Lebensraum Buche
Die Rotbuche ist die zweithäufigste Baumart der Schweiz und bedeckt mit 250 000 Hektaren fast die zehnfache Fläche des Neuenburgersees. Für viele Arten, die auf ihr Zuflucht und Nahrung finden, wie Mikroorganismen, der Schwarzspecht oder auch das Reh, ist die Rotbuche ein Glücksfall. Von den Wurzeln bis zur Krone beherbergt jede lebende oder abgestorbene Buche viele «Mikrohabitate»
Das sind kleine und kleinste Lebensräume wie Höhlen, Blitzrinnen oder von Insekten gegrabene Gänge, die von teilweise hoch spezialisierten Arten in ihrem Lebenszyklus genutzt werden. Die Rotbuche dient den diversen Tieren und Organismen als Lebensraum (Habitat), sei es als Obdach, Nistplatz, Speisekammer oder Winterquartier. Zu Recht wird sie deshalb als «Habitatbaum» bezeichnet.
Kleiber
Während der Schnabel des Schwarzspechts an einen Presslufthammer erinnert, dient jener des Kleibers (Sitta europaea) eher als Kelle. Der kleine Sperlingsvogel, der als einziger Vogel kopfüber an Baumstämmen herunterklettert, bewohnt alte Spechthöhlen, die er mit Schlamm und Lehm auskleidet, um sie seiner Grösse anzupassen. Danach polstert er sein Nest mit Rindenspänen und trockenen Blättern aus, um dort seine Eier abzulegen.
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Hanna Schreiber
Siebenschläfer
Alte Spechthöhlen werden von zahlreichen Arten weitergenutzt, darunter vom Siebenschläfer (Glis glis), der den grössten Teil seines Lebens zum Schlafen, zur Fortpflanzung oder zum Überwintern in den Bäumen verbringt. Er liebt insbesondere Buchenwälder, wo ihm die Buchennüsschen ab Juni reichlich Nahrung bieten. Diese günstigen Bedingungen erleichtern die Fortpflanzung, weshalb im Herbst ab und zu besonders viele Siebenschläfer zu beobachten sind.
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Biosphoto
Graugrüner Milchling
Bäume und Pilze bilden bekanntermassen ein weit-läufiges Mykorrhiza-Netzwerk, das aus den Wurzeln der Bäume und dem unterirdischen Teil der Pilze (Myzel) besteht. Der Baum versorgt den Pilz mit Glukose, im Gegenzug liefert der Pilz dem Baum Wasser und Nährstoffe – eine klassische Symbiose. Der Graugrüne Milchling (Lactarius blennius) wächst ausschliesslich in Buchenwäldern auf Laubhaufen, wo man ihn oft in grossen Büscheln findet.
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alamy
Alpenbock
Der Alpenbock (Rosalia alpina) ist einer der grössten, schwersten und seltensten Käfer Europas. Er lebt auf totem Buchenholz an sonnigen Stand-orten, in das seine Larven Gänge graben. Dort verbringen sie die ersten 5 Jahre ihres Lebens und schlüpfen dann aus dem Kokon. Ihr Leben als Adulttier dauert nur 3 bis 4 Wochen. In unseren stark bewirtschafteten, ausgeräumten Wäldern ist der Alpenbock bedroht.
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Josephine Cueni
Springschwänze
Nicht alle Arten im Buchenwald leben oberirdisch. Die zwischen 0,1 und 9 Millimeter grossen Springschwänze – die keine Insekten sind – gehören zu einer Klasse mit etwa 250 Arten in der Schweiz. Sie leben in der obersten Bodenschicht am Fuss der Bäume, wo sie deren Blätter fressen und diese in Nährstoffe umwandeln, die schliesslich von den Wurzeln aufgenommen werden. Somit tragen sie zur Wiederverwertung organischer Substanzen bei.
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iStock, weisschr
Bechsteinfledermaus
In den Spalten, Rissen und Höhlen alter Bäume und toter Stämme finden im Sommer zahlreiche Fledermausarten Zuflucht. Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) ist zwischen 4 und 5,5 Zentimeter gross und ausschliesslich in alten Laubwäldern anzutreffen. Ihre Quartiere befinden sich oft in alten, nach oben offenen Spechthöhlen. Einige solitäre Männchen machen es sich auch hinter abgelöster Rinde bequem.
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Keystone / Biosphoto / Hugo Willocx
Schwarzspecht
Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist ein wahrer Zimmermann und baut seine Höhlen vorzugsweise in den Stämmen alter Buchen. Mit seinem harten Schnabel höhlt er mehrere Kammern aus, in denen er schläft oder im Frühjahr seine Jungen aufzieht. Die Höhlen hackt er mit bis zu 12 000 Schnabelhieben pro Tag aus dem Stamm. Der Eingang zur Höhle eines Schwarzspechts hat einen Durchmesser von mehr als 10 Zentimetern.
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Yves Gerber
Waldkauz
Auf Buchen leben zahlreiche Kleinnager, z. B. Siebenschläfer oder Feldmäuse, sehr zur Freude des Waldkauzes (Strix aluco). Während der Brutzeit findet das Weibchen hier einen reich gedeckten Tisch und kann zahlreiche Küken grossziehen. Waldkäuze bauen ihr Nest nicht selbst. Deshalb kann man ihre stechenden Augen nicht selten aus einer alten Spechthöhle hervorblitzen sehen.
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iStock, Maikel Folgado
Reh
Viele Tiere leben nicht in oder auf der Buche, sondern in ihrer Nähe. Sobald es Frühling ist, sind Buchenblätter für das Reh (Capreolus capreolus) ein Leckerbissen. Zur Verteidigung senden die Blätter Alarmsignale aus, die sich im ganzen Baum verteilen. Er setzt giftige Substanzen frei, um sich gegen das Abknabbern zu wehren. Diese Alarmsignale werden über die Luft, den Saft und das Wurzelsystem ausgesendet, wo sie von benachbarten Bäumen empfangen werden. Diese können sich nun für den «Angriff» wappnen, indem sie vorsorglich Giftstoffe freisetzen.
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Lorenz Fischer
Feuersalamander
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist auf feuchte Lebensräume angewiesen und lebt vorzugsweise in Laub- und Nadelwäldern mit kleinen Gewässern. Während der kalten Jahreszeit ist er auf feuchte und kühle Verstecke angewiesen, die er insbesondere am Fusse der Buche in bodenebenen Höhlen ganz unten am Stamm findet. Dieser Mikrolebensraum enthält Erde aus verrottendem Holz, Ausscheidungen und Tierresten.
Buchengallmücke
Manchmal sitzen auf Buchenblättern kleine, glatte, zitronenförmige Auswüchse: die Gallen der 4 bis 5 Millimeter grossen Buchengallmücke (Mikiola fagi). Wie ihr Name sagt, ist die Art an die Buche gebunden: fagi ist der Genitiv von lat. Fagus (Buche). Im Innern der Gallen überwintern die Larven, schlüpfen im Frühjahr, paaren sich und beginnen den Zyklus erneut. Sofern der Befall nicht stark ist, besteht keine Gefahr für den Wirtsbaum.
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Pascal Goetgheluck / Biosphoto
Schriftflechte
Entgegen der landläufigen Meinung sind Flechten auf einem Stamm kein Anzeichen für eine Krankheit – sie beeinträchtigen die Gesundheit des Baumes in keiner Weise. Im Gegenteil: Flechten sind Indikatoren für eine gute Luftqualität. Die auf Buchen typischerweise vorkommende Schriftflechte (Graphis scripta) verdankt ihren Namen den Mustern, die ihre Fortpflanzungsorgane (Lirellen) auf der Rinde hinterlassen und an ein altertümliches Alphabet erinnern.
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blickwinkel
TANJA ARAMAN, Redaktorin Pro Natura Magazin
Weiterführende Informationen
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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