Outdoortechniken üben Florian Colombo
14.09.2026 Umweltbildung

Ein Rückblick auf unser erstes nationales Jugendlager «Juventura»

Über Kreuzotter, Räuchertofu, Sternenhimmel und Bäume pflanzende Vögel

Mit dem Ruf des Tannenhähers startete diesen Sommer das erste nationale zweisprachige Pro Natura Jugendlager. Eine Woche lang tauschte die Gruppe Bildschirm gegen Bergkulisse, Handy gegen Abenteuer. Im bündnerischen Selva wurden Freundschaften geschlossen und Naturbegeisterung gesät.

Im zweisprachigen Lager trafen Jugendliche aus der Deutschschweiz auf Jugendliche aus der Romandie. Zu Beginn war die Sprachbarriere deutlich sichtbar: Unsicher verteilten sie sich auf drei Tische. Dann kam das Rezept der erfahrenen Lagerleiter:innen: Schoggibananen und Pop-Corn. Die Gruppen wurden sprachlich durchmischt und nur wer sich verständigte, kam an die begehrten Zutaten heran. Plötzlich wurde Deutsch mit Französisch und Englisch vermischt, Hände und Füsse kamen zum Einsatz, erfundene Wörter entstanden. Eine Sprache, die nur die verstanden, die dabei waren. 

Juventura in Etappen Tere Insùa

Wandern und Klimapunkte sammeln

Das Motto der Woche hiess «Alpentiere und Klimawandel». Auf der Fauna- und Flora-Wanderung mit einem Experten wurde es spannend: Alexis, einer der Teilnehmenden begegnete einer Kreuzotter, kostete Honig direkt von den Bienen und erfuhr Faszinierendes über den Tannenhäher. Dieser sät neue Bäume und leistet damit einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand der Arvenwälder. Gleichzeitig wird er wegen des Klimawandels immer mehr gezwungen, in die Höhe zu fliehen, um der Hitze zu entkommen.  

Wanderung Tere Insua
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Mir hat besonders gefallen, dass ich so viel über die Region und die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen und Tiere auf die Klimaveränderung gelernt habe.

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Alexis, Lagerbesucher

Der Klimawandel ist nicht mehr abstrakt, sondern real. Besonders spürbar in diesem Sommer der Trockenheit und Hitze. Und plötzlich verstehen die Jugendlichen: Jeder kann einen Beitrag leisten. Spielerisch werden sie an Themen wie die sanfte Mobilität oder die Renaturierung von Feuchtgebieten herangeführt und sammeln in diesen Geländespielen ihre persönlichen «Klima-Karmapunkte». Ein Verständnis für das eigene Handeln und die damit einhergehende Verantwortung entsteht.  

80 % vegan und super fein 

Auch in der Küche hinterlässt Pro Natura einen möglichst kleinen Fussabdruck: Gekocht wird vorrangig vegan, mit biologischen Lebensmitteln aus der Region. Das Thema polarisiert. Einige Eltern waren so kritisch, dass sie ihre Kinder gar nicht anmelden wollten. Auch die Jugendlichen werfen skeptische Blicke in Richtung Küche und Köchin Iris. Bis der Räuchertofu auf dem Tisch steht: «Das ist jetzt aber schon Fleisch, oder...?» Es ist keins. Und schmeckt ausgezeichnet.  

Vegan ist Lecker Lena Helfer

Schlafen à la belle étoile

Wer in den Bergen übernachtet, kennt die einzigartige Atmosphäre: die Stille, die klare Luft, das beglückende Gefühl, frei zu sein. Marlen ist extra aus den USA angereist, um beim Lager dabei zu sein. Für sie ist das Übernachten unter freiem Himmel völlig neu und wird zum Lager-Highlight. Motiviert baut sie mit der Gruppe Zelte auf und lernt mit dem Kompass umzugehen. Dann entscheiden alle spontan: Schlafen unter freiem Himmel, nicht im Zelt. Die Belohnung kommt in der Nacht: Über ein Dutzend Sternschnuppen zaubern Magie in den sternenklaren Himmel. 

Zeltaufbau Florian Colombo

Was bleibt: Begeisterung und neue Freundschaften

Pro Natura Lagerleiterin Giorgia Ferretti zieht Bilanz: «Jugendliche mit Spielen und Erlebnissen die Natur näherzubringen ist die richtige Formel, um Begeisterung zu wecken und die nächste Generation für unsere Natur zu gewinnen. Wenn am Ende die Tische zusammengerückt werden, sind Freundschaften entstanden.»

Marlen aus den USA bringt es auf den Punkt: «Als ich ins Camp kam, kannte ich niemanden, aber am Ende hatte ich mehrere Freund:innen gefunden. Dank der Unterstützung des Leitungsteams konnte ich alle Aktivitäten verstehen und über die Sprachbarriere hinweg Freundschaften schliessen.»  

Das Sommerlager «Juventura» findet 2027 wieder statt! Bis dahin ermöglichen unsere Jugendgruppen Ihren Kindern weitere Erlebnisse in der Natur – das ganze Jahr hindurch! Pro Natura Kinder- und Jugendgruppen sind in den meisten Kantonen aktiv: Finden Sie unsere Angebote für Kinder- und Jugendliche

Leitende vor der Villa Cassel
Leiter:in werden — Begeisterung weitergeben

Wer selbst Leiter:in sein möchte: Pro Natura arbeitet mit rund 400 Freiwilligen, bildet sie aus und bietet vielfältige Weiterbildungen an. Eine Chance, Jugendliche wie Alexis und Marlen zu begleiten und selbst etwas mitzunehmen.