Licht und Totholz schaffen neues Leben im Wald unterhalb von Lopper und Pilatus. © H. Bolzern H. Bolzern
19.03.2026 Wald

Artenvielfalt und Schutzwirkung fördern

Mit einem innovativen Pilotprojekt im Schutzwald am Lopper und Pilatus zeigt Pro Natura, wie sich Schutzwirkung und Artenvielfalt stärken lassen. Zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März ruft die Naturschutzorganisation dazu auf, Schutzwälder vermehrt für die Förderung der Artenvielfalt zu nutzen.

Der bedrohte Gelbringfalter fliegt wieder durch den lichten Wald an der Südflanke von Lopper und Pilatus. Es blühen seltene Orchideen und in abgestorbenen Stämmen wächst der Alpenbock auf. Sprösslinge neuer Baumarten, eine zunehmende Vielfalt in Alter und Höhe der Bäume deuten derweil auf eine verbesserte Waldstabilität hin. Ein innovatives Pilotprojekt von Pro Natura und dem Kanton Obwalden hat den Wald mit neuem Leben erfüllt und damit auch seine Schutzwirkung verbessert.

Je diverser, desto stabiler

Bei Erdrutschen, Steinschlag und Lawinen schützt der Wald am Lopper und Pilatus die darunterliegenden Schienen und Strassen. Fast die Hälfte der Schweizer Wälder schützt so Menschen, Gebäude und Verkehrswege vor Naturgefahren. Der volkswirtschaftliche Nutzen wird auf mehr als vier Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Dabei ist die Biodiversität die Grundvoraussetzung für die Schutzwirkung. «Je höher die Arten- und Strukturvielfalt in einem Wald ist, desto höher ist auch dessen Widerstandsfähigkeit gegen Klimawandel, Stürme und Schädlinge», erklärt Carole Spori, Projektleiterin Biotopaufwertung bei Pro Natura.

Diesen Zusammenhang nutzte die Naturschutzorganisation bei ihrem Pilotprojekt in der Innerschweiz. In enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Obwalden und dem Forstbetrieb der Korporation Alpnach wurden gezielte Holzschläge geplant, die sowohl die Stabilität des Waldes verbessern als auch lichtliebenden Arten zugutekommen. Wo möglich, wurden die gefällten Bäume im Wald belassen, um neues Totholz zu schaffen. Denn, obwohl sich die Artenvielfalt in den Schweizer Wäldern positiv entwickelt, bleibt die Lage für auf Totholz oder lichte Wälder spezialisierte Arten kritisch, wie neuste Studien zeigen.

Es braucht mehr Totholz und Licht

Totholz bietet Lebensraum für unzählige Insekten, Pilze oder Flechten. Offene Stellen wiederum sind essenziell für lichtliebende Arten wie Orchideen und Schmetterlinge. «Viele dieser Arten sind gefährdet, in Schutzwäldern könnten sie noch viel stärker gefördert werden, als das heute der Fall ist», betont Spori. Die Grundsätze des naturnahen Waldbaus liessen sich dabei auch in Schutzwäldern anwenden. «Wenn die Schaffung von Kleinstrukturen, Lichteinfall und Totholz bei Eingriffen miteingeplant werden, kann die Biodiversität auch im Schutzwald gestärkt werden», so die Expertin. Damit dafür genug Mittel zur Verfügung stehen, müssen Kantone diese Punkte in ihre Forst- und Finanzplanung aufnehmen. Beim Projekt am Lopper und Pilatus hat das funktioniert. Angewandt auf alle Schutzwälder, könnten diese Ansätze, Natur und Menschen schweizweit zugutekommen.

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Elena Strozzi, Projektleiterin Waldpolitik, +41 61 317 91 35, @email
  • Carole Spori, Projektleiterin Schutzgebiete und Biotopaufwertung,
    +41 61 317 92 51, @email