Zehn Pro Natura Erfolge

1. Gründung des Schweizerischen Nationalparks im Engadin 1914

Um den Pachtzins für den ersten (und bis 2011 einzigen) Nationalpark der Schweiz zu finanzieren, wurde der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute: Pro Natura) 1909 gegründet. Bereits am 1. August 1914 konnte der Schweizerische Nationalpark im Engadin geschaffen werden.

 

Pro Natura beteiligt sich noch heute finanziell am Nationalpark: pro Mitglied bezahlt sie einen Franken jährlich an die Betreuung des Parks. Sie ist auch in der Eidgenössischen Nationalparkkommission (ENPK) mit drei Sitzen vertreten.

2. Ein Netz von 650 Naturschutzgebieten

Pro Natura ist die führende private Organisation der Schweiz auf dem Gebiet der Schutzgebietsarbeit. Als einzige Institution sichert sie ein Netz von 650 Naturschutzgebieten im ganzen Land. Die aus ihrer 100-jährigen Arbeit an eigenen Naturschutzgebieten gewonnene Expertise setzt Pro Natura erfolgreich ein, um die Qualität «fremder» Schutzgebiete und Pärke mitzubestimmen.

 

Dank den 650 Naturschutzgebieten sichert Pro Natura Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten und schenkt der heutigen und den folgenden Generationen einmalige, unersetzliche Landschaftselemente.

3. Mit Schoggi den Silsersee gerettet

Ende des Zweiten Weltkriegs wollte die Elektrizitätswirtschaft den Silsersee im Engadin für die Wassernutzung erschliessen. Der in Aussicht gestellte Wasserzins war für die betroffenen Gemeinden verlockend. Durch Natur- und Heimatschutzkreise hingegen ging ein Aufschrei. Eine originelle Idee half, die Abfindungssumme aufzutreiben und die Gemeinden zu überzeugen, für die nächsten 99 Jahre auf Konzessionsgelder zu verzichten: der Verkauf von, damals rationalisierter, Schokolade für einen guten Zweck. Seit 1946 führt Pro Natura gemeinsam mit dem Schweizer Heimatschutz alljährlich den Verkauf von Schoggitalern für ein spezifisches Objekt oder Thema durch.

4. Gründung der IUCN

Der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute: Pro Natura) organisierte im Jahr 1947 in Brunnen eine internationale Naturschutz-Konferenz. Als Ergebnis davon wurde 1948 die IUCN (International Union for Conservation of Nature) gegründet, deren erster Präsident der damalige SBN-Präsident Charles J. Bernard war. Die IUCN führt seit 1963 die sogenannte «Rote Liste» der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und führt ein von der UNO und vielen nationalen Regierungen anerkanntes System zur Klassifizierung von Schutzgebieten und Pärken.

5. Inventare für Landschaften und Naturdenkmäler nationaler Bedeutung

1958 begannen die Arbeiten am ersten Inventar schweizerischer Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, dem sogenannten KLN. Mit daran beteiligt waren der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute: Pro Natura), der Schweizer Heimatschutz und der Schweizer Alpenclub. 1963 erschien das Invenar zum ersten Mal. 1977 schliesslich erliess der Bund ein auf dem KLN basierendes eigenes Inventar schützenswerter Landschaften und Naturdenkmäler (BLN-Inventar), das bis heute laufend ergänzt wird.

6. Neue Pärke dank NHG-Revision

Der 1962 angenommene Verfassungsartikel zum Natur- und Heimatschutz und das entsprechende 1967 in Kraft getretene Gesetz waren wichtige politische Erfolge der Naturschützer. Als Pro Natura im Jahr 2000 ihre Kampagne «Gründen wir einen neuen Nationalpark!» lancierte, musste sie feststellen, dass er keine gesetzlichen Grundlagen enthielt, um weitere Nationalpärke in der Schweiz zu ermöglichen. Also lobbyierte Pro Natura als erstes dafür, dass das Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) revidiert werde. 2007 war es endlich soweit. Das neue NHG definiert heute drei Kategorien von Pärken mit nationaler Bedeutung: Nationalpärke, Regionale Naturpärke und Naturerlebnispärke. Der Bund kann diesen Pärken ein Label erteilen und sie finanziell unterstützen.

7. Rothenturm-Initiative und Moorschutz

In den Achtzigerjahren formierte sich öffentlicher Widerstand gegen ein Waffenplatzprojekt in Rothenthurm. 1987 wurde die Rothenthurm-Initiative mit grossem Mehr angenommen. Moore und Moorlandschaften sind in der Schweiz seither grundsätzlich geschützt. Pro Natura hat die Rothenthurm-Initiative aktiv unterstützt und setzt sich heute dafür ein, dass der in der Verfassung verankerte Schutz der Moore auch umgesetzt wird.

8. Landwirtschaftliche Ökobeiträge

Auf Initiative von Naturschutzorganisationen, unter ihnen Pro Natura, begann der Bund 1993, ökologische Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft (z.B. extensiv genutzte Wiesen, Hecken, Buntbrachen, Hochstammbäume) mit Direktzahlungen zu fördern.

9. Zersiedelung gebremst dank Landschaftsinitiative

Als Reaktion auf die 2008 eingereichte Landschaftsinitiative hat das Bundesparlament das Raumplanungsgesetz griffiger gemacht: Zu grosse Bauzonen werden verkleinert, das Kulturland ist besser geschützt, Mehrwerte durch Einzonungen werden gerechter verteilt. Die Gemeinden müssen bei der Planung zusammenarbeiten, und bevor neues Bauland geschaffen wird, muss das bestehende besser genutzt werden. Das Stimmvolk hat das Gesetz an der Urne mit 63% Ja deutlich bestätigt. Pro Natura hatte bei der Landschaftsinitiative und bei der Abstimmung über das Raumplanungsgesetz die Führungsrolle.

10. Der Biber kommt zurück

Vor rund 200 Jahren wurde der Biber in der Schweiz ausgerottet. Heute schätzt eine Bestandesaufnahme aus den Jahren 2007/08 den Schweizer Biberbestand auf 1600 Tiere. Trotzdem braucht es weiterhin unseren Einsatz für den Biber und seinen Lebensraum. Die «Hallo Biber!»-Projekte von Pro Natura schaffen mehr lebendige Bäche und Flüsse, räumen dem Biber Barrieren aus dem Wege und machen diesen Lebensraum bibertauglich. So können Jungbiber, welche ihre Familien verlassen, ein neues Revier finden. Dank der Kooperation von Pro Natura mit dem Wasserkraftwerk Augst (BL) ist der Biber im Jahr 2010 wieder ins Birstal zurückgekehrt.