Arbeiten für Zauneidechse und Hermelin im Gros-de-Vaud © Susanna Meyer

«Erste Hilfe für Hermelin und Co.»

05.03.2018

In der Region Gros-de-Vaud (VD) 
ist die Landwirtschaft besonders intensiv. Dort sind Hecken, Steinhaufen und andere Kleinstrukturen selten.
Um die Situation zu verbessern, führt Pro Natura in dieser Region ein Förderprojekt durch. Das dient nicht nur dem Hermelin.

2015 klopfte ein junger Reptilienspezialist bei Pro Natura an. Der Herpetologe berichtete, dass sich die Situation der Zauneidechsen in der Region Gros-de-Vaud (Gebiet zwischen Yverdon-les-Bains, Jorat und Moudon) verschlechtere. Pro Natura ist davon überzeugt, dass der Rückgang dieser geschützten Art in der Schweiz zwei Hauptgründe hat. Erstens sind die Kleinstrukturen in der Landschaft dramatisch geschwunden. Stein- und Asthaufen, Hecken und Dickichte, gestufte Waldränder, Brachland, ausgedehnte Säume und ungeschnittene Grasstreifen fehlen überall. Zweitens sind die wenigen noch vorhandenen Zauneidechsen-Lebensräume voneinander isoliert. Pro Natura beschloss daraufhin, ein Projekt zur Förderung der Zauneidechse in der Region Gros-de-Vaud zu starten.

Ein gemeinschaftliches Projekt

Kleinstrukturen sind auch günstig für die beiden einheimischen Wieselarten, diese in der Landwirtschaft so beliebten Mäusejäger. Das Projekt soll also sowohl den biologischen und ökologischen Besonderheiten der Zauneidechse wie auch jenen von Hermelin und Mauswiesel gerecht werden. Deshalb arbeitet Pro Natura mit mehreren Akteuren eng zusammen, namentlich mit der Karch (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz) und der Stiftung WIN Wieselnetz.

Auf der Grundlage vorhandener Verbreitungskarten analysierten die Fachleute Luftbilder und Karten, um Gebiete mit Förderpotenzial für Zauneidechse, Hermelin und Mauswiesel herauszuschälen. Fünf Sektoren wurden so festgelegt. Im Jahr 2017 erkundete ein Biologe mit Unterstützung von Pro Natura Waadt und der kantonalen Behörden drei dieser Gebiete. Er beurteilte die Qualität der vorhandenen Lebensräume, kartierte bestehende Kleinstrukturen und machte sich Gedanken über ideale Standorte für neue Hecken, Steinhaufen, Säume und Brachen. Ziel der Analyse war es, konkret im Gelände passende Flächen für die Fortpflanzung und die Wanderungen der drei Arten zu definieren. Durch die Gegenüberstellung der erhobenen Daten mit früheren Analysen und mit den bestehenden landwirtschaftlichen Vernetzungsprojekten ergab sich schliesslich eine Karte jener Flächen, die in erster Priorität verbessert werden müssen.

Überzeugen, nicht erzwingen

Jetzt geht es darum, die geplanten Massnahmen in die Tat umzusetzen. Keine einfache Aufgabe, schliesslich betreffen die Planungen meist privates Grundeigentum. Pro Natura muss informieren, erklären, überzeugen. Den Beauftragten der landwirtschaftlichen Vernetzungsprojekte wird das Projekt vorgestellt. Gemeinsam wird der beste Ansatz definiert, um Grundeigentümer und Bewirtschafterinnen für die Anlage und Pflege von Steinhaufen, Brachen, Hecken oder Säumen zu gewinnen. Klar, dass dabei der grosse Mäuse-Appetit von Hermelin und Mauswiesel ein wichtiges Argument ist! Zudem beherbergen Kleinstrukturen viele andere Tierarten wie etwa Insekten und Spinnen, die für die Landwirtschaft nützliche "Mitarbeiter" in der Bestäubung oder biologischen Schädlingsbekämpfung sind.

Ziel: 25 konkrete Projekte bis 2019

Die Projektverantwortlichen bei Pro Natura hoffen, dass ab diesem Frühjahr die ersten Projekte in die Tat umgesetzt werden können. Die Chancen stehen gut: Im Rahmen interner Schulungstage für Pro Natura-Mitarbeitende haben bereits 2017 zwei Bauern aus der Region mit Begeisterung Steinhaufen mitsamt Brutkammern für Hermeline aufgebaut. Beide Landwirte sind bereit, noch mehr zu tun. Auch andere Akteure in der Westschweiz haben sich der Wieselförderung verschrieben, insbesondere einige Regionale Naturpärke. Bis Ende 2019 will Pro Natura gemeinsam mit allen Beteiligten in der Region Gros-de-Vaud mindestens 25 konkrete Projekte umsetzen, die dem Hermelin neuen oder besseren Lebensraum bieten: Im Kulturland, entlang des Waldes, an Strassenoder Bahndämmen. Damit das möglich wird, engagiert sich Pro Natura bis 2019 mit Beratung, Fachwissen, spezifischen Schulungen, Erfolgskontrolle und finanziellen Beiträgen.

René Amstutz leitet bei Pro Natura Projekte 
zur Artenförderung, zum Beispiel im Gros-de-Vaud.

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin Spezial zum Tier des Jahres 2018 publiziert.

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