Ein umgestürzter Baum liegt im rund rund 5 ha grossen Bibersee Marthalen im Kanton Zürich

Bibersee Marthalen ZH: Toter Wald oder lebendiges Feuchtgebiet?

Vor zehn Jahren ist der Biber ins Waldstück Niederholz bei Marthalen eingezogen. Das Resultat seiner Arbeit: Ein für die Schweiz einmaliger Bibersee und eine märchenhafte Auenlandschaft.

Es ist ein ruhiger Herbstabend in einem Eichenwald in der Nähe der Gemeinde Marthalen. Rote Beeren leuchten aus dem herbstlich gelben  Blättergewirr im Unterholz. Ann einer mächtigen Eiche hämmert ein Specht. Das Panorama der wuchtigen Eichenkronen über den Köpfen ist beeindruckend. Auf der ruhigen Wasseroberfläche eines Waldsees gleitet ein Stück Holz dahin. Ein Stück Holz? – Halt! Seit wann hat Holz Augen und Ohren? Es ist ein Biber! Schon eine Minute später ist dieser Höhepunkt vorbei, der Biber taucht ab. Vor uns liegt wieder eine dunkle Wasserfläche.

Der Biber schuf ein kleines Stück «Urwald»

2007 ist eine Biberfamilie im Niederholz bei Marthalen eingezogen. Sie staute den ehemals schnurgeraden Mederbach und schuf sich ihre Biber-(Traum-)landschaft. Wo vorher nur ein kleines Bächlein floss, breitet sich nun einer der grössten Biberseen der Schweiz aus.

Zu Beginn stiessen die Aktivitäten des Bibers in diesem Nutzwald mit vielen mächtigen Eichen nicht auf viel Begeisterung ¬– vor allem nicht beim Förster vor Ort. Seine Eichen standen knietief im Wasser. Und einige der alten Riesen fällte der Biber sogar. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Biber-Strategie: Wenn die alten Bäume Platz machen, können junge Weiden nachwachsen. Und Weiden sind die Lieblingsspeise des Bibers.

In mehreren Gespräche überzeugten die Verantwortlichen von «Hallo Biber! Ostschweiz» die Gemeinde vor Ort. Die Menschen überliessen den einzigartigen Lebensraum dem Biber und der Natur.

Ein schützender «Mietvertrag» für 50 Jahre

Der Kanton Zürich, die Gemeinde Marthalen und Pro Natura schlossen 2013 einen Waldreservatsvertrag für 50 Jahre ab. Dies bedeutet, dass in der Kernzone des Reservats seit Anfang 2013 keine Forstwirtschaft mehr erlaubt ist. In der Umgebungszone sind Eingriffe weiterhin möglich, zum Beispiel zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Das neue Waldreservat ist rund zehn Hektaren gross. Die vom Biber überfluteten Bereiche erstrecken sich in einem breiten Band durch die Mitte des Gebietes.

Für mehr Artenvielfalt

Binsenjungfer, Pirol, Gelbbauchunke, Grauspecht und Dornschrecke: Dies sind einige Beispiele der Tierarten, die sich alleine in den vergangenen Jahren im und am neuen Bibersee bei Marthalen wieder zeigten. Sie sind Zeichen einer in der Tierwelt einzigartigen Eigenschaft des Bibers: Er gestaltet seinen Lebensraum, auch zum Wohl vieler anderer, oft bedrohter Tiere oder Pflanzen. Wo er wirken kann, bringt er die Natur am Wasser zum Erblühen.

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