Amphibienteam © Pro Natura

Amphibienteam Sihlsee

Rund um den Sihlsee machen sich jeden Frühling Erdkröten, Grasfrösche, Bergmolche und Teichmolche auf die Wanderung zu ihren Laichgewässern. Dabei müssen sie teilweise auch die stark befahrenen Uferstrassen überwinden. Ein engagiertes Betreuerteam hilft ihnen, die gefährliche Strassenquerung zu überleben.

Amphibien müssen bei ihrer Laichwanderung häufig gefährliche Strassen überqueren. Der Tod auf den Strassen führt jedes Jahr zu enormen Verlusten bei diesen Tierarten. In der Schweiz sind sämtliche Amphibienarten bundesrechtlich geschützt. Dennoch nehmen deren Bestände tendenziell weiterhin ab. Dafür verantwortlich ist neben dem Mangel an Lebensräumen und der intensiven Landwirtschaft (Agrochemikalien) auch der Tod auf den Strassen.

In der Region Sihlsee kommen wertvolle und national bedeutende Lebensräume für Amphibien vor. Im Frühling, sobald die Nächte nicht mehr frostig sind und die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist, machen sich Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch und Teichmolch auf die Wanderung von den hügelseitigen Landlebensräumen zu den Laichgewässern beim oder im Sihlsee. Dabei müssen sie auch die Uferstrassen überqueren. Die Strasseneigentümer (Kanton Schwyz und Bezirk Einsiedeln) sind gesetzlich verpflichtet, eine sichere Laichwanderung zu gewährleisten. Sie tun dies mit baulichen Massnahmen im Rahmen des Strassenbaus, mit fest installierten Leitwerken aus Holz und jeden Frühling durch das Aufstellen von temporären Leitwerken. Seit rund 20 Jahren sind entlang dieser Leitwerke auch freiwillige Helfer unterwegs, um die Amphibien in Kisten und Kesseln einzufangen, auf die andere Strassenseite zu tragen und dort wieder freizulassen. 

Im Frühling 2013 hat das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei die Notwendigkeit dieser Einsätze anerkannt und eine Leistungsvereinbarung mit Pro Natura Schwyz abgeschlossen, in der die Aufgaben der freiwilligen Helfer und die finanzielle Unterstützung geregelt sind. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des „Amphibienteams Sihlsee“. Seither retten die freiwilligen Helfer nicht nur die wandernden Amphibien, sondern sie zählen diese auch, um mögliche Trends bei der Bestandsentwicklung der einzelnen Arten festzustellen und den Handlungsbedarf für weitere Massnahmen aufzudecken.

In den letzten Jahren wirkt das Amphibienteam auch im Auftrag des kantonalen Tiefbauamtes. Es beobachtet und zählt die wandernden Amphibien. Diese Zählungen dienen als Grundlage für die Planung von Amphibienschutzmassnahmen bei Strassenprojekten oder als Erfolgskontrolle bei realisierten Amphibienschutzmassnahmen bei Strassenneubauten.

Und last but not least hat das Amphibienteam wertvolle Unterstützung bei einem Forschungsprojekt von KARCH und Hochschule Wädenswil geleistet und wesentlich zur Entdeckung des Teichmolchs am Sihlsee beigetragen. Bei einem Grosseinsatz vom Frühling 2018 konnte im Gebiet Nätschweid/Ahornweid eine für diese Höhenlage aussergewöhnlich grosse Teichmolch-Population nachgewiesen werden. 2019 wurden Teichmolche auch an anderen Standorten rund um den Sihlsee nachgewiesen. Und im Frühling 2020 soll im Gebiet Nätschweid/Ahornweid mit weiteren Zählungen und einer speziellen Anordnung der Leitwerke und Zählkessel auch die bisher unbekannten Laichgewässer gefunden werden.

Das Amphibienteam erfüllt folgende Aufgaben:

  • hilft den wandernden Amphibien beim Überqueren der teilweise stark befahrenen Sihlsee-Uferstrassen.
  • kontrolliert die Ampibienleitwerke von Kanton Schwyz und Bezirk Einsiedeln auf ihre Funktionsfähigkeit.
  • zählt die über die Strassen wandernden Amphibien und erfasst sie ein einer "Amphibienstatistik".
  • zeigt den Handlungsbedarf für weitere Amphibienschutzmassnahmen von Kanton und Bezirk auf.
  • wirkt bei Amphibienzählungen als Planungsgrundlage oder Erfolgskontrolle für Amphibienschutzmassnahmen bei Strassenbauten mit.
  • leistet wertvolle Unterstützung beim Forschungsprojekt über die bemerkenswerte Teichmolch-Population am Sihlsee. 

Freiwillige Helfende, die jeweils im Frühling beim Amphibienteam mitwirken möchten, können sich gerne melden:
Geschäftsstelle Pro Natura Schwyz oder
Bruno Kälin, Euthal, Telefon 079 225 98 16



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