freie Naturentwicklung

Bereits vor diesem Parzellentausch war das Naturschutzgebiet ein Biodiversitäts-Hotspot. Jetzt ist das Gebiet noch wertvoller: ein Flachmoor, ein Amphibienlaichgebiet, die Heimat der seltenen Schachbrettblume, eine Feuchtwiese, ein Brachland, das als Versteck für Insekten und Schnecken dient – all das bietet Les Goudebas.

Das Naturschutzgebiet ist ein gutes Beispiel dafür, dass es manchmal freie Naturentwicklung braucht – und manchmal auch Eingriffe durch den Menschen. In Les Goudebas gedeihen drei Viertel der schweizweiten Population der Schachbrettblume. Würde das Flachmoor nicht gemäht, würden die Blumen nicht in diesem Ausmass gedeihen. Es braucht aber auch Feuchtwiesen, die nicht alle Jahre gemäht werden und so Lebensraum für zahlreiche Tiere bieten. Und es braucht ungehinderten Platz für die Rançonnière, die mit dem angeschwemmten Kies neuen Lebensraum schafft, der ansonsten fehlen würde.

Willkommen im Flachmoor Les Goudebas

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