Bund zeigt: Biodiversitätsziele sind mit heutigem Einsatz nicht erreichbar
Bis Ende Februar haben die Staaten der Welt Zeit, ihre Rechenschaftsberichte über den Zustand und die Sicherung der biologischen Vielfalt der UNO-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD) einzureichen. Als vierte der fast 200 Vertragsparteien der CBD reichte die Schweiz ihren Nationalbericht pünktlich ein. Der Bericht unseres Landes hält fest: Die Biodiversität in der Schweiz ist zwar sehr reichhaltig, aber auch unter hohem Druck. Für viele Lebensräume reicht weder die Menge, der aktuelle Zustand noch die Vernetzung aus, um die lebenswichtigen Funktionen und Leistungen der Biodiversität langfristig zu sichern. Zu diesen gehören etwa sauberes Wasser, fruchtbare Böden, saubere Luft, menschliche Gesundheit und Anpassung an den Klimawandel.
Schweiz verfehlt ihre eigenen Ziele bei weitem
Es sind besorgniserregende Zahlen: Von 168 Lebensraumtypen der Schweiz sind laut dem Bericht des Bundes 48 Prozent gefährdet und weitere 13 Prozent potenziell bedroht. Nur 17 Prozent der national bedeutenden Biotope – Moore, Auen, Trockenwiesen und -weiden sowie Amphibienlaichgebiete – sind so geschützt und unterhalten, wie es gesetzlich vorgeschrieben wäre. 60 Prozent der Biotope brauchen Massnahmen zur Wiederherstellung. Diese Massnahmen erfolgen allerdings laut dem offiziellen Bericht nur langsam. Auch die Waldreservate werden laut dem Bund nicht richtig umgesetzt. Bis 2030 müssten 10 Prozent der Waldfläche als Reservate ausgeschieden sein. Daran arbeiten der Bund und die Kantone seit 2001. Doch gemäss Bericht (Link unten) wird auch dieses bescheidene Ziel bis Ende des Jahrzehnts nicht erreicht.
Gesamthaft zeigt der Bund: Von den eigenen zehn Zielen der Strategie Biodiversität Schweiz hat die Schweiz nur ein einziges erreicht (internationales Engagement) und ist bei einem weiteren auf Kurs (Monitoring). Bei den acht anderen Zielen gehe die Entwicklung zwar in die richtige Richtung, aber in ungenügendem Ausmass, so der Bund. Die Umweltorganisationen begrüssen, dass der Bund in diesem Bericht den schlechten Zustand der Schweizer Biodiversität erstmals so deutlich offenlegt.
Ungenügender Einsatz des Bundes gefährdet Biodiversitätsleistungen
Die Umweltorganisationen kritisieren aber die beschönigenden Aussagen des Bundes bei den acht anderen Zielen. Mit dem heutigen viel zu kleinen Einsatz sind diese nicht zu erreichen. Bei sehr vielen Massnahmen gibt der Bund an, dass er «teilweise» daran arbeite. Das heisst wohl nichts anderes, als dass er nicht im Sinn hat, etwas an seinem ungenügenden Einsatz zu ändern. Zudem wird auf den Aktionsplan Biodiversität II 2025 bis 2030 (Link unten) verwiesen. Dieser enthält aber primär Studien und Berichte und dürfte für die Biodiversität bis 2030 kaum Wirkung zeigen. Nötig wären konkrete Massnahmen für die Natur. Der Bericht sagt denn auch, wo das grösste Problem liegt: bei den Finanzen. Die mangelnde Finanzierung ist das grösste Hindernis für eine wirkungsvolle Sicherung der Biodiversität. Was nicht im Bericht steht: Mit dem Entlastungspaket 27 schlägt der Bundesrat vor, die Gelder für die Biodiversität ab 2027 sogar noch zu kürzen.
Weitere Information:
Kontakt:
- Pro Natura: Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, @email
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, Tel. 076 308 66 84, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, Tel. 079 241 60 57, [email protected]