Sandbiene im Anflug auf ihren Nistplatz Matthias Sorg
25.05.2026 Umweltbildung

Neugierig auf Naturwissen?

Wer denkt, dass Naturschutz langweilig ist, wird hier vom Gegenteil überzeugt. Wir zeigen Tier- und Pflanzenarten von ihrer spannendsten Seite – und erklären, was die Politik in der Schweiz und der restlichen Welt im Natur- und Umweltschutz umtreibt.

Die stillen Arbeiterinnen des Waldes

In der Schweiz kommen acht verschiedene Waldameisenarten (Formica spec.) vor. Sie leben in Staatengemeinschaften, bauen Nesthügel und erfüllen wichtige Funktionen.

Sie lockern den Boden, sorgen für dessen Durchlüftung und bauen organisches Material ab. Die Arbeiterinnen ernähren sich hauptsächlich von Honigtau und Pflanzenteilen, für die Brut und die Königinnen schleppen sie aber auch proteinreiche Beute wie Insekten, andere Kleintiere sowie Aas zum Nest. So regulieren sie unter anderem gewisse Waldschädlinge wie den Nonnenfalter (Lymantria  monacha), dessen Raupen insbesondere Fichten und Kiefern schädigen oder zum Absterben bringen können. 

Nahaufnahme einer Kahlrückigen Waldameise Stéphan Vitzthum / Biosphoto
Kahlrückige Waldameise

Waldameisen haben ein besonderes Interesse an den Samen von Schneeglöckchen, Waldveilchen, Lerchensporn, Salomonssiegel, Wachtelweizen, Waldanemone, Taubnessel usw., denn sie haben ein nahrhaftes Anhängsel, ein Elaiosom. Die Ameisen tragen diese Samen zum Nest und beissen unterwegs oder auch erst am Ziel deren Anhängsel ab. Den Rest des Samens lassen sie liegen. So helfen sie bei der Verbreitung dieser Pflanzenarten. Fachleute nennen den Prozess Myrmekochorie. Schliesslich sind sie selbst Nahrung für andere Tiere wie Schwarzspecht, Grünspecht, Buntspecht, Wendehals, Auerhuhn und Braunbär. Einige Tiere nutzen die Ameisenhaufen als Gaststätten, leben unbemerkt darin, teilweise parasitisch wie der Ameisensackkäfer, der von den Ameiseneiern und -larven frisst. 

Gros plan sur l'élaiosome d'une alchémille Blickwinkel / F. Hecker
Samen des Lerchensporns mit Elaiosom

Spechte und Eichelhäher baden in den Ameisennestern und nutzen das Abwehrverhalten der Ameisen: Gegen Parasiten lassen sie ihr Gefieder mit Ameisensäure besprühen. Wenn Sie das nächste Mal im Wald eine Ameisenstrasse oder einen -haufen sehen, betrachten Sie sie mit anderen Augen. mar

Wehrhafte Raupen

Die Raupen der Ritterfalter (Papilionidae) – in der Schweiz beispielsweise vertreten durch Schwalbenschwanz und Apollo – sind ihren Fressfeinden nicht wehrlos ausgeliefert. Sie verfügen über ein zweizipfliges, zwischen Kopf und Brust verborgenes Organ: die Nackengabeln (Osmaterium). Bei Gefahr können sie diese durch Einpressen von Hämolymphflüssigkeit (Körperflüssigkeit) ausstülpen. Je nach Art erscheinen gelbe, orange oder rote Hörnchen, die optisch abschreckend wirken. Da diese ein übelriechendes Sekret absondern, wird der Feind gleichzeitig über den Geruchssinn in die Flucht geschlagen. Darüber hinaus krümmen die Raupen zusätzlich den Vorderkörper nach oben und wirken so grösser und bedrohlicher. Ein perfektes Zusammenspiel von Farbe, Gestank und Körperhaltung. mar

Chenille du papillon machaon, avec la fourche nucale déployée Joël Héras / Biosphoto
Bei Gefahr stülpen manche Raupen - hier eine Raupe des Schwalbenschwanzes - ihre Nackengabel aus

Warum Baumgrenzen steigen

Eine Studie der Uni Basel zeigt: Während 42 Prozent der Baumgrenzen zwischen den Jahren 2000 und 2020 weltweit bergauf wanderten, gingen 25 Prozent gar zurück. Zwar bestimmt die Temperatur, wo Bäume potenziell wachsen können. Doch wo sich Baumgrenzen befinden und wie sie sich verändern, hängt laut der Studie nicht nur von der Klimaerwärmung, sondern auch von der menschlichen Nutzung ab. So werden z. B. in den Alpen hohe Weiden zunehmend aufgegeben. Wo Weidewirtschaft zurückgeht, können Bäume nachrücken – die Baumgrenze steigt. Je stärker eine Region historisch genutzt wurde, desto grösser ist der Einfluss von Landnutzungsänderungen, so die Studie. 

Vue sur la lisière de la forêt à Derborence Matthias Sorg
Waldgrenze Derborence VS

Aber auch andere Störungen wie Brände spielen eine Rolle. Weltweit lassen sich 38 Prozent der hangabwärts gerichteten Verschiebungen der Baumgrenzen mit Feuer in Verbindung bringen. Viele Waldbrände sind nicht mehr völlig von menschlichen Einflüssen zu trennen. Klimawandel und menschliche Aktivitäten erhöhen ihre Frequenz und ihr Ausmass, so das Forscherteam. epp

Mehr Hermeline dank Kleinstrukturen

Über 50 Prozent der Tierarten, die für die landwirtschaftlichen Lebensräume in der Schweiz charakteristisch sind, stehen in der Schweiz auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Besonders betroffen sind beispielsweise Iltisse und Mauswiesel, aber auch Arten, die nicht auf der Roten Liste stehen, wie etwa Hermeline. Sie alle benötigen vielfältige, strukturreiche Landschaften, die ihnen Versteck-, Fortpflanzungs- und Jagdmöglichkeiten bieten – was im Kulturland immer rarer wird.

In zwei Studien haben Forschende des Instituts für Ökologie und Evolution der Universität Bern nun erstmals untersucht, wie sich regionale Biodiversitätsförderprojekte, insbesondere Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen, auf Hermeline und Mauswiesel auswirken. Es zeigte sich: Kleinstrukturen erhöhen die Präsenz von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten signifikant. Dies insbesondere dann, wenn die Projekte fachlich begleitet, gezielt geplant und zwischen mehreren landwirtschaftlichen Betrieben auf Landschaftsebene koordiniert werden. Bei den Mauswieseln hingegen war es wegen der geringen Anzahl vorhandener Tiere nicht möglich, die Auswirkungen zu beurteilen.

Ast- und Steinhaufen zwischen Weide und Acker. Willkommene Kleinstrukturen für Hermelin und andere Tiere Matthias Sorg
Ast- und Steinhaufen in der Landwirtschaftszone. Willkommene Kleinstrukturen für Hermelin und andere Tiere

Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die Förderung kleiner Lebensräume könne die Biodiversität langfristig verbessert werden, zum Nutzen von Natur, Landwirtschaft und Gesellschaft, so das Fazit des Forscherteams. Mit der Aktion «Hase & Co.» fördert Pro Natura bereits seit sechs Jahren die Natur im Kulturland. Unter anderem wurden in der ganzen Schweiz hunderte von Kleinstrukturen angelegt. epp

Mehr Infos zur Pro Natura Aktion: www.pronatura.ch/de/aktion-hase-co

Umweltbelastung der Schweiz noch immer viel zu hoch

Eine neue Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU zu den Umwelt-Fussabdrücken der Schweiz von 2000 bis 2023 zeigt: Die Umweltbelastung ist seit 2000 um rund einen Fünftel pro Person gesunken. Doch noch immer liegt sie deutlich über der planetaren Belastbarkeitsgrenze. Und: Absolut betrachtet ist die Belastung über den Betrachtungszeitraum weitgehend gleich geblieben. In der Studie wurden ausschliesslich Belastungen erhoben, die wir über den Konsum (z. B. Strom, Nahrungsmittel, Autos, Kleider, Bauprodukte) verursachen, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Dabei zeigte sich, dass ein Grossteil der Belastungen im Ausland anfällt: rund 77 Prozent im Jahr 2023. Der Auslandanteil hat seit 2000 zugenommen, damals lag er bei 64 Prozent. Um innerhalb der planetaren Belastbarkeitsgrenze zu handeln und damit ein ressourcenschonendes Wirtschaften zu erreichen, wäre nach Einschätzung der Studienautoren eine Reduktion der Gesamtumweltbelastung um 73 Prozent notwendig.

Spezifisch berechnet wurde auch der Treibhausgas-Fussabdruck. Für die Treibhausgasemissionen gibt es ein wissenschaftlich berechnetes globales Budget, um die globale Erwärmung unter 1,5 °C zu halten. Das daraus abgeleitete Pro-Kopf-Budget für die Schweiz für die Jahre 2016 bis 2100 dürfte gemäss den Autoren bereits 2024 aufgebraucht worden sein. Seit 2016 haben wir das jährliche Pro-Kopf-Budget jedes Jahr um rund das Zehnfache überschritten. nig

Weiterführende Informationen

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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