Wolf mit Jungtier iStock Photo Saipg
11.12.2023 Wolf, Luchs, Bär

Wolfsregulierung: Verhältnismässigkeit wird missachtet

Die Umsetzung der neuen Jagd- und Schutzverordnung mündet in eine Wolfsjagd, anstatt in die gezielte Regulierung einer geschützten Tierart zur Verhinderung grosser Schäden. Damit missachten Bund und Kantone jede Verhältnismässigkeit und ignorieren die wichtige Rolle des Wolfs im Lebensraum Wald. Die Naturschutzorganisationen sehen damit geltendes Gesetz verletzt und lassen mehrere Abschussverfügungen gerichtlich prüfen.

Bei der immer wieder aufflammenden Diskussion über vom Wolf verursachte Schäden kommt dessen wichtige Rolle im Lebensraum Wald kaum je zur Sprache. Dass der Wolf zu naturnahen Wildbeständen und zur Sicherung der Schutzwälder beiträgt, muss auch beim Entscheid zur Wolfsregulierung berücksichtigt werden. Die Naturschutzorganisationen erinnern das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auch an seinen Schutzauftrag. Denn das Jagd- und Schutzgesetz (JSG) ist eben auch das: ein Schutzinstrument für den Erhalt heimischer Tierarten. Ein Auftrag, dem die aktuelle Verordnung und die Abschusspläne mancher Kantone nicht nachkommen. 

Fragwürdige Wolfsjagd

Die neue Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Tiere (JSV) ist einseitig auf Wolfsabschüsse gemünzt. Besonders irritierend am Vorgehen von Bund und Kantonen ist, dass Abschüsse ganzer Wolfsrudel flächig bewilligt wurden. Das Parlament hatte in seiner Beratung des Jagd- und Schutzgesetzes klar betont, dass der Abschuss ganzer Rudel die absolute Ausnahme bleiben muss und lediglich auf Rudel angewendet werden darf, die “ausser Kontrolle” geraten sind. Entgegen den Zusicherungen des Bundesrates sind nun sogar Abschüsse von ganzen Rudeln bewilligt worden, die nur sehr wenige Nutztiere gerissen haben. 

Prüfung auf Rechtmässigkeit ist notwendig

Aufgrund dieses unverhältnismässigen Vorgehens gegen eine geschützte Tierart lassen die Naturschutzorganisationen, als Anwältinnen der Natur bei vermuteten Verletzungen von geltendem Gesetz entsprechende Abschussverfügungen gerichtlich prüfen. Die Naturschutzorganisationen haben eine solche Prüfung bei vier von acht Abschussverfügungen im Kanton Graubünden (Rudeleleminierungen Stagias und Vorab, Rudelregulierungen Jatzhorn und Rügiul) und bei drei der sieben Abschussverfügungen im Kanton Wallis (Rudeleleminierungen Hauts-Forts, Nanztal und Isérables-Fou) veranlasst. Wo es um die plausible Verhinderung grosser Schäden geht, bleibt der Spielraum der Kantone für proaktive Eingriffe in den Wolfsbestand vollumfänglich erhalten. 

Kontakt:

Beschwerdeführende Organisationen:

  • Pro Natura: Sara Wehrli, Verantwortliche Grosse Beutegreifer und Jagdpolitik, Tel. 061 317 92 08, @email
  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher Biodiversität, Tel. 079 241 60 57, @email  
  • BirdLife Schweiz: Jan Schudel, Projektleiter Politik, Tel. 044 457 70 42, @email  

Nicht beschwerdeberechtigte, aber unterstützende Organisation:

  • Gruppe Wolf Schweiz: David Gerke, Geschäftsführer, Tel. 079 305 46 57, @email  

Weiterführende Informationen

Info

Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz und Pro Natura

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