Junge und erwachsene Gelbbauchunke liegen im Wasser © © Wolfgang Bischoff, naturschutzlösungen

Grosse Strommasten für kleine Gelbbauchunken

Was für ein schöner Erfolg: Im Sommer 2020 sichteten wir im Kanton Bern unter Strommasten neben vielen anderen Amphibien auch die seltene Gelbbauchunke. In unseren zehn angelegten Mini-Tümpeln können die Amphibien wieder hüpfen und wandern.

Wie Perlenketten reihen sich die Masten entlang der Stromleitungen durch das Gebiet zwischen Saane und Aare, ausgehend vom AKW Mühleberg und dem daneben stehenden Wasserkraftwerk.

Diese Flächen unter den Strommasten von Hochspannungsleitungen nutzen wir Menschen selten, doch für die Natur können sie enorm wertvoll sein.  Alle paar hundert Meter steht eine solche brachliegende Fläche. Wir können sie als Trittsteine nutzen, um den Lebensraum von Tieren und Pflanzen miteinander zu vernetzen.

Stromleitungen: Ideale Voraussetzungen für die Vernetzung

Kartenausschnitt Mühleberg – die Strommasten sind als rote Punkte eingezeichnet, die Linien der Stromleitungen zeigen eine spinnennetzartige Figur Quelle: Bundesamt für Landestopografie, Swissgrid
Das «Spinnennetz» von Stromleitungen mit Masten rund ums Kraftwerk Mühleberg ist für die Vernetzung von Tieren und Pflanzen ideal.

Pro Natura geht mit diesem Projekt neue Wege und wertet die ungenutzten und unterschätzten Flächen mit Kleinstgewässern auf. Die künstlich angelegten Tümpel sind ideal für Unken, Kröten und Molche.

Im Fokus des Projekts steht die seltene Gelbbauchunke. Ihr fehlen oft flache, kleine Laichgewässer, in denen sich das Wasser schnell erwärmt. Wichtig ist auch, dass die Tümpel regelmässig austrocknen. So hat es keinen Platz für Fressfeinde wie Fische und Libellenlarven. Neben idealen Laichgewässern braucht die Gelbbauchunke für den Rest des Jahres Verstecke in Holzhaufen, lockerem Waldboden oder dichter Vegetation.

Unser Pilotprojekt war ein voller Erfolg: Wir freuen uns sehr, dass wir diese Art als Gast begrüssen dürfen.

Vom Strommast-Niemandsland zum Amphibien-Eldorado

Handarbeit für Amphibienparadies

Im Kanton Bern im Gebiet Mühleberg/Gümmenen/Laupen legten wir im Winter 2018/2019 zehn kleine Tümpel unter Strommasten an. Eine eingelegte Folie verhindert das rasche Austrocknen. Ein kleiner Ablauf macht es möglich, das Wasser einmal im Jahr abzulassen.

Neben den Tümpeln errichteten wir zusätzlich Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen. Auch andere Amphibien und Wildtiere wie zum Beispiel Hermeline profitieren von diesen Strukturen in der Landschaft.  

Mit regelmässiger Pflege und guter Partnerschaft zum Erfolg

Einmal im Jahr muss das Wasser abgelassen werden. Auch das Laub sollte nicht im Tümpel liegen bleiben. Diese Pflegearbeit teilen sich Pro Natura Berner Mittelland und die jeweiligen Bewirtschafter der landwirtschaftlichen Flächen.

Wir danken allen für die Unterstützung des neuen Amphibien-Eldorado. Von Anfang an stiessen wir auf grosses Interesse und freudige Begleitung. Und so hoffen wir, dass wir nach diesem erfolgreichen Pilotprojekt noch viele solche wertvollen Vernetzungs-Perlenketten unter Strommasten realisieren können – ganz nach unserem Motto: «Freie Bahn für Wildtiere».

Unsere Partnerinnen sind

  • BKW Ökofonds, Stotzer-Kästli Stiftung, Abteilung Naturförderung Kanton Bern, Amt für Wald und Naturgefahren Bern
  • Swissgrid als Eigentümerin der Strommasten
  • die Landeigentümer/-innen und Bewirtschafter
  • Wolfgang Bischoff, naturschutzlösungen

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