Wasserfläche im Moor von Balmoos (August 2026): Die im letzten Jahr regeneriert Moorfläche ist trotz der Dürreperiode noch feucht und bietet Libellen einen Brutplatz. © Samuel Ehrenbold Samuel Ehrenbold
03.09.2026 Klimakrise

Der Hitzesommer 2026 setzt den Naturschutzgebieten zu

Die Hitzewellen dieses Sommers haben auch die Naturschutzgebiete in Mitleidenschaft gezogen – doch einige haben sich als widerstandsfähig erwiesen. Als Betreuerin von über 1000 Schutzgebieten betont Pro Natura: Im Kampf gegen die Klimaerhitzung ist eine intakte Natur von zentraler Bedeutung.

Der Hitzesommer hat im ganzen Land Spuren hinterlassen, so auch in der Moorlandschaft Rothenthurm am Fusse der Schwyzer Berge. «Ich kümmere mich seit 2009 um diese Moore und habe sie noch nie so trocken gesehen», stellt Bastien Amez-Droz, Projektleiter Schutzgebiete und Moore bei Pro Natura, fest. Trotz der extremen Hitze waren die regenerierten Bereiche, in denen die Wasserspeicherfähigkeit wiederhergestellt wurde, Mitte August noch feucht. «Nur dort konnten die Libellen noch ihre Eier ablegen und die Watvögel sich noch ausruhen.» 

Revitalisierungen zeigen Wirkung 

Im Hochmoor Balmoos (LU) fiel der Wasserstand in den Gewässern um 15 bis 20 cm gegenüber dem Normalwert, «was unter den gegebenen Umständen wenig ist», erklärt Amez-Droz. «Ohne die vergangenen Herbst durchgeführten Regenerationsarbeiten gäbe es diesen Sommer hier keinen einzigen Tropfen Wasser mehr.»

In einigen Pro Natura Schutzgebieten wie beispielsweise im Martinet (JU) sind die Bäche komplett ausgetrocknet. In anderen sind die Durchflussmengen zwar zurückgegangen aber nicht versiegt. So flossen die Quellbäche in den Schutzgebieten Gitzitobel (LU) oder La Chaux de Brenleire am Vanil Noir (FR) ohne Unterbruch weiter. «Ein Jahr wie dieses gibt uns einen guten Eindruck, welche Quellen dem Niederschlagsmangel standhalten und für den Naturschutz damit umso wichtiger sind», erläutert Léo Constantin, Projektleiter Waldbiodiversität bei Pro Natura Freiburg.

Feuchtwälder sind vielversprechend

Bei den Wäldern gestaltet sich die Bestandesaufnahme schwierig. Selbst wenn von blossem Auge nur wenige absterbende Bäume zu erkennen sind, bedeutet das nicht, dass sie unter der Trockenheit nicht gelitten hätten. «Wie viele Bäume sich halten, nur mit Mühe überleben oder absterben werden, wird sich erst in ein bis fünf Jahren zeigen», erklärt René Amstutz, Abteilungsleiter Biotope und Arten bei Pro Natura. Die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Dürre hängt von zahlreichen Faktoren ab, wie beispielsweise der Artenvielfalt, der Bodenbeschaffenheit und -qualität, aber auch von der Höhenlage oder vom Wasserangebot. Die Wiederherstellung von Feuchtwäldern stellt in dieser Hinsicht eine vielversprechende Lösung im Kampf gegen die Klimaerhitzung dar. 

Algenblüte werden verstärkt

Im Tessin kam es im Laghetto di Muzzano zu einer Algenblüte von aussergewöhnlichem Ausmass, die das Licht blockierte und die Entwicklung der Wasserpflanzen und -tiere hemmte. «Weil jahrelang Abwässer und Rückstände aus der Landwirtschaft in den See geleitet wurden, weist das Wasser einen Nährstoffüberschuss aus», erklärt Serena Britos Wiederkehr, Schutzgebietsverantwortliche für den Laghetto di Muzzano. Die überschüssigen Nährstoffe, namentlich Phosphor, begünstigen das Wachstum von Algen und Cyanobakterien – ein Phänomen, das durch die Hitze verstärkt wird.
Die kaum erträglichen Temperaturen auf der Alpensüdseite haben zudem dazu geführt, dass sich Massnahmen in den Naturschutzgebieten verzögerten und Umsetzungsfristen verlängert werden mussten.

Mehr Vielfalt = mehr Widerstandsfähigkeit

Angesichts der Zunahme von Extremereignissen ist die Erhaltung einer intakten Natur von zentraler Bedeutung. Gebiete mit einer grossen Artenvielfalt und einer hohen natürlichen Dynamik, sind in der Regel widerstandsfähiger als monotone und stark veränderte Flächen. Moore sind ein anschauliches Beispiel dafür: Ihre Wiederbelebung stärkt sowohl die Artenvielfalt als auch ihre natürliche Funktion als CO2- und Wasserspeicher - was zur Eindämmung der Klimaerhitzung und ihrer Auswirkungen beiträgt. 

Aus diesem Grund setzt sich Pro Natura für die Vernetzung ausreichend grosser Schutzgebiete ein, die von Pufferzonen umgeben und durch ökologische Korridore miteinander verbunden sind. Nur so können die natürlichen Lebensräume ihre wichtige Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt spielen und weiterhin die lebenswichtigen Funktionen erfüllen, auf die wir Menschen angewiesen sind.

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