Getreidefeld © Matthias Sorg

Inspirierende Bäuerinnen und Bauern

17.10.2022

Lernen Sie die Landwirtinnen und Landwirte der Zukunft kennen. Sie erzählen von selbstorganiserten Ausbildungen, nordamerikanischen Mangos und der Arbeit mit dem Esel.

Im neuen Pro Natura Magazin haben wir fünf inspirierende Menschen portraitiert, die innovative Landwirtschaft betreiben. Wir sind begeistert.

Fanny Eisenhut

Fanny Eisenhut arbeitet bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft Ferme des Vergers in Meyrin (GE). Nach acht Jahren als Lehrerin kümmert sie sich heute um den Gemüsebau und eine nachhaltige Landwirtschaft.

Fanny Eisenhut © Fabian Biasio © Fabian Biasio

«Die Ferme des Vergers ist eine landwirtschaftliche Genossenschaft im Ökoquartier von Meyrin. Anwohnerinnen und Anwohner, ökologisch gesinnte Bäuerinnen und Bauern und die Gemeinde haben so die Möglichkeit, die Ernährung und damit die Landwirtschaft ins Zentrum zu stellen. Wir bieten Kurse an, pflegen die Grünflächen des Quartiers und betreiben Landbau, wobei wir diese drei Hauptaktivitäten auf einander abstimmen. So nutzen wir bei unseren Kursen beispielsweise bebaute Felder oder die Grünflächen des Quartiers, oder wir verwenden Schnittgut, das in der Pflege der Grünzonen anfällt, als ökologischen Dünger in der Produktion. Ich selbst bin primär für die Landwirtschaft und den Gemüseanbau zuständig. Ich habe mich beruflich umorientiert und arbeite heute in diesem horizontal geführten Projekt, was ich sehr motivierend finde. Die Ferme ist noch relativ jung. Wir sind quasi ein kleines Versuchslabor, in dem wir verschiedene Techniken ausprobieren und sie an unsere kleine Fläche von 4000 Quadratmeter anpassen können. Wir befinden uns mitten in einem dicht besiedelten Ökoquartier und bearbeiten den Boden mit Eseln und einer Bodenfräse, das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir setzen bei unserem Projekt auf kurze Transportwege mit möglichst wenig Zwischenstationen. Unser Laden, die Fève, verkauft die Produkte. So erhalten die Produzenten mehr, können ein besseres Leben führen und Entscheidungen treffen, die Menschen und Umwelt mehr Rechnung tragen. Das Ganze soll niederschwellig rentieren, weil uns ordentliche Löhne für die Produzenten von Nahrungsmitteln – die wir ja selber sind – am Herzen liegen. Der genossenschaftliche Aspekt unseres Projekts ist zentral: Alle stellen ihre beruflichen Kompetenzen in den Dienst der Genossenschaft und führen sie gemeinschaftlich. Wir passen uns ständig an und lernen dazu. Und wenn es läuft, ist nichts unmöglich!» fk

Julia Schmidlin

Julia Schmidlin © Fabian Biasio © Fabian Biasio

Julia Schmidlin arbeitet als Auszubildende auf dem Biobetrieb Eulenhof in Möhlin (AG). Sie ist Mitgründerin des Vereins F.A.M.E und beendet im März 2023 den zweijährigen Ausbildungsgang von F.A.M.E.

«Nicht die industrielle Landwirtschaft, sondern kleinstrukturierte Landwirtschaftsbetriebe ernähren den Grossteil der Menschheit. Und in den allermeisten Fällen tun sie das auf nachhaltige Weise, während die industrielle Landwirtschaft eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Ich wünsche mir, dass die kleinstrukturierte, ökologische und soziale Landwirtschaft in der Schweiz zum Mass wird. Um das System zu ändern, brauchen wir grundlegende politisch-ökonomische Umwälzungen und eine andere Beziehung zur Ernährung. Diese kann beispielsweise über ein Gemüseabo entstehen, bei der Mitarbeit in einem Betrieb oder über Projekte an Schulen. Die kleinstrukturierte ökologische Landwirtschaft ist zudem auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Im Gemüsebau fehlt bisher eine solche Ausbildung. Mit unserem Verein F.A.M.E. (Formation Autogérée de Maraîchage Écologique / Selbstorganisierte Ausbildung im Ökologischen Gemüsebau) möchten wir diese Lücke ein Stück weit schliessen. Unser Ziel ist es, eine Ausbildung anzubieten, die zu einer neuen und zukunftsfähigen Landwirtschaft beiträgt. Im Herbst 2020 starteten wir mit dem ersten Jahrgang. Die 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten auf verschiedenen Gemüsebaubetrieben. Sie nehmen in zwei Wintern während insgesamt zehn Wochen an Seminaren in der Romandie und in der Deutschschweiz teil. Für den zweiten Jahrgang haben sich bereits 35 Leute angemeldet, was uns sehr freut.» nig

https://gemuesebaulernen.ch/

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in ihren Briefkasten.


Valentin Gionchetta

Valentin Gionchetta © Fabian Biasio © Fabian Biasio

Valentin Gionchetta hat die Ferme des Savanes 2021 in Apples, einem Dorf am Fuss des Waadtländer Juras, mitgegründet. Das Projekt wurde von der Klima-Allianz Schweiz für den Klimapreis 2022 nominiert.

«Die Ferme des Savanes wurde 2021 nach Grundsätzen der Permakultur gegründet: Gemüsebau, mehrstufige Obstgärten, Agroforstwirtschaft und Ackerbau. Das Ziel ist eine nachhaltige Landwirtschaft in einer Post-Erdöl-Zeit, die auf Widerstandsfähigkeit und Selbstversorgung aufbaut und nicht auf Technik angewiesen ist. Jetzt im ersten Jahr der Umstellung auf das Bio-Label setze ich verschiedene -manuelle Techniken ein, um weder fossile Energien noch -schwere Maschinen benutzen zu müssen. Das Entdecken (exotischer) Früchte und Gemüse ist extrem spannend. Um uns an die Klimaveränderung anzupassen, haben wir Indianerbananen gepflanzt, eine Art nordamerikanische Mango – ich freue mich schon auf die ersten Früchte in ein paar Jahren. Bäume sind für mich besonders wichtig, weil sie alle Pflanzen um sich herum begünstigen: Sie bieten Schatten, Feuchtigkeit, Wind- und im Winter Bodenschutz. Wir haben bereits 2000 Bäume gepflanzt und auch mehrere Hecken angelegt, um Insekten zu fördern und die Biodiversität zu stärken, die in unserer Kulturlandschaft laufend abnimmt. Dabei setze ich auf bewährte Techniken der Pioniere, die schriftlich überliefert sind. Ich möchte mich an die Situation anpassen und später meine Erfahrungen weitergeben. 2022 wurde der Hof für den Klimapreis nominiert. Dadurch war mein -Projekt zwar über die Region hinaus bekannt, die Zahl der Gemüseabos aber stieg nicht. Die Erfahrung ist trotzdem sehr bereichernd. Mein Gemüse wird nach dem Prinzip der «regionalen Vertragslandwirtschaft» in wöchentlichen Gemüsekörben mit 100 Prozent eigener Produkte angeboten. Die Körbe können vor Ort selbst zusammengestellt werden. Ich freue mich, dass ich bald auch einen Früchtekorb anbieten kann.» fk

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