Wie Schweizer Unternehmen zu positiven Akteuren für die Natur werden können
«Jedes Unternehmen ist auf die Leistungen der Natur angewiesen.» - lautet die Hauptbotschaft des heute veröffentlichten IPBES-Berichts zu den Wirkungen und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Natur. Aber: «Das, was für Unternehmen heute profitabel ist, führt oft zum Verlust von biologischer Vielfalt, und das, was für die Artenvielfalt und die Gesellschaft gut ist, ist oft nicht profitabel.» Schweizer Grossfirmen und Banken haben dabei aufgrund ihrer global vernetzten Lieferketten und der starken Präsenz im Rohstoffsektor einen überproportionalen Einfluss auf die weltweite Naturzerstörung.
Um unsere natürlichen Lebensgrundlagen langfristig zu erhalten, müsse sich das ändern, betont das Team renommierter, internationaler Wissenschaftler, die den Bericht verfasst haben. Auch wenn bewusstes Handeln engagierter Unternehmen einiges bewirke, reiche es nicht, um den nötigen Wandel herbeizuführen. Mit besseren Vorgaben und Förderinstrumenten müssen Staaten und internationale Gremien ein förderliches Umfeld und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, damit Unternehmen und Finanzinstitute zu positiven Akteuren für die Natur werden.
Was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft und Politik?
Der Bericht beinhaltet 13 Handlungsempfehlungen für Regierungen und Wirtschaft. Für die Schweizer Politik und Unternehmen leitet Pro Natura daraus u.a. folgende Massnahmen ab, für die bereits vielversprechende Ansätze bestehen:
- Richtlinien, Gesetze und Vorgaben für die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt einführen: Die nationale Strategie Biodiversität konsequent umsetzen, den Erhalt der Biodiversität bei anstehenden Geschäften der Finanzpolitik (Entlastungspaket), Landwirtschaftspolitik (AP 2030+) und Raumplanung (Umsetzung RPG2) berücksichtigen.
- Biodiversitätsschädigende Anreize abbauen und Anreize für eine umweltfreundliche Produktion stärken: Die 162 von der SCNAT identifizierten biodiversitätsschädigenden Subventionen in der Schweiz abschaffen oder umgestalten, wie z.B. die Förderung von Kleinstwasserkraftwerken und überhöhten Nutztierbeständen. Biodiversitätsfördernde Beiträge wie z.B. für Biolandbau, Waldreservate oder Naturgartenberatungen stärken und ausbauen.
- Akzeptables Geschäftsverhalten bestimmen: Die Konzernverantwortungs-initiative unterstützen, die eine Sorgfaltspflicht und Haftung für Grosskonzerne und Tochterfirmen bei Umweltzerstörung vorsieht.
- Rückverfolgbarkeit und Transparenz in den Lieferketten verbessern: Vorlagen wie eine entwaldungsfreie Lieferkette einführen, wie sie die EU bereits kennt.
- Investitionen der Finanzindustrie von naturschädigenden zu naturfördernden Unternehmen verlagern: Die Finanzplatzinitiative unterstützen, welche diese Ziele verfolgt.
Weitere Informationen:
Kontakt:
Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, [email protected]
Florence Lötscher, Stv. Medienverantwortliche, Tel. 079 826 69 47, @email