Schlechte Noten für die Schweiz: Zu wenig «Smaragd»-Schutzgebiete

01.12.2020

Die Schweiz hat es in zehn Jahren nicht geschafft, genügend Flächen für das europäische Schutzgebietsnetz «Smaragd» anzumelden. Dies wird die Berner Konvention heute an ihrer 40. Sitzung festhalten. Unser Land schneidet damit nach Bosnien von allen Mitgliedstaaten am schlechtesten ab. Pro Natura fordert, dass die Schweizer Behörden endlich ihre Verantwortung für den europaweiten Erhalt der Biodiversität wahrnehmen.

«Smaragd» soll als Netzwerk europaweit seltene oder gefährdete Lebensräume und Arten schützen. Bis 2020 hätte das Netzwerk fertiggestellt sein, alle Mitgliedstaaten ausreichend Gebiete unter Schutz stellen müssen. Ausgerechnet die Schweiz - die im Vergleich zu den OECD-Ländern am meisten bedrohte Arten aufweist - hat besonders wenig Schutzgebiete gemeldet. Deutschland, Österreich oder Frankreich haben im Rahmen des Natura 2000-Programms der Europäischen Union je 13 bis 15 Prozent ihrer Landesfläche für «Smaragd» gesichert. In der Schweiz sind es 10 Mal weniger, nämlich 1,6 Prozent.

Schweizer Smaragdgebiete seit 2013 im Tiefschlaf

Diese Defizite hätten längst behoben werden können. Seit 2013 liegt eine Abgrenzung aller Gebiete vor, die für das «Smaragd»-Netzwerk in Frage kommen. Gemeldet wurde seither jedoch kein einziges. «Dass die Schweiz noch nicht einmal die bereits abgegrenzten nationalen Biotopinventare wie Flach- und Hochmoore, Auen, Trockenwiesen und Amphibienhabitate dem «Smaragd»-Netzwerk eingegliedert hat, ist schlicht unverständlich», sagt Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura.

Voller Einsatz gefragt - ab sofort

Die Mitgliedstaaten erhalten vom Ständigen Ausschuss der Berner Konvention nochmals zehn Jahre Zeit, um an der Fertigstellung des «Smaragd»-Netzwerks zu arbeiten. In dieser Zeit müssen diese auch die «Smaragd»-Gebiete nach nationalem Recht schützen und Managementpläne für sie erstellen. «Das ist eine sehr volle Agenda, welche die Schweizer Behörden nach fast zehn Jahren Stillstand jetzt sofort anpacken müssen», so Friedrich Wulf. «Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) muss mehr Ressourcen für das «Smaragd»-Netzwerk bereitstellen und die in der Task Force ökologische Infrastruktur vereinten Naturschutzbehörden von Bund und Kantonen müssen ihre Arbeiten endlich vorantreiben.»

Kontakt:

Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, 061 317 92 42, @email

Informationen:

Die Berner Konvention wurde 1979 vom Europarat gegründet und setzt sich dafür ein, europäische Wildtiere und deren natürlichen Lebensräume zu erhalten. Seit 1989 verpflichten sich die Mitgliedstaaten Arten und Lebensräume, die entweder bedroht sind oder für die Europa eine besondere Verantwortung trägt, in einem europaweiten und länderübergreifenden Schutzgebietssystem, dem «Smaragd-Netzwerk», zu schützen. Mit dem Ziel, die Biodiversität nicht nur auf nationalem, sondern auf europäischem Niveau zu bewahren. Das Smaragd-Netzwerk wird in der EU, die ebenfalls Mitglied der Berner Konvention ist, durch das NATURA 2000 Netzwerk umgesetzt, das weitgehend vollständig ist und etwa 18% der EU-Landfläche einnimmt.